Kernkraftwerk Kr√ľmmel

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Kernkraftwerk Kr√ľmmel

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Kernkraftwerk Kr√ľmmel
Kernkraftwerk Kr√ľmmel
Kernkraftwerk Kr√ľmmel
Lage
Kernkraftwerk Kr√ľmmel (Schleswig-Holstein)
Kernkraftwerk Kr√ľmmel
Koordinaten 53¬į 24‚Ä≤ 36‚Ä≥ N, 10¬į 24‚Ä≤ 32‚Ä≥ O53.4110.408888888889Koordinaten: 53¬į 24‚Ä≤ 36‚Ä≥ N, 10¬į 24‚Ä≤ 32‚Ä≥ O
Land: Deutschland
Daten
Eigent√ľmer: 50 % E.ON
50 % Vattenfall
Betreiber: Kernkraftwerk Kr√ľmmel GmbH & Co. oHG
Projektbeginn: 1972
Kommerzieller Betrieb: 28. März 1984
Stilllegung: 2011[1]

Aktive Reaktoren (Brutto):

0  (0[2] MW)

Stillgelegte Reaktoren (Brutto):

1  (1402 MW)
Eingespeiste Energie im Jahre 2009: 334,96 GWh
Eingespeiste Energie seit Inbetriebnahme: 201.712,09 GWh
Website: Seite bei Vattenfall
Stand: 31. Dezember 2009
Die Datenquelle der jeweiligen Einträge findet sich in der Dokumentation.
Der Eingangsbereich

Das Kernkraftwerk Kr√ľmmel (Abk.: KKK, KKW Kr√ľmmel oder AKW Kr√ľmmel) war von 1984 bis 2011 als Kernkraftwerk mit einem Siedewasserreaktor in Betrieb. Es liegt s√ľd√∂stlich von Hamburg an der Elbe, direkt am Geesthachter Ortsteil Kr√ľmmel. Betreiber ist die Kernkraftwerk Kr√ľmmel GmbH & Co. oHG, die je zur H√§lfte E.ON Kernkraft und Vattenfall Europe Nuclear Energy geh√∂rt. Die Betriebsf√ľhrerschaft liegt bei Vattenfall.[3]

Das KKK geh√∂rt der Baulinie 69 der Kraftwerk Union (KWU) an, ebenso wie die deutschen Kernkraftwerke Brunsb√ľttel, Philippsburg (Block 1) und Isar (Block 1) sowie das √∂sterreichische Kernkraftwerk Zwentendorf, das aber nach einer Volksabstimmung nie in Betrieb ging.[4]

Das KKK wurde am 28. M√§rz 1984 erstmals an das Stromnetz angeschlossen. Aufgrund eines Transformatorenbrands am 28. Juni 2007 befand es sich bis zum 19. Juni 2009 nicht im Leistungsbetrieb. Nach weiteren Zwischenf√§llen innerhalb von zwei Wochen nach Wiederanfahren kam es am 4. Juli 2009 zu einer Reaktorschnellabschaltung aufgrund einer St√∂rung in einem Maschinentransformator. Seither befand sich das Kernkraftwerk Kr√ľmmel im Stillstandsbetrieb;[5] es wurde zun√§chst w√§hrend des nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima am 15. M√§rz 2011 von der amtierenden deutschen Bundesregierung verh√§ngten dreimonatigen Atommoratoriums nicht wieder angefahren.

Ende M√§rz 2011 sprachen sich im Landtag Schleswig-Holstein alle sechs Parteien f√ľr die endg√ľltige Stilllegung von Kr√ľmmel aus; am 30. Mai 2011 gab die Bundesregierung bekannt, dass das Kernkraftwerk Kr√ľmmel nicht wieder ans Netz gehen solle;[6] dies wurde durch den Beschluss des deutschen Bundestages zum Atomausstieg vom 30. Juni 2011 legitimiert.

Die Fa. Vattenfall spricht seit Januar 2011 mit E.ON √ľber ‚Äěeine m√∂gliche √úbertragung der Betriebsf√ľhrung‚Äú dieses KKW (und Brunsb√ľttel) auf die Fa. E.ON.[7][8]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Baustelle des Kraftwerks 1973

Das Kraftwerk wurde am 14. September 1983 durch die Eigent√ľmer HEW und PreussenElektra in Betrieb genommen und befand sich von 1984 bis 2007 im Leistungsbetrieb (geplante Laufzeit siehe Artikel Laufzeitverl√§ngerung deutscher Kernkraftwerke.

