Kempten (Allgäu)


Kempten (Allgäu)
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Kempten (Allgäu)
Kempten (Allgäu)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Kempten (Allgäu) hervorgehoben
47.73333333333310.316666666667674
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Schwaben
Höhe: 674 m ü. NN
Fläche: 63,29 km²
Einwohner:

62.060 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 981 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 87435, 87437, 87439
Vorwahl: 0831
Kfz-Kennzeichen: KE
Gemeindeschlüssel: 09 7 63 000
Adresse der
Stadtverwaltung:
Rathausplatz 29
87435 Kempten (Allgäu)
Webpräsenz: www.kempten.de
Oberbürgermeister: Dr. Ulrich Netzer (CSU)
Lage der Stadt Kempten (Allgäu) in Bayern
Weiden in der Oberpfalz Straubing Würzburg Schwabach Schweinfurt Regensburg Rosenheim Nürnberg Nürnberg Passau Landshut Memmingen Kaufbeuren Kempten Ingolstadt Fürth Hof Erlangen Coburg Bayreuth Bamberg Augsburg München Aschaffenburg Amberg Ansbach Landkreis Würzburg Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen Landkreis Weilheim-Schongau Landkreis Unterallgäu Landkreis Traunstein Landkreis Tirschenreuth Landkreis Straubing-Bogen Landkreis Starnberg Landkreis Schweinfurt Landkreis Schwandorf Landkreis Rottal-Inn Landkreis Roth Landkreis Rosenheim Landkreis Rhön-Grabfeld Landkreis Regensburg Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm Landkreis Regen Landkreis Passau Landkreis Ostallgäu Landkreis Oberallgäu Landkreis Nürnberger Land Landkreis Neu-Ulm Landkreis Neustadt an der Waldnaab Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz Landkreis Neuburg-Schrobenhausen Landkreis München Landkreis Mühldorf am Inn Landkreis Miltenberg Landkreis Miesbach Landkreis Main-Spessart Landkreis Lindau (Bodensee) Landkreis Lichtenfels Landkreis Landshut Landkreis Landsberg am Lech Landkreis Kulmbach Landkreis Kronach Landkreis Kitzingen Landkreis Kelheim Landkreis Hof Landkreis Haßberge Landkreis Günzburg Landkreis Garmisch-Partenkirchen Landkreis Fürth Landkreis Fürstenfeldbruck Landkreis Freyung-Grafenau Landkreis Freising Landkreis Forchheim Landkreis Erlangen-Höchstadt Landkreis Erding Landkreis Eichstätt Landkreis Ebersberg Landkreis Donau-Ries Landkreis Dingolfing-Landau Landkreis Dillingen an der Donau Landkreis Deggendorf Landkreis Dachau Landkreis Coburg Landkreis Cham Landkreis Berchtesgadener Land Landkreis Bayreuth Landkreis Bamberg Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen Landkreis Bad Kissingen Landkreis Augsburg Landkreis Aschaffenburg Landkreis Ansbach Landkreis Amberg-Sulzbach Landkreis Altötting Landkreis Aichach-Friedberg Bodensee Schweiz Österreich Baden-Württemberg Hessen Tschechien Sachsen ThüringenKarte
Über dieses Bild

Kempten (Allgäu) ist eine kreisfreie Stadt im Allgäu im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben.

Die Hochschulstadt zählt zu den ältesten Städten Deutschlands. Sie ist als zentral gelegenes Oberzentrum Schul-, Verwaltungs- und Handelszentrum der umliegenden Ferienregion Allgäu. Kempten ist nach Augsburg die zweitgrößte Stadt des Regierungsbezirks.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Kempten liegt 646 m bis 920 m ü. NN am Alpennordrand an den Ufern der Iller, etwa 30 km südlich von Memmingen und 30 km nördlich von Oberstdorf. Von den deutschen Städten mit mehr als 50.000 Einwohnern ist Kempten nach Villingen-Schwenningen (82.000 Einwohner, 704 m ) mit 672 Meter über NN (Altstadt) eine der höchstgelegenen.

