Kanalisation

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Kanalisation
Kanalisation in Paris
Kanalisation in Paris
Schacht in Brighton
Kanalisation aus der Antike (Athen)
Plan der Kanalisation Wiens, 1739

Eine Kanalisation ist eine Anlage zur Sammlung und Ableitung von Schmutzwasser, Regen- und Schmelzwasser durch unterirdische Kanäle.

Zur Kanalisation gehören neben dem Kanalnetz (regional auch Siel genannt, siehe aber Siel) auch Sammel-, Pump-, Absperr- und mechanische Reinigungsanlagen. Das gesammelte Abwasser wird zu Abwasserbehandlungsanlagen (Kläranlagen) transportiert oder direkt in Gewässer, in diesem Zusammenhang als Vorfluter bezeichnet, eingeleitet.

Kanalisation deckt sich teilweise mit dem Begriff Entwässerungsanlage (gem. DIN EN 752-1:1995 … ein System von Rohren und Zusatzbauten zur Ableitung von Schmutzwasser- und/oder Regenwasser zu einer Senkgrube, Kanalisation oder sonstigen Entsorgungseinrichtung …)

Inhaltsverzeichnis

Entwicklung

Mit der Bildung von zusammenh√§ngenden Siedlungen entstanden Probleme durch Abf√§lle, Abw√§sser und √úberflutungen. Die zun√§chst einfache Entsorgung war ein Hauptgrund f√ľr die Entstehung von Siedlungen an B√§chen und Fl√ľssen; dadurch konnte die nat√ľrliche Vorflut zur Ableitung genutzt werden.

Um Flut- und Regenwasser schnell und aus hygienischen Gr√ľnden Abwasser geordnet ableiten zu k√∂nnen, entwickelten sich ‚Äď vor allem in dichten Siedlungen ‚Äď schon vor langer Zeit erste Kanalisationen. Bei der Schwemmkanalisation wurden Abf√§lle und Abw√§sser durch Wasser weggesp√ľlt. Meistens dienten dazu Regenwasser oder aber auch nat√ľrliche Gew√§sser. Bereits im Altertum befasste man sich mit dem Problem der Abwasserbeseitigung und baute Entw√§sserungsleitungen in St√§dten. So entdeckten Arch√§ologen in Mohenjo-Daro, nahe dem Fluss Indus in Pakistan, ein 4000 Jahre altes gemauertes Entw√§sserungssystem. Es wird zu den √§ltesten Kanalisationen der Welt gez√§hlt. Noch heute k√∂nnen die aus Ziegeln gemauerten Hausanschl√ľsse und Kan√§le besichtigt werden, welche das Abwasser ableiteten. Entw√§sserungskan√§le lassen sich aber auch schon um 3000 v. Chr. im Euphrattal nachweisen. Zu Zeiten der R√∂mer wurden Schwemmkanalisationen verwendet; meistens handelte es sich dabei allerdings um offene Gerinne, wegen des hohen Bauaufwandes waren Abwasserrohre selten. Die bekannteste r√∂mische Kanalisation ist die Cloaca Maxima in Rom. Der Rest einer unterirdischen, r√∂mischen Abwasserkanalisation ist in der K√∂lner Altstadt noch heute begehbar.

Im fr√ľhen europ√§ischen Mittelalter ging das Wissen um die hygienische Bedeutung einer geordneten Abwasserentsorgung weitgehend verloren, weshalb es infolge einer wachsenden Bev√∂lkerung √ľber Jahrhunderte hinweg zu verheerenden Pest- und Choleraepidemien kam. Erst in der Neuzeit wurde in den aufgrund der Industrialisierung stark gewachsenen St√§dten eine geordnete Abwasserentsorgung installiert. Im Jahre 1739 war Wien als erste Stadt Europas vollst√§ndig kanalisiert. Ab 1842 wurde in London mit dem Bau des Kanalisationssystems begonnen. Das erste moderne Kanalisationssystem auf dem europ√§ischen Festland entstand ab 1856 in Hamburg nach dem Gro√üen Brand von 1842.