Am 22. Mai 1986 wurde das Kernkraftwerk wegen eines Defektes abgeschaltet. Am 21. November 1986 lehnte es die Landesregierung von Schleswig-Holstein (Kabinett Barschel II, CDU) ab, eine Studie √ľber die Sicherheit des Kernkraftwerks Kr√ľmmel zu ver√∂ffentlichen. Die zuvor bekannt gewordene Information, bei einer m√∂glichen Kernschmelze werde nach nur 3 bis 21 Stunden das Containment brechen und Radioaktivit√§t freigesetzt, wurde best√§tigt.

Im Jahr 2005 wurden zwei Niederdruckturbinen sowie die Hochdruckturbine gegen neue ausgetauscht. In der Revision beginnend ab August 2006 wurde die dritte und letzte Turbine ausgetauscht. Mit der Erneuerung der Turbinenanlage wurde der Wirkungsgrad verbessert. Durch das ge√§nderte Turbinendesign wuchs (bei unver√§nderter Reaktorleistung) die elektrische Leistung des Kraftwerks um 72 Megawatt (MW). Dieses Projekt kostete rund 50 Millionen Euro.

Neben dem Kernkraftwerk wurde im Jahre 2006 ein Zwischenlager fertiggestellt. Es dient der Lagerung von 80 Castor-Beh√§ltern mit 800 Tonnen Schwermetallgewicht[9] f√ľr etwa 40 Jahre.

Durchschnittlich wurden bisher pro Betriebszyklus 9,5 Milliarden Kilowattstunden erzeugt. Insgesamt hat das Kraftwerk √ľber 200 Milliarden Kilowattstunden erbracht.

Anlage

Technische Daten[10] Reaktor Kr√ľmmel
Kernbrennstoff UO2
Anreicherung an U235 bis zu 4,02 %
Kernbrennstoffmenge 156 t
Anzahl der Brennelemente 840
Anzahl der Brennstäbe je Brennelement 9x9QA-72
Brennstabl√§nge 4,17 m
Brennstabdurchmesser 12,5 mm
Anzahl der Steuerstäbe 205
Absorbermaterial Borcarbid
K√ľhlmittel und Moderator H2O (Leichtes Wasser)
thermische Reaktorleistung 3690 MW
Nettowirkungsgrad 36,5 %
mittlere Leistungsdichte im Reaktorkern 51,6 kW/dm¬≥
Entlade-Abbrand (Gleichgewichtskern) ca. 55000 MWd/t U
W√§rme√ľbertragungsfl√§che im Reaktorkern 7710 m¬≤
Kondensatork√ľhlfl√§che 3 x 18475 m¬≤
Der Sicherheitszaun

Das Kernkraftwerk Kr√ľmmel ist, gemessen an seiner elektrischen Leistung, das weltweit gr√∂√üte Kernkraftwerk mit Siedewasserreaktor.

Leistung

Das Kernkraftwerk Kr√ľmmel hat eine elektrische Gesamtleistung (brutto) von 1402 MWel, von der es eine elektrische Netto-Leistung von 1346 MWel in das 380-kV-H√∂chstspannungsnetz einspeist. Diese elektrische Leistung kann das Kernkraftwerk f√ľr etwa 11 Monate eines Kalenderjahres konstant zur Verf√ľgung stellen, wenn es st√∂rungs- und unfallfrei l√§uft. Die Nachladung von Brennelementen sowie durchzuf√ľhrende Instandhaltungsarbeiten erfordern einen planbaren, j√§hrlichen Stillstand von zirka einem Monat.

Legt man den 11 Betriebsmonaten einen Zeitraum von 48 Wochen zugrunde, ergibt sich hieraus eine j√§hrliche Betriebsdauer von etwa 8000 Stunden. Die Multiplikation der j√§hrlich zu erwartenden Betriebsstunden mit der elektrischen Nettoleistung (1346 MWel) ergibt eine elektrische Energie von 10.848 GWh.

Leistungsreduzierung aufgrund hoher Elbwassertemperaturen

Auslaufbauwerk des KKW Kr√ľmmel zur R√ľckf√ľhrung des K√ľhlwassers in die Elbe

Thermische Kraftwerke, wie Kohle- oder Kernkraftwerke, m√ľssen den aus der Turbine austretenden Dampf kondensieren. Die bei der Kondensation des Dampfes freiwerdende W√§rme muss an die Umgebung des Kraftwerks abgef√ľhrt werden.

