Kaufmannsladen

Puppen-Kaufladen, um 1830

Mit Kaufladen oder Kaufmannsladen wird heute im Allgemeinen ein Kinderspielzeug bezeichnet, das ein kleines Einzelhandelsgeschäft für Lebensmittel und andere Waren des täglichen Bedarfs nachbildet.

Kaufladen, Kaufmannsladen, Kramerladen, Krämerladen, Kolonialwarengeschäft oder Gemischtwarengeschäft waren ursprünglich Bezeichnungen für Einzelhandelsbetriebe in der „realen Welt“, die heute im nostalgischen Rückblick meist Tante-Emma-Laden genannt werden und zumindest in Deutschland fast völlig von Supermärkten, Drogeriemärkten und Discountern verdrängt worden sind.

Inhaltsverzeichnis

Puppen-Kaufladen

Puppen-Kleiderladen, spätes 19. Jh.

Ältere Kaufläden sind meist als Puppen-Kaufladen zum Bespielen mit Puppen und Warenminiaturen (ähnlich einem Puppenhaus) ausgeführt. Solche Läden sind mindestens seit dem frühen 19. Jahrhundert bekannt und wurden – wie Puppenhäuser – meist von Schreinern oder anderen Handwerkern als Einzelstücke angefertigt. Um 1900 begannen Spielzeugfabriken Kaufläden mit kompletter Ausstattung zu vertreiben, die oft bekannte Markenprodukte im Warensortiment hatten.

Puppen-Kaufladen von 1957

Neben Lebensmittel- bzw. Kolonialwarenhandlungen mit breitem Sortiment gab es von Anfang an auch Darstellungen von Einzelhandelsfachgeschäften wie Stoff- und Modegeschäften, Hutgeschäften, Apotheken und sogar Antiquitätenhandlungen. Mit ihrem Warensortiment, das oft in drängender Enge in einem recht kleinen Raum versammelt ist, vermitteln die Puppenkaufläden ein Bild der Einzelhandelskultur ihrer Entstehungszeit. In Ladeneinrichtungen und Supermarktnachbildungen von Systemspielzeugherstellern wie Playmobil lebt die Form des Puppen-Kaufladens bis heute fort.

Kaufläden – zumindest solche mit nicht „spezifisch weiblichem“ Sortiment (Damenmode, Hüte) – waren ein Spielzeug für Jungen und Mädchen gleichermaßen, während Puppenküchen und Puppenhäuser eher den Mädchen vorbehalten waren.

Spiel-Kaufladen

Spiel-Kaufladen von 1960
Kaufladen in einem DDR-Kindergarten 1988

Seit dem 20. Jahrhundert wurden Kaufläden zunehmend als Spielzeug für das kindliche Rollenspiel gefertigt: Ein Kind übernimmt die Rolle des Kaufmanns oder Verkäufers, andere Kinder oder Erwachsene kommen zum Einkaufen als Kunde. Der Kunde steht vor dem Tresen und kann die Auslage bewundern. Über den Tresen wird das (Verkaufs-)Gespräch geführt. Spielerisch werden der Umgang miteinander und der Umgang mit Geld und Waren gelernt.

Solche Kaufläden werden als Spiel-Kaufladen, Verkaufsstand oder Standkaufladen bezeichnet. Sie sind meist aus Holz (seltener aus Kunststoff) hergestellt und als Regal gestaltet, das auch mit Schubladen und/oder Türen sowie einer Wanduhr versehen sein kann. Fast immer ist die Regal-Rückwand mit dem (vorderen) Tresen mittels Klapptüren, Ablagen oder Regalen verbunden. Der Kaufladen ist so zu betreten, dass der Verkäufer sich hinter dem Tresen befindet. Der Tresen enthält oft eine Auslage z. B. für Obst und Gemüse. Als Zubehör werden z. B. Registrierkasse, Spielgeld, Waage und Kleidung wie z. B. weiße Kittel angeboten. Manche Spielkaufläden können mit wenigen Handgriffen auch zu einem kleinen Puppentheater oder Postschalter umgebaut werden.

Verkleinerte Warenpackungen und Warennachbildungen sind im Spielzeughandel erhältlich: Lebensmittel, Obst, Gemüse, Getränke, Reinigungsmittel, Körperpflegeartikel usw. Auch Probepackungen und kleinformatige echte Produkte können verwendet werden. In fertigen Kaufladensortimenten sind oft bekannte Markenartikel enthalten – für Markenunternehmen eröffnet sich mit solchen Nachbildungen ein werbender Zugang bereits zur Spielwelt von Kleinkindern.

Obwohl die Einzelhandelsform mit Verkaufsregal und Tresen Kindern heute fast nur noch durch Bäckereien und Fleischereien vertraut ist, hat sich die Kaufladenform bisher nicht grundlegend an die gegenwärtig alltäglichen Supermärkte und Discounter angepasst. Ein Grund dafür könnte sein, dass bei Selbstbedienung die Anlässe zur verbalen Kommunikation viel geringer sind. Moderne Elemente sind vor allem im Warensortiment und in der Kassentechnik zu finden: manche Kaufladenkassen sind modernen Supermarktkassen nachgebildet und mit Waage, Kreditkartenleser, Mikrofon für Durchsagen und Warentransportband ausgerüstet.

Literatur

  • Manfred Bachmann, Wolfram Metzger: Vom Marktstand zum Supermarkt. Der Kaufladen in Puppenwelt und Wirklichkeit. Katalog zur Ausstellung des Badisches Landesmuseums Karlsruhe im Schloss Bruchsal. Info-Verlagsgesellschaft, Karlsruhe 1992, ISBN 3-88190-156-6
  • Jörg Bohn, Regina Laser: Kaufläden der Nachkriegszeit. In: Trödler & Sammler-Journal, Februar 2005, S. 70–78 Online-Veröffentlichung
  • Dieter Büchner: Puppenhäuser und Puppenstuben. In: Alte Spielsachen. Begleitbuch. Schlossmuseum Aulendorf, Zweigmuseum des Württembergischen Landesmuseums Stuttgart. Württembergisches Landesmuseum, Stuttgart 1997, ISBN 3-929055-45-7, S. 37–68 (hier: S. 48–55)
  • Alice Wagner, Botho Wagner: Puppenstuben, Puppenhäuser, Küchen, Kaufläden und Zubehör aus drei Jahrhunderten. (= Heyne-Ratgeber Antiquitäten). Heyne, München 1996, ISBN 3-453-09375-5 (Rezension)
  • Karla Winkler, Helga Müller-Schnepper (Red.): Kaufläden. Kinderwelt und Wirklichkeit. Begleitheft zur Sonderausstellung im Schwäbischen Volkskundemuseum Oberschönenfeld 1993–1994. Hrsg. von Hans Frei. Schwäbisches Volkskundemuseum Oberschönenfeld, Gessertshausen 1993, ISBN 3-9802516-4-0

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