Am Beispiel von Berlin lassen sich vier Phasen der modernen Wasserwirtschaft in Ballungszentren unterscheiden: 1856‚Äď1874, 1874‚Äď1900, 1900‚Äď1925, 1925‚Äď1940. Der Beginn einer zentralen Wasserversorgung konnte bereits in der ersten Phase durch ein englisches Privatunternehmen realisiert werden. Die √úbernahme des Wasserwerks in st√§dtische Hand erfolgte 1874. Danach wurde bis zum Jahre 1900 eine fl√§chendeckende Grundversorgung aufgebaut. Der Auf- und Ausbau eines leistungsf√§higen Kanalisationssystems begann dagegen sp√§ter in der zweiten Phase. In Berlin wurden damals durch l√§ngere empirische Untersuchungen unter der Leitung Rudolf Virchows schwerwiegende technische Fehler bei Konzeption und Bau der Kanalisation und somit hohe Fehlinvestitionen vermieden, im Gegensatz etwa zu Frankfurt, D√ľsseldorf, Essen und M√ľnster. Die Entwicklung der biologischen Abwasserreinigung und des Belebtschlammverfahrens folgte in den Jahren 1900‚Äď1940.

Im l√§ndlichen Raum entstand die heutige Kanalisation im Regelfall durch die sog. B√ľrgermeisterkan√§le.

Heutzutage werden viele Abwassernetze saniert, um auch die Reinigung von kleinen Abwassermengen besser zu erm√∂glichen. Das Leipziger Mischwassernetz mit einer L√§nge von mehr als 2.700 Kilometern verf√ľgt √ľber eine sogenannte Kanalnetzsteuerung. √úber dieses System lassen sich gro√üe Mengen Schmutzwasser, wie sie beispielsweise bei Starkregen entstehen, im Kanal zwischenspeichern. Das Wasser wird dann nach und nach in Leipzigs gr√∂√ütes Kl√§rwerk im Rosental abgeleitet. Das System entlastet nicht nur das Kl√§rwerk und sch√ľtzt es vor √úberflutung, sondern schont auch die Umwelt, weil bei Starkregen deutlich weniger stark verd√ľnntes Mischwasser in umliegende Gew√§sser wie Elsterm√ľhlgraben oder die Parthe abgegeben werden muss.

Entwässerungsverfahren

Die Abw√§sser, die von der Kanalisation erfasst werden, sind heute die Siedlungsabw√§sser von Haushalten und Kleingewerbe und zum gro√üen Teil die Niederschlagsabw√§sser, die von Dachfl√§chen und versiegelten Oberfl√§chen abgeleitet werden. Zum Teil gelangen auch Industrieabw√§sser in die Kanalisation. Industrieabw√§sser werden meistens in firmeneigenen Kl√§ranlagen oder Abscheideranlagen vorgekl√§rt. Wegen der sehr speziellen Verunreinigung durch Mineral√∂le, Salze oder andere Chemikalien ergeben sich besondere Reinigungsanforderungen, bevor sie in gr√∂√üere (√∂ffentliche) Systeme eingeleitet werden d√ľrfen.

Bestanden in Deutschland und √Ėsterreich noch bis in die 1960er-Jahre hinein (in den l√§ndlichen Gebieten bis in die 1990er-Jahre) viele Hausf√§kalkan√§le mit Senkgruben und Sickergruben, so wurde in den letzten Jahrzehnten von den Kommunen viel investiert, um diese Hausanlagen in Ortskanalisationen zusammenzufassen und die Abw√§sser Kl√§ranlagen zuzuleiten. Das √∂ffentliche Kanalnetz besteht aus Kan√§len, Sch√§chten, Sonderbauwerken (Regen√ľberlaufbecken, Abwasserpumpwerk, Pumpstationen, Kurvenbauwerken, Ausl√§ssen) sowie, satzungsabh√§ngig, Anschlussleitungen bis zu Grundst√ľcksgrenzen oder Revisionssch√§chten.

Typen nach Abfluss

Nach dem Abfluss unterscheidet man folgende Entwässerungssysteme:

Mischsystem (Mischkanalisation)

Haus-, Industrie und Niederschlagsabw√§sser werden gemeinsam abgef√ľhrt.