Ausdehnung des Stadtgebietes

Das Stadtgebiet besteht aus den Gemarkungen Kempten (Allgäu), Sankt Lorenz und Sankt Mang.

Zur Stadt Kempten (Allgäu) gehören die Orte Kempten (Allgäu), Adelharz, Breiten, Dreifaltigkeit, Eggen, Eich, Ellharten, Göhlenbach, Härtnagel, Halden, Haslach, Haubensteig, Heiligkreuz (mit dem ehemaligen Kloster Heilig Kreuz Kempten), Hinterbach, Hirschdorf, Hub, Lenzfried, Leubas, Leupolz, Lotterberg, Mariaberg, Neuhausen, Oberwang, Reichelsberg, Reinharts, Rößlings, Rothkreuz, Rottach, Sankt Mang, Seeangers, Steig, Steufzgen, Stiftallmey, Thingers, Ursulasried, Wettmannsberg und Zollhaus sowie weitere, kleinere Orte (Weiler und Einöden). Insgesamt gibt es 155 Gemeindeteile. Die meisten der oben genannten Orte sind mit Kempten zusammengewachsen.

Klima

Klimadiagramm von Kempten[2]

Kempten liegt bei mittleren Jahresdurchschnittstemperaturen und Niederschlagsmengen im deutschen Durchschnitt, jedoch befindet sich die Niederschlagsmenge im oberen Bereich der deutschen Durchschnittsmenge. Mit 1272 Millimeter durchschnittlichem Niederschlag und einer Durchschnittstemperatur von 6,9 Grad Celsius im Jahr (von 1961 bis 1990) fällt die Stadt nicht aus dem Rahmen der gemäßigten Klimazone.

Wie im gesamten Voralpenland kommt es öfter im Jahr zu Föhn und durch den Wolkenstau vor den Alpen zu ergiebigen Niederschlägen in Form von Regen oder Schnee. Aufgrund von Überschwemmungen der Iller wurde die Hochwasserschutzmauer nach dem Pfingsthochwasser 1999 auf dem linken Illerufer verlängert. Die Maßnahme hat sich beim Alpenhochwasser 2005 erstmals bewährt.

Blick auf die Altstadt mit Fußgängerzone
Blick auf die Altstadt mit Fußgängerzone

Geschichte

Antike

Nachbildung der Augustusstatue von Primaporta in Kempten
Hauptartikel: Cambodunum

Kempten zählt mit Speyer, Worms, Trier, Köln und Augsburg zu den ältesten Städten Deutschlands. Die Geschichte Kemptens reicht zurück bis weit in die Zeit vor der römischen Eroberung des Alpenvorlandes (um 15 v. Chr.). Allerdings fehlen bislang sichere archäologische Zeugnisse über eine größere Siedlung bereits in vorrömischer Zeit. Als gesichert gilt dagegen die Existenz der römischen Stadt Cambodunum etwa ab der Zeit der Eroberung der Gegend durch die Truppen des Drusus und Tiberius, also ab etwa 15 v. Chr. In dem 18 n. Chr. erschienenen 4. Buch des Geografen Strabon wird die keltische Polis Kambodounon erstmals schriftlich bezeugt. Über einer Furt durch die unberechenbare Iller auf dem rechten Hochufer entwickelte sich daraus die römische Stadt Cambodunum. Möglicherweise war Cambodunum im ersten Jahrhundert auch die Hauptstadt der Provinz Rätien, bevor das neu gegründete Augsburg diese Funktion übernahm. Nach der Blütezeit im 2. Jahrhundert n. Chr. war die Entwicklung der Stadt allmählich rückläufig.

