Kapkolonie

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Kapkolonie
Cape Colony/Kaapkolonie
Kapkolonie
Historische Flagge der Kapkolonie
Historisches Wappen der Kapkolonie
Flag of the Netherlands.svg NiederlĂ€ndische Kapkolonie ↔ SĂŒdafrikanische Union South Africa Flag 1910-1912.svg
Amtssprachen Englisch und NiederlÀndisch1
Hauptstadt Kapstadt
FlĂ€che 569,020 kmÂČ (1910)
1 Bis 1806 war NiederlÀndisch die einzige Amtssprache, von 1806 bis 1882 Englisch. 1882 wurde NiederlÀndisch zur zweiten Amtssprache.
Kapkolonie (orange) in der spĂ€teren SĂŒdafrikanischen Union

Die Kapkolonie war eine zunĂ€chst niederlĂ€ndische, spĂ€ter britische Kolonie im heutigen SĂŒdafrika. Zum Zeitpunkt ihrer grĂ¶ĂŸten Ausdehnung erstreckte sie sich vom Atlantischen Ozean im Westen bis zum Fish River im Osten. Im Norden bildete der Oranjefluss, auch bekannt als Gariepfluss, lange Zeit die Grenze. SpĂ€ter kam noch das Land zwischen dem Oranje und der heutigen Grenze Botswanas hinzu.

Die Geschichte der Kapkolonie begann 1652 mit der GrĂŒndung Kapstadts durch Jan van Riebeeck im Auftrag der NiederlĂ€ndischen Ostindien-Kompanie (VOC). Die Stadt war als StĂŒtzpunkt zur Versorgung von Schiffen mit Lebensmitteln gedacht. Großbritannien besetzte das Gebiet 1795 im Verlauf der Napoleonischen Kriege. Die VOC ĂŒbertrug, als sie sich 1798 auflöste, ihre Territorien und AnsprĂŒche an die Batavische Republik. Die Briten gaben die Kapkolonie 1803 an diese zurĂŒck. 1806 wurde das Kap nach der Schlacht von Blauberg erneut durch die Briten besetzt, um Napoleon vom Kap fern zu halten und die Handelswege in den Fernen Osten zu kontrollieren. Am 8. Januar 1806 wurde das Kap britische Kolonie. Die Kapkolonie blieb bis zur Bildung der SĂŒdafrikanischen Union 1910 britische Kolonie und wurde dann als Kapprovinz Teil der Union.

Inhaltsverzeichnis

Erste Besiedelung

Die niederlĂ€ndische Besiedlung des Gebiets begann im MĂ€rz 1647 mit der Havarie des Schiffes Nieuw Haarlem. Die SchiffbrĂŒchigen errichteten ein kleines Fort mit dem Namen „Sand Fort van de Kaap de Goede Hoop“. Nach ihrer RĂŒckkehr in die Niederlande versuchten einige von ihnen, die NiederlĂ€ndische Ostindien-Kompanie (VOC) zur GrĂŒndung eines StĂŒtzpunktes am Kap zu ĂŒberreden.

Eine Expedition mit 90 calvinistischen Siedlern unter dem Kommando von Jan van Riebeeck grĂŒndete so im Auftrag der VOC 1652 nahe dem Kap der Guten Hoffnung die erste dauerhafte Siedlung. Van Riebeeck gehörte bereits zur Besatzung der Schiffe, die die havarierten Segler retteten. Am 6. April 1652 erreichten sie den Hafen des heutigen Kapstadt mit den fĂŒnf Schiffen Reijer, Oliphant, Goede Hoop, Walvisch und Dromedaris.

Erst 1671 weitete sich die Ansiedlung durch LandkĂ€ufe von den Khoi Khoi ĂŒber die ursprĂŒnglichen Grenzen des von van Riebeeck errichteten Forts aus. Die ersten Kolonisten entstammten grĂ¶ĂŸtenteils der unteren Mittelschicht. Sie hatten eine relativ gleichgĂŒltige Einstellung gegenĂŒber der Entwicklung der Kolonie, da die VOC mehr als den fĂŒr Seefahrt und Eigenbedarf nötigen Anbau nicht erlaubte, die Kolonisten nur auf Zeit entsandte und keine Ehefrauen zuließ. Erst ab 1685 wurde aktiv versucht, Siedler in das Land zu holen. Da die Anwerbung in Europa sich anfangs als schwierig erwies, kamen zunĂ€chst Malaien in die Kapkolonie und begannen die Besiedlung des Hinterlandes. Nach dem Widerruf des Ediktes von Nantes 1685 kamen 150 französische Hugenotten ans Kap. Da sie die ersten Winzer in der Kolonie waren, beeinflussten sie durch ihren Bedarf an bestimmten Weinlagen die weitere Siedlungspolitik. So ist das 1679 gegrĂŒndete Stellenbosch auch heute noch berĂŒhmt fĂŒr seinen Weinanbau.

Weitere Expansion

Die Kapkolonie dehnte sich jetzt weiter nach Norden und Osten aus. Hierbei kam es verstĂ€rkt zu Konflikten mit den nomadisch lebenden Khoi Khoi. Diese wurden zudem 1713 und 1755 durch Pocken-Epidemien dezimiert. Einige StĂ€mme blieben schließlich unabhĂ€ngig, aber die meisten Khoi Khoi verdingten sich bei den Kolonisten als Hirten. Trotzdem schwelte der Konflikt zwischen Nomaden und Ackerbauern stĂ€ndig weiter. 1787 unterwarf die niederlĂ€ndische Regierung die Khoi Khoi Restriktionen, die sie abhĂ€ngiger von den Farmern machten. Die daraufhin einsetzende Abwanderung der Khoi Khoi in Gebiete nördlich der Kapkolonie brachte diese wiederum in Konflikt mit den dort ansĂ€ssigen San.

Als die europĂ€ischen Kolonisten auch in das Territorium der San vordrangen, gerieten diese zunehmend in Versuchung, das Vieh der Farmer zu stehlen. Es kam zu Vergeltungsaktionen und letztlich zur Vertreibung der San. „Kommandos“ töteten und verhafteten innerhalb von sechs Jahren angeblich ĂŒber 3.000 San. Aus der Organisation dieser Kommandos mit Feld-Kommandanten und FĂ€hnrichen entwickelte sich das System der lokalen Regierung in den niederlĂ€ndisch besiedelten Bezirken SĂŒdafrikas.

Die niederlĂ€ndischen Kolonisten importierten zudem ArbeitskrĂ€fte aus Indonesien, Malaysia, Madagaskar und Mosambik. Von diesen „Gastarbeitern“ stammen die Cape Coloureds ab, die heute den grĂ¶ĂŸten Teil der Bevölkerung der Provinz Westkap bilden.

Konflikte mit der VOC

Die VOC war sich bewusst, dass die Niederlande nicht ĂŒber die wirtschaftlichen und militĂ€rischen Ressourcen verfĂŒgten, ein großes Gebiet am Kap im Konfliktfall zu verteidigen. Sie griff deswegen zu Maßnahmen, die das Anwachsen der Kapkolonie, die mittlerweile schon bis ins Veld reichte, begrenzen sollten. So wurde die offene Einwanderungspolitik beendet, der Handel monopolisiert und Exekutive, Legislative und Judikative in einer Hand vereinigt. Den Farmern wurde die Fruchtfolge vorgeschrieben und sie mussten einen hohen Prozentsatz ihrer Ernten an die Kompanie abtreten. In der durch diese Maßnahmen hervorgerufenen Unzufriedenheit der Siedler ist der Ursprung der libertarischen Gesinnung zu sehen, die die burische Gesellschaft noch Generationen lang bestimmen sollte.

Um sich den Restriktionen der VOC zu entziehen, wanderten immer mehr Farmer in Gebiete außerhalb der Kolonie ab. Zur Kontrolle dieser Voortrekker errichtete die Kompagnie Magistrate genannte Verwaltungen in Swellendam (1745) und Graaff-Reinet (1786). Die VOC erklĂ€rte außerdem den Gamtoos zur Ostgrenze der Kolonie, was die Voortrekker jedoch nicht daran hinderte, den Fluss zu ĂŒberqueren. Um Konflikte mit den nach 1600 aus Ost- und Zentralafrika nach SĂŒden und Westen vordringenden Bantu in Transkei und Kaffraria zu vermeiden, legte der Gouverneur Joachim van Plettenberg schließlich 1780 den Great Fish River als Grenze der Kolonie fest. 1795 vertrieben die bereits schwer besteuerten Buren, die zudem keinen Schutz von der VOC gegen die Bantu erhielten, die Offiziellen der Kompanie aus den Grenzbezirken und errichteten unabhĂ€ngige Republiken in Swellendam und Graaff-Reinet.

1795 marschierte Frankreich in den Niederlanden ein. Britische Truppen unter General Sir James Henry Craig landeten daraufhin in Kapstadt, um die Siedlung fĂŒr Wilhelm V. von Oranien gegen die Franzosen zu sichern. Der Gouverneur von Kapstadt ĂŒbergab nach anfĂ€nglicher Weigerung am 16. September die Kolonie den Briten. Dazu war er umso mehr bereit, als die Khoi Khoi die instabile Lage nutzten und sich den Briten anschlossen. Die Buren von Graaff-Reinet ergaben sich erst, als eine Armee gegen sie ausgesandt wurde, und revoltierten 1799 und 1801 erneut. Im Februar 1803 fiel die Kapkolonie – die VOC war bereits 1798 aufgelöst worden – nach dem Frieden von Amiens an die Batavischen Republik. Viele der von den Briten bereits eingeleiteten Reformen wurden von dieser fortgefĂŒhrt.

Übergang an die Briten

Ausdehnung der Kapkolonie um 1809

Im Zuge der wieder aufflammenden Feindseligkeiten zwischen Großbritannien und dem napoleonischen Frankreich besetzten die Briten 1806 die Kapkolonie erneut, um ihre Seehandelswege in den fernen Osten zu sichern, und annektierten diese am 8. Januar 1806. 1814 trat die Niederlande die Kolonie dann endgĂŒltig an Großbritannien ab.

Zu dieser Zeit reichte die Kapkolonie bis zum (Highveld), damals als „Land der BuschmĂ€nner“ bezeichnet, und umfasste eine FlĂ€che von rund 194.000 kmÂČ und 60.000 Einwohner, darunter 27.000 Weiße, 17.000 freie Khoi Khoi und 16.000 Nachfahren von einstigen Gastarbeitern unterschiedlicher Herkunft, die meisten davon sogenannte Kapmalaien.

Erster und zweiter Grenzkrieg

Im Zuurveld (engl. Albany) zwischen Sunday River und Great Fish River war es schon in frĂŒheren Jahren zu ZusammenstĂ¶ĂŸen zwischen den Xhosa und europĂ€ischen Siedlern gekommen. Nachdem die Briten die Kapkolonie ĂŒbernommen hatten, betrachteten sie das Zuurveld irrtĂŒmlicherweise als Teil der Kolonie.

Um 1811 hatten die Xhosa das Gebiet erneut besetzt und dabei weiße Siedler angegriffen. Im Dezember 1811 wurde das Zuurveld daraufhin von britischen Truppen und burischen Commandos unter John Graham besetzt. Graham drĂ€ngte die Xhosa ĂŒber den Fish River zurĂŒck und errichtete eine Reihe von Forts entlang des Flusses. Um sein Hauptquartier herum entstand in der Folge die nach ihm benannte Stadt Grahamstown.

Zwischen Briten und Xhosa kam es 1817 zu einem Streit um gestohlenes Vieh. Am 22. April griffen daraufhin Xhosa unter HĂ€uptling Makana das nur schwach besetzte Grahamstown an. Die Briten erhielten jedoch rechtzeitig VerstĂ€rkung und konnten den Angriff zurĂŒckschlagen. Man einigte sich schließlich darauf, das Land zwischen Fish- und Keiskamma River zum neutralen Gebiet zu erklĂ€ren.

„Siedler von 1820“

Diese Auseinandersetzungen fĂŒhrten mittelbar zur ersten großen britischen Einwanderungswelle in die Kapkolonie. Da die Vereinbarungen mit den Xhosa sich als brĂŒchig erwiesen, beschloss der Gouverneur der Kapprovinz, Lord Somerset, durch verstĂ€rkte Besiedelung der Grenzregion eine dauerhafte Barriere gegen die BantustĂ€mme zu schaffen. 1820 stellte das britische Parlament auf Somersets Vorschlag hin 50.000 Pfund fĂŒr die Anwerbung von Kolonisten zur VerfĂŒgung. 4000 Briten, Siedler von 1820 genannt, landeten daraufhin in Port Elizabeth und machten Grahamstown zu ihrem Hauptort.

ZunĂ€chst war diese Besiedlung lediglich als Maßnahme zur Grenzsicherung gedacht und wurde von der britischen Regierung zudem als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme fĂŒr einige tausend arbeitslose Briten begrĂŒĂŸt. Sie hatte allerdings Konsequenzen fĂŒr das soziologische GefĂŒge der Kolonie, die weit ĂŒber die die PlĂ€ne der Initiatoren hinausgehen sollten.

Die direkt von den britischen Inseln kommenden Neusiedler behielten eine starke LoyalitÀt zu ihrem Mutterland und bildeten so einen dauerhaften Gegenpart zu den niederlÀndisch geprÀgten Buren. Die Ankunft der Immigranten brachte auch die englische Sprache an das Kap. Englischsprachige Verordnungen wurden erstmals 1825 veröffentlicht und zwei Jahre spÀter wurde Englisch Gerichtssprache. Das NiederlÀndische wurde jedoch nicht verdrÀngt, weshalb die meisten Siedler zweisprachig waren.

