Kartograph


Kartograph
Ein Kartograf bei der Arbeit (1943)

Kartograf (auch Kartograph) ist die allgemeine Berufsbezeichnung für Fachleute, die sich mit dem Fachgebiet der Kartografie befassen und insbesondere raumbezogene Daten und Informationen (Geodaten, Geoinformationen) interpretieren und mit dem Ziel bearbeiten, Karten oder kartenverwandte Produkte herzustellen. In diesem allgemeinen, auch historisch gewachsenen Sinne werden in der Kartografie tätige Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker gleichermaßen als Kartografen bezeichnet.

Im engeren Sinne ist Kartograph/Kartographin die offizielle Bezeichnung für Absolventen des staatlich anerkannten Ausbildungsberufs Kartograph/Kartographin.

Der Beruf des Kartografen ist thematisch verwandt mit den Fachgebieten Geodäsie, Geographie, Photogrammetrie, Informatik, Grafik und Design.

Die Schreibung der allgemeinen Berufsbezeichnung ist zurzeit unterschiedlich. Mit dem Hinweis auf die technischen, vor allem datenverarbeitungstechnischen Veränderungen des Berufsbildes wird vielfach die Schreibung "Kartograf" bevorzugt. In Anlehnung an die vom Duden vorgeschlagene Schreibung der (wissenschaftlichen) Bezeichnung des Fachgebietes als "Kartographie" ist aber ebenso die Schreibung "Kartograph" gebräuchlich. In der Schweiz sind die Schreibungen "Kartografie" und "Kartograf" behördlich festgelegt.

Inhaltsverzeichnis

Ausbildung

Deutschland

In Deutschland gibt es drei verschiedene berufliche Ausbildungswege:

  • Kartografen und Kartografinnen werden in dem keinem Berufsfeld zugeordneten staatlich anerkannten Ausbildungsberuf drei Jahre ausgebildet. Sie bearbeiten im wesentlichen kartografische Originale mit Hilfe computergestützter Kartenkonstruktionsprogramme nach Entwürfen und Vorgaben. Nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) lautet die Berufsbezeichnung Kartograph bzw. Kartographin.
  • Diplom-Ingenieure (mit und ohne Zusatz FH) der Fachrichtung Kartografie absolvieren ein Studium an einer der Fachhochschulen in Berlin, Dresden, Karlsruhe oder München. Sie sind hauptsächlich für die Entwicklung, den Entwurf und die Redaktion von kartografischen Erzeugnissen zuständig und nehmen auch Führungs- und Leitungsfunktionen wahr.
  • Diplom-Ingenieure der Fachrichtung Kartografie absolvieren ein Studium im Hauptfach an der Technischen Universität Dresden. An anderen Hochschulen ist das Studium der Geodäsie oder Geographie mit dem Nebenfach Kartografie möglich. Diplom-Ingenieure sind in der Forschung und Lehre an Hochschulen oder als Leiter von Behörden und Unternehmen tätig oder nehmen dort Führungs- und Leitungsfunktionen wahr.

Österreich

Zum einen existiert in Österreich der Lehrberuf Kartografie, v.a. in Kartenverlagen. Zum anderen kann an der Universität Wien, Fakultät für Geowissenschaften, Geographie und Astronomie, ein Masterstudium Kartographie und Geoinformation studiert werden.

An der TU Wien kann Kartografie als Vertiefungsrichtung im Studium Vermessungswesen und Geoinformation gewählt werden.

Schweiz

Die Ausbildung in der Schweiz ist nur als vierjährige Berufslehre im Bundesamt für Landestopografie in Wabern möglich. Bis ca. 1992 bildeten auch die Privatfirmen Kümmerly & Frey (Bern), Orell Füssli (Zürich) und Swissair Photo und Vermessungen (Regensdorf) Kartografen aus. Die Berufsbezeichnung lautet gelernter Kartograf bzw. gelernte Kartografin. Seit 2008 wird das Ausbildungsreglement durch den Trägerverein Geomatiker/in Schweiz überarbeitet; vorbehältlich der Zustimmung durch das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie und den Bundesrat wird in der Schweiz ab 2010 die Berufsbezeichnung Geomatiker/in (mit Schwerpunkt Kartografie) lauten.

An der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, Institut für Kartografie, kann jedoch nicht Kartografie im Hauptfach studiert werden. Stattdessen können Geomatikingenieure, Geographen usw. Kartografie im Nebenfach belegen.