Modifizierte Mischkanalisation

Schmutzw√§sser sowie behandlungsbed√ľrftige Niederschlagsabw√§sser werden zusammen abgef√ľhrt. Nicht behandlungsbed√ľrftige Niederschlagsabw√§sser werden vor Ort versickert oder direkt oder indirekt in ein Gew√§sser geleitet.

Trennsystem (Trennkanalisation)

Schmutzw√§sser werden in einem Kanal abgef√ľhrt, Niederschlagsabw√§sser in einem separaten Kanal. Wegen der in der Regel geringen Schmutzfracht von Regenw√§ssern werden diese meistens direkt oder indirekt (etwa √ľber Regenwasserr√ľckhaltebecken) in Gew√§sser eingeleitet und nicht in Kl√§ranlagen behandelt.

Erweiterte Trennkanalisation

Schmutzw√§sser und behandlungsbed√ľrftige Niederschlagsabw√§sser werden in separaten Kan√§len abgeleitet. Nicht behandlungsbed√ľrftige Niederschlagsabw√§sser werden vor Ort versickert oder direkt oder indirekt in ein Gew√§sser geleitet.

Sonderverfahren

Bei abgelegenen Gebäuden oder Siedlungen können, abhängig von Abwasseraufkommen und -beschaffenheit, auch Druck- oder Vakuumentwässerungsverfahren und Speicherung in abflusslosen Sammelgruben mit Entsorgung durch Fahrzeuge zur Entsorgung der Abwässer verwendet werden. Auch bei der örtlichen Abwasserreinigung durch Kleinkläranlagen (Tropfkörper, Belebtschlammverfahren, Pflanzenkläranlagen und Rieselfelder (Abwasserverrieselung)) sind Zuleitungskanäle erforderlich.

In Deutschland √ľberwiegt bis heute die Mischkanalisation, mit der etwa 60 % der Siedlungsgebiete aller Einwohner entw√§ssert werden. Beim Neubau von Anlagen wird vor allem in Wohngebieten aber meistens die Trennkanalisation verwandt. Auch wandelte sich die Entw√§sserungskonzeption in den letzten Jahren. Von der ableitungsorientierten Sicht und im Sinne einer wirtschaftlichen und √∂kologischen Sichtweise gewinnt die dezentrale Regenwasserversickerung vor Ort zunehmend an Bedeutung.

Typen nach Größe

Nach der Größe unterscheidet man:

Hauskanalisation

Auf privaten Grundst√ľcken werden heutzutage meist Rohre mit der Nennweite DN 100 (Rohrdurchmesser 10 cm) bis DN 200 (20 cm) verwendet. Zur Hauskanalisation geh√∂ren Ausg√ľsse, Toiletten, Dachentl√ľftungen und hausinterne Gullis (die Entw√§sserungsgegenst√§nde). Die Hauskanalisation wird in das √∂ffentliche Kanalnetz entsorgt oder m√ľndet in Abwasserreinigungsanlagen beziehungsweise abflusslosen Sammelgruben in der unmittelbaren N√§he des zu entw√§ssernden Objektes. Die Entw√§sserungsgegenst√§nde eines Hauses werden √ľber Geruchsverschl√ľsse (Siphon) angeschlossen und zu den Fallrohren entw√§ssert. Die Fallrohre m√ľnden in den Grundkanal, der das Abwasser zum Hausanschlussschacht leitet. Eventuell ist eine Abwasserhebeanlage f√ľr tiefliegende Geschosse erforderlich. Um Sch√§den durch R√ľckstau aus dem Kanalnetz und daraus resultierende √úberflutungen zu vermeiden, sollten alle Entw√§sserungsgegenst√§nde √ľber der R√ľckstauebene (zumeist die Stra√üenoberkante, da bei √úberlastung der Ortskanalisation das Abwasser √ľber die Sch√§chte austritt und daher der Wasserspiegel im Ortskanal nur bis dort ansteigen kann) angeordnet sein. R√ľckstausicherungen sind f√ľr Entw√§sserungsgegenst√§nde unterhalb der R√ľckstauebene vorzusehen, sind jedoch nicht v√∂llig zuverl√§ssig, wenn diese nicht den einschl√§gigen Normen entsprechen. Da im Geb√§ude die Entw√§sserung nach dem Trennsystem zu erfolgen hat, darf die Fallleitung der Dachrinnen nicht auf die Grundleitung geschlossen werden. Dieses geschieht am besten im Revisionsschacht. Die Fallrohre sind √ľber Dach zu entl√ľften, um ein Leersaugen von Geruchsverschl√ľssen zu verhindern sowie eine Abf√ľhrung der Ger√ľche aus dem Kanalnetz zu erm√∂glichen. Aus diesem Grund sollten auch in Grundkan√§len keine Geruchsverschl√ľsse vorgesehen sein.

