Kerala

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Kerala
Kerala - ŗīēŗĶáŗīįŗī≥ŗīā
Seal of Kerala.jpg
Status: Bundesstaat
Hauptstadt: Thiruvananthapuram
Fläche: 38.863 km²
Einwohner: 33.387.677 (2011)
Bevölkerungsdichte: 859 Einwohner je km²
Amtssprache: Malayalam
Gouverneur: M. O. H. Farook
Chief Minister: Oommen Chandy (INC)
Website: www.kerala.gov.in
Delhi Goa Dadra und Nagar Haveli Tamil Nadu Kerala Andhra Pradesh Arunachal Pradesh Assam Bihar Chhattisgarh Gujarat Haryana Himachal Pradesh Jammu und Kashmir Jharkhand Karnataka Madhya Pradesh Maharashtra Manipur Meghalaya Mizoram Nagaland Orissa Punjab Rajasthan Sikkim Tripura Uttarakhand Uttar Pradesh Westbengalen Andamanen und Nikobaren LakshadweepKarte
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Kerala (Malayalam: ŗīēŗĶáŗīįŗī≥ŗīā, KńďraŠł∑am) ist ein Bundesstaat an der Malabark√ľste im S√ľdwesten Indiens mit einer Fl√§che von 38.863 km¬≤ und 33,4 Millionen Einwohnern (Volksz√§hlung 2011). Die Bev√∂lkerungsdichte betr√§gt 859 Einwohner je km¬≤. Damit geh√∂rt der Staat zu den am dichtesten besiedelten Regionen Indiens. Hauptstadt ist Thiruvananthapuram (das ehemalige Trivandrum).

Der Bundesstaat Kerala wurde 1956 nach den Sprachgrenzen des Malayalam geschaffen. Der Name Kerala bedeutet w√∂rtlich ‚ÄěLand der Kokospalmen‚Äú. Abgeleitet ist er von den Malayalam-W√∂rtern kera f√ľr Kokospalme, die tats√§chlich √ľberall in der Region in gro√üer Zahl zu finden sind, und alam f√ľr Land.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Topografische Karte Keralas
Nelliampathi-Berge in den Westghats

Kerala grenzt im Norden an den Bundesstaat Karnataka, im Osten wird es durch die Westghats von Tamil Nadu abgeschirmt und im Westen durch das Arabische Meer begrenzt. Der zum Unionsterritorium Puducherry geh√∂rende Ort Mah√© liegt als Exklave im Norden des Staates. Kerala nimmt fast die gesamte Malabark√ľste ein. Insgesamt betr√§gt die K√ľstenl√§nge rund 590 Kilometer.

Die teils noch dicht bewaldeten Westghats im Osten steigen im Durchschnitt 1500 Meter auf. Die h√∂chste Erhebung des Bundesstaates und der gesamten Westghats ist der 2695 Meter hohe Anamudi. Das Gebirge f√§llt nach Westen √ľber eine H√ľgellandschaft zur h√∂chstens 120 Kilometer breiten, fruchtbaren K√ľstenebene am Arabischen Meer ab. √úber den mittleren K√ľstenabschnitt, zwischen Kochi und Kollam, erstrecken sich die Wasserstra√üen, Seen und Lagunen der Backwaters. Deren gr√∂√ütes Gew√§sser ist der Vembanadsee s√ľdlich von Kochi. Fast alle Fl√ľsse entspringen in den Westghats. Keralas l√§ngster Strom ist der Periyar.

Klima

Das Klima ist tropisch mit geringen Temperaturschwankungen im Jahresverlauf und wird stark vom Monsun beeinflusst. Der S√ľdwestmonsun setzt in Kerala im Regelfall Anfang Juni ein und bringt bis Oktober ergiebige Niederschl√§ge. Fast die gesamte j√§hrliche Niederschlagsmenge, die zwischen 1250 mm im Tiefland und 5000 mm im Gebirge betr√§gt, f√§llt w√§hrend der Monsunperiode. Von Oktober bis Mai ist es zwar trocken, die Luftfeuchtigkeit ist aber dennoch ganzj√§hrig hoch.

Bevölkerung

Sprachen

Sprachen in Kerala
Sprache Prozent
Malayalam
 ‚ÄČ
96,8%
Tamil
 ‚ÄČ
1,9%
Andere
 ‚ÄČ
1,3%
Verteilung der Sprachen (Zensus 2001)[1]

Kerala ist ein sprachlich sehr homogener Bundesstaat. Die Hauptsprache Malayalam wird von knapp 97 Prozent der Bev√∂lkerung gesprochen. Weiterhin gibt es eine nennenswerte Minderheit von Sprechern des Tamil, die vor allem im S√ľden im Raum Thiruvananthapuram lebt. Im n√∂rdlichsten Distrikt Kasaragod wird von etwa 120.000 Menschen Tulu gesprochen. Entlang der Nordk√ľste gibt es au√üerdem Konkani-Sprecher. Koraga ist die Muttersprache einiger tausend Stammesangeh√∂riger im Norden. Englisch ist als Bildungs- und Wirtschaftssprache weit verbreitet.

Religionen

Religionen in Kerala
Religion Prozent
Hinduismus
 ‚ÄČ
56,2%
Islam
 ‚ÄČ
24,7%
Christentum
 ‚ÄČ
19,0%
Andere
 ‚ÄČ
0,1%
Verteilung der Religionen (Zensus 2001)[2]

In religiöser Hinsicht ist Kerala gemischt. Hindus stellen mit 56,2 Prozent (Volkszählung 2001) der Bevölkerung zwar die Bevölkerungsmehrheit, ihr Anteil ist aber deutlich niedriger als im landesweiten Durchschnitt. Daneben gibt es beträchtliche Minderheiten von Muslimen (24,7 Prozent) und Christen (19,0 Prozent). Die verschiedenen Glaubensrichtungen sind bereits seit vielen Jahrhunderten in Kerala vertreten und existieren weitgehend friedlich nebeneinander.

