Kardinal Richelieu

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Kardinal Richelieu
Philippe de Champaigne: Kardinal Richelieu (um 1637) ‚Äď Nicht wie ein kirchlicher Machthaber sitzend portr√§tiert, sondern stehend wie ein weltlicher F√ľrst.
Wappen

Armand-Jean I. du Plessis de Richelieu, genannt vor allem Kardinal Richelieu, (* 9. September 1585 auf Schloss Richelieu, D√©pt. Indre-et-Loire; ‚Ć 4. Dezember 1642 in Paris), Marquis du Chillou, Bischof von Lu√ßon (1608), Kardinal (1622), 1. Herzog von Richelieu (1631) und 1. Herzog von Fronsac (1634), Generalabt von Cluny, C√ģteaux und Pr√©montr√©. Auch ‚Äěrote Eminenz‚Äú genannt; ma√ügeblicher Berater und Minister Ludwigs XIII.; seine vorrangigen Ziele waren die Umgestaltung Frankreichs in einen absolutistischen Staat und das Beenden der habsburgischen Vormachtstellung in Europa.

Inhaltsverzeichnis

Familie

Der Vater: François du Plessis de Richelieu

Armand du Plessis war das vierte von f√ľnf Kindern und der j√ľngste von drei S√∂hnen. Seine Familie war, obwohl sie nur zum niederen Adel des Poitou z√§hlte, relativ bedeutend: Sein Vater, Fran√ßois du Plessis, war Milit√§r und H√∂fling, der das Amt des Gro√üpropstes von Frankreich bekleidete; seine Mutter Susanne de La Porte war die Tochter eines ber√ľhmten Juristen.

Finanzielle Schwierigkeiten

Als Richelieu sechs Jahre alt war, fiel sein Vater im Krieg der Katholischen Liga gegen den zun√§chst noch protestantischen Heinrich IV. Mit Hilfe von k√∂niglichen Zusch√ľssen war Richelieus verschuldete Familie in der Lage, ihre finanziellen Schwierigkeiten zu √ľberstehen.

Im Alter von neun Jahren wurde der junge Richelieu an das Collège de Navarre in Paris geschickt, um dort eine Allgemeinbildung zu erhalten. Nach dem Abschluss des Kollegs begann er eine militärische Ausbildung, um in die Fußstapfen seines Vaters zu treten.

Belohnung durch Heinrich III.

K√∂nig Heinrich III. hatte Richelieus Vater f√ľr seine milit√§rischen Verdienste belohnt, indem er der Familie den vakant gewordenen Posten des Bischofs von Lu√ßon zusprach, mit der Ma√ügabe, ihn baldm√∂glichst mit einem ihrer S√∂hne zu besetzen. Die Familie bezahlte, was f√ľr eine √úbergangszeit m√∂glich und nicht un√ľblich war, einen Stellvertreter und verbrauchte selbst den Gro√üteil der dem Bischof zustehenden Eink√ľnfte. Um diese Einkommensquelle f√ľr die Familie zu erhalten, sollte sich Richelieus √§lterer Bruder, Alphonse Louis du Plessis, f√ľr die √úbernahme der Bischofsw√ľrde von Lu√ßon vorbereiten.

Studium

Als jedoch Alphonse, anstatt Bischof zu werden, in den Kartäuserorden eintrat, musste Richelieu an die Stelle seines Bruders treten. Er beendete daher seine militärische Ausbildung und begann ein Theologiestudium. Da er ohnehin ein kränkliches und schwaches Kind gewesen war und Freude am Studieren gehabt hatte, war er auch nicht abgeneigt, Geistlicher und Bischof zu werden.

Kirchliche Karriere

Studium und Weihe zum Bischof

Im April 1607 wurde er mit Dispens des Papstes (er hatte das kanonische Alter noch nicht erreicht) zum Bischof von Lu√ßon geweiht und promovierte kurz darauf in Paris. Schon kurz nachdem er im Jahre 1608 nach Lu√ßon zur√ľckkehrte, begann er mit gro√üer Energie die Ordnung seiner in den Wirren der Hugenottenkriege verwahrlosten Di√∂zese wieder herzustellen. Er war der erste Bischof in Frankreich, der die Beschl√ľsse des Konzils von Trient umsetzte.

