Kartografie

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Kartografie
Weltkarte

Kartografie (auch Kartographie) ist die Wissenschaft und Technik zur Darstellung der Erdoberfl√§che in topografischen und thematischen Karten. Allgemeiner definiert, vermittelt und veranschaulicht sie raumbezogene Informationen (Geoinformation) mit analogen und digitalen Verfahren f√ľr unterschiedliche Medien. Die Hersteller dieser Medien ‚Äď im klassischen Sinn der Landkarten ‚Äď hei√üen Kartografen.

Inhaltsverzeichnis

Definitionen

Darstellungsgegenstände der Kartografie sind die Erde und ihre Oberfläche, aber auch Planeten, Monde und andere Himmelskörper (siehe auch Planetologie und Selenografie). Insbesondere die Erdoberfläche mit ihren vielfältigen topografischen Gegebenheiten (Gelände, Gewässer, Bewuchs, Verkehrswege, Landnutzung usw.), mit ihren geowissenschaftlichen und infrastrukturellen Sachverhalten und mit ihren sozialen, politischen und historischen Prozessen fordert die Kartografie zu großer Methodenvielfalt heraus.

Das Fachgebiet l√§sst sich nach unterschiedlichen Kriterien einteilen. Sinnvoll ist zumindest die Unterteilung in ‚ÄěTheoretische Kartografie‚Äú und ‚ÄěAngewandte Kartografie‚Äú. Letztere (auch ‚ÄěPraktische Kartografie‚Äú genannt) l√§sst sich in ‚ÄěGewerbliche Kartografie‚Äú (Kartenverlage) und ‚ÄěAmtliche Kartografie‚Äú gliedern. Aber auch andere Gliederungen, z. B. nach Themenbereichen, sind m√∂glich und gebr√§uchlich.

In der Kartografie unterscheidet man verschiedene Veranschaulichungsmedien. An erster Stelle nat√ľrlich die Karte, aber auch mit ihr verwandte Darstellungsweisen, wie Globen, Panoramen oder Relief-Darstellungen des Gel√§ndes. Zu diesen traditionellen Veranschaulichungsmedien sind in letzter Zeit einige moderne hinzugekommen, z. B. GIS- und andere Computerprogramme, mit deren Hilfe raumbezogene Informationen als Grafiken, Bilder, Fotos, Filme oder als dreidimensionale Modelle statisch oder interaktiv pr√§sentiert werden.

Alte, schmuckvoll ausgestaltete Karten, aber auch die Kunstfertigkeit der Topografen und Kartografen werden h√§ufig auch unter k√ľnstlerischen Aspekten betrachtet.

Der Begriff ‚ÄěKartografie‚Äú hat sich um 1828 herausgebildet. Er setzt sich zusammen aus dem lateinisch-griechischen ‚Äěcharta‚Äú = Urkunde und dem griechischen ‚Äěgraf√ęin‚Äú = zeichnen, beschreiben. Die Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen (AdV) der deutschen Bundesl√§nder und die Deutsche Gesellschaft f√ľr Kartographie e. V. (DGfK) schreiben weiterhin ‚ÄěKartographie‚Äú, w√§hrend sich in der Privatwirtschaft, in √Ėsterreich und im amtlichen Gebrauch der Schweiz die Schreibweise ‚ÄěKartografie‚Äú durchgesetzt hat.

Einf√ľhrung

Ein Kartograf bei der Arbeit (1943)