Der Islam wurde in Kerala nicht wie in Nordindien durch zentralasiatische Eroberer, sondern schon deutlich fr√ľher durch arabische H√§ndler eingef√ľhrt. So soll die Cheraman-Freitagsmoschee in Kodungallur im Jahr 629 ‚Äď also noch zu Lebzeiten des Propheten Muhammad ‚Äď erbaut worden sein. Heute geh√∂rt Kerala zu den indischen Bundesstaaten mit dem h√∂chsten muslimischen Bev√∂lkerungsanteil. Vor allem in Nordkerala ist der Islam stark vertreten. Im Distrikt Malappuram stellen Muslime sogar die Bev√∂lkerungsmehrheit.

Valiya Palli (Große Kirche) in Kottayam

Mit √ľber sechs Millionen Christen beherbergt Kerala die gr√∂√üte christliche Population aller indischen Bundesstaaten. Am h√∂chsten ist der christliche Bev√∂lkerungsanteil in den Distrikten Zentralkeralas (Kottayam, Ernakulam etc.), wo um die 40 % der Einwohner christlichen Glaubens sind. Die Christen Keralas sind vor allem Thomaschristen, die ihren Ursprung bis auf den Apostel Thomas zur√ľckf√ľhren. Sie sind in verschiedene Konfessionen gespalten: Katholiken, d. h. die Syro-Malabaren, die Syro-Malankaren und die Lateinische Kirche (Westkirche), bilden die Mehrheit; au√üerdem gibt es indisch-orthodoxe (Malankara Orthodox-Syrische Kirche), syrisch-orthodoxe und anglikanische Christen sowie eine kleine Minderheit von Protestanten. Die Thomaschristen der verschiedenen Richtungen sind fest in die Gesellschaftsordnung integriert. Sie werden als konvertierte Brahmanen angesehen, missionieren nicht und bilden eine der oberen Schichten bzw. Kasten in Kerala. Dagegen sind die Angeh√∂rigen der Lateinischen Kirche und der protestantischen Missionskirchen zumeist niedrigkastige oder kastenlose Konvertiten.

Bis ins 20. Jahrhundert gab es in Kerala eine nennenswerte j√ľdische Bev√∂lkerungsgruppe, die sogenannten Cochin-Juden. Diese sind laut ihrer eigenen √úberlieferung seit der Zerst√∂rung des Tempels im 1. Jahrhundert, sp√§testens aber seit dem fr√ľhen Mittelalter in Kerala ans√§ssig. Seit der Gr√ľndung Israels sind fast alle Cochin-Juden dorthin ausgewandert.

Bildung

Von allen Bundesstaaten Indiens weist Kerala mit 93,9 Prozent (Männer: 96,0 Prozent, Frauen: 88,3 Prozent) die höchste Alphabetisierungsrate auf. Der gesamtindische Durchschnitt liegt dagegen bei nur 74,0 Prozent (Stand jeweils Volkszählung 2011).[3]

In Kerala gibt es sieben Universitäten, die Kerala University in Thiruvananthapuram, die Cochin University of Science and Technology in Kochi, die Kannur University, die Calicut University in Kozhikode, die Mahatma Gandhi University in Kottayam, die Kerala Agricultural University in Thrissur und die Sree Sankaracharya University of Sanskrit in Kalady.

Größte Städte

Stadt Einwohner Stadt Einwohner
1 Thiruvananthapuram 744.739 6 Alappuzha 177.079
2 Kochi 596.473 7 Palakkad 130.736
3 Kozhikode 436.527 8 Tellicherry 99.386
4 Kollam 361.441 9 Ponnani 87.356
5 Thrissur 317.474 10 Manjeri 83.704
Quelle: Volkszählung 2001, www.bevoelkerungsstatistik.de

Geschichte

Fr√ľhgeschichte

Eine Legende besagt, dass ein Mann namens Parashurama, eine Inkarnation des Vishnu, der eine Siedlung f√ľr seine Krieger suchte, von den G√∂ttern Land aus dem Meer zugesprochen bekam. Er musste allerdings seine Axt von einem Berg im jetzigen Norden Keralas werfen. Dort, wo seine Axt landete, verwandelte sich das Meer in Land und der Teil zwischen den Bergen und dem Meer wurde zum heutigen Kerala.

Soweit die Legende, doch tats√§chlich ist nur wenig √ľber Keralas fr√ľhe Geschichte bekannt. Vieles ist ungesichert oder nur in Legenden und Mythen √ľberliefert. So soll der Apostel Thomas im Jahre 52 in Muziris (heute Kodungallur) gelandet sein ‚Äď der antiken Hafenstadt, die im 1. Jahrhundert n. Chr. auch der r√∂mische Gelehrte Plinius der √Ąltere erw√§hnte ‚Äď und das Christentum nach Kerala gebracht haben. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass es durch christliche Kaufleute aus Syrien eingef√ľhrt worden ist. Belegt sind christliche Gemeinden erst seit dem 4. Jahrhundert. Nach der Zerst√∂rung des Tempels in Jerusalem 70 n. Chr. soll es angeblich auch eine Masseneinwanderung von Juden nach Muziris gegeben haben. M√∂glicherweise gab es aber auch vorher schon Juden an der Malabark√ľste.

Tatsache ist, dass Kerala vermutlich auf Grund der urspr√ľnglich dichten Dschungelgebiete sp√§ter als andere Regionen Indiens besiedelt wurde. Kontakte mit dem hochentwickelten nordindischen Reich der Maurya trieben die Entwicklung jedoch schnell voran. Buddhismus und Jainismus breiteten sich damals in Kerala aus. Zu fr√ľher Bedeutung gelangte die Region durch den Handel mit Ph√∂nizien, √Ągypten, Babylon, Arabien, China und dem R√∂mischen Reich.

Sangam-√Ąra und Erstes Chera-Reich (bis ca. 400 n. Chr.)

