Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage

ï»ż
Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage

Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (The Church of Jesus Christ of Latter-day Saints) ist eine christliche Glaubensgemeinschaft. In den USA gilt sie mit knapp 2 % der Bevölkerung als viertgrĂ¶ĂŸte Religionsgemeinschaft.[1] Im Bundesstaat Utah stellt sie die Bevölkerungsmehrheit.

Oft wird die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage gemeinsam mit kleinen bis winzigen Splittergruppen zur Konfessionsgruppe der Mormonen zusammengefasst.

Formell gegrĂŒndet wurde die Kirche von Joseph Smith jun. am 6. April 1830 in Fayette im US-Bundesstaat New York. Heute hat sie ihren Hauptsitz in Salt Lake City im US-Bundesstaat Utah. Insgesamt umfasst die Kirche nach eigenen Angaben (31. Dezember 2007) rund 13,2 Millionen Mitglieder weltweit in ĂŒber 160 LĂ€ndern und Territorien, davon ca. 5,9 Millionen in den USA.[2][3]

Mitglieder der Kirche, die sich selbst „Heilige der Letzten Tage“ (englisch Latter-day Saints) nennen, verstehen ihren Glauben als eine von Gott veranlasste Wiederherstellung der Kirche, die ursprĂŒnglich durch Jesus Christus gestiftet wurde. Da sich die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage neben der Bibel auf weitere Quellen ihres Glaubens beruft, wird sie von der Römisch-Katholischen Kirche und den meisten protestantischen Kirchen als synkretistische Neureligion angesehen. Dementsprechend erkennen diese Kirchen die Taufe der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage nicht an. Die Mormonen haben kein Interesse an Ökumene und sprechen allen anderen Kirchen die geistliche Vollmacht ab, in Gottes Namen sprechen und insbesondere die Sakramente spenden zu können. Sie erkennen jedoch nach außen hin andere Christen als solche an und arbeiten insbesondere im humanitĂ€ren Bereich mit anderen Religionen zusammen. Ferner setzen sie sich fĂŒr interkonfessionelle Toleranz ein, weshalb sie u. a. die Errichtung von GotteshĂ€usern anderer Konfessionen und Religionen finanzieren. Beispiele dafĂŒr sind die reformiert-jĂŒdische Synagoge von Salt Lake City und der hinduistische Tempel von Spanish Fork, Utah.

Inhaltsverzeichnis

Lehre

Offenbarung

In der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage wird die Lehre vertreten, dass die Kirche aus direkter göttlicher Offenbarung an Joseph Smith hervorging und seither durch fortlaufende Offenbarung von Jesus Christus direkt angeleitet wird. Dies geschehe durch Propheten, Apostel und andere KirchenfĂŒhrer, wie es sie auch in der urchristlichen Kirche gab (siehe Epheserbrief 2:19, 20; 4:11-13, Neues Testament). DarĂŒber hinaus wird erklĂ€rt, dass jeder Mensch das Recht und die Möglichkeit habe, fĂŒr seinen persönlichen Bereich, seine Familie und seine kirchlichen Aufgaben (zum Beispiel auf Gemeinde-Ebene) direkte göttliche Offenbarung zu empfangen. Das Fortlaufen der Offenbarung impliziere auch, dass der Schriftenkanon nicht abgeschlossen sei. So wie Gott damals zu den Propheten des Alten Testaments und Neuen Testaments gesprochen habe, so sei es ihm auch heute möglich, in gleicher Weise zu den Menschen zu sprechen. Der PrĂ€sident der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage wird als Prophet, Seher und Offenbarer angesehen und als solcher vom Kollegium der Zwölf Apostel und von der gesamten Mitgliederschaft halbjĂ€hrlich anerkannt und bestĂ€tigt. Es wird davon ausgegangen, dass nur solche Offenbarungen, die vom PrĂ€sidenten und vom Kollegium der Zwölf Apostel als von Gott bezeugt werden, Bedeutung fĂŒr die gesamte Mitgliederschaft (und fĂŒr die ganze Welt) haben; sie werden als Heilige Schrift kanonisch im Buch Lehre und BĂŒndnisse aufgenommen. Der ĂŒberwĂ€ltigende Anteil der Abschnitte dieser Schrift stammt vom KirchengrĂŒnder Joseph Smith. Daneben stehen je ein Abschnitt von John Taylor (ĂŒber den MĂ€rtyrertod von Joseph Smith), Brigham Young (zum Aufbruch der Kirche in den Westen) und Josef F. Smith (vom Wirken Christi in der Geisterwelt). Weiterhin beinhaltet das Buch Lehre und BĂŒndnisse zwei amtliche ErklĂ€rungen ĂŒber die Abschaffung der Polygamie und die Zulassung des Priestertums fĂŒr Farbige.

