Karl der Große

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Karl der Große
Karl der Gro√üe (links) und sein erster Sohn Pippin der Bucklige, darunter ein Schreiber; Miniatur aus dem 10. Jahrhundert, Kopie einer verlorenen, zwischen 829 und 836 in Fulda f√ľr Graf Eberhard von Friaul hergestellten Miniatur, Biblioteca Capitolare, Modena, Norditalien
Karl der Große zwischen den Päpsten Gelasius I. und Gregor I.; Miniatur aus dem Sakramentar Karls des Kahlen, um 870

Karl der Gro√üe, lateinisch Carolus Magnus, Karolus Magnus, franz√∂sisch und englisch Charlemagne (* wahrscheinlich 2. April 747 oder 748;[1] ‚Ć 28. Januar 814 in Aachen) aus dem Geschlecht der Karolinger, war seit dem 9. Oktober 768 K√∂nig des Fr√§nkischen Reiches und seit dem 25. Dezember 800 R√∂mischer Kaiser.

Der Enkel des Hausmeiers Karl Martell war fr√§nkischer K√∂nig sowie der erste ‚Äěr√∂mische‚Äú Kaiser namens Karl und wird somit in beiden √Ąmtern auch als Karl I. gez√§hlt. Er erhielt bereits zu Lebzeiten den Beinamen ‚Äěder Gro√üe‚Äú und gilt seit dem Mittelalter als einer der bedeutendsten Herrscher des Abendlandes. Das Frankenreich erfuhr unter ihm seine gr√∂√üte Ausdehnung. Mit seiner Kr√∂nung durch Papst Leo III. am Weihnachtstag 800 in Rom wurde das Kaisertum im Westen Europas erneuert. Auf Initiative Kaiser Friedrich Barbarossas wurde Karl am 29. Dezember 1165 von Gegenpapst Paschalis III. heiliggesprochen. Schon im Paderborner Epos vom Ende des 8. Jahrhunderts wurde er zum Pater Europae (‚ÄěVater Europas‚Äú) erkl√§rt. Karl der Gro√üe gilt als eine Pers√∂nlichkeit, die das kollektive europ√§ische Geschichtsbewusstsein pr√§gt.[2]

Sowohl Deutsche als auch Franzosen f√ľhren die Anf√§nge ihrer Nationalgeschichte auf Karl den Gro√üen zur√ľck. Die Stadt Aachen stiftete 1949 in Anerkennung seiner Verdienste den internationalen Karlspreis, der j√§hrlich vergeben wird.

Inhaltsverzeichnis

Leben

√úber Karls Lebenslauf flie√üen die Informationen sehr ungleichm√§√üig. W√§hrend f√ľr die mittleren und sp√§ten Jahre im Vergleich mit anderen mittelalterlichen Herrschern ungew√∂hnlich reiches Quellenmaterial, vor allem Einhards Biographie sowie Werke und Briefe Alkuins, zur Verf√ľgung steht, ist kaum etwas √ľber Kindheit und Jugend in Erfahrung zu bringen, zumal Einhard sein m√∂glicherweise vorhandenes Wissen nicht mitteilt. Nicht einmal sein Geburtsdatum ist bekannt. Seine offenkundig betr√§chtliche Bildung kann er kaum erst im Erwachsenenalter erworben haben. M√∂glicherweise wurde er wie sein Bruder Karlmann in St. Denis erzogen. Wer seine Lehrer waren, ist unbekannt. Ob dort damals bereits das volle Programm der Septem Artes liberales, der sieben freien K√ľnste, vermittelt wurde, um dessen Wiederherstellung sich Karl sp√§ter im Rahmen seiner Bildungsreform bem√ľhte, ist unklar. Aber zumindest elementarer Sachkundeunterricht war schon Bestandteil der ersten der sieben Artes, der Grammatik, die nicht allein die Lateinische Sprachlehre, sondern das gesamte zum kompetenten Umgang mit Texten erforderliche Wissen umfasste. Auch noch als Erwachsener nahm Karl lebhaften Anteil an Bildungsfragen aller Art, vor allem an theologischen und philosophischen Diskussionen wie dem Bilderstreit, zu dem er in den Randnoten der libri Carolini pers√∂nlich Stellung nahm, oder der Diskussion √ľber den Adoptianismus, und er beauftragte Hofgelehrte wie Alkuin mit der Kl√§rung solcher Fragen. Sogar eine Untersuchung des scheinbar so abseitigen Problems, ob es das Nichts gebe, soll er sich von diesem erbeten haben. Die reichlich √ľberlieferte anspruchsvolle, oft auch ausgesprochen unterhaltende Dichtung aus dem Hofkreis kann bei Karl jedenfalls nicht auf taube, d.‚ÄČh. des Lateinischen und des Umgangs mit Literatur g√§nzlich unkundige Ohren gesto√üen sein. Latein war am Hof fraglos eine der gesprochenen Sprachen und angesichts der internationalen Zusammensetzung der Hofgesellschaft sogar die einzige, die allen oder doch den meisten zu Gebote stand. Dazu kam die st√§ndige Pr√§senz des Lateinischen als Sprache der Liturgie. Auch auf die Erziehung und Bildung seiner eigenen Kinder legte er gro√üen Wert. Neben der literarischen Bildung, die damals f√ľr junge Adlige keine Selbstverst√§ndlichkeit darstellte, wenn auch die Zahl gebildeter Laien seit der zweiten H√§lfte des 8. Jahrhunderts wieder zunahm, m√ľssen auch das Waffenhandwerk und die Jagd, die Karl I. noch in hohem Alter betrieb, einen hohen Stellenwert besessen haben.

Herkunft, Geburt und Jugend

Karl war der √§ltere Sohn des sp√§teren K√∂nigs Pippin des J√ľngeren und dessen Frau Bertrada. Sein Geburtsjahr ist umstritten,[3] sein Geburtsort ist unbekannt, zumal mehrere Orte infrage kommen.[4]

Karls Biograf Einhard schrieb in seiner Vita Karoli Magni, dass √ľber die Kindheit und Jugend des Kaisers schriftlich nichts √ľberliefert sei und dass bei der Abfassung seines Werks - etwa 15 Jahre nach Karls Tod - niemand mehr gelebt habe, der dar√ľber h√§tte berichten k√∂nnen (cap. IV).

Die Ahnentafel Karls des Großen

Pippin der Mittlere
(* um 635, † 714),
fränk. Hausmeier
Chalpaida
(† vor 714), sog. Friedelehe
Liutwin
(† um 717 in Reims), Bischof in Trier, Reims und Laon
NN Martin,
(* um 660, † 680), Graf von Laon
Bertrada die √Ąltere,
(* 660, ‚Ć nach 721) Stifterin der Abtei Pr√ľm
NN NN
Karl Martell
(* um 689, † 741), fränkischer Hausmeier
Rotrude von Trier
(* 690, † 724)
Heribert,
(* 680, † 747)
Graf von Laon
Gisele von Aquitanien
Pippin der J√ľngere
(* 714, † 768), König der Franken
Bertrada die J√ľngere
(* um 725, † 783)
Karl der Große (* 747, † 814),
Römischer Kaiser

Herrschaftsantritt

768, als Karl 20 oder 21 Jahre alt war, starb sein Vater Pippin. Zun√§chst teilte er sich die Herrschaft mit seinem Bruder Karlmann, wurde aber nach dessen Tod schon 771 zum Alleinherrscher. Zu jener Zeit fielen die fr√ľh christianisierten Franken in ‚Äěbarbarische‚Äú ‚Äď d. h. althergebrachte ‚Äď Gebr√§uche zur√ľck und vernachl√§ssigten die erworbene Bildung und Religion. Die Sachsen im heutigen Norddeutschland beharrten auf ihrem Heidentum. Im S√ľden stritt die r√∂misch-katholische Kirche mit den Langobarden um Einfluss, Besitz und Macht auf der Apenninen-Halbinsel, auf der iberischen Halbinsel (siehe Emirat von C√≥rdoba) dr√§ngten die Sarazenen immer weiter nach Norden, im Osten fielen Awaren ein ‚Äď kurz: Europa war in Aufruhr und der Bestand des Frankenreiches schien bedroht. Karl I. war offenbar von Anfang an zu einer Neuordnung der Verh√§ltnisse in Westeuropa entschlossen und scheute sich w√§hrend der Zeit bis 800 nicht, an den unterschiedlichsten Fronten gleichzeitig zu k√§mpfen.

Unterwerfung Aquitaniens und der Gascogne

Nach dem Tod Pippins des J√ľngeren versuchte Hunold, der Herzog von Aquitanien, sich von den Karolingern unabh√§ngig zu machen. Karl f√ľhrte den Feldzug ohne die versprochene Unterst√ľtzung seines Bruders Karlmann durch und zwang Herzog Hunold zur Flucht zu Herzog Lupus in die Gascogne. Durch Karls Drohungen eingesch√ľchtert √ľbergab Lupus nicht nur Hunold, sondern unterwarf auch sein eigenes Herzogtum 769 den Franken.[5]

Die Sachsenkriege

→ Hauptartikel: Sachsenkriege Karls des Großen

Im Sommer 772 begannen die bis 804 (mit Unterbrechungen) andauernden Sachsenkriege. Die K√§mpfe wurden anfangs wohl nur zur Befriedung der Grenzregion gef√ľhrt, bis sich das Ziel zu der mit betr√§chtlicher Grausamkeit durchgesetzten Unterwerfung, Christianisierung und Eingliederung des s√§chsischen Volkes in das Fr√§nkische Reich √§nderte. 777 wurde Sachsen in Missionssprengel eingeteilt, 782 die fr√§nkische Grafschaftsverfassung eingef√ľhrt. Allerdings dauerte der s√§chsische Widerstand unter F√ľhrung Widukinds, trotz harter fr√§nkischer Gegenma√ünahmen und milit√§rischer Erfolge Karls √ľber die Sachsen, noch l√§ngere Zeit an. Der s√§chsische Adel kooperierte schlie√ülich mehrheitlich (selbst Widukind unterwarf sich 785), doch brach 792 erneut ein s√§chsischer Aufstand aus. Karl reagierte sowohl mit Deportationen als auch mit einer rechtlichen Verbesserung der Sachsen im Reich; 802 wurde das s√§chsische Volksrecht aufgezeichnet und von Karl anerkannt. Sachsen galt bald darauf als endg√ľltig befriedet und als Teil des christlichen Frankenreichs.