Erst mit der tamilischen Sangam-√Ąra (ca. 300 v. Chr. bis 200 n. Chr.) lassen sich sichere Aussagen √ľber Keralas Geschichte treffen. Zu dieser Zeit existierte im Norden Keralas das Reich der Mooshika-K√∂nige, nach seiner Hauptstadt Ezhimala genannt. Im √§u√üersten S√ľden, etwa vom Kap Komorin bis Thiruvananthapuram, herrschten die Ays. Die mittlere Malabark√ľste wurde von den Cheras kontrolliert, einer urspr√ľnglich in Tamil Nadu herrschenden Dynastie, die bereits in Inschriften aus der Zeit Ashokas erw√§hnt wurde. Sie waren die m√§chtigsten Herrscher der Region und f√ľhrten zahlreiche Kriege gegen andere tamilische Dynastien wie die Cholas und die Pandyas. Ihre Hauptstadt war Vanchi, dessen genaue Lage aber bis heute umstritten ist.

‚ÄěDunkles Zeitalter‚Äú (ca. 400 bis 800)

Nach dem Ende der Sangam-√Ąra konnten sich die Cheras noch einige Zeit behaupten, wurden aber um 400 von den aus dem Dekkan kommenden Kalabhras vernichtet. √úber deren Herrschaft in den kommenden vier Jahrhunderten ist wenig bekannt, man spricht daher vom ‚ÄěDunklen Zeitalter‚Äú oder ‚ÄěKalabhra-Interregnum‚Äú. Ende des 8. Jahrhunderts wurden die Kalabhras von den Pallavas, Chalukyas, Pandyas und Rashtrakutas besiegt.

Zweites Chera-Reich (800 bis 1102)

Im Jahre 800, unmittelbar nach dem Untergang der Kalabhras, gelang es den Cheras unter K√∂nig Kulasekhara (800-820), ihre Macht wiederherzustellen. Mit der Gr√ľndung von Kollam 825 beginnt die Malayalam-Zeitrechnung (Kolla Varsham). Als gr√∂√üter K√∂nig des Zweiten Chera-Reiches gilt Sthanu Ravi Varman, unter dessen Herrschaft (844-885) der Seehandel bl√ľhte wie nie zuvor. In seine Regentschaft f√§llt auch die Ankunft des arabischen Kaufmanns Sulaiman 851, der den Islam an der Malabark√ľste etablierte. Nach Sthanu Ravi Varmans Tod flammten alte Feindschaften mit den Cholas wieder auf, die bis zum Ende des Reiches anhielten. W√§hrend der Herrschaft des letzten Chera-K√∂nigs Rama Varma Kulasekhara (1090-1102) nahmen die Cholas die Hauptstadt Mahodyapuram (das fr√ľhere Muziris) ein. Mit seinem Tod ging auch sein Reich zugrunde.

Mittelalterliche Königreiche bis zur Ankunft der Europäer (1102 bis 1498)

Aus der Asche des Chera-Reiches stiegen mehrere unabhängige Königreiche empor. Die bedeutendsten waren Venad (das spätere Travancore), Nediyirippu Swarupam unter der Herrschaft der Zamorine von Calicut (heute Kozhikode) und Perumpadappu Swarupam (Cochin). Daneben existierte eine verwirrende Vielzahl von Kleinstaaten.

Venads erster bedeutender Herrscher war Udaya Marthanda Varma (1175-1195). Die Hauptstadt Quilon (heute Kollam) entwickelte sich zu einer wohlhabenden Hafenstadt, sie wurde 1275 von Marco Polo besucht. Seinen Zenit erreichte der Staat jedoch unter Ravi Varma Kulasekhara (1299-1314). Danach erlosch die Bedeutung Venads allmählich. Der Staat gelangte erst im 18. Jahrhundert als Travancore wieder zu Bedeutung.

Nediyirippu Swarupam, im Besonderen seine Hauptstadt Calicut, kam durch den Seehandel mit Arabien und China zu gro√üem Wohlstand. Die Zamorine (w√∂rtlich: ‚ÄěHerren der See‚Äú) vergr√∂√üerten ihr Reich durch die Eroberung vieler Kleinstaaten betr√§chtlich. Schlie√ülich stiegen sie zu den unbestrittenen Herrschern der n√∂rdlichen Malabark√ľste auf. Erst durch die Einmischung europ√§ischer Kolonialm√§chte begann auch ihre Macht zu schwinden.

√úber die Geschichte von Perumpadappu Swarupam oder Cochin bis zur Ankunft der Europ√§er ist nicht viel bekannt. √Ąhnlich wie Calicut und Quilon vermochte es sich aber dank des gewinnbringenden Seehandels aufrechtzuerhalten. Im 15. Jahrhundert kam es zunehmend zu Konflikten mit den expandierenden Zamorinen von Calicut.

Kolonialzeit (1498 bis 1947)

Portugiesische Kolonialherrschaft (1498 bis 1663)

Vasco da Gama bei der Landung nahe Calicut 1498

Der portugiesische Seefahrer Vasco da Gama landete am 20. Mai 1498 nach der ersten erfolgreichen Umsegelung Afrikas am Strand Kappad, etwa 30 km n√∂rdlich von Calicut. Zun√§chst wurde er vom Zamorin freundlich empfangen. Als da Gama jedoch versuchte, das Gew√ľrzmonopol der in Calicut ans√§ssigen Araber an sich zu rei√üen, verwehrte ihm der Zamorin die erhofften Handelsprivilegien. Da Gama wandte sich daraufhin an den Raja von Cochin, schloss mit ihm ein B√ľndnis und lie√ü 1503 in Cochin das erste europ√§ische Fort auf indischem Boden errichten. Auf diese Art und Weise wurden Cochin und Calicut in den bald darauf ausbrechenden Krieg zwischen Portugiesen und Arabern verwickelt. Unter Ausnutzung der Feindschaft zwischen den beiden K√∂nigreichen gelang es Portugal, das Gew√ľrzmonopol der Araber zu brechen. 1506 wurde Afonso de Albuquerque Gouverneur aller portugiesischen Besitzungen in Indien. Er schuf vor√ľbergehend Frieden mit dem Zamorin, den seine Nachfolger aber wieder brachen. Portugals Einfluss √§u√üerte sich in vielen Lebensbereichen, der Mode, Architektur, der Einf√ľhrung bestimmter Anbausorten wie Cashewn√ľssen und Tabak, aber auch in religi√∂ser Intoleranz und Fanatismus.