Unzufriedenheit der Buren mit der britischen Herrschaft

Das Kapgebiet prosperierte zwar unter der britischen Herrschaft, dennoch wuchs der Unmut der Buren gegen die neuen Herren. Teilweise lag dies in der verstĂ€rkten TĂ€tigkeiten von Missionaren (mĂ€hrische Mission, London Missionary Society) begrĂŒndet. Die Missionare machten sich die Interessen der indigenen Bevölkerung zu Eigen. So protestierten sie beispielsweise bei der britischen Verwaltung gegen eine Regelung aus dem Jahre 1812, die es den Buren erlaubte, einheimische ArbeitskrĂ€fte unter ausbeuterischen Arbeitsbedingungen einzustellen.

Ein Vorkommnis von 1815/16 bewirkte dauerhafte Verstimmung zwischen Buren und Briten. Ein Bure weigerte sich, einer Vorladung nachzukommen, die nach der Beschwerde eines Khoi Khoi an ihn ergangen war. Als er daraufhin festgenommen werden sollte, schoss er auf die dafĂŒr ausgesandte Patrouille und wurde im folgenden Feuergefecht getötet. Dies fĂŒhrte zu einer Rebellion der Buren, nach deren Niederschlagung fĂŒnf RĂ€delsfĂŒhrer in Slachters Nek öffentlich gehĂ€ngt wurden. Die UmstĂ€nde der Hinrichtung vertieften den Graben zwischen Briten und Buren zusĂ€tzlich. Die Buren sollten nĂ€mlich gleichzeitig an einem Galgen gehĂ€ngt werden, der aber unter ihrem Gewicht zusammenbrach. Daraufhin wurden die Buren einzeln gehĂ€ngt. Den tiefreligiösen Buren erschien der Zusammenbruch des Galgens als Gottesurteil und die nachtrĂ€gliche Exekution als Verstoß dagegen. Außerdem stellte es fĂŒr sie eine Verletzung des Rechts, nach dem der Henker einen verurteilten StraftĂ€ter nur einmal hĂ€ngen durfte, dar. Dies Ereignis wurde fĂŒr die Buren bis heute zum Inbegriff britischer Rechtlosigkeit und WillkĂŒr schlechthin.

Weiterhin ersetzte 1827 eine Verordnung die bisherigen Landdrost- und Heemraden – Gerichte durch eine Gerichtsbarkeit nach dem Vorbild der englischen resident magistrates. Zudem wurde Englisch einzige Gerichtssprache. 1828 wurden – nicht zuletzt auf Betreiben der Missionare – die freien Schwarzen der Kaprepublik den Weißen Siedlern rechtlich gleichgestellt. 1830 wurden schwere Strafen fĂŒr die Misshandlung von Sklaven verhĂ€ngt und 1834 schließlich die Sklaverei gĂ€nzlich abgeschafft.

All dies verstĂ€rkte die Entfremdung der Buren von den Briten und die bisher nur sporadisch vorkommende Abwanderung weißer Siedler in Gebiete jenseits der Koloniegrenze verstĂ€rkte sich rapide (siehe Großer Treck).

Dritter Kap-Front-Krieg

An der Ostgrenze kam es inzwischen zu weiteren Unruhen zwischen Xhosa und Briten. Im Dezember 1834 ermordete ein Kommando einen hochrangigen Xhosa-HĂ€uptling. Daraufhin ĂŒberschritt eine 10.000 Mann starke Xhosa-Armee die Grenze, plĂŒnderte Farmen im Osten der Kolonie und ermordete deren Bewohner. Am schwersten betroffen war eine Kolonie von freien Khoi Khoi, die 1829 von der britischen Regierung im Tal des Kat River angesiedelt worden war. Der Gouverneur d'Urban entsandte umgehend Truppen und nach neunmonatigen KĂ€mpfen kam es im September 1838 zu einem weiteren Friedensvertrag, der den Great Kei River als Ostgrenze der Kolonie festlegte. DarĂŒber hinaus unternahm d'Urban weitreichende Maßnahmen, um das Gebiet gegen weitere ÜberfĂ€lle zu sichern. Er geriet dabei in Konflikt mit dem Kolonialminister Lord Glenelg, der d'Urbans Anordnungen widerrief, da er die Buren als Urheber des Konfliktes ansah. Dies fĂŒhrte zu weiterem Unmut unter den burischen Siedlern.

Großer Treck

Glenelg erklĂ€rte in einem Brief an den König, dass „das große Übel der Kapkolonie in ihrer GrĂ¶ĂŸe besteht“, und verlangte die RĂŒckverlegung der Grenze an den Fish River. 1837 entließ er d'Urban. „Die Kaffern“, schrieb er, „hatten eine deutliche Berechtigung fĂŒr den Krieg; sie mussten sich widersetzen und versuchten zu Recht, wenn auch vergeblich, eine Reihe von Übergriffen zu rĂ€chen.“ Diese Einstellung gegenĂŒber den Xhosa war einer von vielen GrĂŒnden, mit denen die Voortrekker ihren Auszug aus der Kapkolonie begrĂŒndeten. Im nachfolgenden Großen Treck von 1836 bis 1840 grĂŒndeten die rund 14.000 Trekker republikanische Gemeinden (Burenrepubliken) jenseits des Oranje und Vaal sowie im Natal.

Jenseits der Oranje kam es im Zuge des großen Trecks zu ZusammenstĂ¶ĂŸen der Buren mit den Basotho, San und Griqua. Um den Autonomiebestrebungen der Buren entgegenzuwirken, wurden einige dieser Stammesgebiete von der Regierung in Kapstadt anerkannt und unterstĂŒtzt. Der erste dieser Treaty States war West-Griqualand. Weitere folgten 1843 und 1844. WĂ€hrend es an der Nordgrenze daraufhin ruhiger wurde, hielten an der Ostgrenze die Konflikte zwischen Xhosa und Siedlern an.

1835 wurden die Buren durch eine neue gesetzgebende Versammlung an der Regierung beteiligt und auch auf wirtschaftlichem Gebiet machte die Kolonie Fortschritte. Ein effizientes Bildungssystem wurde auf Veranlassung von Sir John Herschel, der von 1834 bis 1838 in der Kapkolonie lebte, eingefĂŒhrt. Die Landwirtschaft in den westlichen Provinzen blĂŒhte auf und neben Weizenanbau, Viehzucht und Weinanbau wurde vermehrt Schafzucht betrieben. Bereits 1846 war Wolle der Hauptexportartikel.

„War of the Axe“

Ein weiterer Krieg mit den Xhosa (War of the Axe) brach 1846 aus. Eine Khoi Khoi-Eskorte wurde von den Xhosa ermordet, als sie einen Xhosa-Dieb in Handschellen nach Grahamstown abfĂŒhren wollte, wo dieser wegen des Diebstahls einer Axt verurteilt werden sollte. Man verweigerte die Auslieferung des Mörders und Ngqika- und Tambukies-Xhosa erklĂ€rten im MĂ€rz 1846 den Krieg. General Somerset besiegte die Xhosa am 7. Juni am Gwangu, einige Meilen von Fort Peddie entfernt. Der Krieg ging jedoch weiter, bis sich Sandili, der HĂ€uptling der Ngqika, ergab. Andere HĂ€uptlinge folgten seinem Beispiel und Anfang 1848 waren die Xhosa nach 21 Monaten Kampf vollstĂ€ndig unterworfen.

Ausdehnung der britischen Herrschaft

Sir Harry Smith

Ende 1847 wurde Sir Harry Smith Gouverneur der Kapkolonie. Er revidierte bald Glenelgs Politik. In einem Beschluss vom 17. Dezember 1847 erweiterte er die Grenzen der Kolonie nach Norden bis zum Oranje und nach Osten bis zum Keiskamma River. Bei einem Treffen mit Xhosa-HĂ€uptlingen am 23. Dezember kĂŒndigte er die Annexion des Landes zwischen Keiskamma und Kei Fluss an und nahm somit das von Lord Glenelg aufgegebene Land erneut in Besitz. Das Gebiet fiel jedoch zunĂ€chst nicht an die Kapkolonie, sondern wurde als British Kaffraria Colony annektiert. 1860 wurde es Kronkolonie und 1866 schließlich Teil der Kapkolonie.

Die Xhosa akzeptierten zunĂ€chst die neue Regierung, zumal der Gouverneur sie in der Folge unbehelligt ließ. Dieser war mehr mit der Aufrechterhaltung der britischen AutoritĂ€t ĂŒber die Buren jenseits des Oranje beschĂ€ftigt. In der Zwischenzeit hatte sich die Kapkolonie immer weiter ausgedehnt, und 1848 wurde das Gebiet zwischen Vaal und Oranje zum britischen Hoheitsgebiet erklĂ€rt. Die Briten stießen hiermit jedoch auf starken Widerstand der hier siedelnden Buren. Da das Gebiet wirtschaftlich fĂŒr sie ohnehin uninteressant war, gaben sie die sog. Orange River Sovereignty schon bald wieder auf. Am 23. Februar 1854 wurde der Vertrag von Bloemfontein geschlossen, der zur GrĂŒndung des Oranje Freistaats fĂŒhrte.

„Gefangenen-Aufstand“ und die GewĂ€hrung einer Verfassung

1848 wurde Henry Grey Kolonialminister. Er war gegen die Ausweitung der britischen Territorien in SĂŒdafrika, weil er die Kosten und die Belastung des britischen Staatshaushalts fĂŒrchtete und hielt es fĂŒr richtiger, sich auf die Kapkolonie und Simon's Bay zu beschrĂ€nken. Außerdem war er bestrebt, die Ausgaben fĂŒr die Verwaltung und Verteidigung den Kolonialisten selbst aufzuerlegen. Im Gegenzug sollte den Kolonien dafĂŒr erweiterte SelbstĂ€ndigkeit zugestanden werden.

1848 befragte er die Gouverneure aller britischen Kolonien, ob ihrerseits die Bereitschaft bestĂŒnde, Strafgefangene aufzunehmen. Er wollte irische Bauern, die wĂ€hrend der Hungersnot in Irland straffĂ€llig geworden waren, in die Kolonien schicken.

Durch ein MissverstĂ€ndnis erreichte die Neptune mit 289 HĂ€ftlingen an Bord die Kapkolonie noch bevor die Meinung der Kolonisten eingeholt worden war. Die Kolonisten lehnten den Plan jedoch ab und als die Nachricht von der bevorstehenden Ankunft des Schiffes das Kap erreichte, grĂŒndeten sie einen Anti-Gefangenen-Verband, dessen Mitglieder sich verpflichteten, nichts zu tun, was auf irgendeine Weise die „Ankunft, Versorgung oder BeschĂ€ftigung der Gefangenen“ ermöglichen wĂŒrde. Als die Neptune am 19. September 1849 in Simon's Bay einlief, mussten die Gefangenen daher fĂŒnf Monate an Bord bleiben, bis die Neptune schließlich nach Tasmanien weitergeschickt wurde.

Die Unruhen fĂŒhrten in der Folge zu einer politischen Bewegung, die eine freie und reprĂ€sentative Regierung fĂŒr das Kapgebiet forderte. Smith' Nachfolger George Cathcart fĂŒhrte daher, wie schon vorher von Grey zugesagt, 1854 eine liberale Verfassung ein.

Achter Grenzkrieg 1850–1853

Die Anti-Gefangenen-Bewegung war kaum beendet, als erneut ein Krieg ausbrach. Der Xhosa-Stamm der Ngqika unter ihrem HĂ€uptling Sandili rebellierte zunehmend gegen den Verlust seiner UnabhĂ€ngigkeit. Als Gouverneur Smith von der Unruhe in der Grenzregion erfuhr, berief er Sandili und andere HĂ€uptlinge zu einem Treffen ein. Sandili blieb dem Treffen fern und wurde deshalb im Oktober 1850 als HĂ€uptling der Ngqika abgesetzt und durch einen britischen Beamten ersetzt. Smith, der so einen weiteren Krieg verhindern wollte, erließ zudem den Befehl, Sandili festzunehmen. Zu diesem Zweck wurde eine kleine Truppe unter Colonel George Mackinnon ausgesandt. Diese wurde am 24. Dezember 1850 von ĂŒberlegenen Xhosa – KrĂ€ften angegriffen und war nach dem Verlust einiger MĂ€nner zum RĂŒckzug gezwungen. Dieses ScharmĂŒtzel war das Signal fĂŒr einen allgemeinen Aufstand des ganzen Ngqika-Stammes. Die MilitĂ€rsiedlungen im Grenzgebiet wurden am Weihnachtsabend 1850 in einem Überraschungsangriff ĂŒberrannt, viele der europĂ€ischen Siedler wurden gefangengenommen oder getötet. Große Teile der Xhosa-Polizei desertierten. Gouverneur Smith wurde in Fort Cox von AufstĂ€ndischen eingeschlossen, konnte jedoch mit 150 Kavalleristen unter Colonel Mackinnon nach King William's Town ausbrechen.