Die Abgabe dieser Kondensationsw√§rme an die Umgebung geschieht bei thermischen Kraftwerken entweder √ľber einen K√ľhlturm oder durch direkte K√ľhlung des Turbinenkondensators mittels Flusswasser oder Meerwasser. Bei Kraftwerken mit K√ľhlturmk√ľhlung wird das Wasser, welches den Kondensator k√ľhlt, in einem K√ľhlturm entgegen der aufsteigenden Luft verrieselt. Durch den Prozess der teilweisen Verdunstung des K√ľhlwassers wird diesem W√§rme entzogen, welche durch die in der ges√§ttigten Luft enthaltene latente W√§rme abgef√ľhrt wird. Das Wasser wird kontinuierlich einem angrenzenden Gew√§sser entnommen; angew√§rmtes Wasser wird am Fu√ü des K√ľhlturms gesammelt und etwas flussabw√§rts dem Fluss zugef√ľhrt. Bei direkter K√ľhlung wird das K√ľhlwasser dem Gew√§sser entnommen und durch den Turbinenkondensator gepumpt. Diesen k√ľhlt es; dabei erw√§rmt es sich. Mit h√∂herer Temperatur wird das Wasser etwas flussabw√§rts dem Fluss zugef√ľhrt.

Thermische Kraftwerke in der Bundesrepublik Deutschland ben√∂tigen eine wasserrechtliche Genehmigung zur Entnahme wie auch zur Aufheizung von Flusswasser. Das Kernkraftwerk Kr√ľmmel darf das von der Elbe entnommene Flusswasser maximal um 10 K erw√§rmen. Zus√§tzlich unterliegt die Wasserentnahme der Einschr√§nkung, dass die h√∂chste zul√§ssige Mischtemperatur des wiedereingeleiteten Wassers cirka 100 Meter unterhalb des Einleitbauwerks nicht h√∂her als 30 ¬įC sein darf. Bei hohen Flusswassertemperaturen um 27 ¬įC, wie sie beispielsweise in den Sommern 2003 und 2006 erreicht wurden, reicht die Aufheizspanne von 3 K nicht aus, um den bei Nennleistung aus der Turbine austretenden Dampf vollst√§ndig zu kondensieren. Hierdurch bedingt muss das Kernkraftwerk Kr√ľmmel bei erh√∂hten Elbwassertemperaturen die Leistung so weit absenken, dass die Mischtemperatur den Wert von 30 ¬įC nicht √ľberschreitet.[11] Diese wetterbedingte Minderleistung der durchlaufgek√ľhlten Kraftwerke wird durch im Osten von Deutschland vorhandene k√ľhlturmgek√ľhlte Braunkohlekraftwerke oder durch Windenergie ausgeglichen.

Reaktor

Das Kernkraftwerk Kr√ľmmel besitzt einen Siedewasserreaktor zur Erzeugung thermischer Energie. Siedewasserreaktoren und Druckwasserreaktoren geh√∂ren zur Familie der Leichtwasserreaktoren. Das Kernkraftwerk Kr√ľmmel ist der j√ľngste von vier Siedewasserreaktoren der Baulinie 69, die von der AEG und deren Nachfolgerin Kraftwerk Union in den siebziger Jahren errichtet wurden (siehe Einleitung). ‚Äě69‚Äú steht f√ľr 1969 - in diesem Jahr wurde die Baulinie konzipiert.

Die lichte H√∂he des Reaktordruckbeh√§lters betr√§gt 22,38 Meter, der Innendurchmesser 6,78 Meter, die Wandst√§rke 17,1 Zentimeter und das Leergewicht 790 Tonnen. Der Sicherheitsbeh√§lter hat einen Innendurchmesser von 29,6 Metern.[12]

Das Abklingbecken, in dem die verbrauchten Brennst√§be bis zu f√ľnf Jahre lagern, befindet sind au√üerhalb des Sicherheitsbeh√§lters (Containment).[13] Dieses konstruktionsbedingte Sicherheitsdefizit r√ľckte durch die Nuklearunf√§lle in Fukushima in Japan in den Fokus der Aufmerksamkeit. Ferner ist ein Zwischenlager f√ľr bis zu 80 CASTOR-Beh√§lter eingerichtet.

Radioaktivität

Betriebsbedingt setzen Kernkraftwerke √ľber Abluft und Abwasser geringe Mengen radioaktiver Stoffe frei (Emission). Das Atomgesetz verpflichtet die Aufsichtsbeh√∂rden unter anderem dazu, den Betrieb hinsichtlich der zugelassenen Grenzwerte zu √ľberwachen. Eine √úbersicht mit aktuellen Messwerten auch f√ľr das KKK findet sich auf den Seiten der Landesregierung Schleswig-Holstein.[14] Im Jahr 2002 wurde bekannt, dass an der sekund√§ren Probeentnahmeleitung vor√ľbergehend ‚Äěein Schwebstofffilter des Betreibers steckte, an dem sich ein Gro√üteil der Aerosolpartikel abschied.‚Äú[15]