Die Hauptaufgabe und damit das Kernproblem der Kartografie bestehen darin, komplexe, im Originalraum ‚Äď im Ma√üstab 1:1 ‚Äď sich ereignende Ph√§nomene, Sachverhalte und Prozesse auf einer ma√üst√§blich erheblich verkleinerten Darstellungsfl√§che (Kartenblatt, Bildschirm) abzubilden und zu beschreiben. Um dies sinnvoll zu erm√∂glichen, m√ľssen die Kartografen aus der F√ľlle der Originaldaten die wichtigsten oder typischen ausw√§hlen oder zusammenfassen und f√ľr die Darstellung ‚Äěgeneralisieren‚Äú. Zur Veranschaulichung der wirklich darstellungsw√ľrdigen Informationen dient vor allem ein System kartografischer Zeichen (Signaturen). Die Generalisierung der Originaldaten und die Gestaltung und Anordnung der Signaturen m√ľssen so ausgef√ľhrt werden, dass der Benutzer des kartografischen Produkts die zu vermittelnden Informationen leicht aufnehmen und verstehen kann. Letztlich soll vom Originalraum, z. B. einem Erdoberfl√§chenausschnitt, ein Modell in Form des kartografischen Produkts erstellt werden, das es dem Nutzer erm√∂glicht, eine Vorstellung vom Original zu gewinnen und seine im Gehirn gespeicherte kognitive Karte zu erweitern oder zu korrigieren.

Ein weiteres Problem in der Kartografie ist die Dreidimensionalität der Erde. Um größere Ausschnitte der Erdoberfläche oder gar die gesamte Erdkugel in der zweidimensionalen Darstellungsfläche einer Karte abzubilden, bedarf es deshalb besonderer Verfahren der Kartenprojektion, denen sich die mathematische Kartografie widmet.

Zur r√§umlichen Festlegung (Geokodierung) der in der Karte darzustellenden Gegenst√§nde und Sachverhalte wird in der gro√ür√§umigen Kartografie mit geozentrischen Koordinaten, mit L√§ngen- und Breitengraden gearbeitet, w√§hrend die kleinr√§umige Kartografie bei der Darstellung geographischer Objekte mit einer Ausdehnung von unter 800 km in einer Richtung die Erdkr√ľmmung noch vernachl√§ssigen, oder mit Korrekturfaktoren ausgleichen kann. Dort, vor allem f√ľr einzelne L√§nder, kommen lokale, kartesische Koordinatensysteme zum Einsatz, wie etwa die Gau√ü-Kr√ľger-Koordinaten in Deutschland. Auch das weltweite UTM-Koordinatensystem definiert, unterteilt in 800 km breite, vertikale Streifen, 60 kleinr√§umige, metrische Koordinatensysteme, die ‚Äď sich teilweise √ľberlappend ‚Äď die Erde von West nach Ost umspannen.

Geschichte der Kartografie

‚Üí Hauptartikel: Geschichte der Kartografie

Die √§ltesten Karten stammen bereits aus dem Neolithikum. Eine Wandmalerei zeigt eine zentralanatolische Siedlung um 6200 v. Chr. mit ihren H√§usern und dem Doppelgipfel des Vulkans Hasan DańüńĪ (3.270 m). Bedeutende fr√ľhe Zeugnisse stammen aus der babylonischen Zeit (geritzte Tontafeln). Den ersten ernsthaften Versuch eine brauchbare Karte unter mathematischen und geometrischen Aspekten anzufertigen unternahm Anaximander von Milet (ein Sch√ľler des Thales) um 541 v. Chr.

Als f√ľr die weiteren Epochen pr√§gend sollte das Weltbild des griechischen Ptolem√§us (um 100 n. Chr.) werden. In den √§ltesten Manuskripten seiner Kosmografie finden sich Handzeichnungen von Karten. Das Werk war jedoch im Kern ein Verzeichnis astronomischer Positionen mit den Attributen astronomische Breite und astronomische L√§nge. Die Werke von Ptolem√§us, obwohl noch stark fehlerhaft, erfuhren nach √ľber 1000 Jahren durch den einsetzenden Buchdruck um 1450 eine erhebliche Verbreitung. Erst die verst√§rkte weltweite Seefahrerei um 1500 und die Werke Gerhard Mercators l√§uteten eine Wende hin zu mehr Realit√§tsn√§he bei der Kartografie ein.

Tabula Peutingeriana (Ausschnitt)

Ferner ist aus r√∂mischer Zeit die Tabula Peutingeriana erhalten, eine von West nach Ost unnat√ľrlich verzerrte Stra√üenkarte des r√∂mischen Reichs mit Angabe der Milit√§rstationen und Entfernungsangaben in Meilen.