Mittelalter

Fürststift Kempten (ehemaliges Benediktinerkloster)
Allgäu-Museum

Die etwa 740 gegründete Missionszelle des Ortes war ab 752 ständig von St. Galler Mönchen bewohnt. Sie wurde 774 von Karl dem Großen als eigenständige Abtei bestätigt (nach klösterlichen Fälschungen aus dem frühen 12. Jahrhundert auf Drängen seiner Gemahlin Hildegard). Im Laufe der Jahrhunderte erhielt die Abtei die Herrschaft über beträchtliche Teile des Umlandes und wurde Kern eines sich zu einer eigenen Siedlung entwickelnden Wirtschaftswesens. König Friedrich II. belehnte 1213 den Abt des Stiftes mit der Grafschaft Kempten.

Die Altstadt Kempten wurde 1289 durch ein Privileg König Rudolfs von Habsburg aus dem Hoheitsbereich des Abtes gelöst und als Freie Reichsstadt dem König unmittelbar unterstellt. Damit wurden dem Stift Übergriffe auf Eigentum und Rechtsstand der Reichsstadt und ihrer Einwohner verboten. Dies geschah unmittelbar nach Beendigung des Interregnums, einer Zeit, in der die Macht des Königs gegenüber Fürsten und Geistlichkeit verstärkt zum Ausdruck gebracht wurde. Sicher waren die zusätzlichen Einnahmen aus den Steuern und die Truppenkontingente der Kemptener gute Gründe für diesen Schritt. Die wirtschaftliche Grundlage Kemptens zu jener Zeit bildete der vom Reich geschützte Fernhandel mit Salz sowie der Handel mit lokal gefertigten Leinenstoffen und Schmiedeerzeugnissen.

Die Teilung Kemptens in eine dem Reich direkt unterstellte Siedlung und ein unmittelbar daran angrenzendes selbstständiges Stiftskloster führte zu ständigen Auseinandersetzungen zwischen den Reichsbürgern und dem Fürstabt des Fürststifts Kempten. So stürmten und zerstörten beispielsweise im Jahr 1363 Kempter Bürger die dem Fürstabt gehörende Burghalde. Die Abgrenzung zum Kloster wurde 1358 auch durch den Bau einer eigenen Schule und 1437 durch die Stiftung einer Kirchenbibliothek für die Stadtprediger deutlich.

An der Iller entstand 1477 mit den ersten beiden Papiermühlen ein neuer Erwerbszweig.

Durch Kaiser Friedrich III. erhielt 1488 die Reichsstadt Kempten das Recht, den Reichsadler mit der Kaiserkrone in ihrem Stadtwappen zu führen. Ein Kempter Truppenkontingent hatte sich bei der Befreiung des in Brügge gefangenen jungen Königs Maximilian besonders ausgezeichnet. Der Reichsadler ziert heute noch die rechte Hälfte des Stadtwappens.

Neuzeit

Die vollständige Unabhängigkeit vom katholischen Kloster erwarb die Reichsstadt erst 1525 mit dem „großen Kauf“. Im Bauernkrieg kam es zur Plünderung des Klosters durch stiftskemptische Bauern. Daraufhin veräußerte der auf Bargeld angewiesene Abt gegen 32.000 Gulden alle verbliebenen herrschaftlichen Rechte in der Stadt an die Bürger. Damit war zugleich der Weg frei für den Wechsel der Reichsstadt zur Reformation, während die mittlerweile stark angewachsene Stiftssiedlung naturgemäß katholisch blieb. Die Stadt gehörte 1529 zu den Vertretern der protestantischen Minderheit (Protestation) am Reichstag zu Speyer. Ihre Bürgerschaft forderte die ungehinderte Ausbreitung des evangelischen Glaubens.

Kempten, Kupferstich von Merian, um 1650

Im Dreißigjährigen Krieg halfen die beiden Hälften der Doppelstadt dann auch mehrfach den jeweils aufgezogenen Streitkräften, die andersgläubige Hälfte zu verheeren. Zudem schlug in dieser Zeit die Pest zweimal fürchterlich zu. Im Jahr 1635 war die Stadt von vormals etwa 6.000 auf eine Bevölkerung von gerade noch 900 dezimiert. Im weiteren behinderten die Rivalität zwischen den beiden Stadtteilen und immer wiederkehrende Kriege mit entsprechenden Schäden eine nachhaltige Erholung der Doppelstadt.