Kritik und Widerstand gegen den Bau und Betrieb

Proteste gegen das KKW
Demonstration vor dem Kernkraftwerk Kr√ľmmel anl√§sslich des 23. Jahrestages der Katastrophe von Tschernobyl

Aktionen und Gerichtsverfahren

1996 veröffentlichte Robin Wood eine detaillierte Liste, die 20 Werkstoff-, Material-, Fertigungs- und Konstruktionsfehler des Reaktordruckbehälters aufzählt.[16]

Am 4. November 1999 wies das Oberverwaltungsgericht Schleswig die Klage zweier √Ąrzte ab, die das Kernkraftwerk f√ľr die Erkrankung von zehn Kindern und einem Jugendlichen an Leuk√§mie verantwortlich gemacht hatten.[17]

Am 24. April 2010 demonstrierte eine Kette von √ľber 100.000 Menschen auf 120 Kilometern zwischen den Kernkraftwerken Brunsb√ľttel und Kr√ľmmel gegen Kernkraft.[18] Am 26. Juni 2010 demonstrierten Atomkraftgegner aus Anlass des dritten Jahrestages des Brandes im Kernkraftwerk gegen den Antrag, das KKW Anfang 2011 wieder ans Netz gehen zu lassen. Dabei lie√üen sie 13.000 schwarze und gelbe gasgef√ľllte Ballons in den Himmel steigen.[19][20]

Wolfgang Kromp, Werkstoffphysiker an der Universität Wien sieht in der gesamten 'Baulinie 69' eine Fehlkonstruktion, da der Reaktordruckbehälter zu schwach ausgelegt sei.[21]

Am 10. April 2011 fand eine Lesung auf dem Gel√§nde des Betreibers Vattenfall u.a. mit G√ľnter Grass statt.[22]

Leukämiehäufung

→ Hauptartikel: Leukämiecluster Elbmarsch

Seit Fr√ľhjahr 1986 gab es in der unmittelbaren Umgebung des Kraftwerks eine signifikante H√§ufung von Leuk√§mieerkrankungen: In den Jahren 1990 bis April 2009 sind 19 Leuk√§mie-Neuerkrankungen bei Kindern aufgetreten, das Dreifache dessen, was statistisch zu erwarten gewesen w√§re.

Das Kraftwerk wurde als eine der m√∂glichen Ursachen f√ľr diesen so genannten Leuk√§miecluster Elbmarsch in Betracht gezogen. Ein wissenschaftlich schl√ľssiger Nachweis konnte daf√ľr bisher nicht erbracht werden. Im Rahmen der √úberwachung nach dem Atomgesetz durch Beh√∂rden und Gutachter sind keine Ereignisse ermittelt worden, bei denen Radioaktivit√§t freigeworden w√§re. Sp√§ter wurde auch das nahegelegene GKSS-Forschungszentrum in Geesthacht in Betracht gezogen.

Allerdings kommt auch die aktuelle KiKK-Studie des Bundesamtes f√ľr Strahlenschutz zum Ergebnis, dass die Zahl der Krebserkrankungen bei Kindern signifikant zunimmt, je n√§her der jeweilige Wohnort beim KKW liegt. Die Studie sagt aber, dass die von deutschen Kernkraftwerken im Normalbetrieb emittierte Strahlung f√ľr die Leuk√§mieh√§ufung aufgrund des aktuellen Wissens nicht als Ursache interpretiert werden kann. M√∂gliche andere Gr√ľnde f√ľr den festgestellten Abstandstrend konnte die Studie nicht finden.[23]

Risikostudien

Die f√ľr Kr√ľmmel durchgef√ľhrten Sicherheitsstudien gelangen zum Schluss, dass das Risiko eines Unfalls mit katastrophalen Auswirkungen gering, aber nicht v√∂llig vernachl√§ssigbar ist. So ist etwa bei einem gezielten Flugzeugabsturz auf das Reaktorgeb√§ude mit einer ‚Äěschweren bis katastrophalen Freisetzung radioaktiver Stoffe zu rechnen‚Äú.[24]

F√ľr die Auswirkungen au√üerhalb der Anlage m√ľsse in Erw√§gung gezogen werden, dass der Standort nur etwa 15 Kilometer vom n√§chstgelegenen Stadtteil Hamburgs liegt. Im Auftrag von Hamburgs Umweltbeh√∂rde hat das √Ėko-Institut Darmstadt 1995 eine Studie zu den Konsequenzen eines schweren Unfalles mit fr√ľher und gro√üer Freisetzung von Radioaktivit√§t erstellt. Dabei wurde eine Windrichtung in Richtung Hamburg angenommen, dies allerdings ohne die Dosis-Auswirkungen (durch Washout) noch wesentlich versch√§rfenden Regen oder Schnee. Das Resultat der Studie: Man m√ľsste mit 45.000 bis 107.000 mittel- bis langfristigen Krebs-Todesf√§llen auf Hamburger Gebiet rechnen und zudem mit Tausenden weiteren in anderen Kommunen.[25]

