Kantonsschule

Aula der Kantonsschule Luzern
Das erste Kantonsschulegebäude in Zürich an der Rämistrasse, heute Pädagogische Hochschule Zürich

Die Kantonsschule – beziehungsweise das Gymnasium (umgangssprachlich «Kanti» bzw. «Gym», «Gymi», «Gymer») oder Collège (im Kanton Freiburg) – ist in der Schweiz eine weiterführende Schule, die von den Kantonen getragen wird. Der Abschluss erfolgt durch eine Maturaprüfung und berechtigt zum Studium an jeder Schweizer Universität, meist ohne Numerus clausus. Im Bereich der obligatorischen Schulzeit umfasst die Kantonsschule nur das Untergymnasium beziehungsweise Progymnasium.

Inhaltsverzeichnis

Voraussetzungen

Das Gymnasium schliesst an die 2. oder 3. Sekundarklasse oder an das 10. Schuljahr an, dauert vier Jahre und führt zur Matura. Je nach Kanton wird für die Aufnahme in die Kantonsschule eine Aufnahmeprüfung verlangt oder nicht. Je nach Schwerpunktfach können die Aufnahmebedingungen variieren.

Manche Kantonsschulen bieten ein Unter- oder Progymnasium an, das gewöhnlich an die 6. Primarschulklasse anschliesst. Einige Kantone kennen den prüfungsfreien Übertritt an die Kantonsschule, in anderen muss eine Aufnahmeprüfung absolviert werden. Nach dem zweijährigen Untergymnasium ist der Übertritt ins Gymnasium meist ohne Aufnahmeprüfung möglich.

Gliederung

Das eigentliche Gymnasium (in manchen Kantonen «Obergymnasium») umfasst die letzten dreieinhalb bis viereinhalb Jahre vor der Matura, das Progymnasium die letzten zwei bis vier Jahre innerhalb der neun Jahre dauernden obligatorischen Schulzeit. Schulabgänger mit Matura sind in der Regel 18 oder 19 Jahre alt. Der Aufbau des gesamten schweizerischen Schulsystems variiert stark von Kanton zu Kanton.

Beispielsweise im Kanton Zürich sind die ersten zwei Jahre des vier Jahre dauernden Progymnasiums, im Gegensatz zu den beiden letzten Jahren, noch nicht in Schwerpunkte oder Richtungen unterteilt:

  • eine Richtung berechtigt zum Beispiel zum Übergang in die Profile G, L, S, I, M und Z und andere Sprach-Profile – mit Latein- und Griechischunterricht;
  • eine andere Richtung führt in die Profile A, B, W, M und Z – mit mehr Mathematikunterricht;
  • wieder eine andere in die Profile Z und M sowie neue Sprachen wie S, I oder Russisch.

Ausbildungsprofile

Seit 2004 (neues Maturreglement MAR) werden folgende Ausbildungs-Profile (Schwerpunktfach) am Gymnasium angeboten. Sie führen jeweils zu einer spezialisierten Matura-Prüfung. Nicht jedes Gymnasium bietet alle Profile an. In einigen Kantonen, wie zum Beispiel im Kanton Aargau, wird das Profil auch in Akzentfach (erstes und zweites Jahr), sowie Schwerpunktfach (drittes und viertes Jahr) unterteilt. Die Wahl des Schwerpunktfachs hängt kaum von der Wahl des Akzentfaches ab. Das Akzentfach zählt nicht als Maturafach. Schwerpunktfächer sind:

Abhängig vom Kanton, erfolgt in den letzten ein bis zwei Jahren vor der Maturprüfungen Unterricht zusätzlich in einem sogenannten Ergänzungsfach. Dieses Fach ist aus einer breiten Palette – zum Beispiel Psychologie oder Philosophie – frei wählbar und es zählt für den Maturerfolg so viel wie Deutsch, Französisch, Mathematik und das profilbestimmende Fach (zum Beispiel bei L Latein).

Maturität

Um zur Maturaprüfung zugelassen zu werden, ist in den meisten Kantonen das Verfassen einer Maturitätsarbeit notwendig. Sie umfasst in der Regel mindestens 20 Seiten und muss – wie auch die mündliche Präsentation der «Forschungsergebnisse» – mindestens als genügend benotet werden.

Die Maturaprüfung umfasst in aller Regel den Schulstoff der vorherigen zwei Schuljahre. Geprüft wird bei jedem Profil Deutsch, Französisch und Mathematik sowie das stundenmässig am stärksten gewichtete Fach des gewählten Profils in jeweils vierstündigen schriftlichen Prüfungen. Dazu kommen kurze mündliche Prüfungen in Deutsch, Französisch (jeweils Literatur), Mathematik, das am zweitstärksten gewichtete Fach des Profils sowie das sogenannte Schwerpunktfach und das Ergänzungsfach.

Für den Prüfungserfolg zählt in jedem Fach sowohl der Mittelwert der Noten der letzten zwei Semester als auch der Mittelwert der schriftlichen und der mündlichen Prüfung. Aus diesen beiden Mittelwerten (sogenannte Erfahrungs- und Prüfungsnote) wird wiederum die Maturnote gebildet. In anderen Fächern, wie Geschichte oder Geografie zählen nur die Erfahrungsnoten. Letztendlich erhält jeder Kandidat neun Maturnoten. Von diesen dürfen höchstens drei ungenügend sein, und ungenügende Maturnoten müssen doppelt kompensiert werden (3.5 wird mit ein mal 5 oder zwei mal 4.5 ausgeglichen).

An einigen Kantonsschulen werden auch Lehrgänge angeboten, die nicht zu einer Matura führen, wie zum Beispiel die Fachmittelschule (FMS), bis 2005 Diplommittelschule genannt. Neben der Fachmittelschule gibt es an vielen Orten auch die Wirtschaftsmittelschule (WMS). Daher lassen sich die Kantonsschulen meist nicht als reine Gymnasien bezeichnen.

Siehe auch

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