Beim Hausanschlussschacht und im Entwässerungsnetz sollten Reinigungsöffnungen angeordnet werden. Als Material der Hauskanalisation wird zumeist Kunststoff, Grauguss oder Steinzeug eingesetzt. Die Materialwahl richtet sich nach der Aggressivität des Abwassers (bei Kleingewerbe), dem Rohrdurchmesser, der Verarbeitung und den Kosten.

Ortskanalisation

Hierzu geh√∂ren die Anschlusskan√§le, die in Stra√üenkan√§le m√ľnden, die zu Neben- und Hauptsammlern zusammengef√ľhrt werden. Es werden heutzutage meist Rohre mit der Bezeichnung DN 250 (Rohrdurchmesser 25 cm) bis DN 800 (80 cm) verwendet. Die Hauptsammler leiten die Abw√§sser einer Kl√§ranlage zu. Neben dem Leitungsnetz gibt es Speicherbecken sowie Regen√ľberl√§ufe und Regenbecken, die direkt in Vorfluter m√ľnden. Sind l√§ngere Strecken ‚Äď wie im l√§ndlichen Bereich ‚Äď oder H√∂henunterschiede zu √ľberwinden, werden zus√§tzlich Pumpwerke eingesetzt. Als Material wurde in der Vergangenheit Grauguss oder Steinzeug eingesetzt. Seit Ende des 20. Jahrhunderts wird im Zuge der technischen Entwicklung verst√§rkt Kunststoff verwendet.

Kanäle

√úblicherweise weisen Abwasserkan√§le ein Gef√§lle von 0,1 bis 2 % und eine Nennweite zwischen 200 mm (oder DN 250 nach den neueren technischen Regeln) und teilweise von mehreren Metern auf. Die Kan√§le sind in der Regel als so genannte Freispiegelleitungen ausgef√ľhrt, so dass der Wasserstand im Rohr unter dem Rohrscheitel liegt. Die Kan√§le sind nur in Ausnahmef√§llen komplett mit Abw√§ssern gef√ľllt (wie bei starken Regenereignissen bei Misch- oder Regenwasserkanalisation). In Sonderf√§llen (geringes Gef√§lle im Einzugsgebiet oder Transportleitungen) werden Unterdrucksysteme oder Druckleitungen verwendet. Ist das Rohrgef√§lle zu gering oder es sind Steigungen zu √ľberwinden, m√ľssen zus√§tzliche Pumpenanlagen vorgesehen werden. Zwischen l√§ngeren Rohrabschnitten liegen Kontrollsch√§chte. Die Leitungen haben im Vergleich zu Trinkwasserleitungen gro√üe Querschnitte. Hauptabwassersammler in Ballungsr√§umen k√∂nnen begeh- und teilweise sogar mit Booten befahrbar (so das Geest-Stammsiel bei den Hamburger Landungsbr√ľcken) ausgef√ľhrt sein. F√ľr entlegene Ansiedlungen (abgelegene Geh√∂fte, Wochenendhaussiedlungen) werden in Ausnahmef√§llen auch Druck- oder Vakuumentw√§sserungen oder, um lange Kan√§le zu vermeiden, dezentrale Kleinkl√§ranlagen angewandt. Fr√ľher wurden Kan√§le h√§ufig aus Ziegeln aufgemauert oder in Ton- oder Steinzeugrohren ausgef√ľhrt. Je nach Medium und Belastung der Rohre werden heute Kan√§le in den verschiedensten Materialien wie Faserbeton, Gusseisen, Stahl, Steinzeug, Kunststoff oder Beton ausgef√ľhrt.