Meldepflichtige Ereignisse

Im Kernkraftwerk Kr√ľmmel gab es seit der Inbetriebnahme insgesamt 313 meldepflichtige Ereignisse und damit etwa 12,5 Ereignisse pro Jahr (Stand: 31. Dezember 2008).[26] St√∂rf√§lle oder Unf√§lle (Stufe 2 oder h√∂her auf der Internationalen Bewertungsskala f√ľr nukleare Ereignisse) traten bislang nicht auf. Im Folgenden werden die wichtigsten meldepflichtigen Ereignisse der letzten Jahre aufgez√§hlt.

16. März 2005: Reaktorschnellabschaltung

Am 16. M√§rz 2005 kam es zu einer Reaktorschnellabschaltung wegen fehlerhafter Simulierung des Kondensatorf√ľllstands bei einer Pr√ľfung des Reaktorschutzsystems.[27]

28. Juni 2007: Brand auf dem Gelände des KKW

Am 28. Juni 2007 f√ľhrte ein Kurzschluss in einem der beiden Leistungstransformatoren zu einem √Ėlbrand, in dessen Folge es zu einer nicht vorgesehenen Reaktorschnellabschaltung (RESA) und zu einem nicht vorgesehenen Ausfall der Hauptspeisepumpen kam. Diese beiden Systemfehler f√ľhrten zu einer Einstufung als meldepflichtig (INES 0). Die Notk√ľhlsysteme funktionierten auslegungsgem√§√ü, jedoch zeigten sich im Verlauf weitere Schw√§chen in Organisation und Technik (Missverst√§ndnis in der Schaltwarte, Eindringen von Brandrauch, Ausfall eines Archivierungssystems). In den Medien wurde ausf√ľhrlich √ľber das Ereignis berichtet; die Informationspolitik des Betreibers wurde zum Teil heftig kritisiert.

4. Februar 2008: Schwelbrand in L√ľftungsanlage

Am 4. Februar 2008 ereignete sich ein Schwelbrand in einer L√ľftungsanlage. Binnen einer Stunde konnte das Feuer durch die Werkfeuerwehr gel√∂scht werden, externe Hilfe war nicht notwendig. Die Atomaufsichtsbeh√∂rde entsandte einen Sachverst√§ndigen, Radioaktivit√§t sei zu keiner Zeit ausgetreten. Dieser Vorfall (INES 0) wurde von zahlreichen Umwelt- und Klimaschutzorganisationen zum Anlass genommen, die Sicherheit des Kernkraftwerks Kr√ľmmel und der Kernenergie anzuzweifeln.[28]

18. August 2008: Defekte Schalter

W√§hrend einer routinem√§√üig wiederkehrenden Pr√ľfung traten am 18. August 2008 zwei meldepflichtige Ereignisse auf. Wegen eines defekten Schalters lie√ü sich eine der vier Pumpen eines Nebenk√ľhlwassersystems nicht einschalten. Zudem lie√ü sich wegen eines defekten Generatorschalters eines von sechs Notstrom-Dieselaggregaten nicht mit dem Eigenbedarfsnetz synchronisieren. Beide Schalter wurden ausgetauscht (zweimal INES 0).[29]

20. März 2009: Abschaltung eines Notstromtransformators

Eine interne √úberwachungseinrichtung schaltete am 20. M√§rz 2009 automatisch einen fehlerhaften Notstromtransformator ab. Damit standen nur vier der sechs Notstrom-Versorgungsstr√§nge zur Verf√ľgung, einer mehr als zum Betrieb erforderlich (INES 0).[30][31]

23. Juni 2009: Ausfall einer elektronischen Baugruppe zum Reaktorschutz

Die Atomaufsicht hatte am 19. Juni 2009 das Wiederanfahren des Reaktors genehmigt. Vier Tage danach, am 23. Juni 2009, kam es zum n√§chsten meldepflichtigen Ereignis: Eine elektronische Baugruppe (von dreien insgesamt) zum zeitverz√∂gerten Ausl√∂sen einer Reaktorschutzma√ünahme war ausgefallen. Die defekte Baugruppe steuerte eine Auswahlschaltung an, die bei Ausfall der Stromeigenversorgung im Anforderungsfall ein Reaktoreinspeisesystem startet (INES 0). Dieser Ausfall der Baugruppe wurde w√§hrend einer wiederkehrenden Pr√ľfung am 23. Juni 2009 festgestellt. Die Betreiber des Kernkraftwerks meldeten den Vorfall fristgerecht am 29. Juni 2009 dem zust√§ndigen Ministerium in Kiel.[32]

