Karte (Kartografie)

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Karte (Kartografie)
Europazentrierte physische Karte der Erde

Eine Karte ist ein digitales oder analoges Medium zur Darstellung der Erdoberfläche oder anderer Himmelskörper. Man unterscheidet zwei Hauptgruppen von Karten: topografische Karten (Landkarten, Mondkarten...) und thematische Karten.

In ihnen werden raumbezogene Gegenst√§nde, Sachverhalte oder Prozesse ma√üst√§blich generalisiert und mit Hilfe eines Zeichensystems grafisch in ihren Raumbeziehungen dargestellt. Im weitesten Sinne veranschaulicht eine Karte abstrakte, raumbezogene Daten und nur schwer formulierbare r√§umliche Zusammenh√§nge mit dem Ziel, diese f√ľr den Betrachter leicht verst√§ndlich zu machen.

Darstellungsräume einer Karte sind vor allem die Erde und die Erdteile. Aber auch andere Himmelskörper oder der Sternhimmel können Gegenstand einer Kartendarstellung sein. Die Wissenschaft und Technik zur Darstellung der Erdoberfläche in topografischen und thematischen Karten ist die Kartografie.

Traditionell wird eine Karte auf Papier gedruckt, wobei ihre thematischen Ebenen (Layers) wie Gel√§nde, Fl√ľsse, Stra√üen, Wald usw. im Mehrfarbendruck aufgebracht werden. Heute werden die Layers nicht mehr als Druckfolien archiviert, sondern in einer Datenbank (siehe Geoinformationssystem) gespeichert. Die Karte kann dann auf einem Bildschirm pr√§sentiert und auch leichter aktualisiert werden. Eine digitale Karte erlaubt dar√ľber hinaus die Einbeziehung weiterer, beispielsweise bildlicher und akustischer Medien sowie die interaktive Kommunikation mit dem Benutzer.

Inhaltsverzeichnis

Der kartografische Prozess

Die Karte ist das Ergebnis eines komplexen Arbeitsablaufs. An seinem Anfang stehen erfasste oder bereitgestellte Daten mit Raumbezug, sogenannte Basisdaten oder Geodaten. Sie repräsentieren die darzustellenden

Diese Prim√§rdaten werden durch Vermessung der Erdoberfl√§che (Gel√§ndeplan, Luftbilder usw.) bzw. durch spezielle Messungen, Erhebungen oder Z√§hlungen erfasst. Dieses Datenmaterial wird unter Anwendung grafischer Gestaltung und Richtlinien zur Generalisierung (Legende f√ľr Plan- und Kartenzeichen, Musterbl√§tter usw.) manuell oder mit Hilfe von Datenmodellen und Programmsystemen in kartografische Objekte bzw. darstellbare Sekund√§rdaten umgewandelt, die ihrerseits in ma√üstabsgerecht angeordnete kartografische Zeichen (Signaturen, Grenzlinien, Farbcodes usw.) √ľberf√ľhrt werden. In der Darstellungsebene (Papier, Karte, Bildschirm) repr√§sentieren und veranschaulichen diese Punkte, Zeichen, Linien und Fl√§chen die abzubildenden Raumph√§nomene.

Kartentypen

Karten lassen sich nach verschiedenen Gesichtspunkten einteilen, beispielsweise nach

Datenhaltung und Präsentation

Sie erlauben eine Unterscheidung nach analogen Karten und digitalen Karten. Analoge Karten werden als ‚Äěklassische Landkarten‚Äú auf einem Original-Zeichentr√§ger (Kupferplatte, Gravurglas, Gravurfolie) gef√ľhrt und in der Regel auf Papier oder einen anderen geeigneten Zeichentr√§ger gedruckt. Digitale Karten sind im Rasterformat oder Vektorformat elektronisch auf einem Datentr√§ger gespeichert und lassen sich mit Hilfe elektronischer Ger√§te in unterschiedlicher Form ausgeben, z. B. auf eine Druckplatte im ‚Äěcomputer to plate‚Äú-Verfahren, auf einen Bildschirm oder auf dem Display eines Navigationssystems oder eines Mobiltelefons.

