Karl Mathy

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Karl Mathy
Karl Mathy. Lithografie nach einer Zeichnung von Valentin Schertle, 1846.

Karl Friedrich Wilhelm Mathy (* 17. M√§rz 1807 in Mannheim; ‚Ć 3. Februar 1868 in Karlsruhe) war ein badischer Journalist und Politiker. Nachdem er in jungen Jahren aus politischen Gr√ľnden in die Schweiz emigrieren musste und auch nach seiner R√ľckkehr nach Baden 1840 noch zur linken Opposition z√§hlte, wurde er kurz vor Ausbruch der M√§rzrevolution zu einem der f√ľhrenden Vertreter des gem√§√üigten s√ľddeutschen Liberalismus. Er war unter anderem Herausgeber der Deutschen Zeitung, Mitorganisator der Heppenheimer Tagung, Mitglied des F√ľnfzigerausschusses und f√ľhrender Vertreter der Casino-Fraktion in der Frankfurter Nationalversammlung. Nach dem Scheitern der Revolution begann er eine Karriere als Bankier, wechselte sp√§ter wieder in den badischen Staatsdienst und wurde schlie√ülich 1866 als Pr√§sident des Staatsministeriums Regierungschef in Baden.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft und Ausbildung

Mathy war Sohn des Lyzealprofessors Johann Peter Arnold Mathy. Dieser war nach Studium am Heidelberger Jesuitenkolleg urspr√ľnglich katholischer Geistlicher, ehe er nach Streitigkeiten mit der Lazaristenbewegung in den Lehrerberuf wechselte, 1805 zum Protestantismus √ľbertrat und im fortgeschrittenen Alter mit seiner langj√§hrigen Haush√§lterin, Anna-Maria Joerg, eine Familie gr√ľndete, der acht Kinder entstammten.[1]

Nach dem Abschluss des Lyzeums studierte Mathy von 1824 bis 1828 Rechts- und Kameralwissenschaften an der Universit√§t Heidelberg. Dort geh√∂rte er auch einer Burschenschaft an. Nach dem Ende des Studiums reiste er zu Studienzwecken, aber auch aus politischen Gr√ľnden, nach Paris. Begeistert vom Philhellenismus hoffte Mathy, dort vom Philhellenistischen Comitee Mittel f√ľr eine Reise nach Griechenland zu erhalten, um die dortige Freiheitsbewegung aktiv zu unterst√ľtzen. Nachdem er jedoch nicht in den Freiwilligenverband von Graf Harcourt aufgenommen wurde, kehrte er nach Heidelberg zur√ľck und bestand die Aufnahmepr√ľfung in den Staatsdienst mit ‚Äěsehr gut‚Äú. 1829 trat er dann als Kameralpraktikant in Mannheim in den badischen Staatsdienst ein. 1832 wechselte er zur Steuerdirektion nach Karlsruhe. Von seinen Vorgesetzten gut beurteilt, schien Mathy eine rasche Karriere im Staatsdienst bevor zustehen, zumal der neue Gro√üherzog Leopold einen vergleichsweise liberalen Kurs verfolgte.

Oppositioneller Journalist im Vormärz

In Karlsruhe nahm Mathy regelm√§√üig als Zuschauer an den Debatten in der Zweiten Kammer der St√§ndeversammlung teil und begann, f√ľr mehrere lokale Zeitungen √ľber die nach der Julirevolution in Frankreich kontroverser werdenden Debatten zu berichten. 1831 ver√∂ffentlichte er die Schrift ‚ÄěVorschl√§ge √ľber die Einf√ľhrung einer Verm√∂genssteuer in Baden‚Äú, mit der er die Aufmerksamkeit Karl von Rottecks auf sich zog. Rotteck vermittelte Mathy daraufhin als Berichterstatter √ľber die badischen Kammerverhandlungen an die renommierte Augsburger Allgemeine Zeitung. Gleichzeitig schrieb Mathy Artikel f√ľr weitere Zeitungen. 1832 gr√ľndete Mathy mit der Zeitschrift ‚ÄěDer Zeitgeist‚Äú eine eigene politische Publikation, in der er f√ľr die deutsche Einigung und politische Reformen eintrat.