Rund 900 Khoi Khoi vom Kat River, in frĂŒheren Kriegen VerbĂŒndete der Briten – die Cape Mounted Rifles bestanden zu großen Teilen aus Khoi Khoi –, schlossen sich nun ihren ehemaligen Xhosa-Gegnern an. VerĂ€rgert ĂŒber ungerechte Behandlung seitens der Kolonialherren bildeten sie eine geheime Allianz mit den Xhosa, um die EuropĂ€er mit Waffengewalt zu vertreiben und eine Khoi Khoi Republik zu errichten. Zwei Wochen nach dem Angriff auf Colonel Mackinnon erhoben sich die Kat River – Khoi Khoi. Andere Khoi Khoi folgten ihrem Beispiel. Auch Teile der Cape Mounted Rifles erhoben sich, darunter Soldaten, die noch kurz davor Gouverneur Smith aus Ford Cox geleitet hatten. Viele Khoi Khoi blieben jedoch loyal und auch die Mfengu hielten den Briten die Treue.

Nachdem sich ihre Überraschung gelegt hatte, gingen die Briten zum Gegenangriff ĂŒber. Sie drangen in die Amatole-Mountains ein, um Sarhilis habhaft zu werden. Im April 1852 ließ Henry Grey den Angriff abbrechen. Er warf Sir Harry Smith Mangel an Energie und Urteilskraft bei der KriegsfĂŒhrung vor und ersetzte ihn durch Cathcart. Sarhili wurde erneut angegriffen und unterworfen. Die Xhosa wurden aus dem Amatolegebiet vertrieben und durch neu errichtete kleine Forts an der RĂŒckkehr dorthin gehindert.

Die britische KriegsfĂŒhrung wurde bestĂ€ndig durch unzureichende AusrĂŒstung behindert, weshalb der Xhosa-Aufstand erst im MĂ€rz 1853 nach dem Verlust mehrerer Hundert britischer Soldaten niedergeschlagen wurde. Kurz danach wurde British Kaffraria zur Kronkolonie erklĂ€rt. Die Khoi Khoi-Siedlung am Kat River blieb bestehen, aber der Widerstand der Khoi Khoi gegen die Kolonie war gebrochen.

Viehtötung der Xhosa

→ Hauptartikel: Viehtötung der Xhosa

Die Xhosa hatten ihre Niederlage von 1853 nicht als entscheidend akzeptiert und bereiteten sich auf weiteren Widerstand gegen die EuropĂ€er vor. Ihre BemĂŒhungen wurden jedoch durch eine Hungersnot im Jahre 1857 gegenstandslos.

In diesem Jahr töteten die Xhosa auf Grund einer Prophezeiung ihren gesamten Viehbestand und vernichteten ihre Ernte. 50.000 Xhosa verhungerten daraufhin und viele andere verließen auf der Suche nach Nahrung ihre Stammesgebiete. Die Zahl der Xhosa sank von 105.000 im Jahre 1857 auf 26.000 im Jahre 1858. Das entvölkerte Land wurde anschließend mit europĂ€ischen Siedlern aufgefĂŒllt, darunter Mitglieder der deutschen Legion der britischen Armee, die im Krimkrieg gedient hatte und rund 2000 norddeutsche Emigranten.

Die Hungersnot stellt das Ende der Grenzkonflikte zwischen Kapkolonie und Xhosa dar.

Unter George Greys Regierung

Sir George Grey

1854 wurde Sir George Grey Gouverneur der Kapkolonie. Er stand im Widerspruch zur offiziellen Politik Londons, keine Regierungsgewalt ĂŒber die Gebiete nördlich des Oranje auszuĂŒben. Als Gegenentwurf prĂ€sentierte er bereits 1858 die Idee einer Konföderation aller britisch beherrschten Gebiete SĂŒdafrikas. Der Vorschlag wurde jedoch von Großbritannien zunĂ€chst zurĂŒckgewiesen.

Er ließ eine Straße durch Betschuanaland bauen und versuchte als Erster (von den Missionaren abgesehen), die Xhosa zu unterrichten und stabile britische Verwaltungsstrukturen unter ihnen zu etablieren. Durch die vorangegangene Hungersnot unter den Xhosa fiel ihm letzteres relativ leicht. Die Bantu jenseits des Kei River blieben zunĂ€chst unbehelligt.

Sir George Grey verließ das Kap 1861. WĂ€hrend seiner Regierungszeit war die Wirtschaftskraft des Kapgebietes durch die Eröffnung der Kupferminen in Little Namaqualand, die EinfĂŒhrung der Mohair-Wollindustrie und der Errichtung einer eigenstĂ€ndigen Kolonie im Natal stark gewachsen. Der Bau der Eisenbahnlinie von Kapstadt nach Wellington 1863 und der Hafenausbau in der Tafelbucht 1860 stellten den Beginn des großflĂ€chigen Ausbaus der Infrastruktur der Kolonie dar. Sie waren mehr oder weniger Resultat der zuvor gewĂ€hrten weitgehenden Autonomie der Kapprovinz.

British Kaffraria wurde 1865 als Electoral Divisions of King William’s Town and East London Teil der Kolonie. Dies ging einher mit der Aufhebung des Verkaufsverbots fĂŒr Alkohol an die Bantu. Der folgende freie Handel mit Alkohol hatte beklagenswerte Folgen fĂŒr die Xhosa. Eine schwere DĂŒrre fĂŒhrte zu einer starken ökonomischen Depression unter der viele Bauern schwer litten. In diese Zeit fiel die erfolgreiche EinfĂŒhrung der Straußen-Zucht als eigenstĂ€ndigen Wirtschaftsfaktor.

Kronkolonie (rosa) und Protektorat (rosa Grenze) Betschuanaland 1887

Die Grenzen der britischen AutoritĂ€t weiteten sich derweil immer mehr aus. Die Basotho, die in den oberen TĂ€lern des Oranje lebten, hatten bereits von 1843 bis 1854 unter britischem Semi-Protektorat gestanden. Nachdem sie durch den Verlust von Weidegebieten in Oranje-Freistaat in ihr Kernland Lesotho zurĂŒckgedrĂ€ngt waren, kam es zu lang andauernden Konflikten mit den Buren des Oranje-Freistaates. Auf Bitten ihres Königs Moshoeshoe I. wurden sie 1868 zu britischen Untertanen erklĂ€rt und Basutoland wurde 1871 Teil des Kapgebietes. Im selben Jahr wurde der sĂŒdöstliche Teil von Betschuanaland unter der Bezeichnung Griqualand West von Großbritannien annektiert. Offiziell geschah dies als britische Schutzmaßnahme gegen die ÜberfĂ€lle burischer Siedler. Hintergrund fĂŒr die britische Entscheidung war aber die sich verĂ€ndernde geostrategische Lage in der Region und der Fund von BodenschĂ€tzen, beispielsweise Gold und Diamanten. Betschuanaland selbst wurde 1885 zum Protektorat erklĂ€rt.

Entdeckung der BodenschÀtze

Der 4. Earl of Carnarvon
PortrÀt von Bartle Frere

Als die Diamant-Industrie begann, litt ganz SĂŒdafrika unter schlechten wirtschaftlichen ZustĂ€nden. Die Straußenzucht war erst am Anfang und die Landwirtschaft kaum entwickelt. Die Buren lebten außerhalb von Kapstadt in primitiven VerhĂ€ltnissen. Sie handelten nur eingeschrĂ€nkt mit der Kolonie um haltbare GĂŒter. Sogar die britischen Kolonialisten waren alles andere als wohlhabend. Die Diamantindustrie war deshalb sehr attraktiv, vor allem fĂŒr die Kolonisten britischen Ursprungs. Sie war auch eine Möglichkeit, um zu zeigen, dass SĂŒdafrika, das auf der OberflĂ€che kahl und arm erschien, im Untergrund reich war. Man benötigt 40.000 mÂČ; in der Karoo, um ein Schaf zu fĂŒttern, aber nun reichten möglicherweise wenige Quadratmeter diamantreicher Boden, um ein Dutzend Familien zu ernĂ€hren. Ende 1871 waren die Diamantenfelder schon dicht besiedelt und die Immigration stieg dramatisch an. Einer der Wichtigsten, die ihr GlĂŒck auf den Diamantenfeldern suchten, war Cecil Rhodes.

Sir George Greys Plan eines BĂŒndnisses aller sĂŒdafrikanischen Kolonien war 1858 von den AutoritĂ€ten in der Heimat zurĂŒckgewiesen worden. Das Ă€nderte sich nun. Auf britischer Seite favorisierte man nĂ€mlich inzwischen die Idee, die eigenen Kolonien und die Republiken der Buren zu einer Union zu verbinden, vor allem, um in den Besitz der Goldminen im Transvaal zu gelangen. Henry Herbert, 4. Earl of Carnarvon, StaatssekretĂ€r fĂŒr die Kolonien, richtete seine Aufmerksamkeit auf ein BĂŒndnis in SĂŒdafrika, nachdem er Kanada erfolgreich föderiert hatte. Er plante etwas Ă€hnliches in SĂŒdafrika. Die reprĂ€sentative Regierung in der Kapkolonie wurde 1872 durch eine „verantwortliche Regierung“ ersetzt und das neue Parlament in Kapstadt Ă€rgerte sich ĂŒber die Art, in der Lord Carnavon seine VorschlĂ€ge prĂ€sentierte. Eine Resolution vom 11. Juni 1875 bestimmte, dass jeder Plan fĂŒr eine Konföderation aus SĂŒdafrika selbst hervorgehen mĂŒsse. Lord Carnarvon beauftragte den angesehenen Historiker James Anthony Froude, seine Politik in SĂŒdafrika fortzusetzen. Die Öffentlichkeit hielt ihn jedoch fĂŒr einen Diplomaten und Vertreter der britischen Regierung und er scheiterte mit seinem Vorhaben, die Kolonialisten fĂŒr Lord Carnavons PlĂ€ne zu begeistern. 1876 wurden Fingoland, das Idutywa-Reservat und andere Landstriche entlang der Xhosa-Grenze von Großbritannien annektiert mit der Vereinbarung, dass die Kap-Regierung fĂŒr sie zustĂ€ndig sei. Lord Carnarvon, der immer noch an seinen PlĂ€nen festhielt, ernannte nun Sir Henry Bartle Frere zum Gouverneur der Kapkolonie und Hochkommissar von SĂŒdafrika.

Frere wurde unmittelbar nach seinem Amtsantritt als Hochkommissar mit ernsthaften Unruhen in KwaZulu und an der Xhosa-Grenze konfrontiert. 1877 gab es eine Rebellion zwischen den Galeka und Gaika, die nur mit einer großen Anzahl imperialer und kolonialer Truppen niedergeschlagen werden konnte, weshalb die Auseinandersetzung als neunter Kaffir-Krieg in die Geschichte einging. Der berĂŒhmte Xhosa-HĂ€uptling Sandii kam in diesem Krieg ums Leben. Nach dem Ende des Krieges wurde das Transkei-Territorium der von den Kreli gefĂŒhrten Galeka von den Briten annektiert.

Lord Carnarvon trat wĂ€hrenddessen von seinem Posten im britischen Kabinett zurĂŒck und gab seine BĂŒndnisplĂ€ne auf. Carnarvon erkannte zu dieser Zeit nicht, dass die Kapkolonie zu sehr mit solchen Auseinandersetzungen beschĂ€ftigt war, um an so etwas wie ein BĂŒndnis zu denken. Unzufriedenheit breitete sich in den verschiedenen Xhosa-StĂ€mmen entlang der kolonialen Grenze aus und es gab einen weiteren Aufstand in Basutoland unter der FĂŒhrung von Moirisi. Die Xhosa konnten erst nach schweren KĂ€mpfen besiegt werden, aber die Basotho blieben trotz ihrer Niederlage fĂŒr einige Jahre unruhig und aggressiv. 1880 versuchten die kolonialen AutoritĂ€ten, den Peace Preservation Act von 1878 auf Basutoland auszudehnen und die Einwohner damit zu entwaffnen. Auf die AnkĂŒndigung folgten weitere KĂ€mpfe, die kein eindeutiges Ende fanden, obwohl im Dezember 1882 der Frieden erklĂ€rte wurde. Die imperiale Regierung ĂŒbernahm Basutoland als Kronkolonie und die Kapkolonie sollte jĂ€hrlich 18.000 ÂŁ fĂŒr administrative Zwecke zahlen. Die Verantwortlichen der Kapkolonie waren froh, 1884 von der Verwaltung des Transkei befreit zu werden, die sie schon mehr als 3 Millionen ÂŁ gekostet hatte.

Sir Henry Bartle Frere, der mit seiner energischen und staatsmĂ€nnischen Einstellung zu den Beziehungen mit den „eingeborenen“ Staaten die WertschĂ€tzung und Aufmerksamkeit der loyalen sĂŒdafrikanischen Kolonialisten gewonnen hatte, wurde 1880 vom ersten John Wodehouse, 1. Earl of Kimberley, dem liberalen StaatssekretĂ€r fĂŒr die Kolonien zurĂŒckgerufen. Ihm folgte Sir Hercules Robinson. Griqualand West, in dem die meisten Diamantenfelder lagen, wurde in die Kapkolonie integriert und damit faktisch seiner BodenschĂ€tze enteignet.