Historische Bezeichnungen

Der Begriff „Kartograf“ entstand erst kurz vor 1830. Heute werden die Kartenzeichner des Altertums, des Mittelalters und der Frühen Neuzeit ebenfalls oft als Kartografen bezeichnet. Die damals verwendete Eigenbezeichnung war entweder auf die verwendete Technik bezogen („chalcographus“, „sculptor“, „Kartolithograph“) oder verwies explizit auf den Anteil am Werk („auctor“, „delineator“).

Nur wenige Spezialisten wie Gerhard Mercator widmeten als „cosmographus“ oder „geographus“ ihr Leben vollumfänglich der Kartografie. In einigen Staaten kam es vor, dass erfolgreiche „Kartografen“ mit dem Titel eines kaiserlichen Geographen (Johann Baptist Homann im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation) bzw. eines «géographe du roi» (Guillaume Delisle in Frankreich) ausgezeichnet wurden. Auf Deutsch war auch die Bezeichnung „Kartenmacher“ oder „Kartenmaler“ in Gebrauch.

Die meisten „Kartografen“ vor der Einführung des Ausbildungsberufs in der Mitte des 20. Jahrhunderts waren jedoch nur nebenbei oder fallweise in der Kartografie tätig. Viele „Kartografen“ der Frühen Neuzeit waren Wissenschaftler verschiedenster Art wie Hebraist (Sebastian Münster), Arzt (Konrad Türst), Mathematiker und Theologe (Johannes Schöner) oder Astronom (Edmond Halley). Andere übten Tätigkeiten des Verlagswesens aus wie Buchhändler und Verleger (Matthäus Merian) oder Kupferstecher (Matthäus Seutter). Ab dem 17. Jahrhundert waren Militäringenieure (Daniel Specklin), ab dem 19. Jahrhundert eigentliche Vermessungsingenieure und Geodäten (Karl von Müffling) in der Kartografie tätig. Auch Künstler und Berufsleute wie Glasmaler (Hans Conrad Gyger), Baumeister (Erich Philipp Ploennies) und Landwirt (Peter Anich) sind heute als „Kartografen“ noch bekannt, während die Leistungen in ihrem angestammten Beruf manchmal in den Hintergrund treten oder fast vergessen sind.

Diverse als „Kartografen“ genannte Entdecker (Thomas Mackenzie) und Naturforscher Eduard Wassiljewitsch Toll) sind vielfach eher Kartenautoren und nicht Kartografen im Sinne der drucktechnischen Vervielfältigung der betreffenden Expeditionsergebnisse. Das häufig verwendete Verb „kartographieren“ bezeichnet in der Alltagssprache meist die Aufnahme – mit oder ohne Vermessung – von bisher unbekannten Küsten oder Landstrichen. Schiffskapitäne oder Expeditionsleiter werden in Biografien daher vielfach irrtümlich als „Kartografen“ bezeichnet, obwohl diese nur vereinzelt tatsächlich Karten selbst gezeichnet haben.

Kartografen-Verzeichnisse

Das erste Kartografen-Verzeichnis mit 170 Namen war der Catalogus auctorum des Abraham Ortelius, das in seinem Atlas Theatrum Orbis Terrarum 1570 erschien. Ein weiteres bekanntes Verzeichnis wurde von Vincenzo Maria Coronelli in seiner Cronologia Universale (1707) herausgegeben.

Im deutschen Sprachraum erschienen moderne Verzeichnisse namentlich von Leo Bagrow (1951) und Wilhelm Bonacker (1966). Das neuste internationale Verzeichnis, Tooley’s dictionary of mapmakers, listet rund 27.000 Personen in vier Bänden auf. Für diverse Länder und Region existieren eigene Verzeichnisse, so für Großbritannien, Polen, Spanien und die Schweiz.

Berühmte Kartografen

sortiert nach Geburtsjahr, siehe auch Kategorie:Kartograf

15. Jahrhundert

16. Jahrhundert

17. Jahrhundert

18. Jahrhundert

19. Jahrhundert

20. Jahrhundert

Literatur

  • Joachim Neumann: Begriffsgeschichtliches um den Kartographen. In: Kartographische Nachrichten 38, 5 (1988) S. 185–190.
  • Tooley’s dictionary of mapmakers. Revised ed., hrsg. von Josephine French ... [et al.]. Riverside, CT: Early World Press, 1999–2004. ISBN 0-906430-14-3 (Bd. 1).

Weblinks


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