Die Unterwerfung der Langobarden

‚Üí Hauptartikel: Langobardenfeldzug

Im M√§rz 773 baten p√§pstliche Gesandte am Hof Karls um Unterst√ľtzung gegen die Langobarden. 774 eroberten die Franken Pavia. Karl setzte den letzten Langobardenk√∂nig Desiderius ab; dessen Tochter (die vielleicht den Namen Gerperga trug), die er zuvor geheiratet hatte, verstie√ü er bald darauf. Er lie√ü sich nun selbst zum K√∂nig der Langobarden kr√∂nen. Papst Stephan III. (‚Ć 772) hatte die Langobarden in einem Brief an die Frankenk√∂nige Jahre zuvor als eine treulose und stinkende Nation denunziert, die nicht einmal zu den Nationen gerechnet wird und von der gewiss die Auss√§tzigen ihren Ursprung haben. Im S√ľden blieb das Herzogtum Benevent bis zur Eroberung durch die Normannen im 11. Jahrhundert selbst√§ndig, wenngleich es auch zu den Satellitenstaaten des Fr√§nkischen Reiches gez√§hlt werden muss. Karl best√§tigte auch die Pippinische Schenkung seines Vaters an die Kirche, aus der sp√§ter der Kirchenstaat hervorgehen sollte.

Kriegsz√ľge gegen die Mauren

Weit geringeren Erfolg brachte ein Kriegszug nach Spanien im Jahr 778. Anlass daf√ľr war ein Hilfegesuch des Emirs von Saragossa, der um Unterst√ľtzung gegen den Emir Abd ar-Rahman I. von C√≥rdoba (regierte 756‚Äď788) bat: Beim R√ľckzug wurde ein Teil des fr√§nkischen Heeres von den vermeintlichen Heiden (so zeitgen√∂ssische Quellen) in der Schlacht bei Roncesvalles aufgerieben. Dabei fiel auch der Graf der bretonischen Mark, Hruotland, der Befehlshaber der vernichteten fr√§nkischen Nachhut. Das Geschehen wird sp√§ter im Rolandslied wiederaufgegriffen. Aquitanien wurde als ein Unterk√∂nigtum f√ľr Karls minderj√§hrigen Sohn Ludwig eingerichtet; zusammen mit seinem zum italischen Unterk√∂nig ernannten Bruder Pippin wurde er 781 vom Papst gesalbt und gekr√∂nt. Die Verh√§ltnisse im Pyren√§enraum konnten so zun√§chst stabilisiert werden, der Herrschaftsbereich der Franken wurde ‚Äď wenn auch nur zeitweise ‚Äď bis nach Girona, Cerdagne, Urgell und Barcelona erweitert. Erst als Folge sp√§terer Auseinandersetzungen mit den Sarazenen (so nannte das sp√§tere Mittelalter die Mauren) wurde 806 die Spanische Mark jenseits der Pyren√§en gegr√ľndet.

Eine Folge des milit√§rischen Engagements der Franken in diesem Raum ist das F√ľrstentum Andorra, das seit der Zeit Karls des Gro√üen de jure unabh√§ngig ist. In der Nationalhymne des kleinen Landes wird Karl der Gro√üe √ľberschw√§nglich besungen.

797, nach anderen Quellen 801, nahm Karl diplomatische Beziehungen zu Harun al-Rashid, dem Kalifen von Bagdad auf. Sie vereinbarten, den jeweils anderen Glauben bei ihren Untertanen zu dulden, und erwogen eventuelle B√ľndnisse gegen die Kalifen von Cordoba einerseits bzw. das ostr√∂mische Reich andererseits, die jedoch nie Realit√§t wurden. Der Kalif schenkte Karl einen asiatischen Elefanten namens Abul Abbas.

Das Ende der Selbständigkeit Bayerns

788 wurden auch die Baiern (so die alte Schreibweise) endg√ľltig dem Reich einverleibt, im Osten die Awarische Mark (ab 856 Marchia Orientalis) als Grenzmark gegen die Awaren errichtet und unter fr√§nkische Oberhoheit gestellt. Der letzte bayerische Stammesherzog Tassilo III., der sein Lehen 757 von Pippin bekommen hatte, versuchte vergeblich, die Eigenst√§ndigkeit durch ein B√ľndnis mit den eigentlich schon unterworfenen Langobarden zu retten. Am Aufbegehren gegen die Franken, die man durch die Auseinandersetzungen mit den Sachsen als voll ausgelastet einsch√§tzte, war auch Herzog Arichis II. von Benevent beteiligt. Die Unbotm√§√üigkeiten der italienischen Koalition√§re Tassilos waren u. a. durch Belagerungen von Capua und Salerno 786/787 beendet worden. Das bayerische Gebiet, das ab 798 von Salzburg aus zu einer eigenen Kirchenprovinz ausgebaut wurde, blieb nach der Angliederung gleichwohl als politische Entit√§t erhalten. Unter den als Pr√§fekten bezeichneten Amtstr√§gern des K√∂nigs (im 9. Jahrhundert als Unterk√∂nigtum) wahrte es durchaus eine Sonderstellung innerhalb des fr√§nkischen Reichsverbands. Die Eingliederung der Baiern ins Frankenreich war neben der Unterwerfung der Sachsen die wichtigste Voraussetzung f√ľr die sp√§tere Herausbildung des Heiligen R√∂mischen Reiches.

Die Kaiserkrönung

795 wurde Leo III. zum Papst gew√§hlt. Er versicherte sich umgehend der Unterst√ľtzung des Frankenk√∂nigs und √ľbersandte Karl I., dem Schutzherrn der Kirche (patricius romanorum), den Schl√ľssel zum Grab Petri sowie das Banner Roms. Das Papsttum war seit einiger Zeit unter den Einfluss des in diverse Fraktionen aufgesplitterten r√∂mischen Stadtadels geraten, der bei der Papstwahl ausschlaggebend war. 799 spitzte sich die Konfrontation mit dem Adel zu; das Kirchenoberhaupt war Ziel eines Attentats bzw. Absetzungsversuches. Leo III., dem u. a. ein unw√ľrdiger Lebenswandel (darunter Ehebruch und Meineid) vorgeworfen wurde, fl√ľchtete zu Karl nach Paderborn (vgl. Paderborner Epos). Was dort und unter Umst√§nden schon weit vorher abgemacht wurde, ist nicht gekl√§rt: M√∂glicherweise wurde erst hier, vielleicht aber auch schon Jahre zuvor die Kaiserkr√∂nung vereinbart. Denkbar w√§re auch, dass es dazu √ľberhaupt keine Absprache gegeben hat. Die historische Forschung st√∂rt sich vor allem an der Anmerkung Einhards: ‚ÄěH√§tte Karl vom Vorhaben Leos gewusst, h√§tte er die Kirche nicht betreten‚Äú (Vita Karoli Magni, cap. XXVIII). Eine andere Quelle hingegen, die Lorscher Annalen, berichtet von einer Synode der fr√§nkischen und r√∂mischen Bisch√∂fe, bei der man dem Frankenherrscher die Kaiserw√ľrde angetragen habe. M√∂glicherweise bezieht sich die Anmerkung Einhards nicht auf die Kaiserkr√∂nung selbst, sondern auf deren Umst√§nde und ihren protokollarischen Ablauf.

Grandes Chroniques de France, Exemplar König Karls V. von Frankreich, Paris, BN, français 2813, fol. 85v, Paris saec. XIVex: die Kaiserkrönung Karls I.

Karl jedenfalls zog im Sommer 800 nach Rom. Leo III. empfing ihn Ende November weit vor den Toren der Ewigen Stadt und legte am 23. Dezember einen Reinigungseid ab, der ihn von den Vorw√ľrfen der Verschw√∂rer aus Kreisen des Adels entlasten sollte. Inwieweit dieser freiwillig von ihm geleistet wurde, muss freilich dahingestellt bleiben.

Am Weihnachtstag des Jahres 800 wurde Karl von Papst Leo III. zum Kaiser gekr√∂nt. Dieser Titel war seit der Absetzung von Romulus Augustulus im Jahr 476 in Westeuropa nicht mehr gef√ľhrt worden, wenngleich die nachfolgenden ostr√∂misch/byzantinischen Kaiser auch im Westen anerkannt wurden. Karls voller Titel ab 800 lautete: Karolus serenissimus Augustus a Deo coronatus magnus pacificus imperator Romanum gubernans imperium, qui et per misericordiam dei rex Francorum atque Langobardorum (frei √ľbersetzt: ‚ÄěKarl, durchlauchter Augustus, von Gott gekr√∂nter, gro√üer Frieden stiftender Kaiser, das r√∂mische Reich regierend, von Gottes Gnaden auch K√∂nig der Franken und Langobarden‚Äú).

Eine Voraussetzung f√ľr die Kr√∂nung war die Absetzung des byzantinischen Kaisers durch Irene von Athen (das byzantinische Reich war staatsrechtlicher Nachfolger des R√∂mischen Reiches im Osten). Da nach r√∂mischem Recht eine Frau nicht Kaiserin sein konnte, sah einigen Quellen zufolge Papst Leo III. den r√∂mischen Kaiserthron als vakant an (wenngleich eher machtpolitische Gr√ľnde eine Rolle spielten).

Als patronus et advocatus der Kirche hatte Karl I. nun endg√ľltig den byzantinischen Kaiser abgel√∂st ‚Äď wie zuvor schon den Langobarden Desiderius. Der Patriarch von Jerusalem schickte die Schl√ľssel des Heiligen Grabes an Karl I. als symbolische Anerkennung der Schutzherrschaft Karls I. √ľber die Christenheit. Die Kr√∂nung zum Kaiser bedeutete somit eine Herausforderung f√ľr das byzantinische Kaisertum (Basileus), dem gegen√ľber Karl die Gleichberechtigung beanspruchte ‚Äď wenn nicht mehr.

Karl verstand sich als Augustus Imperator Renovati Imperii Romani (Kaiser des erneuerten R√∂mischen Reiches) und somit als direkter Nachfolger der r√∂mischen Kaiser. Sein Fr√§nkisches Reich war damit nach Auffassung mancher Gelehrter (allerdings nur ideell, nicht staatsrechtlich, da das ostr√∂misch/byzantinische Reich im Osten weiter Bestand hatte, siehe Zweikaiserproblem) das Nachfolgereich des r√∂mischen Kaiserreiches. Die Einheit von Kirche und Reich war nun offiziell Staatsdoktrin. Als Besch√ľtzer des Papstes und des christlichen Glaubens war Karl der Gro√üe sehr darauf bedacht, dass in seinem Reich jeder das Pater Noster (Vaterunser) kannte. Zeitweilig standen Verunglimpfungen von Priestern oder des Christentums und seiner Symbole sogar unter Todesstrafe.