Überwindung des britischen Imperialismus als Ursprung des „Afrikander Bond“

Als in Kimberley 1869 Diamanten und Witwatersrand 1886 Gold gefunden wurden, griff das Vereinigte Königreich sofort nach diesen Gebieten. Die Buren jedoch bestanden auf ihrer UnabhĂ€ngigkeit und territorialen IntegritĂ€t. Es kam zu bewaffneten Auseinandersetzungen. Das Ende des Ersten Burenkrieges von 1881, dem die UnabhĂ€ngigkeit Transvaals folgte, hatte Auswirkungen auf ganz SĂŒdafrika. Eines der wichtigsten Ergebnisse war der erste Afrikander-Bond-Kongress, der 1882 in Graaf Reinet stattfand. Der Bund umfasste den Transvaal, den Oranje-Freistaat und das Kapgebiet. Jedes Land war mit einem Provinzkomitee mit Bezirkskomitees vertreten und in SĂŒdafrika verzweigt. SpĂ€ter trennte sich der Bund im Kapgebiet von den republikanischen Zweigen. Die Politik des Bundes ist in einem Auszug aus De Patriot, einer in der Kolonie veröffentlichten Zeitung, die den Bund unterstĂŒtzt, zusammengefasst:

  • „Der Afrikander Bond dient der Errichtung einer sĂŒdafrikanischen NationalitĂ€t, indem er Liebe fĂŒr unser wahres Vaterland verbreitet. Es könnte keine bessere Zeit fĂŒr die GrĂŒndung des Bond geben als die Gegenwart, in der das Bewusstsein fĂŒr eine NationalitĂ€t durch den Transvaal-Krieg deutlich gestĂ€rkt wurde. [
] Die britische Regierung spricht weiterhin von einem BĂŒndnis unter britischer Flagge, aber das wird es nie geben. Da können sie sich ziemlich sicher sein. Es gibt nur ein Hindernis auf dem Weg zu einem BĂŒndnis und das ist die britische Flagge. Lass sie diese entfernen und in weniger als einem Jahr wĂŒrde ein BĂŒndnis unter der freien Afrikander-Flagge entstehen.
  • Nach einer gewissen Zeit werden die EnglĂ€nder merken, dass der Vorschlag, den sie von Froude erhalten haben, der beste ist – sie mĂŒssen nur Simon's Bay als Hafen und MilitĂ€rstĂŒtzpunkt auf dem Weg nach Indien haben und den Rest von SĂŒdafrika den Afrikandern ĂŒbergeben. [
] Unsere wichtigste Waffe im sozialen Krieg muss die Zerstörung des englischen Handels durch den Aufbau eigener Handelsgesellschaften sein. [
] Jeder wahre Afrikander ist verpflichtet mit den EnglĂ€ndern nicht mehr als nötig zu verkehren.“ (De Patriot, 1882)

ZusĂ€tzlich zu den Presse-Organen veröffentlichte der Bund von Zeit zu Zeit offizielle Statements. Einige der Artikeln im originalen Manifest des Bundes gelten als völlig neutral, z.B. die ĂŒber die Justizverwaltung, die Achtung der WĂŒrde von Menschen usw. Diese SchlĂŒsse waren jedoch nach Ansicht der britischen Kolonialbehörden des Kapgebietes bedeutungslos, da Artikel 3 des Manifests SĂŒdafrika die vollstĂ€ndige UnabhĂ€ngigkeit (Zelfstandieheid) gewĂ€hrte, was fĂŒr das britische MilitĂ€rregime „Verrat“ an der britischen Krone war.

WĂ€hrend der Bund bei einigen Einwohnern eine Haltung von Freiheit und UnabhĂ€ngigkeit fundierte, sorgte er bei Kollaborateuren des britischen Kolonialregimes, die um ihren Anteil an den BodenschĂ€tzen SĂŒdafrikas fĂŒrchtete, fĂŒr LoyalitĂ€t und britischen Patriotismus. Ein Pamphlet, das 1885 fĂŒr eine Gruppierung namens Empire League bezĂŒglich des Bundes geschrieben wurde, besagte:

  1. dass die Errichtung der englischen Regierung hier fĂŒr alle Klassen eine Wohltat war und
  2. dass der RĂŒckzug dieser Regierung verheerend wĂ€re fĂŒr jeden der persönliche Interessen an der Kolonie hat 
 England kann und wird diese Kolonie niemals aufgeben und wir Kolonialisten werden England niemals aufgeben. Lasst uns, die Einwohner der Kapkolonie, schnell erkennen, dass wir ein Volk sind, versammelt unter der glorreichen Flagge der Freiheit, mit klarem Kopf, um die Freiheit zu schĂ€tzen, die wir genießen dĂŒrfen, und mit Herzen, die resolut genug sind, um unsere wahre Privilegien zu erhalten; lasst uns aufhören, uns gegenseitig zu tadeln und zu beleidigen, und uns in Gedanken an dieses gute Land, das wir als gemeinsames Erbe haben, erinnern, dass wir nur durch vereinte KrĂ€fte seine großen Möglichkeiten verwirklichen können. Wir gehören beide zu einer heimatliebenden Gruppe und es geht um den Frieden und das Gedeihen jedes Heims im Land. Es hĂ€ngt von unserer AktivitĂ€t ab, ob unsere Kinder uns verfluchen und segnen werden, ob wir in ihrer Erinnerung als Förderer des BĂŒrgerkriegs mit allen miserablen Folgen oder als vereinte Architekten eines glĂŒcklichen, gedeihenden und vereinten Staates leben. Jeder von uns blickt auf eine noble Vergangenheit zurĂŒck. Vereint können wir unseren Nachkommen eine wĂŒrdige Zukunft sichern. Getrennt können wir nur auf Stagnation, Elend und Ruin hoffen. Ist diese eine leichte Entscheidung?

Wahrscheinlich betrachteten viele Briten das Manifest der Empire League als ĂŒbertrieben alarmierend. Ab 1881 entstanden zwei rivalisierende Vorstellungen, die sich stark widersprachen. Die eine war der Imperialismus, der volle BĂŒrgerrechte auf jeden „zivilisierten“ Menschen unabhĂ€ngig von seiner Rasse beschrĂ€nkte und diese unter die Herrschaft und den Schutz Großbritanniens stellte, mithin auch dessen Entscheidung darĂŒber, wer als "zivilisiert" zu betrachten sei. Die andere war zutiefst republikanisch, aber ausschließlich auf Buren und ihre Rechte in SĂŒdafrika zugeschnitten. Die antiimperialistsche Politik der Buren fasste der Appell von PrĂ€sident Paul Kruger zusammen, der den Freistaat im Februar 1881 bat: „Kommt und helft uns. Gott ist mit uns. Es ist sein Wille, uns als ein Volk zu vereinigen 
 ein vereintes SĂŒdafrika frei von britischer AutoritĂ€t zu errichten.“ Wieder einmal scheiterten die Briten an demokratischen GrundsĂ€tzen der Gleichheit, wie sie schon in der amerikanischen Revolution mit dem Slogan: "One man, one vote" erhoben worden waren, weil ihre imperialistische Habgier davon untergraben zu werden drohte.

Die eigentlichen GrĂŒnder der Bond-Partei waren der Deutsche Borckenhagen, der in Bloemfontein lebte, und der Afrikaner Reitz, der spĂ€ter StaatssekretĂ€r von Transvaal wurde. Zwei dokumentierte GesprĂ€che zeigen die wahren Ziele der Bond-GrĂŒnder von Beginn an. Das eine fĂŒhrte Borckenhagen mit Cecil Rhodes, das andere fand zwischen Reitz und T. Schreiner statt, dessen Bruder spĂ€ter Premierminister der britischen Kapkolonie wurde. Im ersten GesprĂ€ch sagte Borckenhagen zu Rhodes: „Wir wollen ein vereinigtes Afrika“ und Rhodes antwortete: „Ich auch“. Borckenhagen fuhr fort: „Dem steht nichts im Wege; wir wĂ€hlen dich als unseren AnfĂŒhrer. Es gibt nur eine Kleinigkeit: Wir mĂŒssen natĂŒrlich unabhĂ€ngig vom Rest der Welt sein.“ Rhodes erwiderte: „Sie halten mich entweder fĂŒr einen Schurken oder einen Dummkopf. Ich wĂ€re ein Schurke, wenn ich meine ganze Geschichte und Tradition verliere, oder ein Dummkopf, wenn ich von meinen eigenen Landsleuten gehasst und von Ihren misstrauisch betrachtet werde.“ Aber wie Rhodes 1898 in Kapstadt sagte: „Die einzige Chance fĂŒr eine wirkliche Union ist der ĂŒberschattende Schutz einer ĂŒbergeordneten Macht und jeder Deutsche, Franzose oder Russe wĂŒrde Ihnen erzĂ€hlen, dass die beste und liberalste Macht die ihrer MajestĂ€t ist.“ Das andere GesprĂ€ch fand kurz nach der Errichtung des Bond statt. Schreiner wies Reitz’ Vorwurf zurĂŒck, wonach der Bond darauf ziele, die britische Herrschaft zu ĂŒberwinden und den Union Jack aus SĂŒdafrika zu entfernen. Reitz antwortete darauf: „Und wenn es so wĂ€re?“ Schreiner protestierte: „Sie nehmen nicht an, dass diese Flagge ohne erhebliche Unruhen und harte KĂ€mpfe verschwindet?“ Reitz fragte, was denn schlimm daran sei. Angesichts dieser Zeugnisse mit Bezug auf zwei der prominentesten Vertreter des Bond ist klar, dass die grundlegende Idee des Bond von Beginn an ein unabhĂ€ngiges SĂŒdafrika war. Die Äußerungen von Cecil Rhodes wiederum machen klar, dass Großbritannien auf die Rohstoffe SĂŒdafrikas nicht verzichten wĂŒrde, mithin die wirtschaftliche Entwicklungsgrundlage der gesamten sĂŒdafrikanischen Region.

Hofmeyr

Das Parlament der Kapkolonie verabschiedete 1882 eine Verordnung, die es den Mitgliedern erlaubte, Afrikaans zu sprechen. Die Absicht dieser Verordnung war liberal, aber der Zeitpunkt war fĂŒr die Briten provokativ und so stimulierte sie die PlĂ€ne des Bond. Sie ermöglichte auch einigen Buren, ins Parlament gewĂ€hlt zu werden. Sie waren schlecht ausgebildet und wĂ€ren nicht gewĂ€hlt worden, wenn sie englisch hĂ€tten sprechen mĂŒssen, was den burischen AnfĂŒhrern grĂ¶ĂŸeren Einfluss brachte. Die setzten als ĂŒberzeugte Demokraten auf den politischen Willen aller und nicht auf den Besuch von Oxford/Cambridge weniger.

Zu dieser Zeit war Jan Hendrik Hofmeyr der Vorsitzende des Afrikander-Bond in der Kapkolonie und der burische MeinungsfĂŒhrer. Obwohl er als AnfĂŒhrer der burischen Partei anerkannt war, weigerte er sich beharrlich, sein Amt anzutreten, und zog es vor, die Polizei und andere Handlungen aus der Ferne zu steuern. Hofmeyr saß als Vertreter fĂŒr Stellenbosch, einen starken burischen Wahlkreis, im Parlament. Sein Einfluss auf die burischen Mitglieder war sehr ausgeprĂ€gt und er unterstĂŒtzte die Siedlungspolitik von PrĂ€sident Kruger und den Transvaal-Buren.

WĂ€hrend einer Debatte ĂŒber die Abtrennung von Basutoland beauftragte Rhodes Hofmeyr im Parlament offen mit dem Wunsch, die „Vereinigten Staaten von SĂŒdafrika unter eigener Flagge“ zu grĂŒnden. Das war ein offener Affront von Rhodes, der den Willen der Buren zum eigenen Staat genau kannte und auch deren Ablehnung, die Siedlungsgebiete der Bantu zwischen den Drakensbergen und der KĂŒste zum indischen Ozean in einen gemeinsamen Staat zu integrieren. 1884 fĂŒhrte Hofmeyr den Bond mit der starken UnterstĂŒtzung fĂŒr die Transvaal-Buren, die in Betschuanaland, einem Gebiet der San, einmarschiert waren und verkĂŒndeten, dass es – ungeachtet der Konventionen von 1881 und 1884 eine Rebellion unter den Buren der Kapkolonie gebe, wenn die Siedler von Betschuanaland das bebaute Land nicht behalten dĂŒrften. Sir Charles Warren, der von London zur Wahrung der Interessen des britischen Imperialismus entsandt war, bewog die Buren aus Stellaland und Goshen abzuziehen, zwei Republiken, die durch die eindringenden Buren 1885 gestört wurden. Dennoch war die Bond-Partei im Parlament so stark, dass sie das Ministerium unter Sir Thomas Scanlen 1884 zur Aufgabe zwang.

Die Briten erwarteten von Hofmeyr unter diesen UmstĂ€nden, sein Mandat anzunehmen und selbst eine Regierung zu bilden. Er lehnte dies jedoch ab, wohl wissend, dass er sich als Regierungschef des Kapgebietes den Entscheidungen Londons zu fĂŒgen hĂ€tte. So gab er seine UnterstĂŒtzung jemandem, der ganz von ihm abhĂ€ngig sein wĂŒrde. Der auserwĂ€hlte irische Barrister namens Upington errichtete 1884 das als „warme Pfanne“ bekannte Ministerium. Viele britische Kolonisten, die eine ausreichende LoyalitĂ€t zum Vereinigten Königreich bewahrten, weil sie in SĂŒdafrika nur reich werden wollten, denunzierten diesen politischen Akt gegenĂŒber Großbritannien unter Berufung auf die von den Briten auf die Kapkolonie ĂŒbertragene Verfassung, da sie den Mann, der wirklich die politische Macht ausĂŒbte, als verantwortlichen AnfĂŒhrer der Partei sehen wollten. Hofmeyrs Ablehnung dieser Verantwortung und die Natur der Bond-Politik brachten ihm den Spitznamen „der Maulwurf“ ein. Briten und britische Kolonisten hĂ€tten eine offene und verantwortliche MachtausĂŒbung akzeptiert und willkommen geheißen, denn so wĂ€ren sie ihren schĂ€rften Gegner elegant los geworden. Aber die burische Politik, die in Pretoria am stĂ€rksten ausgeprĂ€gt war, wurden von den gegenĂŒber Großbritannien loyalen Kolonisten abgelehnt, denn unter der hĂ€tten sie weder Gold noch Diamanten aus SĂŒdafrika auf privater Basis exportieren können.