Im Jahre 1775 war Kempten Schauplatz des letzten Hexenprozesses auf deutschem Boden. Maria Anna Schwegelin wurde als Hexe zum Tode durch Verbrennen verurteilt. Nach neueren Forschungen wurde sie nicht hingerichtet, sondern begnadigt und starb 1781 im stiftkemptischen Stockhaus. An der Südostseite des Residenzgebäudes (ehemalige Benediktiner-Abtei) wurde 2002 ein nach ihr benannter Brunnen errichtet. Der Prozess ist (seit 1928) auch auf der historischen Tafel auf der Burg Langenegg erwähnt.

Durch den Zuschlag der Stadt und des Stiftes zum Staatsgebiet Bayerns 1802 durch Napoleon wurde Kempten zu einer einheitlichen Stadt – die nötigen Verwaltungsakte dafür brauchten wenige Jahre, die kulturellen und gesellschaftlichen Prozesse der Vereinigung brauchten dagegen viele Jahrzehnte. Letztendlich wurde durch die Freitreppe, für dessen Bau das sogenannte Pfeiferhaus abgerissen wurde, die symbolische Vereinigung der Stadtteile erklärt. Zusätzlich wurde am Fuße der Treppe ein Brunnen mit dem Stadtwappen, dem ehemaligen Reichsstadtwappen, angebracht. Nach dem zweiten Weltkrieg stellte man auf dem oberen Teil ein Kriegerdenkmal zur Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg auf.

Zwischen 1852 und 1853 wurde in Kempten am rechten Illerufer von Widmann und Telorac eine große siebenstöckige mechanische Baumwollspinnerei und Weberei erbaut, in der Ende der 1850er Jahre bereits 566 Webstühle von fast 1.000 Arbeitern bedient wurden. Der Betrieb wurde erst 1992 eingestellt, das ursprüngliche Gebäude aus der Mitte des 19. Jahrhunderts ist unverändert erhalten und steht unter Denkmalschutz.[3]

Der wirtschaftliche Aufschwung und die Urbanisierung durch die industrielle Revolution wurde in Kempten durch den Niedergang der ansässigen Leinenmanufakturwirtschaft infolge der starken Konkurrenz im Weltmarkt gebremst.

Im Allgäu wechselte der Anbau von Flachs allmählich zur heute bekannten Grünlandwirtschaft und damit zur industriellen Käseproduktion. Die Weberei veränderte sich unter Nutzung des vorhandenen Know-Hows und der Wasserkraft der Iller vom Verlags- und Manufakturwesen hin zur industriellen Baumwollverarbeitung. Die benötigte Technik führte zur Entwicklung feinmechanischer Maschinenbaufabriken. Der Holzreichtum ließ verschiedene Produktionen zu den bereits bestehenden Papiermühlen entstehen. Im Jahre 1898 lief der erste gewerblich genutzte Dieselmotor der Welt in der Zündholzfabrik Kempten. Relativ früh entwickelte sich im Allgäu dazu der Tourismus als weiteres Wirtschaftsstandbein. Um die Jahrhundertwende wuchs die Stadt in den Süden. Grund dafür war unter anderem auch der Kopfbahnhof der Stadt. Diese Vergrößerung der Stadt machte es nötig, die Klosterpfarrkirche St. Anton zu erbauen. Sie wurde im Jahr 1912 vollendet.