Schriftenkanon

Als kanonische Schriften erkennt die Kirche neben der Bibel mit Altem und Neuem Testament das Buch Mormon, Lehre und BĂŒndnisse und die Köstliche Perle an. Dieser Schriftenkanon sei (durch Gottes Wort-Vollmacht) nicht abgeschlossen, da die Kirche fĂŒr sich in Anspruch nimmt, fortgesetzt Offenbarung zu erhalten, die dann gegebenenfalls (jedoch eher selten) als Erweiterung vor allem im Buch Lehre und BĂŒndnisse (seit 1830) in den Kanon einfließt.

Die Bibel wird zwar nicht, wie in vielen protestantischen Denominationen, als vollkommen betrachtet, wird aber als das echte Wort Gottes hoch geschĂ€tzt. Der Vorbehalt, dass durch zahlreiche Übertragungen, Übersetzungen und Bearbeitungen Aussagen verloren und verfĂ€lscht wurden, trifft nur in sehr begrenztem Ausmaß zu. Die Bibel steht gleichberechtigt neben dem Buch Mormon, und die beiden BĂ€nde heiliger Schrift ergĂ€nzen und erhellen sich nach Ansicht der Heiligen der Letzten Tage gegenseitig. Dazu gibt es die sogenannte Joseph-Smith-Übersetzung, eine stellenweise ergĂ€nzende und neue Interpretation der King-James-Bibel, die Joseph Smith nach seinen Angaben durch Offenbarung von Gott erhalten hat. Die Joseph-Smith-Übersetzung konnte jedoch durch den Tod Joseph Smiths nicht fertiggestellt werden und erhebt daher auch keinen Anspruch auf VollstĂ€ndigkeit. Die Standardversion fĂŒr den Gebrauch in Englisch ist die ĂŒberkonfessionell anerkannte King-James-Version der Bibel.

Die Kirche hat eine eigene, textlich nicht verĂ€nderte Ausgabe der King-James-Bibel herausgegeben, in der als Fußnoten oder als Anhang die Übersetzungsteile von Joseph Smith aufgenommen sind und die außerdem einen SchriftenfĂŒhrer mit Querverweisen zu den anderen kanonischen Schriften der Kirche enthĂ€lt. Die Fußnoten und der SchriftenfĂŒhrer sind vergleichbar mit den Bibelkommentaren und Konkordanzen anderer Bibelanstalten.

Deutschsprachige Mitglieder benutzen heute im offiziellen Gebrauch die EinheitsĂŒbersetzung der Bibel. Daher finden sich wesentliche Teile der Joseph-Smith-Übersetzung im SchriftenfĂŒhrer, der im Zuge der deutschsprachigen Neuausgabe 2003 sowohl in die Dreifachkombination (Das Buch Mormon, Lehre und BĂŒndnisse und Die Köstliche Perle in einem Band) als auch im Einfachband: Das Buch Mormon – Ein weiterer Zeuge fĂŒr Jesus Christus, im Anhang aufgenommen wurde.

Plan der Erlösung

Die Kirche sieht den Zweck der Erde darin, den Menschen, die alle vorirdisch erschaffene Geistkinder Gottes seien (HebrĂ€erbrief 12:9, Neues Testament), einen Ort weiteren Lernens in der Körperlichkeit zu verschaffen. Damit sei auch ein vorĂŒbergehendes Vergessen eines vorirdischen Daseins als Geistwesen verbunden (1. Korintherbrief 13:12, 2. Korintherbrief 5:7, Neues Testament). Kraftvollen Glauben zu entwickeln sei ein wesentlicher Sinn des irdischen Lebens (HebrĂ€erbrief 11:6). Die Menschen beteiligen sich auch an diesem göttlichen Plan, indem sie durch das Zeugen von Kindern weiteren Geistwesen das Erdenleben ermöglichen.

Jeder Mensch könne sich immer entscheiden, ob er das Gute oder das Böse tun wolle. Jeder, außer Jesus Christus, scheitere dabei, alle Gebote Gottes zu jeder Zeit genau zu erfĂŒllen (Römerbrief 3:23, Neues Testament). Damit sei er verunreinigt und aus eigener Kraft nicht im Stande, in die Gegenwart Gottes zurĂŒckzukehren.