Freundschaft mit ‚ÄěP√®re Joseph‚Äú

Ungef√§hr zu dieser Zeit freundete sich Richelieu mit Fran√ßois Le Clerc du Tremblay an (besser bekannt als ‚ÄěP√®re Joseph‚Äú), einem Kapuziner, der sp√§ter zu einem engen Vertrauten Richelieus wurde. Richelieu entwickelte fr√ľh politische Interessen und h√§tte gerne an den Beratungen in Loudun zur Beilegung eines Adelsaufstands teilgenommen, bei denen du Tremblay als Vertrauter der K√∂nigin-Mutter Maria von Medici und des p√§pstlichen Gesandten fungierte.

Da er von den Beratungen ausgeschlossen blieb, logierte Richelieu in der Priorei de Coussay nur wenige Kilometer von Loudun entfernt und fuhr du Tremblay mit einer Karosse entgegen, um mit ihm lange vertrauliche Gespr√§che √ľber die innen- und au√üenpolitische Lage des franz√∂sischen K√∂nigreichs und der Monarchie zu f√ľhren, bei denen beide ihre Aversion gegen das Haus Habsburg entdeckten. Aufgrund seiner engen Beziehung zu Richelieu, der als Kardinal sp√§ter Anspruch auf die Anrede Eminenz (l‚Äô√©minence) hatte und der grauen Farbe seines Habits erhielt du Tremblay den Spitznamen l'√Čminence grise (‚ÄěDie Graue Eminenz‚Äú). In sp√§teren Jahren setzte Richelieu du Tremblay oft bei diplomatischen Verhandlungen als Vermittler ein.

Repräsentant des Klerus

An der Generalst√§ndeversammlung von 1614 nahm er als Repr√§sentant des Klerus von Poitou teil und beeindruckte die √ľbrigen Teilnehmer mit einer brillanten Rede. Maria von Medici, als K√∂niginmutter Regentin f√ľr ihren Sohn Ludwig XIII., holte ihn 1616 an den franz√∂sischen K√∂nigshof. Im selben Jahr wurde er Staatssekret√§r mit den Ressorts Au√üenpolitik und Krieg. Als der junge Ludwig die Herrschaft seiner Mutter absch√ľttelte, fiel Du Plessis in Ungnade. Der K√∂nig lie√ü den ersten Minister Concino Concini beseitigen und schickte seine Mutter ins Exil. Richelieu verlor sein Amt und wurde nach Avignon verbannt. Erst 1619 holte ihn der K√∂nig zur√ľck an den Hof, um zwischen ihm und seiner Mutter, die zwischenzeitlich aus dem Exil geflohen war und zusammen mit ihrem zweiten Sohn Gaston d'Orl√©ans eine Revolte angef√ľhrt hatte, zu vermitteln. Richelieu gelang eine Auss√∂hnung zwischen Mutter und Sohn, was ihm die Gunst des K√∂nigs einbrachte.

Politisches Wirken

Ludwig XIII. mit Richelieu

Als der k√∂nigliche Favorit und erste Minister Ludwigs, Charles de Luynes, der 1621 eine Ernennung Richelieus zum Kardinal verhindert hatte, am 15. Dezember 1621 pl√∂tzlich starb, stand Richelieus Aufstieg nichts mehr im Wege. Der K√∂nig hatte jedoch entschieden, dass es an seinem Hof k√ľnftig weder einen Conn√©table noch einen Favoriten geben sollte.

Am 3. November 1622 wurde Richelieu auf Betreiben von Maria von Medici durch Papst Gregor XV. zum Kardinal ernannt. Ab dem 29. April 1624 geh√∂rte er wieder dem Staatsrat an und wurde zu einem unverzichtbaren Berater f√ľr den K√∂nig, der sehr streng darauf achtete, die ihm zukommende Entscheidungskompetenz an keine andere Person zu delegieren. Am 13. August 1624 machte ihn der Monarch zum Ersten Minister.