Hochwasser in der Kemptener Altstadt im Juni 1910

Zwischen 1943 und 1945 wurde im nahegelegenen Weidach ein Außenlager des Konzentrationslagers Dachau für 1.000 bis 2.000 Häftlinge errichtet (Siehe: KZ-Außenlager Kottern-Weidach), nachdem KZ-Häftlinge unter anderem in der sonst für Viehhandel genutzten „Allgäuhalle“ untergebracht waren. Sie mussten für die Firma Messerschmitt in der Flugzeugherstellung Zwangsarbeit verrichten. Ein weiteres Außenlager existierte schon zuvor in der Keselstraße 14, wo zwischen 500 und 600 Häftlinge für die U. Sachse KG arbeiten mussten.[4]

Die Randlage in Bayern und die vergleichsweise große Vielfalt in der Wirtschaft sorgen seitdem für ein allmähliches, aber stetes Wachstum und für moderate Auswirkungen von Kriegen und Krisen bis heute. Im Jahre 1977 wurde die Errichtung der Fachhochschule Kempten beschlossen. Am 26. Oktober 2011 wurde bekannt gegeben, den Bundeswehrstandort Kempten faktisch zu schließen. Von den über 800 Planstellen sollen lediglich sechs verbleiben.

Politik

Rathaus im frühen 20. Jahrhundert

Bürgermeister und Oberbürgermeister

Seit dem 1. Mai 1996 ist Ulrich Netzer der Oberbürgermeister der Stadt. Er wird von Josef Mayr und Sibylle Knott vertreten.

Stadtrat

Der Stadtrat besteht aus 44 Mitgliedern:

Bündnis 90/Die Grünen und die Kempt’ner Frauenliste bilden eine Fraktion, Unabhängige Bürger/ödp und FDP bilden eine Ausschussgemeinschaft

Verwaltung

Kempten erhebt seit dem 1. Januar 2006 eine Zweitwohnsitzsteuer, die 10 % der Jahreskaltmiete entspricht. Ziel der Stadt ist es hierbei, neben der finanziellen Beteiligung an der städtische Infrastruktur auch einen Anreiz zu schaffen, den Nebenwohnsitz in einen Hauptwohnsitz umzuwandeln.[5]

Die Kampagne Leben statt Schweben wurde vom Jugendhilfeausschuss der Stadt angeregt, nachdem kommunale Fachkräfte aus den Bereichen Schule, Jugendarbeit, Suchtberatung, Jugendhilfe und Polizei im Stadtgebiet zunehmend kinder- und jugendtypische Erscheinungen und Gefahren im Umgang und im Konsum von Alkohol erkannt haben. Die Kampagne wurde im Jahr 2004 gestartet und läuft seitdem. Mit umfangreichen praktischen, präventiven und durch viele Fachkräfte begleitete Aktivitäten wird versucht, nicht nur das Thema Sucht und Alkohol sondern mittlerweile auch die Themen Bewegung, Gesundheit, Sexualität und Partnerschaft sowie Medienkonsum für Kinder und Jugendliche aufzugreifen und zu erläutern. Zu den Zielgruppen gehören außerdem Eltern sowie Multiplikatoren.

Partnerstädte

Mit der Weinstadt Bad Dürkheim besteht seit 1951 die langjährigste Patenschaft der Stadt. 1971 wurden auch freundschaftliche Beziehungen mit dem Fischerdorf Quiberon an der französischen Atlantik-Küste aufgenommen. Gegründet wurde diese Partnerschaft ursprünglich von der ehemaligen eigenständigen Gemeinde St. Mang, sie wurde aber nach der Gebietsreform von der Stadt Kempten fortgeführt. Im Jahre 1987 entstanden zwei weitere Partnerschaften, eine mit der norditalienischen Stadt Trient und die andere mit der ungarischen Grenzstadt Sopron. Kempten hatte mit der Städtepartnerschaft zu Sopron in den Zeiten des Kalten Krieges eine Vorreiterposition in Deutschland bewiesen. 1990 wurde die von Kempten entfernteste Partnerschaft mit der irischen Stadt Sligo begonnen. Vorangegangen war hier ein Jugendaustausch zwischen der Fachhochschule Kempten und einem College in Sligo.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Sehenswürdigkeiten

Orangerie

Historische Gebäude sind die Burghalde mit dem Allgäuer Burgenmuseum und der Freilichtbühne sowie dem Duftgarten, in dem auch Führungen angeboten werden, ebenso das Rathaus und die ehemalige Fürstäbtliche Residenz mit Hofgarten und Orangerie, die auch den Sitz der Stadtbücherei mit der Abteilung Allgäu-Bücher innehat, sowie das Weidachschlößle. Am Fuße der Burghalde befindet befindet sich die alte Wäscherei. Ein wegen seinem prachvollen Kreuzgewölbekeller aus dem 17. Jahrhundert unter Denkmalschutz stehendes Haus.

