Kanadische Streitkräfte

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Kanadische Streitkräfte
Flag of Canada.svg Kanadische Streitkräfte
Canadian Forces
Forces canadiennes
Canadian Forces emblem.svg
F√ľhrung
Oberbefehlshaber
de jure:
Elisabeth II., Königin von Kanada
Oberbefehlshaber de facto: Vertretung durch Generalgouverneur David Johnston
Verteidigungsminister: Peter MacKay
Militärischer Befehlshaber: General Walter Natynczyk
Sitz des Hauptquartiers: Ottawa
Militärische Stärke
Aktive Soldaten: 67.7421 (Rang 58 )
Reservisten: 23.599
Wehrpflicht: Nein
Wehrtaugliche Bev√∂lkerung: (M√§nner im Alter von 15‚Äď49): 16.251.449 (2006; Sch√§tzung)[1]
Wehrtauglichkeitsalter: 16 Jahre[1]
Haushalt
Militärbudget: 21,8 Milliarden. C $ (Fiskaljahr 2010-2011) (Rang 13)
Anteil am Bruttonationaleinkommen: 1,1 % (128. Platz im Jahre 2003)
Geschichte
Gr√ľndung: 1812
Faktische Gr√ľndung: 1. Februar 1968 (Neustrukturierung)

Die kanadischen Streitkräfte (engl. Canadian Forces (CF), frz. Forces canadiennes) sind die verbundenen Streitkräfte Kanadas und die ihnen angeschlossenen Organisationen und Strukturen. Diese sind das Canadian Army (Heer), Royal Canadian Navy (Marine) und das Royal Canadian Air Force (Luftwaffe).[2] Die kanadischen Streitkräfte sind eine Freiwilligenarmee.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Wurzeln und Aufstellung

In der Kolonialzeit dienten kanadische Truppen in den britischen Streitkr√§ften oder in √∂rtlichen Milizen. Trotz der Manifestierung des kanadischen dominions im Jahre 1867 unterstanden die kanadischen Truppen bis um die Jahrhundertwende des 20. Jahrhunderts der britischen Krone. Kanadische Milizen verteidigten ihre Heimat im Amerikanischen Unabh√§ngigkeitskrieg, im Britisch-Amerikanischen Krieg und w√§hrend der Fenier-√úberf√§lle. Ein kanadisches Expeditionskorps unterst√ľtzte die britische Krone im Burenkrieg.

Die Gr√ľndung der kanadischen Streitkr√§fte selbst geht auf das Jahr 1812 zur√ľck, als eine solche Organisation als Unterst√ľtzung zur Abwehr der amerikanischen Invasoren ben√∂tigt wurde. Die Royal Canadian Navy wurde 1910, die Royal Canadian Air Force im Jahre 1924 gegr√ľndet.

Ihre Identität beziehen kanadische Soldaten, Seeleute und Piloten durch ihre nicht unwesentlichen Beiträge zu den beiden Weltkriegen und dem Koreakrieg.

Einsätze

Kanadische Soldaten im Einsatz bei Vaucelles, Frankreich (Juni 1944)
Gedenken an die gefallenen Kanadischen Soldaten der Schlacht um Ortona
Die größte Schlacht der Kanadier im Zweiten Weltkrieg bei der Gustav-Linie mit 1400 Toten

Kanadische Einheiten haben im Britisch-Amerikanischen Krieg, im Burenkrieg, im Ersten und im Zweiten Weltkrieg, im Koreakrieg und im Zweiten Golfkrieg (1990/1991) gedient, und Beitr√§ge zu Friedensmissionen, schwelenden Konflikten und nichterkl√§rten Kriegen wie zum Beispiel der Sueskrise, dem Zypernkonflikt, im jugoslawischen B√ľrgerkrieg oder im ‚ÄěKampf gegen den internationalen Terrorismus‚Äú (Afghanistan-Krieg) geleistet. Kanada ist Mitglied der NATO und Vertragsnehmer von NORAD, dem nordamerikanischen Luftraumverteidigungsb√ľndnis.