Seinen Einfluss auf den K√∂nig nutzte Richelieu, um Frankreich nach seinen Vorstellungen umzugestalten. Er reformierte die Verwaltung, entmachtete den Amtsadel (siehe: Journ√©e des Dupes), lie√ü P√®re Joseph ein eigenes System ihm treu ergebener Verwaltungsbeamten und Spionen aufbauen, beschnitt die Rechte und den Einfluss des Adels und betrieb die Vernichtung der milit√§rischen Kraft der Hugenotten. Er gab den Ansto√ü, dass eine seiner ‚ÄěKreaturen‚Äú (cr√©atures), Th√©ophraste Renaudot, ab dem 12. Mai 1631 die w√∂chentlich erscheinende Zeitung La Gazette herausgab, in der neben Nachrichten vom Hofe, Gesetze und Edikte auch Ordonnanzen und Berichte des K√∂nigs sowie Richelieus auf die √∂ffentliche Meinung der nachrichtenhungrigen Milit√§rs, Hofkleriker, Gelehrten und Beamten einwirkten.

Zu den √ľbrigen ‚ÄěKreaturen‚Äú Richelieus geh√∂rte der Abt von Saint-Germain-des-Pres Mathieu de Morgues, der Domherr von Saint-Germain-l'Auxerrois Fran√ßois Dorval-Langlois de Fancan, Paul Hay du Ch√Ętelet, einer der Gr√ľnder der Acad√©mie fran√ßaise Jean Sirmond, die vom Calvinismus zum Katholizismus konvertierten Jacques Pelltier und J√©r√©mie Ferrier, der Jurist Pierre Dupuy und der Historiker Th√©odore Godefroy.

Kampf gegen die Hugenotten

Kardinal Richelieu bei der Belagerung von La Rochelle, von Henri Motte (1881)

Die Hugenotten bildeten im Frankreich Ludwigs XIII. einen Staat im Staate. Durch die Garantien des Edikts von Nantes verf√ľgten sie √ľber St√§dte und Befestigungsanlagen unter eigener Verwaltung (‚Äěmilit√§rische Sicherheitspl√§tze‚Äú) und √ľber erhebliche Subsidien ihres nat√ľrlichen Verb√ľndeten England.

Nach der Ermordung der Integrationsfigur Heinrich IV. kam es wiederholt zu Unruhen und militärischen Auseinandersetzungen. Richelieu musste das militärische Potenzial der Hugenotten brechen, um den Absolutismus in Frankreich dauerhaft zu etablieren.

Nach dem Fall der bedeutendsten hugenottischen Stadt La Rochelle nach √ľber einj√§hriger Belagerung im Jahre 1628 belie√ü Richelieu den Hugenotten im Gnadenedikt von Al√®s von 1629 zwar ihre Kultfreiheit, nahm ihnen jedoch ihre milit√§rischen Sicherheitspl√§tze: die hugenottische Milit√§rpartei war damit dauerhaft entmachtet.

Rolle im Dreißigjährigen Krieg

Um die spanische Vormachtstellung in Europa zu brechen, nutzte Richelieu Spaniens Engagement im Drei√üigj√§hrigen Krieg. Er st√ľtzte die protestantischen F√ľrsten, um Spaniens Kr√§fte im Krieg zu binden. Im Vertrag von B√§rwalde (1631) sicherte er dem schwedischen K√∂nig Gustav II. Adolf eine Unterst√ľtzung von 1 Million Livres (Pfund) pro Jahr zur Kriegsf√ľhrung zu, was jenem erm√∂glichte, mit seinen Truppen bis nach S√ľddeutschland vorzudringen. 1635 trat das katholische Frankreich unter F√ľhrung eines katholischen Bischofs dann aktiv an der Seite des protestantischen Schwedens in den Krieg gegen den Papst und den katholischen Habsburger Kaiser des Heiligen R√∂mischen Reiches Deutscher Nation ein.

1640, gegen Ende des Drei√üigj√§hrigen Krieges, versuchte Richelieu die iberische Linie der Habsburger durch einen Angriff auf die spanische Pyren√§enfestung Perpignan zu schw√§chen. Aus dem n√§mlichen Grund unterst√ľtzte er auch Rebellen in Katalonien und in Portugal, die sich gegen die Zentralmacht in Madrid auflehnten, indem er dort Geld, Waffen und eigene Soldaten bereitstellte.

