Katastrophe von Tschernobyl

ï»ż
Katastrophe von Tschernobyl
Reaktor Nr. 4 in Tschernobyl im September 2006
Lage des Kraftwerks in der NĂ€he der Stadt Prypjat
Satellitenbild der Region aus dem Jahr 1997

Die Katastrophe von Tschernobyl ereignete sich am 26. April 1986 in Block 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl nahe der ukrainischen Stadt Prypjat. Als erstes Ereignis wurde sie auf der siebenstufigen internationalen Bewertungsskala fĂŒr nukleare Ereignisse als katastrophaler Unfall eingeordnet.

Bei einer unter der Leitung von Anatoli Stepanowitsch Djatlow durchgefĂŒhrten Simulation eines vollstĂ€ndigen Stromausfalls kam es auf Grund schwerwiegender VerstĂ¶ĂŸe gegen die geltenden Sicherheitsvorschriften sowie der bauartbedingten Eigenschaften des mit Graphit moderierten Kernreaktors vom Typ RBMK-1000 zu einem unkontrollierten Leistungsanstieg, der zur Explosion des Reaktors fĂŒhrte. Innerhalb der ersten zehn Tage nach der Explosion wurde eine AktivitĂ€t von mehreren Trillionen Becquerel freigesetzt. Die so in die ErdatmosphĂ€re gelangten radioaktiven Stoffe, darunter die Isotope Caesium-137 mit einer Halbwertszeit (HWZ) von rund 30 Jahren und Iod-131 (HWZ: 8 Tage), kontaminierten infolge radioaktiven Niederschlags hauptsĂ€chlich die Region nordöstlich von Tschernobyl sowie viele LĂ€nder in Europa.

Nach der Katastrophe begannen sogenannte Liquidatoren mit der Dekontamination der am stĂ€rksten betroffenen Gebiete. Unter der Leitung des Kurtschatow-Instituts errichtete man bis November 1986 einen aus Stahlbeton bestehenden provisorischen Schutzmantel (ĐŸĐ±ŃŠĐ”Đșт уĐșрытОД), der meist als „Sarkophag“ bezeichnet wird.

Über die weltweiten gesundheitlichen Langzeitfolgen, insbesondere jene, die auf eine gegenĂŒber der natĂŒrlichen Strahlenexposition geringfĂŒgig erhöhte effektive Dosis zurĂŒckzufĂŒhren sind, gibt es seit Jahren Kontroversen.

Inhaltsverzeichnis

Hergang

Ursachen

Die Katastrophe ereignete sich bei einem unter der Leitung von Anatoli Stepanowitsch Djatlow durchgefĂŒhrten Versuch, der einen vollstĂ€ndigen Stromausfall am Kernreaktor simulieren sollte. Dieser sollte den Nachweis erbringen, dass nach einer daraufhin notwendigen Reaktorabschaltung eine ausreichende Stromversorgung gewĂ€hrleistet ist.

Als Hauptursachen fĂŒr die Katastrophe gelten die bauartbedingten Eigenschaften des Graphit-moderierten Kernreaktors (Typ RBMK-1000) in einem unzulĂ€ssig niedrigen Leistungsbereich und schwerwiegende VerstĂ¶ĂŸe der Operatoren gegen geltende Sicherheitsvorschriften wĂ€hrend des Versuches.[1]

Kennzeichnend fĂŒr diesen Reaktortyp unter dieser Voraussetzung ist ein stark positiver Void-Koeffizient â€“ die Verringerung der Neutronenabsorption des KĂŒhlwassers infolge von Dampfblasenbildung (DichteĂ€nderung) bei Leistungssteigerung. Ein hoher Void-Koeffizient wurde zudem begĂŒnstigt durch den fortgeschrittenen Abbrand des Kernbrennstoffes. Weiterhin war die betriebliche ReaktivitĂ€tsreserve (minimal erforderliche ReaktivitĂ€tsbindung durch hinreichend in den Reaktor eingefahrene SteuerstĂ€be) nicht in das automatische Reaktorsicherheitssystem eingebunden, sondern lediglich ein Minimalwert in den Betriebsvorschriften vorgegeben. Dieser Minimalwert war bereits Stunden vor Beginn des Versuchs unterschritten â€“ der Reaktor hĂ€tte abgeschaltet werden mĂŒssen. Außerdem hat die Betriebsmannschaft Sicherheitssysteme abgeschaltet, um im Bedarfsfall den Versuch wiederholen zu können. Die automatisch arbeitenden Sicherheitssysteme hĂ€tten das ansonsten planmĂ€ĂŸig verhindert. Es ist umstritten, inwieweit sie â€“ in eingeschaltetem Zustand â€“ bei den gegebenen ungeplanten Randbedingungen des Versuchs auch dessen ErstdurchfĂŒhrung oder zumindest den Eintritt einer Katastrophe bei DurchfĂŒhrung verhindert hĂ€tten.

Die endgĂŒltige Auslösung der explosionsartigen Leistungsexkursion ist wahrscheinlich auf eine weitere konstruktive Besonderheit des Regelstabsystems zurĂŒckzufĂŒhren: Ein Großteil der SteuerstĂ€be hat an ihrem unteren Ende Graphitspitzen, die beim Einfahren aus der oberen Endlage zunĂ€chst eine positive ReaktivitĂ€tszufuhr (Leistungssteigerung) in Höhe eines halben Betas bewirken; eine Leistungsminderung bewirken sie erst bei grĂ¶ĂŸerer Einfahrtiefe.

Als der Schichtleiter Alexander Akimow schließlich die Reaktorschnellabschaltung auslöste, trat genau dieser Effekt ein: Viele StĂ€be fuhren gleichzeitig ein und fĂŒhrten dadurch dem Reaktor mehr ReaktivitĂ€t zu. Dieser wurde prompt ĂŒberkritisch, das heißt die Kettenreaktion der Kernspaltungen lief auch ohne verzögerte Neutronen von allein weiter und war daher nicht mehr regelbar. Die Leistung stieg innerhalb von Sekundenbruchteilen auf ein Vielfaches (vermutlich etwa auf das Hundertfache) der Nennleistung an.

Eine weitere SchwÀche des RBMK war das Fehlen eines SicherheitsbehÀlters. Unklar ist allerdings, ob dieser den Explosionen standgehalten hÀtte.

Umstritten ist auch, welchen Anteil die Fehlentscheidungen des Kraftwerkpersonals am Zustandekommen des UnglĂŒcks hatten. Dass Betriebsvorschriften verletzt wurden, ist eine Tatsache. In welchem Umfang sie dem Personal bekannt waren, ist fraglich. Unerfahrenheit und unzureichende Kenntnisse, insbesondere in Zusammenhang mit der Leistungsanhebung des (mit Xenon vergifteten) Reaktors werden angefĂŒhrt. Da beim Versuch ein neuartiger Spannungsregler getestet werden sollte, bildeten Elektrotechniker einen Großteil des anwesenden Personals.

Wesentlich zum Zustandekommen des Unfalls beigetragen hat die Verschiebung des Versuchs um rund einen halben Tag. Die lange Haltezeit auf Teillast fĂŒhrte zu einer Anreicherung des Reaktors mit neutronenabsorbierendem Xenon-135. Dadurch wurde das neutronenphysikalische Verhalten des Reaktors wesentlich komplexer und unĂŒbersichtlicher. Auch war zum Zeitpunkt des Versuchs ein anderes Schichtpersonal als ursprĂŒnglich geplant anwesend.

Geplanter Versuchsablauf

Auch ein abgeschaltetes Kernkraftwerk ist auf die Versorgung mit elektrischer Energie angewiesen, beispielsweise zur Aufrechterhaltung der KĂŒhlung und fĂŒr die Instrumentierung und Überwachung. Im Normalfall wird der Eigenbedarf eines abgeschalteten Kraftwerks aus dem öffentlichen Energieversorgungsnetz oder von Nachbarblöcken gedeckt. Ist das nicht möglich, laufen Notstromaggregate an.

Im Rahmen einer zwecks Wartungsarbeiten anstehenden Abschaltung des Reaktors sollte nun gezeigt werden, dass die Rotationsenergie der auslaufenden Turbinen bei gleichzeitig unterstelltem Netzausfall ausreicht, die Zeit von etwa 40 bis 60 Sekunden bis zum vollen Anlaufen der Notstromaggregate zu ĂŒberbrĂŒcken. Nach Sicherheitsvorschriften hĂ€tte der Versuch bereits vor der kommerziellen Inbetriebnahme im Dezember 1983 durchgefĂŒhrt werden sollen.

Ein nicht durch Xenon-135 vergifteter Reaktor ohne Abbrand hĂ€tte sicherere Voraussetzungen geboten. Ein im Block 3 des Kraftwerkes bereits durchgefĂŒhrter Versuch war 1985 fehlgeschlagen, weil die Spannung zu schnell abfiel.[2] Nun sollte der Versuch im Block 4 mit einem verbesserten Spannungsregler wiederholt werden.

Es war vorgesehen, den Versuch bei reduzierter Reaktorleistung (zwischen 700 und 1.000 MWth) durch Schließung der Dampfzufuhr zu den Turbinen einzuleiten.

Chronologie

Freitag, 25. April 1986, 1:06 Uhr
Als erster Schritt sollte die thermische Leistung des Reaktors von ihrem Nennwert bei 3200 Megawatt (MW) auf 1000 MW reduziert werden, wie bei einer Regelabschaltung ĂŒblich. Der Reaktor sollte sowohl fĂŒr eine Revision als auch fĂŒr den Test heruntergefahren werden.[3]

25. April 1986, 13:05 Uhr
Aufgrund erhöhter Stromnachfrage wird auf Anweisung des Lastverteilers in Kiew die Leistungsabsenkung bei einer erreichten Leistung von 1600 MW unterbrochen und der Reaktor mit dieser Leistung konstant weiter betrieben. Bei diesen etwa 50 % Leistung wird der Turbogenerator 7 abgeschaltet.[3] Es bildet sich das Neutronengift Xenon-135.

25. April 1986, 14:00 Uhr
Es wird begonnen, das NotkĂŒhlsystem abzuschalten. Grund dafĂŒr war, dass bei einem NotkĂŒhlsignal kein Wasser in den Reaktor gepumpt werden soll.[3]

25. April 1986, 23:10 Uhr
Es erfolgt die Freigabe zur weiteren Leistungsabsenkung. Der Reaktor soll nun langsam auf 25 % der Nennleistung abgefahren werden.[3]

Samstag, 26. April 1986, 0:00 Uhr
Eine neue Schichtmannschaft ĂŒbernimmt den Reaktor.

26. April 1986, 0:28 Uhr
Bei 500 MW erfolgte eine Umschaltung innerhalb der Reaktorleistungsregelung. Durch einen Bedienfehler, durch den der Sollwert fĂŒr die Gesamtleistungsregelung möglicherweise nicht richtig eingestellt wurde, oder aufgrund eines technischen Defekts sank die Leistung weiter bis auf nur noch etwa 30 MW, was ca. 1 % der Nennleistung betrĂ€gt.

Wie nach jeder Leistungsabsenkung erhöhte sich vorĂŒbergehend die Konzentration des Isotops Xenon-135 im Reaktorkern („Xenonvergiftung“). Da Xenon-135 als Neutronengift die fĂŒr die nukleare Kettenreaktion benötigten Neutronen sehr stark absorbiert, nahm aufgrund der Konzentrationszunahme die ReaktivitĂ€t des Reaktors immer weiter ab. Als die Betriebsmannschaft am 26. April 1986 um 0:32 Uhr die Leistung des Reaktors durch weiteres Ausfahren von SteuerstĂ€ben wieder anheben wollte, gelang ihr das infolge der mittlerweile aufgebauten Xe-Vergiftung nur bis zu etwa 200 MW oder 7 % der Nennleistung.

Obwohl der Betrieb auf diesem Leistungsniveau unzulĂ€ssig war (laut Vorschrift durfte der Reaktor nicht unterhalb von 20 % der Nennleistung betrieben werden, was 640 MW entspricht) und sich zu diesem Zeitpunkt außerdem viel weniger SteuerstĂ€be im Kern befanden, als fĂŒr einen sicheren Betrieb vorgeschrieben waren, wurde der Reaktor nicht abgeschaltet, sondern der Betrieb fortgesetzt.

26. April 1986, 1:03 Uhr bzw. 1:07 Uhr
Beim Schließen der Turbineneinlassventile lĂ€uft normalerweise das KernnotkĂŒhlsystem an. Dieses war jetzt jedoch ausgeschaltet. Um dessen Stromverbrauch fĂŒr den Versuch zu simulieren, wurden nacheinander zwei zusĂ€tzliche HauptkĂŒhlmittelpumpen in Betrieb genommen. Der dadurch erhöhte KĂŒhlmitteldurchsatz verbesserte die WĂ€rmeabfuhr aus dem Reaktorkern und reduzierte demgemĂ€ĂŸ den Dampfblasengehalt in ihm. Der positive Dampfblasen-Koeffizient bewirkte eine ReaktivitĂ€tsabnahme, auf welche die (automatische) Reaktorregelung mit dem Herausfahren weiterer SteuerstĂ€be reagierte. Der Reaktorzustand verschob sich weiter in den unzulĂ€ssigen Bereich.

26. April 1986, 1:19 Uhr
Die Wasserzufuhr in den Reaktor wird erhöht, um so die Warnsignale zu deaktivieren.[3]

26. April 1986, 1:22 Uhr
Es gelingt, den Reaktor zu stabilisieren und den Wasserpegel im Reaktor auf zwei Drittel des vorgeschriebenen Wertes zu steigern.[3]

Einfahrweite der SteuerstĂ€be (GrĂŒn) und von unten eingefahrene gekĂŒrzte AbsorberstĂ€be (Gelb) um 1:22:30, ca. 1min30s vor der Explosion (in Zentimetern)[4]:119

26. April 1986, 1:23:04 Uhr
Der eigentliche Test begann durch Schließen der Turbinenschnellschlussventile. Dadurch wurde die WĂ€rmeabfuhr aus dem Reaktor unterbrochen, sodass die Temperatur des KĂŒhlmittels nun anstieg. Infolge des positiven Dampfblasen-Koeffizienten kam es jetzt zu einem Leistungsanstieg, auf den die automatische Reaktorregelung folgerichtig mit dem Einfahren von SteuerstĂ€ben reagierte. Infolge der relativ langsamen Einfahrgeschwindigkeit der SteuerstĂ€be konnte die Leistung allerdings nicht stabilisiert werden, sodass der Neutronenfluss weiter anstieg. Dies bewirkte einen verstĂ€rkten Abbau der im Kern angesammelten Neutronengifte (insbesondere Xenon-135). Dadurch stiegen ReaktivitĂ€t und Reaktorleistung weiter an, wodurch immer grĂ¶ĂŸere Mengen an Dampfblasen entstanden, die ihrerseits wieder die Leistung erhöhten. Die Effekte schaukelten sich so gegenseitig auf.