Als besonders traditionsstiftend werden aus Sicht des kanadischen Milit√§rs vor allem die Schlacht von Vimy (Erster Weltkrieg) und im Zweiten Weltkrieg die Operation Jubilee, die Schlacht von Ortona, die Landung in der Normandie, die Schlacht an der Scheldem√ľndung, die Luftschlacht um England und die Atlantikschlacht gesehen.

Nach der deutschen Kapitulation am Ende des Zweiten Weltkrieges hatten kanadischen Truppen ganz Norwegen sowie das gesamte niederländische Territorium nördlich des Rhein und des Flusses Lek befreit. Sie verließen diese Gebiete nach Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung innerhalb weniger Monate.

Seit 1947 waren die kanadischen Streitkr√§fte an 73 Operationen weltweit beteiligt. 2002 waren insgesamt 3000 kanadische Soldaten f√ľr elf Auslandseins√§tze abgestellt, wie zum Beispiel die SFOR in Bosnien und Herzegovina. Die Kanadische Beteiligung am Krieg in Afghanistan ab 2001 bis heute war eine der teuersten und verlustreichsten Operationen.

Auch in der Heimat sind kanadische regul√§re und Reserveeinheiten aktiv: Allein im Jahre 2001 gingen sie 8000 Suchmeldungen nach, bei denen sie mehr als 4500 Leben retteten. Auch auf diese Art von Eins√§tzen gr√ľndet sich die gro√üe Beliebtheit des kanadischen Milit√§rs. Von den Canadian Rangers werden regelm√§√üig sogenannte Souver√§nit√§ts-Patrouillen durchgef√ľhrt, um Kanadas Hoheitsanspr√ľche auf seine arktischen Gebiete zu untermauern.

Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg

Kanada hat im Zweiten Weltkrieg die gr√∂√üte Berufsarmee seiner Geschichte eingesetzt ‚Äď die Wehrpflicht wurde erst kurz vor Kriegsende eingef√ľhrt, somit konnten nur 2400 Wehrpflichtige noch bis zum Kriegsende eingesetzt werden. Auch nach dieser Zeit blieben die Verteidigungsausgaben und die Streitkr√§ftegr√∂√üe Kanadas auf ann√§hernd gleichem Niveau, wurden jedoch ab Anfang der 1960er zur√ľckgefahren, als die Bedrohung Kanadas durch die Nationen des Warschauer Pakts stetig schwand. W√§hrend der 1990er wurde dieser Trend aufgrund des Falls der Berliner Mauer und dem damit verbundene Verschwinden des Eisernen Vorhanges fortgesetzt, was zu Budget- und Personalk√ľrzungen, Standortschlie√üungen, aber auch zu einer Reduktion der kanadischen Kampfkraft f√ľhrte (anders als zum Beispiel in den USA, bei denen √§hnliche Umschichtungen nicht automatisch zu einer geschw√§chten Kampfkraft f√ľhrten).

Kanada unterhielt ab Ende des Zweiten Weltkrieges bis in die 1990er hinein zahlenm√§√üig nicht geringe Luft- und Landstreitkr√§fte in Deutschland. Diese beiden letzten gro√üen St√ľtzpunkte befanden sich in Lahr/Schwarzwald im Ortenaukreis (CFB Lahr; geschlossen am 31. August 1994, heute Black Forest Airport) und in Rheinm√ľnster-S√∂llingen im Landkreis Rastatt (CFB Baden-Soellingen; geschlossen am 31. Dezember 1993, heute Baden-Airpark). Beide Standorte befanden sich in Baden-W√ľrttemberg, in der N√§he der franz√∂sischen Grenze. Verblieben sind auf deutschem Boden diverse kleinere Einheiten, welche u. a. in der multinationalen NATO-Einheit in Geilenkirchen-Teveren bei Aachen, dem NATO Airborne Early Warning & Control Force E-3A Component im Dienst stehen, bzw. dieser fliegenden Gruppe Unterst√ľtzung leisten.