Die Frau K√∂nigs Ludwig XIII, Anna von √Ėsterreich, war √ľber diese Strategie sehr best√ľrzt.

Der gesundheitlich bereits sehr angeschlagene Kardinal arbeitete ab 1642 f√ľr jene Vermittler, welche Frankreich bei den Friedensverhandlungen dereinst vertreten sollten. Seine Vision war ein neu geordnetes Europa unter der Hegemonie der Franz√∂sischen Krone anstelle der habsburgischen Universalmonarchie.

Verschwörungen gegen Richelieu

In der Wahl seiner Methoden folgte Richelieu dem Grundsatz ‚ÄěDer Zweck heiligt die Mittel‚Äú. Politische Gegner wurden r√ľcksichtslos ausgeschaltet, B√ľndnisse nach Zweckm√§√üigkeit eingegangen. Seine B√ľndnisse mit verschiedenen protestantischen F√ľrstenh√§usern sorgten f√ľr Emp√∂rung beim Adel und der katholischen Kirche. Seine Politik stie√ü auf gro√üe Widerst√§nde im eigenen Land. Es gab zahlreiche Verschw√∂rungen und Attentate, die er dank seines Spionagenetzes meist rechtzeitig aufdecken konnte.

Chalais

1626, als er gemeinsam mit der K√∂niginmutter versuchte, den Bruder des K√∂nigs, Gaston d'Orleans, in eine Ehe mit Marie de Bourbon-Montpensier zu zwingen, kam es zum ersten hochrangig besetzten Mordkomplott. Einige hohe Adlige, darunter die Herzogin von Chevreuse und ihr Liebhaber, der Comte de Chalais, unterst√ľtzten d‚ÄôOrleans Widerstand und planten Richelieus Tod. Das Komplott wurde aufgedeckt, Chalais hingerichtet, Mme. de Chevreuse nach Poitou verbannt. D‚ÄôOrleans wurde begnadigt, musste aber die ungeliebte Frau heiraten. Damit begann eine lebenslange Feindschaft zwischen dem Bruder des K√∂nigs und dem Ersten Minister.

Montrésor

Zehn Jahre sp√§ter gab es erneut ein Mordkomplott. Richelieu sollte 1636 im Feldlager von Amiens, beim R√ľckzug nach einer Kampagne gegen spanische Truppen in der Picardie, den Tod finden. Daran beteiligt waren unter anderem der Graf von Montr√©sor, Favorit Gaston d‚ÄôOrleans', und der Graf von Soissons, Louis de Bourbon, Feldherr und Parteig√§nger der Maria de‚Äô Medici. Louis de Bourbon floh daraufhin 1637 nach Sedan und sammelte andere Gleichgesinnte um sich. 1641 kehrte er mit einer habsburgischen Armee nach Frankreich zur√ľck. Er besiegte den franz√∂sischen Mar√©chal de Ch√Ętillon in der Schlacht von La Marf√©e am 6. Juli 1641, starb aber im Augenblick des Triumphes unter ungekl√§rten Umst√§nden.[1] [2] [3]

Cinq-Mars

Die letzte Verschw√∂rung gegen Richelieu ging 1642 vom k√∂niglichen Favoriten, dem Marquis de Cinq-Mars, aus. Der Marquis war der Sohn eines engen Freundes von Richelieu und urspr√ľnglich sein Proteg√©. Richelieu brachte ihn an den Hof, in der Hoffnung, seinen Einfluss auf Ludwig durch den jungen Mann verst√§rken zu k√∂nnen. Cinq-Mars gewann auch wirklich die Gunst des K√∂nigs, wurde sein Favorit und mit √Ąmtern √ľbersch√ľttet, entwickelte aber eigenen politischen Ehrgeiz. Richelieu versuchte, den Einfluss von Cinq-Mars zu beschneiden, worauf jener mit anderen Aufst√§ndischen, darunter wieder d'Orleans, plante, den Spaniern die Grenzen zu √∂ffnen, um Richelieu zu st√ľrzen. Ein Geheimvertrag √ľber spanische Unterst√ľtzung f√ľr die Rebellion fiel Richelieu in die H√§nde, so dass er Cinq-Mars den Prozess machen konnte. Cinq-Mars wurde am 12. Oktober 1642 in Lyon hingerichtet.