St.-Lorenz-Basilika in Kempten

Die Stadtpfarrkirche St. Lorenz, eine Basilica minor, erhielt ihren Ehrentitel 1960 von Papst Paul VI. verliehen. Eine weitere Kirche ist die evangelische St. Mang Kirche. Neben dieser befindet sich die Erasmuskapelle – eine mittelalterliche Friedhofskapelle, die letztendlich abgerissen wurde und deren unterirdische Fassadenreste im Jahr 2010 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden.

Zu den Museen zählen weiter die Alpenländische Galerie mit 130 Exponaten der Gotik bis Frührenaissance und das Alpinmuseum, die beide im sogenannten Marstall untergebracht sind.[6] Außerdem gehören dazu das Allgäu-Museum im „Kornhaus“ und das Zumsteinhaus mit dem Römischen Museum und Naturkunde-Museum Kempten.

Der Archäologische Park Cambodunum zeigt wiederhergestellte Gebäude der Siedlung auf dem Lindenberg (Stadtteil) aus der Römerzeit.

Der Beginenhof ist ein aus einem Beginenhaus und Nonnenturm bestehendes, denkmalgeschütztes Gebäudeensemble aus dem 14. Jahrhundert.

Als Veranstaltungshalle wird die bigBOX Allgäu genutzt. Die Freitreppe verbindet die Stiftsstadt mit der Reichsstadt.

Als Fußgänger- und Fahrradfahrerüberweg über die Iller dient die König-Ludwig-Brücke, eine Brücke aus dem Jahr 1851. Sie ist die einzige ihrer Bauart in Deutschland.

Kultur

Theater

Kempten verfügt über ein Theater, das früher ein reines Gastspielhaus war, heute jedoch daneben auch Eigen- und Co-Produktionen aufführt.

Allgäuer Festwoche

Auf Initiative von Dr. Georg Volkhart und Albert Wehr wurde die Allgäuer Festwoche 1949 ins Leben gerufen. Inzwischen zählt die jährlich im August stattfindende Regionalmesse mit Kultur- und Sporthöhepunkten und etwa 100.000 (2009) Besuchern zu den Highlights der Veranstaltungen des Allgäus.

Weitere Veranstaltungsräume

Für kulturelle Veranstaltungen stehen noch eine Reihe weiterer Veranstaltungsräume zur Verfügung

  • Kunsthalle Kempten
  • Hofgartensaal der Residenz
  • Kornhaus

Wirtschaft und Infrastruktur

Die alte Spinnerei.

In Kempten sind verschiedene – meist im Dienstleistungsgewerbe tätige – Unternehmen angesiedelt. Den größten Teil der Beschäftigten Kemptens nimmt der öffentliche Dienst ein. Von überregionaler Bedeutung ist die Milchwirtschaft. Bis in die 1980er war die Textilindustrie ein wichtiges Wirtschaftssegment der Stadt dass durch die asiatische Konkurrenz aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben wurde. Daran erinnern heute verlassene Fabriken am Fluss die unter Denkmalschutz stehen und heute teilweise in Wohnungen und Bürogebäude umgebaut werden. Grund für die Lage an der Iller war zu einem die Wasserkraft. Bis zur Industrialisierung im 19. Jahrhundert befanden sich dort zahlreiche Wassermühlen, die wegen des aufkommenden Strombedarfs durch Turbinen ersetzt wurden. Diese erzeugten Elektrizität für die Industrieanlagen wie für die Webereien und Spinnereien. Ein weiterer wichtiger Grund für den Standort Fluss war die Verwendung des Wassers zum Färben und Bleichen von Textilien. Das verunreinigte Wasser wurde in den Fluss zurückgeleitet und zerstörte die Umwelt, darunter auch einen großen Teil der Vogel- und Fischbestände.