Hofmeyr bestimmte, wie burische von 1881 bis 1898 wĂ€hlen sollten, und leitete auch die Politik hinter dem Bond wĂ€hrend dessen Geschichte. Er gab seinen Sitz im britisch bevormundeten Parlament 1895 auf. Auch andere bekannte Politiker richteten ihre Ansichten zunehmend nach dem Bond aus, weil sie dem Vereinigten Königreich ĂŒberworfen hatten.

Rhodes und die niederlÀndische Stimmung

Cecil Rhodes erkannte die Probleme seiner Position und zeigte vom Beginn seiner politischen Karriere an den Wunsch, die niederlĂ€ndische Stimmung durch besonnenes Handeln zu beschwichtigen. Er wurde 1880 zuerst als Mitglied des Parlaments fĂŒr Barkly West von einer loyalen WĂ€hlerschaft gewĂ€hlt. Er unterstĂŒtzte die Verordnung zur niederlĂ€ndischen Sprache von 1882 und wurde Anfang 1884 zum Schatzmeister unter Sir Thomas Scanlen berufen. Rhodes bekleidete dieses Amt erst seit sechs Monaten, als Scanlen aufgab. Sir Hercules Robinson schickte ihn im August 1884 als stellvertretenden PolizeiprĂ€sidenten ins britische Betschuanaland. Dort wurde er Nachfolger von Reverend John Mackenzie, dem Vertreter der London Missionary Society in Kuruman, der im Mai 1883 die AutoritĂ€t von Königin Victoria ĂŒber dieses Gebiet verkĂŒndete. Da Rhodes’ FriedensbemĂŒhungen mit den Buren scheiterten, wurde Warrens Mission nötig. 1885 erweiterte die Kapkolonie ihr durch die Eingliederung von Tembualand, Bomvanaland und Galekaland. 1886 wurde Sir Gordon Sprigg Premierminister.

SĂŒdafrikanische Zollunion

Zwischen 1878 und 1885 gab es betrĂ€chtliche Unruhen in der Kapkolonie. In dieser kurzen Zeit gab es stĂ€ndig Ärger mit den Basutos, die von der Kapkolonie verlangten, sie den imperialen AutoritĂ€ten zurĂŒckzugeben, sowie eine Reihe von ZwischenfĂ€llen mit Einheimischen, denen der Erste Burenkrieg von 1881 und die Unruhen in Betschuanaland 1884 folgten. Trotz der RĂŒckschlĂ€ge ging die Entwicklung des Landes weiter. Die Diamanten-Industrie florierte. Eine 1887 in London veranstaltete Konferenz plĂ€dierte fĂŒr „eine engere Union der verschiedenen Teile des britischen Empire durch einen imperialen Zolltarif“. Bei dieser Konferenz stellte Hofmeyr eine Art „Zollverein“ vor, in dem die imperialen Zölle unabhĂ€ngig von allen Zahlungen fĂŒr GĂŒter, die von außerhalb ins Empire kamen, erhoben werden. Sein Ziel sei es, „die Vereinigung des Empire voranzutreiben und gleichzeitig Einnahmen fĂŒr Zwecke der allgemeinen Verteidigung zu erhalten“. Das Schema wurde als unpassend abgelehnt, aber die Wortwahl und die GefĂŒhle, die es begleiteten, ließen Hofmeyr in einem gĂŒnstigen Licht erscheinen.

Obwohl die StaatsmĂ€nner und Hochkommissare es nicht geschafft hatten, eine politische Konföderation zu verwirklichen, errichteten die Mitglieder des Kap-Parlaments 1888 eine SĂŒdafrikanische Zollunion. Eine entsprechende Verordnung wurde vom Parlament abgesegnet und sorgte fĂŒr einen beachtlichen Fortschritt auf dem Weg zum Bund. Kurze Zeit spĂ€ter schloss sich der Oranje-Freistaat der Union an. Es wurden auch mehrere Versuche unternommen, um Transvaal zum Beitritt zu ĂŒberreden, aber PrĂ€sident Kruger, der seine eigene Politik verfolgte, hoffte, die SĂŒdafrikanische Republik durch die Delagoa-Bay-Eisenbahn ganz unabhĂ€ngig von der Kapkolonie zu machen. Der Plan eines Zollvereins mit Transvaal gefiel auch Krugers Hollander-Beratern nicht, da sie mit der Netherlands Railway Company, der die Eisenbahn des Transvaal gehörte, beschĂ€ftigt waren.

Diamanten, Gold und Eisenbahn

Alfred Beit 1905

Ein weiteres Ereignis von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung fĂŒr die Kapkolonie und ganz SĂŒdafrika war die Vereinigung der Unternehmen des Diamant-Bergbaus zu de Beers, die im Wesentlichen von Cecil Rhodes, Alfred Beit, Charles Rudd und Barney Barnato 1889 verwirklicht wurde. Sie fand auf privatrechtlicher, nicht staatlicher Ebene statt, obwohl das angesichts der geologischen Bedingungen geboten gewesen wĂ€re. Eines der wichtigsten Ergebnisse der Ausbeutung von Diamantminen war der Einfluss auf den rasanten Ausbau der Eisenbahn. Der britische Eisenbahnimperialismus sicherte umgehend die SchĂŒrfgebiete durch diese Infrastruktur ab, um mit seinen Truppen so schnell wie möglich prĂ€sent sein zu können. Es gab neue Strecken nach Worcester, Beaufort West, Grahamstown, Graaff-Reinet und Queenstown. Kimberley erreichte man 1885. 1890 wurde die Linie in nördlicher Richtung an der Westgrenze des Transvaal bis nach Vryburg in Betschuanaland erweitert. 1889 vereinbarte der Freistaat mit der Kapkolonie, dass der Hauptstrang bis nach Bloemfontein ausgedehnt wird und der Freistaat die HĂ€lfte der Einnahmen erhĂ€lt. Anschließend kaufte der Freistaat zum Selbstkostenpreis die Linien auf seinem Territorium. 1891 erreichte die Eisenbahn Viljoen’s Drift am Vaal und ein Jahr spĂ€ter Pretoria und Johannesburg.

Rhodes als Premierminister

Cecil Rhodes

1889 wurde Sir Henry Loch als Nachfolger von Sir Hercules Robinson zum Hochkommissar und Gouverneur der Kapkolonie bestimmt. Als Sir Gordon Sprigg, der Premierminister der Kolonie 1890 resignierte, bildete sich eine Regierung unter Rhodes. Zuvor hatte Hofmeyr Rhodes vergeblich ein Amt als Vertreter der Bond-Partei angeboten. Nach dem Fall des Sprigg-Ministerium vereinbarte Rhodes allerdings ein Treffern mit den Bond-AnfĂŒhrern, um die Situation zu diskutieren. Seine Politik der Zoll- und Eisenbahn-Union ermöglichte ihm zusammen mit der Anerkennung durch die Buren, die RegierungsgeschĂ€fte erfolgreich zu fĂŒhren.

Die Kolonien Britisch-Betschuanaland und Basutoland schlossen sich nun der Zollunion an. Pondoland, ein weiteres Bantu-Territorium, kam 1894 hinzu. Das Gesetz beschĂ€ftigte sich mit Bantu, die in bestimmten Reservaten lebten. Es gewĂ€hrte ihnen, einige ihrer Anliegen selbst zu regeln, gewĂ€hrte ihnen nach britischem VerstĂ€ndnis also Privilegien, und verlangte von ihnen, die meist ĂŒber kein monetĂ€res Einkommen verfĂŒgten, die Zahlung einer Arbeitssteuer. Das war in britischer Sicht "das staatsmĂ€nnischste Gesetz", das in Bezug auf die Bantu verabschiedet wurde. Bei einer Parlamentssitzung verkĂŒndete Rhodes 1895, dass das Gesetz auf 160.000 Bantu angewendet wurde. Die nicht angewandten Arbeitsklauseln wurden 1905 aufgehoben. Sie hatten dennoch einen Effekt, weil tausende Bantu ihre Arbeitsauflagen erfĂŒllten, um von der Arbeitssteuer befreit zu werden.

Rhodes’ Politik zeichnete sich durch eine Mischung aus WillkĂŒr und Zynismus aus. Seit ihnen die Selbstverwaltung gewĂ€hrt worden war, genossen die Bantu das Wahlrecht. Mit einem Gesetz von 1892 wurde auf Rhodes’ DrĂ€ngen ein Bildungstest fĂŒr diejenigen eingefĂŒhrt, die sich fĂŒr die Wahl registrieren wollten, und einige weitere Restriktionen fĂŒr native WĂ€hler geschaffen, weil man befĂŒrchtete, dass sie das derzeitige System der Regierung gefĂ€hrden könnten.

Rhodes widersetzte sich dem Schmuggel mit Spirituosen und unterdrĂŒckte ihn in den Diamant-Minen vollstĂ€ndig, obwohl er damit einige AnhĂ€nger unter den Brandy-Produzenten der westlichen Provinzen verĂ€rgerte. Er schrĂ€nkte ihn auch in den Reservaten und Territorien der Bantu so weit wie möglich ein. Dennoch ging der Schmuggel auf kolonialen Farmen und einigen Bantu- und San-Gebieten weiter. Die Khoi Khoi waren von dem GetrĂ€nk besonders angetan, weil sie, die eigentlichen Herren des Landes bis zum Sambesi, durch die militĂ€rischen Niederlagen gegen die Briten fast vollstĂ€ndig demoralisiert waren.

Rhodes setzte immer mehr britisches Recht durch. Nur wenn Konflikte mit Stammesrecht zur offenen Rebellion auszuarten drohten, gab er nach. Nachdem die Territorien östlich des Kei River Teil der Kapkolonie geworden waren, kam es vor Gericht zu einem Streit um das Erbrecht. Nach den Gesetzen der Kolonie entschied das Gericht, dass der Ă€lteste Sohn eines Khoi Khoi sein Erbe sei. Die Khoi Khoi protestierten jedoch heftig gegen diese Entscheidung, weil nach ihrem Stammesrecht der große Sohn oder der Sohn der HĂ€uptlingsfrau als Erbe gilt. Der Regierung drohten weitere Rebellionen, als Rhodes telegrafisch eine EntschĂ€digung zusicherte und versprach, dass es keine solche Entscheidung mehr gebe. Sein Versprechen wurde akzeptiert und die Ruhe war wiederhergestellt. Aber britisches Recht hatte wieder den Charakter einer WillkĂŒreinrichtung. Rhodes zog sich aus der Affaire. Am Ende der nĂ€chsten Parlamentssitzung nach diesem Vorfall legte Rhodes den kĂŒrzesten Gesetzesentwurf der Geschichte vor. Er besagte, dass alle zivilrechtlichen FĂ€lle von Magistraten verhandelt werden mĂŒssen und Anfragen an den Magistraten mit einem Assessor gestellt werden können. Strafrechtliche FĂ€lle mĂŒssen von Richtern des Supreme Court im Bezirk verhandelt werden. In Folge des neuen Gesetzes wurden, sofern die Magistrate nach nativem Recht urteilten, HochzeitsbrĂ€uche und –gesetze, darunter die Polygamie, in der Kolonie legalisiert.

Sir Hercules Robinson wurde als Nachfolger von Sir Henry Loch 1895 erneut zum Gouverneur und Hochkommissar von SĂŒdafrika ernannt. Im selben Jahr wurde Mr. Chamberlain StaatssekretĂ€r fĂŒr die Kolonien.

Bewegung zur wirtschaftlichen Föderation

Mit der Entwicklung der Eisenbahn und dem zunehmenden Handeln zwischen der Kapkolonie und dem Transvaal begannen Politiker beider Seiten ĂŒber eine engere Beziehung zu debattieren. In seiner Funktion als Premierminister der Kapkolonie strebte Rhodes die freundliche Geste einer wirtschaftlichen Föderation zwischen den Staaten und Kolonien SĂŒdafrikas mit den Mitteln einer Zollunion an. Er hoffte auf eine Wirtschafts- und Eisenbahn-Union, wie eine Rede von 1894 in Kapstadt belegt:

„Mit der Liebe zur Flagge, unter der ich geboren wurde und die ich vertrete kann ich die GefĂŒhle eines Republikaners verstehen, der seine UnabhĂ€ngigkeit geschaffen hat und diese mehr als alles andere schĂ€tzt; aber ich kann sagen, dass ich in Zukunft das System, mit dem ich verbunden bin, mit der Kapkolonie verbinden kann, und dass es nicht unmöglich ist, dass die benachbarten Republiken unter Wahrung ihrer UnabhĂ€ngigkeit, mit uns einige grundlegenden Prinzipien teilen. Genauer gesagt meine ich die Prinzipien des Tarifs, der Eisenbahnverbindung, der rechtlichen AnsprĂŒche, der MĂŒnzerei und alle Prinzipien, die momentan in den Vereinigten Staaten existieren, unabhĂ€ngig von den lokalen Parlamenten in den einzelnen Staaten dieses Landes.“

PrĂ€sident Kruger und die Transvaal-Regierung widersetzten sich bei jeder Möglichkeit dieser Politik. Ihre Handlungen in der Frage der Vaal River Drift illustrieren am besten den von der Transvaal-Regierung verfolgten Plan. Wegen der Auflösung der Vereinbarung von 1894 zwischen der Eisenbahn der Kap-Regierung und der niederlĂ€ndischen Eisenbahn kam es zu einigen Streitigkeiten. Die Kap-Regierung hatte der niederlĂ€ndischen Eisenbahn und der Transvaal-Regierung eine Summe von 600.000 ÂŁ vorgestreckt, um die Bahnstrecke vom Vaal bis Johannesburg zu erweitern. Gleichzeitig hatte sich die Kap-Regierung das Recht gesichert, die Verkehrsrate bis Ende 1894 oder bis zur Fertigstellung der Strecke Deloga Bay – Pretoria festzulegen.