F√∂rderer der K√ľnste

Kardinal de Richelieu

Richelieu war ein vielseitig interessierter Mann, der neben seinen Staatsgesch√§ften auch ein gro√ües Interesse an der Kunst besa√ü und mit seinem im Amt erworbenen Wohlstand zahlreiche K√ľnstler f√∂rderte.

So besoldete er den Architekten Jacques Le Mercier, der bei der Erweiterung des Louvre seine Aufmerksamkeit erregt hatte. Le Mercier entwarf in seinem Auftrag die Kapelle der Sorbonne, in der Richelieu gem√§√ü seinem letzten Willen beigesetzt wurde, und den Kardinalspalast, das sp√§tere Palais Royal in Paris. Das Palais beherbergte neben der Kunstsammlung des Kardinals auch ein Theater, das seinerzeit die modernste und sch√∂nste B√ľhne in Paris war. Es wurde 1641 mit einer Auff√ľhrung von Jean Desmarets Mirame er√∂ffnet.

Die Dekoration des Palais Royal √ľbertrug er dem ersten Hofmaler von Ludwig XIII., Simon Vouet. Ebenfalls zu seinen Sch√ľtzlingen z√§hlte der junge Philippe de Champaigne. Das Bild zu diesem Artikel ist ein Ausschnitt aus einem Dreifach-Portrait, das Champaigne ca. 1640 anfertigte. Es ist heute in der National Gallery in London ausgestellt.

Das gr√∂√üte k√ľnstlerische Interesse des Kardinals galt aber der Literatur. So griff er die Idee einer Gesellschaft zur Pflege der franz√∂sischen Sprache und Kultur auf und machte bereits 1635 aus dem informellen Zirkel um Valentin Conrart, der sich seit 1630 dieser Aufgabe widmete, eine offizielle Einrichtung, die Acad√©mie Fran√ßaise. Er protegierte zahlreiche junge Dramatiker, darunter auch den hochbegabten, jungen Pierre Corneille. Im Streit um Corneilles gefeierte Tragikom√∂die ‚ÄěLe Cid‚Äú, deren Triumph zahlreiche Neider auf den Plan rief, stellte er sich allerdings gegen seinen Proteg√©e. In seinem Auftrag erstellte die Acad√©mie Fran√ßaise ein Gutachten, welches negativ ausfiel und Richelieu zum Vorwand diente, weitere √∂ffentliche Auff√ľhrungen des St√ľckes zu untersagen. Seine Motive hierf√ľr sind unklar. Neid mag eine Rolle gespielt haben, ebenso wie der Umstand, dass die Moral im Cid f√ľr seine Bem√ľhungen zur Eind√§mmung von Duellen nicht f√∂rderlich war.

Ende

Richelieu starb am 4. Dezember 1642. Seit fr√ľhester Jugend von h√∂chst anf√§lliger Gesundheit, hatte er sich sein Leben lang nicht geschont. Noch kurz vor seinem Tod fasste er die Prinzipien seiner Politik in einer umfangreichen Denkschrift zusammen, die er als politisches Testament f√ľr seinen K√∂nig bestimmte. Seit dem 18. November auf dem Sterbebett liegend, ordnete er seinen politischen Nachlass und konferierte noch zwei Tage vor seinem Tod mit dem K√∂nig, schon vom Tod gezeichnet. Es wird behauptet, er habe dem K√∂nig Mazarin als seinen Nachfolger empfohlen; das ist nicht zu beweisen. Richelieu wurde nach eigenem Wunsch in der Kapelle der Sorbonne begraben.

Nach ihm wurde das Schlachtschiff Richelieu benannt.