Am 1. Juli 2009 kam es zu einem nicht meldepflichtigen Zwischenfall: Die Turbine der Anlage schaltete sich automatisch ab (TUSA), nachdem ein Eigenbedarftransformator ausgefallen war. In Folge dieser St√∂rung kam es zu einer weiteren Anomalie. Statt einer automatischen Regelung des F√ľllstands im Reaktor wurde dieser von Hand geschaltet. Zur Kl√§rung der Ursachen und des weiteren Vorgehens wurden von der Atomaufsicht Sachverst√§ndige hinzugezogen.[33] Das Kraftwerk ging nach vier Stunden wieder ans Netz und lief mit verminderter Leistung weiter.[34]

4. Juli 2009: Reaktorschnellabschaltung

Installation der neuen Maschinentransformatoren im AKW Kr√ľmmel

Am Samstag, den 4. Juli 2009 kam es kurz nach 12 Uhr mittags zu einer Reaktorschnellabschaltung. Ursache war eine St√∂rung in einem der beiden Maschinentransformatoren, wodurch es zu einer Unterspannung an zwei der vier Eigenbedarfsschienen des Kernkraftwerks kam. Zus√§tzlich gab es K√ľhlprobleme bei der Reaktorwasserreinigung sowie (bei der zus√§tzlichen Fixierung eines Steuerstabes) Hinweise auf ein defektes Brennelement (INES 0).[35] Die Polizei informierte die Atomaufsicht 20 Minuten fr√ľher als Vattenfall, da der Betriebsleiter des Kraftwerks vor seinem Anruf beim Kieler Ministerium f√ľr Soziales und Gesundheit zuerst zum Kraftwerk fuhr, um sich ein Bild der Lage zu verschaffen.[36]

Die Schnellabschaltung verursachte in Hamburg massive Einschr√§nkungen im Stromnetz. Au√üerdem war eine Chlorgaswolke freigesetzt worden, die sich √ľber mehrere Stadtteile ausgebreitet hatte. Des Weiteren fielen 1.500 der insgesamt 1.711 Ampelanlagen der Stadt teilweise √ľber mehrere Stunden aus und Einkaufszentren waren ohne Licht.[37] Weiterhin fielen durch die St√∂rung mehrere Wasserpumpen aus und es kam bei der Wiederinbetriebnahme der Pumpen aufgrund von Druckst√∂√üen zu elf Wasserrohrbr√ľchen, wodurch tausende Hamburger zeitweise ohne Wasserversorgung waren.[38]

Die f√ľr die Atomaufsicht zust√§ndige Sozialministerin des Landes Schleswig-Holstein Gitta Trauernicht ordnete daraufhin eine erneute Zuverl√§ssigkeitspr√ľfung des Betreibers Vattenfall an.[39] Weiterhin gab das Unternehmen drei Tage nach der Notabschaltung bekannt, dass ein vorgeschriebenes √úberwachungsger√§t am betroffenen Transformator, ein sogenanntes Teilentladungsmessger√§t, nicht installiert worden war. Aufgrund der Vorkommnisse wurde der bisherige Kraftwerkschef von Vattenfall entlassen.[40] Das Kernkraftwerk selbst sollte nach Angaben des Energiekonzerns bis mindestens April 2010 abgeschaltet bleiben, damit die beiden Transformatoren gegen neue ausgetauscht werden k√∂nnen.[41] [42] Kurz darauf r√§umte ein Sprecher von Vattenfall ein, dass es wahrscheinlich auch zu einem Brennstab-Schaden innerhalb des Reaktors gekommen sei. Einige wenige der 80.000 Brennst√§be wiesen demnach einen Defekt auf. F√ľr weitere Untersuchungen soll der Druckbeh√§lter des Reaktors ge√∂ffnet werden.[43]

Am 19. Juni 2009 hatte die zust√§ndige Aufsichtsbeh√∂rde ‚Äěkontinuierliche Audioaufzeichnungen auf der Hauptwarte‚Äú des Kernkraftwerks Kr√ľmmel ‚Äď √§hnlich wie eine Blackbox in einem Flugzeug ‚Äď angeordnet; Vattenfall hatte dagegen geklagt. Beim St√∂rfall am 4. Juli war die Blackbox nicht eingeschaltet.[44]

Daten des Reaktorblockes

Das Kernkraftwerk Kr√ľmmel hat einen Kraftwerksblock:

Reaktorblock[45] Reaktortyp Netto-
leistung
Brutto-
leistung
Baubeginn Netzsyn-
chronisation
Kommer-
zieller Betrieb
Abschal-
tung
Kr√ľmmel (KKK) Siedewasserreaktor 1346 MW 1402 MW 05.04.1974 28.09.1983 28.03.1984 06.08.2011