Jesus Christus habe durch sein SĂŒhnopfer allen Menschen die Möglichkeit gegeben, von ihren SĂŒnden umzukehren und nach allem, was sie selbst tun können, aus Gnade errettet zu werden. Dazu sei die Taufe durch einen dazu BevollmĂ€chtigten unerlĂ€sslich (siehe beispielsweise Johannesevangelium 3:5, Neues Testament). Diese Taufe könne frĂŒhestens nach Vollendung des achten Lebensjahres vollzogen werden, mit der BegrĂŒndung, dass dieses das offenbarte Alter der Verantwortlichkeit sei. Kleine Kinder wĂŒrden fĂŒr die Übertretung Adams nicht zur Rechenschaft gezogen werden und seien daher sĂŒndenfrei, was die Taufe zur Vergebung der SĂŒnden (siehe beispielsweise Apostelgeschichte 2:38; 22:16, Neues Testament) ĂŒberflĂŒssig mache. Die Kirche kritisiert vor diesem Hintergrund scharf die in ihren Augen nichtige SĂ€uglingstaufe der großen christlichen Kirchen.

Der mormonische Plan der Erlösung basiert auf dem Konzept der Werkgerechtigkeit. Der Mensch wird nicht allein durch Gottes Gnade gerettet, sondern muss mit seinen Taten dazu beitragen. Im dritten der dreizehn mormonischen Glaubensartikel heißt es dazu: „Wir glauben, daß durch das SĂŒhnopfer Christi alle Menschen errettet werden können, indem sie die Gesetze und Verordnungen des Evangeliums befolgen.“[4]

Nach dem Tod habe der Mensch den Körper vorĂŒbergehend verloren, lebe aber als Geistwesen in der Geisterwelt weiter und könne weiter lernen. Wer im Erdenleben die gĂŒltige Taufe durch einen Priester der Kirche nicht empfangen habe, fĂŒr den könne diese Handlung durch die Taufe fĂŒr Verstorbene stellvertretend von einem Lebenden empfangen werden (siehe 1. Korintherbrief 15:29).

Am Ende der Entwicklung stehe die Auferstehung mit dem nachfolgenden JĂŒngsten Gericht, in dem Jesus Christus jedem die ihm gebĂŒhrende Herrlichkeit zuteilen werde: Dies sind nach der Lehre der Kirche das Celestiale Reich mit der grĂ¶ĂŸten Herrlichkeit (Gegenwart Gott Vater), das Terrestriale Reich (Gegenwart von Jesus Christus) als mittleres und das Telestiale Reich (Gegenwart des Heiligen Geistes) als niederstes (siehe 1. Korintherbrief 15:40-42, 2. Korintherbrief 12:2). Nur wer bewusst Gott leugne, obwohl er ihn durch die Macht des Heiligen Geistes erkannt hat, der werde in die Ă€ußerste Finsternis gestoßen und ein Sohn des Verderbens werden. Mehr dazu siehe unter Reiche der Herrlichkeit.

Nach dieser Lehre spielt die Entscheidungsfreiheit des Menschen eine wesentliche Rolle im göttlichen Plan. Daher wird der Fall von Adam und Eva, der im Garten Eden stattfand – nach Lehre der Kirche lag dieser geographisch im heutigen US-Bundesstaat Missouri –, nicht als unfallartiger „SĂŒnden“-Fall angesehen, sondern als freiwillige Entscheidung, um den Erlösungsplan in Gang zu setzen, da so die Sterblichkeit mit all ihren lehrreichen MĂŒhen und den Versuchungen der SĂŒnde durch das Erkennen von Gut und Böse erst in die Welt kam. Auch kamen mit dem Fall Adams und Evas erst die Zeugung von Kindern in Gang, da sie vorher noch „keine Scham“ kannten, was soviel bedeute, wie, dass sie vor dem Fall keine SexualitĂ€t kannten.

Der Zusammenhang des Falles von Adam und Eva mit dem SĂŒhnopfer Jesu Christi und die Rolle, die der einzelne Mensch dabei spielt, ist die zentrale Lehre, auf die in Predigten, Seminaren und Unterrichten sehr hĂ€ufig Bezug genommen wird. Auch im Tempel spielt dies eine zentrale Rolle.