Auszug aus dem politischen Testament Richelieus

‚ĶDie nat√ľrliche Einsicht l√§√üt jeden erkennen, dass, da der Mensch vernunftbegabt geschaffen ist, er alles nur aus der Vernunft heraus tun darf, denn sonst w√ľrde er gegen seine Natur handeln und folglich gegen die Grundlage seines eigenen Wesens ... Wenn der Mensch in hervorragender Weise vernunftbegabt ist, so mu√ü er in hervorragender Weise auch die Vernunft regieren lassen. Das aber erfordert nicht nur, dass er nichts ohne sie tut, sondern es verpflichtet ihn noch zu mehr, n√§mlich dass alle, die unter seiner Herrschaft stehen, sie verehren und ihr gl√§ubig folgen ... Die Praxis dieser Regel ist umso leichter, als die Liebe das m√§chtigste Motiv ist, das zum Gehorsam verpflichtet, und als es unm√∂glich ist, dass die Untertanen einen F√ľrsten nicht lieben, wenn sie wissen, dass die Vernunft F√ľhrerin ist. Die Autorit√§t zwingt, aber die Vernunft √ľberzeugt zum Gehorsam, und es ist viel richtiger, die Menschen durch Mittel dazu zu f√ľhren, die unmerklich ihren Willen gewinnen, als durch solche, die sich oft erst durch Zwang zum Handeln bewegen.

Die √∂ffentlichen Interessen m√ľssen das einzige Ziel des F√ľrsten und seiner Minister sein, oder sie beide m√ľssen sich wenigstens so angelegen sein lassen, dass sie sich allen Sonderinteressen vorziehen. Es ist unm√∂glich, das Gute zu begreifen, dass ein F√ľrst und die, deren er sich bei seinen Angelegenheiten bedient, tun k√∂nnen, wenn sie gewissenhaft diesem Grundsatz folgen, und man kann sich nicht √ľbel vorstellen, das einem Staate zust√∂√üt, wenn man die Sonderinteressen den √∂ffentlichen vorzieht, und wenn die letzteren durch die ersteren bestimmt werden‚Ķ

Die Diamantnadelnaffäre

Der Name Richelieus ist vielen auch aus dem Roman ‚ÄěDie drei Musketiere‚Äú von Alexandre Dumas d.¬†√Ą. bekannt. Dort ist der Kardinal der finstere Gegenspieler der Helden, der dem englischen Premierminister Buckingham die Liebe Anna von √Ėsterreichs (der K√∂nigin) neidet. Anna begeht den Fehler, dem Herzog von Buckingham bei einem geheimen Stelldichein ein Liebespfand zu geben, ein K√§stchen mit 12 Diamantnadeln, das sie selbst als Geschenk vom K√∂nig erhalten hatte. Als Richelieu davon erf√§hrt, l√§sst er Buckingham zwei dieser Nadeln durch eine Agentin stehlen. Dann bewegt er den K√∂nig dazu, die K√∂nigin zu einem Ball zu bitten, wo sie eben diese Diamantnadeln tragen soll. D'Artagnan muss mit Hilfe seiner Freunde die Nadeln noch vor dem Ball aus England zur√ľckholen, damit Richelieu die K√∂nigin nicht √∂ffentlich blo√üstellen kann.

Das Grundthema dieser Handlung, die Diamantnadelnaffäre, findet sich allerdings nicht erst bei Dumas. Schon der Dichter La Rochefoucauld berichtet diese Episode in seinen Memoiren. La Rochefoucauld war sowohl ein enger Vertrauter der Königin und Herausgeber ihrer Memoiren als auch der Geliebte ihrer langjährigen Busenfreundin, der Madame de Chevreuse. Daher ist es durchaus denkbar, dass sich die Affäre tatsächlich zugetragen hat.

Literatur

Richelieus Werke

  • du Plessis, Armand: Emblema animae or morrall discourses. Translated by I. M., Printet by N. Okes, London 1635.
  • du Plessis, Armand: The principall points of the faith of the Catholic Church defended. Translated by M. C., Paris 1635.