Maßstabsverhältnis

Da Karten gegen√ľber der realen Welt grunds√§tzlich in einem Ma√üstabsverh√§ltnis (‚ÄěMa√üstab‚Äú) stehen, kann man Karten auch nach ihrem Ma√üstab klassifizieren. Man spricht von einem gro√üen Ma√üstab, wenn der Ma√üstabsnenner klein ist, dagegen von einem kleinen Ma√üstab, wenn der Ma√üstabsnenner gro√ü ist. Bei topografischen Karten bezeichnet man Karten bis zu einem Ma√üstab 1:10.000 als gro√üma√üst√§big oder auch als topografische Grundkarten, solche mit einem Ma√üstab von 1:25.000 bis 1:100.000 als mittelma√üst√§big. Topografische Karten mit einem Ma√üstab 1:200.000 oder kleiner werden als kleinma√üst√§big oder als topografische √úbersichtskarten bezeichnet.

Von Karten spricht man immer dann, wenn ihr Maßstab zu einer Generalisierung zwingt. Lassen sich Phänomene der realen Welt nahezu ungeneralisiert und dann meist großmaßstäbig darstellen, so spricht man von Plänen (Lageplan, Bebauungsplan).

Thematik
Thematische Karte zum Thema Entwicklungsländer
Thematische Karte zum Thema Geologie

Die haupts√§chliche Thematik der darzustellenden Raumph√§nomene ist ein verbreitetes Unterscheidungsmerkmal f√ľr Karten. In erster N√§herung hat man so topografische Karten von thematischen Karten unterschieden. Eine differenziertere Betrachtungsweise spricht statt von topografischen Karten auch von Basiskarten und erlaubt bei den thematischen Karten weitere Unterscheidungen, z. B. in Luftfahrtkarten, Seekarten, geowissenschaftliche Karten, Wirtschaftskarten, politische Karten, historische (geschichtswissenschaftliche) Karten. (Der Begriff historische Karte ist nicht eindeutig, da er umgangssprachlich auch f√ľr veraltete, nicht mehr aktuelle Karten verwendet wird.)

Raum oder Gebiet

Der Darstellungsraum einer Karte bildet ein weiteres Unterscheidungskriterium. So gibt es z. B. Weltkarten, Europakarten, Deutschlandkarten, L√§nderkarten, Stadtkarten (auch ‚ÄěStadtpl√§ne‚Äú genannt) sowie Himmelskarten, Mondkarten, Marskarten usw.

Maß der Aktualität

Nach dem angegebenen Ma√ü der √úbereinstimmung von Karteninhalt und realer Welt kann man zwischen aktuellen Karten und veralteten Karten (‚ÄěAltkarten‚Äú) unterscheiden. Die Bezeichnung historische Karte ist der geschichtswissenschaftlichen Karte vorbehalten und sollte nicht f√ľr Altkarten benutzt werden.

Nutzergruppen oder Anwendungsgebieten

Sie erlauben eine Unterscheidung von Karten, z. B. in Auto(fahrer)karten, Rad(fahrer)karten, Wanderkarten, Binnenschifffahrtskarten, Schulkarten usw. In diese Kategorie geh√∂ren auch Blindenkarten, die als taktile Karten gestaltet sind.