Umstrukturierung

Anders als die Streitkr√§fte der engsten Verb√ľndeten, wie z. B. Gro√übritannien, die USA, Australien oder Neuseeland, sind die kanadischen Streitkr√§fte eine verbundene Organisation mit einer einheitlichen Kommandostruktur. Das Wei√üpapier zur Verteidigungspolitik im M√§rz 1964 sah eine Restrukturierung der Streitkr√§fte als weiterhin getrennte Organisationen nicht vor und pr√§ferierte sie eher als ‚ÄěVereinigung von Eins√§tzen, Personal, Versorgung und Logistik sowie der Verwaltung‚Äú.

Am 1. Februar 1968 trat das Gesetz Bill C-243, The Canadian Forces Reorganization Act in Kraft, und es wurden zun√§chst die Royal Canadian Navy und die Royal Canadian Air Force in den Canadian Forces vereinigt. W√§hrend vorgegeben wurde, vor allem Kosten sparen zu wollen, kam der Vorwurf an den Premierminister Lester Pearson und an seinen Verteidigungsminister auf, sie w√ľrden dem kanadischen Postmodernismus der Nachkriegszeit hinterherrennen und monarchistische Traditionen absch√ľtteln wollen. Aber auch rein fachlich wurde die Reorganisation kritisiert, wie zum Beispiel von J. L. Granatstein, einem bekannten kanadischen Milit√§rhistoriker, in Who Killed The Canadian Military?(zu deutsch ungef√§hr: Wer hat das kanadische Milit√§r unf√§hig gemacht?).

W√§hrend die kanadischen Streitkr√§fte eine Streitmacht sind, so werden ihre Angeh√∂rigen den drei ‚ÄěUmgebungen‚Äú Land, Luft oder See zugerechnet. Diese Einteilung wird von der Laufbahn der dienenden Individuen bestimmt ‚Äď ein Pilot wird den Luftstreitkr√§ften zugeordnet. Nicht umgebungsspezifische Soldaten wie Milit√§rpolizisten oder Sanit√§ter werden zuf√§llig zugeteilt. In ihrer ‚ÄěUmgebung‚Äú verbleiben sie allerdings bis zum Ende ihrer Laufbahn, unabh√§ngig von Einheit oder Dienstgrad.

Auftrag

Fahne der verbundenen kanadischen Streitkräfte

Prim√§rer Auftrag der kanadischen Streitkr√§fte ist der Schutz der territorialen Integrit√§t Kanadas und seiner B√ľrger. Die Streitkr√§fte haben ferner den Auftrag die politischen und milit√§rischen B√ľndnisse des Landes zu unterst√ľtzen und zu sch√ľtzen.

Kanada arbeitet eng mit den Vereinigten Staaten und ihren Streitkr√§ften zusammen, um den nordamerikanischen Kontinent gegen alle Angriffe von au√üen zu sch√ľtzen, z. B im Rahmen des gemeinsamen nordamerikanischen Luftraumverteidigungskommandos.

Des Weiteren soll das kanadische Militär durch die Teilnahme an multinationalen Friedensmissionen Frieden und Sicherheit auf dem gesamten Erdball herstellen und sichern[3].

Organisation

Die kanadischen Streitkr√§fte in ihrer jetzigen Form entstanden am 1. Februar 1968, als die kanadische Regierung die bisherigen Teilstreitkr√§fte Royal Canadian Army, die Royal Canadian Navy und die Royal Canadian Air Force organisatorisch zusammengef√ľhrt hat. Somit stellt Kanada eine der wenigen Nationen dar, die ihre Streitkr√§fte so eng zusammengefasst hat. Der urspr√ľngliche Ansatz, sogar eine einheitliche Uniform einzuf√ľhren, hat sich jedoch nicht bew√§hrt und wurde inzwischen revidiert.