Neuere deutsche Werke

  • O‚ÄôConnell, Daniel Patrick: Richelieu: Kardinal, Staatsmann, Revolution√§r. Dt. √úbers. von Holger Fliessbach, M√ľnchen: Heyne, 1978; ISBN 3-453-55046-3
  • Burckhardt, C. J.: Richelieu, Der Aufstieg zur Macht ‚Äď Behauptung der Macht und kalter Krieg - Gro√ümachtpolitik und Tod des Kardinals, Ausgabe in einem Band, Verlag Callwey, M√ľnchen, 18. Auflage 1984, ISBN 3-7667-0727-2
  • Dickmann, Fritz: Rechtsgedanke und Machtpolitik bei Richelieu. Studien an neuentdeckten Quellen, in: HZ 196 (1963) S. 265‚Äď319.
  • Erlanger, Philippe: Richelieu Der Ehrgeizige, der Revolution√§r, der Diktator. Aus dem Frz. √ľbertr. von Ulla Leippe, Frankfurt/M. 1975; ISBN 3-7973-0273-8
  • Erlanger, Philippe: Richelieu, L√ľbbe, Berg.-Gladb. 1980; ISBN 3-404-61054-7
  • Gloger, Bruno: Richelieu, die Karriere eines Staatskanzlers. Biogr., Berlin 1989, 1990; ISBN 3-355-00820-6
  • Kerber, Markus: Richelieu oder Die Macht des Vorzimmers, Berlin: verbum Druck- und Verlagsgesellschaft, 2004; ISBN 3-928918-23-0
  • Kinkel, Tanja: Die Schatten von La Rochelle. Roman, M√ľnchen 1996; ISBN 3-7645-0112-X (Ein historischer Roman)
  • Meyer, Jean: Frankreich im Zeitalter des Absolutismus, 1515-1789. Aus dem Frz. √ľbertr. v. Friedrich Weinert (Gesch. Fkr.s 3), Stuttgart 1990; ISBN 3-421-06453-9
  • Schultz, Uwe: Richelieu. Der Kardinal des K√∂nigs. C.H. Beck, M√ľnchen 2009, ISBN 978-3-406-58358-2
  • Wollenberg, Joerg: Richelieu Staatsraison und Kircheninteresse. Zur Legitimation der Politik des Kardinalpremier, Bielefeld 1977; ISBN 3-88024-020-5

Wichtige und neuere französische Werke

  • Roland Mousnier: L'Homme rouge ou La vie du Cardinal de Richelieu (1585‚Äď1642). Robert Lafont/Bouquins, Paris 1992, ISBN 2-221-06592-1.
  • Richard Levesque; Louis, Ch√Ętellier: De Richelieu √† Grignion de Montfort ‚Äď la Vend√©e au XVIIe si√®cle , Paris, Somogy √Čd. d'Art , 2005 , ISBN 2-85056-863-5
  • Fran√ßois Bluche: Richelieu, Perrin, 2003, ISBN 2-262-01718-2 (vom Richelieu-Spezialisten)
  • Fran√ßoise Hildesheimer: Richelieu. Une certaine id√©e d'Etat, Paris, 1985
  • Fran√ßoise Hildesheimer: Relectures de Richelieu, Paris, 2000
  • Michel Carmorna: La France de Richelieu. Fayard, Paris 1984.
  • Michel Carmorna: Richelieu. Fayard, Paris 1983.
  • Pierre Castagnos: Richelieu face √† la mer. √Čditions Ouest-France, Paris 1989, ISBN 2-7373-0257-9.
  • Georges Couton: Richelieu et le th√©√Ętre. Presses Universitaires de Lyon, Lyon 1986.

Neuere englische Werke

  • Richard Bonney, Political Change in France under Richelieu and Mazarin, 1624‚Äď1661, Oxford/London/Glasgow 1978;
  • Robert J. Knecht, Richelieu, London/New York 1991; ISBN 0-582-55710-0
  • Joseph Bergin, The Rise of Richelieu, New Haven/London 1991; ISBN 0-300-04992-7
  • Joseph Bergin, Richelieu and his age, Oxford: Clarendon Press, 1992; ISBN 0-19-820231-8

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Jean-Baptiste-Pierre Jullien de Courcelles: Dictionnaire historique et biographique des g√©n√©raux fran√ßais, depuis le onzi√®me si√®cle jusqu‚Äôen 1821. Band 3. Courcelles, Paris 1821, S. 46.
  2. ‚ÜĎ Charles Gavard: Galeries historiques du Palais de Versailles. Band 9. Imprimerie royale, Paris 1848, S. 328.
  3. ‚ÜĎ Jean Chr√©tien Ferdinand Hoefer: Nouvelle biographie g√©n√©rale depuis les temps les plus recul√©s jusqu‚Äô√† nos jours, avec les renseignements bibliographiques et l‚Äôindication des sources √† consulter. Band 44. Firmin Didot, Paris 1865, Spalte 135.



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