Misch- und Trennsystem

Prinzipiell gibt es zwei M√∂glichkeiten, das Schmutzwasser und das Regenwasser zu entsorgen. Entweder in einer gemeinsamen Leitung (Mischsystem oder Mischverfahren) oder in getrennt ausgef√ľhrten Leitungen (Trennsystem oder Trennverfahren). Beide Verfahren haben ihre Vor- und Nachteile.

Kosten

Das Mischverfahren verursacht normalerweise geringere Baukosten f√ľr den Leitungsbau als das Trennverfahren, da nur ein Kanal notwendig ist. Kl√§ranlagen und Pumpstationen jedoch sind f√ľr gro√üe Wassermengen zu bemessen und werden damit baulich und betrieblich teuer. Das Trennverfahren hat den Vorzug der kleineren Kl√§ranlagen und Pumpstationen mit entsprechend niedrigeren Bau- und Betriebskosten. Preislich liegen daher beide Systeme in etwa gleichauf.

Wandel

Dem Mischsystem wurde fr√ľher h√§ufig nicht nur wegen der geringeren Investitionskosten der Vorzug vor dem Trennsystem gegeben, da von relativ wenig Schmutzwasser ausgegangen und ein Starkregen als willkommene Sp√ľlung des Leitungsnetzes betrachtet wurde. Der seltene √úberlauf des stark verd√ľnnten Schmutzwassers √ľber ein Regen√ľberlaufbauwerk in den Vorfluter konnte daher toleriert werden, daf√ľr wurde bei Regenbeginn und bei kleineren Regen der Schmutz der Stra√üen vom Vorfluter ferngehalten.

Die zunehmende Besiedelung und Verl√§ngerungen der Kanalleitungen f√ľhrten und f√ľhren zu einer immer gr√∂√üer werdenden Schmutzwasser-Grundlast und die √úberlastf√§lle werden h√§ufiger. Dadurch entsteht R√ľckstau des Abwassers in Keller und √úberschwemmungen von Stra√üen, die wegen der mitgef√ľhrten F√§kalien besonders unangenehm sind. Es entstehen weitere Entlastungsbauwerke und R√ľckstauverschl√ľsse. Die F√§kalien gelangen durch die √úberlastf√§lle ungekl√§rt in den Vorfluter, was die biochemische Verschmutzung zu gro√ü werden l√§sst oder es werden neue und gr√∂√üere Kanalisationen und Bauwerke erforderlich.

Seit den 1970er Jahren baute man daher vermehrt auf das Trennsystem. Inzwischen wird in der St√§dteplanung oft versucht, lediglich das Abwasser in einer Kanalisation abzuf√ľhren und Regenwasser vor Ort zu versickern, vorgeschrieben ist daher eine entsprechende Gestaltung. Auch die Kosten k√∂nnen hierdurch reduziert werden.

Sonderbauwerke

Regenentlastungsbauwerke

Ein Regenentlastungsbauwerk ist eine Einrichtung in einem Misch‚Äď oder modifizierten Mischsystem oder einer Kl√§ranlage, die das System hydraulisch entlastet.

Folgende Bauwerke gelten als Regenentlastungsbauwerke:

Das Kanalisationsnetz kann nicht auf das Ableiten der gesamten anfallenden Schmutz- und Regenabw√§sser dimensioniert werden. Daher m√ľssen im Mischwasserkanalnetz Entlastungsbauwerke erstellt werden.

√úber Regen√ľberl√§ufe werden ab bestimmten Regenintensit√§ten und den damit zusammenh√§ngenden Abwassermengen Teile des Abwassers zur Entlastung in einen Vorfluter abgezweigt.

Regenbecken

Die Regenbecken werden dort angeordnet, wo die Bedingungen zu einer Hochwasserentlastung unterschritten werden oder die Hochwasserentlastung zu häufig anspringt und den Vorfluter mit Schmutzwasser belastet.