26. April 1986, 1:23:40 Uhr
Der Schichtleiter Aleksandr Akimow löst manuell den Knopf des Havarieschutzes, Typ 5 (Notabschaltung des Reaktors), aus. Dazu wurden alle zuvor aus dem Kern entfernten SteuerstÀbe wieder in den Reaktor abgeworfen; doch hier zeigte sich ein weiterer Konzeptionsfehler des Reaktortyps: Durch die an den Spitzen der StÀbe angebrachten Graphitblöcke (Graphit war der Hauptmoderator des Reaktors) wurde beim Einfahren eines vollstÀndig herausgezogenen Stabs die ReaktivitÀt zunÀchst kurzzeitig um den Wert eines halben Betas erhöht, bis der Stab tiefer in den Kern eingedrungen war.[1]

Die durch das gleichzeitige Einfahren aller StĂ€be massiv gesteigerte Neutronenausbeute ließ die ReaktivitĂ€t so weit ansteigen, dass schließlich (um 1:23:44) die prompten Neutronen alleine (also ohne die verzögerten Neutronen) fĂŒr die Kettenreaktion ausreichten („prompte KritikalitĂ€t“) und die Leistung innerhalb von Sekundenbruchteilen das Hundertfache des Nennwertes ĂŒberschritt („nukleare Leistungsexkursion“).

Durch diese Leistungsexkursion im Reaktorkern erhitzten sich Wasser, Graphit, SteuerstĂ€be und BrennstĂ€be stark. Erste Explosionen fanden möglicherweise in den Brennelementen statt.[4]:67 Im Folgenden begannen Druckröhren zu bersten[4]:114, so dass die Reaktorauslegung ĂŒberschritten wurde, die maximal zwei gleichzeitig zerstörte KanĂ€le voraussetzte[4]:128. Die einfahrenden SteuerstĂ€be erreichten nicht die Endposition[4]:114, sondern wurden möglicherweise durch eine ĂŒberdruckbedingte Verschiebung von Reaktorbauteilen blockiert.[4]:69 Das Zirconium der BrennstĂ€be (Ummantelung der BrennstĂ€be) wie auch der Graphit konnte mit dem heißen Dampf reagieren. Wasserstoff und Kohlenmonoxid entstanden in grĂ¶ĂŸeren Mengen und konnten aufgrund der BeschĂ€digungen des Reaktorkernes entweichen. Unterhalb des ReaktorgebĂ€udedeckels bildeten diese mit dem Sauerstoff der Luft ein explosives Gasgemisch, das sich vermutlich entzĂŒndete und zu einer zweiten Explosion (nur Sekunden nach der „nuklearen Leistungsexkursion“) fĂŒhrte. Welche Explosion zum Abheben des ĂŒber 1000 Tonnen schweren Deckels des Reaktorkerns (biologischer Schild) fĂŒhrte, ist nicht ganz klar. Außerdem zerstörten die Explosionen das (nur als Wetterschutz ausgebildete) Dach des ReaktorgebĂ€udes, sodass der Reaktorkern nun nicht mehr eingeschlossen war und direkte Verbindung zur AtmosphĂ€re hatte. Der glĂŒhende Graphit im Reaktorkern fing sofort Feuer. Insgesamt verbrannten wĂ€hrend der folgenden zehn Tage 250 Tonnen Graphit, das sind etwa 15 % des Gesamtinventars.

Große Mengen an radioaktiver Materie wurden durch die Explosionen und den anschließenden Brand des Graphits in die Umwelt freigesetzt, wobei die hohen Temperaturen des Graphitbrandes fĂŒr eine Freisetzung in große Höhen sorgten. Insbesondere die leicht flĂŒchtigen Isotope Iod-131 und CĂ€sium-137 bildeten gefĂ€hrliche Aerosole, die in einer radioaktiven Wolke teilweise hunderte oder gar tausende Kilometer weit getragen wurden, bevor sie der Regen aus der AtmosphĂ€re wusch. Radioaktive Stoffe mit höherem Siedepunkt wurden hingegen vor allem in Form von Staubpartikeln freigesetzt, die sich in der NĂ€he des Reaktors niederschlugen.

26. April 1986, 4:30 Uhr
Akimow meldet einem Mitglied der Kraftwerksleitung, Nikolai Fomin, dass der Reaktor intakt geblieben sei. Obwohl augenscheinlich ĂŒberall BruchstĂŒcke der BrennstĂ€be sowie Graphitelemente verstreut lagen und die Situation bei Tageslicht offensichtlich war, wird seitens der Operatoren sowie der Kraftwerksleitung noch bis zum Abend des 26. April darauf beharrt, dass der Reaktor intakt sei und nur gekĂŒhlt werden mĂŒsse. Entsprechende Meldungen wurden nach Moskau ĂŒbermittelt. Dieser Umstand ist nach Gregori Medwedew hauptursĂ€chlich fĂŒr die spĂ€te Evakuierung der Stadt Prypjat.[1]

26. April 1986, gegen 5:00 Uhr
Die BrĂ€nde außerhalb des Reaktors waren durch die Werkfeuerwehr gelöscht. Block 3 wurde abgeschaltet.

Abwurf von Materialien aus einem Hubschrauber, um die Freisetzung von Spaltprodukten zu verringern

26. April 1986, gegen 15:12 Uhr
Der Werksfotograf Anatoli Rasskasov macht die ersten Aufnahmen von der radioaktiven Rauchfahne und dem zerstörten Reaktorblock 4 von einem Hubschrauber aus. Ein Großteil seiner Aufnahmen waren infolge der hohen StrahlungsaktivitĂ€t geschwĂ€rzt. Einige AbzĂŒge behielt er fĂŒr sich und die anderen Fotos mitsamt der Negative wurden dem Notfallstab und den Sicherheitsbehörden ĂŒbergeben. Einige Aufnahmen werden erst am 30. April 1986 retuschiert im sowjetischen Fernsehen gezeigt, um das Ausmaß des UnglĂŒcks weniger dramatisch darstellen zu können.

27. April 1986
Die Blöcke 1 und 2 wurden um 1:13 bzw. 2:13 abgeschaltet. Es wurde begonnen, den Reaktor von Block 4 mit Blei, Bor, Dolomit, Sand und Lehm zuzuschĂŒtten. Dies verringerte die Spaltproduktfreisetzung und deckte den brennenden Graphit im Kern ab. Insgesamt wurden ca. 40 t Borcarbid abgeworfen, um die Kettenreaktion zu unterbinden, ca. 800 t Dolomit, um den Graphitbrand zu unterdrĂŒcken und die WĂ€rmeentwicklung zu verringern, ca. 2400 t Blei, um die Gammastrahlung zu verringern, wie auch eine geschlossene Schicht ĂŒber den schmelzenden Kern zu bilden und ca. 1800 t Sand und Lehm, um die radioaktiven Stoffe zu filtern.[3] Rund 1800 HubschrauberflĂŒge waren hierfĂŒr nötig. Das zur KĂŒhlung in den Block 4 eingeleitete Wasser sammelt sich aufgrund der geborstenen Leitungen in den RĂ€umen unter dem Reaktor, wo es stark kontaminiert wurde und mit etwa 1000 Röntgen pro Stunde (=10 Gray pro Stunde) strahlte.[1] Zur gleichen Zeit begann die Evakuierung der in der NĂ€he liegenden Stadt Prypjat mit 48.000 Einwohnern.

28. April 1986, 9:00 Uhr
Im ĂŒber 1200 Kilometer entfernten Kernkraftwerk Forsmark in Schweden wurde aufgrund erhöhter RadioaktivitĂ€t auf dem GelĂ€nde automatisch Alarm ausgelöst.[5] Messungen an der Arbeitsbekleidung der Angestellten ergaben erhöhte radioaktive Werte. Nachdem die eigenen Anlagen als Verursacher ausgeschlossen werden konnten, richtete sich der Verdacht aufgrund der aktuellen Windrichtung gegen eine kerntechnische Anlage auf dem Gebiet der Sowjetunion.

28. April 1986, 21:00 Uhr
Nachdem die sowjetischen Behörden zunĂ€chst eine Nachrichtensperre erlassen hatten, meldete die amtliche Nachrichtenagentur TASS erstmals einen „Unfall“ im Kernkraftwerk Tschernobyl. Um 21:30 Uhr wird in der Nachrichtensendung Wremja eine Meldung verlesen, dass der Reaktor in Tschernobyl beschĂ€digt sei und man „Maßnahmen zur Beseitigung der Folgen der Havarie“ ergriffen habe. Um 19:32 Uhr MEZ schickt die Presseagentur dpa eine erste Eilmeldung an die Nachrichtenredaktionen in der Bundesrepublik Deutschland ab.

29. April 1986
Sowjetische Quellen sprachen erstmals von einer „Katastrophe“ und von zwei Todesopfern.[6] Internationale Medien berichten erstmals ausfĂŒhrlicher ĂŒber den Unfall, verfĂŒgten aber ĂŒber kein Bild- oder Filmmaterial vom UnglĂŒcksort. US-MilitĂ€rsatelliten liefern ab dem Nachmittag erste Aufnahmen und Informationen, die allerdings der Öffentlichkeit vorenthalten werden.

30. April 1986
Im sowjetischen Fernsehen wird erstmals ein Foto vom UnglĂŒcksort gezeigt, das aber retuschiert wurde. Die ARD-Nachrichtensendung Tagesschau zeigte dieses Foto ebenfalls.

1. Mai 1986
Der erst im Februar 1986 in die Erdumlaufbahn entsandte französische Erderkundungssatellit SPOT 1 lieferte den internationalen Fernsehmedien Aufnahmen von Infrarotbildern der nuklearen Rauchfahne ĂŒber dem Reaktor. Am 3. Mai lieferten auch LANDSAT-Satelliten erstmals Aufnahmen, die allerdings sehr ungenau waren und keine AufschlĂŒsse ĂŒber das Ausmaß der Katastrophe zeigen konnten.

4. und 5. Mai 1986
Es wurde unterhalb der Anlage begonnen, gasförmigen Stickstoff einzublasen, um so das Feuer zu ersticken. ZunÀchst bewirkte ein Nebeneffekt, dass die WÀrme im Kern anstieg und so auch mehr radioaktive Partikel hinausgeblasen wurden.[3]

6. Mai 1986
Die Freisetzung der Spaltprodukte war weitgehend unterbunden. Man begann, ein StickstoffkĂŒhlsystem unter dem Reaktor einzubauen.[3]

Reaktion und Gegenmaßnahmen

Nachdem Prypjat am 27. April 1986 evakuiert worden war, erfasste der nĂ€chste Evakuierungs-Schritt bis zum 3. Mai sĂ€mtliche Einwohner aus einem Umkreis von zehn Kilometern um den Reaktor. Weitere 116.000 Menschen wurden am 4. Mai 1986 aus dem Gebiet 30 km um den Reaktor evakuiert. In den folgenden Jahren wurden nochmals 210.000 Einwohner umgesiedelt. Mittlerweile betrĂ€gt die Sperrzone 4300 Quadratkilometer.[7]

ZunĂ€chst war die Reaktion auf den Unfall in Tschernobyl von einer UnterschĂ€tzung der Lage und von Desinformation geprĂ€gt. So war der Kreml noch am Morgen nach der Explosion nur von einem Feuer im Atomkraftwerk informiert, nicht von einer Explosion. Erst als der sowjetische Zivilschutz in Prypjat am Tag gefĂ€hrlich hohe Strahlungsbelastungen maß und nach Moskau meldete, berief Parteichef Michail Gorbatschow einen Krisenstab ein und entsandte Experten zum UnglĂŒcksort. WĂ€hrend die Stadt Prypjat 36 Stunden nach dem Unfall evakuiert worden war, richteten sich die Experten dort – zunĂ€chst ohne jegliche Schutzmaßnahmen gegen die radioaktive Belastung – ein. Erst als man zwei Tage nach der Explosion in Schweden erhöhte RadioaktivitĂ€t maß und in Moskau nachfragte, ob dort Ursachen bekannt seien, begann man dort, das Ausmaß der Katastrophe zu erahnen.

Zwar ging die Evakuierung im Umkreis um das Kraftwerk weiter, bis schließlich eine 30-km-Zone gerĂ€umt wurde. Die Bevölkerung in den umliegenden Gebieten wurde aber nach wie vor nicht ĂŒber die Gefahr in Kenntnis gesetzt. WĂ€hrend den Feierlichkeiten zum 1. Mai befanden sich besonders viele Menschen im Freien, ohne ĂŒber die Gefahr informiert zu sein. International wurde der Vorfall aber mittlerweile bekanntgegeben. Am 5. Mai besuchte Hans Blix, Direktor der IAEA, auf Einladung von Gorbatschow Tschernobyl und besichtigte bei einem Hubschrauberflug den havarierten Reaktor. Auf einer Pressekonferenz in Moskau kĂŒndigten Blix und die sowjetischen Verantwortlichen öffentlich eine internationale Konferenz zum Tschernobyl-Vorfall in Wien an, auf der die Sowjetunion alle verfĂŒgbaren Informationen zur VerfĂŒgung stellen wollte. Am 14. Mai wandte sich Gorbatschow in einer Fernsehansprache ans Volk und stimmt die Menschen auf die BewĂ€ltigung der Folgen des UnglĂŒcks ein.

Kurz darauf wurde damit begonnen, zur Versiegelung des havarierten Reaktors und zur SĂ€uberung des stark belasteten Umkreises des Kraftwerks eine große Zahl von Helfern nach Tschernobyl zu transportieren, die als sog. Liquidatoren unter dem Oberbefehl von General Nikolai Tarakanov jeweils nur fĂŒr kurze Zeit unter lebensgefĂ€hrlichen Bedingungen tĂ€tig waren. Die Liquidatoren wurden zum Teil unter den aus der 30-km-Sperrzone Evakuierten rekrutiert, es waren jedoch auch u. a. Soldaten und Reservisten im Einsatz.

Um den radioaktiven Staub auf dem Boden zu binden, wurde um den Reaktor mit Hubschraubern eine klebrige Substanz auf Polymerbasis verteilt, der man den Namen Burda (russisch fĂŒr dĂŒnne BrĂŒhe) gab. In den Siedlungen wurden die DĂ€cher aller GebĂ€ude gesĂ€ubert. SĂ€mtliche Tiere in der Sperrzone wurden erlegt. Einige Dörfer wurden abgerissen und die TrĂŒmmer vergraben. Auf dem ReaktorgelĂ€nde wurden 300.000 mÂł kontaminierte Erde abgetragen, in GrĂ€ben geschoben und mit Beton versiegelt. Über dem havarierten Reaktor wurde ein „Sarkophag“ aus Stahl und Beton gebaut. Die Arbeiten auf dem Dach des Reaktors, wo die Strahlenbelastung am grĂ¶ĂŸten war, sollte zuerst von ferngesteuerten Fahrzeugen erledigt werden. Nachdem diese jedoch unter den extremen Bedingungen versagten, kamen auch hier Menschen zum Einsatz.[8]

Folgen

Die wichtigsten freigesetzten Radionuklide[9]
Radionuklid Halbwertszeit[10] AktivitÀt in 1015 Bq
85Kr 10,8 a 33
133Xe 5,25 d 6500
129mTe 33,6 d 240
132Te 3,2 d ≈1150
131I 8,02 d ≈1760
133I 20,8 h 910
134Cs 2,06 a ≈47
136Cs 13,2 d 36
137Cs 30,2 a ≈85
89Sr 50,5 d ≈115
90Sr 28,8 a ≈10
103Ru 39,3 d >168
106Ru 374 d >73
140Ba 12,8 d 240
95Zr 64,0 d 84
99Mo 2,74 d >72
141Ce 32,5 d 84
144Ce 285 d ≈84
239Np 2,36 d 400
238Pu 87,7 a 0,015
239Pu 24 100 a 0,013
240Pu 6 560 a 0,018
241Pu 14,4 a ≈2,6
242Pu 375 000 a 0,00004
242Cm 163 d ≈0,4

Vorbemerkung

Die Folgen der Reaktorkatastrophe werden nach wie vor sehr kontrovers erörtert. Ein im September 2005 veröffentlichter Report des Tschernobyl-Forums beschreibt die gesundheitlichen, ökologischen und sozioökonomischen Auswirkungen aus der Sicht der Mitglieder dieses Forums.