Herausgeber der Karte

Nach dem Herausgeber einer Karte wird unterschieden in amtliche Karten und Karten der gewerblichen Verlagskartografie. Amtliche Karten werden von einer √∂ffentlichen Institution in √∂ffentlicher Aufgabe herausgegeben. Sie dienen der √∂ffentlichen Daseinsvorsorge und Sicherheit und beruhen h√§ufig auf einem Gesetz oder einer Verordnung. Von der Verlagskartografie herausgegebene Karten sind f√ľr den Markt bestimmt und wenden sich an die Verbraucher (im Sektor Tourismus-, Freizeit- und Wanderkarten trifft diese Unterscheidung nicht immer zu, da auch viele Landesvermessungsbeh√∂rden solche f√ľr den Markt bestimmten Karten herausgeben). Weiterhin gibt es eine Vielzahl wissenschaftlicher Spezialkarten, die von Hochschulen und anderen wissenschaftlichen Institutionen im Rahmen der Forschung hergestellt und einem meist begrenzten Nutzerkreis zur Verf√ľgung gestellt werden.

Aufbau einer Karte

Eine gedruckte oder am Bildschirm präsentierte Karte ist aus mehreren Elementen aufgebaut, die naturgemäß bei beiden Kartentypen unterschiedlich sind.

Gedruckte Karte

W√§hrend die digitale Karte grunds√§tzlich blattschnittfrei gespeichert und am Bildschirm blattschnittfrei durch ‚ÄěScrollen‚Äú wiedergegeben wird, handelt es sich bei der gedruckten Karte immer um ein begrenztes Kartenblatt. Um ein gr√∂√üeres Gebiet, wie ein ganzes Land, abzudecken, stellt man mehrere Kartenbl√§tter her, die entweder einen solchen Blattschnitt haben, dass sie nahtlos aneinander passen oder die sich an den R√§ndern √ľberlappen. Mehrere Kartenbl√§tter, die die gleichen geod√§tischen Grundlagen, die gleiche Projektion, den gleichen Ma√üstab, den gleichen Blattschnitt und das gleiche Signaturen- und Gestaltungssystem besitzen, bilden ein Kartenwerk. Amtliche topografische Karten bilden so die Landeskartenwerke.

Eine gedruckte Karte besteht in der Regel aus dem Kartenfeld, dem Kartenrahmen und dem Kartenrand.

Kartenfeld

Im Kartenfeld (auch Kartenbild, Kartenspiegel, Blattspiegel) wird die eigentliche Karte, der Karteninhalt, wiedergegeben. Dieser ist in einer Zeichenvorschrift, einem Musterblatt oder einem Signaturenkatalog festgelegt. Ausz√ľge daraus finden sich in der Legende (Zeichenerkl√§rung), die sich meist im Blattrand, manchmal auch in einem Leerfeld der Karte befindet.

Viele Karten des Mittelalters sind in sich aufgeteilt, das Kartenfeld hat beispielsweise die Form eines Rades (Radkarte; ‚ÄěTO-Karte‚Äú), eines Herzens (Oronce Fine, Paris 1536) oder eines Kleeblatts (Weltkarte von Heinrich B√ľnting 1581).

Kartenrahmen

Der Kartenrahmen begrenzt den je nach Abbildungsart quadratischen, rechteckigen oder trapezf√∂rmigen Blattschnitt der Karte. Er enth√§lt insbesondere die Bezifferungen des der Karte zugrunde liegenden Koordinatensystems, aber auch Hinweise zur Weiterf√ľhrung der durch den Blattschnitt abgeschnittenen Signaturen.

Kartenrand

Der Kartenrand dient zur Aufnahme von kartentechnischen, redaktionellen, urheberrechtlichen und vertriebstechnischen Erl√§uterungen sowie von Angaben zum Herausgeber. Hier finden sich Name oder Bezeichnung der Karte, des Kartenwerks und des Kartenblatts. Das Ma√üstabsverh√§ltnis (‚ÄěMa√üstab‚Äú) ist numerisch (z. B. 1 : 25.000), h√§ufig auch grafisch mit Hilfe einer Ma√üstabsleiste angegeben. In der Legende (Zeichenerkl√§rung) sind die wichtigsten Kartenzeichen benutzungsfreundlich zusammengestellt. Weiterhin k√∂nnen der Name des Herausgebers, Angaben zu Auflagenummer und Erscheinungsjahr (z. B. 6. Auflage 1996), zum Aktualit√§tsstand sowie Urheberrechtshinweise und die Internationale Standard-Buchnummer (ISBN) im Kartenrand untergebracht sein.