In dieser Zeit auch materieller Sicherheit k√ľndigte Mathy die Hochzeit mit Anna Maria Franziska Stromeyer an. Die f√ľr 1833 geplante Hochzeit scheiterte aber zun√§chst an den Folgen seines politischen Engagements, bevor sie dann im gleichen Jahr am 17. Juli in Schwetzingen doch noch stattfinden konnte. Mathy hatte als Zuschauer am Hambacher Fest teilgenommen. Bei der danach einsetzenden Verfolgung f√ľhrender Teilnehmer half er Bekannten und Freunden, den Verhaftungen zu entkommen. Dies und die einsetzenden Unterdr√ľckungsma√ünahmen des Deutschen Bundes nach dem Frankfurter Wachensturm f√ľhrten dazu, dass er seines Amtes enthoben wurde. 1833 wurde Mathy aus dem Staatsdienst entlassen und vier Wochen in Untersuchungshaft genommen. Anschlie√üend verdiente er seinen Lebensunterhalt eher sp√§rlich mit Artikeln f√ľr das Rotteck-Welckersche Staatslexikon und journalistische Gelegenheitsarbeiten.[2]

Als die Mainzer Zentraluntersuchungskommission aufgrund seiner vielf√§ltigen Kontakte zur politischen Opposition von der badischen Regierung 1835 zum dritten Mal seine Verhaftung forderte, floh er mit seiner Familie √ľber Stra√üburg in die Schweiz, wo er dann als Lehrer und Journalist in Biel und Aarau arbeitete. Als Mitstreiter Mazzinis verfasste er Artikel unter anderem f√ľr die Konstanzer Seebl√§tter und La jeune Suisse. Nachdem er in der Schweiz wegen des Verdachts auf Zugeh√∂rigkeit zu Mazzinis Geheimbund Junges Europa in Untersuchungshaft genommen wurde, entzog er sich 1836 dem Zugriff der Schweizer Beh√∂rden durch Flucht und zog 1837 nach Grenchen. Im Oktober 1837 wurde die Untersuchung gegen Mathy eingestellt und auch eine Ausweisung drohten ihm nicht mehr. In den folgenden Jahren lebte Mathy als Lehrer in Grenchen. Er kehrte 1840 nach Karlsruhe zur√ľck, nachdem er dort von den politischen Vorw√ľrfen freigesprochen worden war.[3] Er verdiente seinen Lebensunterhalt als profilierter Journalist und schrieb unter anderem f√ľr die lokale Badische Zeitung, die K√∂lnische Zeitung und das Mannheimer Journal. Ab 1842 war er Herausgeber der Landtagszeitung. Neben tagespolitischen Beitr√§gen machte er sich vor allem in finanzpolitischen Fragen einen Namen. Bereits 1835 hatte Mathy eine Schrift √ľber den Beitritt Badens zum Deutschen Zollverein ver√∂ffentlicht.[4] Im Jahr 1837 wurde eine Schrift von ihm √ľber die Abl√∂sung des Zehnten im Kanton Bern mit einem Preis ausgezeichnet.

Wendung zum gemäßigten Liberalen

Zeitgenössische Darstellung einer Sitzung der Zweiten Kammer der Badischen Ständeversammlung im Jahr 1845.
Mathy spricht vom Balkon des Mannheimer Rathauses, von der Mannheimer B√ľrgerwehr vor protestierenden Anh√§ngern Heckers gesch√ľtzt.

1842 wurde Mathy Abgeordneter in der Zweiten Kammer der Badischen Ständeversammlung und 1846 auch Mitglied im Mannheimer Gemeinderat. Seit 1844 nahm er an den als Hallgartenkreis bekannten Treffen auf Adam von Itzsteins Gut in Hallgarten teil. Aufgrund seiner politischen Vergangenheit und seiner journalistischen Tätigkeit zählte Mathy schnell zu den einflussreichsten Oppositionellen in der Ständeversammlung.