Das Tschernobyl-Forum besteht aus vier Nebenorganen der UNO (dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP), dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP), dem BĂŒro der Vereinten Nationen zur Koordinierung der humanitĂ€ren Hilfe (OCHA) und dem Wissenschaftlichen Komitee der Vereinten Nationen ĂŒber die Wirkungen atomarer Strahlungen (UNSCEAR)), vier autonomen Organisationen, die mit der UNO durch VertrĂ€ge verbunden sind (der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO), der Weltbank, der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der ErnĂ€hrungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO)) sowie aus den Regierungen von Weißrussland, Russland und der Ukraine.

Die Ausarbeitung des Tschernobyl-Forums wird von einigen Wissenschaftlern und Nichtregierungsorganisationen wie Greenpeace oder IPPNW kritisiert. Dem Report wird einerseits vorgeworfen, parteiisch zu sein und die Folgen des ReaktorunglĂŒcks vorsĂ€tzlich zu verharmlosen. Andererseits wird auf methodische MĂ€ngel hingewiesen. So umfasse die Studie lediglich die Folgen in Weißrussland, Russland und der Ukraine, obwohl ein erheblicher Teil der Strahlenbelastungen in Mittel- und Westeuropa anfiel. Außerdem habe die Studie des Tschernobyl-Forums Publikationen, die höhere Opferzahlen nahe legen, unberĂŒcksichtigt gelassen. Schließlich wird kritisiert, dass die Untersuchungen erst fĂŒnf Jahre nach dem UnglĂŒck begonnen wurden.

Mit The Other Report on Chernobyl (Kurzbezeichnung TORCH) wurde ein ‚Gegenreport‘ zur Ausarbeitung des Tschernobyl-Forums veröffentlicht. Dieser Report wurde von den britischen Wissenschaftlern Ian Fairlie und David Sumner erarbeitet. Er sagt weitaus schwerwiegendere gesundheitsschĂ€digende Folgen des ReaktorunglĂŒcks voraus. In Auftrag gegeben wurde die Studie von der GrĂŒnen Europaabgeordneten Rebecca Harms und unterstĂŒtzt von der Altner-Combecher-Stiftung fĂŒr Ökologie und Frieden.

Die nachfolgenden Angaben stammen im Wesentlichen aus obigen beiden Studien.[11][12]

Kontaminierte Gebiete

Caesium-137-Kontamination im Jahr 1996 in Weißrussland, Russland und der Ukraine in Kilobecquerel pro Quadratmeter.

Die grĂ¶ĂŸten Freisetzungen radioaktiver Stoffe fanden wĂ€hrend des Zeitraums von zehn Tagen nach der Explosion statt. Etwa 15 Prozent der Freisetzung erfolgte durch die KritikalitĂ€tsexkursion schon am 26. April 1986, die Hauptfreisetzung aber verteilt auf die folgenden Tage durch die Zerstörungen aufgrund des Graphitbrandes. Aufgrund der großen Hitze des bauartbedingten Graphitbrandes gelangten gasförmige oder leichtflĂŒchtige Stoffe (z. B. Jod oder CĂ€sium) in Höhen von 1.500 bis 10.000 Meter.[13] Die Wolken mit dem radioaktiven Fallout verteilten sich zunĂ€chst ĂŒber weite Teile Europas und schließlich ĂŒber die gesamte nördliche Halbkugel. Wechselnde Luftströmungen trieben sie zunĂ€chst nach Skandinavien, dann ĂŒber Polen, Tschechien, Österreich, SĂŒddeutschland und Norditalien. Eine dritte Wolke erreichte den Balkan, Griechenland und die TĂŒrkei. Innerhalb dieser LĂ€nder wurde der Boden je nach regionalen RegenfĂ€llen unterschiedlich hoch belastet.

Insgesamt wurden etwa 218.000 Quadratkilometer mit mehr als 37.000 Becquerel (37 kBq) Cs-137 pro Quadratmeter radioaktiv belastet. Mehr als 70 Prozent dieser Gebiete liegen in Russland, der Ukraine und Weißrussland. WĂ€hrend hier die stĂ€rksten Konzentrationen an flĂŒchtigen Nukliden und Brennstoffpartikeln entstanden, wurde mehr als die HĂ€lfte der Gesamtmenge der flĂŒchtigen Bestandteile und heißen Partikel außerhalb dieser LĂ€nder abgelagert. Jugoslawien, Finnland, Schweden, Bulgarien, Norwegen, RumĂ€nien, Deutschland, Österreich und Polen erhielten jeweils mehr als ein Petabecquerel (1015 Bq oder eine Billiarde Becquerel) an Cs-137. Zu den weniger betroffenen Staaten Europas gehörten Belgien, Frankreich, Irland, Luxemburg, Niederlande, Großbritannien, Spanien und Portugal.[14] Auch einige Regionen in Großbritannien und Skandinavien sowie im Alpenraum sind teilweise hohen CĂ€sium-Kontaminationen ausgesetzt; die Belastung nimmt im Laufe der Jahre nur langsam ab, weil die Halbwertszeiten einiger radioaktiver Isotope des "Fallout" mehrere Jahrzehnte betragen. In einigen LĂ€ndern gelten weiterhin EinschrĂ€nkungen bei Produktion, Transport und Verzehr von Lebensmitteln, die immer noch durch den radioaktiven Niederschlag von Tschernobyl belastet sind.[15] Insgesamt wurden in Europa etwa 3.900.000 kmÂČ, das heißt 40 Prozent der GesamtflĂ€che, mit mindestens 4 kBq/mÂČ Cs-137 kontaminiert.[16] Außerhalb Europas waren vor allem Vorderasien und Nordafrika betroffen.[14]

Österreich gehörte zu den am stĂ€rksten betroffenen LĂ€ndern. Es kam zu einer durchschnittlichen Cs137-Kontamination von 18,7 kBq/mÂČ. Die Maximalwerte erreichten in einigen Gegenden fast 200 kBq/mÂČ. Höhere Werte wurden nur in Weißrussland, Russland und der Ukraine sowie einigen Gebieten Skandinaviens gemessen.[17]

In den am stĂ€rksten belasteten Gebieten Deutschlands, im SĂŒdosten von Bayern, lagen die Bodenkontaminationen bei bis zu 74 kBq/mÂČ Cs-137. Diese Landkreise hĂ€tten auch in Weißrussland, Russland und der Ukraine den Status der kontaminierten Zone erhalten. So sind beispielsweise auch heute noch in einigen Regionen Deutschlands, insbesondere im SĂŒden, Pilze, Waldbeeren und Wildtiere hoch belastet. Laut Bundesamt fĂŒr Strahlenschutz ist die Kontamination dort rund zehnmal höher als im Norden Deutschlands. Im Jahr 2002 wurden im Muskelfleisch von Wildschweinen aus dem Bayrischen Wald Cs-137-Werte von bis zu 20 kBq/kg gemessen. Hierbei betrug der Durchschnittswert 6,4 kBq/kg und damit mehr als das Zehnfache des EU-Grenzwertes von 0,6 kBq/kg.[18]

Die durch das ReaktorunglĂŒck in Tschernobyl verursachte mittlere effektive Dosis eines Erwachsenen ging in Deutschland von 0,11 mSv im Jahr 1986 auf weniger als 0,012 mSv im Jahre 2009 zurĂŒck. Zum Vergleich: Sie liegt damit im Bereich der durch die in der AtmosphĂ€re durchgefĂŒhrten Kernwaffenversuche verursachten Belastung, die mit weniger als 0,01 mSv angegeben wird. Die mittlere effektive Dosis durch natĂŒrliche Strahlenexposition liegt im Mittel bei 2,1 mSv pro Jahr, die durch röntgendiagnostische und nuklearmedizinische Untersuchungen verursachte kĂŒnstliche Strahlenexposition bei etwa 1,8 mSv pro Jahr.[19]

Die in den Jahren 2004 bis 2009 vom vTI-Institut fĂŒr Fischereiökologie durchgefĂŒhrten Messungen der RadioaktivitĂ€t in Speisefischen von Nord- und Ostsee zeigen, dass die radioaktive Belastung der Fische mit Cs-137 in der Ostsee auf Grund der Katastrophe von Tschernobyl um eine GrĂ¶ĂŸenordnung ĂŒber der Belastung von Fischen aus der Nordsee liegt. Die radioaktive Belastung liegt allerdings deutlich unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte. [20]

Exponierte Personengruppen

Herz der Medaille der Liquidatoren
Weitere Medaillen von Tschernobyl

Siehe auch: Auswirkung von Strahlenbelastungen

Unmittelbar nach dem UnglĂŒck und bis Ende 1987 wurden etwa 200.000 AufrĂ€umarbeiter („Liquidatoren“) eingesetzt. Davon erhielten ca. 1000 innerhalb des ersten Tages nach dem UnglĂŒck Strahlendosen im Bereich von 2 bis 20 Gray (Gy). Die restlichen Liquidatoren erhielten demgegenĂŒber wesentlich geringere Strahlendosen bis zu maximal etwa 0,5 Gy, bei einem Mittelwert von etwa 0,1 Gy. Die Zahl der Liquidatoren erhöhte sich nach Angaben der WHO in den folgenden Jahren auf 600.000 bis 800.000. Die Zahl ist nicht exakt bezifferbar, da nur 400.000 Liquidatoren registriert wurden und auch deren Daten unvollstĂ€ndig sind. Die spĂ€ter eingesetzten Liquidatoren erhielten deutlich geringere Dosen. Die Liquidatoren wurden spĂ€ter fĂŒr ihre Arbeit mit einer Medaille gewĂŒrdigt.

Im FrĂŒhjahr und Sommer 1986 wurden etwa 116.000 Personen aus der 30 Kilometer-Zone rund um den Reaktor evakuiert. SpĂ€ter wurden zirka 240.000 weitere Personen umgesiedelt. FĂŒr die ukrainischen Evakuierten wurde ein mittlerer Dosiswert von 17 mSv (Schwankungsbereich 0,1 bis 380 mSv) errechnet, fĂŒr die weißrussischen Evakuierten ein Mittelwert von 31 mSv (mit einem maximalen Durchschnittswert in zwei Ortschaften von 300 mSv).

In den ersten Tagen nach dem Unfall fĂŒhrte die Aufnahme von radioaktivem Iod mit der Nahrung zu stark schwankenden SchilddrĂŒsendosen in der allgemeinen Bevölkerung von im Mittel etwa 0,03 bis 0,3 Gy mit Spitzenwerten bis zu etwa 50 Gy. Eine Ausnahme davon bildeten die wenigen Einwohner von Prypjat, die durch die rechtzeitige Ausgabe von Tabletten mit stabilem Jod (Iodblockade) wesentlich geringere SchilddrĂŒsendosen erhielten.

Die nicht evakuierte Bevölkerung erhielt wĂ€hrend der mehr als 20 Jahre seit dem Unfall sowohl durch externe Bestrahlung als auch durch Aufnahme mit der Nahrung als interne Strahlenexposition effektive Gesamtdosen von im Mittel etwa 10 bis 20 mSv bei Spitzenwerten von einigen 100 mSv. Heute erhalten die fĂŒnf Millionen Betroffenen in kontaminierten Gebieten generell Tschernobyl-bedingte Dosen von unter 1 mSv/Jahr, doch rund 100.000 erhalten immer noch mehr als 1 mSv pro Jahr.

Gesundheitliche Folgen

Laut WHO und IAEA (2006) starben knapp 50 Menschen an der Strahlenkrankheit. In den drei am stĂ€rksten betroffenen LĂ€ndern sei aufgrund der erhöhten Strahlenexposition mit etwa 9000 zusĂ€tzlichen tödlichen Krebs- und LeukĂ€mieerkrankungen zu rechnen.[21] FĂŒr Gesamteuropa schĂ€tzte Elisabeth Cardis 2006 ab, dass bis 2065 mit etwa 16.000 SchildrĂŒsenkrebserkrankungen und 25.000 sonstigen zusĂ€tzlichen Krebserkrankungen zu rechnen ist.[22]

Die am besten dokumentierten Gesundheitsfolge war ein signifikanter Anstieg der SchilddrĂŒsenkrebserkrankungen nach dem Unfall um etwa 1800. Laut UNSCEAR ist dies der grĂ¶ĂŸte Anstieg von Erkrankungen an einer einzelnen Krebsart, der durch ein einzelnes Ereignis ausgelöst wurde. Die zweite umfassend untersuchte Erkrankung ist LeukĂ€mie, insbesondere unter Kindern und AufrĂ€umarbeitern. Manche Studien fanden eine erhöhte Rate, andere nicht. Viele Wissenschaftler sind der Ansicht, dass es noch zu frĂŒh sei, definitive Schlussfolgerungen zur Zahl der LeukĂ€miefĂ€lle zu ziehen.[23]

BezĂŒglich der Zahl der TodesfĂ€lle gab es eine bis heute andauernde erbitterte Debatte. Dies ist zum Teil auf die methodologischen Schwierigkeiten zurĂŒckzufĂŒhren, niedrige Strahlendosen mit statistischen Gesundheitseffekten in Verbindung zu bringen. Zudem wird der unfallbedingte Anstieg der KrebsfĂ€lle von einer viel grĂ¶ĂŸeren Zahl von KrebsfĂ€llen ĂŒberlagert, die auch ohne den Unfall aufgetreten wĂ€ren. Nicht zuletzt spielen politische Motivationen bei diesen SchĂ€tzungen eine Rolle.[23] In Publikationen von atomenergiekritischen VerbĂ€nden und Umweltorganisationen finden sich hundertfach höhere Zahlen von Erkrankungen und TodesfĂ€llen[24]

Angesichts der anhaltenden Kontroverse riefen IAEA und andere internationale Organisationen das Tschernobyl-Forum zusammen, um einen autoritativen Konsens zu formulieren. Im September 2005 kam das Forum zu dem Schluss, dass die Gesamtzahl der auf den Unfall zurĂŒckzufĂŒhrenden Todesopfer bei etwa 4000 liege. Die Rezeption dieses Reports war jedoch keineswegs einheitlich zustimmend. Das Hauptproblem war, dass sich der Bericht auf die am schwersten betroffenen Gebiete Weißrusslands, der Ukraine und Russlands beschrĂ€nkte und damit die grĂ¶ĂŸere Gesamtbevölkerung dieser sowie weiterer LĂ€nder ignorierte.[23]

Neben Krebs sind wohl die sozialen und psychologischen Traumata die grĂ¶ĂŸten Probleme fĂŒr die Bevölkerung in den Gebieten um Tschernobyl.[23] Einige Wissenschaftler halten diese psychologischen Folgen fĂŒr das grĂ¶ĂŸte Gesundheitsproblem infolge des Unfalls.[25]

Strahlenkrankheit

Bei 134 Personen, insbesondere bei KraftwerksbeschĂ€ftigten und Feuerwehrleuten, wurde die Strahlenkrankheit diagnostiziert. 28 von ihnen starben im Jahr 1986 in Folge der Strahlenkrankheit, die meisten in den ersten Monaten nach dem Reaktorunfall. In den Jahren 1987 bis 2004 starben 19 weitere von der Strahlenkrankheit betroffene Helfer, einige davon möglicherweise an den Langzeitfolgen der Strahlenkrankheit.[26]

Langzeitfolgen

Die Langzeitfolgen des UnglĂŒcks sind schwer abzuschĂ€tzen. Wegen der Unsicherheit vieler Daten und epidemiologischer Modell-Parameter sind alle Voraussagen ĂŒber zukĂŒnftige MorbiditĂ€ts- oder MortalitĂ€tszahlen mit Vorsicht zu betrachten.