Die Regenbecken k√∂nnen drei Funktionen √ľbernehmen.

  1. Speichern des zu viel anfallenden Abwassers.
  2. Grobes Kl√§ren des √ľberlaufenden Mischwassers.
  3. Fangen des ersten Schmutzsto√ües, der vor allem vom Absp√ľlen der Kanalablagerungen herf√ľhrt.

Die Wirkung des Regenbeckens ist vom Verhältnis des Beckeninhaltes zur Größe des Einzugsgebietes abhängig.

Folgende Gr√ľnde gibt es f√ľr den Bau eines Regenbeckens.

  • √úberlastete Netze k√∂nnen durch den Einbau von Regenbecken oft zweckm√§√üig saniert werden, ohne die bestehenden Kan√§le zu vergr√∂√üern. Dabei sind je nach Gef√§lleverh√§ltnissen auch Pumpen einzuschalten.
  • Beim Anschluss von neuen Baugebieten an eine vorhandene, nahezu ausgelastete Kanalisation besteht oft die M√∂glichkeit, das Schmutzabwasser und einen Teil des Regenabwassers, nicht aber die Abflussmengenspitzen, in den bestehenden Kan√§len abzuf√ľhren. Hier l√§sst sich durch den Einbau eines Regenr√ľckhaltebeckens die Erweiterung der vorhandenen Kanalisation umgehen.

Je nach Wirkungsweise werden unter dem Sammelbegriff ‚ÄěRegenbecken‚Äú folgende Beckenarten unterschieden:

  • Regenr√ľckhaltebecken (RRB)
  • Regen√ľberlaufbecken (R√úB)

Regenr√ľckhaltebecken (RRB)

Regenr√ľckhaltebecken speichern bei starken Regenf√§llen einen Teil der ankommenden Mischwassermenge und geben sie verz√∂gert und gedrosselt wieder an die Kanalisation ab. Sie verhindern eine √úberlastung im Kanalnetz, wo eine Entlastung unm√∂glich oder nicht erw√ľnscht ist. Solche Becken m√ľssen nicht in der N√§he von Vorflutern liegen. Sie besitzen meistens nur einen Ablauf ins Netz sowie einen Not√ľberlauf.

Regen√ľberlaufbecken (R√úB)

Regen√ľberlaufbecken stellen eine Kombination von Regen√ľberlauf und Regenr√ľckhaltebecken dar. Die beiden Bauteile, Becken und √úberlauf, lassen sich getrennt oder in einem Bauwerk vereinigt ausf√ľhren. Diese Becken besitzen einen Beckenablauf und einen oder mehrere √úberl√§ufe. Die Regenabw√§sser werden grob gekl√§rt dem Vorfluter zugef√ľhrt. Der Beckeninhalt mit den zur√ľckgehaltenen, abgesetzten Stoffen wird der Kl√§ranlage zugef√ľhrt. Dadurch werden die Spitzen der Abflussmengen gebrochen und die abzuf√ľhrenden Wassermengen verkleinert.

Das Regen√ľberlaufbecken wirkt bis zum Anspringen des √úberlaufes als R√ľckhaltebecken. Erst im gef√ľllten Zustand, bei √úberlaufbetrieb, wird es zum durchflossenen Kl√§rbecken. Regen√ľberlaufbecken k√∂nnen im Haupt- oder Nebenschluss betrieben werden.

Damit eine optimale Bewirtschaftung der Regenbecken erfolgen kann, werden die Regen√ľberlaufbecken heute im Nebenschluss gebaut. Im Hauptschluss betriebene Becken liegen im zur Kl√§ranlage f√ľhrenden Kanal. Diese wichtige Anordnung ist nur bei ausreichendem Gef√§lle m√∂glich, da die Beckenentleerung st√§ndig und nur mit nat√ľrlichem Gef√§lle Richtung Kl√§ranlage erfolgt. Die Beckenentleerung erfolgt erst nach Regenende mittels einer Pumpe. Bei gen√ľgenden Gef√§lleverh√§ltnissen kann das Becken nach dem Regenende auch durch einen gesteuerten Schieber entleert werden, wie es hier in dem unterirdischen langgezogenen Becken in K√∂ln der Fall ist.