Konfektionierte Karten, besonders die von der gewerblichen Verlagskartografie herausgegebenen, besitzen meist einen mit einem attraktiven Titel versehenen Kartenumschlag, der dann auch die Funktionen des Kartenrandes erf√ľllen kann.

Blattschnitt

Wenn ein größeres Gebiet kartografisch erfasst werden soll, das nicht auf einem Kartenblatt Platz findet, wird dieses auf mehrere Blätter aufgeteilt. Dazu wird häufig ein regelmäßiges Raster verwendet. Dieses kann mit dem Gitter der geografischen Koordinaten oder dem Koordinatensystem der Kartenabbildung in der Ebene zusammenfallen. Es wird als Blattschnitt bezeichnet.

Fällt der Blattschnitt mit ganzzahligen Meridianen und Breitenkreisen zusammen, spricht man auch von Gradabteilungskarten.

Bildschirmkarte

Die am Bildschirm (Display) dargestellte Karte (‚ÄěBildschirmkarte‚Äú) ist die Pr√§sentation einer auf einem Speichermedium (CD, DVD, Festplatte) gespeicherten oder aus dem Internet heruntergeladenen digitalen Karte. Ihr Aufbau ist meist nicht in der Karte selbst erkennbar, sondern in der Software und den Kartendaten verborgen.

Ein wesentliches Merkmal der Bildschirmkarte ist, dass sie in der Regel Aktionen des Benutzers oder Dialoge und Interaktionen mit ihm zul√§sst, z. B. Vergr√∂√üerung oder Verkleinerung des Kartenbildes, Ma√üstabsver√§nderung, Ein- und Ausblenden von Kartenthemen, Entfernungsmessungen, Profilschnitte, Positionierung eigener Kartenzeichen, Abfragen. Das geschieht √ľblicherweise √ľber die Bedienelemente einer grafischen Benutzeroberfl√§che.

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte der Kartografie

Nova Orbis Tabula in Lucem Edita von Frederick de Wit (1662)

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden topografische Karten gedruckt. Erste Aufnahmen wurden in Deutschland 1855 gemacht. Seit den 1970er Jahren hat die Speicherung von Karteninformationen auf elektronischen Datenträgern zugenommen.

Ber√ľhmte Karten

Kartenherstellung

Historische Verfahren

Die ersten Karten wurden in Tontafeln oder Tierknochen geritzt. Sp√§ter konnte man sie auf Papyrus oder Pergament zeichnen, aber eine Vervielf√§ltigung war eine m√ľhsame Arbeit. Erst mit der Erfindung der Drucktechnik im 15. Jahrhundert konnten h√∂here St√ľckzahlen produziert werden. Von der Karte wurde je nach Technik eine Vorlage geschaffen, die dann im Druckprozess vervielf√§ltigt wurde. Durch verbesserte Verfahren konnten immer feinere Elemente in die Karte aufgenommen und auch Mehrfarbdruck eingesetzt werden.

Holzschnitt

Holzschnitt-Weltkarte von Laurent Fries, 1522

Der Holzschnitt, zu Beginn der Kartografie noch oft verwendet, wurde fast g√§nzlich verdr√§ngt. Holzschnitt und Kupferstich reichen bis in das letzte Viertel des 15. Jahrhunderts zur√ľck.

Kupferstich

Kupferstich von Rom (Norden), ca. 1688

Der Kupferstich liefert in Bezug auf Sch√§rfe und Tiefe des Strichs sowie Weichheit und Feinheit der Ausf√ľhrung die sch√∂nsten Karten; durch galvanisch erzeugte Hilfsplatten unterst√ľtzt, auch in beliebiger Menge. Korrekturen sind nicht schwierig auszuf√ľhren, namentlich auf den Hochplatten, doch erfordern sie Zeitaufwand und Kosten.