SchilddrĂŒsenkrebs

SchilddrĂŒsenkrebs ist eine seltene Krebserkrankung des endokrinen System mit einer weltweiten PrĂ€valenz von 4,7 in 100.000 bei Frauen und 1,5 in 100.000 bei MĂ€nnern. In den meisten Regionen der Erde, wurde in den vergangenen 30 Jahren ein deutlicher Anstieg der Zahl der Erkrankungen beobachtet. Die Ursachen hierfĂŒr sind noch nicht geklĂ€rt.[27] Die SchilddrĂŒse ist ein Organ, dass fĂŒr die Produktion von SchilddrĂŒsenhormonen Iod benötigt und diese daher aktiv aufnimmt und speichert. Zudem ist es ein kleines Organ, sodass auch geringe Mengen radioaktiven Iod eine hohe lokale Strahlendosis auslösen können.

Ein große Menge von radioaktivem Iod wurde durch den Unfall freigesetzt. Dennoch war die SchilddrĂŒsen-Strahlendosis, welche die allgemeine Bevölkerung erlitt, relativ gering; bei kleinen Kindern etwa 2 Gy in der NĂ€he der Anlage und 2,2 Gy in den am stĂ€rksten kontaminierten Gebieten (Gomel in Weißrussland).

Die Zunahme von SchilddrĂŒsenkrebs wurde erstmals schon wenige Jahre nach der Katastrophe beobachtet, am deutlichsten bei Personen die zum Zeitpunkt des UnglĂŒcks unter fĂŒnf Jahre alt waren. Bei Kindern die nach dem 1. Dezember 1987 geboren wurden – also nachdem das radioaktive Iod vollstĂ€ndig zerfallen war â€“ lĂ€sst sich keine Zunahme beobachten.[28]

SchilddrĂŒsenkrebs ist im allgemeinen sehr bösartig und invasiv. Dennoch hat sie eine der besten Prognosen unter den Krebserkrankungen. Durch zielgerichtete Strahlentherapie mit radioaktivem Iod ist sie gut behandelbar und vielfach auch heilbar. Auch ein eventuell auftretendes Rezidiv ist normalerweise nicht resistent gegen eine erneute Therapie mit radioktivem Iod und lĂ€sst sich meist zurĂŒckdrĂ€ngen. Bis heute wurden in Russland, Weißrussland und der Ukraine etwa 6000 FĂ€lle diagnostiziert. Obwohl ca. 30 % der Patienten ein Rezidiv erleiden, werden voraussichtlich nur 1 % an der Erkrankung sterben. Von den 6000 FĂ€llen verstarben (bis 2011) 15.[29][28] SchilddrĂŒsenkrebs bleibt also, trotz der sehr dramatischen Zunahmen von mehreren hundert Prozent in den betroffenen Gebieten, immer noch eine verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig seltene Krebserkrankung mit sehr wenigen TodesfĂ€llen.

Umstritten ist, ob ein erhöhtes SchilddrĂŒsenkrebs-Risiko auch fĂŒr Menschen besteht, die zum Zeitpunkt der höchsten Belastung durch radioaktives Jod bereits erwachsen waren.[30]

LeukÀmie

Ein durch StrahlungsaktivitĂ€t bedingter Anstieg der FĂ€lle von LeukĂ€mie ist bisher nicht eindeutig feststellbar, kann aber auch nicht widerlegt werden. DiesbezĂŒgliche Studien hatten zum Teil unsichere Datengrundlagen oder brachten widersprĂŒchliche Ergebnisse. In einer großen Kohorte von Liquidatoren in Russland wurde (bei „registrierten“ Strahlendosen zwischen 150 und 300 mSv) eine annĂ€hernde Verdoppelung des LeukĂ€mierisikos gefunden.

Weitere Krebserkrankungen

In Folge der durch die Katastrophe bedingten StrahlungsaktivitĂ€t sind auch andere Krebserkrankungen zu erwarten. Sie werden aber zum grĂ¶ĂŸten Teil erst nach einer Latenzzeit von mehreren Jahrzehnten auftreten. Bisher konnten nach Angaben der Internationalen Agentur fĂŒr Krebsforschung (IARC) mit Ausnahme von SchilddrĂŒsenkrebs in den am stĂ€rksten kontaminierten Gebieten keine erhöhten Krebsraten festgestellt werden, die eindeutig auf die Strahlung zurĂŒckgefĂŒhrt werden können. Hinweise auf erhöhte Raten z. B. von Brustkrebs mĂŒssten weiter verfolgt werden.

SchĂ€tzungen der IARC ĂŒber die zu erwartende HĂ€ufigkeit an Krebserkrankungen beruhen auf Risikomodellen, die aus Studien bei anderen Populationen (hauptsĂ€chlich Opfern der AtombombenabwĂŒrfe in Japan) und auf der (umstrittenen) Basis der linearen Dosis-Wirkungs-Beziehung entwickelt wurden. Nach diesen Modellen wird bis 2065 in Europa mit ungefĂ€hr 16.000 FĂ€llen von SchilddrĂŒsenkrebs und 25.000 FĂ€llen von anderen Krebsarten als Folge der Tschernobyl-bedingten Strahlenbelastung gerechnet. Zwei Drittel der Erkrankungen an SchilddrĂŒsenkrebs und mindestens die HĂ€lfte der anderen Krebserkrankungen seien in Weißrussland, der Ukraine und den am stĂ€rksten kontaminierten Gebieten der russischen Föderation zu erwarten. UngefĂ€hr 16.000 TodesfĂ€lle könnten auf diese Krebserkrankungen zurĂŒckgefĂŒhrt werden.

Bei der hohen Zahl von Krebserkrankungen, die insgesamt in diesem Zeitraum in Europa auftreten wĂŒrden, werde dieser Anstieg aber kaum in den nationalen Krebsstatistiken nachzuweisen sein.

Genetische und teratogene SchÀden

Das Tschernobyl-Forum sieht nach Auswertung der vorliegenden epidemiologischen Studien weder einen Beweis noch einen Hinweis auf verringerte Fruchtbarkeit bei MĂ€nnern und Frauen, auf die Zahl der Totgeburten, auf andere negative Geburtsfolgen, auf Komplikationen bei der Geburt und auf die allgemeine Intelligenz und Gesundheit der Kinder, die eine direkte Folge ionisierender Strahlung sein könnten. Die gesunkenen Geburtenraten in den kontaminierten Gebieten könnten auf die Ängste der Bevölkerung und auf den Wegzug vieler jĂŒngerer Menschen zurĂŒckzufĂŒhren sein. Ein mĂ€ĂŸiger, aber bestĂ€ndiger Anstieg von berichteten angeborenen Fehlbildungen in kontaminierten und nicht kontaminierten Gebieten Weißrusslands scheine auf eine vollstĂ€ndigere Erfassung und nicht auf Strahlung zurĂŒckzugehen.[31]

Die Forscher bzw. Herausgeber der einen Position haben wiederholt den Vertretern der anderen Position Voreingenommenheit unterstellt oder deren Befunde wegen unvollstĂ€ndiger Absicherung der Daten und anderer methodischer MĂ€ngel zurĂŒckgewiesen. Meist handele es sich um so genannte ökologische Studien, die wegen des Fehlens einer individuellen Dosiszuordnung mit großer Vorsicht zu betrachten seien. Autoren, die ökologische Dosis-Wirkungs-Beziehungen fĂŒr Totgeburten, Fehlbildungen sowie fĂŒr das GeschlechtsverhĂ€ltnis bei der Geburt – unter anderem in unterschiedlich hoch belasteten bayerischen Landkreisen – vermuten,[32][33] wird entgegengehalten, dass vor dem Hintergrund der vergleichsweise geringen Strahlendosiserhöhungen in Deutschland, die sich innerhalb der Schwankungsbreite der natĂŒrlichen Strahlenexposition bewegten, nicht zu verstehen sei, dass solche massiven Effekte nachweisbar sein sollten. Diese Skepsis werde unterstĂŒtzt durch zahlreiche negative epidemiologische Befunde in Deutschland und anderen europĂ€ischen LĂ€ndern mit zum Teil deutlich höheren Strahlendosen. Zudem sind bisher keine biologischen Mechanismen gefunden worden, die einen solchen ursĂ€chlichen Zusammenhang in dem beschriebenen Ausmaß plausibel machen könnten.[34]

Gegen negative epidemiologische Befunde wird wiederum vorgebracht, dass die Nicht-Signifikanz fÀlschlich als Nachweis eines nicht vorhandenen Effekts ausgegeben werde. Korrekt wÀre die in einigen Studien auch so offen formulierte Aussage, dass solche Effekte entweder tatsÀchlich nicht vorhanden sind oder aufgrund des Studiendesigns nicht nachgewiesen werden konnten. Zudem wurde bisher nicht gezeigt, dass es auch in relativ unbelasteten Gebieten stark erhöhte Raten von Totgeburten und Fehlbildungen gab. Dies wÀre ein Hinweis auf andere Ursachen oder auf einen rein zufÀlligen Zusammenhang.

Wenngleich einige Forscher einen Zuwachs von genetischen Mutationen bei Kindern von vom Unfall betroffenen Eltern annehmen, gibt es keine vergleichbaren Nachweise fĂŒr ErbschĂ€den bei den Kindern von Überlebenden der AtombombenabwĂŒrfe von Hiroshima und Nagasaki, obwohl die dort erhaltenen Strahlendosen viel höher waren.[35]

Andere (körperliche) Gesundheitsfolgen

In den am stĂ€rksten von der Tschernobyl-Katastrophe betroffenen LĂ€ndern ist ein erheblicher Anstieg auch bei vielen nicht bösartigen Erkrankungen zu beobachten. Die durchschnittliche Lebenserwartung ist deutlich gesunken. Beides gilt jedoch auch fĂŒr die nicht kontaminierten Gebiete. Es ist umstritten, wie weit diese VerĂ€nderungen auf höhere Strahlenbelastung oder auf andere Faktoren (z. B. Armut, schlechte ErnĂ€hrung, ungesunde Lebensbedingungen, wirtschaftliche und soziale Verwerfungen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, psychische Belastungen im Zusammenhang mit der Katastrophe sowie den Evakuierungen und Umsiedlungen, selbstschĂ€digendes Verhalten, bessere Diagnostik und Erfassung von Krankheiten) zurĂŒckzufĂŒhren ist. Die ZuverlĂ€ssigkeit der Daten und die methodische QualitĂ€t vieler Studien sind sehr unterschiedlich.

Bei Erkrankungen der Augenlinsen (z. B. dem Grauen Star) ist ein Zusammenhang mit radioaktiver Belastung wahrscheinlich. Schon relativ geringe Dosen in der GrĂ¶ĂŸenordnung von 250 mGy scheinen eine Zunahme der Bildung von Grauem Star zu bewirken. Einer solchen Dosis waren u. a. viele AufrĂ€umarbeiter in den ersten Tagen nach der Explosion ausgesetzt. Auch bei anderen Augenerkrankungen (Akkommodationsstörungen, Makuladystrophien und GefĂ€ĂŸverĂ€nderungen) wird ein Zusammenhang mit der StrahlungsaktivitĂ€t vermutet. Hier sind weitere Beobachtungen nötig.

Hohe StrahlungsaktivitÀt kann ein breites Spektrum kardiovaskulÀrer Komplikationen verursachen. Die Auswirkungen chronischer und niedriger Strahlungsbelastung auf das Herz-Kreislauf-System sind weniger klar.

In Russland wurde in einer großen Studie an Notfall-EinsatzkrĂ€ften von Tschernobyl ein signifikant höheres Risiko fĂŒr tödliche Herz-Kreislauf-Krankheiten festgestellt. Ob dieses höhere Risiko allein auf höhere Strahlendosen oder auf konkurrierende Krankheitsursachen zurĂŒckzufĂŒhren ist, muss in weiteren Untersuchungen beobachtet werden. Es deckt sich aber mit Ergebnissen von Studien, die an Überlebenden von Atombombenangriffen durchgefĂŒhrt wurden.

In mehreren Studien wurden BeeintrÀchtigungen des zellulÀren und humoralen Immunsystems gefunden. Die Interpretation dieser Befunde ist jedoch schwierig, weil sie auch andere Ursachen (Stress, chronische Infektionen, ErnÀhrungsmÀngel, Chemikalien) haben können. Die Langzeitfolgen solcher BeeintrÀchtigungen sind noch unklar.

Mentale Gesundheit und psychosoziale Auswirkungen

Eine erhebliche Belastung fĂŒr die Gesundheit durch die Katastrophe von Tschernobyl liegt in direkt oder indirekt von ihr verursachten mentalen und psychosozialen Folgen. Als mentale Folgen des UnglĂŒcks werden unter anderem Angst vor möglichen Folgen der Strahlung, das DrĂ€ngen in eine Opferrolle, die zu einem GefĂŒhl sozialer Ausgrenzung fĂŒhrt, sowie Stress in Zusammenhang mit Evakuierung und Umsiedlung genannt. Angst und Hoffnungslosigkeit können zu Krankheitserscheinungen und zu gesundheitsschĂ€digendem Lebenswandel (ErnĂ€hrung, Alkohol, Tabak) fĂŒhren. Laut Epidemiologen sind Alkoholismus und Rauchen mit weitaus gewichtigeren Gesundheitswirkungen verbunden als die Strahlenbelastung nach dem Unfall, auch die hohe Suizidrate der Region wird mit diesen psychischen Problemen in Verbindung gebracht.[35]

Stress, Depressionen, Furcht und medizinisch nicht erklĂ€rte physische Symptome waren zwei bis viermal höher bei vom Unfall betroffenen Bevölkerungsteilen als bei Kontrollgruppen, wenngleich keine erhöhte Rate von diagnostizierten psychischen Störungen festzustellen war. Symptome fanden sich bis 11 Jahre nach dem Unfall. Die Schwere der Störungen steht in einem signifikanten Zusammenhang mit der individuellen Risikowahrnehmung und der Diagnose eines Gesundheitsproblems infolge des Unfalls. Im Allgemeinen waren die psychischen Folgen konsistent mit denen der AtombombenabwĂŒrfe von Hiroshima und Nagasaki, dem Three-Mile-Island-Unfall oder der Katastrophe von Bhopal. Die Weltgesundheitsorganisation sowie israelische und amerikanische Forscher fanden keine SchĂ€den der Hirnentwicklung von Ungeborenen und Kleinkindern durch Strahlenbelastung. Ukrainische Berichte, die kognitive SchĂ€den bei Liquidatoren infolge der Strahlenbelastung suggerierten, wurden nicht unabhĂ€ngig bestĂ€tigt. Eine bahnbrechende Studie fand einen signifikanten Anstieg von Selbstmorden bei Liquidatoren, was fĂŒr eine bedeutende emotionale Belastung spricht. Wissenschaftler empfehlen angesichts der Persistenz der psychologischen Folgen in der Bevölkerung AufklĂ€rungsprogramme und psychosoziale Interventionen.[25]

Wirtschaft

Verlassene Schiffe auf dem Prypjat

Die Katastrophe von Tschernobyl verursacht immense Kosten und schadet der Wirtschaft in der Region. Wegen des ökonomischen Umbruchs aufgrund des Zusammenbruchs der UdSSR sind die genauen wirtschaftlichen Auswirkungen Tschernobyls aber kaum zu erheben. In einem Brief vom 6. Juli 1990 an den GeneralsekretĂ€r der Vereinten Nationen Javier PĂ©rez de CuĂ©llar schĂ€tzte das sowjetische Finanzministerium die direkten wirtschaftlichen Verluste und die Ausgaben infolge der Katastrophe fĂŒr den Zeitraum von 1986 bis 1989 auf etwa 9,2 Milliarden Rubel.[36] Das entsprach etwa 12,6 Milliarden US-Dollar. In der Ukraine entfallen 20 Jahre nach dem Unfall jĂ€hrlich 5 bis 7 % des Staatsbudgets darauf. 1991 waren es noch 22,3 %, die bis 2002 auf 6,1 % sanken.