Nach dem Ende der konservativen √Ąra Blittersdorf setzte Baden unter den Regierungen von Boeckh und insbesondere Bekk auf ein liberales Reformprogramm, das zumindest ansatzweise die langj√§hrigen Forderungen der traditionell von Beamten und Professoren gepr√§gten liberalen Opposition in der St√§ndeversammlung aufgriff. Nicht zuletzt aufgrund der dadurch er√∂ffneten M√∂glichkeiten, beispielsweise der vergleichsweise freieren Presse, bildete sich in der St√§ndeversammlung Ende 1846 ein radikalerer Fl√ľgel um Politiker wie Friedrich Hecker, Lorenz Brentano und Joseph Ignatz Peter heraus, der die bisherige Politik der liberalen Opposition als zu kompromissbereit und nicht entschieden genug ansah. Mathy war f√ľr lange Zeit eines der verbindenden Elemente zwischen diesen Fl√ľgeln und wurde von beiden Seiten, sowohl den abwertend als ‚ÄěHalben‚Äú bezeichneten Gem√§√üigten um Georg Gottfried Gervinus und Carl Theodor Welcker, als auch den sich als ‚ÄěGanzen‚Äú bezeichnenden radikaleren Politikern, die zunehmend revolution√§re Forderungen stellten, als einer der Ihren anerkannt.[5] Das verbindende Element war insbesondere der Kampf f√ľr die Gew√§hrung weiterer B√ľrgerrechte, bei dem Mathy h√§ufig auf die immer noch bestehende Zensur hinwies. Bei aller Kritik war Mathy allerdings bereit, in Sachfragen auch die Regierung zu unterst√ľtzen. Er galt insbesondere als Spezialist f√ľr Wirtschaftsfragen und ‚Äěverk√∂rperte [...] in hohem Ma√üe den Vorl√§ufer eines Realpolitikers‚Äú.[6] W√§hrend der Wirtschaftskrise von 1847 stimmte er einem Regierungsantrag zu, einige gr√∂√üere Fabriken des Landes mit staatlichen Mitteln zu unterst√ľtzen, um so den Anstieg der Erwerbslosigkeit zu verhindern. Durch diese gem√§√üigte Haltung wurden die politischen Unterschiede zwischen Mathy und radikaleren Oppositionellen wie Friedrich Hecker, Gustav Struve, Joseph Fickler oder Lorenz Brentano st√§rker.

Als sich im Fr√ľhjahr 1848 der linke Fl√ľgel weiter radikalisierte und die ‚ÄěGanzen‚Äú mehr und mehr zur offenen Gewalt und zum Umsturz der gesellschaftlichen Verh√§ltnisse aufriefen, kam es zum Bruch Mathys mit den Linken, nachdem es bereits Ende 1847 am Rande einer Sitzung der St√§ndeversammlung zur Verabredung eines dann doch nicht durchgef√ľhrten Duells zwischen Hecker und Mathy gekommen war.[7].

Mathy vertrat sp√§testens ab 1848 ein gem√§√üigtes liberales Programm, das auf ein vereintes Deutschland in Form einer konstitutionellen Monarchie abzielte. Dar√ľber hinaus trat er im Gegensatz zu den radikalen Demokraten f√ľr Handels- und Gewerbefreiheit sowie die Aufhebung von Zollgrenzen ein. Allerdings war er keineswegs der Vertreter eines unbeschr√§nkten Wirtschaftsliberalismus etwa im Gefolge von Adam Smith. Vielmehr forderte Mathy staatliches Handeln auch im wirtschaftlichen Bereich um das ‚ÄěMissverh√§ltnis zwischen Kapital und Arbeit‚Äú auszugleichen. So pl√§dierte er f√ľr die Schaffung einer badischen Bank oder den Ausbau des Eisenbahnnetzes. Hinzu kamen Forderungen nach einer Steuerreform, die allzu gro√üe Besitzunterschiede ausgleichen sollte, Verbesserung der Bildungsm√∂glichkeiten f√ľr untere Schichten und eine aktive Sozialpolitik. Dazu z√§hlte unter anderem die Forderung nach Verk√ľrzung der Arbeitszeiten, Versicherungseinrichtungen und die Schaffung neuer Verdienstm√∂glichkeiten. Im Sinne von Mathy ging es nicht darum, wie bisher ‚ÄěM√ľ√üigg√§nger mit Klostersuppe zu f√ľttern‚Äú, sondern eine liberale Sozialpolitik sollte dazu dienen ‚ÄěArbeit zu verschaffen - die beste Armenpflege, die zugleich die Armen intelligent macht, w√§hrend sie in anderer Weise verkommen w√ľrden.‚Äú[8] Auf lange Sicht sollte die Sozialpolitik, dazu dienen das Leitbild des s√ľddeutschen Liberalismus, eine B√ľrgergesellschaft mittlerer Existenzen (Lothar Gall), umzusetzen. Der angestrebte Wirtschaftsaufschwung sollte dazu dienen, den Mittelstand zu st√ľtzen und zu verbreitern. Eine solche Gesellschaft sei besser geeignet, eine angemessene Verteilung des Volkseinkommens zu gew√§hrleisten als ‚Äěgro√üe Unternehmer mit vielen Tagarbeitern.‚Äú[8]