Die Ausweitung des Frankenreiches im Osten

Karolingische Reiterei aus dem Psalterium Aureum, St. Gallen, Stiftsbibliothek, Cod. 22, saec. IXex, S. 140 als Illustration zu Ps 60 (Feldzug des Joab)

Als Ersatz f√ľr deportierte Sachsen lie√ü Karl I. im Nordosten des Reiches (Transalbingien) elbslawische Abodriten und auch Franken ansiedeln. Ab 804 kam es zu Auseinandersetzungen mit den D√§nen, deren K√∂nig G√∂ttrik (auch: Gudfred) nach Friesland bzw. Sachsen ausgriff und, unterst√ľtzt von den Wilzen, die Abodriten bek√§mpfte. Laut dem Eintrag der Fr√§nkischen Reichsannalen zum Jahr 808 sollte G√∂ttrik damals das Danewerk zwischen Treene und Schlei zum Schutz vor den Franken errichtet haben; tats√§chlich war es jedoch bereits 737 aus unbekanntem Anlass erbaut worden. 810 pl√ľnderten die D√§nen Friesland und die friesischen Inseln. Den Abodriten im Osten Holsteins gelang es jedoch, sich mit fr√§nkischem Beistand von d√§nischer Oberhoheit freizuhalten; sie schlossen 811 einen Friedensvertrag mit den D√§nen. Allerdings blieb das Verh√§ltnis von Franken und Abodriten ambivalent, wie die Umst√§nde der Errichtung des Sachsenwalls (Limes Saxoniae) um 810 belegen.

Das Verh√§ltnis zu den slawischen St√§mmen √∂stlich von Sachsen und Th√ľringen war ebenfalls zwiesp√§ltig: 789 f√ľhrten die Franken einen Feldzug gegen die Wilzen; nach der langwierigen Unterwerfung der Sachsen wurden auch die Sorben 806 von den Franken besiegt, nachdem deren Herzog Miliduoch get√∂tet worden war. Zeitgen√∂ssischen Quellen zufolge versuchten sie in den darauf folgenden Jahrzehnten jedoch mehrfach abzufallen. Auch scheint es hier eine oder gar mehrere Grenzmarken gegeben zu haben; die Forschungslage hierzu ist jedoch unklar (siehe auch: Limes Sorabicus).

B√∂hmen geriet nach einer Kampagne in den Jahren 805 und 806 in fr√§nkische Abh√§ngigkeit und wurde tributpflichtig. In einer Urkunde von 817, in der die Provinzen und V√∂lker des Frankenreiches aufgelistet werden, werden die Beheimi als eines der abh√§ngigen V√∂lker genannt. Auch sie wurden nach und nach offenbar erfolgreich christianisiert: 845 lie√üen sich 14 Herz√∂ge aus B√∂hmen in Regensburg taufen; der bayerische Klerus war Haupttr√§ger der Missionierung. Ab Mitte des 9. Jahrhunderts ‚Äď Karls Enkel Ludwig der Deutsche war seit 843 K√∂nig (s. Vertrag von Verdun) ‚Äď wurde B√∂hmen immer mehr zum Zankapfel zwischen dem Ostfrankenreich und dem Gro√üm√§hrischen Reich des Sventopluk; ab 862 wurden auch die Ungarn zum Problem. Die Expansion der Franken in diesen Raum begr√ľndete ‚Äď neben den Besiedlungswellen unter den Premysliden ‚Äď den politisch wie kulturell nachhaltigen deutschen Einfluss im √∂stlichen Mitteleuropa in den folgenden Jahrhunderten (s. Deutsche Ostsiedlung; Samo, insbesondere den Abschnitt Nach Samos Tod).

Gegen die vom Donauraum aus die Reichsgrenzen gef√§hrdenden Avaren f√ľhrte Karl zun√§chst 791 pers√∂nlich einen misslungenen Feldzug, dann nach sorgf√§ltiger Vorbereitung (Bau der Fossa Carolina zwischen Altm√ľhl und Rezat) 795/6 unter F√ľhrung Erichs von Friaul und K√∂nig Pippins von Italien einen zweiten von durchschlagendem Erfolg. Der sehr gro√üe Avarenschatz fiel in die H√§nde der Franken, der Staat der Avaren wurde zerschlagen. Die √úberreste der Bev√∂lkerung wurden zwangschristianisiert. Anfangs wurde ihnen noch eine eigene Herrschaftsorganisation innerhalb des Frankenreiches zugestanden. Sp√§testens im 10. Jahrhundert verschwinden sie endg√ľltig aus der Geschichte.

Die Auseinandersetzung mit Byzanz

Nikephoros I., byzantinischer Kaiser (‚ÄěBasileus‚Äú) seit 802, empfand die Kaiserw√ľrde Karls als Anma√üung und verweigerte deren Anerkennung. Eine 803 in Konstantinopel eingetroffene fr√§nkische Gesandtschaft musste unverrichteter Dinge wieder heimreisen. Der Konflikt versch√§rfte sich noch, als Karl die von Byzanz beanspruchten Regionen Dalmatien und Venetien als seinem Machtbereich zugeh√∂rig behandelte. Nikephoros entsandte daraufhin 806 die ostr√∂mische Flotte und verh√§ngte eine Seeblockade √ľber Venedig. Karls Sohn Pippin, K√∂nig von Italien, konnte in der Folge jedoch Venedig erobern, was Nikephoros offenbar verhandlungsbereiter machte. Eine Ende 810 in Italien eingetroffene byzantinische Gesandtschaft, die eigentlich den inzwischen verstorbenen K√∂nig Pippin (‚Ć 8. Juli 810) hatte erreichen wollen, wurde von Karl nach Aachen bestellt und 811 mit einem freundlichen, in der Kaiserfrage allerdings kompromisslosen Schreiben zur√ľckgeschickt. Bei deren R√ľckkehr war jedoch der byzantinische Kaiser Nikephoros I. auf einem Bulgarenfeldzug in der Schlacht am Warbiza-Pass gefallen (‚Ć 26. Juli 811). Sein Schwiegersohn Michael I. Rhangabes riss bald die Macht an sich. Anders als sein Vorg√§nger war er an einem dauerhaften √úbereinkommen mit dem Westen interessiert. Daher entsandte Kaiser Michael I. nun seinerseits eine byzantinische Gesandtschaft nach Aachen, die dort 812 eintraf. In einer √∂ffentlichen Zeremonie huldigte diese Karl dem Gro√üen und nannte ihn ‚ÄěKaiser‚Äú. Damit war das Kaisertum Karls des Gro√üen vom byzantinischen Reich diplomatisch anerkannt. Karl musste im Frieden von Aachen daf√ľr allerdings wieder auf Venetien und Dalmatien verzichten.

Zudem sahen sich die byzantinischen Kaiser weiter als h√∂her stehend an: Die Nachfolger Michaels I. f√ľgten ihrem Titel Kaiser bald den Genitiv der R√∂mer hinzu. Damit sollte ihr einzigartiger Rang als alleinige Nachfolger der r√∂mischen Kaiser dokumentiert werden. Die auf Karl den Gro√üen folgenden westlichen Kaiser nannten sich dagegen zun√§chst nur imperator augustus (erhabener Kaiser). Der Titulatur erhabener Kaiser der R√∂mer (Romanorum imperator augustus) begegnet man im Westen, d. h. im Heiligen R√∂mischen Reich, erst seit Otto III. 996.

Reformen und innere Neuordnung des Reichs

Mit teilweise tiefgreifenden Reformen, die sein Sohn und Nachfolger Ludwig der Fromme gro√üenteils weiter vorantrieb, ordnete Karl I. das Frankenreich auch im Innern neu. Erstes Ziel war, die Voraussetzungen f√ľr eine Verwaltungspraxis auf schriftlicher Grundlage zu schaffen. Aus diesem Grund stand die Bildungsreform am Anfang. Kl√∂ster und Bisch√∂fe erhielten durch verschiedene Schreiben (Epistula de litteris colendis; Admonitio generalis) den Auftrag, Schulen zu unterhalten. Am Hof wurden Gelehrte aus ganz Europa zusammengezogen, denen wichtige Hof√§mter, Bist√ľmer und Reichsabteien √ľbertragen wurden. Begabte Sch√ľler konnten hier ihre Bildung vervollkommnen. Der Hof wurde zur Drehscheibe, √ľber die Informationen, pers√∂nliche Beziehungen und B√ľcher vermittelt wurden. Die Stammesherzogt√ľmer schaffte Karl I. ab, wobei die rechtliche Eigenst√§ndigkeit der St√§mme allerdings gewahrt wurde. Er ordnete √ľberdies die Aufzeichnung der Stammesrechte an. In der Lex Frisionum etwa wurden den Friesen im Nordwesten und Norden des Reiches auf der Grundlage ihrer √ľberkommenen Gesetze und Gepflogenheiten bedeutende Privilegien zugestanden. Sie wurden zu Freien und durften u. a. ihren Podestat selbst w√§hlen. Auch die Einteilung Frieslands in drei klar definierte Bezirke wurde in der ‚Äď hier beispielhaft angesprochenen ‚Äď Lex Frisionum festgeschrieben.

Die Reichsverwaltung, die Karl I. zu vereinheitlichen trachtete, √ľbertrug dieser im Wesentlichen seinem Hofklerus und einem neu geschaffenen Dienstadel. Die Hofkapelle (Amt) war zentrales Verwaltungsorgan der weltlichen und geistlichen Ordnung im Reich. Die Ausf√ľhrung der Verwaltung des Reiches lag in den H√§nden der Grafen. Diese fungierten im Rahmen der so genannten Grafschaftsverfassung als k√∂nigliche Amtstr√§ger bei der Aus√ľbung der Regalien (Grafenbann) und waren in bestimmten Bereichen Stellvertreter des K√∂nigs (Mark-, Burg- und Pfalzgrafen). Besondere Bedeutung erlangten die Markgrafen: Sie waren die Regenten in den neu geschaffenen Grenzmarken und hatten in diesem Bereich weitreichende Sonderrechte, etwa als Milit√§rbefehlshaber und Gerichtsherren. Die Landgrafen mussten Wehrpflichtige stellen.

Die √úbertragung von √Ąmtern und Lehen an die f√ľhrenden Adelsfamilien (die ‚ÄěGro√üen‚Äú) sicherte deren Loyalit√§t und begr√ľndete eine neue Reichsaristokratie. Die Grafschaftsverfassung wurde zum wichtigsten Instrument zur Wahrung der Einheit des Reiches, obgleich es an den unterschiedlichen Traditionen im Westen bzw. Osten des Reiches (r√∂mische Civitas versus germanischen Gau) seine Grenzen fand. In letzteren m√∂gen auch die g√§nzlich verschiedenen Entwicklungen im Hinblick auf Staatsaufbau und Staatsrecht gr√ľnden: Sie m√ľndeten im heutigen Frankreich als einer zentralistischen Pr√§sidialrepublik einerseits, in dem die Regionen und D√©partements im Wesentlichen blo√üe Verwaltungseinheiten sind, und in der Verfasstheit Deutschlands andererseits ‚Äď einer f√∂deralistischen parlamentarischen Republik mit weitreichenden Hoheitsrechten der Bundesl√§nder, die vielfach noch auf √ľberkommene Stammesgrenzen zur√ľckzuf√ľhren sind.