Stahlstich

Der Stahlstich, eingef√ľhrt ca. 1820, eignet sich f√ľr sehr gro√üe Auflagen von der Mutterplatte, wird aber, seit Kupferstich in Verbindung mit Galvanoplastik entwickelt wurde, wegen der Schwierigkeit der Plattenkorrekturen kaum noch angewandt.

Lithografie

Die Lithografie (Steindruck) datiert vom Anfang des 19. Jahrhunderts. In Verbindung mit dem Steindruck gestattet sie mittels Schnellpresse eine preiswerte Produktion auch in Farbe.

Im 19. Jahrhundert hat die Lithografie in Verbindung mit der Buchdruckpresse glänzende Erfolge erreicht, indem lithografisch gravierte Karten zur Verwendung in der Buchdruckpresse durch Überdruck auf Zink (Chemigrafie oder Zinkografie) in Hochdruckplatten verwandelt werden. Auch bei dieser Art der Vervielfältigung kann farbiger Druck zum Einsatz kommen, doch ist das Verfahren nur bei sehr großen Auflagen von Vorteil, da umfassendere Korrekturen stets eine Erneuerung der Druckplatten erforderlich machen.

Kartenabdr√ľcke jeder Art k√∂nnen auch durch das anastatische Verfahren reproduziert werden, doch wird es nur noch selten verwendet, seit man mit Hilfe der Fotografie in technischer Beziehung weit g√ľnstigere Resultate erzielt. Denn durch Fotolithografie und Heliografie k√∂nnen Originalzeichnungen unmittelbar auf Stein oder Kupfer √ľbertragen und auch verkleinert oder vergr√∂√üert werden.

Typografische Herstellung

Die typografische Herstellung (d. h. der Buchdruck mit beweglichen Lettern) von Landkarten wurde schon √∂fters versucht (1478, 1777, 1839, 1862), aber jedes Mal wieder aufgegeben.

Gravur

Bis in die 1990er Jahre galten die Gravierutensilien, der Leuchttisch und die Tuschefeder als Werkzeug des Kartografen. Damit konnte er auf die einzelnen Folien oder Glasplatten gravieren und retuschieren, die zur Herstellung der Druckplatten benötigt wurden.

Moderne Reproduktionsverfahren

Computerbasierte Herstellung

Die fortschreitende Entwicklung der Computertechnik erm√∂glichte dann den Umstieg von der analogen zur digitalen Kartenherstellung. Anfangs wurden im starken Ma√üe Grafikprogramme (z. B. FreeHand von Macromedia) eingesetzt. Im Zuge der Entwicklung kamen auch kartografische Spezialprogramme (z. B. OCAD oder Themak von GraS) und Komplettl√∂sungen (z. B. LorikSoftware von Lorienne S.A.) auf den Markt. Heute werden die meisten Karten mit Hilfe von Geoinformationssystemen (z. B. ArcGIS) auf Grundlage von Geobasisdaten (beispielsweise ATKIS) und anderen Geodaten hergestellt. Die Geod√§sie und die Fernerkundung liefern die Daten, die von den Kartografen dann in Karten umgesetzt werden.

Herstellung von Echt-3D-Karten in Lentikulartechnik

Lentikulartechnik ist ein Verfahren der Mehrbild-Visualisierung,[1] auch bekannt als ‚ÄěWackelbild‚Äú oder ‚ÄěLinsenraster-Bild‚Äú.

Mit dieser Technik lassen sich Echt-3D-Karten herstellen. Der Betrachter kann so Höhenrelationen, Hangneigungen und Reliefformen erkennen. Möglich wird das durch den Einsatz sogenannter Lentikularabbildungen und -folien.