Liberaler Journalismus und Märzrevolution

Erstausgabe der Deutschen Zeitung vom 1. Juli 1847 mit Nennung von Mathy in der Herausgeberzeile.
Der Tagungsort der Heppenheimer Versammlung: Der Halbe Mond in Heppenheim. Stahlstich von Gr√ľnewald/Lambert, 1840.

1843 gr√ľndete Mathy zusammen mit Friedrich Daniel Bassermann in Mannheim die Bassermann'sche Verlagsbuchhandlung, die von Anfang an auf ein politisches Verlagsprogramm im Sinne des Liberalismus setzte. Zum journalistischem Flaggschiff des Verlags wurde die ab dem 1. Juli 1847 in Heidelberg erscheinende liberal-intellektuelle Deutsche Zeitung. Die Deutsche Zeitung wurde von Bassermann und Mathy zusammen mit Liberalen aus dem ganzen Deutschen Bund als politische Sammlungsbewegung verstanden, die die politischen Handlungsstr√§nge in den einzelnen Staaten des Deutschen Bundes zusammenf√ľhren und dazu beitragen sollte, eine gemeinsame liberale Meinung herauszubilden und politisch zu unterst√ľtzen. Zusammen mit Gervinus, Gustav H√∂fken, Karl Mittermaier und Ludwig H√§usser z√§hlte Mathy auch zum Herausgebergremium der Zeitung und schrieb insbesondere wirtschaftspolitische Beitr√§ge. Nach dem Verkauf der Zeitung an die Weidmannsche Buchhandlung zum 1. Oktober 1848 wurde Mathy freier Mitarbeiter der Deutschen Zeitung.[9]

Im Rahmen eines Besuchs David Hansemanns 1847, der der Organisation der Deutschen Zeitung diente, wurde im B√ľro Mathys die Idee geboren, dass sich die liberalen Kammerabgeordneten in den deutschen L√§ndern untereinander abstimmen sollten, um mit gleichgerichteten Antr√§gen f√ľr B√ľrgerrechte und nationale Einheit den Druck auf die konservativen Regierungen des Deutschen Bundes zu erh√∂hen. Zusammen mit Bassermann und Hansemann war Mathy anschlie√üend Organisator der Heppenheimer Tagung vom 10. Oktober 1847, die diese Ziele umsetzen sollte. Das ma√ügeblich von Hansemann formulierte[10] dort beschlossene politische Programm, das die Einigung Deutschlands durch den Ausbau des Deutschen Zollvereins zu einer politischen Institution mit Exekutive und Zollparlament vorsah, wurde durch einen Bericht Mathys in der Deutschen Zeitung der √Ėffentlichkeit zug√§nglich gemacht[11] und f√ľhrte zu einer lebhaften Diskussion im Deutschen Bund. Ebenso unterst√ľtzte Mathy im Februar 1848 in der zweiten Kammer der St√§ndeversammlung den auf den Heppenheimer Diskussionen basierenden Antrag von Bassermann, eine Volksvertretung beim Deutschen Bund einzurichten. Dieser Antrag wird allgemein als einer der Meilensteine zur M√§rzrevolution angesehen.

Frankfurter Nationalversammlung und Kleindeutsche Lösung

Die gem√§√üigte reformerische Haltung und Ablehnung von Republikanismus und Radikalismus bestimmte Mathys Handeln w√§hrend der Revolution von 1848/49. Am 27. Februar 1848 war er Pr√§sident der Mannheimer Volksversammlung und wurde Hauptmann in der Mannheimer Volkswehr. Im M√§rz des gleichen Jahres war er Teilnehmer der Heidelberger Versammlung, die die Einladungen zum Vorparlament, dem Mathy ebenfalls angeh√∂rte, aussprach. Anschlie√üend war Mathy Abgeordneter im F√ľnfzigerausschuss und dessen Bevollm√§chtigter in der Schleswig-Holstein-Frage. In diesem Gremien pl√§dierte er weiterhin nicht f√ľr eine revolution√§re L√∂sung sondern f√ľr eine Reform des deutschen Bundes.

