Karel Sabina


Karel Sabina
Karel Sabina (1871)

Karel Sabina (* 29. Dezember 1813 in Prag; † 7. November 1877 ebenda) war ein tschechischer radikaler Demokrat, Publizist, Schriftsteller und Literaturkritiker. Er veröffentlichte unter den Pseudonymen Arian Želinský, Leo Blass und zahlreichen anderen.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Als unehelicher Sohn einer Zuckerfabrikantentochter und eines polnischen Adeligen, der mit der napoleonischen Armee durch Böhmen zog, wuchs Sabina in der Familie eines Prager Bauarbeiters und einer Wäscherin in Armut auf.

Nach dem Besuch des Gymnasiums in der Prager Altstadt studierte er zwei Jahre Philosophie und Recht, beendete das Studium jedoch nicht. Anschließend arbeitete er kurze Zeit als Erzieher, lebte aber die meiste Zeit von schriftstellerischer und journalistischer Tätigkeit. Einige seiner Artikel wurden zensiert, und wegen seiner politischen Einstellung musste sich Sabina immer wieder polizeilichen Verhören unterziehen.

Von 1848 an galt er als einer der führenden Persönlichkeiten der radikalen Demokraten, war Mitglied des Geheimbundes Repeal, dem unter anderem auch Emanuel Arnold, Vilém Gauč, František Havlíček, Ludvík Ruppert und Vincenz Vávra-Haštalský angehörten, gehörte zur Schriftstellervereinigung Májovci, wurde in die Nationalversammlung gewählt und wirkte kurze Zeit als Abgeordneter im tschechischen Parlament.

Im Mai 1849 wurde Sabina wegen Teilnahme an der Maiverschwörung verhaftet. Wegen Verhandlungen, die er mit dem russischen Anarchisten Michail Alexandrowitsch Bakunin, führte, wurde er im März 1853 zum Tode verurteilt, das Todesurteil später in 18 Jahre Zuchthaus umgewandelt. Im Mai 1857 begnadigte man Sabina.. Er kehrte vom Gefängnis in Olmütz nach Prag zurück und lebte als freier Schriftsteller. Kurze Zeit war er auch als Dramaturg am Tschechischen Interimstheater tätig. Für den Bau des Prager Nationaltheaters hielt er am 10. Mai 1868 in einer feierlichen Veranstaltung vor 20.000 Menschen eine flammende Rede bei der Grundsteinlegung am Říp.

Vermutlich wegen anhaltender finanzieller Probleme wurde er zum Spitzel der Polizei. 1872 verurteilte man ihn trotz Unschuldsbeteuerungen als Landesverräter und verwies ihn des Landes. Da er im Ausland kein Asyl erhielt, lebte er weiter im Prag im Untergrund. Seine Spitzeltätigkeit konnte lange nicht nachgewiesen werden. Inzwischen wurden jedoch Dokumente gefunden, aus denen hervorgeht, dass seine Arbeit wesentlich umfangreicher war, als damals vermutet wurde. Unter dem Decknamen Roman informierte er seit 1859 regelmäßig den Staatsdienst. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in großer Armut und starb an Asthenie.

Werke

Sabina publizierte in zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften, darunter Květy, Moravský Týdenník, Humorist und als Redakteur in Včela. Den Roman sah er als Genre der modernen Welt mit einer sozialen Funktion. In seinen Gedichten spürt man die vergebliche Sehnsucht nach Idealen.

Epik

Romane

  • Blouznění
  • Hedvika
  • Hrobník (1837)
  • Jen tři léta! (1860)
  • Morana čili Svět a jeho nicoty (1874)
  • Na poušti (1863)
  • Oživené hroby (Tagebuch aus dem Gefängnis, 1870)
  • Předbřeznoví revoluční bouřliváci v Rakousku (1879)
  • Upomínka na K. H. Máchu
  • Věčný ženich
  • Vesničané (1847)

Erzählungen

  • Obrazy ze 14. a 15. věku (1844)
  • Povídky, pověsti, obrazy a novely (1845)

Lyrik

  • Básně (1841)

Dramaturgie

  • Černá růže
  • Inzerát (1866)
  • Maloměstské klepny
  • Šašek Jiřího z Poděbrad

Libretti

Sonstige Publikationen

  • Duchovní komunismus (1861)
  • Úvod povahopisný (detaillierte Studie über Karel Hynek Mácha, 1845)

Literatur

Weblinks


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