Sie leiten mindestens den kritischen Mischwasserabfluss Qkrit zur Kläranlage weiter. Ergibt sich ein Mischverhältnis

mR√ú = (Qdr ‚Äď Qt24) / Qt24 > 7, so ist das Mischverh√§ltnis von mR√ú = 7 f√ľr den R√ú zugrunde zu legen.

Liegt die mittlere CSB-Konzentration im Trockenwetterabfluss ct √ľber 600 mg/l, so ist das Mischverh√§ltnis m zu erh√∂hen, um st√§rkere Verd√ľnnungen zu erzielen:

mR√ú ¬¨¬¨> (ct ‚Äď 180) / 60

Die √úberl√§ufe sind m√∂glichst mit hochgezogenem Wehr auszubilden. Durchmesser eines Drosselrohres du > 0,2 m. Ein R√ú mit Boden√∂ffnung (Spring√ľberlauf) ist bei schlie√üendem Abfluss sinnvoll.

Ein RÜB sollte ein Mindestspeichervolumen haben. Vsmin = 3,60 + 3,84qr in m³/ha

Durchlaufbecken (DB) sollen Vs > 100m³ aufweisen,
Fangbecken (FB) sollen Vs > 50m³ haben.

Fangbecken (FB) im Nebenschluss

Ein Fangbecken dient dazu, den ersten Wassersto√ü bei Regenereignissen aufzufangen und den Kanal zu entlasten. Sie werden im Normalfall vom Kanal durchflossen. Im Nebenschluss werden sie √ľber Trennbauwerke beschickt. Nach F√ľllung des Beckens tritt der Becken√ľberlauf in Aktion. Es entsteht kein Gef√§lleverlust. Bei Trockenwetter und kleinen Regen mit QR < Qab kein Zufluss zum Becken.Entleerung durch Pumpe mit konstanter zus√§tzlicher Beschickung des Kl√§rwerks.

Im Hauptschluss geht der Klärwerkzufluss durch das Becken. Einfache Anordnung, kein Trennbauwerk, eventuell Gefälleverlust, Entleerung ohne Pumpe, Abfluss schwankend ohne Steuervorrichtung.

Durchlaufbecken (DB) im Nebenschluss

Durchlaufbecken haben zus√§tzlich einen √úberlauf f√ľr gekl√§rtes Wasser (Kl√§r√ľberlauf), der vor dem Becken√ľberlauf anspringt und das im Becken mechanisch gekl√§rte Mischwasser zum Vorfluter leitet.

Stauraumkanäle (SK)

Stauraumkan√§le mit oben liegender Entlastung werden in der Regel wie Fangbecken bemessen, sofern die Bedingungen f√ľr Fangbecken eingehalten werden k√∂nnen. Andernfalls sind sie wie Stauraumkan√§le mit unten liegender Entlastung zu behandeln. Sie sind auch f√ľr Speichervolumen kleiner als 50 Kubikmeter sinnvoll.

Stauraumkan√§le mit unten liegender Entlastung erhalten im vereinfachten Aufteilungsverfahren wegen der schlechteren Absetzwirkung einen Volumen-Zuschlag. Das spezifische Speichervolumen Vs ist wie f√ľr Regen√ľberlaufbecken zu ermitteln.

VSKU = 1,5 ‚ÄĘ Vs ‚ÄĘ Au in m¬≥ Mit Vs in m¬≥/ha = spezifisches Speichervolumen Au in ha = undurchl√§ssige Fl√§che des zugeh√∂rigen Teileinzugsgebietes

In Nachweisverfahren sind die Besonderheiten f√ľr Stauraumkan√§le mit unten liegender Entlastung zu beachten. Die Entleerungsdauer von Stauraumkan√§len sollte kleiner als 15 Stunden sein. Das Mindestmischverh√§ltnis ist wie f√ľr Regen√ľberlaufbecken festzulegen.