Kanada ist Mitglied der NATO seit ihrer Gr√ľndung im Jahre 1949. Die kanadischen Streitkr√§fte sind eng in deren Strukturen integriert und st√§ndige Teilnehmer an ihren √úbungen, und auch in gemeinsamen Verb√§nden pr√§sent. Ebenso unterst√ľtzt Kanada die UNO bei ihren humanit√§ren Eins√§tzen und bei ihren Friedensmissionen.

Befehlskette

Der Oberbefehlshaber der kanadischen Streitkr√§fte ist K√∂nigin Elisabeth II., K√∂nigin nach dem Recht Kanadas, vertreten durch den Generalgouverneur von Kanada. Der milit√§rische F√ľhrer ist der Chief of the Defence Staff General Walter Natynczyk. F√ľr die Verteidigungspolitik ist im Kabinett der Verteidigungsminister Peter MacKay zust√§ndig. Das Hauptquartier der kanadischen Streitkr√§fte befindet sich in der Hauptstadt Kanadas, in Ottawa, Ontario.

Teilstreitkr√§fte und Ausr√ľstung

Heer

Leopard 2 (der Bundeswehr), wie er auch im kanadischen Heer verwendet wird

Hauptseite: Canadian Forces Land Force Command

  • 66 Leopard C2 (werden seit 2008 durch 100 Leopard 2 erg√§nzt und bis 2015 komplett ersetzt)
  • 20 Leopard 2A6M CAN (Ex-Fahrzeuge der Bundeswehr)
  • 80 Leopard 2; davon 20 auf R√ľststand 2A4M CAN. Die restlichen 60 dienen als Ausbildungsfahrzeuge und als Fahrgestell f√ľr Berge- und Pionierpanzer
  • 300 Sch√ľtzenpanzer
  • √ľber 1000 Truppentransporter:

Marine

HMCS Protecteur (Flottenversorger)

Hauptseite: Canadian Forces Maritime Command

Es gibt zwei gro√üe Marinest√ľtzpunkte: Die Canadian Forces Base Halifax (CFB Halifax) an der Ostk√ľste und die Canadian Forces Base Esquimalt (CFB Esquimalt) an der Westk√ľste.

Die Flotte umfasst derzeit:

Die kanadische Marine hat immer wieder mit Problemen ihrer Flotte zu k√§mpfen. So hinderten technische Probleme die U-Boote der Victoria-Klasse jahrelang daran volle Einsatzbereitschaft zu erreichen, w√§hrend die Protecteur Versorgungsschiffe das Ende ihrer Lebensdauer eigentlich erreicht haben. Ein schneller Ersatz durch Neubauten ist aufgrund von Einsparungen auf Kosten der Streitkr√§fte vorl√§ufig jedoch nicht in Sicht. Ein weiteres Problem stellt der Personalmangel dar, welcher vor allem auf Budgetknappheit zur√ľckzuf√ľhren ist. Dies ging soweit, dass die HMCS Huron (Iroquis-Klasse) nicht mehr bemannt werden konnte und letzten Endes versenkt werden musste.

Luftstreitkräfte

CF-18 Hornet √ľber Hawaii, 2006

Hauptseite: Canadian Forces Air Command

Ausr√ľstung

(ohne Trainingsflugzeuge) Angaben auf der Hauptseite weichen von den obigen teilweise ab.

Verweise

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Cimitero Canadese (Ortona) ‚Äď Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
 Commons: Kanadische Streitkr√§fte ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ a b CIA World Factbook: Milit√§rsektion 24. Februar 2007. (englisch)
  2. ‚ÜĎ http://www.cbc.ca/news/politics/story/2011/08/16/pol-military-renaming.html
  3. ‚ÜĎ Abschnitt What We Do im Einf√ľhrungs-FAQ des kanadischen Verteidigungsministeriums. Eingesehen am 24. Februar 2007

1. http://www.tbs-sct.gc.ca/rpp/2010-2011/inst/dnd/dnd01-eng.asp#sec1g_e


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