Die Kap-Regierung hatte die Verkehrsrate auf 2d. pro Tonne und Meile festgelegt, aber Anfang 1895 erhöhte die niederlĂ€ndische Eisenbahn die Rate fĂŒr die 52 Meilen vom Vaal nach Johannesburg auf 8d. pro Tonne pro Meile. Aus Krugers nachfolgenden Handlungen wird ersichtlich, dass diese VerĂ€nderungen auf seiner Zustimmung beruhten, um den Verkehr des Transvaal von der kolonialen Strecke auf die Delagoa-Route zu zwingen. Um die sehr hohen Rate zu kompensieren, begannen HĂ€ndler aus Johannesburg, ihre GĂŒter mit Wagen ĂŒber den Vaal zu transportieren. Als Reaktion darauf schloss Kruger die Driften oder Furten des Vaal, um den Verkehr zu verhindern. Daraus resultierte ein enormer Block von Wagen auf den Ufern des Vaal. Die Kap-Regierung protestierte mehrmals gegen die Aktionen des Transvaal, weil sie einen Verstoß gegen die London Convention darstellten.

Kruger ließ sich durch die Proteste nicht einschĂŒchtern und richtete einen Appell an die imperiale Regierung, die mit der Kap-Regierung vereinbarte, dass man einen Protest an Kruger schicken wĂŒrde, wenn die Kapkolonie die HĂ€lfte der Kosten fĂŒr jede notwendige Expedition trĂ€gt, mit Truppen hilft und die Eisenbahn wenn nötig fĂŒr militĂ€rische Zwecke zur VerfĂŒgung stellt. Rhodes und seine Kollegen, darunter W. P. Schreiner, akzeptierten die Bedingungen und Chamberlain schickte einen Protest, der besagte, dass die Regierung die Schließung der Driften als Verstoß gegen die London Convention betrachtet und fĂŒr diese unfreundliche Aktion eine ernste Antwort verlangt. Kruger öffnete die Driften sofort wieder und verkĂŒndete, dass er ohne RĂŒcksprache mit der imperialen Regierung keine derartigen Anweisungen mehr gĂ€be.

Leander Starr Jameson ĂŒberfiel am 29. Dezember 1895 (Jameson Raid) den Transvaal und Rhodes musste auf Grund seiner Komplizenschaft im Januar 1896 sein Amt des Premierministers der Kapkolonie aufgeben. Sir Gordon Sprigg ĂŒbernahm den vakanten Posten. Als Rhodes’ Komplizenschaft bekannt wurde, reagierten seine Kollegen im Ministerium, die nichts von den Verbindungen wussten, mit Verbitterung und Erstaunen. Der Bond und Hofmeyr denunzierten ihn besonders deutlich und die NiederlĂ€nder waren noch mehr verbittert gegen die Briten in der Kapkolonie, was ihre kĂŒnftige Einstellung gegenĂŒber den Transvaal-Buren beeinflusste.

1897 gab es einen weiteren Aufstand unter dem Bantu-HĂ€uptling Galeshwe in Griqualand West, der mit der Verhaftung des HĂ€uptlings endete. Beim Verhör sagte Galeshwe, dass der Transvaal-Magistrat Bosman ihn mit Munition versorge und zu Rebellionen gegen die Regierung der Kapkolonie ermutige. Es gab ausreichende Beweise fĂŒr diese Aussage, die mit den Methoden ĂŒbereinstimmte, die die Buren manchmal unter den Einheimischen benutzten.

Sir Alfred Milner folgte Sir Hercules Robinson 1897 als Hochkommissar fĂŒr SĂŒdafrika und Gouverneur der Kapkolonie. Robinson wurde im August 1896 zum Peer unter Baron Rosmead.

Schreiners Politik

Karte der Kapkolonie von 1899. Die Kapkolonie ist rot markiert, Transvaal und der Oranje-Freistaat gelb.

Die wirtschaftliche Föderation erreichte mit dem Beitritt von Natal zur Zollunion einen weiteren Staat. Zu dieser Zeit verfasste man eine neue Konvention; diese schuf einen „einheitlichen Tarif fĂŒr alle importierten GĂŒter, die innerhalb einer solchen Union konsumiert werden, sowie eine gleichmĂ€ĂŸige Verteilung der Abgaben, die auf solche GĂŒter von den Parteien der Union erhoben werden, und freien Handeln zwischen den Kolonien und dem Staat in Bezug auf alle sĂŒdafrikanischen Produkte“. Im selben Jahr fand eine weitere Parlamentswahl am Kap statt, die ein weiteres Bond-Ministerium unter W. P. Schreiner schaffte. Schreiner blieb bis Juni 1900 Vorsitzender der Kap-Regierung.

WĂ€hrend der Verhandlungen, die dem Ausbruch des zweiten Burenkrieges 1899 vorausgingen, kam es zu hitzigen Auseinandersetzungen. Als Vorsitzender einer Partei, die wegen ihrer UnterstĂŒtzung zum Bond gehörte, musste Schreiner unterschiedliche EinflĂŒsse ausbalancieren. Als Premierminister einer britischen Kolonie sollte er sich jedoch nach Meinung loyaler Kolonialisten aus den Angelegenheiten der Transvaal-Regierung und der imperialen Regierung zurĂŒckhalten. In seinen öffentlichen Statements Ă€ußerte er sich feindselig gegenĂŒber der Politik, die Chamberlain und Sir Alfred Milner verfolgten. Schreiners Feindseligkeit soll Krugers Ablehnung der britischen VorschlĂ€ge verstĂ€rkt haben. Privat versuchte er alles Mögliche, um den PrĂ€sidenten zu einem „vernĂŒnftigen“ Handeln zu verleiten, aber seine öffentlich geĂ€ußerte Ablehnung der Chamberlain-Politik schadete ihm trotz seiner guten Absichten mehr als der private Einfluss half.

Schreiner beauftragte den Hochkommissar am 11. Juni 1899, Chamberlain darĂŒber zu informieren, dass er und seine Kollegen sich entschieden hĂ€tten, Krugers Bloemfontein-VorschlĂ€ge als „praktisch, vernĂŒnftig und betrĂ€chtlichen Schritt in die richtige Richtung“ zu akzeptieren. SpĂ€ter im Juni erkannten niederlĂ€ndische Politiker am Kap jedoch, dass Krugers Einstellung nicht so vernĂŒnftig war wie gedacht, und Hofmeyer besuchte zusammen mit Herrn Herholt, dem Landwirtschaftsminister der Kapkolonie, Pretoria. Nach ihrer Ankunft fanden sie den „Volksraad“ des Transvaal in einer trotzigen Stimmung vor. Das Parlament hatte soeben eine Resolution verabschiedet, die vier neue Sitze im Volksraad fĂŒr die Minendistrikte und fĂŒnfzehn exklusive Burgher-Distrikte schuf. Hofmeyr brachte bei einem Treffen mit der Exekutive seine Unzufriedenheit mit diesen VorgĂ€ngen offen zum Ausdruck. Hofmeyrs Einfluss wurde jedoch von einem Botschafter des Oranje-Freistaates namens Abraham Fischer ĂŒbertroffen, der zwar vorgab, ein Friedensstifter zu sein, aber in Wirklichkeit die Buren zu extremen Maßnahmen ermutigte.

Hofmeyrs Ruf als kluger Diplomat und AnfĂŒhrer der hollĂ€ndischen Partei machte ihn zu einem mĂ€chtigen Delegierten. Wenn es jemanden gab, der Kruger zu einer Änderung seines Plans ĂŒberreden konnte, dann war es Hofmeyr. Die gemĂ€ĂŸigten Vertreter aller Parteien schauten erwartungsvoll zu Hofmeyr, aber keiner so sehr wie Schreiner. Hofmeyrs Mission in Bezug auf Kruger erwies sich jedoch wie alle anderen Versuche als unfruchtbar. Er kehrte enttĂ€uscht, aber nicht wirklich ĂŒberrascht ĂŒber sein Scheitern nach Kapstadt zurĂŒck. Die Buren-Exekutive forderte Schreiner derweil auf, am 7. Juli einen Brief an die „South African News“ zu schreiben, in dem er mit Bezug auf seine eigene Regierung sagte: „Besorgt und stets aktiv mit der Hoffnung auf vernĂŒnftige VerĂ€nderungen des existierenden reprĂ€sentativen System der SĂŒdafrikanischen Republik, ist diese Regierung ĂŒberzeugt, dass es keinen Anlass fĂŒr eine aktive Einmischung in die internen Angelegenheiten dieser Republik gibt.“

Der Brief erwies sich als ĂŒbereilt und unglĂŒcklich. Am 11. Juli, appellierte Schreiner nach einem Treffen mit Hofmeyr persönlich an Kruger, sich der imperialen Regierung mit friedlicher Gesinnung zu nĂ€hern. Ein weiteres Ereignis ließ zur gleichen Zeit eine feindliche Stimmung in der Öffentlichkeit gegen Schreiner aufkommen. Am 7. Juli wurden 500 Gewehre und 1.000.000 Einheiten Munition in Port Elizabeth angeliefert, an die Regierung des Freistaates ĂŒbergeben und nach Bloemfontein gebracht. Die Übergabe wurde an Schreiner gemeldet, der es jedoch nicht fĂŒr nötig hielt, sie zu stoppen. Er rechtfertigte seine Entscheidung mit der Aussage, dass er kein Recht habe, die Verschiffung von Waffen in der Kapkolonie zu stoppen, seit Großbritannien mit dem Freistaat Frieden geschlossen hat. Seine UntĂ€tigkeit brachte ihm jedoch unter britischen Kolonialisten den Spitznamen „Ammunition Bill“ ein. SpĂ€ter warf man ihm vor, den Fortschritt der Artillerie und der Gewehre zur Verteidigung von Kimberley, Mafeking und anderer StĂ€dte in der Kolonie verzögert zu haben. Er entschuldigte sich damit, er habe den Krieg nicht vorhergesehen und keine unberechtigten VerdĂ€chtigungen bei der Regierung des Freistaates wecken wollen. Sein Verhalten in beiden FĂ€llen war vielleicht technisch korrekt, verĂ€rgerte jedoch die loyalen Kolonialisten.

Chamberlain sandte am 28. Juli eine versöhnliche Botschaft an Kruger, in der er ein Delegiertentreffen zur Beratung ĂŒber die jĂŒngsten VorschlĂ€ge anbot. Am 3. August bat Schreiner Fischer telegrafisch, dass Transvaal Chamberlains Vorschlag akzeptieren solle. Nach einer Anfrage des Freistaates ĂŒber die Bewegung britischer Truppen, verweigerte Schreiner die Freigabe von Informationen und verwies den Freitstaat an den Hochkommissar. Am 28. August veranlasste die Vertagung im Parlament Sir Gordon Sprigg zur Diskussion ĂŒber eine Entwaffnung des Freistaates. Schreiner beantragte daraufhin den grĂ¶ĂŸtmöglichen Tadel fĂŒr Sprigg, sowohl in der Kolonie als auch in Großbritannien. Im Fall von Unruhen wĂŒrde Sprigg die Kolonie in Bezug auf ihr MilitĂ€r und ihre Bevölkerung abseits halten. Im Verlauf seiner Rede verlas er ein Telegramm von PrĂ€sident Steyn, in dem der PrĂ€sident jegliche aggressive Handlung im Freistaat als absurd zurĂŒckwies. Die Rede sorgte fĂŒr einen Skandal in der britischen Presse.

Aus Schreiners Verhalten in der zweiten HĂ€lfte des Jahres 1899 geht ziemlich deutlich hervor, dass er mit seiner Ansicht bezĂŒglich der Situation im Transvaal völlig falsch lag. Er zeigte die gleiche UnfĂ€higkeit, die Sorgen der Uitlander zu verstehen, denselben vergeblichen Glauben an eine eventuelle Fairness des PrĂ€sidenten Kruger als Premierminister der Kapkolonie wie bereits damals, als er vor dem British South Africa Select Committee zum Jameson Raid aussagte. Ihm sollte eigentlich klar gewesen sein, dass die Appelle an die Vernunft von PrĂ€sident Kruger unfruchtbar und die Proteste von PrĂ€sident Steyn unaufrichtig waren.