Besonders betroffene Zweige der lokalen Wirtschaft sind Land- und Forstwirtschaft. So können aufgrund der Strahlenbelastung knapp 800.000 Hektar Land und 700.000 Hektar Wald nicht mehr wirtschaftlich genutzt werden. Die Landwirtschaft der Region leidet aber auch unter dem „Stigma Tschernobyl“, das zu sehr geringer Nachfrage nach Produkten aus der Region fĂŒhrt. Aufgrund dieser Tatsache werden kaum private Investitionen im Agrarbereich der Region getĂ€tigt.

Personelle Konsequenzen

Kraftwerksdirektor Wiktor Petrowitsch Brjuchanow und fĂŒnf leitende Mitarbeiter wurden 1987 zu langjĂ€hrigen GefĂ€ngnisstrafen verurteilt.[37] Der Energietechniker Nikolai Antonowitsch Dolleschal, der als Leiter des nach ihm benannten Forschungs- und Konstruktionsinstitut fĂŒr Energotechnik (NIKITE) hauptverantwortlich fĂŒr die Entwicklung des Reaktortyps RBMK war, trat nach der Reaktorkatastrophe in den Ruhestand. Der Zusammenhang zwischen diesem Schritt und dem Super-GAU von Tschernobyl wurde jedoch niemals offiziell bestĂ€tigt.

Reaktionen in anderen europÀischen LÀndern

Bundesrepublik Deutschland

In SĂŒddeutschland beherrschten monatelang Diskussionen ĂŒber das Ausmaß der radioaktiven Belastung von Lebensmitteln und anderer möglichen Kontaminationen sowie der adĂ€quate Umgang damit, die Öffentlichkeit. Dabei wurde die gesellschaftliche Auseinandersetzung zum einen von Sachdiskussionen geprĂ€gt, zum anderen rĂŒckte verstĂ€rkt die grundsĂ€tzliche Einstellung zur Kernenergie in den Fokus der Diskussion, zumal zeitgleich die Kontroverse um die Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf gefĂŒhrt wurde.[38]

Es wurden Empfehlungen zum UnterpflĂŒgen von FeldfrĂŒchten oder zum Sperren von KinderspielplĂ€tzen gegeben, wobei es aus heutiger Sicht strittig ist, inwieweit diese angemessen und notwendig waren. In der Folge des ReaktorunglĂŒcks bröckelte der ohnehin schon durch die Anti-Atomkraft-Bewegung in Frage gestellte Konsens ĂŒber die Verwendung der Atomenergie. Große Teile der Bevölkerung waren nun fĂŒr einen Ausstieg aus der Atomenergie. In der Politik wurde diese Forderung nun auch von der SPD ĂŒbernommen, u.a. durch Erhard Eppler und den SPD-Kanzlerkandidaten Johannes Rau, der einen schrittweisen Ausstieg befĂŒrwortete. Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) sprach sich auch im Namen seiner Fraktion im Bundestag in der Zukunft fĂŒr eine Senkung des Anteils der Kernenergie an der Energieversorgung (1985: rund 31 %) aus, fĂŒr einen baldigen Ausstieg komme dies aber nicht in Frage, da dieser weder notwendig noch machbar sei. MinisterprĂ€sident Lothar SpĂ€th (CDU) nannte die Kernenergie eine Übergangsenergie, und nach Tschernobyl gelte es konsequent ĂŒber eine Energiepolitik nachzudenken, die langfristig der Kernenergie nicht bedĂŒrfe. Die FDP bezeichnete die Kernenergie auf ihrem Bundesparteitag 1986 in Hannover ebenfalls als eine Übergangsenergie, auf deren Verzicht als Bestandteil der Energieversorgung hingearbeitet werden mĂŒsse.

Der Bau schon in Planung befindlicher Atomkraftwerke wurde auch aufgrund der Erfahrung mit Tschernobyl nicht mehr realisiert.

Ein Beispiel fĂŒr die damalige Diskussion in Westdeutschland ist die „Strahlenmolke“: Einige Molkereien in besonders betroffenen Gebieten waren angewiesen worden, die Molke von der Milch abzutrennen und nicht zu verkaufen, sondern einzulagern, da sich in ihr das radioaktive CĂ€sium besonders angereichert hatte. Der Vorschlag, diese Molke als DĂŒnger auf Felder aufzubringen, hatte keinerlei Chancen auf Umsetzung. Stattdessen wurde die Molke in extra errichteten Spezialanlagen ĂŒber Ionenaustauscher behandelt. Eine Gruppe Waggons mit „Strahlenmolke“ wurde nach einer lĂ€ngeren Fahrt durch Norddeutschland, die Medien mit großem Interesse verfolgten, vor der „Entsorgung“ sogar auf einem gesicherten BundeswehrgelĂ€nde zwischengelagert.

In der Bundesrepublik Deutschland wurden nach Bekanntwerden des ReaktorunglĂŒcks die Landwirte durch die Strahlenschutzkommission des Bundes aufgefordert, den eigentlich fĂŒr Anfang Mai 1986 anstehenden Umstieg von der WinterfĂŒtterung der MilchkĂŒhe auf SommerfĂŒtterung (und Weide) noch bis nach den ersten RegenfĂ€llen hinauszuzögern. Die Katastrophe fiel mit einer mehrwöchigen Schönwetterperiode zusammen, die einerseits das Wachstum der Wiesen sehr anregte, auf der anderen Seite aber auch mit einem stetig blasenden Ostwind die Verbreitung des radioaktiven Staubs nach Westen bewirkte. SpĂ€ter gab es dann eine Ausgleichszahlung fĂŒr die landwirtschaftlichen Betriebe fĂŒr die entstandenen Mehrkosten bei der FĂŒtterung. Die Strahlenschutzkommission gab zudem Grenzwerte fĂŒr Frischmilch und BlattgemĂŒse aus, bei deren Überschreitung die Produkte nicht verkauft werden durften. Der Umsatz auch von freigegebenen Milchprodukten, sowie von Obst und GemĂŒse ging drastisch zurĂŒck. Die Lebensmittelgruppe Rewe vernichtete allein im Mai 1986 unverkĂ€ufliche Milchprodukte und FrischgemĂŒse im Wert von rund 3 Millionen DM.

Wenige Wochen nach dem UnglĂŒck wurde in der Bundesrepublik Deutschland das Bundesministerium fĂŒr Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit gegrĂŒndet. Die GrĂŒndung dieses Ministeriums war vor allem eine Reaktion auf den als unzureichend koordiniert empfundenen Umgang der Politik mit der Katastrophe von Tschernobyl und ihren Folgen.

Die deutschen Kernkraftwerke wurden vor dem Tschernobyl-Hintergrund einer SicherheitsĂŒberprĂŒfung unterzogen. 1987 fiel kurz nach Vorliegen von ersten Untersuchungsergebnissen die Entscheidung, den graphitmoderierten Kugelhaufenreaktor AVR (JĂŒlich) 1988 endgĂŒltig stillzulegen, was (obwohl es offiziell nie bestĂ€tigt wurde) als Konsequenz aus einem nicht hinreichenden Schutz dieses Reaktors gegen GraphitbrĂ€nde wie in Tschernobyl angesehen werden kann.

Nach Tschernobyl fĂŒhlten sich 58 Prozent der westdeutschen Bevölkerung persönlich stark bedroht. Unter dem Eindruck des Unfalls verdoppelte sich der Anteil der vehementen Kernkraftgegner in Deutschland von 13 auf 27 Prozent.[39]

Deutsche Demokratische Republik

Aus RĂŒcksicht auf den sowjetischen Bruderstaat wurden Informationen ĂŒber das UnglĂŒck nur zögerlich in Umlauf gebracht, oftmals wurden Fakten des UnglĂŒcks heruntergespielt oder ganz verschwiegen. In den Wochen nach dem UnglĂŒck gab es in der DDR plötzlich ein reichhaltiges Angebot an GemĂŒse, jenes, das vom Westen den Ostblocklieferanten nicht abgekauft wurde.[40] Gleichzeitig war von einer Stabilisierung der RadioaktivitĂ€t auf niedrigem Niveau in den Zeitungen zu lesen, ohne ĂŒber das Niveau vor der Katastrophe zu schreiben. Das damalige Mitglied des PolitbĂŒros GĂŒnter Schabowski informierte sich zwar auch in den West-Medien und machte sich Gedanken, aber es habe im Katastrophenfall ein eisernes Gesetz gegolten: „Auf jeden eigenen Kommentar verzichten. Da wird nur erzĂ€hlt, was die in Moskau fabrizieren.“[41]

Eine einmalig hohe Strahlenbelastung auf dem Gebiet der DDR war im Gebiet Magdeburg zu verzeichnen, allerdings kamen die Ergebnisse der Messungen des Bezirkshygieneinstituts nicht an die Öffentlichkeit.

FĂŒr Umweltgruppen in der DDR war das Ereignis allerdings ein erstes Aufbruchsignal. Erstmals begann eine Debatte um die friedliche Nutzung der Kernenergie. In Eingaben an die Volkskammer und den Ministerrat forderten DDR-BĂŒrger erstmals den Ausstieg aus der Kernenergie.

Österreich

Österreich zĂ€hlt zu den am stĂ€rksten betroffenen Gebieten Westeuropas:[42][43] Von den insgesamt 70 PBq freigesetzten RadiocĂ€sium wurden 1,6 PBq , also 2 %, in Österreich deponiert,[43] die durchschnittliche Belastung 137Cs aus den Tschernobyl-Ereignis lag 1986 bei 19,1 kBq/mÂČ,[43] wobei besonders das Salzkammergut und Nachbargebiete, die Welser Heide und die Hohen Tauern betroffen waren , sowie die Niederen Tauern und die Koralpregion/SĂŒdostkĂ€rnten (mit Durchschnittskontamination > 100 kBq/mÂČ)[44], auf die Bevölkerung bezogen der Linzer Zentralraum und die Stadt Salzburg mit > 11 kBq/mÂČ·EW/kmÂČ, und Wien, Graz, Klagenfurt, Villach und Innsbruck ≈ 10.[45]

Als Maßnahmen wurden primĂ€r Kontrollen im Nahrungsmittelbereich gesetzt, um die Ingestion gering zu halten: Verkaufsverbot fĂŒr GrĂŒngemĂŒse und von Schaf- und Ziegenmilch, der GrĂŒnfutterfĂŒtterung bei MilchkĂŒhen, des Genusses von Zisternenwasser, und langfristiger etwa Importverbote fĂŒr Nahrungsmittel aus hochbelasteten AgrarproduktionslĂ€ndern, Verbot des Wildabschusses, FĂŒtterungsplĂ€ne in der heimischen Landwirtschaft (ErsatzfĂŒttermittel, VerdĂŒnnung mit unkontaminiertem Futter, Endmast mit niedrig kontaminiertem Futter, Futterzusatzstoffe zu Verminderung der CĂ€sium-Resorption) oder Grenzwerte fĂŒr die KlĂ€rschlammausbringung – in spĂ€teren Studien hat sich gezeigt, dass diese in der Öffentlichkeit nur wenig beachteten Maßnahmen auf Produktions- und Handelsseite mehr Schutzwirkung gebracht haben als etwa Empfehlungen zu direkten VerhaltensĂ€nderungen.[46] Die Strahlenbelastung ist innert 20 Jahren von anfangs etwa 0,7–0,4 mSv Erstjahresdosis auf 0,003 mSv pro Einwohner (2001) gesunken, und liegt heute unter 1 â€° der Gesamtstrahlenbelastung (ca. 4,3 mSv/a). Insgesamt dĂŒrfte der durchschnittliche Österreicher in den 25 Jahren seit dem GAU einer zusĂ€tzlichen Effektivdosis von 0,6 mSv durch den Reaktorunfall ausgesetzt gewesen sein, das ist nur 1⁄5 der ĂŒblichen Einjahres-Belastung aus natĂŒrlichen Quellen (natĂŒrliches Radon, kosmische Strahlung uĂ€., ca. 3 mSv/a).[47] Heute ist neben der Jagdbeute in manchen Bereichen nurmehr das Pilzesammeln ohne genauer Ortskenntnis der örtlichen Belastung als kritisch einzustufen.

Die deutlichsten Folgen des Tschernobyl-Ereignis in Österreich sind politischer Natur.[48][49] Nachdem wenige Jahre zuvor, 1978, per Volksabstimmung – seinerzeit noch mit Ă€ußerst knapper Mehrheit – das Kernkraftwerk Zwentendorf ohne Inbetriebnahme wieder stillgelegt worden war, war nach 1986 Anti-Atom-Politik sowohl gesellschaftlich wie auch parteipolitisch einhelliger Konsens, und wurde seither nie mehr bestritten (Volksbegehren und All-Parteien-Antrag zum „Atomfrei“-Paket 1997, Verfassungsniederlegung 1999).[50] Neben Zwentendorf/Tschernobyl liegen auch zwei andere richtungsweisende Ereignisse der österreichischen Geschichte, der Bau des Kraftwerk Kaprun in den Wiederaufbaujahren – als wirtschaftliche „Erfolgsgeschichte“ – und die Besetzung der Hainburger Au 1984 – als Wendepunkt des DemokratieverstĂ€ndnis – im energiepolitischen Sektor, und selbst bei den großen Energieversorgern wird deswegen seit den 1980ern ein Kurs Richtung erneuerbarer Energien verfolgt, der auch den natĂŒrlichen Ressourcen Österreichs entgegen kommt. Nach Tschernobyl gab es in Österreich keinen gesamtösterreichisch bedeutenden innenpolitischen Konflikt um Energiefragen mehr.