Im Mittelalter entstanden die ersten Kartenwerke von muslimischen Geographen, die auf der Grundlage neuerer Beobachtungen, Messungen und Entdeckungen das im 8. Jahrhundert ins Arabische √ľbersetzte Werk des Ptolem√§us korrigierten und erheblichen Einfluss auf die europ√§ische Kartografie aus√ľbten.[1] Hervorzuheben sind hier al-Istakhris Karten aus dem 10. Jahrhundert, und die im Auftrag K√∂nig Rogers II. von Sizilien 1154 angefertigte Weltkarte Charta Rogeriana von Abu Abdallah al-Idrisi (auch Weltkarte des Idrisi genannt).

Im sp√§ten Mittelalter entstanden die mappae mundi mit ihren bekanntesten Vertretern, der Ebstorfer Weltkarte (ca. 1235) und der Hereforder Weltkarte (ca. 1270). Parallel gab es bereits recht genaue Karten des Mittelmeeres, die sog. Portolankarten. Das Bild am Ende des Mittelalters zeigt der Globus des N√ľrnberger Gelehrten Martin Behaim von 1492.

Ab dem 16. und 17. Jahrhundert machen sich die Fortschritte der Kartografie schon sehr bemerkbar. Allm√§hlich vollzieht sich die Emanzipation von Ptolem√§us, die Adaption bestimmter Projektionen, die Auswechslung fabelhafter und hypothetischer Ausf√ľllung mit den Ergebnissen neuer Entdeckungen im Bereich des asiatischen und amerikanischen Kontinents.

Im Jahre 1507 gab Martin Waldseem√ľller zusammen mit Matthias Ringmann einen Globus und eine Weltkarte sowie eine ‚ÄěEinf√ľhrung in die Kosmografie‚Äú heraus. Die Atlanten werden konzipiert, z. B. der von Gerhard Mercator (‚Ć 1595), den dessen S√∂hne vollendeten, und derjenige von Abraham Ortelius (‚ÄěTheatrum Orbis Terrarum‚Äú, 1570). Die Niederl√§nder wurden tonangebend auf dem Gebiet der Kartografie.

In der fr√ľhen Neuzeit kommt es auch in benachbarten Sektoren der Kartografie zu Neuerungen, deren praktischer Nutzen vor allem Reisende erfreut. Reisekarte (ein Vorl√§ufer des Stra√üenatlas), Meilenscheibe (eine Fr√ľhform der Entfernungstabelle), Stadtplan und auch die Stadtansicht aus der Vogelschau er√∂ffnen Druckern und Verlegern Verdienstchancen.

Im 18. Jahrhundert war der Landkartenstich, wie der Buchdruck, ein Gewerbe geworden. Bedeutend waren deutsche Zentren wie N√ľrnberg (Johann Baptist Homann) und Augsburg (Matth√§us Seutter).

Bern auf der Dufourkarte

Mit Jacques und C√©sar Cassini, welche 1750 bis 1793 die gro√üe Triangulation von Frankreich und die darauf begr√ľndete gro√üe topografische Karte vollendeten, begann endlich die Zeit der genauen topografischen Aufnahmen und der kritischen Bearbeitung der Karten. Franz√∂sische Kartografen beeinflussten die Kartografie entscheidend.

Mitte des 19. Jahrhundert wurde von General Guillaume-Henri Dufour ein Kartenwerk 1:100 000 der Schweiz mit einer Beleuchtungsrichtung aus Nordwest erstellt. Diese Beleuchtungsrichtung wurde in der Folge von vielen Kartografen √ľbernommen. Es wurde dank der Erfindung der Lithografie auch m√∂glich, Karten mehrfarbig zu drucken. Dadurch wurde das Kartenbild anschaulicher. Das 19. Jahrhundert ist ferner die Hochbl√ľte der Atlaskartografie in Deutschland. Bedeutende Namen in diesem Kontext sind Stieler und Andree.