Niederländische Kolonialherrschaft (17. und 18. Jahrhundert)

Die Inkompetenz und Bestechlichkeit von Albuquerques Nachfolgern sowie die politische und wirtschaftliche Schw√§che des portugiesischen Mutterlandes im sp√§ten 16. Jahrhundert f√ľhrten zum langsamen Niedergang der Macht Portugals in Kerala. Dazu kam der wachsende Einfluss der aufstrebenden Seemacht Niederlande. 1603 landete Admiral Steven van der Hagen auf Gehei√ü der Niederl√§ndischen Ostindien-Kompanie in Calicut und schloss die ersten Vertr√§ge mit dem Zamorin, der die Portugiesen aus seinem Reich ausweisen wollte. Weitere Vertr√§ge folgten. Die Niederl√§nder errichteten Festungen in Purakkad, Kayakulum, Quilon und Travancore. 1662 gelang es ihnen, die Portugiesen aus Cranganore (heute Kodungallur) zu vertreiben und 1663 eroberten sie schlie√ülich Cochin. Damit verlor Portugal seinen letzten St√ľtzpunkt in Kerala und die Niederlande wurden zur bestimmenden politischen Kraft. Der Niedergang setzte mit dem unerwarteten Aufstieg Travancores ab 1729 und der Invasion durch Mysore ein.

Travancore (1729-1947)

Marthanda Varma erbte 1729 die kl√§glichen √úberreste des einst m√§chtigen Venad. Er eroberte jedoch zahlreiche kleinere F√ľrstent√ľmer und schloss sie zu einem Reich namens Travancore zusammen. In der Schlacht von Colachel (1741) gelang es ihm sogar, die Niederl√§nder zu schlagen. 1753 unterzeichneten diese einen Friedensvertrag. Sein Neffe Rama Varma, der ihm 1758 auf den Thron folgte, erwies sich als ebenso f√§higer Herrscher. Seine Regentschaft dauerte bis 1798. Unter britischen Einfluss geriet Travancore erst, als es 1791 von Mysore bedroht wurde. Nur durch ein Hilfegesuch an die Briten konnte sich Travancore verteidigen, musste aber im Gegenzug die Einsetzung eines Residenten hinnehmen. Fortan war es de facto ein britisches Protektorat, konnte aber formal seine Selbstst√§ndigkeit bis zur Unabh√§ngigkeit Indiens 1947 behaupten.

Invasionen durch Mysore (1764 bis 1792)

Hyder Ali, der Herrscher des im 18. Jahrhundert im Kampf gegen die britischen Kolonialbestrebungen erstarkten Mysore, lenkte 1764 sein Augenmerk auf Kerala. Zwei Jahre darauf gelang ihm die Einnahme von Calicut. 1773 f√ľhrte er erneut Krieg an der Malabark√ľste und eroberte Trichur (heute Thrissur). Hyder Alis Nachfolger, Tipu Sultan, drang 1790 bis 1792 bis in den S√ľden Keralas vor. Britische Truppen setzten seiner Machtausdehnung jedoch ein schnelles Ende.

Britische Kolonialherrschaft (17. Jahrhundert bis 1947)

Den ersten Handelsvertrag mit dem Zamorin von Calicut schlossen die Engl√§nder 1615. 20 Jahre sp√§ter erhielten sie die Erlaubnis, alle portugiesischen H√§fen in Kerala f√ľr ihren Handel anlaufen zu d√ľrfen. Calicut geriet zunehmend unter ihren Einfluss und wurde 1664, nach dem Ausscheiden Portugals als Kolonialmacht in Kerala, englisch. Zun√§chst war die Konkurrenz durch die Niederl√§nder gro√ü, doch mit dem Ende des holl√§ndischen Einflusses durch die Invasionen Mysores konnten sich die Briten auch in Kerala als f√ľhrende europ√§ische Macht etablieren. 1795 wurde Travancore praktisch zum Protektorat, auch Cochin wurde britisches Einflussgebiet. Mit der Eingliederung Malabars in die Madras Presidency 1800 war die Kolonialherrschaft in Kerala endg√ľltig gesichert. Erst ab den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts kam es im Rahmen der indischen Unabh√§ngigkeitsbewegung wieder zu nennenswertem Widerstand. Besonders zu erw√§hnen sind der Moplah-Aufstand von 1921 und die Punnapra-Vayalar-Revolte von 1946.

Kerala im unabhängigen Indien (seit 1947)

Ein Wahlkampffahrzeug der CPI (M) in Ernakulam, Kerala (2004)

Zwei Jahre nach Erlangung der Unabh√§ngigkeit Indiens im Jahr 1947 bildeten die F√ľrstenstaaten Travancore und Cochin am 1. Juli 1949 die F√∂deration Travancore-Cochin und vollzogen den Anschluss an Indien. Diese wurde am 1. Januar 1950 ein Bundesstaat (B-Staat, siehe Geschichte Indiens). Durch den States Reorganisation Act wurden am 1. November 1956 die Grenzen der indischen Bundesstaaten entsprechend den Sprachgrenzen neu gezogen. Der gr√∂√üte Teil von Travancore-Cochin vereinigte sich mit dem Malabar-Distrikt des Bundesstaates Madras zum Bundesstaat Kerala, dessen Grenzen nun weitgehend mit den Sprachgrenzen des Malayalam √ľbereinstimmen. Der √§u√üerste S√ľden Travancores kam als Distrikt Kanyakumari zum Bundesstaat Madras (seit 1969 Tamil Nadu).

Die ersten allgemeinen Wahlen in Kerala fanden 1957 statt. Aus ihnen ging die Kommunistische Partei Indiens (Communist Party of India ‚Äď CPI) als Sieger hervor. Zum ersten Mal verlor die Kongresspartei damit eine Wahl im unabh√§ngigen Indien, zugleich konnte erstmals in der Geschichte eine kommunistische Partei freie und demokratische Wahlen f√ľr sich entscheiden. Unruhen brachten das Kabinett von Chief Minister E. M. S. Namboodiripad aber schon nach zwei Jahren wieder zu Fall. Effektiv haben sich seitdem bei fast jeder Wahl Kommunisten und Kongresspartei als Regierungsmacht abgewechselt. Heute existieren in Kerala zwei gro√üe politische B√ľndnisse: die United Democratic Front (UDF) unter F√ľhrung der Kongresspartei und die Left Democratic Front (LDF), angef√ľhrt von der CPI (M). Der amtierende Chief Minister Keralas ist seit dem 18. Mai 2011 Oommen Chandy von der Kongresspartei.