Frankreich

Im Mai 1986 gab das französische Institut fĂŒr Strahlenschutz SCPRI an, CĂ€sium-137-Belastungen zwischen 25 Becquerel pro Quadratmeter in der Bretagne und 500 Becquerel im Elsass gemessen zu haben; 2006 nannte das Nachfolgeinstitut IRSN Werte zwischen 10000 und 20000 Becquerel vom Elsass bis Korsika. CĂ€sium-137 war ein Hauptbestandteil des radioaktiven Niederschlags. Angeblich ist nicht mehr nachzuvollziehen, wie die Werte von 1986 zustande kamen. Der damalige Umweltminister Carignon kritisierte 20 Jahre spĂ€ter die Fehler von damals.[51]

Am 1. und 2. Mai 1986 berichteten Le Figaro und France-Soir, dass Frankreich von der radioaktiven Wolke betroffen war. Erste Tests von Wasser- und Milchproben, deren Ergebnisse teilweise am 6. Mai veröffentlicht wurden, lieferten laut SCPRI zu geringe Belastungen, um eine Gesundheitsgefahr zu reprĂ€sentieren, weswegen fĂŒr Frankreich keine Schutzmaßnahmen empfohlen wurden. Da jedoch andere LĂ€nder Schutzmaßnahmen angeordnet hatten, wurde in der Presse schnell der Vorwurf der PassivitĂ€t laut. 2001 und 2002 legten mehr als 500 kranke Menschen Beschwerde gegen das damalige Verhalten der Regierung ein. Wenngleich SchilddrĂŒsenkrebserkrankungen zunahmen, seien sie laut französischen Nuklearexperten nicht auf den Unfall zurĂŒckzufĂŒhren. Der ehemalige Arzt und Mitarbeiter des Commissariat Ă  l’énergie atomique et aux Ă©nergies alternatives Bernard Lerouge warf den Medien vor, sich auf die pessimistischen SchĂ€tzungen der Anti-Atomkraftbewegung konzentriert zu haben. TV-Dokumentationen warf er Verzerrungen und Manipulation der öffentlichen Meinung vor, da die Meinungen der Wissenschaftsgemeinde ignoriert worden seien.[52]

Weitere LĂ€nder

In Schweden ergaben Umfragen im September 1986, dass die Einstellungen gegenĂŒber der Kernenergie im Durchschnitt negativer wurden. Viele Interviewte zĂ€hlten die Risiken der Kernenergie zu den bedrohlichsten aller Risiken. SpĂ€tere Umfragen ergaben, dass die Einstellung in der schwedischen Bevölkerung relativ schnell wieder auf das tendenziell befĂŒrwortende Niveau vor dem Unfall zurĂŒckkehrte.[53]

Eine 1988 veröffentlichte Analyse zur Berichterstattung ĂŒber das Ereignis und seine Folgen in sieben europĂ€ischen LĂ€ndern kam zu dem Schluss, dass die Medien einigermaßen gut die Informationen aus offiziellen Quellen wiedergaben, wenngleich einige MĂ€ngel im Bezug auf Themen wie Strahlenbelastung und ihre Risiken festgestellt wurden.[54] Eine in den 1990er-Jahren von der EuropĂ€ischen Kommission beauftragte Untersuchung in fĂŒnf LĂ€ndern (Deutschland nicht inbegriffen) konnte keine Hinweise auf einen verstĂ€rkenden Einfluss der medialen Berichterstattung ĂŒber den Unfall auf die öffentliche Wahrnehmung des Risikos finden, wenngleich die Berichterstattung in der Öffentlichkeit hĂ€ufig als alarmierend empfunden wurde.[55] Eine Analyse der Berichterstattung der US-amerikanischen Tageszeitungen New York Times, Washington Post, Philadelphia Inquirer, Wall Street Journal und Morning Call aus Allentown in Pennsylvania sowie der Abendnachrichten der Fernsehsender ABC, CBS und NBC in den ersten zwei Wochen nach der Katastrophe ergab, dass nicht ausreichend Informationen vermittelt wurden, um der Öffentlichkeit das VerstĂ€ndnis von Kernenergie und die Einordnung des Unfalls zu erleichtern. Übertriebene Panikmache oder einen Überschuss an negativen Berichten konnten jedoch nicht beobachtet werden.[56]

GegenwÀrtige Situation

Der havarierte Reaktor mit „Sarkophag“ im April 2003

EndgĂŒltige Abschaltung des Kraftwerkes

Alle drei noch funktionsfÀhigen Blöcke wurden nach dem Ende der AufrÀumarbeiten wieder hochgefahren. Nach den Dekontaminierungsarbeiten in den Jahren 1986 und 1987 war die Regierung der Ansicht, dass die Strahlung keine weiteren Auswirkungen auf das Personal habe.[3] Der zweite Reaktorblock wurde im Oktober 1991 nach einem Feuer in der Turbinenhalle abgeschaltet.

Bei einer Tagung im Juni 1994 in Korfu beschloss die EuropĂ€ische Union der Ukraine ein Programm zur Zusammenarbeit vorzuschlagen, das zur Stilllegung des Kernkraftwerkes in Tschernobyl fĂŒhren sollte.[57] Die G7-Staaten unterstĂŒtzten bei ihrem Treffen in Neapel im Juli 1994 diesen Vorstoß der EU. Dies fĂŒhrte schließlich am 20. Dezember 1995 im kanadischen Halifax zur Unterzeichnung eines Memorandum of Understanding durch den ukrainische PrĂ€sident Leonid Kutschma, in dem die Abschaltung der Reaktoren bis zum Jahr 2000 angestrebt wurde.[58] Die Finanzierung erfolgte ĂŒber das TACIS-Programm der EU. Im November 1996 wurde Block 1 vom Netz genommen, im Dezember 1997 beschloss die ukrainische Regierung den Reaktor stillzulegen. Im Juni 2000 wurde schließlich die Entscheidung getroffen Block 3 am 15. Dezember 2000 endgĂŒltig außer Betrieb zu nehmen.[59]

Die gesperrte Zone nach dem Unfall

Die Stadt Prypjat im MĂ€rz 2002
Verlassenes Haus in der Sperrzone
Eingangsposten zur 30-Kilometer-Zone

Etwa 1000 Bewohner sind angesichts ihrer eigenen schlechten wirtschaftlichen Lage trotz der stark erhöhten Strahlungswerte zum Teil schon Wochen nach dem UnglĂŒck in die gesperrte Zone zurĂŒckgekehrt. Der Grund war fĂŒr die meisten, dass ihnen weder die damalige Sowjetunion noch der heutige ukrainische Staat in den Orten, in die sie evakuiert wurden, eine ausreichende Lebensgrundlage zur VerfĂŒgung stellen konnte. Dazu kommt, dass viele der RĂŒckkehrer die Gesundheitsgefahr durch die Strahlung nicht sehr hoch einschĂ€tzten. Da es sich auch damals ĂŒberwiegend um Ă€ltere Personen handelte, ist unklar, wie viele davon an den Folgen der Strahlung starben. Einige heute noch lebende RĂŒckkehrer meinen, es seien „sehr viele gestorben“. Einige berichten aber auch, sie hĂ€tten auch nach 20 Jahren in der kontaminierten Region keine strahlenbedingten Beschwerden. Im Dorf Tschernobyl selbst, einige Kilometer sĂŒdlich des Reaktors, leben heute etwa hundert RĂŒckkehrer. 2001 eröffnete auch die orthodoxe Dorfkirche Sv. Ilja wieder, zum Sonntagsgottesdienst erscheinen regelmĂ€ĂŸig etwa 30 GlĂ€ubige. Alle RĂŒckkehrer wie auch alle Bewohner der „Zone 3“, der Region rund um die Sperrzone, erhalten ab dem Alter von 47 Jahren eine kleine Sonderrente vom ukrainischen Staat in Höhe von umgerechnet 60 US-Dollar im Monat. UnabhĂ€ngig davon ernĂ€hren sich praktisch alle Bewohner der Sperrzone, wie der belasteten, aber nicht evakuierten „Zone 3“, auch aufgrund der Armut und Arbeitslosigkeit vor Ort, von den Waldpilzen und dem vor Ort gezogenen GemĂŒse und Obst. Die gesundheitlichen Folgen bei den Erwachsenen sind schwer abzuschĂ€tzen, vor allem auch deshalb, weil es andere ungĂŒnstige Faktoren wie die mangelhafte ErnĂ€hrung, die schlechte Wirtschaftslage, Alkoholismus und eine steigende AIDS-Rate gibt. Laut EinschĂ€tzung des Radiologischen Instituts der Stadt Iwankiw, etwa 50 Kilometer sĂŒdlich von Tschernobyl, sind nur etwa drei Prozent der Proben von GemĂŒse, Obst und Wildfleisch, die die Bewohner dort kostenlos zur Untersuchung einreichen, ĂŒber die (mit westeuropĂ€ischem Niveau im Einklang befindlichen) Grenzwerte hinaus belastet. Die Messwerte schwanken aber sehr stark nach Mikro-Regionen, es gibt einzelne Proben, die sehr stark belastet sind.

Was die Kinder betrifft, die in „Zone 3“ wohnen, schĂ€tzt Jewgenija Stepanowa, ChefĂ€rztin der PĂ€diatrischen Abteilung der 1987 fĂŒr die Tschernobyl-Opfer gegrĂŒndeten Klinik fĂŒr Radiologie in Kiew, ein, dass etwa 90 Prozent der Kinder der Region an strahlenbedingter ImmunschwĂ€che leiden. Die Folgen seien insbesondere hĂ€ufige Erkrankungen aller Art wie LungenentzĂŒndung oder Allergien. LeukĂ€mie oder andere Krebserkrankungen bei Kindern trĂ€ten aber „heute nicht besonders gehĂ€uft“ auf. Das Dorf Tschernobyl ist heute vor allem Wohnort aller Arbeiter und Wissenschaftler, die im Zusammenhang mit der Reaktorkatastrophe in der Sperrzone eingesetzt sind. Das Dorf wurde dafĂŒr ausgewĂ€hlt, weil es innerhalb der Sperrzone als verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig minderbelastet eingestuft wurde. Das Betreten ist trotzdem nur mit besonderer Genehmigung möglich. Auf Warnschildern wird vor der Gefahr von offenbar gelegentlich auftretenden StaubstĂŒrmen im Sommer gewarnt, die stark erhöhte RadioaktivitĂ€t verbreiten. FĂŒr die Bewohner sind dafĂŒr in Tschernobyl besondere SchutzrĂ€ume angelegt, die laut Warnschildern sofort aufgesucht werden sollen und die man nicht verlassen solle, bevor die StĂŒrme sich gelegt hĂ€tten oder man gerettet werde. Es gibt dort heute ein kleines Hotel fĂŒr auslĂ€ndische Wissenschaftler, auch die Verwaltung der Sperrzone und verschiedene wissenschaftliche Institute der Ukraine haben dort ihren Sitz beziehungsweise Außenstellen. Aus StrahlenschutzgrĂŒnden wechseln die bei den dauernden Ausbesserungsarbeiten am „Sarkophag“ eingesetzten und in Tschernobyl untergebrachten Arbeiter alle 14 Tage. Die Mitarbeiter der Verwaltung haben eine auf Montag bis Donnerstag verkĂŒrzte Arbeitswoche, kehren am Wochenende in ihre Wohnorte außerhalb der Sperrzone, meist nach Kiew, zurĂŒck. Vor Verlassen der Sperrzone gibt es Kontrollen auf radioaktive Kontamination. Besuchern vor Ort ist es selbst ĂŒberlassen, wie sie mit der radioaktiven Belastung der Umgebung umgehen. WĂ€hrend insbesondere einheimische Wissenschaftler ungeschĂŒtzt in der Sperrzone unterwegs sind, trifft man in der am höchsten belasteten Zone im Umkreis von einigen Kilometern rund um den Reaktor auch Experten aus westlichen LĂ€ndern mit Atemschutz und SchutzanzĂŒgen.

Die Sperrzone von Tschernobyl erscheint heute auf den ersten Blick als Naturparadies. Elche, Wölfe, Hirsche sind hier zahlreich vorhanden, Wildschweine und wildernde Haushunde sind auf den ehemaligen und langsam zuwachsenden Straßen anzutreffen.[60] In den 1990er-Jahren wurden hier auch einige der vom Aussterben bedrohten Przewalski-Pferde ausgesetzt. Eine 1998 durchgefĂŒhrte Ansiedlung eines Wisentpaares scheiterte.[61] Binnen 20 Jahren sind die damals verlassenen Dörfer verwildert und zum großen Teil zugewachsen. Die rĂŒckkehrenden Biber haben das seit den 1920ern aufwĂ€ndig entwĂ€sserte Gebiet der Pripjat-SĂŒmpfe in weiten Bereichen wieder unter Wasser gesetzt.[60]

Bis zum Ende der Sowjetunion waren die meisten Folgen vor Ort Staatsgeheimnis. Die Behörden und Experten der heutigen Ukraine, zum Teil sogar mit denselben beteiligten Personen wie Ärzten oder Radiologen, gehen heute offen und sehr auskunftsfreudig damit um. Die Hilfsgelder fĂŒr die Folgen der Tschernobyl-Katastrophe sind heute ein wichtiger Wirtschaftsfaktor fĂŒr die Ukraine, zunehmend auch (Katastrophen-)Tourismus. Sonst nimmt aber wissenschaftliche Untersuchung der Sperrzone und umliegender Gebiete einen bedeutenden Faktor ein.

Selbst das zum Teil stark durch Plutonium verseuchte Zentrum der Sperrzone von Tschernobyl wurde in den letzten Jahren auch von PlĂŒnderern heimgesucht, obwohl das Gebiet eigentlich abgesperrt, durch Schranken und Kontrollen abgeschirmt ist. Fast alle Wohnungen in der am 27. April 1986 nachmittags binnen Stunden evakuierten Stadt Prypjat sind geplĂŒndert, TĂŒren eingeschlagen, KĂŒchenherde und Möbel geraubt. Auch die meisten der tausenden 1986 eingesetzten Fahrzeuge und Hubschrauber, die wegen ihrer geringen bis hohen Kontamination damals auf einem zentralen „Friedhof“ im Sperrgebiet abgestellt wurden, sind trotz formaler Bewachung und EinzĂ€unung ausgeschlachtet und geplĂŒndert. Motoren und Windschutzscheiben fehlen, ganze Hubschrauber sind zerlegt und verschwunden.

„Shelter Implementation Plan“

Der havarierte Reaktorblock ist heute durch einen provisorischen, durchlĂ€ssigen „Sarkophag“ gedeckelt. Im Inneren ist weitgehend die Situation nach der Explosion in heißer Form konserviert. Von rund 190 Tonnen[62] Reaktorkernmasse befinden sich SchĂ€tzungen zufolge noch rund 150 bis 180 Tonnen[63] innerhalb des „Sarkophags“, teils in Form von Corium, teils in Form von Staub und Asche, in Form ausgewaschener FlĂŒssigkeiten im Reaktorsumpf und im Fundament oder in anderer Form.