Mit den Kapitularien wurde zudem eine weitgehend einheitliche Gesetzgebung geschaffen, das Gerichtswesen und die Rechtsprechung reformiert (u. a. Einf√ľhrung von R√ľgezeugen und von Sch√∂ffen). Die Regierbarkeit von Karls Riesenreich sollten vor allem so genannte K√∂nigsboten, die missi dominici, sichern. Diese wurden meist paarweise entsandt (ein weltlicher und ein geistlicher Vertreter), um Anweisungen und Erlasse des K√∂nigs und Kaisers durchzusetzen. Sie konnten in einem zugeteilten Bezirk ggf. auch die unmittelbare Reichsgewalt aus√ľben.

Eine herausragende Rolle bei der Neuordnung und Festigung im Innern spielte die Kirche, die Karl durch den massiven Ausbau der klerikalen Infrastruktur (u. a. wurden zahlreiche neue Bist√ľmer gegr√ľndet, wobei sich Karl das Recht vorbehielt, die Bisch√∂fe selbst zu ernennen), durch umfangreiche Schenkungen, die Bekr√§ftigung des Zehntgebots und durch Reformen zum wahrscheinlich wichtigsten Band der Einheit seines Reiches machte. Die Einf√ľhrung der Metropolitanverfassung, die regelm√§√üige Abhaltung von Synoden und die Durchf√ľhrung von Visitationen, vor allem aber die Hebung des Bildungsstandes des Klerus waren die entscheidenden Ma√ünahmen zur Beseitigung kirchlicher Missst√§nde. Durch eine unter Leitung Benedikts von Aniane durchgef√ľhrte und unter Karls Nachfolger Ludwig dem Frommen weiter vorangetriebene monastische Reform wurden die Benediktregel (ora et labora) sowie einheitliche, die Regel erg√§nzende Consuetudines f√ľr die Kl√∂ster verbindlich. Erst jetzt kam es zu einer klaren Abgrenzung der M√∂nche vom Weltklerus. F√ľr die Kanonikerstifte und Domkapitel wurde die vita communis (das Gemeinschaftsleben von Br√ľdern) zwingend vorgeschrieben (Capitula e canonibus excerpta 813; Institutio canonicorum Aquisgranensis 816), wodurch auch hier eine strengere √úberwachung der Lebensf√ľhrung erm√∂glicht wurde, wenn auch die Regeln weniger asketisch ausgerichtet waren als in den Kl√∂stern. Die von Pippin in die Wege geleitete Liturgiereform nach r√∂mischem Vorbild wurde weitergef√ľhrt. Ziel war, das urspr√ľngliche, Papst Gregor dem Gro√üen zugeschriebene Sakramentar anstelle der im 8. Jahrhundert in Umlauf gekommenen sogenannten iunggelasianischen Sakramentare einzuf√ľhren. Papst Hadrian I. sandte auf Bitte Karls ein Musterexemplar nach Aachen, das Sacramentarium Gregorianum-Hadrianum; Benedikt von Aniane oder Alkuin verfassten zur Schlie√üung der L√ľcken des ganz auf den r√∂mischen Stationsgottesdienst zugeschnittenen Gregorianum-Hadrianum das Supplementum Anianense.

Das ehedem g√§nzlich uneinheitliche Geldwesen wurde ebenfalls reformiert. Die Goldbindung des Geldes wurde aufgegeben, der Silberdenar als reichsweit geltende verbindliche W√§hrung eingef√ľhrt. Ein Solidus bzw. Schilling waren 12 Denar; ein Pfund (libra), dessen Gewicht gegen√ľber dem antiken Ma√ü erh√∂ht wurde, entsprach 20 Solidi. In Karls M√ľnzordnung wurde festgelegt, dass aus einem Pfund Silber 240 Pfennige (Denare) gepr√§gt werden m√ľssen. Der angels√§chsische K√∂nig Offa von Mercien √ľbernahm zur gleichen Zeit diese Regelung, die in England bis 1971 in Kraft war.

Tod und Nachfolge

Karte: Die Eroberungen Karls des Großen

Nach altem fr√§nkischem Brauch ordnete Karl 806 seine Nachfolge durch einen Reichsteilungsplan, die sogenannte Divisio Regnorum. Nachdem seine beiden √§lteren S√∂hne jedoch fr√ľh verstorben waren, erhob Karl 813 seinen ‚Äď nach damaligem Verst√§ndnis ‚Äď einzigen legitimen Erben Ludwig den Frommen zum Mitkaiser; 814 folgte er seinem Vater in der Herrschaft.

Nach 47-j√§hriger Herrschaft starb Karl der Gro√üe am 28. Januar 814 in Aachen und wurde in der Pfalzkapelle, d. h. der Marienkirche beigesetzt (weiteres siehe im Abschnitt Grablege). Die Todesursache (Infekt mit Rippenfellentz√ľndung?) ist nicht mit letzter Sicherheit gekl√§rt, doch spricht Einhard, Vita Karoli Magni, Kap. 30, dazu passend von Fieber, zu welchem Schmerzen in der Seite hinzugekommen seien, so dass Karl nach siebent√§gigem Krankenlager verschieden sei.

Schon fr√ľhzeitig verstand sich Karl als der einzige rechtgl√§ubige Verteidiger und Wahrer der Christenheit, und folgerichtig w√ľrdigt ihn die Grabinschrift als imperator orthodoxus, der das regnum Francorum edel (nobiliter) erweitert habe.

Ehen und Nachkommen

Karls I. Ehe-, Sexual- und Familienleben stand in eklatantem Widerspruch zu den kirchlichen Moralvorstellungen und dem darauf aufbauenden Kirchenrecht. Schon die Versto√üung seiner ersten langobardischen Ehefrau und die anschlie√üende Wiederheirat mit der Alemannin Hildegard waren kirchenrechtlich anst√∂√üig, weil sie gegen das Unaufl√∂slichkeitsprinzip der Ehe verstie√üen. Schlimmer noch war aber aus kirchlicher Sicht, dass er au√üer mit seinen Ehefrauen auch sexuellen Umgang mit einer Reihe von Konkubinen pflegte, von denen einige den Status regelrechter Nebenfrauen hatten und ihm auch Nachkommen schenkten. Au√üerdem verhinderte Karl, m√∂glicherweise auch aus politischen Gr√ľnden, dass seine T√∂chter heirateten, duldete aber stillschweigend, dass sie mit Mitgliedern der Hofgesellschaft im Konkubinat lebten. Erst nach Karls Tod konnten diese Verh√§ltnisse offen kritisiert werden, zumal sein kirchlich erzogener Sohn Ludwig der Fromme daran Ansto√ü nahm und als eine seiner ersten Ma√ünahmen die Konkubinen seines Vaters und deren Kinder vom Hof verbannte und in Kl√∂stern unterbringen lie√ü.

Scharfe Kritik an Karls Verhalten √ľbt in diesem Zusammenhang die Visio Wettini, ein Visionsbericht √ľber die Gesichte, die der Reichenauer M√∂nch und Lehrer Wetti unmittelbar vor seinem Tode geschaut haben soll. Dem Bericht zufolge b√ľ√üt Karl f√ľr seine sexuellen Verfehlungen trotz all seiner sonstigen Verdienste in der H√∂lle, wenn auch seine Erl√∂sung in Aussicht gestellt wird. Die √úberlieferung des Berichts erfolgte in einer Prosafassung des Reichenauer Abtes Haito und in einer poetischen Fassung des Reichenauer M√∂nchs und sp√§teren Abtes Walahfrid Strabo.

Ehefrauen

Als Nebenfrauen sind bekannt:

  • Madelgard
  • Gerswind
  • Regina (800)
  • Adelind (806)

Nachfahren

Darstellung Karls des Großen in der Chronik des Ekkehard von Aura um 1112/14, Cambridge Corpus Christi, Ms 373, fol. 24r
  • aus seiner Ehe mit Hildegard:
    • Karl der J√ľngere (* 772/773, ‚Ć 811) 788 K√∂nig in Neustrien
    • Adalhaid (* September 773/Juni 774, ‚Ć Juli/August 774 in S√ľdgallien)
    • Rotrud (* wohl 775, ‚Ć 6. Juni 810)
      Bei Karls Sekret√§r Einhard hei√üt es, sowohl Rotrud als auch Bertha seien unverheiratet geblieben. M√∂glicherweise lebten beide T√∂chter jedoch in Friedelehen, die f√ľr Einhard nicht standesgem√§√ü und somit nicht legitim waren.
    • Karlmann (* 777, ‚Ć 8. Juli 810), als Pippin K√∂nig von Italien
    • Ludwig der Fromme (* 778, ‚Ć 840)
      Ludwig I., der Fromme, dessen Linie historisch bedeutsam bleibt, ist seinerseits Vater von Lothar I. (* 795; † 855), Pippin I. (König von Aquitanien, † 838), Ludwig II. († 876), Karl II. (König des Westfrankenreichs, Kaiser 875, † 877) und Gisela (vermählt mit Eberhard von Friaul).
    • Lothar (* Juni/August 778 in Chasseneuil bei Poitiers, ‚Ć 779)
    • Bertha (* 779/780, ‚Ć nach 14. Januar 828), 814 vom Hof verwiesen
      Bertha hatte eine Beziehung mit Karls Hofgeistlichem Angilbert, aus der die Kinder Nithard (*um 790; ‚Ć 844/45) und Hartnid (‚Ć 813) hervorgingen. Berthas Liaison war Vorbild f√ľr die Sage von Eginhard und Emma.
    • Gisela (* 781 vor Mai, ‚Ć nach 800)
    • Hildegard (* 782 nach 8. Juni, ‚Ć zwischen 1. und 8. Juni 783)
  • aus seiner Ehe mit Fastrada:
  • von einer unbekannten Frau:
    • Hruodhaid (* wohl 787, ‚Ć nach 800)
  • aus seiner Verbindung mit Madelgard:
    • Ruothild (‚Ć 24. M√§rz 852), √Ąbtissin von Faremoutiers
  • aus seiner Verbindung mit Gerswind:
    • Adalthrud
  • aus seiner Verbindung mit Adelind:
    • Theoderich (* 807, ‚Ć nach 818), 818 geistlich

Kulturelle Bedeutung

Die Epoche Karls des Gro√üen, aber auch er ganz pers√∂nlich hat wesentlich dazu beigetragen, dass der kulturelle Niedergang, der als Folge der V√∂lkerwanderung, des Untergangs des Westr√∂mischen Reiches und der im Fr√ľhen Christentum zu beobachtenden bildungsfeindlichen Tendenzen in weiten Teilen Europas eingetreten war, aufgehalten und umgekehrt wurde. Die Eroberung gro√üer Teile Europas er√∂ffnete Karl die M√∂glichkeit, auf der Grundlage der lateinischen Sprache und Schriftkultur, der antiken √úberlieferung und des Christentums eine kulturelle √úberformung des gesamten Reiches herbeizuf√ľhren, die bis heute nachwirkt und die Entwicklung Europas anders als etwa Asiens oder Afrikas zu einem bei allen regionalen Unterschieden vergleichsweise einheitlichen Kulturraum in die Wege geleitet hat. Auch Gebiete, die nie zum r√∂mischen Reich geh√∂rt hatten und keinen Anteil an der antiken Stadtkultur besa√üen wie weite Teile des heutigen Deutschland, wurden von dieser kulturellen Bewegung erfasst, deren wichtigste Tr√§ger die vom Herrscher aktiv gef√∂rderten Klosterschulen waren (S. oben Reformen).