Siehe auch: Liste der Chief Minister von Kerala

Politisches System

Die Legislative Keralas besteht aus einem Einkammerparlament, der Kerala Legislative Assembly, deren 140 Abgeordnete auf f√ľnf Jahre vom Volk gew√§hlt werden. Das aktive Wahlrecht gilt ab einem Alter von 18 Jahren, das passive ab 25 Jahren. Alle Gesetze des Bundesstaats m√ľssen von der Legislative Assembly verabschiedet werden.

Die Regierungsgewalt liegt beim Chief Minister, der das Kabinett zusammenstellt. Ernannt wird er vom Gouverneur, der wiederum vom indischen Staatspräsidenten in sein Amt berufen wird. Der Gouverneur ist zwar das formelle Oberhaupt Keralas, hat aber eher repräsentative Aufgaben. Immerhin kann er auf Bitten des Chief Ministers das Parlament auflösen.

H√∂chster Gerichtshof des Staates, und zugleich des Unionsterritoriums Lakshadweep, ist der High Court of Kerala mit Sitz in Ernakulam. Seine wichtigste Aufgabe ist es, die Einhaltung der Grundrechte zu √ľberwachen und durchzusetzen. Daneben ist er als unabh√§ngiges Organ f√ľr die Beilegung von Streitigkeiten bei Wahlen oder √ľber die Zust√§ndigkeit untergeordneter Gerichte verantwortlich.

Verwaltungsgliederung

Kerala ist in 14 Distrikte unterteilt (in Klammern die alten, heute nicht mehr offiziell gebrauchten Namen, Einwohnerzahl und Bevölkerungsdichte nach der Volkszählung 2011).[4]

Distrikte Keralas
Distrikt Verwaltungssitz Fläche Einwohner
(2011)
Bev.-
dichte
1 Alappuzha Alappuzha 000000000001414.00000000001.414 km² 000000002121943.00000000002.121.943 000000000001500.00000000001.500 Ew./km²
2 Ernakulam Kochi 000000000003068.00000000003.068 km² 000000003279860.00000000003.279.860 000000000001069.00000000001.069 Ew./km²
3 Idukki Painavu 000000000004358.00000000004.358 km² 000000001107453.00000000001.107.453 000000000000254.0000000000254 Ew./km²
4 Kannur Kannur 000000000002966.00000000002.966 km² 000000002525637.00000000002.525.637 000000000000852.0000000000852 Ew./km²
5 Kasaragod Kasaragod 000000000001992.00000000001.992 km² 000000001302600.00000000001.302.600 000000000000654.0000000000654 Ew./km²
6 Kollam Kollam 000000000002491.00000000002.491 km² 000000002629703.00000000002.629.703 000000000001056.00000000001.056 Ew./km²
7 Kottayam Kottayam 000000000002208.00000000002.208 km² 000000001979384.00000000001.979.384 000000000000896.0000000000896 Ew./km²
8 Kozhikode Kozhikode 000000000002344.00000000002.344 km² 000000003089543.00000000003.089.543 000000000001318.00000000001.318 Ew./km²
9 Malappuram Malappuram 000000000003550.00000000003.550 km² 000000004110956.00000000004.110.956 000000000001158.00000000001.158 Ew./km²
10 Palakkad Palakkad 000000000004480.00000000004.480 km² 000000002810892.00000000002.810.892 000000000000627.0000000000627 Ew./km²
11 Pathanamthitta Pathanamthitta 000000000002637.00000000002.637 km² 000000001195537.00000000001.195.537 000000000000453.0000000000453 Ew./km²
12 Thiruvananthapuram Thiruvananthapuram 000000000002192.00000000002.192 km² 000000003307284.00000000003.307.284 000000000001509.00000000001.509 Ew./km²
13 Thrissur Thrissur 000000000003032.00000000003.032 km² 000000003110327.00000000003.110.327 000000000001026.00000000001.026 Ew./km²
14 Wayanad Kalpetta 000000000002131.00000000002.131 km² 000000000816558.0000000000816.558 000000000000383.0000000000383 Ew./km²

Wirtschaft

Teeplantage in Kerala

R√ľckgrat der Wirtschaft sind nach wie vor die Landwirtschaft und der Fischfang. Etwa 86 % der Fl√§che Keralas wird landschaftlich genutzt. Hauptanbauprodukte sind Reis, Kokosn√ľsse (45 % der gesamtindischen Ernte), Kautschuk (92 %), Beteln√ľsse (24 %), Cashewn√ľsse, Tee, Kaffee, Kakao (63 %) und diverse Gew√ľrze, vor allem Pfeffer (97 %). Die meisten dieser Erzeugnisse werden exportiert oder industriell verarbeitet. Da der Schwerpunkt bei der landwirtschaftlichen Produktion auf kommerziellen Erzeugnissen liegt, muss Kerala rund 60 % seines Getreidebedarfs durch Einfuhren aus anderen Bundesstaaten decken. Die Fischerei ist ebenfalls stark auf den Export ausgerichtet. Wichtige Fischfangerzeugnisse umfassen Sardinen, Garnelen, Hummer, Tintenfisch und Thunfisch.

Der Bergbau spielt nur eine untergeordnete Rolle, da Kerala kaum √ľber nennenswerte Bodensch√§tze verf√ľgt.

Die Industrie ist vergleichsweise schw√§cher ausgepr√§gt als in vielen anderen Landesteilen, nicht zuletzt wegen der √§u√üerst starken Gewerkschaften. Sie tr√§gt nur etwa zehn Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Auch beim industriellen Wachstum hinkt Kerala anderen Bundesstaaten hinterher. Die keralesische Industrie beschr√§nkt sich im Wesentlichen auf die Weiterverarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse wie Kautschuk, Kokos- und Cashewn√ľsse sowie die Textilindustrie (Baumwollgarn und -stoffe, Strickbekleidung, Wollstoffe). In diesen Zweigen herrschen kleinindustrielle Betriebe vor. Lediglich im Ballungsraum Kochi-Ernakulam, dem wichtigsten Industriezentrum, sind auch in nennenswertem Umfang kapitalintensivere Bereiche wie chemische und IT-Industrie angesiedelt. Letztere entwickelt sich aber nur allm√§hlich.