Wie in anderen Bereichen auch brachte das 20. Jahrhundert mehrfach einen radikalen Umbruch der kartografischen Originalherstellung und Reproduktion. Mit der Fernerkundung und Fotogrammetrie wurde eine neue reichhaltige Datenquelle, das Luftbild und Satellitenbild, gefunden, die heute nicht mehr wegzudenken ist. Mit dem Aufkommen des Computers nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich das Bild der Kartografie stark gewandelt. Im Rahmen der Etablierung von Routenplanern auf CD-ROM und als Online-Dienst sowie von GPS-Navigationssystemen hat sich die Entwicklung in vielen Produkten niedergeschlagen.

Qualitätsmerkmale kartografischer Produkte

Um die Qualit√§t kartografischer Produkte zu bewerten, m√ľssen sie nach mehreren Kriterien gepr√ľft werden. Zu unterscheiden sind hier herk√∂mmliche gedruckte Karten und moderne Formen der digitalen Kartendarstellung. Kartographische Erzeugnisse sind in der Regel Grundriss-Darstellungen, das Gel√§nde wird quasi "von oben" betrachtet. Daraus ergeben sich relativ klar definierte Genauigkeits- und sonstige Qualit√§tskriterien:

Qualität gedruckter Karten

Die Qualit√§t herk√∂mmlicher (gedruckter) Karten wird meistens an Eigenschaften wie Vollst√§ndigkeit des Karteninhalts, Genauigkeit, Lesbarkeit und Verst√§ndlichkeit der Kartendarstellung sowie √Ąsthetik der kartografischen Gestaltung festgemacht.

Vollständigkeit

Vollst√§ndigkeit ist gegeben, wenn die Karte ‚Äď gemessen an der Zweckbestimmung und dem Ma√üstab ‚Äď die in der Wirklichkeit vorhandenen Gegenst√§nde und Sachverhalte komplett wiedergibt.

Genauigkeit

Bei der Genauigkeit einer Karte wird im Allgemeinen nach geometrischer und semantischer (thematischer) Genauigkeit unterschieden. Eine Karte ist geometrisch genau, wenn die benutzten Kartenzeichen (Signaturen) die ihnen entsprechenden raumbezogenen Objekte im Rahmen der maßstabs- und generalisierungsbedingten Darstellungsmöglichkeit an der richtigen Position und im korrekten geometrischen Zusammenhang abbilden. Sie ist semantisch genau, wenn die in der Karte benutzten Kartenzeichen die Bedeutung der ihnen entsprechenden raumbezogenen Objekte korrekt wiedergeben.

Lesbarkeit und Verständlichkeit

Lesbarkeit und Verst√§ndlichkeit einer Karte treffen zu, wenn der Kartenbenutzer sich beim Lesen der Karte schnell und leicht ein zutreffendes Bild von der dargestellten Wirklichkeit machen kann. Dies l√§sst sich an verschiedenen Merkmalen festmachen. Grafisch gut gestaltete Kartenzeichen mit hoher Symbolkraft und sinnvoller Farbgebung erleichtern das Verst√§ndnis (‚Äěselbsterkl√§rende‚Äú Karte oder naturrealistische Karte). Eine gute Generalisierung tr√§gt dazu bei, dass die wesentlichen und typischen Objekte oder Sachverhalte wiedergegeben werden und die Karte weder zu leer, noch zu √ľberladen wirkt. (Dies darf nicht damit verwechselt werden, dass eine Karte auf Grund unterschiedlicher darzustellender Gegebenheiten ‚Äď z. B. dicht besiedelte Gebiete und gro√üe Landwirtschaftsfl√§chen ‚Äď naturgem√§√ü unterschiedlich dicht wirkt.)