Karolingische Renaissance

Das Signum Karls des Gro√üen unter einer am 31. August 790 in Kostheim ausgefertigten Urkunde: Eigenh√§ndig ist nur der v-f√∂rmige Vollziehungsstrich innerhalb des rautenf√∂rmigen O, durch den die obere H√§lfte des O zugleich als A (f√ľr KAROLVS) gelesen werden soll. Der lineare Text beiderseits des Kreuzrhombus-Monogramms lautet Signum Karoli gloriosissimi regis (‚ÄěSiegel des √ľberaus glorreichen K√∂nigs Karl‚Äú).

Im Geistesleben ist Karls Herrschaft als Karolingische Renaissance bekannt. Kunst, Literatur und Architektur erfuhren einen ungemeinen Aufschwung.

An seinem Hof versammelte Karl bedeutende Gelehrte seiner Zeit, unter anderem den Angelsachsen Alkuin als Leiter der Hofschule, den Langobarden Paulus Diaconus, Petrus von Pisa, den Westgoten Theodulf von Orl√©ans sowie Angilbert und Einhard (auch: Eginhard ‚Äď im angels√§chsischen Sprachraum wird er regelm√§√üig so genannt). Hildebold, der erste Erzbischof von K√∂ln, war Karls Kanzler und Erzkaplan seines Hofes. Die von Karls Hof gef√∂rderte karolingische Minuskel (Carolina), eine aus Kleinbuchstaben gebildete Buchschrift, war u. a. Vorbild f√ľr die heute noch vielfach gebr√§uchliche Antiqua. Es entstand hier unter aktiver Beteiligung des Herrschers f√ľr wenige Jahrzehnte ein geistiges Zentrum mit einer √§u√üerst stimulierenden geistigen Atmosph√§re und einer Ausstrahlung in alle Teile des Reiches hinein. Seine Vitalit√§t und Kreativit√§t verdankte es dem pers√∂nlichen Interesse des Herrschers ebenso wie dem Engagement der davon befl√ľgelten beteiligten Gelehrten, Literaten und K√ľnstler, vor allem aber dem Umstand, dass ein Bildungsbegriff die gemeinsame Grundlage darstellte, der allen in dieser Hinsicht fruchtbaren Epochen gemeinsam ist, n√§mlich die √úberzeugung vom Eigenwert der Bildung jenseits aller Verwertbarkeit f√ľr machtpolitische, kirchliche, theologische oder √∂konomische Zwecke, die man gleichwohl nat√ľrlich auch im Blick hatte. Die Septem Artes liberales, deren Wiederherstellung im vollen Umfang der in der Sp√§tantike entwickelten Konzeption das Ziel war, stellten gerade kein zweckorientiertes, auf unmittelbare Anwendbarkeit technischer Fertigkeiten ausgerichtetes abgeschlossenes Lernprogramm dar, sondern vermittelten eine formale Bildung mit sprachlich-literarischem Schwerpunkt als Ausgangsbasis f√ľr einen lebenslangen offenen Prozess eigenverantwortlicher Weiterbildung auch nach Abschluss der eigentlichen Ausbildungsphase, der nicht engstirnige Spezialisten, sondern selbst√§ndige, zur √úbernahme von Leitungfunktionen und Verantwortung bef√§higte Pers√∂nlichkeiten mit dem erforderlichen allgemeinen Bildungshintergrund und entsprechend geweitetem geistigen Horizont hervorbringen sollte. ‚ÄěMir ist vollkommen klar, dass Bildung um ihrer selbst willen erstrebenswert ist,‚Äú so bringt der vielleicht ausgepr√§gteste ‚ÄěHumanist‚Äú unter den karolingischen Gelehrten, Lupus von Ferri√®res, in seinem ber√ľhmten Vorstellungsbrief an Einhard (Lupus, epist. 1, 5) um 830 wehm√ľtig auf die goldenen Zeiten unter Karl dem Gro√üen zur√ľckblickend diese unter Ludwig dem Frommen bereits wieder gef√§hrdete Bildungsidee der karolingischen Renaissance voller Sorge um die Zukunft geradezu beschw√∂rend auf den Punkt. Dass dies kein blo√ües Lippenbekenntnis war, l√§sst sich an den Werken ablesen, mit denen sich Lupus und andere seinesgleichen besch√§ftigten und die sie selber verfassten.

Nach Einhard, Vita Karoli Magni, Kap. 29, war Karl der Gro√üe auch an der Pflege seiner Muttersprache (lingua propria) sehr interessiert, also des westgermanischen Idioms der Franken (vgl. Ripuarische Dialektgruppe, Moselfr√§nkische Dialektgruppe, Fr√§nkische Sprache). So gab Karl bei seinen Gelehrten angeblich eine Grammatik seiner Muttersprache in Auftrag. Dabei mag es sich auch nur um eine Buchstabenkunde gehandelt haben. Au√üerdem lie√ü Karl barbarische (d. h. germanische bzw. volkssprachliche) und sehr alte Heldenlieder, in welchen die Taten und Kriege alter K√∂nige besungen wurden, aufschreiben. In welcher Sprache und Form diese Niederschrift zu denken ist (Latein oder Althochdeutsch, Regesten oder Liedform), ist unklar. Diese Sammlung ist aus unbekannten Gr√ľnden nicht erhalten geblieben; Karls Sohn Ludwig der Fromme wurde in der Neuzeit manchmal zu Unrecht f√ľr ihren Verlust verantwortlich gemacht. Im genannten Kapitel bei Einhard wird weiter davon berichtet, dass Karl die lateinischen Bezeichnungen der Winde und die Monatsnamen selbst ins Fr√§nkische √ľbersetzte, z. B. nannte er den Januar Wintermonat (Wintarmanoth), den Mai Weidemonat (Wunnimanoth), den Dezember Heiligmonat (Heilagmanoth). Auch die Sammlung der wichtigsten Rechtstexte, sowohl der Volks- und Stammesrechte als auch der Kapitularien, wurde veranlasst. Wichtige kirchliche Texte wie die lateinische Bibel, die sogenannte Vulgata, die Benediktsregel und das Sakramentar Gregors des Gro√üen wurden von sprachlichen Verwilderungen gereinigt und in Musterexemplaren zur Vervielf√§ltigung bereitgestellt. Von der Hofbibliothek aus wurden seltene Texte den Kathedral- und Klosterbibliotheken zur Abschrift zur Verf√ľgung gestellt. Buchbest√§nde wurden in B√ľcherverzeichnissen erfasst und Desideratalisten erstellt. All diese Aktivit√§ten intendierten zun√§chst einmal die systematische Sichtung, Erfassung und Bestandssicherung der gesamten √ľberlieferten Kulturtradition, um auf diesem Fundament weiterbauen zu k√∂nnen.

Kirchen und Klöster, Pfalzen und Paläste

Karls Biograph und Leiter der Hofschule Einhard (als Nachfolger Alkuins, der 796 den Hof verlie√ü und Abt von Saint-Martin de Tours wurde, m√∂glicherweise im Zusammenhang mit seiner offenen Kritik an des K√∂nigs Vorgehen gegen die Sachsen), berichtet auch von seiner umfangreichen Baut√§tigkeit, in erster Linie die ‚Äěwunderbare‚Äú Pfalzkapelle in der Aachener Pfalz, die in den letzten 20 Jahren seines Lebens seine Lieblingspfalz wurde, sozusagen eine Art ‚ÄěHauptstadt‚Äú n√∂rdlich der Alpen. F√ľr sie soll er sogar S√§ulen und gro√üartige Marmorteile aus Rom und Ravenna herbeischaffen haben lassen.[6] Auch eine Reiterstatue Theoderichs lie√ü er aus Ravenna nach Aachen √ľberf√ľhren, woran Walahfrid Strabo in seinem Gedicht De imagine Tetrici postum Kritik √ľbte. Au√üerdem hebt Einhard eine h√∂lzerne Rheinbr√ľcke bei Mainz hervor (die aber leider bald wieder abgebrannt sei) und den Beginn zweier (Pfalz-) Pal√§ste bei Ingelheim und Nijmegen.[7]

Die Kl√∂ster u. a. in St. Gallen (heute Schweiz) und auf der Insel Reichenau (Bodensee) (siehe auch: Kloster Reichenau), im einverleibten Bayern St. Emmeram bei Regensburg, in Freising und am Tegernsee (wichtigste Benediktinerabtei Oberbayerns, 817 zu den wohlhabendsten Kl√∂stern im Reich Kaiser Ludwigs des Frommen gez√§hlt), im heute √∂sterreichischen Mondsee (dort war auch Salzburg seit den Awarenkriegen 791 bis 799 ein Zentrum der Mission) wie auch in Fulda und in Trier wurden neu gegr√ľndet, zu Abteien erhoben oder erfuhren eine erhebliche Steigerung ihrer Bedeutung. Sie waren Haupttr√§ger der Bildungsreform, die Karl in die Wege leiten lie√ü, und wurden deshalb vielfach ausgebaut und erweitert. F√ľr St. Gallen z. B. war die Zeit vom 9. bis zum 10. Jahrhundert das Goldene Zeitalter. Das dort um das Jahr 790 entstandene lateinisch-deutsche W√∂rterbuch Abrogans gilt als das √§lteste deutsche Buch √ľberhaupt. M√∂nche waren es schlie√ülich auch, die Anfang des 9. Jahrhunderts die Edelrose nach Mitteleuropa einf√ľhrten und den Gartenbau im Allgemeinen betr√§chtlich professionalisierten.

