Katholische Kirche in den Niederlanden

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Römisch-katholische Kirche in den Niederlanden

Die römisch-katholische Kirche ist in den Niederlanden die größte Einzelkirche. In den Niederlanden sind 4,406 Millionen Katholiken registriert (oder 26,9 % der Gesamtbevölkerung), jedoch nur etwa 340.000 Katholiken oder 2 % der Gesamtbevölkerung besuchen am Wochenende die Kirche.

Mit 6.095 lag die Zahl der katholischen Trauungen 2005 um mehr als 10 % unter dem Wert des Vorjahrs (6.800). Dies ist ein neuer Tiefpunkt. Etwa 8 % der niederländischen Trauungen finden in einer katholischen Kirche statt.

Im Jahr 2005 wurden in den Niederlanden 33.000 Personen katholisch getauft, 1.580 weniger als im Vorjahr – es handelt sich um die geringste Anzahl von Taufen seit vielen Jahren. (Quelle: KASKI ), Stand: 31. Dezember 2005.

Bistümer

Die Römisch-Katholische Kirche der Niederlande besteht aus einer Kirchenprovinz mit 7 Bistümern. Der Erzbischof ist zugleich Primas.

Mitglieder und Kirchenbesucher
Bistum Mitglieder Mitglieder in % der Gesamtbevölkerung Anzahl Kirchenbesucher Kirchenbesucher in % der Gesamtbevölkerung
Groningen Leeuwarden ± 110,000 6.2 % 12,435 0.7 %
Utrecht ± 774,000 19.7 % 63,850 1.6 %
Haarlem ± 478,000 17.1 % 37,160 1.3 %
Rotterdam ± 537,000 15.1 % 40,610 1.1 %
Breda ± 458,000 41.3 % 24,920 2.2 %
's-Hertogenbosch ± 1,178,000 57.5 % 87,190 4.3 %
Roermond ± 871,000 76.9 % 77,695 6.9 %

In zwei Bistümern (Bistum 's-Hertogenbosch und Bistum Roermond) stellen die Katholiken die Bevölkerungsmehrheit.

Achtzigjähriger Krieg

Im Achtzigjährigen Krieg zwischen den aufständischen niederländischen Provinzen und dem spanischen König hatten die Reformierten die politische Macht in den aufständischen Gebieten. Die Bischöfe und viele katholische Priester mussten aus dem Machtbereich der Aufständischen fliehen. Die von den Aufständischen beherrschten Gebiete wurden Missionsland, also Gebiete ohne katholische Kirchenstruktur. Katholische Gottesdienste konnten dort nur noch in "schuilkerken" (verborgenen Kirchen) stattfinden. (Stichwort Nederland)[1]

1621 wurde der Krieg (nach zwölfjährigem Waffenstillstand) fortgesetzt. Die Aufständischen eroberten dabei Gebiete im Süden der heutigen Niederlande, die mehrheitlich katholisch waren: 's-Hertogenbosch in Brabant (1629) sowie Venlo, Roermond und Maastricht in Limburg (1632). Unter Druck von strenggläubigen Reformierten wurde der Katholizismus in 's-Hertogenbosch verboten, obwohl die Stadt Bischofssitz war. In Venlo, Roermond und Maastricht wurde die Ausübung des Katholizismus hingegen - neben dem Protestantismus - erlaubt. (S. 40)[2]

Vom Frieden von Münster bis zur Französischen Revolution

Am 30. Januar 1648 wurde der Friede von Münster unterzeichnet, der den bestehenden Zustand weitgehend festschrieb. Die Republik der Sieben Vereinigten Niederlande (die aufständischen Provinzen) erlangte die formelle Unabhängigkeit vom spanischen König. (S. 41)[2]

Zu der Zeit war etwa ein Drittel der Bevölkerung der Republik katholisch, während die Mehrheit der Bevölkerung reformiert war. (S. 42)[2]

Im Laufe des 17. Jahrhunderts gab es für Katholiken, Remonstranten, Taufgesinnte und Lutheraner in der Praxis eine Freiheit des Gottesdienstes in Gebäuden, die nicht als Kirche zu erkennen waren (S. 39)[2]. In dieser Zeit gab es zwar Gesetze gegen Katholiken, aber diese Gesetze wurden im Laufe der Zeit immer weniger streng angewandt (Stichwort Nederland)[1].