Beispiele zur Lesbarkeit und Verständlichkeit:

  • Symbolkraft: In einem Stadtplan wird ein Krankenhaus durch ein rotes Kreuz, eine Postfiliale durch ein gelbes Posthorn versinnbildlicht.
  • Farbgebung: Auch Farben haben eine gro√üe Symbolwirkung, die bei der Gestaltung einer Karte eingesetzt werden kann. So werden z. B. Siedlungen in der Regel rot, Gew√§sser blau, W√§lder gr√ľn dargestellt. Dabei ist darauf zu achten, dass Farben nicht zu fein abgestuft werden, denn ein Benutzer kann h√∂chstens drei verschiedene Abstufungen derselben Farbe auf der Kartenlegende wiedererkennen. Die Farberkennbarkeit ist stark abh√§ngig von der benachbarten Farbe und von der Kontrastwirkung.
  • Generalisierung von bebauten Gebieten: W√§hrend in einer Karte 1:5000 noch jedes Geb√§ude dargestellt wird, m√ľssen im Ma√üstab 1:50.000 mehrere Geb√§ude zu einer Geb√§udesignatur zusammengefasst dargestellt werden. Im Ma√üstab 1:500.000 k√∂nnen √ľberhaupt keine Geb√§ude mehr dargestellt werden; hier wird ein bebautes Gebiet durch eine farbige Fl√§che dargestellt.
  • Generalisierung von Stra√üen: Die Begrenzungslinien einer 25 m breiten Stra√üenanlage haben im Ma√üstab 1:10.000 einen Abstand von 2,5 mm. Eine solche Doppellinie ist gut lesbar. Im Ma√üstab 1:100.000 h√§tten die beiden Linien bei ma√üst√§blicher Darstellung aber nur einen Abstand von 0,25 mm und w√§ren nicht mehr als Doppellinie erkennbar. Damit die Karte verst√§ndlich bleibt, wird die Stra√üe durch eine doppellinige Signatur dargestellt, deren beide Linien einen Abstand von mindestens 1 mm haben, auch wenn dies im Ma√üstab 1:100.000 einer vier mal zu gro√üen Stra√üenbreite von 100 m entspricht
  • Mangelhafte Generalisierung: Eine Karte muss immer dann als mangelhaft beanstandet werden, wenn sie ohne kartografische Bearbeitung und Generalisierung fotomechanisch oder digital verkleinert worden ist, so dass ihre Inhalte nicht mehr richtig interpretiert werden k√∂nnen oder gar unlesbar geworden sind.

√Ąsthetik der kartografischen Gestaltung

Obwohl nicht alle Menschen √ľber ein gleiches √§sthetisches Empfinden verf√ľgen, lassen sich doch einige Merkmale nennen, an denen man eine den Betrachter ansprechende, sch√∂ne Karte erkennen kann. Abgesehen von den oben genannten Merkmalen, die erf√ľllt sein sollten, sprechen wohlgestaltete, harmonisch aufeinander abgestimmte Signaturen und eine dezente, aber aussagestarke und wirkungsvolle Farbgebung f√ľr eine gelungene Karte.

Politische oder wirtschaftliche Einfl√ľsse

Die Qualität einer Karte kann generell auch dadurch beeinträchtigt sein, dass Staaten, in denen die Informationsfreiheit stark eingeschränkt ist, kartografische Produkte einer Zensur oder Beeinflussung unterwerfen. Trotz sorgfältiger kartografischer Arbeit und ansprechender Gestaltung können sie dann erhebliche geometrische oder semantische Mängel aufweisen.

Aus wirtschaftlichen Gr√ľnden setzen nicht alle Hersteller kartografischer Produkte Fachleute ein oder statten einen Auftrag finanziell angemessen aus. So kann es auch aus diesem Grunde zu qualitativ unbefriedigenden Ergebnissen kommen.

Sonderformen

Hingegen ist die qualitative Beurteilung bei den ‚Äď meist ebenfalls der Kartografie zugeordneten ‚Äď Reliefkarten und Alpenpanoramen kaum mehr objektiv m√∂glich. Hier spielen die alpine Gel√§ndedarstellung und die in jedem Gebirge stark verzerrte Perspektive des Betrachters sowie seine Vorstellungskraft eine entscheidende Rolle. Die Mehrzahl der Nutzer k√∂nnen sich jedoch bei guten Panoramen die Berg- und Talschaften besser vorstellen als mittels noch so genauer Karten.