Capitulare de villis

Eine ber√ľhmte Quelle f√ľr die Wirtschafts-, speziell die Agrar- und Gartenbaugeschichte, ist die Landg√ľterverordnung ‚ÄěCapitulare de villis vel curtis imperii‚Äú, die Karl der Gro√üe als detaillierte Vorschrift √ľber die Verwaltung der Krong√ľter erlie√ü. Im 70. Kapitel des Capitulare sind 73 Nutzpflanzen einschlie√ülich Heilkr√§uter und 16 verschiedene Obstb√§ume beschrieben, die in allen kaiserlichen G√ľtern von den Verwaltern anzupflanzen waren. Auch hier wird auf Schriftlichkeit der Verwaltung und regelm√§√üige Rechenschaftslegung gedrungen.

Nachleben

Unter den Herrschern des Mittelalters steht Karl I. auch hinsichtlich des Umfangs und der Bedeutung seines Nachlebens selbst im Vergleich mit Otto dem Großen, Friedrich Barbarossa oder Friedrich II. einzigartig da.[8] Dieses beginnt strenggenommen bereits mit der auf Bewahrung der Memoria und Sicherung des Gebetsgedenkens hin ausgerichteten Grablege in der Aachener Pfalzkapelle.

Grablege

Karl der Gro√üe wurde noch an seinem Todestag in der Aachener Pfalzkapelle bestattet.[9] Der genaue Ort ist unbekannt; lange Zeit galt das ehemalige Atrium (d. h. der heutige Westbau der Aachener Domkirche) als die wahrscheinlichste Stelle. Allerdings wurde w√§hrend einer drei Jahre andauernden Suche bis zum Mai 2010 kein Grab im Bereich des heutigen Domes gefunden. Die √§ltesten Funde im heutigen Westbau werden auf das 13. Jahrhundert zur√ľckdatiert und sind demnach deutlich j√ľnger als ein m√∂gliches Karlsgrab. Laut Aussagen der Arch√§ologen besteht jedoch die M√∂glichkeit, dass das Grab noch weiter westlich, unter dem heutigen Domhof, liegen k√∂nnte.[10]

Karlsschrein im Aachener Dom

Nach dem Bericht Einhards stellte man √ľber dem Grab einen vergoldeten Arkaden-Bogen mit einem (Karls-)Bild und einer Inschrift auf. Dieses Monument wurde vermutlich kurz vor dem Normanneneinfall von 882 entfernt, damit Karls Grab nicht gefunden und gepl√ľndert werden konnte. Bei seinem Aachen-Aufenthalt im Mai 1000 lie√ü Otto III. das Grab Karls des Gro√üen suchen und √∂ffnen. Drei Quellen zufolge (Chronik des Thietmar von Merseburg, Chronik von Novalese, Chronik des Ademar von Chabannes) wurde bei dieser Grab√∂ffnung Karls Leichnam in einer Grabkammer auf einem Thron sitzend gefunden. Die Glaubw√ľrdigkeit dieser Angabe hat gro√üe Kontroversen ausgel√∂st, da eine Sitzbestattung Karls auf einem Thron im Jahre 814 sehr ungew√∂hnlich gewesen w√§re und auch durch den arch√§ologischen Befund nicht erh√§rtet wird.

Bei Karls Heiligsprechung im Jahre 1165 und der damit verbundenen ‚ÄěErhebung‚Äú seiner Gebeine musste sein Grab ein zweites Mal gesucht werden. Nach Angabe des Kaisers Friedrich I. Barbarossa verhalf dabei eine ‚Äěg√∂ttliche Eingebung‚Äú zur Auffindung des zum Schutz vor Feinden unkenntlich gemachten Grabes.[11] Barbarossas Enkel Friedrich II. √ľberf√ľhrte 1215 die Gebeine Karls des Gro√üen in den vergoldeten Karlsschrein, der heute im Chor des Aachener Doms steht.

Proserpina-Sarkophag im Aachener Dom

Umstritten ist, wann Karls Gebeine in dem ebenso ber√ľhmten, heute in der Aachener Domschatzkammer ausgestellten r√∂mischen Proserpina-Sarkophag aus dem 2. Jahrhundert bestattet wurden. H√§germann h√§lt eine 814 erfolgte Beisetzung Karls in diesem Sarkophag f√ľr fraglich, da f√ľr 814 die Bodenbestattung Karls sicher bezeugt ist, nicht aber der Marmorsarkophag; au√üerdem habe man einen so pr√§chtigen reliefgeschm√ľckten Sarkophag schwerlich im Kirchenboden versenkt. H√§germann vermutet daher, dass der Proserpina-Sarkophag erst 1165 nach Aufdeckung des Karlsgrabes durch Friedrich I. Barbarossa zur Aufbewahrung der Gebeine Karls benutzt wurde, bis diese dann sp√§ter teils in den vergoldeten Karlsschrein, teils in ein Armreliquiar gelangten.[12]

Sagen

Statue Karls des Gro√üen in der Krypta des Z√ľrcher Grossm√ľnsters

Um das Leben und Wirken Karls des Gro√üen entstanden nach seinem Tod viele Sagen, unter anderem der Karlszyklus mit dem Rolandslied. Als lateinisches Pendant zum altfranz√∂sischen Rolandslied wurde zwischen 1130 und 1140 die Historia Karoli Magni et Rotholandi geschrieben, heute besser bekannt unter dem Namen Pseudo-Turpin, da der Text den Erzbischof Turpin (auch: Tilpin) von Reims (Amtszeit etwa 748 bis 794) als seinen Verfasser ausgibt. Neben dem Rolandstoff enth√§lt der Pseudo-Turpin die Legende, dass Karl nach Santiago de Compostela zum Grab des hl. Jakobus gezogen sei und es von den Sarazenen befreit habe. Der historische Karl ist demgegen√ľber nie nach Compostela gekommen, und seine K√§mpfe im Norden Spaniens im Jahre 778 verliefen nicht sehr ruhmreich, vgl. oben unter Kriegsz√ľge gegen die Mauren. Um 1200 wurde die Historia Karoli Magni et Rotholandi von einem unbekannten Verfasser unter dem Titel Karolellus in Hexameter √ľbertragen.[13]

Weiter entstand im Hochmittelalter die Legende, dass Karl der Gro√üe ins Heilige Land gezogen sei, die Heiden aus Jerusalem vertrieben habe und daf√ľr wertvolle Reliquien geschenkt bekommen habe, darunter die Dornenkrone Christi. Nachdem das Motiv der Orientreise Karls bereits in der Chronik Benedikts von S. Andrea am Ende des 10. Jahrhunderts erscheint, begegnet die voll ausgebildete Legende erstmals in der 1053/54 im Kloster Saint-Denis verfassten Descriptio clavi et corone domini (lat.: Beschreibung des [Kreuz-]nagels und der [Dornen-]krone des Herrn). Der historische Karl ist jedoch niemals nach Jerusalem gereist, hatte aber tats√§chlich f√ľr seine diplomatischen Bem√ľhungen um das Wohlergehen der Christen im Heiligen Land einige Reliquien aus dem heiligen Grab erhalten.[14]

Die Gr√§ber der Z√ľrcher Stadtpatrone Felix und Regula sollen von Karl dem Gro√üen wieder entdeckt worden sein. Dieser habe einst einen Hirsch von Aachen bis nach Z√ľrich verfolgt, als sein Pferd pl√∂tzlich in die Knie ging, um den Gr√§bern der Heiligen die Reverenz zu erweisen. Karl habe darauf die Gebeine heben lassen und zur Ehre der Heiligen die Kirche und die Propstei Grossm√ľnster gegr√ľndet. Die Gr√§ber der Heiligen waren bis zur Reformation in der sog. Zw√∂lfbotenkapelle f√ľr die Pilger zug√§nglich. In der gleichen Kapelle wurden auch Reliquien Karls des Gro√üen aufbewahrt, die 1233 nach Z√ľrich √ľberf√ľhrt worden waren.

Heiligsprechung

Auf Betreiben Kaiser Friedrich Barbarossas wurde Karl am 29. Dezember 1165 durch Rainald von Dassel, den Erzbischof von K√∂ln, unter Billigung des Gegenpapstes Paschalis III., heilig gesprochen. Diese Heiligsprechung wurde von Papst Alexander III. nicht akzeptiert, so dass sein Gedenktag (28. Januar) nie offiziell anerkannt wurde. Doch hat die Kurie danach nie Einspruch gegen diese Heiligsprechung erhoben; vielmehr wird seit 1176 die Verehrung Karls als Heiligen von der katholischen Kirche geduldet. Die Karlsverehrung hatte ihren H√∂hepunkt im sp√§ten Mittelalter. Heute noch tragen Kirchen Karls Namen, so etwa die Pfarrkirche im westf√§lischen Wiedenbr√ľck St. Caroli Magni et beati Aegidii.

Im Aachener Dom und im Frankfurter Kaiserdom wird j√§hrlich am 28. Januar ein Karlsamt nach einer aus dem 15. Jahrhundert √ľberlieferten Liturgie gehalten. Bestandteile des Karlsamt sind die Karlssequenz, ein lateinischer Lobgesang auf die Stadt und den Kaiser, sowie die ebenfalls lateinischen Kaiserlaudes mit Huldigungsrufen an Christus und F√ľrbitten f√ľr Kirche, Papst, Bischof, das deutsche Volk und alle Regierenden. Die Predigt h√§lt ein Mitglied einer europ√§ischen Bischofskonferenz.[15]

Bildliche Darstellungen

Idealbild Karls des Gro√üen mit erst lange nach seinem Tod hergestellten Teilen der Reichskleinodien, gemalt 1513 von Albrecht D√ľrer im Auftrag seiner Vaterstadt N√ľrnberg

Von Karl dem Gro√üen ist kein zeitgen√∂ssisches Bildnis √ľberliefert. Eine der √§ltesten Darstellungen Karls findet sich im Sakramentar Karls des Kahlen aus der Zeit um 870, das ihn in karolingischer Kleidung zeigt und somit eine repr√§sentative Darstellung eines Hochadeligen der Karolingerzeit bietet (siehe oben). Eine Kopie des 10. Jahrhunderts nach verlorenem Original aus der Zeit Ludwigs des Frommen zeigt Karl den Gro√üen im Disput mit K√∂nig Pippin von Italien. Aus der Zeit Karls des Kahlen (j√ľngere Metzer Schule um 870) stammt die ber√ľhmte bronzene Reiterstatuette des Louvre in Paris, die wahrscheinlich als ein Erinnerungbild Karls des Gro√üen, m√∂glicherweise aber auch als eine Darstellung Karls des Kahlen selbst anzusprechen ist.