  • Lentikularabbildungen bestehen aus Bildern, denen ein Motiv zugrunde liegt, das aus zwei verschiedenen Blickwinkeln (stereoskopisch) aufgenommen wurde. Diese Bilder werden in feine Streifen zerlegt und wechselweise parallel angeordnet (Interlacing).
  • Lentikularfolien sind transparente Kunststofffolien, auf deren Oberseite sich parallel und vertikal (f√ľr 3D-Darstellungen) verlaufende, tunnelf√∂rmige Mikrolinsen befinden. F√ľr eine Echt-3D-Karte im Format von 60 √ó 45 cm wird eine Lentikularfolie mit einer Linsendichte von 70 Linsen pro Inch verwendet.

Abbildungen und Folie werden so verklebt oder gedruckt, dass sowohl die Abbildungsstreifen als auch die tunnelf√∂rmigen Mikrolinsen vertikal verlaufen. So entsteht der ‚ÄěWackelbild‚Äú-Effekt und je nach Blickwinkel des Betrachters werden unterschiedliche Abbildungen wahrgenommen. So wird das dreidimensionale Sehen erm√∂glicht. Zus√§tzliche stereoskopische Betrachtungshilfen sind daher nicht mehr notwendig.

Um den Raumeindruck zu verst√§rken, kommen bei Echt-3D-Karten eine Reliefschummerung und ein Faktor zur √úberh√∂hung des Gel√§ndes hinzu. Die Beschriftungen schweben √ľber dem Relief.

Lentikular-Darstellungen können analog als Printprodukte oder auch digital mittels autostereoskopischer Displays (sog. 3D-Monitore) präsentiert werden.

Kartennutzung

Karten dienen zur Orientierung und Navigation zu Lande, im Wasser und in der Luft. Weiterhin werden sie zur Planung eingesetzt. Dabei kann man mit ihnen Entfernungen, Winkel oder Flächen messen oder schätzen. Als Hilfsmittel können dabei dienen Kompass, Streckenteiler, Planimeter, Kurvimeter oder Lineal.

Da die Karte ein ebenes Abbild der gew√∂lbten Erdoberfl√§che ist, kann sie nicht gleichzeitig fl√§chentreu, l√§ngentreu und winkeltreu sein ‚Äď nur ein Globus erm√∂glicht eine solche naturgetreue Darstellung der geometrischen Verh√§ltnisse, allerdings notgedrungen in sehr kleinem Ma√üstab. F√ľr alle anderen Anwendungen muss ein geeigneter Kartennetzentwurf eingesetzt werden.

Manipulation von Karten

Die Karte als Darstellungsmittel bietet vielf√§ltige M√∂glichkeiten zur Manipulation bis hin zu Zensur mit dem Ziel, bestimmte Aspekte hervorzuheben, zu unterdr√ľcken oder absichtlich falsch wiederzugeben. Anl√§sse k√∂nnen sein:

  • Nationale Sicherheit (Schutz strategisch wichtiger Anlagen, z. B. Milit√§ranlagen, Sendeanlagen, Kraftwerke; auch Eisenbahnanlagen, Stra√üen, Industrieanlagen, Furten, H√∂henangaben)
  • Politische Propaganda (internationale Grenzstreitigkeiten, Herabsetzung des politischen Gegners durch falsche Darstellung der Gr√∂√üenverh√§ltnisse der Staaten, suggestive Wahl von Kartensymbolen und Farben)
  • Werbung (z. B. einseitig wertende Darstellung von Verkehrsverbindungen)
  • Durchsetzung von Interessen (Durchf√ľhrung umstrittener Bauvorhaben und deren Verhinderung)

Bei der Betrachtung und Verwendung einer Karte ist also immer ein gewisses Maß an Skepsis angebracht, besonders wenn sie erkennbar zur Verfolgung eines bestimmten Ziels erstellt wurde.