Zukunft

Der Betriebsrat des Kraftwerks fordert, nach der Stilllegung des Kernkraftwerks am selben Standort ein Gaskraftwerk zu errichten und so die Arbeitsplätze zu erhalten.[46]

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Kernkraftwerk Kr√ľmmel ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ tagesschau.de: Spitzentreffen der Koalition zum Atomausstieg
  2. ‚ÜĎ Vattenfall Europe: Beschreibung des KKK (Vattenfall-Werbebrosch√ľre) (PDF) gesehen 30. M√§rz 2011.
  3. ‚ÜĎ Vattenfall Europe Nuclear Energy: VENE Kernkraftwerke. (PDF) gesehen 24. April 2010
  4. ‚ÜĎ ARD-Magazin ‚Äěkontraste‚Äú vom 15. Juli 2010: Atomkraft ‚Äď Laufzeitverl√§ngerung trotz Sicherheitsdefiziten, taz 19. Mai 2010
  5. ‚ÜĎ NDR: [http://www1.ndr.de/nachrichten/dossiers/atomkraft/kruemmel138.html ''Atomkraft: Kr√ľmmel-Pannen: Atomkraftwerk vor dem Aus?''] (Link nicht abrufbar) vom 6. Juli 2009.
  6. ‚ÜĎ http://www.lueneburg.de/desktopdefault.aspx/tabid-77/169_read-38003/ vom 30. Mai 2011
  7. ‚ÜĎ taz.de vom 15. April 2011
  8. ‚ÜĎ vattenfall.de Pressemitteilung vom 6. April 2011
  9. ‚ÜĎ Deutsches Atomforum e. V.: Kernenergie ‚Äď Aktuell 2007, Kapitel Zwischenlager/Transporte. Berlin, September 2007.
  10. ‚ÜĎ Martin Volkmer: Kernenergie Basiswissen. Informationskreis KernEnergie, Berlin Juni 2007, ISBN 3-926956-44-5. Seite 45
  11. ‚ÜĎ Kernenergie in Deutschland ‚Äď Jahresbericht 2006 (PDF) Deutsches Atomforum e. V.
  12. ‚ÜĎ Martin Volkmer: Kernenergie Basiswissen. Informationskreis KernEnergie, Berlin Juni 2007, ISBN 3-926956-44-5. Seite 57
  13. ‚ÜĎ Abklingbecken deutscher Meiler Spiegel online 16. N√§rz 2011
  14. ‚ÜĎ Kernkraftwerksfern√ľberwachung Schleswig-Holstein: Messwerte
  15. ‚ÜĎ vgl. z.B. Bundesamt f√ľr Strahlenschutz: Jahresbericht 2002, S. 53 online unter Weitere Arbeitsschwerpunkte des BfS, Bundesamt f√ľr Strahlenschutz, 2003
  16. ‚ÜĎ robinwood.de 19. Dezember 1996
  17. ‚ÜĎ IPPNW Hamburg. Ippnw-hamburg.de. Abgerufen am 27. Juni 2010.
  18. ‚ÜĎ Die hohen Ziele weit √ľbertroffen. In: taz, 24. April 2010
  19. ‚ÜĎ Atomkraftgegner lassen 13.000 Luftballons fliegen. In: Hamburger Morgenpost, 26. Juni 2010 (online)
  20. ‚ÜĎ Drei Jahre Stillstand: Geht Kr√ľmmel wieder ans Netz?. In: L√ľbecker Nachrichten, 27. Juni 2010 (online)
  21. ‚ÜĎ Atomkraft ‚Äď Laufzeitverl√§ngerung trotz Sicherheitsdefiziten. ARD-Magazin Kontraste (15. Juni 2010). Abgerufen am 22. September 2010.
  22. ‚ÜĎ Protestlesung in Kr√ľmmel. G√ľnter Grass poltert gegen Lobbyisten, Spiegel Online, zuletzt abgerufen am 12. April 2011
  23. ‚ÜĎ Epidemiologische Studie zu Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken, Bundesamt f√ľr Strahlenschutz, 2007. Abgerufen am 19. Mai 2011.
  24. ‚ÜĎ Internationale L√§nderkommission Kerntechnik (PDF) Vertraulich: ILK-Gutachten vom November 2002 bei Frontal21
  25. ‚ÜĎ B√ľrgerinitiative Umweltschutz e. V. Arbeitskreis Atom: Atomkraftwerke: Unsicher und grundrechtswidrig: Ein Bericht √ľber Kernschmelzgefahr und Grundrechtsbeeintr√§chtigungen vom August 1998, gesehen 24. April 2010.