Seitdem wurden jeweils dem Stil der jeweiligen Zeit entsprechende Imaginationen √ľber Karl und sein Aussehen produziert, die jedoch nichts mit der Realit√§t zu tun hatten, daf√ľr aber wichtige Zeugnisse der Rezeptionsgeschichte darstellen und als Projektionen von Sehns√ľchten, Legitimationsbed√ľrfnissen und Machtphantasien der jeweiligen Zeit auf je eigene Geschichtsbilder zu interpretieren sind. Typisch f√ľr diese Darstellungen der Historienmalerei, die seit dem 19. Jahrhundert, dem Zeitalter des Historismus, durchaus mit einem wissenschaftlichen Wahrheitsanspruch auftrat ‚Äď Theoretiker der Gattung wie Max Schasler[16] bem√ľhten die Kategorie des Wahrscheinlichen ‚Äď und sogar Eingang in die Geschichtsb√ľcher der Zeit fand, sind z. B. Albrecht D√ľrers Bildtafel, die sich heute im Germanischen Nationalmuseum befindet, oder die Fresken Alfred Rethels im Rathaussaal zu Aachen (Entw√ľrfe 1840-45;[17] Ausf√ľhrung 1847-51; nach Rethels Erkrankung Vollendung des Zyklus durch Rethels Sch√ľler Joseph Kehren in abweichender Stilisierung). Auch im Frankfurter R√∂mer (Philipp Veit) und in der M√ľnchner Residenz (Julius Schnorr von Carolsfeld) entstanden damals Kaisers√§le mit Bildnissen Karls I..[18]

Eine historisierende Skulptur Karls des Gro√üen hat Johann Nepomuk Zwerger 1843 f√ľr die Alte Br√ľcke in Frankfurt am Main geschaffen, offensichtlich in Anlehnung an das D√ľrer-Portrait.

Auffällig ist die wortwörtlich zu verstehende Überhöhung seiner Person schon in der Ottonenzeit.

Von europ√§ischer Bedeutung ist der 1996 gefundene goldene Solidus, die bisher einzige gefundene Goldm√ľnze mit dem Bildnis Karls des Gro√üen, die im Museum der Ingelheimer Kaiserpfalz verwahrt wird.

Beispiele f√ľr Statuen und Denkmale Karls:

Eine Gedenktafel f√ľr ihn fand Aufnahme in die Walhalla bei Regensburg.

Der Name als Titel

√Ąhnlich wie die Eigennamen Caesars und Augustus' sp√§ter zu Herrschertiteln wurden, fand vermutlich auch der Name Karls des Gro√üen Eingang in viele slawischen Sprachen: Abgeleitet von der lateinischen Form Carolus wurde im Russischen korol, im Polnischen kr√≥l, im Tschechischen kr√°l und im Serbischen, Kroatischen und Slowenischen kralj zur Bezeichnung f√ľr K√∂nig. Der t√ľrkische Begriff kral f√ľr K√∂nig stammt ebenfalls von Karl ab.

Wiederentdeckter, möglicher Karlsthron

Im Februar 2005 entdeckte die Arch√§ologin Mechthild Schulze-D√∂rrlamm vom R√∂misch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz in einem Magazin des dortigen Landesmuseums das Fragment einer mit Randdekoren verzierten Seitenlehne eines Kalksteinsitzes, der √ľbereinstimmend als K√∂nigsthron, in diesem Zusammenhang m√∂glicherweise Karls des Gro√üen, interpretiert wird. Gegen diese Interpretation spricht allerdings, dass Mainz als karolingische Kaiserpfalz nicht belegt ist. Aufgrund der Dekoration wird das Fragment in die zweite H√§lfte des 8. Jahrhunderts datiert. Damit war es m√∂glicherweise Teil eines Thrones, der √§lter als der Aachener K√∂nigsthron Karls des Gro√üen ist und der lange Zeit als √§ltester Thron auf dem Gebiet des heutigen Deutschland galt.

Das Fragment lagerte nach seiner Ausgrabung im Jahre 1911 unerkannt im Magazin des Museums. Gefunden wurde es in der Mainzer Innenstadt; sein Fundort lag in der Nähe des im Jahre 1880 bei Straßenbauarbeiten entdeckten Kaiserinnenschmucks aus der Mitte des 11. Jahrhunderts sowie in der Nähe eines weiteren Schatzfundes aus dem Jahre 1904.

Quellen

  • Einhard: Vita Karoli Magni. Das Leben Karls des Gro√üen, √ľbersetzt von Evelyn Scherabon Firchow. Stuttgart 1995. ISBN 3-15-001996-6 (lat./dt.)
  • Notker der Stammler: Notkeri Gesta Karoli - Notker Taten Karls (lateinisch - deutsch), in: Ausgew√§hlte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters (Freiherr-vom-Stein-Ged√§chtnisausgabe, Bd. 7), Darmstadt 1960, S. 321-427.
  • Annales regni Francorum. In: Quellen zur karolingischen Reichsgeschichte, Teil 1. Neu bearbeitet von Reinhold Rau (Ausgew√§hlte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters, FSGA, Bd. 5). Darmstadt 1974.
  • Annales Mettenses priores

Literatur

I. Leben und Lebenswerk

  • Sigurd Abel/Bernhard Simson: Jahrb√ľcher des Fr√§nkischen Reiches unter Karl dem Gro√üen. 2 Bde., Berlin 1969 (ND von 1883/1888). (Details der Ereignisgeschichte, ausf√ľhrliche Quellenangaben)
  • Alessandro Barbero: Karl der Gro√üe. Vater Europas. Klett-Cotta, Stuttgart 2007, ISBN 3-608-94030-8. (Italienische Originalausgabe 2000).
  • Matthias Becher: Karl der Gro√üe. 5. aktualisierte Aufl. Beck, M√ľnchen 2007. ISBN 3-40643-320-0 (sehr knappe Einf√ľhrung mit kommentierter Kurzbibliographie)
  • Wolfgang Braunfels u.a. (Hrsg.): Karl der Gro√üe. Lebenswerk und Nachleben. 4 Bde. und Registerband, D√ľsseldorf 1967. (immer noch ma√ügebliches Referenzwerk)
  • Paul L. Butzer u. a. (Hrsg.): Karl der Gro√üe und sein Nachwirken. 1200 Jahre Kultur und Wissenschaft in Europa. Bd. 1-2. Brepols, Turnhout 1997. ISBN 2-503-50673-9 (systematische Behandlung aller Aspekte der karolingischen Renaissance, insbesondere der mathematischen und Naturwissenschaften)
  • Roberto Cassanelli, Eduard Carbonell (Hrsg.): Von Mohammed zu Karl dem Gro√üen. Aufbruch ins Mittelalter. Theiss, Stuttgart 2001, ISBN 3-80621-580-4
  • Peter Classen: Karl der Gro√üe, das Papsttum und Byzanz. Die Begr√ľndung des karolingischen Kaisertums. Hrsg. von H. Fuhrmann und C. M√§rtl. (= Beitr√§ge zur Geschichte und Quellenkunde des Mittelalters; Bd. 9). 2. Auflage. Thorbecke, Sigmaringen 1988, ISBN 3-7995-5709-1 (ma√ügebliche Arbeit zum Kaisertum und zur Kaiserkr√∂nung)
  • Roger Collins: Charlemagne. Macmillan, Basingstoke u.a. 1998, ISBN 0-333-65054-9.
  • Jacques Delpierr√© de Bayac: Karl der Gro√üe. Leben und Zeit. Neff, Wien und Berlin 1976, ISBN 3-7014-0123-3 (Lizenzausgabe: Pawlak, Herrsching 1986, ISBN 3-88199-313-4)
  • Siegfried Epperlein: Karl der Gro√üe. Eine Biographie. 9. Auflage. Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1982.
  • Franz-Reiner Erkens: Karl der Gro√üe und das Erbe der Kulturen. Akten des 8. Symposiums des Medi√§vistenverbandes Leipzig 15.-18. M√§rz 1999. Akademie Verlag, Berlin 2001. ISBN 3-05-003581-1
  • Gustav Faber: Auf den Spuren von Karl dem Gro√üen. Paul List, M√ľnchen 1984, ISBN 3-471-77534-X
  • Johannes Fried: Der Weg in die Geschichte. Die Urspr√ľnge Deutschlands. Bis 1024. (Propyl√§en Geschichte Deutschlands, Bd. 1). Ullstein Propyl√§en, Frankfurt am Main Berlin 1994, S. 244-341; S. 666ff. ISBN 3-549-05811-X (gedankenreiche, aber unkonventionelle, oft von der communis opinio abweichende Darstellung)
  • Johannes Fried u. a. (Hrsg.): 794 ‚Äď Karl der Gro√üe in Frankfurt. Ein K√∂nig bei der Arbeit. Ausstellung zum 1200-Jahre-Jubil√§um der Stadt Frankfurt am Main. Thorbecke, Sigmaringen 1994. ISBN 3-7995-1204-7
  • Reinhard Friedrich (Hrsg.): Karl der Gro√üe in Ingelheim. Bauherr der Pfalz und europ√§ischer Staatsmann. Ausstellungskatalog. (= Beitr√§ge zur Ingelheimer Geschichte; Heft 43). Historischer Verein, Ingelheim 1998, ISBN 3-00-003290-8 (darin u. a. Matthias Becher: Das Geburtsdatum Karls des Gro√üen, S. 19ff.)
  • Peter Godman, J√∂rg Jarnut, Peter Johanek (Hrsg.): Am Vorabend der Kaiserkr√∂nung. Das Epos ‚ÄěKarolus Magnus et Leo Papa‚Äú und der Papstbesuch von 799. Akademie Verlag, Berlin 2002.
  • Dieter H√§germann: Karl der Gro√üe. Herrscher des Abendlandes. Econ, Berlin 2000, ISBN 3-54905-826-8 (Rezensionen)
  • Wilfried Hartmann: Karl der Gro√üe. Kohlhammer, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-17-018068-0. (Rezension)
  • Friedrich Heer: Karl der Gro√üe und seine Welt. Molden, Wien u. a. 1977, ISBN 3-217-00701-8
  • Max Kerner: Karl der Gro√üe. Entschleierung eines Mythos. 2. Aufl. B√∂hlau, K√∂ln 2001, ISBN 3-412-10699-2.
  • Rosamond McKitterick: Karl der Gro√üe. (Gestalten des Mittelalters und der Renaissance). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2008 (Charlemagne. The Formation of a European Identity, Cambridge 2008). (Aktuelle Darstellung, die auf umfassender Quellen-, Handschriften- und Literaturkenntnis beruht; (Rezension bei H-Soz-u-Kult) sowie (kritische Rezension in Concilium medii aevi 11 (2008), S. 1019‚Äď1025.)
  • Pierre Rich√©: Die Karolinger. Eine Familie formt Europa. Reclam, Stuttgart 1999, ISBN 3-15010-463-7 (Standardwerk zur Geschichte der Karolinger)
  • Rudolf Schieffer: Die Karolinger. 4., √ľberarbeitete und erweiterte Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 2006, ISBN 3-17-019099-7 (knapper, aber sehr zuverl√§ssiger und seri√∂ser √úberblick)
  • Rudolf Schieffer: Neues von der Kaiserkr√∂nung Karls des Gro√üen (Sitzungsbericht der bayerischen Akademie der Wissenschaften. Philologisch-historische Klasse 2004, 2). M√ľnchen 2004. (kritische Stellungnahme zu neuen Thesen zur Kaiserkr√∂nung)
  • Christoph Stiegemann, Matthias Wemhoff (Hrsg.): 799. Kunst und Kultur der Karolingerzeit. Karl der Gro√üe und Papst Leo III. in Paderborn. Katalog der Ausstellung in Paderborn 1999. 3 B√§nde. Philipp von Zabern, Mainz 1999, ISBN 3-80532-456-1 (weit √ľber die Paderborner Ereignisse hinausgreifend. Unentbehrliche Erg√§nzung zum Karlswerk von Braunfels).
  • Joanna Story (Hrsg.): Charlemagne. Empire and Society. Manchester University Press, Manchester 2005, ISBN 0-7190-7088-0 (Aufsatzband zu Schl√ľsselthemen)