Qualität digitaler Karten

In der modernen digitalen Kartografie, bei der raumbezogene Informationen an Bildschirmen und Displays statisch oder dynamisch angezeigt werden und Benutzer interaktiv kommunizieren können, reichen die Qualitätsmerkmale analoger Karten zur Beurteilung von Qualität nicht aus. Hier muss sich Qualität zusätzlich auf das gesamte Informationssystem und seine Komponenten, wie z. B. Datenbanken und Programme, beziehen. Man spricht hier deshalb zutreffender auch von Gebrauchstauglichkeit (engl. usability).

Amtliche Kartografie

Beispiel amtlicher Kartografie

Im Bereich der amtlichen (beh√∂rdlichen) Kartografie werden kartografische Erzeugnisse in √∂ffentlicher Aufgabe von Beh√∂rden oder vergleichbaren √∂ffentlichen Einrichtungen bearbeitet oder herausgegeben. Die √∂ffentlichen, zum Teil auch auf einem Gesetz beruhenden Aufgaben bestehen darin, kartografische Mittel zum Zweck der Landesverteidigung, der √∂ffentlichen Sicherheit und der allgemeinen Daseinsvorsorge einzusetzen. In diesem Sinne geh√∂ren zur amtlichen Kartografie die F√ľhrung, Herausgabe und Bereitstellung vor allem von

  • amtlichen topografischen Kartenwerken,
  • Seekarten und hydrogeographischen Karten
  • milit√§rgeographischen Kartenserien,
  • geothematischen und geowissenschaftlichen Karten
  • und Liegenschaftskarten.

Amtliche Karten, vor allem topografische Karten, k√∂nnen in der Regel von jedermann k√§uflich erworben werden, soweit sie nicht einem √∂ffentlichen Verwendungsvorbehalt unterliegen. Bei der Preisgestaltung amtlicher Karten ist zu ber√ľcksichtigen, dass die teils erheblichen Kosten f√ľr die Erfassung, Verarbeitung und grafische Pr√§sentation der Geodaten aus Steuermitteln gedeckt werden. Der Verbraucher beteiligt sich mit dem Kaufpreis lediglich an den Kosten des Drucks, der Lagerhaltung und des Vertriebs bzw. der Datenaufbereitung und ‚Äďbereitstellung.

Deutschland

In Deutschland geh√∂rt die amtliche topografische Kartografie verfassungsrechtlich in die Gesetzgebungskompetenz der L√§nder. Diese nehmen die Aufgabe auf der Grundlage von Vermessungsgesetzen wahr und unterhalten dazu Landesvermessungs√§mter oder vergleichbare Einrichtungen. Zur Wahrnehmung √ľbergeordneter geod√§tischer Aufgaben und vor allem f√ľr die Versorgung von Bundeseinrichtungen mit Geobasisdaten hat der Bund das Bundesamt f√ľr Kartographie und Geod√§sie (BKG) mit Sitz in Frankfurt am Main eingerichtet. Die L√§nder haben mit dem Bund durch Verwaltungsabkommen vereinbart, dass das BKG die topografischen Karten und Daten 1:200 000 und kleinerer Ma√üst√§be f√ľr ganz Deutschland bearbeitet und herausgibt.

Amtliche geothematische Karten werden vom Bund, den Ländern und den Gemeinden je nach rechtlicher Zuständigkeit bearbeitet und herausgegeben. Hierzu zählen z. B. geowissenschaftliche Karten, Raumordnungs- und Landesplanungskarten oder Karten der Bauleitplanung.

Amtliche Seekarten insbesondere f√ľr die Navigation werden vom Bundesamt f√ľr Seeschifffahrt und Hydrografie (BSH) mit Sitz in Hamburg und Rostock bearbeitet und herausgegeben. Dies hat der Bund im Seeaufgabengesetz festgeschrieben.