Organisation und Kosten

Geöffneter Abwasserschacht

Deutschland

Der Bau und die Unterhaltung der √∂ffentlichen Kanalisation und der √∂ffentlichen Abwasserbehandlungsanlagen (Kl√§ranlagen) obliegen dem ‚ÄěAbwasserbeseitigungspflichtigen‚Äú, im Regelfalle der jeweiligen Kommune. Diese kann die Abwasserbeseitigungspflicht einem Dritten, beispielsweise einem Abwasserzweckverband, oder unter gewissen Voraussetzungen dem Grundst√ľckseigent√ľmer bei dem das Abwasser anf√§llt, zum Beispiel durch den Bau einer Kleinkl√§ranlage, √ľbertragen.

F√ľr Neuanschl√ľsse an eine √∂ffentliche Kanalisation kann je nach Abwassersatzung ein Anschlussbeitrag zu entrichten sein. Die Benutzungsgeb√ľhren werden bei Anschluss an ein zentrales Abwassernetz meistens das Schmutzwasser nach dem Trinkwasserverbrauch (Wahrscheinlichkeitsma√üstab) und das Niederschlagswasser nach angeschlossener versiegelter Fl√§che abgerechnet. Bei dezentralem Anschluss (Kleinkl√§ranlage) wird gem√§√ü der abgefahrenen F√§kalschlammmenge abgerechnet.

√Ėsterreich

Die Errichtung, Erhaltung und Betrieb von Abwasserbeseitigungsanlagen erfolgt durch Einzelpersonen, Betriebe und Unternehmungen, Wassergenossenschaften, Kommunen und Wasserverbände.

Die Verrechnung der Kanalisationskosten ist in √Ėsterreich Gemeindesache. Grunds√§tzlich gibt es f√ľr die laufenden Geb√ľhren der Abwasserkanalisation drei Verrechnungsmodelle:

  • nach der Fl√§che der angeschlossenen Geb√§udegeschosse (mehr im l√§ndlichen Raum)
  • nach dem Wasserverbrauch aus der Trinkwasserleitung ((Wasserverteilungssystem), dieser Verteilungsschl√ľssel wird vermehrt im st√§dtischen Bereich angewandt).
  • nach der Anzahl der angeschlossenen Klosettmuscheln kombiniert mit dem Wasserverbrauch (so in Graz). Wird mehr als die inkludierte Basiswassermenge verbraucht, erfolgt eine Verrechnung der Differenz nach der 2. Methode.

Au√üerdem sind beim Neuanschluss Anschlussgeb√ľhren zu entrichten.

Frankreich, Paris

Der Bau der Pariser Kanalisation nach 1850 vor allem durch/unter G. E. Baron Haussmann war ein Meilenstein in der Geschichte der Stadt. Das ganze System erstreckt sich √ľber 2.100 km (Das Metro-Netz hat nur eine L√§nge von 300 km). Es entstand ein doppeltes Wassernetz unter der Erdoberfl√§che mit Leitungen f√ľr Frisch- und Abwasser. Zahlreiche, unterschiedlich gro√üe Reservoirs wurden unterirdisch mitten in der Stadt zur Regulierung des Wasserstandes gebaut. Ein hygienisches Problem waren die vielen, immer wieder √ľberfluteten Friedh√∂fe in der Stadt, die in die Katakomben ‚Äěverlegt‚Äú wurden.

Dichtheitspr√ľfung

Mit der Dichtheitspr√ľfung nach DIN EN 1610 k√∂nnen neu erstellte oder sanierte Abwasserkan√§le auf Dichtheit gepr√ľft werden. Dazu werden alle √Ėffnungen des zu pr√ľfenden Kanalabschnittes verschlossen und mit Luft oder Wasser abgedr√ľckt. Die wiederkehrende Dichtheitspr√ľfung alter Kan√§le wird mit geringeren Pr√ľfdr√ľcken durchgef√ľhrt.

Siehe auch

Literatur

  • Christian Berger, Johannes Lohaus: Zustand der Kanalisation ‚Äď Ergebnis der DWA-Umfrage 2004. In: KA-Abwasser, Abfall 52(5), S. 528‚Äď539 (2005), ISSN 1616-430X.

Weblinks

 Commons: Kanalisation ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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