Im 17. Jahrhundert gab es innerhalb der katholischen Kirche Konflikte wegen des Jansenismus. Diese Konflikte (und andere) führten 1723 zum Utrechter Schisma und zur Entstehung der Alt-Katholischen Kirche der Niederlande.[1]

Französische Revolution und französischer Einfluss

Die Republik der Vereinigten Niederlande wurde von Truppen der französischen Revolution besetzt. Anhänger der Revolution gründeten die Batavische Republik. Diese Republik geriet im Laufe der nächsten Jahre immer mehr unter französischen Einfluss. Napoleon wandelte sie im Juni 1806 zum Königreich Holland um und machte sie im Juli 1810 zu einem Teil von Frankreich. (S. 96/97)[2]

Am 15. Juli 1801 unterzeichneten Napoleon und der Vatikan ein Konkordat, das die Aussöhnung zwischen Frankreich und der Katholischen Kirche brachte. Als Folge davon wurde auch die Lage der Katholiken in den französisch beherrschten Niederlanden besser. Die Glaubensfreiheit für Katholiken wurde wiederhergestellt, und viele Kirchengüter wurden zurückgegeben. (S. 90)[2](S. 110-112)[1]

Königreich der Niederlande

Nach dem Ende der Herrschaft Napoleons 1815 wurde auf dem Wiener Kongress das Vereinigte Königreich der Niederlande gegründet. Es umfasste im Wesentlichen das Gebiet der heutigen Benelux-Staaten. Der nördliche Teil des Königreiches ist überwiegend reformiert, der südliche Teil überwiegend katholisch.

Zwischen 1815 und 1830 gab es immer wieder Spannungen zwischen der katholischen Kirche und dem niederländischen König Wilhelm I.. Der König versuchte, Einfluss auf die Kirche auszuüben. Man sagte ihm nach, er habe ein anglikanisches Kirchenmodell angestrebt. (S. 108)[2]

1827 unterzeichneten der niederländische König Wilhelm I. und der Vatikan ein Konkordat, das die rechtliche Stellung der katholischen Kirche verbessern sollte. Wegen des protestantischen Widerstandes und wegen des Belgischen Aufstandes von 1830 wurde dieses Konkordat aber nicht umgesetzt. (S. 110-112)[1]

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts arbeiteten die katholischen Politiker mit den Liberalen zusammen. Das gemeinsame Ziel war die Demokratisierung des Staates gegen den autoritären Regierungsstil von König Wilhelm I. (S. 110-112)[1]

Im Revolutionsjahr 1848 reformierte der liberale Politiker Thorbecke im Auftrage des Königs Wilhelm II. die Verfassung der Niederlande. Es wurde die Freiheit der kirchlichen Organisation anerkannt.[3]

1853 wurde, unter Ministerpräsident Thorbecke, die bischöfliche Hierarchie wiederhergestellt. Proteste dagegen kamen von der Aprilbewegung. Diese Proteste führten zur Absetzung von Thorbecke als Ministerpräsident. (S. 110-112)[1]

In der Schulfrage vertraten Katholiken und Liberale entgegengesetzte Standpunkte: Die Katholiken forderten das Recht auf religiös geleitete Schulen, während die Liberalen dagegen waren. Die Schulfrage und der Sturz Thorbeckes führten dazu, dass sich die katholischen und die liberalen Politiker voneinander entfremdeten und immer mehr zu politischen Gegnern wurden. (S. 110-112)[1]

In der Mitte des Jahrhunderts setzte die Versäulung ("verzuiling") ein. Die Katholiken fingen an, sich gesellschaftlich und politisch stärker zu organisieren. (S. 110-112)[1]

Der katholische Politiker Herman Schaepman gründete 1896 die Rooms-Katholieke Staatspartij. (S. 172)[2](S. 110-112)[1]

Schaepman bemühte sich mit Erfolg um ein politisches Bündnis mit der ARP (Anti-Revolutionaire Partij) von Abraham Kuyper, obwohl diese Partei strenggläubig-protestantisch und antikatholisch war. Ein gemeinsames Ziel ist das Recht auf religiös geleitete Schulen. Diese Zusammenarbeit hielt, bis das gemeinsame Ziel erreicht war (ca. 1920). Danach gab es in katholischen Kreisen Überlegungen, mit der SDAP (Sozialisten) zusammen zu arbeiten, aber dies wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg umgesetzt. (S. 110-112)[1]

Weblinks

Quellen

  1. a b c d e f g h i j k Encyclopedie van het Christendom in twee delen - katholiek deel, Amsterdam, Brüssel 1956
  2. a b c d e f g h Geschichte der Niederlande - Holland, Belgien, Luxemburg, Franz Petri, Ivo Schöffer, Jan Juliaan Woltjer, München 1991, ISBN 3-423-04571-X
  3. C. A. J. M. Kortmann: Constitutioneel recht, 4. Auflage, Deventer: Kluwer, 2001, S. 89.


Siehe auch


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