Verkehr

Straßenverkehr

Kempten liegt an der A 7 sowie an der kurzen A 980. Durch das Stadtgebiet führen weiterhin die Bundesstraßen 12, die 19 und die 309. Seit den 1970ern gibt es in Kempten eine vierspurige Ringstraße. Diese führt über eine der Oberen Illerbrücken.

Schienenverkehr

Gebäude des Hauptbahnhofs

Kempten liegt an der Allgäubahn (KBS 970) von München nach Lindau, die im Abschnitt ab Geltendorf allerdings nicht elektrifiziert ist. Als Ersatz für den gestrichenen InterRegio der DB hält nun der Arriva-Länderbahn-Express (kurz „alex“) in Kempten. In Nord-Süd Richtung liegt Kempten an der Strecke von Ulm nach Oberstdorf (Illertalbahn). Außerdem zweigt hier die Außerfernbahn über Pfronten nach Reutte in Tirol und weiter nach Garmisch-Partenkirchen ab. Die Bahnstrecke Kempten–Isny wurde 1984 stillgelegt.

Kempten erhielt 1852 einen Bahnanschluss mit dem Bau der Ludwig-Süd-Nord-Bahn. Der einstige Kopfbahnhof nahe der Altstadt wurde im Jahre 1969 durch einen neuen Hauptbahnhof im Süden der Stadt ersetzt. Im Stadtgebiet von Kempten gibt es außer dem Hauptbahnhof noch die Haltepunkte Kempten Ost und St. Mang.

2006 feierten die Stadt und die DB das 100-jährige Jubiläum der weltweit größten Stampfbetonbrücke Obere Illerbrücke. Über die Brücke läuft der gesamte Zugverkehr des Hauptbahnhofes.

Luftverkehr

Energieversorgung

An der Iller befinden sich mehrere Wasserkraftwerke der Allgäuer Überlandwerke die einen Teil der städtischen Elektrizität erzeugen. Die Anlagen kommen meistens aus der Industrialisierung und dienten der Stromerzeugung für die dort ansässige Textilindustrie. Durch Verbrennung von Abfällen in den Heizkraftwerkwerken Kempten entsteht elektrische Energie und Wärme die durch ein Fernwärmenetz in das Stadtzentrum geleitet wird. Zusätzlich ist ein erdölbetriebenes Blockheizkraftwerk für den Winter an das Fernwärmenetz gekoppelt.

Bekannte Unternehmen

Außerdem sind ansässig die Feneberg Lebensmittelkette, die Liebherr Verzahntechnik, das Tuningunternehmen Abt Sportsline GmbH, das Briefzentrum Augsburg-Kempten der Deutschen Post, das Allgäuer Brauhaus, der Käsehersteller Edelweiss, der Mineralölhandel der Unternehmensgruppe Präg und die Firmenzentrale des Logistikdienstleisters Dachser.

Medien

An größeren Medien haben ihren Firmensitz in Kempten die Allgäuer Zeitungsverlag, im Verbund mit der Augsburger Allgemeinen Zeitung, der Radiosender RSA und der Lokalfernsehsender für die Region Allgäu TV Allgäu.

Arbeitslosigkeit

Die Arbeitslosigkeit der kreisfreien Stadt Kempten lag im Januar 2011 bei 4,8% und war damit im bayerischen Durchschnitt.[7]

Bildung

Neben der Hochschule Kempten bietet Kempten drei Gymnasien (Allgäu-Gymnasium, Hildegardis-Gymnasium, Carl-von-Linde-Gymnasium) mit naturwissenschaftlich-technologischen, sprachlichen und humanistischen Zweigen, drei Realschulen, mehrere Grund- und Mittelschulen und eine Waldorfschule am Rande der Stadt. Dem Klinikum Kempten-Oberallgäu ist eine Berufsfachschule für Technische Assistenten in der Medizin angegliedert. Hier können die Berufe medizinisch-technischer Laboratoriumsassistent und medizinisch-technischer Radiologieassistent erlernt werden.