In der DDR waren der Topographische Dienst Dresden mit der Au√üenstelle f√ľr Photogrammetrie (Luftbildauswertung) in Leipzig, der Topographische Dienst Erfurt und der Topographische Dienst Schwerin f√ľr das Landeskartenwerk (Ausgabe Volkswirtschaft), die Landeslage- und Landesh√∂hennetze und das Schwerenetz zust√§ndig. Ab 1971 war das Kombinat Geod√§sie und Kartographie mit der Verwaltung Vermessungs- und Kartenwesen, die dem Ministerium des Innern der DDR unterstellt war, f√ľr die amtliche Geod√§sie und Kartografie zust√§ndig. Dar√ľber hinaus lagen verschiedene Aufgaben, wie beispielsweise das Landeskartenwerk (Ausgabe Staat) beim Milit√§rtopographischen Dienst der NVA mit dem Milit√§rkartographischen Dienst in Halle und dem Kartographischen Dienst Potsdam. Die amtlichen topografischen Karten basierten auf der Topographischen Karte der DDR mit einem Ma√üstab von 1 : 10.000 als Grundma√üstab.

√Ėsterreich

Das Bundesamt f√ľr Eich- und Vermessungswesen (BEV) ist in √Ėsterreich f√ľr die amtliche Kartografie zust√§ndig.

Schweiz

Das Bundesamt f√ľr Landestopografie (swisstopo) ist in der Schweiz f√ľr die amtliche Kartografie zust√§ndig.

Verlage

Seit 2001 vermindert sich der Marktanteil gedruckter Stadtpl√§ne, Stra√üenkarten pro Jahr um etwa zehn Prozent.[2] Datenlieferanten mit umfangreichen Datenbest√§nden f√ľr Navigationsger√§te sind zum Beispiel Navteq und Tele Atlas. Als einschl√§gige Schulbuchverlage (Herstellung von Schulatlanten und Sch√ľlerhandkarten) in Deutschland m√∂gen genannt werden: Cornelsen/Volk und Wissen, Berlin; Klett-Perthes, Gotha; Westermann, Braunschweig. Die Verlage Klett-Perthes und Westermann sind auch in der Entwicklung von Schulwandkarten f√ľhrend.

Neue Entwicklungen

Neben den kostenpflichtigen Daten der kommerziellen Datenanbieter entstehen im Zuge der Weiterentwicklung der Internet-Dienstleistungen auch frei verf√ľgbare Geodatenbanken, die in nicht-kommerziellen Projekten aufgebaut und gepflegt werden. Als Beispiel sei hier OpenStreetMap zu nennen. Die kartografischen Qualit√§tsanspr√ľche sind zwar zumindest in der Entstehungsphase nicht gew√§hrleistet, aber die Aktualit√§t √ľbertrifft in einigen Gebieten bereits die der gro√üen Geodaten-Anbieter.