Hohe wirtschaftliche Wachstumsraten erzielt dagegen der Dienstleistungssektor, in dem knapp drei Viertel des Bruttoinlandsproduktes erwirtschaftet werden. Vor allem der Tourismus gewinnt an Bedeutung und macht mittlerweile mehr als sechs Prozent des BIP aus.

Soziales

Keralas Pro-Kopf-Einkommen (2006/07: 33.609 Rupien) liegt zwar nur wenig √ľber dem indischen Durchschnitt (2006/07: 29.642 Rupien)[5], drastische F√§lle von Armut wie in anderen Teilen Indiens (Slums u.√§.) sind in Kerala jedoch kaum anzutreffen, da hier in den letzten Jahrzehnten eine konsequente Agrarreform und Arbeitsbeschaffungsma√ünahmen durchgef√ľhrt worden sind. Auch das Bildungs- und das Gesundheitssystem sind im Vergleich zu anderen Bundesstaaten gut ausgebaut. Die Lebenserwartung liegt mit 73,5 Jahren (M√§nner: 70,6 Jahre, Frauen: 76,1 Jahre) deutlich √ľber dem indischen Durchschnitt von 61,7 Jahren (M√§nner: 60,8 Jahre, Frauen: 62,5 Jahre; Stand jeweils 1999).

Auf Grund der nur schwach ausgeprägten Industrie weist Kerala allerdings eine der höchsten Arbeitslosenraten Indiens auf, daher sind viele gut ausgebildete Keralesen, die in der Heimat vergeblich nach Arbeit suchen, im Ausland angestellt, insbesondere in den Golfstaaten. Die Überweisungen der Auslandskeralesen an ihre Familien tragen erheblich zum relativ hohen Lebensstandard in Kerala bei.

Die Stellung der Frau in der keralesischen Gesellschaft ist f√ľr indische Verh√§ltnisse relativ gut. Das demografische Verh√§ltnis der Frauen betr√§gt 1084 auf 1000 M√§nner gegen√ľber 940 auf 1000 M√§nner im gesamten Indien. Auch die Analphabetenrate unter Frauen ist mit 11,7 Prozent ungew√∂hnlich niedrig (Stand jeweils Volksz√§hlung 2011). Das gesellschaftliche Leben wird dennoch, wie im ganzen Land, fast ausschlie√ülich von M√§nnern bestimmt. Der amerikanische Anthropologe Richard W. Franke spricht vom Kerala-Modell der Entwicklung[6].

Infrastruktur

Das Stra√üennetz Keralas ist infolge der hohen Bev√∂lkerungsdichte wesentlich engmaschiger als in anderen indischen Bundesstaaten. In Kerala sind als einzigem Bundesstaat Indiens s√§mtliche Ortschaften ans Stra√üennetz angeschlossen. Es gibt acht sogenannte National Highways mit einer Gesamtl√§nge von 1524 km. Insgesamt verf√ľgt Kerala √ľber rund 140.000 Kilometer Stra√üe (Stand: 2003).

Wie √ľberall in Indien spielt die Eisenbahn eine wichtige Rolle. Die Southern Railway betreibt die breitspurige Hauptlinie entlang der Westk√ľste sowie die in Shoranur abzweigende Hauptlinie, die √ľber Coimbatore nach Chennai f√ľhrt. Diese Hauptstrecke war bis zur Er√∂ffnung der Konkanbahn (1999) die einzige Eisenbahnverbindung mit Nordindien. Daneben betreibt die Southern Railway auch die meterspurige Eisenbahnlinie von Kollam √ľber Virudhunagar nach Chennai. Die Gesamtl√§nge aller Eisenbahnstrecken betr√§gt 1200 km.

In Kerala existieren drei Flughäfen, davon zwei internationale, nämlich der Thiruvananthapuram International Airport (IATA-Code: TRV) und der (neue) Cochin International Airport (IATA-Code: COK) in Kochi, der 1999 eingeweiht wurde. Daneben gibt es einen Inlandsflughafen in Kozhikode (IATA-Code: CCJ).

Von großer Bedeutung als Transportwege sind auch die weitverzweigten Wasserstraßen der Backwaters in den Distrikten Kasaragod, Kannur, Ernakulam, Kottayam, Alappuzha und Kollam.

Der Hafen von Kochi ist einer der gr√∂√üten Indiens. Dort wurden 2004/05 √ľber 14 Millionen Tonnen umgeschlagen. Daneben gibt es mehrere kleinere Seeh√§fen an der K√ľste Keralas.

Drei Viertel des elektrischen Stroms werden aus Wasserkraft erzeugt, der Rest fast ausschließlich aus Wärmekraft. Kerala ist jedoch nicht in der Lage, seinen Strombedarf aus eigener Produktion zu decken, Stromausfälle sind daher an der Tagesordnung.

Kerala verf√ľgt au√üerdem √ľber das dichteste Telefonnetz Indiens.

Kultur

Keralas reiches kulturelles Erbe unterscheidet sich deutlich von dem Nordindiens. Obwohl Kerala ethnisch einheitlicher ist als die Nachbarregionen, haben die starke Durchmischung der Glaubensrichtungen und die durch den Seehandel teils seit Jahrtausenden bestehenden Beziehungen mit dem Nahen Osten, China und Europa ein große kulturelle Vielfalt sowie viele regionale Eigenheiten hervorgebracht.

Literatur

Da sich Malayalam erst recht sp√§t vom Tamil als eigenst√§ndige Sprache abspaltete, ist auch die Literatur dieser Sprache verh√§ltnism√§√üig j√ľnger als die vieler anderer indischer, speziell drawidischer, Sprachen. Die fr√ľhesten Dichtungen in dieser Sprache waren Volkslieder und Balladen. Aus dem 12. Jahrhundert ist das √§lteste bekannte Prosawerk erhalten geblieben, ein Kommentar zum nordindischen Arthashastra. Als fr√ľhester ‚ÄěKlassiker‚Äú gilt das wohl um 1200 entstandene Ramacharitam, eine gedichtete Version des Sanskrit-Epos Ramayana.