Seine antiradikale Haltung zeigte sich am 8. April 1848, als er am Karlsruher Bahnhof eigenm√§chtig und in seiner Funktion als Kammerabgeordneter illegal die Verhaftung des leitenden Redakteurs der radikalen Seebl√§tter, Joseph Fickler, anordnete. Diese Aktion war einer der unmittelbaren Ausl√∂ser f√ľr den Heckeraufstand, mit dem Hecker auch seiner bef√ľrchteten eigenen Verhaftung zuvorkommen wollte. Die antiradikale Haltung f√ľhrte dazu, dass Mathy in die badische M√§rzregierung eintrat und ihr von April 1848 bis Mai 1849 als wenig einflussreicher Minister ohne Gesch√§ftsbereich angeh√∂rte. Gleichzeitig wurde er Mitglied des badischen Staatsrates.

Ab dem 18. Mai 1848 war Mathy Abgeordneter f√ľr Calw in der Frankfurter Nationalversammlung, wo er von Beginn an zu den f√ľhrenden Mitgliedern der Casino-Fraktion z√§hlte. Obwohl Mathy die Einrichtung einer provisorischen Zentralgewalt ohne Zustimmung der einzelstaatlichen Regierungen durch Heinrich von Gagern eigentlich ablehnte, trat er dennoch in die neue Zentralregierung als Unterstaatssekret√§r im Reichsfinanzministerium ein. Diesen Posten hatte er von August 1848 bis Mai 1849 inne. Bei den internen Beratungen der Zentralgewalt, aber auch als Mitglied der Nationalversammlung spielte Mathy eine wichtige Rolle. Am 21. Mai 1849 legte er zusammen mit weiteren Mitgliedern der Casino-Fraktion sein Mandat aufgrund der Radikalisierung der Nationalversammlung nieder. W√§hrend der dann folgenden Reichsverfassungskampagne, die in Baden zur Vertreibung des Gro√üherzogs im Rahmen der badischen Revolution f√ľhrte, blieb Mathy bei seiner regierungstreuen Linie und √ľbernahm von Mai bis Juni 1849 in der Exilregierung Gro√üherzog Leopolds f√ľr wenige Wochen als Pr√§sident das Finanzministerium.

Anschlie√üend lebte Mathy kurzfristig als Journalist in Frankfurt. Er versuchte weiterhin, die Einigung Deutschlands im Sinne einer kleindeutschen L√∂sung zu realisieren und unterst√ľtzte dabei die von Joseph von Radowitz konzipierte Unionspolitik Preu√üens als f√ľhrender Protagonist der Gothaer Partei. Neben der Teilnahme am Gothaer Nachparlament geh√∂rte er zu den Liberalen, die die Deutsche Zeitung von der Weidmannschen Buchhandlung zur√ľckerwarben, um sie in ein Parteiorgan der kleindeutschen Liberalen umzuwandeln.[12] 1850 war Mathy Abgeordneter im Erfurter Unionsparlament. Nach dem finanziellen Scheitern der Deutschen Zeitung und dem absehbaren Ende der Unionspolitik verlor Mathy noch seinen Sitz im Mannheimer Gemeinderat. Als Folge zog sich Mathy vorl√§ufig aus der Politik zur√ľck und arbeitete wieder als Journalist in Mannheim, unter anderem f√ľr die Weserzeitung, den Leipziger Grenzboten und das Mannheimer Journal.