Organisationen

Siehe auch

Literatur

  • Steffen Siegel, Petra Weigel (Hg.): Die Werkstatt des Kartographen. Materialien und Praktiken visueller Welterzeugung, M√ľnchen (Wilhelm Fink Verlag) 2011. ISBN 978-3-7705-5187-3
  • Jeremy W. Crampton: Mapping: A Critical Introduction to Cartography and GIS (Critical Introductions to Geography) (Taschenbuch), Blackwell 2010, ISBN 1-4051-2173-4
  • Eckart Roloff: Landkarten. Wege und Irrwege in ferne L√§nder. In: Eckart Roloff: G√∂ttliche Geistesblitze. Pfarrer und Priester als Erfinder und Entdecker. Wiley-VCH, Weinheim 2010, S. 29 - 35. ISBN 978-3-527-32578-8
  • Egon Breetz : Entwicklung der geographischen Schulkartographie in der ehemaligen DDR. In: Wiener Schriften zur Geographie und Kartographie, Band 5 (Wien 1992), S. 133-143.
  • Peter Barber (Hrsg.): Das Buch der Karten: Meilensteine der Kartographie aus drei Jahrtausenden. Primus, Darmstadt 2006, ISBN 3-89678-299-1.
  • Anna-Dorothee von den Brincken, Evelyn Edson, Emilie Savage-Smith: Der mittelalterliche Kosmos. Karten der christlichen und islamischen Welt. Darmstadt 2005.
  • Brigitte Englisch: Ordo orbis terrae. Die Weltsicht in den Mappae mundi des fr√ľhen und hohen Mittelalters. Akademie, Berlin 2002, ISBN 3-05-003635-4.
  • J√ľrgen Bollmann, Wolf G√ľnther Koch (Hrsg.): Lexikon der Kartographie und Geomatik. Spektrum, Heidelberg 2001‚Äď2002, ISBN 3-8274-1055-X (Bd. 1), ISBN 3-8274-1056-8 (Bd. 2).
  • G√ľnter Hake, Dietmar Gr√ľnreich, Liqiu Meng: Kartographie. Visualisierung raum-zeitlicher Informationen. 8., vollst√§ndig neu bearb. und erw. Auflage. DeGruyter, Berlin 2002, ISBN 3-11-016404-3 (DeGruyter Lehrbuch).
  • Rolf Harbeck: Zur Situation der amtlichen topographischen Kartographie in Deutschland. In: Kartographische Nachrichten. 55. Jahrgang, Heft 6, 2005, S. 297.
  • Evelyn Edson: Mapping Time and Space. How Medieval Mapmakers viewed their World. London 1997 (British Library Studies in Map History 1).
  • Herma Kliege: Weltbild und Darstellungspraxis hochmittelalterlicher Weltkarten. M√ľnster 1991.
  • Helen M. Wallis, Cartographical Innovations. An international handbook of mapping terms to 1900. Tring, Herts 1987.
  • J√∂rg-Geerd Arentzen: Imago mundi cartographica. Studien zur Bildlichkeit mittelalterlicher Welt- und √Ėkumenekarten unter besonderer Ber√ľcksichtigung des Zusammenwirkens von Text und Bild. M√ľnchen 1984.
  • Rudi Ogrissek (Hrsg.): ABC Kartenkunde. Brockhaus, Leipzig 1983, ISBN 3-87144-784-6.
  • P. D. A. Harvey: The History of Topographical Maps. Symbols, Pictures and Surveys. Thames and Hudson, London 1980, ISBN 0-500-24105-8.
  • Anna Dorothee von den Brincken: Europa in der Kartographie des Mittelalters. Wien u. a. 1973 (Archiv f√ľr Kulturgeschichte 55).
  • Georges Grosjean, Rudolf Kinauer: Kartenkunst und Kartentechnik vom Altertum bis zum Barock. Bern, Stuttgart 1970.
  • Anna-Dorothee von den Brincken: Mappa mundi und Chronographia. Studien zur imago mundi des abendl√§ndischen Mittelalters. In: Deutsches Archiv f√ľr Erforschung des Mittelalters. Heft 24, 1968, S. 118-186.
  • Leo Bagrow, Raleigh Ashlin Skelton: Meister der Kartographie. Safari, Berlin 1973.
  • O. Harms: Die amtliche Topographie in Oldenburg und ihre kartographischen Ergebnisse. In: Oldenburger Jahrbuch. 60, Oldenburg, S. 1-38 (1961)/ 62, 123-174 (1963)/ 68, 1-76 (1969).

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Gudrun Kr√§mer: Geschichte des Islam, C. H. Beck, M√ľnchen 2005; S. 312
  2. ‚ÜĎ Interview mit Franz Pietruska
  3. ‚ÜĎ http://www.kartografie-verband.de/
  4. ‚ÜĎ http://www.oegg.info/
  5. ‚ÜĎ http://www.kartografie.ch
  6. ‚ÜĎ http://www.swisstopo.admin.ch/internet/swisstopo/de/home.html

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