Zweiter Burenkrieg (1899–1902)

Der erste Schuss in diesem Krieg wurde in Kraipan, einer kleinen Eisenbahnstation innerhalb der Kolonie, 40 Meilen sĂŒdlich von Mafeking abgegeben, woraufhin ein Zug entgleiste und Munition, die fĂŒr Colonel Baden-Powell gedacht war, eingenommen wurde. Damit wurde Mafeking, die nördlichste Stadt der Kapkolonie, isoliert und blieb mehr als sieben Monate lang im Belagerungszustand. Am 16. Oktober isolierte man auch Kimberley. Am 18. Oktober beanspruchten Transvaal und der Oranje-Freistaat Teile der Kapkolonie, darunter Britisch-Betschuanaland und Griqualand West mit den Diamanten-Feldern. Am 28. Oktober 1899 unterzeichnete Schreiner eine von Sir Alfred Milner als Hochkommissar herausgegebene Proklamation, die die GebietsansprĂŒche der Buren fĂŒr null und nichtig erklĂ€rte.

Am 10. und 11. Dezember kam es zu britischen Gegenangriffen in Stormberg und Magersfontein. Diese AktivitĂ€ten gleich zu Beginn des Krieges lieferten den kolonialen Buren an der Front einen Anlass, sich ihren Angehörigen von den Republikanern anzuschließen. Die Buren waren fruchtbar und ihre Familien groß. Viele jĂŒngere Söhne aus der Kolonie, die nichts zu verlieren hatten, verließen ihre Heimat mit Pferd und Gewehr, um sich den republikanischen StreitkrĂ€ften anzuschließen.

In der Zwischenzeit rieben sich loyale Kolonialisten am Kap daran, dass sie von den imperialen AutoritĂ€ten verspĂ€tet verpflichtet wurden. Erst nach der Ankunft von Lord Roberts und Lord Kitchener in Kapstadt am 10. Januar 1900 konnten diese unschĂ€tzbaren und erfahrenen MĂ€nner hervortreten. Lord Roberts beschĂ€ftigte die Angelegenheit so sehr, dass er Colonel Brabant, einen bekannten und respektierten kolonialen Veteranen und Parlamentsmitglied, sofort zum Brigadegeneral ernannte und begann, loyale Kolonialisten zu rekrutieren. Am 15. Februar befreite General French Kimberley, wĂ€hrend der Buren-General Cronje Magersfontein evakuierte und sich nach Bloemfontein zurĂŒckzog. Cecil Rhodes war wĂ€hrend der gesamten Belagerung in Kimberley eingeschlossen und seine Anwesenheit war fĂŒr die Buren ein zusĂ€tzlicher Anreiz, um die Stadt einzunehmen. Seine herausragende Stellung und sein Einfluss auf de Beers Arbeiter ermöglichten es ihm, den Dienst der Yeoman zu leisten, was den Einwohnern Enthusiasmus und Mut verlieh. Die Manufaktur eines großen Gewehrs, das mit dem „Long Tom“ der Buren konkurrieren konnte, in den WerkstĂ€tten de Beers unter Rhodes Befehl und mit der GenialitĂ€t des Amerikaners Labram, der wenige Tage nach der Fertigstellung getötet wurde, ist eines der bedeutendsten Ereignisse dieser Zeit.

Mit der Befreiung von Mafeking am 17. Mai 1900 endete die Rebellion am Kap und die Kolonie war zumindest vorĂŒbergehend frei von feindlichen KrĂ€ften.

Am 20. MĂ€rz 1900 warb der spĂ€tere Sir James Rose-Innes, ein prominentes Mitglied des Parlaments, der sich mehrere Jahre lang von allen Parteien ferngehalten und Schreiners Aktionen bezĂŒglich der Waffenlieferung in den Freistaat verteidigt hatte, bei seinen WĂ€hlern in Claremont fĂŒr die Annexion beider Republiken und im Rahmen einer eloquenten Rede bemerkte er, dass die LoyalitĂ€t in Kanada trotz einiger Rebellionen von den französischen Kanadiern durch freie Institutionen gesichert worden sei. In SĂŒdafrika könne eine Ă€hnliche Politik zu Ă€hnliche Ergebnissen mit den Buren fĂŒhren. Im Juni legte Schreiner, dessen UnterstĂŒtzung fĂŒr Sir Alfred Milner viele seiner Mitstreiter im Bond verĂ€rgert hatte, sein Amt nieder, nachdem sein Gesetzesentwurf zur Entrechtung, den er in Abstimmung mit der heimatlichen Regierung zur Bestrafung der Kap-Rebellen einfĂŒhren wollte, keine UnterstĂŒtzung gefunden hatte. Das Strafmaß war sicherlich angemessen, aber die allgemeine Entrechtung gefiel den Bond-Extremisten weniger als die Strenge gegenĂŒber Individuen. Sir Gordon Sprigg, der nach einer betrĂ€chtlichen politischen Krise Schreiners Nachfolger und damit zum vierten Mal Premierminister wurde, konnte das Gesetz schließlich in Kooperation mit Schreiner durchsetzen.

Ende 1900 ging der Krieg in eine neue Phase in Form von Guerilla-Auseinandersetzungen mit vereinzelten StreitkrĂ€ften der Buren. Im Dezember drangen einige dieser Banden in die Kapkolonie ein und versuchten koloniale Buren fĂŒr sich zu gewinnen. Die BemĂŒhungen waren zunĂ€chst erfolglos, aber als die Buren im Jahr 1901 diverse Distrikte immer noch unter Kontrolle hatten, sahen die AutoritĂ€ten die Notwendigkeit, das Kriegsrecht in der gesamten Kolonie auszurufen, was am 9. Oktober 1901 geschah.

Obgleich die Burenstaaten nach wie vor ĂŒber aktionsfĂ€hige Regierungen verfĂŒgten und ihre Heere ungeschlagen im Felde standen, wurden der Freistaat und spĂ€ter auch Transvaal zu britischen Kronkolonien erklĂ€rt. Von nun an galten die Burenkommandos als Rebellenbanden; ja mehr noch: man machte die Zivilbevölkerung fĂŒr ihre Kriegshandlungen verantwortlich. Wo ein Telegraph zerstört oder ein Blockhaus der britischen Armee gesprengt wurde, ließen Lord Roberts und Kitchener die benachbarten Farmen ausrauben und in Brand stecken. Die Bewohner dieser Gehöfte – Frauen, Kinder und kampfunfĂ€hige Greise – wurden „zu ihrem eigenen Schutz“ in Konzentrationslager geschafft. Ebenso erging es den Angehörigen derjenigen Buren, die sich weigerten, den NeutralitĂ€tseid abzulegen (der sie ĂŒbrigens nicht, wie man hĂ€tte annehmen sollen, vor der Deportation nach St. Helena oder Ceylon schĂŒtzte). Aber alle diese BrutalitĂ€ten verdoppelten nur noch den Selbstbehauptungswillen der Buren. Nun erst begriffen sie, dass es den Briten gar nicht um einen militĂ€risch-politischen Sieg zu tun war, sondern um die völlige Ausrottung der hollĂ€ndischen Bevölkerung SĂŒdafrikas und um die Zerstörung ihrer Lebensquellen.

Am 4. Januar 1901 wurde Sir Alfred Milner zum Gouverneur von Transvaal und der Oranjefluss-Kolonie ernannt und wenig spĂ€ter als Lord Milner zum Peer. Sir Walter Hely-Hutchinson, der Gouverneur von Natal, wurde sein Nachfolger als Gouverneur der Kapkolonie. Das Amt des Hochkommissars in SĂŒdafrika wurde vom Amt des Gouverneurs getrennt und mit dem des Transvaal verbunden – ein Zeichen fĂŒr die verĂ€nderten Bedingungen in SĂŒdafrika. Die Trennung der Kolonialisten in AnhĂ€nger der Buren-Staaten und Vertreter der britischen Verbindung spiegelte sich zum Nachteil des Staatswohls in den Parteien des Kap-Parlaments. Es gab den Vorschlag, die Verfassung aufzuheben, aber dieses Vorgehen erschien zu drastisch. Die Progressive Party, in der die BefĂŒrworter einer dauerhaften Ansiedlung unter britischer Flagge versammelt waren, verlor ihren AnfĂŒhrer und SĂŒdafrika seinen fĂŒhrenden Staatsmann, als Cecil Rhodes im Mai 1902, wenige Wochen vor dem Kriegsende, starb.

Nach dem Krieg

Die Anerkennung der Niederlage durch die Buren im Feld und die UnterdrĂŒckung von etwa 10.000 Rebellen schwĂ€chte nicht das Bestreben der NiederlĂ€nder, die politische Vorherrschaft in der Kolonie zu erlangen. Im Herbst 1902 strebte Sir Gordon Sprigg, der Premierminister und nominelle AnfĂŒhrer der Progressiven, danach, seine Position zu sichern, indem er sich die UnterstĂŒtzung der Bond-Partei im Parlament sicherte. Anfang 1902 nahm Chamberlain Kapstadt in seine Route beim Besuch in SĂŒdafrika auf und veranstaltete Konferenzen mit den politischen AnfĂŒhrern aller Parteien. Eine Versöhnung zwischen dem Bond und den Briten in der Kolonie war jedoch immer noch unmöglich und die beiden Parteien konzentrierten ihre Anstrengungen auf einen Sieg bei der kommenden Wahl. Hofmeyr, der die meiste Zeit des Krieges in Europa verbracht hatte, kehrte in die Kapkolonie zurĂŒck, um den Bond neu zu organisieren. Auf der anderen Seite trat Leander Jameson als AnfĂŒhrer der Progressiven hervor. Das Parlament wurde im September 1903 aufgelöst. Seit dem Krieg hatte es zwei wichtige Maßnahmen verabschiedet – eine BeschrĂ€nkung der Zuwanderung (1902) und die Ratifizierung der ersten Handelsunion zwischen allen sĂŒdafrikanischen Kolonien. Diese Konvention zeichnete sich besonders durch die bevorzugte Behandlung (im Allgemeinen ein Rabatt von 25% auf bereits erhobene Abgaben) von Importen aus dem Vereinigten Königreich.

Die Wahl drehte sich um die Vorherrschaft der Briten oder des Bond. Die Rebellen waren aus dem WĂ€hlerverzeichnis gestrichen worden. Viele von ihnen waren nicht nur entrechtet, sondern saßen auch im GefĂ€ngnis. Die Prognosen waren nicht eindeutig und beide Seiten warben um native WĂ€hler, die in mehreren Wahlkreisen die Machtbalance hielten. Die Vertreter des Bond waren in ihren Versprechen gegenĂŒber der indigenen Bevölkerung freigiebiger als ihre Gegner und luden sogar einen afrikanischen Journalisten (vergeblich) ein, sich um einen Sitz im Parlament zu bewerben. Angesichts der Agitation um die EinfĂŒhrung chinesischer LasttrĂ€ger zur Arbeit in den Minen des Rand erklĂ€rten die Progressiven ihre Absicht, sie aus der Kolonie auszuschließen, was ihnen einige Stimmen von Einheimischen einbrachte. Die Wahl (im Januar und Februar 1904) brachte den Progressiven schließlich eine Mehrheit von fĂŒnf Sitzen in einem Parlament mit 95 Mitgliedern. Zu den gescheiterten Kandidaten gehörten prominente UnterstĂŒtzer des Bond wie Merriman und Sauer sowie Sir Gordon Sprigg und A. Douglass, ein weiteres Mitglied des Kabinetts. Der ehemalige Premierminister W. P. Schreiner scheiterte als unabhĂ€ngiger Kandidat.

Am 18. Februar löste Leander Jameson Sir Gordon Spriggs ab und formte ein britisch geprĂ€gtes Ministerium. Die erste Amtshandlung war die EinfĂŒhrung eines Additional Representation Bill am 4. MĂ€rz, um das Ungleichgewicht der WĂ€hler in lĂ€ndlichen und stĂ€dtischen Distrikten zumindest teilweise auszugleichen. Die grĂ¶ĂŸeren StĂ€dte teilten sich zwölf neue Sitze im Parlament und die Legislative wurde um drei Mitglieder erweitert. Da die meisten stĂ€dtischen WĂ€hler Briten waren, gab es eine verbitterte Opposition der Bond-Mitglieder gegen das neue Gesetz, da sie darin ein Mittel zur Auslöschung ihrer parlamentarischen Macht sahen. In Wirklichkeit verlangten die deutlichen Anomalien in der Sitzverteilung, durch die eine Minderheit der WĂ€hler in den lĂ€ndlichen Bezirken eine Mehrheit von Mitgliedern bestimmte, nach dem Gesetz und die StĂ€dte waren immer noch unangemessen reprĂ€sentiert. Zwei oder drei NiederlĂ€nder, die das Gesetz unterstĂŒtzten, sahen sich Angriffen der Bond-Vertreter ausgesetzt. Doch das Gesetz wurde verabschiedet und im Juli, nach Abschluss der Saison, fanden die Wahlen fĂŒr die zusĂ€tzlichen Sitze statt. Dabei vergrĂ¶ĂŸerten die Progressiven ihre Mehrheit, die zuvor nur einen Sitz Unterschied ausgemacht hatte.