Bemerkenswert sind allerdings die Beitr√§ge Keralas zur fr√ľhen tamilischen Literatur. So stammt etwa das Cilappatikaram, das zu den herausragendsten Epen der klassischen Tamilliteratur z√§hlt, aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. aus der Feder eines keralesischen Prinzen.

Auch in der klassischen Sprache Nordindiens, dem Sanskrit, entstanden wichtige Werke in Kerala. Zu erw√§hnen ist in diesem Zusammenhang besonders Adi Shankara, der im fr√ľhen 9. Jahrhundert herausragende Beitr√§ge zur hinduistischen Philosophie leistete.

Nach einer wenig kreativen Phase zu Beginn der britischen Kolonialzeit, die aber immerhin zahlreiche Übersetzungen englischer Werke ins Malayalam hervorbrachte, erlebte die Malayalam-Literatur schließlich am Ende des 19. Jahrhunderts eine Wiedergeburt. Unter dem Einfluss westlicher Denkweisen entstanden neue Genres, die sich beispielsweise auch zunehmend mit sozialen Themen auseinander setzten. Zu den herausragendsten modernen Schriftstellern und Dichtern Keralas zählen u.a. Anand, Basheer, Mukundan, Edasseri Govindan Nair, M. T. Vasudevan Nair und Vijayan. Im Ausland ist die Autorin Arundhati Roy am bekanntesten.

Musik

Pr√§gend f√ľr die klassische Musik Keralas ist die in ganz S√ľdindien verbreitete karnatische Musik mit den entsprechenden Instrumenten. Mit Sopana Sangeetham hat sich in Kerala eine eigenst√§ndige Form der Tempelmusik herausgebildet. Viele Formen klassischer Musik sind untrennbar mit T√§nzen und Tanzdramen verbunden, die in Kerala eine lange und reiche Tradition haben. Die moderne Popmusik wird wie in ganz Indien von der Filmmusik beherrscht.

Tanz und Theater

Kathakali-Tänzer

T√§nze waren und sind ein wesentlicher Bestandteil der Kultur Keralas. Auff√§llig ist dabei die h√§ufige Vermischung von Tanz- und Theaterformen, die zur Herausbildung von Tanzdramen f√ľhrte.

Keralas ber√ľhmtester Tanz ist zweifellos Kathakali, das als eine der √§ltesten Tanzformen S√ľdindiens gilt und in Kerala geradezu den Rang eines Nationaltanzes genie√üt. Es verbindet Musik und Tanz mit Schauspiel, Pantomime und religi√∂s-mythologischen Themen, zumeist Episoden aus einem der gro√üen hinduistischen Epen. Kennzeichnend ist die aufw√§ndige Kost√ľmierung und Maskierung der ausschlie√ülich m√§nnlichen Darsteller. Die streng geregelte, traditionelle Darbietung des Kathakali erfordert von den T√§nzern h√∂chste Konzentration und Disziplin, und gilt daher als sehr schwer zu erlernen. Kathakali wird meist zu Tempelfesten, in j√ľngerer Zeit aber auch immer h√§ufiger f√ľr kulturell interessierte Touristen aufgef√ľhrt. Aus dem Kathakali wurde der moderne Tanz Kerala Natanam entwickelt.

Neben Kathakali hat Kerala jedoch noch eine erstaunliche Anzahl weiterer klassischer T√§nze vorzuweisen. Theyyam ist ein in Nordkerala verbreiteter ritueller Tanz. Wie Kathakali wird er nur von M√§nnern getanzt und aufw√§ndige Kost√ľme und Masken spielen dabei eine wichtige Rolle. Kutiyattam , welcher ein √ľber 2000 Jahre alter Tempeltanz ist und ebenfalls durch pr√§chtige Masken und stilisierte Gesten beeindruckt, wurde von der UNESCO als "Meisterwerk der Menschheit" unter ihren Schutz gestellt. Die Kuttu-T√§nze (Kuthu) der Chakyar- und Nangyar-Kasten sind weitere T√§nze, die traditionell zu Tempelfesten aufgef√ľhrt werden. Thullal war einst wegen seiner Einfachheit und seines Witzes sehr popul√§r unter Arbeitern und niederen Kasten. Der langsame, anmutige Einzeltanz Mohiniyattam wird von Frauen dargeboten. Thiruvathirakali ist ein Gruppentanz der Frauen.

Auch bei den Muslimen und Christen spielen T√§nze eine wichtige Rolle. So tanzen M√§dchen bei der Vorbereitung einer muslimischen Braut auf die Hochzeit Oppana. Das christliche Musikdrama Chavittunatakam entstand zu Zeiten der portugiesischen Kolonialherrschaft und zeigt daher Einfl√ľsse europ√§ischer Mysterienspiele.

Film

Das Kino stellt in Kerala ein wichtiges Genre mit hohem Beliebtheitsgrad und Massenwirksamkeit dar. Wenn auch nicht so popul√§r wie die Bollywood-Produktionen, ist das Malayalam-Kino dennoch fest etabliert und hat einen nicht zu untersch√§tzenden Stellenwert im indischen Film. Im Vergleich zu Bollywood-Produktionen gilt der Malayalam-Film als tiefsinniger. Auch werden die Geschichten sehr viel differenzierter und die Charaktere vielschichtiger dargestellt. Allerdings erleidet der Malayalam-Film seit den sp√§ten 90er Jahren einen R√ľckgang an Produktionen und Besucherzahlen durch das Aufkommen neuer Unterhaltungsmedien wie Kabelfernsehen und DVD, aber auch durch Raubkopien. Zu den renommiertesten keralesischen Filmschaffenden z√§hlen der Regisseur Adoor Gopalakrishnan und die Schauspieler Mammootty und Mohan Lal. Diese beiden herausragenden Akteure sind seit mehr als 20 Jahren erfolgreich im Filmgesch√§ft t√§tig.