  26. ‚ÜĎ Kernkraftwerke in der Bundesrepublik Deutschland, Bundesamt f√ľr Strahlenschutz.
  27. ‚ÜĎ Kernenergie in Deutschland; Jahresbericht 2005 ‚Äď Herausgeber: Deutsches Atomforum e. V. Seite 20/21 Kernkraftwerk Kr√ľmmel; Informationskreis KernEnergie; Druck: UbiaDruckK√∂ln; ISSN:1611-9592
  28. ‚ÜĎ Schwelbrand in L√ľftung des Atomkraftwerks Kr√ľmmel. In: Tagesspiegel, 5. Februar 2008
  29. ‚ÜĎ Nachrichten-Caf√©: Erneut zwei meldepflichtige Ereignisse im Kernkraftwerk Kr√ľmmel
  30. ‚ÜĎ [http://newsticker.welt.de/?module=dpa&id=20704800 Abschaltung eines Notstromtransformators in Kr√ľmmel] (Link nicht abrufbar), Die Welt online vom 20. M√§rz 2009.
  31. ‚ÜĎ [http://www.news-adhoc.com/notstromtransformator-nach-panne-im-akw-kruemmel-abgeschaltet-idna2009032023109/ ''Notstromtransformator nach Panne im AKW Kr√ľmmel abgeschaltet''] (Link nicht abrufbar) (Link nicht mehr abrufbar), News adhoc vom 20. M√§rz 2009.
  32. ‚ÜĎ [http://www.schleswig-holstein.de/MSGF/DE/Service/Presse/PI/2009/090629__msgf__mekkk.html Reaktorsicherheitsbeh√∂rde in Kiel: ''Meldepflichtiges Ereignis im Kernkraftwerk Kr√ľmmel''] (Link nicht abrufbar) (Link nicht mehr abrufbar)
  33. ‚ÜĎ Kernkraftwerk Kr√ľmmel heruntergefahren
  34. ‚ÜĎ [http://www.schleswig-holstein.de/MSGF/DE/Service/Presse/PI/2009/090702__msgf__kkk.html ''Untersuchungen im Kernkraftwerk Kr√ľmmel''] (Link nicht mehr abrufbar)
  35. ‚ÜĎ Pressemitteilung Vattenfall vom 5. Juli 2009. Vattenfall.de (19. November 2008). Abgerufen am 27. Juni 2010.
  36. ‚ÜĎ Was im Atomkraftwerk Kr√ľmmel wirklich passierte. Welt.de. Abgerufen am 27. Juni 2010.
  37. ‚ÜĎ St√∂rfall im AKW Kr√ľmmel sorgt in Hamburg f√ľr Chaos, Hamburger Mopo vom 5. Juli 2009
  38. ‚ÜĎ Tausende Hamburger zeitweise ohne Wasser. In: Welt online, 5. Juli 2009
  39. ‚ÜĎ [http://www.schleswig-holstein.de/MSGF/DE/Service/Presse/PI/PDF/2009/090704__msgf__TrauernichtKruemmel,templateId=raw,property=publicationFile.pdf ''Ministerin Trauernicht zur Reaktorschnellabschaltung im Kernkraft Kr√ľmmel''] (PDF; Link nicht mehr abrufbar), Medieninformation des Ministerium f√ľr Soziales, Gesundheit, Familie, Jugend und Senioren vom 4. Juli 2009
  40. ‚ÜĎ Vattenfall r√§umt Vers√§umnisse in Kr√ľmmel ein bei Spiegel Online, 7. Juli 2009
  41. ‚ÜĎ Vattenfall: AKW Kr√ľmmel bleibt mehrere Monate abgeschaltet bei reuters.com, 7. Juli 2009
  42. ‚ÜĎ Vattenfall trennt sich von Kr√ľmmel-Werksleiter. In: Hamburger Abendblatt, 8. Juli 2009
  43. ‚ÜĎ [http://www.tagesschau.de/inland/vattenfall122.html ''Vattenfall vermutet Brennstab-Schaden in Kr√ľmmel''] (Link nicht abrufbar) bei tagesschau.de, 9. Juli 2009
  44. ‚ÜĎ Blackbox im AKW Kr√ľmmel war au√üer Betrieb. In: Welt online, 5. Juli 2010
  45. ‚ÜĎ Power Reactor Information System der IAEA: ‚ÄěGermany, Federal Republic of: Nuclear Power Reactors‚Äú (englisch)
  46. ‚ÜĎ Redaktion Stromsparer.de: Vattenfall: Baut der Stromanbieter jetzt ein Gaskraftwerk in Kr√ľmmel? Abgerufen am 12. Juli 2011.

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