Karriere als Bankier

Im August 1854 trat Mathy auch aus der Bassermann'schen Verlagsbuchhandlung aus und ging auf Vermittlung Gustav Mevissens als leitender Mitarbeiter zum Schaaffhausen'schen Bankverein nach K√∂ln. 1855 wurde er Direktor von David Hansemanns Direction der Disconto-Gesellschaft in Berlin, wo er an der Umwandlung der Genossenschaftsbank in ein aktienbasiertes Kreditinstitut beteiligt war. Urspr√ľnglich von der Disconto-Gesellschaft als langfristige Beteiligung gedacht, hatte Mathy in Gotha √ľber die Gr√ľndung einer Bank f√ľr Coburg-Gotha verhandelt. Aus diesem Grund wurde er auch 1857 beziehungsweise 1858 erster Direktor der Gothaer Privatbank in Gotha. Diese Berufung kam gegen den Widerstand Hansemanns zu Stande, da beide zu dieser Zeit zerstritten waren und sich erst sp√§ter wieder auss√∂hnten. Eine nachhaltige Rolle konnte Mathy bei der Entwicklung der Bank nicht spielen, da er bald das Institut verlie√ü und stattdessen 1859 erster Direktor der Deutschen Kreditgesellschaft in Leipzig wurde.[13]

Wiedereintritt in den badischen Staatsdienst

Mit dem Auslaufen der Reaktionszeit begann Mathy bereits in Gotha, sich wieder in politischen Flugschriften zu Wort zu melden.[14] Im Jahr 1862 wurde Mathy als Anh√§nger der kleindeutschen L√∂sung in die badische Regierung von Anton von Stabel berufen. Er √ľbernahm dabei die Position des Vorsitzenden Rates im Finanzministerium und die Leitung der Hofdom√§nenkammer. 1864 wurde er erster Pr√§sident des neu geschaffenen Handelsministeriums. Au√üerdem war er seit 1863 Bevollm√§chtigter des Landes beim Deutschen Zollverein. Vor allem als Handelsminister spielte Mathy eine wichtige Rolle beim Ausbau des Eisenbahn- und Verkehrswesens, unter anderem durch Errichtung der Schwarzwaldbahn und der Badischen Odenwaldbahn.

Nach dem R√ľcktritt des Au√üenministers Franz von Roggenbach trat er weiterhin, letztlich vergeblich, f√ľr die kleindeutsche L√∂sung ein. Nachdem er den Kriegseintritt Badens auf Seiten √Ėsterreichs im Krieg von 1866 nicht verhindern konnte, legte Mathy seine Regierungs√§mter nieder.

Nach dem preu√üischen Sieg und dem darauf folgenden R√ľcktritt der Regierung Anton von Stabels berief Gro√üherzog Friedrich I. Mathy am 27. Juli 1866 zum Pr√§sidenten des Staatsministeriums. Daneben √ľbernahm er erneut das Finanz- und Handelsministerium, wo er sich weiter um die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur bem√ľhte, beispielsweise durch die Vorbereitungen zum Abschluss der Mannheimer Akte zur Rheinschifffahrt. Sein wichtigstes politisches Ziel als Regierungschef war der Anschluss Badens an den Norddeutschen Bund. Dazu geh√∂rte nicht zuletzt die Verhinderung eines konkurrierenden S√ľdbundes, wie ihn der Prager Friede vorsah. Au√üerdem bem√ľhte er sich darum, die milit√§rischen Strukturen Badens an die des Norddeutschen Bundes anzugleichen und nahm Einfluss auf die Neuorganisation des Deutschen Zollvereins, der jetzt auch eine parlamentarische Vertretung erhielt.

Innenpolitisch bedeutete die Regierung Mathys eine Abk√ľhlung der Beziehungen zur Zweiten Kammer. Im Gegensatz zur vorhergehenden Regierung Stabel regierten Mathy und sein Innenminister Julius August Isaak Jolly ohne R√ľcksicht auf parlamentarische Mehrheiten. Zwar wahrte die Regierung rechtsstaatliche Prinzipien, sie beteiligte die Kammer jedoch nur sp√§rlich am Regierungsprozess. Entsprechend forderte die Zweite Kammer vehement und schlie√ülich mit Erfolg die Kodifizierung all jener Rechte, die sie unter Stabel de facto besessen hatte, insbesondere Gesetze zur Pressefreiheit und zur Ministerverantwortlichkeit. Die Verfassungs√§nderungen der Regierung Mathy von 1867 sowie 1868 brachten der St√§ndeversammlung das gew√ľnschte Gesetzesinitiativrecht und das Recht der Ministeranklage. Die Zweite Kammer erhielt zudem das Recht, ihren Pr√§sidenten selbst zu w√§hlen.[15]

Mathy starb in der Nacht vom 2. zum 3. Februar 1868 an einem Herzleiden.