Bildende Kunst

√Ąlteste Wandmalereien aus dem 9. Jahrhundert in Hindutempeln zeugen von der langen Tradition der Malerei in Kerala. Noch bis ins 19. Jahrhundert war sie vor allem religi√∂s inspiriert. Ber√ľhmt sind Raja Ravi Varmas vom europ√§ischen Realismus gepr√§gte Darstellungen von G√∂ttern, G√∂ttinnen und s√ľdindischen Frauen. In der modernen Kunst Indiens sind K√ľnstler aus Kerala eher schwach vertreten.

Kampfkunst

Die in Kerala entstandene Kampfkunst Kalarippayat teilt sich in einen n√∂rdlichen und einen s√ľdlichen Stil, von denen der n√∂rdliche in Kerala, der s√ľdliche in Tamil Nadu ausge√ľbt wird. Sie z√§hlt zu den √§ltesten und bekanntesten indischen Kampfk√ľnsten. Vermutlich war sie keinen √§u√üeren Einfl√ľssen ausgesetzt, wodurch sie sich in besonders urspr√ľnglicher Form erhalten konnte. Heute wird Kalarippayat vor allem in l√§ndlichen Gegenden Keralas ausge√ľbt.

Kartenspiel

28 oder 56 ist ein in Kerala beliebtes Kartenspiel.

Tourismus & Sehensw√ľrdigkeiten

Chinesische Fischernetze in Kochi
Hausboot auf den Backwaters

Kerala hat sich zu einem durchaus bedeutenden Urlaubsziel sowohl f√ľr ausl√§ndische als auch f√ľr einheimische Urlauber entwickelt. 2003 wurde das Land von 5,9 Millionen indischen und 295.000 ausl√§ndischen G√§sten besucht.

Ein Grund f√ľr die Attraktivit√§t Keralas als touristisches Ziel liegt in der landschaftlichen Sch√∂nheit. Besonders die Lagunen, Seen und Kan√§le der Backwaters erfreuen sich gro√üer Beliebtheit. Der Periyar-Nationalpark in den Westghats z√§hlt zu den meistbesuchten Naturschutzgebieten Indiens. Auch der Eravikulam-Nationalpark oder die landschaftlich sch√∂n gelegenen Bergorte Munnar und Ponmudi lohnen einen Besuch. Ausl√§ndische Touristen werden zudem von den zahlreichen herrlichen Str√§nden, wie z.B. Kovalam oder Varkala, angelockt.

Ein weiterer Grund ist die faszinierende Mischung verschiedener Kulturen. Besonders in der alten Hafenstadt Kochi bekommt man dies zu sp√ľren. Aber auch andere St√§dte wie Thiruvananthapuram, Thrissur, Alappuzha und Kollam haben interessante Sehensw√ľrdigkeiten zu bieten. Der Palast von Padmanabhapuram nahe Thiruvananthapuram gilt als einer der H√∂hepunkte keralitischer Architektur.

Von kulturellem Interesse ist sicherlich Kathakali, eine in Kerala beheimatete und dort sehr populäre Form des Tanzdramas.

Der offizielle Tourismus-Slogan Keralas lautet ‚ÄěGod's Own Country‚Äú (Gottes eigenes Land) und wurde den Amerikanern abgeschaut, die ihr Land schon lange gerne so nennen.

Ber√ľhmte Pers√∂nlichkeiten

  • Adi Shankara (um 788-820), hinduistischer Philosoph
  • Arundhati Roy (* 1961), Schriftstellerin
  • E. M. S. Namboodiripad (1909-1998), kommunistischer Politiker, erster Ministerpr√§sident Keralas
  • George Sudarshan (*1931), Physiker
  • K. R. Narayanan (1920-2005), Politiker und 10. Staatspr√§sident Indiens
  • Madhava (1350-1425), Mathematiker
  • M. T. Vasudevan Nair (*1933), Schriftsteller
  • Narayana Guru (1856-1928), Sozialreformer
  • O. V. Vijayan (1930-2005), Schriftsteller
  • Raja Ravi Varma (1848-1906), Maler
  • V. K. Krishna Menon (1897-1974), Politiker und Staatsmann
  • Vayalar Ramavarma (1928-1975), Dichter
  • Matthew Kadalikkattil (1872-1935), Ordensgr√ľnder der Herz-Jesu-Schwestern (gegr√ľndet 1911)
  • Shashi Tharoor, ehemaliger UNO-Mitarbeiter und Politiker

Literatur

  • Martin und Thomas Barkemeier: Kerala mit Mumbai und Madurai. Reise Know-How Verlag, Bielefeld 2001, ISBN 3-8317-1004-X.
  • Renate Haass, K.D. Christof: Tanz der G√∂tter - Ritual und Tanztheater in Kerala. R√∂ll, Dettelbach, ISBN 3-89754-114-9.
  • KABANI - the other direction (Hrsg.): fair unterwegs in Kerala/Indien - Ein Reiseleitfaden. Christina Kamp, Sumesh Mangalassery (Red.), Thiruvananthapuram 2007, ISBN 978-3-9522623-1-3.
  • Jose Punnamparambil, Christina Kamp (Hrsg.): Drei Blinde beschreiben den Elefanten. Kerala erz√§hlt. Kurzgeschichten und Gedichte aus dem Malayalam. Horlemann-Verlag, 2006, ISBN 978-3-89502-223-4.

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Indischer Zensus 2001
  2. ‚ÜĎ Population by religious communities, Indian Census Data 2001
  3. ‚ÜĎ Census of India 2011: Literates and literacy rates by sex : 2011.
  4. ‚ÜĎ Census of India 2011: Provisional Population Totals India, Kerala State and Districts.
  5. ‚ÜĎ Statement: Per Capita Net State Domestic Product at Current Prices. Government of India, Ministry of Statistics and Programme Implementation, 28. August 2008, abgerufen am 10. November 2011 (englisch).
  6. ‚ÜĎ Richard W. Franke, Barbara H. Chasin: Papers About Kerala. Montclair State University, College of Humanities and Social Sciences, abgerufen am 10. November 2011 (englisch).

Weblinks

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