Sonstiges

In vielen L√§ndern ist es √ľblich, nicht Europa mittig zu setzen
  • Erst seit der Neuzeit gibt es die Konvention, dass ‚Äď bei Fehlen anderslautender Angaben ‚Äď eine Karte nach Norden ausgerichtet ist. Bis ins sp√§te Mittelalter war, besonders bei Seekarten, die Orientierung im urspr√ľnglichen Wortsinn √ľblich, d. h. die Ausrichtung nach Osten. Das hatte auch religi√∂se Gr√ľnde, da vom Abendland aus betrachtet Jerusalem, das als Zentrum der Christenheit gesehen wurde, im Osten liegt und auf jeder Karte oben erscheinen sollte. Ein Beispiel daf√ľr ist die Ebstorfer Weltkarte.
  • Die Darstellung der Kontinente in Weltkarten ist in bestimmten L√§ndern verschieden, so stellen manche L√§nder Amerikas oder Asiens ihren Kontinent in den Mittelpunkt (siehe Abbildungen). Dabei geht es um die Vermeidung von Eurozentrismus. In den in Europa und Afrika verwendeten Weltkarten ist es √ľblich, dass Europa mittig dargestellt wird.
  • Wenn ein Land nicht (wie in der Realit√§t h√§ufig der Fall) auf mehrere nicht-angrenzende Gebiete verteilt ist, l√§sst sich eine politische Karte mit vier Farben so einf√§rben, dass benachbarte L√§nder verschiedene Farben haben, siehe auch Vier-Farben-Satz.
  • F√ľr spezielle Anwendungen gibt es Karten, bei denen diese Anforderungen ber√ľcksichtigt werden, z. B. Radwanderkarten, Wanderkarten, Seekarten und Stromkarten.
  • F√ľr den Kopierschutz oder zur Desinformation werden fiktive Stra√üen (Trap Streets) in Karten eingebaut, oder andere Details verf√§lscht.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Frank Dickmann, J√ľrgen Dodt und Bj√∂rn Schmidt, Bochum: Zum Potenzial der Lentikulartechnk in der thematischen Kartographie. In: Kartographische Nachrichten 6/2009, S. 295.

Literatur

  • Peter Barber (Hrsg.): Das Buch der Karten: Meilensteine der Kartographie aus drei Jahrtausenden. Primus, Darmstadt 2006, ISBN 3-89678-299-1.
  • J√ľrgen Bollmann, Wolf G√ľnther Koch (Hrsg.): Lexikon der Kartographie und Geomatik. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2001‚Äď2002, ISBN 3-8274-1055-X (Bd. 1), ISBN 3-8274-1056-8 (Bd. 2).
  • Christof Dipper, Ute Schneider (Hrsg): Kartenwelten: der Raum und seine Repr√§sentation in der Neuzeit. Primus, Darmstadt 2006, ISBN 3-89678-289-4.
  • G√ľnter Hake, Dietmar Gr√ľnreich, Liqiu Meng: Kartographie: Visualisierung raum-zeitlicher Informationen. 8., vollst√§ndig neu bearbeitete und erweiterte Auflage; de Gruyter, Berlin 2002 (De Gruyter Lehrbuch), ISBN 3-11-016404-3.
  • Mark Monmonier: Eins zu einer Million. Die Tricks und L√ľgen der Kartographen. Birkh√§user Verlag, Basel 1996, ISBN 3-7643-5391-0.
  • Gerald Sammet: Der vermessene Planet: Bilderatlas zur Geschichte der Kartographie. GEO, Hamburg 1990, ISBN 3-570-03471-2.
  • M.F. Buchroithner: Echtdreidimensionalit√§t in der Kartographie: Gestern, heute und morgen. In: Kartographische Nachrichten Heft 5/2007, S. 239-248.
  • Dirk W√ľstenberg: Die Rechtsprechung zum Urheberrechtsschutz von Stadt- und Landkarten. In: Kartographische Nachrichten Heft 3/2011, S. 139-144.

Weblinks

 Commons: Atlas (Commons Kartensammlungen) ‚Äď Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
 Commons: Historische Karten ‚Äď Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
Wikiversity Wikiversity: Kartensammlung ‚Äď Kursmaterialien, Forschungsprojekte und wissenschaftlicher Austausch (umfangreiche linksammlung)

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