Schriften

  • Vorschl√§ge √ľber die Einf√ľhrung einer Verm√∂genssteuer in Baden. 1831.
  • Betrachtungen √ľber den Beitritt Badens zu dem deutschen Zollverein. Selbstverlag des Autors, Karlsruhe 1834.[4]

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Gall, B√ľrgertum, S. 261.
  2. ‚ÜĎ Gall, B√ľrgertum, S. 263 f.
  3. ‚ÜĎ von Hippel, Revolution, S. 54.
  4. ‚ÜĎ a b Scan von Betrachtungen √ľber den Beitritt Badens zu dem deutschen Zollverein bei Google Books.
  5. ‚ÜĎ von Hippel, Revolution, S. 47 ff. sowie S. 54.
  6. ‚ÜĎ Hirschhausen, S. 38.
  7. ‚ÜĎ Bassermann, Denkw√ľrdigkeiten, S. 26.
  8. ‚ÜĎ a b Langewiesche, Liberalismus, S. 30.
  9. ‚ÜĎ Hirschhausen, S. 45.
  10. ‚ÜĎ Bassermann, Denkw√ľrdigkeiten, S. 13.
  11. ‚ÜĎ siehe Karl Mathy: Versammlung von Kammermitgliedern aus verschiedenen deutschen Staaten; [‚Ķ]. In: Deutsche Zeitung. Heidelberg 1847, 17 (15. Oktober), S. 1. Online-Version auch bei germanhistorydocs.
  12. ‚ÜĎ Hirschhausen, S. 85 f.
  13. ‚ÜĎ Wurzeln in Th√ľringen: Die Privatbank zu Gotha, S. 2.
  14. ‚ÜĎ Gustav Freytag: Aus meinem Leben. Kapitel 11: Unter K√∂nig Wilhelm.
  15. ‚ÜĎ Hans Fenske: Der liberale S√ľdwesten. Freiheitliche und demokratische Traditionen in Baden-W√ľrttemberg (= Schriften zur politischen Landeskunde Baden-W√ľrttembergs, Band 5), Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1981, S. 128‚Äď130.

Literatur

  • Erich Angermann: Karl Mathy als Sozial- und Wirtschaftspolitiker (1842-48). In: ZGO 1955 S. 499-622.
  • Friedrich Daniel Bassermann: Denkw√ľrdigkeiten. Herausgegeben von Ernst von Bassermann-Jordan und Friedrich von Bassermann-Jordan. Frankfurter Verlags-Anstalt, Frankfurt 1926.
  • Heinrich Best, Wilhelm Weege: Biographisches Handbuch der Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung 1848/49. Droste-Verlag, D√ľsseldorf 1998, S. 230 f., ISBN 3-7700-0919-3.
  • Alden Frank Briscoe: The liberalism of Karl Mathy. Diss., Harvard 1963.
  • Gustav Freytag: Karl Mathy. 1870
  • Lothar Gall: B√ľrgertum in Deutschland. Siedler, M√ľnchen 1989, ISBN 3-88680-259-0.
  • Wolfgang von Hippel: Revolution im deutschen S√ľdwesten. (= Schriften zur politischen Landeskunde Baden-W√ľrttembergs, Band 26), Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1998.
  • Ulrike von Hirschhausen: Liberalismus und Nation. Die Deutsche Zeitung 1847-1850. (= Beitr√§ge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Bd. 115), Droste Verlag: D√ľsseldorf, 1998, ISBN 3-7700-5215-3.
  • Roland Hoede: Die Heppenheimer Versammlung vom 10. Oktober 1847. W. Kramer, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-7829-0471-0.
  • Dieter Langewiesche: Liberalismus in Deutschland. Frankfurt, 1988 ISBN 3-518-11286-4.
  • Hildegard M√ľller: Liberale Presse im badischen Vorm√§rz. Die Presse der Kammerliberalen und ihre Zentralfigur Karl Mathy, 1840-1848. Heidelberg, 1986.
  • Friedrich von WeechMathy, Karl. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 20, Duncker & Humblot, Leipzig 1884, S. 595‚Äď600.
  • Wurzeln in Th√ľringen. Die Privatbank zu Gotha. In: Bank und Geschichte, Nr. 12, Dezember 2006.

Weblinks

 Commons: Karl Mathy ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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