Im Beruflichen Schulzentrum gibt es eine Fachoberschule und Berufsoberschule, eine Wirtschaftsschule und vier Berufsschulen für verschiedene Berufszweige.

Außerdem befinden sich in Kempten zwei milchwirtschaftliche Fachschulen zum Erwerb des Molkereimeisters oder des Staatlich geprüften Technikers für Milchwirtschaft und Molkereiwesen.

Ein umfangreiches Bildungsangebot mit rund 1000 Veranstaltungen je Semester bietet die Volkshochschule Kempten.

Oberhalb Kemptens befindet sich die Volkssternwarte Kempten auf einem Höhenrücken.

Persönlichkeiten

Hauptartikel: Liste von Persönlichkeiten der Stadt Kempten (Allgäu)

Ehrenbürger

Hauptartikel: Liste der Ehrenbürger von Kempten (Allgäu)

Sonstiges

Der Kemptener Kaufmann Karl Friedrich Wolff gründete 1903 im Zuge des Goldrausches in Südafrika eine Stadt östlich von Johannesburg und benannte sie in Anlehnung an seine Geburtsstadt Kempton Park.[8]

Literatur

Geschichte (Gesamtdarstellungen)

  • Volker Dotterweich u.a. (Hrsg.): Geschichte der Stadt Kempten. Im Auftrag der Stadt Kempten (Allgäu). Verlag Tobias Dannheimer. Kempten 1989, ISBN 3-88881-011-6.
  • Norbert Herrmann: Kempten und das Oberallgäu. Bilder aus der Geschichte der Stadt und des Landkreises. Verlag für Heimatpflege im Heimatbund Allgäu, Kempten (Allgäu) 1984 (Titel der 1. Auflage 1963: „Kempter Geschichtsbuch“).
  • Josef Rottenkolber: Aus Kemptens vergangenen Tagen. Kösel-Verlag, Kempten 1954.
  • Johann Bapt. Haggenmüller: Geschichte der Stadt und der gefürsteten Grafschaft Kempten. Kempten, Band 1: 1840, Band 2: 1847; Reprint in einem Band im Verlag Tobias Dannheimer Kempten 1988, ISBN 3-88881-009-4.
  • Stefan Kirchberger: Kempten im Allgäu. Archäologische Befunde und Funde zur Entwicklung der Reichsstadt. Archäologische Quellen zum Mittelalter 1. Berlin 2002. ISBN 3-931278-04-2

Vor-, Früh- und Alte Geschichte

  • Wolfgang Czysz u.a.: Die Römer in Bayern. Theiss, Stuttgart 1995, ISBN 3-8062-1600-2.
  • Wolfgang Czysz, Hanns Dietrich und Gerhard Weber (Bearb.): Kempten und das Allgäu (Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland, Bd. 30). Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1995, ISBN 3-8062-1150-7.

Weblinks

 Commons: Kempten (Allgäu) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung – Fortschreibung des Bevölkerungsstandes, Quartale (hier viertes Quartal, Stichtag zum Quartalsende) (Hilfe dazu)
  2. Geoklima 2.1
  3. Winfried Nerdinger (Hrsg.): Zwischen Glaspalast und Maximilianeum. Architektur in Bayern zur Zeit Maximilians II. 1848–1864. Minderva, Eurasburg 1997, S. 126–127.
  4. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 154.
  5. Siehe Häufig gestellte Fragen zur Zweitwohnungssteuer (FAQ). Stadt Kempten. Abgerufen am 17. Juli 2009.
  6. Museen im Marstall
  7. Augsburger Allgemeine, 2. Februar 2011
  8. Allgäuer Zeitung, 20. April 2004: Aus dem Goldrausch entstand zweites Kempten



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