II. Nachleben und Bildtradition

  • Gerd Althoff (Hrsg.): Die Deutschen und ihr Mittelalter. Themen und Funktionen moderner Geschichtsbilder vom Mittelalter. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1992 (darin v. a. der Beitrag von Frank B√ľttner: Geschichte f√ľr die Gegenwart? - Der Streit um die Karlsfresken Alfred Rethels, S. 101‚Äď126)
  • Bernd Bastert (Hrsg.): Karl der Gro√üe in den europ√§ischen Literaturen des Mittelalters. Konstruktion eines Mythos. Max Niemeyer, T√ľbingen 2004.
  • Wolfgang Braunfels u.a. (Hrsg.): Karl der Gro√üe. Lebenswerk und Nachleben, Bd. 4 Nachleben. L. Schwann, D√ľsseldorf 1967.
  • Ellen J. Beer u. a.: Rudolf von Ems: Weltchronik/Der Stricker: Karl der Grosse. Faksimile- und Kommentarband. Faksimile Verlag, Luzern 1982, ISBN 3-85672-020-0 (vgl. dazu 1)
  • Wolfgang Braunfels: Karl der Gro√üe. In: Lexikon der christlichen Ikonographie, Bd. 7. Herder, Rom u. a. 1974, Sp. 276-282 (zu Kult und Bildtradition)
  • Paul L. Butzer u. a. (Hrsg.): Karl der Gro√üe und sein Nachwirken. (s. oben).
  • Philippe Depreux: Karl der Gro√üe. Die Geburt Europas. Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2004, ISBN 3-8067-4865-9
  • Franz-Reiner Erkens (Hrsg.): Karl der Gro√üe in Renaissance und Moderne. Zur Rezeptionsgeschichte und Instrumentalisierung eines Herrscherbildes (Das Mittelalter. Perspektiven medi√§vistischer Forschung. Zeitschrift des Medi√§vistenverbandes 4, 1999, Heft 2). Akademie Verlag, Berlin 1999.
  • Franz-Reiner Erkens: Karl der Gro√üe und das Erbe der Kulturen (siehe oben), Teil III. Rezeption und Wirkungen, S. 197 ff.
  • Klaus Herbers (Hrsg.): Jakobus und Karl der Gro√üe. Von Einhards Karlsvita Zum Pseudo-Turpin (Jakobusstudien 14). Gunter Narr, T√ľbingen 2003 ISBN 3-8233-6018-3
  • August Heuser, Matthias Thomas Kloft (Hrsg.): Karlsverehrung in Frankfurt am Main. Eine Ausstellung des Dommuseums Frankfurt und des Historischen Museums Frankfurt. Frankfurt 2000, ISBN 3-921606-41-1
  • J√∂rg Jarnut: Karl der Gro√üe. Mensch, Herrscher, Mythos. Ein R√ľckblick nach 1200 Jahren (Paderborner Universit√§tsreden 66). Gesamthochschule Paderborn, Paderborn 1999 (auch in: Informationes Theologiae Europae 8, 1999, S. 11-24).
  • Karl der Gro√üe und Europa. Symposium, hrsg. von der Schweizerischen Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland in Zusammenarbeit mit dem Deutschen historischen Museum. Peter Lang, Frankfurt am Main u. a. 2004 (darin v. a. Sven L√ľken: Karl der Gro√üe und sein Bild, S. 66‚Äď86)
  • Max Kerner: Karl der Gro√üe. Entschleierung eines Mythos. (siehe oben)
  • Thomas Kraus, Klaus Pabst (Hrsg.): Karl der Gro√üe und sein Nachleben in Geschichte, Kunst und Literatur. In: Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins 104/105, 2003, S. 421‚Äď461.
  • Lieselotte-E. Saurma-Jeltsch: Karl der Gro√üe als vielberufener Vorfahr. Sein Bild in der Kunst der F√ľrsten, Kirchen und St√§dte (Schriften des Historischen Museums 19). Sigmaringen 1994.
  • Bernd Schneidm√ľller: Sehnsucht nach Karl dem Gro√üen. Vom Nutzen eines toten Kaisers f√ľr die Nachgeborenen. Die politische Instrumentalisierung Karls des Gro√üen im 19. und 20. Jahrhundert. In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 51, 2000, S. 284‚Äď301.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Vgl. Karl Ferdinand Werner: Das Geburtsdatum Karls des Gro√üen, in: Francia 1, 1973, S. 115-157 (hier online);
    Matthias Becher: Neue √úberlegungen zum Geburtsdatum Karls des Gro√üen, in: Francia 19/1, 1992, S. 37-60 (hier online). Werner tritt f√ľr 747 als Geburtsjahr ein, Becher f√ľr 748. In der √§lteren Forschung wurde als Geburtsjahr oft 742 angenommen, doch tendiert man in der neueren Forschung mehrheitlich zu 747/48, vgl. R. McKitterick: Charlemagne. Cambridge 2008, S. 72.
  2. ‚ÜĎ Dieter H√§germann: Karl der Gro√üe, Herrscher des Abendlandes. Berlin u.a. 2000, S. 9.
  3. ‚ÜĎ Zusammenfassend R. McKitterick: Charlemagne. Cambridge 2008, S. 72.
  4. ‚ÜĎ Vgl. schon Abel/ Simson, Jahrb√ľcher, Bd. 1, S. 14ff.
  5. ‚ÜĎ Einhard: Vita Karoli Magni, Kap. 5
  6. ‚ÜĎ Einhard: Vita Karoli Magni, Kap. 26
  7. ‚ÜĎ Einhard: Vita Karoli Magni, Kap. 17
  8. ‚ÜĎ Siehe unten: Literatur II. Nachleben
  9. ‚ÜĎ Einhard: Vita Karoli Magni, Kap. 31
  10. ‚ÜĎ Grab von Karl dem Gro√üen bleibt verschollen - Artikel auf Spiegel-Online vom 19. Mai 2010
  11. ‚ÜĎ Vgl. Barbarossas Urkunde f√ľr Stift und Stadt Aachen vom 8. Januar 1166: ‚Äěcorpus [...] pro timore hostis [...] caute reconditum, sed divina revelatione manifestatum‚Äú. Urkunde Nr. 502 in: Heinrich Appelt unter Mitwirkung von Rainer Maria Herkenrath und Walter Koch (Hrsg.): Diplomata 23: Die Urkunden Friedrichs I. Teil 2: 1158‚Äď1167. Hannover 1979, S. 433 (Monumenta Germaniae Historica; Digitalisat).
  12. ‚ÜĎ Dieter H√§germann: Karl der Gro√üe, S. 628 ff.
  13. ‚ÜĎ Hans-Wilhelm Klein (Hrsg.): Die Chronik von Karl dem Gro√üen und Roland. Der lateinische Pseudo-Turpin in den Handschriften aus Aachen und Andernach. Fink, M√ľnchen 1986, ISBN 3-7705-2326-1; Paul Gerhard Schmidt: Karolellus atque Pseudoturpini Historia Karoli Magni et Rotholandi. Teubner, Stuttgart Leipzig 1996 (Lit. zu den Texten, ihrer √úberlieferung und zu Kult und Nachleben Karls des Gro√üen S. Xf.).
  14. ‚ÜĎ Rolf Gro√üe: Saint-Denis zwischen Adel und K√∂nig. Thorbecke, Stuttgart 2002, S. 42‚Äď54, ISBN 3-7995-7451-4.
  15. ‚ÜĎ August Heuser, Matthias Thomas Kloft (Hrsg.), Karlsverehrung in Frankfurt am Main.
  16. ‚ÜĎ Max Schasler: √Ąsthetik. Grundz√ľge der Wissenschaft des Sch√∂nen und der Kunst. Freytag, Tempsky, Leipzig Prag 1886, Bd. 2 S. 119ff.
  17. ‚ÜĎ F√ľr die Figur Karls des Gro√üen diente ihm die √ľberlebensgro√üe Holzfigur des Heiligen Antonius von 1485 aus der Justinuskirche in Frankfurt-H√∂chst als Vorbild. Rethel, der 1836 nach Frankfurt √ľbersiedelte und bis 1847 am St√§delchen Kunstinstitut in Frankfurt am Main arbeitete, benutzte dieses Vorbild eindeutig f√ľr sein Aquarell "Der Kopf Karls des Gro√üen" von 1846. In seinem Skizzenbuch, aus dem mit Brief vom 28. November 1932 Otto Sohn-Rethel dem Verein f√ľr Geschichte und Altertumskunde Frankfurt am Main-H√∂chst eine "fl√ľchtige Pause" zustellte - sie ist noch heute in dessen Besitz - , findet sich auch mit Datum 1851 eine Bleistiftzeichnung des Hl. Antonius. Offensichtlich war Rethel jedoch bereits deutlich vorher in der Justinuskirche.
  18. ‚ÜĎ Vgl. L√ľken: Karl der Gro√üe und sein Bild. In: Karl der Gro√üe und Europa; B√ľttner: Geschichte f√ľr die Gegenwart. In: Althoff (Hrsg.): Die Deutschen und ihr Mittelalter.
Vorgänger Amt Nachfolger
in Westeuropa vakant seit 476/80 Römischer Kaiser
800‚Äď814
Ludwig der Fromme
Pippin der J√ľngere
(bzw. Karlmann I. im s√ľdl. Reichsteil)
König der Franken
768‚Äď814 (im s√ľdl. Reichsteil ab 771)
Tassilo III. Herzog von Bayern
788‚Äď814
Lothar I.
Desiderius König der Langobarden
774‚Äď781
Pippin

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