Im Jahr 1992 veranstaltete die Ukraine mit einer französischen Firma einen Konzeptwettbewerb, um Ideen fĂŒr eine langfristige Lösung fĂŒr Block 4 zu finden. Nach kurzer Zeit entschied man sich fĂŒr eine effektive Schutzummantelung und kĂŒrte einen Gewinner. Hierzu sollte eine vollstĂ€ndige Ummantelung von Block 3 und Block 4 gebaut werden. Da aber fĂŒr dieses Konzept der damals noch aktive Block 3 hĂ€tte abgeschaltet werden mĂŒssen, verwarf man dieses Projekt wieder. Die Kosten dafĂŒr schĂ€tzte man auf drei bis vier Milliarden US-Dollar.[3]

Der internationale „Shelter Implementation Plan“ hat als Ziel, einen neuen haltbaren „Sarkophag“ zu errichten. Als erste Maßnahme wurden das Dach des ursprĂŒnglichen „Sarkophags“ verstĂ€rkt und die BelĂŒftungsanlage verbessert. Der neue „Sarkophag“ soll ĂŒber dem alten errichtet werden. Dadurch soll es möglich sein, den alten „Sarkophag“ zu entfernen, ohne dass weitere radioaktive Stoffe freigesetzt werden. Das geht mit zwei speziellen KrĂ€nen, die extra fĂŒr die Arbeit unter hoher Strahlenbelastung hergestellt wurden. Unter anderem können diese auch radioaktiv kontaminierte Stoffe zerkleinern. Der neue „Sarkophag“ soll 257 Meter lang, 150 Meter breit und 108 Meter hoch werden. Der Auftrag wurde am 17. September 2007 dem Konsortium Novarka erteilt.[64] Der neue „Sarkophag“ soll 200 Meter neben dem Reaktor aufgebaut und auf Schienen ĂŒber den alten „Sarkophag“ gefahren werden. Eine Geberkonferenz traf sich im April 2011. Dabei stellten die EU und andere Teilnehmer etwa 550 Millionen Euro fĂŒr den neuen Sarkophag in Aussicht.[65] Der Bau der neuen SchutzhĂŒlle soll noch im Jahr 2011 beginnen und bis 2015 abgeschlossen sein.[66]

Gedenken

Veranstaltungen

Bereits kurz nach der Katastrophe etablierten sich in grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten, vor allem der ehemaligen Sowjetunion, jĂ€hrliche Gedenkveranstaltungen. Hierbei werden im FrĂŒhjahr Kundgebungen oder Gottesdienste abgehalten, bei denen tausende Teilnehmer mit brennenden Kerzen, Schweigeminuten, Mahnwachen oder GlockenlĂ€uten der Opfer der Reaktorexplosion gedenken. Sie demonstrieren damit auch fĂŒr die friedliche Nutzung der Atomenergie oder langfristig auch fĂŒr die Stilllegung aller Atomreaktoren.

Museum und Mahnmale

Ein in der ukrainischen Hauptstadt Kiew eingerichtetes National-Museum zeigt eindrucksvolle Bilder, Videos, Reste von Kleidung oder verweist mit durchgestrichenen Ortstafeln auf die nicht mehr existenten Dörfer.[67]

Inzwischen gibt es auch mahnende Denkmale, wie in der russischen Hauptstadt Moskau oder in den ukrainischen StĂ€dten Kiew, Charkiw oder Saporischschja.[68] In Charkiw erinnern sogar zwei Monumente an die Katastrophe: eines aus rotem Porphyr und ein weiteres, dreifarbig gestaltetes, im Park der Jugend. Ein weiteres Denkmal, das den Helfern („Liquidatoren“) im GelĂ€nde des Kernkraftwerks gewidmet war, wurde zerstört. In Saporischschja hat ein Bildhauer einen Stein an einem Brunnen wie ein gespaltenes Atom gestaltet, unweit davon befindet sich ein Granitfindling mit einer Tafel fĂŒr die Opfer der Katastrophe. In der nach dem ReaktorunglĂŒck neu errichteten Stadt Slawutytsch gibt es ein Mahnmal mit Fotos und Lebensdaten einiger Opfer.[69] Kiew erinnert mit einem Denkmal an die Feuerwehrleute und Ingenieure, die infolge ihres Einsatzes bei der Katastrophe gestorben sind. An dem symbolhaften verbogenen Metall legen Politiker des Landes regelmĂ€ĂŸig GedenkkrĂ€nze nieder.[70]

Ab 2011 soll der Ort fĂŒr den Tourismus geöffnet werden.[71]

Ausstellungen, Konzerte und andere AktivitÀten

Gedenkveranstaltung 25 Jahre nach dem Reaktorunfall (Wien 2011)

Im Jahr 1990 wurde die gemeinnĂŒtzige Organisation Heim-statt Tschernobyl gegrĂŒndet. Seit 1991 fahren jĂ€hrlich in den Sommermonaten Gruppen freiwilliger Helfer/innen aus Deutschland fĂŒr drei Wochen nach Weißrussland und errichten im nicht-kontaminierten Norden gemeinsam mit betroffenen Familien jeweils ein neues Haus. Wesentlicher Bestandteil des Konzeptes ist die ökologische Bauweise und der verantwortungsvolle Umgang mit Energie.

Der deutsche KĂŒnstler Till Christ organisierte in Zusammenarbeit mit Studenten der Staatlichen Akademie fĂŒr Design und Kunst aus Charkow im Berliner Kunsthaus Tacheles die Ausstellung „Visual Energy – Nach Tschernobyl: Ressourcen, Energien und wir“. Sie war zwischen Oktober 2005 und April 2006 zu sehen.[72]

Im Jahr 2006 fĂŒhrte die schweizerische Stadt Thun in ihrem Rathaus eine Gedenkausstellung mit UnterstĂŒtzung der Botschafter der Ukraine, von Weißrussland und von Russland durch. – Die Schriftstellerin Swetlana Alexijevitsch hatte ein „Tschernobyl-Gebet“ verfasst, das im Jahr 2006 von dem französischen Komponisten Alain Moget als Oratorium unter dem Titel „Und sie werden uns vergessen“ vertont und uraufgefĂŒhrt wurde. In jedem Jahr kommen weitere AktivitĂ€ten in aller Welt zum Gedenken hinzu wie Fotoausstellungen, Konzerte, Veröffentlichungen oder wissenschaftliche Tagungen.

Vom 3. bis 5. April 2006 veranstaltete die Gesellschaft fĂŒr Strahlenschutz in Berlin einen Internationalen Kongress mit dem Titel „20 Jahre nach Tschernobyl – Erfahrungen und Lehren fĂŒr die Zukunft“.

Auf drei internationalen Kongressen in den Jahren 2004, 2006 und 2011 diskutierte die IPPNW gemeinsam mit der Öffentlichkeit ĂŒber die Folgen der Tschernobylkatastrophe sowie Perspektiven einer Welt frei von Atomkraftwerken und Atomwaffen. Der vom 8. bis 10. April 2011 abgehaltene Kongress mit dem Motto „Zeitbombe Atomenergie: 25 Jahre Tschernobyl – Atomausstieg jetzt!“ fand unter dem Eindruck der Nuklearkatastrophe von Fukushima statt.[73]

Am 26. April 2011 fand in der Berliner Philharmonie ein Benefizkonzert anlÀsslich des 25. Jahrestages der Tschernobylkatastrophe statt.[74]

Literatur

Landesberichte von Russland, der Ukraine und Weißrussland
  • S. K. Shoigu, L. A. Bolshov (Hrsg.): Twenty years of the Chernobyl accident. Results and Problems in Eliminating Its Consequences in Russia 1986–2006. Russian National Report. Moskau 2006, PDF.
  • 20 years after Chornobyl Catastrophe. Future outlook: National Report of Ukraine. Kiew 2006, ISBN 966-326-172-2, (PDF).
  • V. E. Shevchuk, V. L. Gurachevsky (Hrsg.): 20 Years after the Chernobyl Catastrophe: the consequences in the Republic of Belarus and their overcoming. National report. Committee on the Problems of the Consequences of the Catastrophe at the Chernobyl NPP under the Belarusian Council of Ministers, Minsk 2006, ISBN 985-01-0628-X, ZIP-Datei.
Berichte von IAEA, WHO und UNSCEAR
  • UNSCEAR 2008 Report. Sources and effects of ionizing radiation. Band 2. Annex D - Health effects due to radiation from the Chernobyl accident. New York 2011, (PDF).
  • IAEA (Hrsg.): The Chernobyl accident: Updating of INSAG-1: INSAG-7: A report by the International Nuclear Safety Advisory Group. Wien 1992, ISBN 92-0-104692-8, (PDF).
  • Chernobyl’s Legacy: Health, Environmental and Socio-Economic Impacts and Recommendations to the Governments of Belarus, the Russian Federation and Ukraine. April 2006, (PDF)
  • IAEA (Hrsg.): Chernobyl's Legacy: Health, Environmental and Socio-economic Impacts (
), Pressemitteilung (dt.), September 2005 (PDF)
  • Environmental Consequences of the Chernobyl Accident and Their Remediation: Twenty Years of Experience. Report of the UN Chernobyl Forum Expert Group „Environment“ (EGE), August 2005 (PDF)
  • Burton Bennett, Michael Repacholi, Zhanat Carr (Hrsg.): Health Effects of the Chernobyl Accident and Special Health Care Programmes. Report of the UN Chernobyl Forum Expert Group „Health“. World Health Organization, Genf 2006, ISBN 92-4-159417-9, (PDF, 1,6 MB).
Weitere Literatur
  • Ian Fairlie, David Sumner: The Other Report on Chernobyl (TORCH). Berlin/BrĂŒssel/Kiew 2006, (PDF).
  • H. Dederichs, J. Pillath, B. Heuel-Fabianek, P. Hill, R. Lennartz Langzeitbeobachtung der Dosisbelastung der Bevölkerung in radioaktiv kontaminierten Gebieten Weißrusslands – Korma-Studie. Verlag Forschungszentrum JĂŒlich 2009, ISBN 978-3-89336-562-3, 2004 (pdf, fz-juelich.de port:8080)
Landespezifisches

Deutschland:

  • Informationskreis KernEnergie (Hrsg.): Der Reaktorunfall in Tschernobyl. 4. Auflage, Hermann Schlesener KG, Berlin 2007, ISBN 3-926956-48-8, (PDF).
  • 20 Jahre nach Tschernobyl – Eine Bilanz aus Sicht des Strahlenschutzes. Bericht der Strahlenschutzkommission (SSK) des Bundesministeriums fĂŒr Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Heft 50, H. Hoffmann, Berlin 2006, ISBN 3-87344-127-6, ISSN 0948-308X.
  • Peter Jacob, Werner RĂŒhm, Herwig G. Paretzke: 20 Jahre Tschernobyl – Die gesundheitlichen Auswirkungen. In: Physik Journal. Band 5, Nummer 4, 2006, S. 43–49, (online).

Österreich:

  • Bundeskanzleramt - Sektion VII, Ernst Bobek (Hrsg.): Die Auswirkungen des Reakterunfalls von Tschernobyl auf Österreich. BeitrĂ€ge Lebensmittelangelegenheiten, VeterinĂ€rverwaltung, Strahlenschutz. In: Forschungsberichte. 2. verb. Aufl. Auflage. 2/88, Österr. Staatsdr., Wien 1988 (Zeitgenössisches ResummeĂ©, pdf, umweltnet.at).
  • P.Bossew, et al.; Umweltbundesamt (Hrsg.): CĂ€siumbelastung der Böden Österreichs. Monographien. Band 60, Wien MĂ€rz 1996 (20-Jahres-Stand, Auszug Pressestelle Umweltbundesamt, Newsarchiv 2006, zit. in Tschernobyl und die Folgen fĂŒr Österreich, wien-vienna.at).
  • Peter Bossew, Martin Gerzabek, Franz Josef Maringer, Claudia Seidel, Thomas Waldhör, Christian Vutuc; UniversitĂ€t fĂŒr Bodenkultur, Department fĂŒr Wald- und Bodenwissenschaften (Hrsg.): Studie „Tschernobylfolgen in Oberösterreich“. Endbericht. Wien April 2006 (Untersuchung der gesundheitlichen Auswirkungen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl in besonders belasteten Gebieten Oberösterreichs; im Auftrag des Landes Oberösterreich. Allgemeiner Teil und spezielle Untersuchung der mit am stĂ€rksten belasteten Zonen Österreichs, pdf, anschober.at).

Medien

  • Thomas Johnson: The Battle of Chernobyl. Play Films 2006, (online).
  • Nicolaus Schröder: Der Tanz um das "Goldene Grab" - Wem nĂŒtzt der Sarkophag von Tschernobyl?. Deutschlandfunk 2011, (online).