Gleich zu Beginn seiner Amtszeit musste sich das Ministerium Jameson mit einer ernsten finanziellen Situation beschĂ€ftigen. WĂ€hrend des Krieges hatte die Versorgung mit Waffen im Feld eine kĂŒnstliche Inflation des Handels verursacht und das Ministerium Sprigg hatte eine Politik der extravaganten Ausgaben verfolgt, die nicht von den Finanzen der Kolonie abgesichert war. Die langsame Erholung der Goldminen und anderer Industriezweige im Transvaal nach dem Krieg zeigte sich in einem massiven Abfall des Handels in der Kapkolonie in der zweiten HĂ€lfte des Jahres 1903, wobei der Stress durch eine schwere Trockenzeit noch vergrĂ¶ĂŸert wurde. Leander Jameson fand bei seinem Amtsantritt leere Kassen vor und musste vorĂŒbergehend betrĂ€chtliche Darlehen aufnehmen. Außerdem sanken die EinkĂŒnfte 1904 im Vergleich zum Vorjahr von ÂŁ11,701,000 auf ÂŁ9,913,000. Die Regierung beschrĂ€nkte sich nicht darauf, offizielle GehĂ€lter zu kĂŒrzen und eine strikte Wirtschaftspolitik auszuĂŒben, sondern nahm im Juli 1904 auch ein Darlehen ĂŒber ÂŁ3.000.000 auf. Sie fĂŒhrte außerdem eine gestaffelte Steuer (6d. bis 1s. pro Pfund) auf alle Einkommen ĂŒber ÂŁ1000 ein. Auf Spirituosen und Bier erhob man eine betrĂ€chtliche Akzise, was die Brandy-Hersteller erleichterte. Dadurch wurde aus dem Defizit von ÂŁ731.000 im Jahr 1904/05 ein Überschuss von ÂŁ5161 im Jahr 1905/06. Das kleine Plus erlangte man trotz weiter sinkender Einnahmen.

Leander Jameson Programm war grĂ¶ĂŸtenteils materieller Natur. In der Eröffnungsrede zur Parlamentssaison 1905 sagte er: „Ohne eine betrĂ€chtliche Entwicklung unserer landwirtschaftlichen und lĂ€ndlichen Ressourcen können wir unsere Position als selbstversorgende Kolonie nicht sichern.“ Dieses Vertrauen auf die eigenen Ressourcen war umso notwendiger fĂŒr die Kapkolonie, da sie mit Natal und Delagoa Bay um den Handel des Transvaal konkurrierte. Die Eröffnung hinterer Distrikte durch die Eisenbahn verfolgte man sehr intensiv und zur UnterstĂŒtzung der Landwirtschaft gab es auch große Anstrengungen. Die MĂŒhen wurden mit herzlicher Anerkennung durch die niederlĂ€ndischen Farmer belohnt und die Freilassung der Rebellen im Mai 1904 war ein weiterer Schritt zur Versöhnung. Beim Ausschluss der Chinesen aus der Kolonie war die Bond-Partei einer Meinung mit dem Ministerium. Ein Bildungsgesetz von 1905 etablierte Schulen auf der Grundlage eines populĂ€ren Franchising und lieferte die Grundlage fĂŒr die EinfĂŒhrung einer allgemeinen Schulpflicht. Die Etablierung freundschaftlicher Beziehungen zu den benachbarten Kolonien gehörte auch zu den wichtigen Themen in Dr. Jamesons Politik. Der Bond suchte die NĂ€he von „Het Volk“, der Buren-Organisation im Transvaal, und Ă€hnlichen Gruppen. Beim Kongress im MĂ€rz 1906 in Ceres wurde eine Resolution verabschiedet, wonach man mit Bezug auf die ursprĂŒngliche Konzeption des Bond, niederlĂ€ndisches Denken und Handeln in ganz SĂŒdafrika vereinigen wollte.

Angelegenheiten mit der einheimischen Bevölkerung lieferten immer Anlass zur Unruhe. Im Januar 1905 berichtete eine Kommission ĂŒber die „Eingeborenen-Frage“, da sie ganz SĂŒdafrika betraf und machte VorschlĂ€ge fĂŒr eine GesetzesĂ€nderung in der Kapkolonie, um das Franchising der Einheimischen zu respektieren. Nach Ansicht der Kommission wĂŒrde das Franchising in den HĂ€nden der einheimischen Bevölkerung unter den vorherrschenden Bedingungen bald eine unzumutbare Situation hervorrufen, was unklug und gefĂ€hrlich sei. (Die Registrierung von 1905 ergab eine Anzahl von 23.000 farbigen WĂ€hlern in der Kolonie.) Die Kommission schlug getrennte Wahlen fĂŒr „Farbige“ fĂŒr eine bestimmte Anzahl von Mitgliedern vor, wie es in Neuseeland mit den Maori praktiziert wurde. Die bevorzugte Behandlung der einheimischen Bevölkerung in der Kapkolonie sei ein Hindernis auf dem Weg zu einem sĂŒdafrikanischen BĂŒndnis. Die anschließenden Diskussionen fĂŒhrten jedoch zu keinem unmittelbaren Ergebnis.

Ein weiterer Störfaktor im Zusammenhang mit nativen Angelegenheiten war der Aufstand der Herero und Nama in Deutsch-SĂŒdwestafrika. 1904 und in den folgenden Jahren kamen zahlreiche FlĂŒchtlinge, darunter einige der wichtigsten HĂ€uptlinge in britisches Territorium und Deutschland klagte, dass die Kap-Regierung die FlĂŒchtlinge nicht ausreichend kontrolliere. Die Unruhen endeten jedoch im September 1907. In diesem Monat befand sich Jakobus Morenga, ein HĂ€uptling, der von den kolonialen AutoritĂ€ten interniert worden war, aber fliehen konnte und die Feindseligkeiten gegen die Deutschen fortsetzte, wieder auf der britischen Seite der Grenze, wo er nach der Weigerung, sich zu ergeben, von der Cape Mounted Police verfolgt und getötet wurde. Die Revolte in der deutschen Kolonie hatte fast ein Jahr vor Morengas Tod indirekt einen Buren-Überfall in der Kapkolonie verursacht. Im November 1906 drang eine kleine Gruppe von Transvaal-Buren, die von den Deutschen gegen die Khoikhoi verwendet wurde, unter der FĂŒhrung von Ferreira in die Kolonie ein und begann, Farmen zu ĂŒberfallen und gewaltsam Rekruten zu gewinnen. Innerhalb einer Woche wurden alle Filibuster gefangen. Ferreira und vier Mitstreiter verurteilte man im Februar 1907 wegen Mordes, wobei man die ursprĂŒnglichen Todesurteile in Zuchthausstrafen umwandelte.

Als Resultat einer interkolonialen Konferenz in Pietermaritzburg Anfang 1906 entstand am 1. Juni 1906 eine neue Handelskonvention mit deutlich protektivem Charakter. Zur gleichen Zeit stieg der Rabatt fĂŒr GĂŒter aus Großbritannien und den wechselseitigen Kolonien. Die Parlamentssession, die fĂŒr diese Änderung verantwortlich war, zeichnete sich durch die Aufmerksamkeit aus, die den BewĂ€sserungs- und Eisenbahn-PlĂ€nen gewidmet wurde. Eine wichtige politische Maßnahme im Jahr 1906 war ein Amnestie-Gesetz, das mehr als 7000 ehemaligen Rebellen, die sonst kein Stimmrecht bei der folgenden Wahl gehabt hĂ€tten, wieder zum Franchising 1907 zuließ.

WĂ€hrend die BemĂŒhungen um die Entwicklung der landwirtschaftlichen und mineralischen Ressourcen des Landes erfolgreich waren, litten die StĂ€dte weiterhin unter der Inflation – einem Übermaß an EinkĂ€ufen, Baumaßnahmen und Spekulationen –, die die Kriegszeit auszeichnete. Als Konsequenz daraus sanken die Importe 1906/07 weiter und da die Einnahmen wesentlich von den Abgaben abhingen, verringerten sich die Staatseinnahmen betrĂ€chtlich. Am 30. Juni 1907 betrug das Defizit ÂŁ640,455. Das Minus von ÂŁ4,000,000 in vier Jahren reflektiert zwar nicht die wirklichen wirtschaftlichen ZustĂ€nde im Land, das sich durch zunehmende einheimische Produktion selbst half, verursachte jedoch eine allgemeine Unruhe und verschlechterte die Position des Ministeriums. 1907 sorgte die Opposition in der Legislative fĂŒr eine Krise, als sie die vom Unterhaus geforderte Versorgung ablehnte. Jameson bezweifelte die RechtmĂ€ĂŸigkeit dieses Handelns und auf seinen Rat hin löste der Gouverneur das Parlament im September 1907 auf. Vor seiner Auflösung verabschiedete das Parlament noch ein Gesetz, das eine Erwerbssteuer von 10% fĂŒr Diamant- und Kupfer-Unternehmen mit einem Jahreseinkommen ĂŒber ÂŁ50,000 festsetzte, sowie ein Gesetz fĂŒr eine landwirtschaftliche Kreditbank.

Merriman als Premierminister

Bei den Wahlen im Januar 1908 siegte der Bond. Seine UnterstĂŒtzer, die sich selbst als die SĂŒdafrikanische Partei bezeichneten (die Progressiven wurden in Unionisten umbenannt), erlangten 17 von insgesamt 26 Sitzen. Daraufhin gab Leander Jameson am 31. Januar sein Amt auf und es bildete sich ein Ministerium unter der FĂŒhrung des Premierministers und Schatzmeisters John X. Merriman und dem Arbeitsminister J. W. Sauer. Keiner der beiden Politiker gehörte dem Bond an und beide waren bereits unter Cecil Rhodes und W. P. Schreiner im Amt gewesen. Sie waren jedoch lange Zeit die fĂŒhrenden Persönlichkeiten der Bond-Politik. Die Wahlen der Legislative folgten im April und brachten auch wegen des erneuten Verlustes des Stimmrechtes der Ex-Rebellen eine entscheidende Mehrheit fĂŒr das Merriman-Ministerium. GewĂ€hlt wurden 69 Mitglieder aus der SĂŒdafrikanischen Partei, 33 Unionisten und fĂŒnf UnabhĂ€ngige, darunter die Ex-Premierminister Sir Gordon Sprigg und Schreiner. Der Wechsel im Ministerium Ă€nderte nichts an der problematischen finanziellen Situation. WĂ€hrend die lĂ€ndlichen Distrikte einigermaßen prosperierten (Zuwachs an landwirtschaftlichen Produkten), ging es fĂŒr den Transithandel und die stĂ€dtische Industrie weiterhin abwĂ€rts. Die Depression verschĂ€rfte sich durch die Finanzkrise in den USA, die den Wollhandel und noch mehr den Diamantenhandel betraf, was zu einem vorĂŒbergehenden Stopp der Kimberley-Minen fĂŒhrte. (Der Einbruch zeigt sich bei einem Vergleich der Werte fĂŒr aus der Kapkolonie exportierte Diamanten. Der Wert sank von ÂŁ8,973,148 im Jahr 1907 auf ÂŁ4,796,655 im Jahr 1908.) Dadurch sanken die Einnahmen betrĂ€chtlich und der öffentliche Haushalt fĂŒr 1907/1908 offenbarte ein Defizit von ÂŁ996,000 sowie ein voraussichtliches Defizit in etwa gleicher Höhe fĂŒr das folgende Jahr. Um das Budget auszugleichen verfĂŒgte Merriman drastische Nachbesserungen, darunter eine Aufhebung des sinkenden Fundus, eine Reduzierung der GehĂ€lter fĂŒr alle Beamten und eine jĂ€hrliche Einkommensteuer von ÂŁ50. Die ernste wirtschaftliche Lage trug auch dazu bei, dass das Kap-Parlament die erneuerte Bewegung fĂŒr eine engere Union der sĂŒdafrikanischen Kolonien, die Jameson 1907 formell initiiert hatte, unterstĂŒtzte. Im Jahr 1907/08 entschied eine nationale Konvention ĂŒber die Vereinigung und 1907 wurde die Union of South Afrika errichtet, innerhalb derer die Kapkolonie zur „Kap-Provinz“ wurde.

Literatur

  • Johannes Paul: Die territoriale Ausbreitung der britischen Herrschaft in SĂŒdafrika bis zur GrĂŒndung Rhodesiens. Eine politisch-geographische Studie zur neueren Kolonialgeschichte. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der DoktorwĂŒrde. Thomas & Hubert, Weida/ThĂŒringen 1927.
  • Elizabeth Elbourne: Blood Ground: Colonialism, Missions, and the Contest for Christianity in the Cape Colony and Britain, 1799–1853. McGill-Queen's University Press, 2002, ISBN 0-7735-2229-8.
  • Basil Alexander Le Cordeur: The War of the Axe, 1847: Correspondence between the governor of the Cape Colony, Sir Henry Pottinger, and the commander of the British forces at the Cape, Sir George Berkeley, and others. Brenthurst Press, 1981, ISBN 0-909079-14-5.
  • Alan Mabin: Recession and its aftermath: The Cape Colony in the eighteen eighties. University of the Witwatersrand, African Studies Institute, 1983.
  • Robert Ross; David Anderson: Status and Respectability in the Cape Colony, 1750–1870: A Tragedy of Manners. Cambridge University Press, 1999, ISBN 0-521-62122-4.
  • George McCall Theal: History of the Boers in South Africa; Or, the Wanderings and Wars of the Emigrant Farmers from Their Leaving the Cape Colony to the Acknowledgment of Their Independence by Great Britain. 1887, Neuprint: Greenwood Press, 1970, ISBN 0-8371-1661-9.
  • P.J. van der Merwe, Roger B. Beck: The Migant Farmer in the History of the Cape Colony. Ohio University Press, 1995, ISBN 0-8214-1090-3.

Weblinks

 Commons: Kapkolonie â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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