Weblinks

 Commons: Katastrophe von Tschernobyl â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ a b c d Grigori Medwedew: Verbrannte Seelen – Die Katastrophe von Tschernobyl. Hauser, MĂŒnchen 1991.
  2. ↑ Informationskreis Kernenergie (Hrsg.): Tschernobyl. Der Reaktorunfall. Bonn 1996, S. 5, PDF.
  3. ↑ a b c d e f g h i j k Informationskreis KernEnergie (Hrsg.): Der Reaktorunfall in Tschernobyl. 4. Auflage, Hermann Schlesener KG, Berlin 2007, ISBN 3-926956-48-8, PDF (toter Link).
  4. ↑ a b c d e f International Atomic Energy Agency (Hrsg.): The Chernobyl accident: Updating of INSAG-1: INSAG-7: A report by the International Nuclear Safety Advisory Group. Wien 1992, ISBN 92-0-104692-8, PDF.
  5. ↑ Sigrid Totz: Tschernobyl: Der Unfall. 28. MĂ€rz 2006, www.greenpeace.de, (abgerufen am 17. April 2011).
  6. ↑ [Anonym]: Tschernobyl: Chronik des Reaktorunfalls. www.faz.net, (abgerufen am 17. Aptil 2011).
  7. ↑ IAEA: Ten Years after Chernobyl: What do we really know?. 1996, (abgerufen am 19. April 2011).
  8. ↑ Teilweise nach: [Anonym]: Tschernobyl: Anatomie einer Katastrophe. In: Stern. Heft 17, 2006, (online), (abgerufen am 17. April 2011).
  9. ↑ UNSCEAR 2008 Report. Sources and effects of ionizing radiation. Band 2. Annex D - Health effects due to radiation from the Chernobyl accident. New York 2011, S. 49, PDF.
  10. ↑ G. Audi, O. Bersillon, J. Blachot, A. H. Wapstra: The NUBASE evaluation of nuclear and decay properties. In: Nuclear Physics. 2003, Bd. A 729, S. 3–128.
  11. ↑ IAEO-Website: In Focus – Chernobyl. Mit verschiedenen Studien des 'Tschernobyl-Forums'
  12. ↑ Chernobyl: the true scale of the accident UN Report (WHO) zu den Folgen des UnglĂŒcks
  13. ↑ Alexey V. Yablokov, Vassily B. Nesterenko, Alexey V. Nesterenko: Chernobyl: Consequences of the Catastrophe for People and the Environment. In: Annals of the New York Academy of Sciences. Band 1181, 2009, S. 5, Pdf
  14. ↑ a b UNSCEAR 1988 Report. Sources and effects of ionizing radiation. Annex D - Exposures from the Chernobyl accident. New York 1988, S. 369, PDF.
  15. ↑ Der Reaktorunfall von Tschernobyl. Herausgeber: Informationskreis KernEnergie (April 2006)
  16. ↑ Ian Fairlie, David Sumner: The Other Report on Chernobyl (TORCH). Berlin/BrĂŒssel/Kiew 2006, S. 35.
  17. ↑ Peter Bossew, Manfred Ditto, Thomas Falkner, Eberhardt Henrich, Karl Kienzl, Ulrike Rappelsberger: Contamination of Austrian soil with caesium-137. In: Journal of Environmental Radioactivity. Band 55, Nummer 2, 2001, S. 187–194, doi:10.1016/S0265-931X(00)00192-2.
  18. ↑ UmweltradioaktivitĂ€t und Strahlenbelastung im Jahr 2002. Bundesamt fĂŒr Strahlenschutz, 2003, S. 139–140, PDF.
  19. ↑ UmweltradioaktivitĂ€t und Strahlenbelastung im Jahr 2009: Unterrichtung durch die Bundesregierung. Bundesamt fĂŒr Strahlenschutz, 2011, S. 6, (online).
  20. ↑ Ulrich Rieth, GĂŒnter Kanisch: Atomtests, Sellafield, Tschernobyl und die Belastung der Meere. Woher kommen radioaktive Stoffe in Fischen? Forschungsreport 1/2011, S. 31-34. (PDF).
  21. ↑ Elisabeth Cardis et al.: Estimated long term health effects of the Chernobyl accident. International conference on one decade after Chernobyl: summing up the radiological consequences of the accident, Vienna (Austria), 8.-12. April 1996, S. 24, (online).
  22. ↑ Elisabeth Cardis et al: Estimates of the cancer burden in Europe from radioactive fallout from the Chernobyl accident. In: International Journal of Cancer. Band 119, Nummer 6, 2006, S. 1224–1235, doi:10.1002/ijc.22037.
  23. ↑ a b c d M. V. Ramana (2009): Nuclear Power: Economic, Safety, Health, and Environmental Issues of Near-Term Technologies. In: Annual Review of Environment and Resources. Band 34, 2009, S. 127–152, PDF
  24. ↑ Alexei Wladimirowitsch Jablokow: Ein zweites Tschernobyl rĂŒckt nĂ€her. 25. Februar 2011, PDF, (3. April 2011).
  25. ↑ a b Evelyn J. Bromet, Johan M. Havenaar: Psychological and Perceived Health Effects of the Chernobyl Disaster: A 20-Year Review. In: Health Physics. Band 93, Nummer 5, 2007, S. 516–521, (Abstract)
  26. ↑ Report of the UN Chernobyl Forum Expert Group Health. 2006, S. 99.
  27. ↑ [1], Schonfeld, S. J.; Lee, C. & de González, A. B. (2011), 'Medical exposure to radiation and thyroid cancer.', Clin Oncol (R Coll Radiol) 23(4), 244--250.
  28. ↑ a b [2], Thomas, G. A.; Tronko, M. D.; Tsyb, A. F. & Tuttle, R. M. (2011), 'What have we learnt from Chernobyl? What have we still to learn?', Clin Oncol (R Coll Radiol) 23(4), 229--233.
  29. ↑ [3], Geraldine A Thomas, Putting health risks from radiation exposure into context: lessons from past accidents. Ann Acad Med Singapore. 2011 Apr;40(4):158-9
  30. ↑ z. B. Stefan MĂŒrbeth, Milena Rousarova, Hagen Scherb, Edmund Lengfelder: Thyroid cancer has increased in the adult populations of countries moderately affected by Chernobyl fallout (englisch) (pdf). 2004; 10(7) S. CR300-306. Medical Science Monitor. Archiviert vom Original am 23. April 2011. Abgerufen am 23. April 2011.
  31. ↑ The Chernobyl Forum 2003–2005 (Hrsg.): Chernobyl’s Legacy: Health, Environmental and Socio-Economic Impacts and Recommendations. Second revised version, April 2006, PDF-Datei
  32. ↑ z. B. Hagen Scherb, Eveline Weigelt: Congenital malformation and stillbirth in Germany and Europe before and after the Chernobyl nuclear power plant accident. In: Environmental Science and Pollution Research. Band 10, Sonderausgabe Nummer 1, 2003, S. 117–125, PDF
  33. ↑ z. B. Hagen Scherb, Kristina Voigt: Trends in the human sex odds at birth in Europe and the Chernobyl Nuclear Power Plant accident. In: Reproductive Toxicology. Band 23, Nummer 4, 2007, S. 593–599, HTML
  34. ↑ Berichte der Strahlenschutzkommission (SSK) des Bundesministeriums fĂŒr Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Heft 50 (2006): „20 Jahre nach Tschernobyl. Eine Bilanz aus Sicht des Strahlenschutzes“, PDF-Datei, Schlussbetrachtung S. 143
  35. ↑ a b Chernobyl's legacy. Nature, Band 471, S. 562-565 (2011).
  36. ↑ Information on the economic and social consequences of the accident at the Chernobyl nuclear power plant. Dokument A/45/342 - E/1990/102, 9 Juli 1990, PDF.
  37. ↑ Celestine Bohlen: Top Chernobyl Officials Sentenced; Nuclear Power Plant's Director, 5 Others Sent to Labor Camp. In: The Washington Post. 30. Juli 1987.
  38. ↑ [Anonym]: 25 Jahre Tschernobyl. Der GAU und die Wende. In: BR-online. 12. April 2011, (abgerufen am 17. April 2011).
  39. ↑ Renate Köcher: Eine atemraubende Wende. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 20. April 2011.
  40. ↑ Martin Debes: Tschernobyl: Als es in der DDR plötzlich Tomaten gab. In: ThĂŒringer Allgemeine. 14. MĂ€rz 2011, (online), (abgerufen am 23. MĂ€rz 2011).
  41. ↑ Miriam Schröder: Tschernobyl in der DDR: „Gezielte Vergiftung“. In: Spiegel Online, 9. April 2006, (abgefrufen am 7. August 2007).
  42. ↑ Lit. Bundeskanzleramt (Hrsg.): Die Auswirkungen des Reakterunfalls von Tschernobyl auf Österreich. 1988, 2.1. Ausbreitung der Radioaktiven Wolke; 2.2. Niederschlagsituation in Österreich, S. 26 ff.
  43. ↑ a b c Lit. UniversitĂ€t fĂŒr Bodenkultur (Hrsg.): Tschernobylfolgen in Oberösterreich. 2006, 1. Radioaktive Umweltkontamination in Österreich nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl 1986, S. 12 ff.
  44. ↑ Tschernobylfolgen in Oberösterreich. 2006, Abbildung 27: 137Cs-Bodenkontamination durch den Tschernobylfallout (bezogen auf 1.Mai 1986), S. 50.
  45. ↑ Lit. Tschernobylfolgen in Oberösterreich. 2006, Abbildung 28: Gewichtung 137Cs-gesamt mit der Bevölkerungsdichte, S. 51.
  46. ↑ A. Schaller, et al.: Modellstudie Oberösterreich. Zur Ermittlung der HĂ€ufigkeit und Inzidenz angeborener Fehlbildungen.. In: Wien med Wschr. Nr. 7/8, 1987, S. 149–154. K. Mueck; Österreichisches Forschungszentrum Seibersdorf G.m.b.H. (Hrsg.): 10 Jahre nach Tschernobyl. Strahlenbelastung, Gesundheitseffekte, Sicherheitsaspekte.. Beide zitiert in Lit. Tschernobylfolgen in Oberösterreich. 2006, 2.3 Maßnahmen zur Reduktion der Strahlenexposition der Bevölkerung nach dem Tschernobylfallout, S. 30 ff.
  47. ↑ Tschernobylfolgen in Oberösterreich. 2006, 2.2.1 Der Beitrag des Reaktorunfalls zur Strahlenexposition der Bevölkerung, S. 28 f.
  48. ↑ Dieter Pesendorfer: Paradigmenwechsel in der Umweltpolitik: von den AnfĂ€ngen der Umwelt- zu einer Nachhaltigkeitspolitik : Modellfall Österreich?. VS Verlag fĂŒr Sozialwissenschaften, September 2007, ISBN 978-3531156491.
  49. ↑ vergl. Zusammenstellung auf Die offizielle Atompolitik der Republik Österreich. Anti Atom International, abgerufen am 2011. Juni 2 (2005 stillgelegt Seite des ehemaligen Vereins, gehostet unet.univie.ac.at).
  50. ↑ vergl. Fortsetzung der österreichischen Anti-Atom-Politik (111/E), Parlamentarische Materialien, XXIV. Gesetzgebungsperiode, parlament.gv.at 2010
  51. ↑ wirtschaftswoche 25. April 2006
  52. ↑ Chernobyl, a "cloud" passes by 
: Facts and controversy. ENS News, Nummer 24, Mai 2009.
  53. ↑ Britt-Marie Drottz-Sjöberg, Lennart Sjoberg: Risk perception and worries after the chernobyl accident. In: Journal of Environmental Psychology. Band 10, Nummer 2, 1990, S. 135–149, DOI:10.1016/S0272-4944(05)80124-0
  54. ↑ Harry Otway, Palle Haastrup, William Cannell, Giorgios Gianitsopoulos, Massimo Paruccini: Risk Communication in Europe after Chernobyl: A Media Analysis of Seven Countries. In: Organization Environment. Band 2, Nummer 1, 1988, S. 3–15, DOI:10.1177/108602668800200102.
  55. ↑ The 10th Anniversary of the Chernobyl Accident: The impact of media reporting of risk on public risk perceptions in five European countries.
  56. ↑ Sharon M. Friedman, Carole M. Gorney, Brenda P. Egolf: Chernobyl coverage: how the US media treated the nuclear industry. In: Public Understanding of Science. Band 1, Nummer 3, 1992, S. 305–323, DOI:10.1088/0963-6625/1/3/005.
  57. ↑ EuropĂ€ischen Rat Tagung am 24. und 25. Juni 1994 in Korfu Schlußfolgerungen des Vorsitzes. (online), (abgerufen am 26. April 2006).
  58. ↑ Memorandum of Understanding between the Governments of the G-7 Countries and the Commission of the European Communities and the Government of Ukraine on the Closure of the Chernobyl Nuclear Power Plant. 20. Dezember 1995, (online), (abgerufen am 26. April 2006).
  59. ↑ Shutdown of the Chernobyl plant. In: Chernobyl: Assessment of Radiological and Health Impact. 2002 Update of Chernobyl: Ten Years On. OECD NEA 2002, S. 115–120, (PDF).
  60. ↑ a b Tschernobyls radioaktive Wölfe. Reihe Universum. Regie: Klaus Feichtenberger, ORF/epoFilm & OTTONIA Media, Österreich 2011. (weblink, ottonia.de)
  61. ↑ Mark Resnicoff: 2009 – Year of the European Bison Rescue. 8. Dezember 2008 (engl., abgerufen am 14. April 2011).
  62. ↑ A. N. Kiselev, A. I. Surin, K. P. Checherov: Post-accident survey of the unit 4 reactor of the Chernobyl nuclear power plant. In: Atomic Energy. Band 80, Nummer 4, S. 225–231, DOI:10.1007/BF02419299
  63. ↑ A. A. Borovoi: Nuclear fuel in the shelter. In: Atomic Energy. Band 100, Nummer 4, 2006, S. 249–256, DOI:10.1007/s10512-006-0079-3
  64. ↑ New shell to cover deadly Chernobyl. AFP. 17. September 2007, (online).
  65. ↑ Deutschland stellt weitere UnterstĂŒtzung fĂŒr Tschernobyl in Aussicht. BMU-Pressemitteilung Nr. 054/11Berlin, 19. April 2011, (online).
  66. ↑ Tschernobyl – Spendengelder fĂŒr neuen Schutzmantel reichen aus Eintrag auf energieblog24.de
  67. ↑ Homepage des Museums
  68. ↑ [Anonym]: Gedenken an Tschernobyl-Katastrophe vor 24 Jahren. In: Tagblatt-Online. 26. April 2010, (online), (abgerufen am 25. August 2010).
  69. ↑ Foto: Tschernobyl-Mahnmal in Slawutitsch: Gedenken an die Opfer. In: Spiegel-Online. (abgerufen am 25. August 2010).
  70. ↑ [Anonym]: Gedenken an die Katastrophe von Tschernobyl. In: Spiegel-Online. 26. April 2006, (online)., (abgerufen am 25. August 2010).
  71. ↑ Interview: Verharmlosung der Strahlenproblematik. Ludwig BrĂŒgmann im GesprĂ€ch mit Theo Geers. In: Deutschlandradio. 22. Dezember 2010, (abgerufen am 17. April 2011).
  72. ↑ Denis Dilba: Schwarze Eier und strahlende Gullideckel. Design-Ausstellung zu Tschernobyl. In: Spiegel-Online. 25. April 2006, (abgerufen am 25. August 2010).
  73. ↑ 25 Jahre nach Tschernobyl – 28 Tage nach Fukushima. (abgerufen am 18. April 2011).
  74. ↑ Zum 25. Jahrestag – Tschernobylkonzert. Benefizkonzert fĂŒr die Opfer der atomaren Katastrophen in Tschernobyl und Japan. (abgerufen am 18. April 2011).

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen WörterbĂŒchern nach:

  • Katastrophe von Tschornobyl — Reaktor Nr. 4 in Tschernobyl im September 2006 Lage des Kraftwerks in der NĂ€he von Prypjat Die Katastrophe von Tschernobyl (auch: Super GA 
   Deutsch Wikipedia

  • Tschernobyl — steht fĂŒr: die ukrainische Stadt Tschornobyl (Đ§ĐŸŃ€ĐœĐŸĐ±ĐžĐ»ŃŒ), russisch Đ§Đ”Ń€ĐœĐŸĐ±Ń‹Đ»ŃŒ/Tschernobyl) in der Oblast Kiew Katastrophe von Tschernobyl (1986), eine der schwersten Nuklearkatastrophen der Geschichte im Kernkraftwerk Tschernobyl Kernkraftwerk… 
   Deutsch Wikipedia

  • Tschernobyl-UnglĂŒck — Reaktor Nr. 4 in Tschernobyl im September 2006 Lage des Kraftwerks in der NĂ€he von Prypjat Die Katastrophe von Tschernobyl (auch: Super GA 
   Deutsch Wikipedia

  • Tschernobyl-Hilfsvereine in Deutschland — Weißrussische Kinder in Ottendorf Okrilla beim Kegeln 
   Deutsch Wikipedia

  • Tschernobyl (Stadt) — Tschornobyl (Đ§ĐŸŃ€ĐœĐŸĐ±ĐžĐ»ŃŒ) 
   Deutsch Wikipedia

  • Katastrophe — Eine Katastrophe (griechisch ÎșÎ±Ï„Î±ÏƒÏ„ÏÎżÏ†Îź „Umwendung“, Komposition aus ÎșÎ±Ï„ÎŹ katĂĄ „herab , nieder “ und στρέφΔÎčÎœ strĂ©phein „wenden“, also eigentlich „Wendung zum Niedergang“) ist ein folgenschweres UnglĂŒcksereignis mitsamt dessen Folgen. Erst mit… 
   Deutsch Wikipedia

  • Tschernobyl — Tscher|no|byl 〈[ nÉ”ÌŁbyl] ohne ArtikelâŒȘ Standort des ukrain. Kernreaktors, der 1986 explodierte, wobei große Mengen von RadioaktivitĂ€t in die Umwelt gelangten ● die Folgen von Tschernobyl sind unabsehbar * * * TschernoÌŁbyl,   ČernoÌŁbyl [tʃ bel],… 
   Universal-Lexikon

  • Nuklearkatastrophe von Fukushima — Satellitenfoto der Reaktorblöcke 1 bis 4 (von rechts nach links) am 16. MĂ€rz 2011 nach mehreren Explosionen und BrĂ€nden. Als Nuklearkatastrophe von Fukushima werden eine Reihe von katastrophalen UnfĂ€llen und schweren StörfĂ€llen im… 
   Deutsch Wikipedia

  • Kernkraftwerk Tschernobyl — f1 Kernkraftwerk Tschernobyl Das Kernkraftwerk Tschernobyl, aufgenommen von Prypjat aus Lage 
   Deutsch Wikipedia

  • Sicherheitskonzepte von Kernkraftwerken — Konzepte zur Sicherheit von Kernkraftwerken sollen GefĂ€hrdungen durch den Betrieb dieser großtechnischen Anlagen verhindern, vermeiden und reduzieren. Aufgrund der bei Nukleartechnik auftretender Risiken wie hohe Energiedichte, mögliche… 
   Deutsch Wikipedia


Share the article and excerpts

Direct link

 Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.