Vollmachtsanspruch

Die Kirche Jesu Christi erklĂ€rt, dass nur jemand, der die Vollmacht von Jesus Christus bekommen habe, in seinem Namen sprechen und heilige Handlungen durchfĂŒhren dĂŒrfe, was unter anderem mit dem Vers 4 im 5. Kapitel des HebrĂ€erbriefes im Neuen Testament begrĂŒndet wird: Und keiner nimmt sich eigenmĂ€chtig diese WĂŒrde, sondern er wird von Gott berufen so wie Aaron. Der erste BevollmĂ€chtigte war Adam. Seither wurde die Vollmacht weitergegeben bis Mose. SpĂ€ter hat Jesus Christus die Vollmacht an die Apostel Petrus, Jakobus, Johannes und andere ĂŒbertragen (siehe MatthĂ€usevangelium 10:1-4, Neues Testament). Nach dem Tod der Apostel ist sie wieder verloren gegangen durch einen Abfall vom Glauben (siehe MatthĂ€usevangelium 24:9, 2. Thessalonicherbrief 2:3). Die Vollmacht wurde wiederhergestellt (siehe Apostelgeschichte 3:20, Neues Testament), indem die Apostel Petrus, Jakobus und Johannes Joseph Smith als auferstandene Wesen erschienen und sie ihm durch Handauflegen als vollstĂ€ndige SchlĂŒsselvollmacht ĂŒbertrugen. Von Joseph Smith ausgehend seien Teilvollmachten (je nach Berufungsbereich) an die wĂŒrdigen Mitglieder in ungebrochener Linie weitergegeben worden. Die vollstĂ€ndige SchlĂŒsselvollmacht halten immer der lebende PrĂ€sident der Kirche und das lebende Kollegium der Zwölf Apostel inne (siehe MatthĂ€us 16:16-19). Nach Lehre der Kirche habe niemand außerhalb dieses Kreises die vollstĂ€ndige Vollmacht.

Ausschließlichkeitsanspruch

Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage beansprucht fĂŒr sich, die einzig wahre Kirche auf der Erde zu sein, da sie die von Jesus Christus gegrĂŒndete Kirche sei, von der in der Bibel die Rede ist, und somit die einzige, die die Priestertumsvollmacht innehalte. Demnach gelten alle anderen Religionen und Kirchen als nur teilweise wahr. Besonders frĂŒhe Vertreter der Mormonenkirche Ă€ußerten sich zu ihrer Zeit sehr abfĂ€llig ĂŒber christliche Kirchen, was aus Dokumenten in verschiedenen Textsammlungen hervorgeht.

  • Brigham Young, der zweite PrĂ€sident der Kirche, sagte ĂŒber andere christliche Gemeinschaften: „Wenn es um Gott geht, sind sie die grĂ¶ĂŸten Narren“[5] und „Ein unwissenderes Volk als die heutige so genannte Christenheit hat noch nie zuvor gelebt.“[6]
  • John Taylor, dritter PrĂ€sident der Kirche, meinte, dass sie „so korrupt wie die Hölle“ seien.[7]

Trotz ihres Ausschließlichkeitsanspruchs hat sich die Kirche seit jeher um interkonfessionalle und interreligiöse Toleranz und VerstĂ€ndnis eingesetzt und wurde u.a. dadurch bekannt, dass sie andere Religionsgemeinschaften durch Spenden unterstĂŒtzte. Beispiele dafĂŒr sind die jĂŒdische Synagoge und die russisch-orthodoxe Kathedrale von Salt Lake City sowie der hinduistische Tempel von Spanish Fork, die mit Hilfe von Spenden der Kirche errichtet wurden. 2003 erhielt der damalige PrĂ€sident der Kirche, Gordon B. Hinckley, fĂŒr seine BemĂŒhungen um Toleranz die “Medal of Freedom”, eine der höchsten Ehrenauszeichnungen der amerikanischen Regierung, vom US-PrĂ€sidenten George W. Bush.

Der Name der Kirche

In Lehre und BĂŒndnisse, Abschnitt 115 Vers 4, schreibt Joseph Smith am 26. April 1838 als Offenbarung von Gott: „denn so soll meine Kirche in den letzten Tagen genannt werden, nĂ€mlich: Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.“ Bei ihrer GrĂŒndung am 6. April 1830 hieß sie noch „Die Kirche Christi“. Dieser Name wurde jedoch am 3. Mai 1834 durch den einstimmigen Beschluss der KirchenfĂŒhrung in „Die Kirche der Heiligen der Letzten Tage“ geĂ€ndert. Eine letzte Änderung erfolgte am 26. April 1838: der Name Jesu Christi wurde wieder eingefĂŒgt.

Der Name verdeutlicht, dass in der Kirche Jesus Christus im Mittelpunkt stehen soll und dass es sich um die wiederhergestellte „Kirche Jesu Christi“ aus dem Neuen Testament handele. Der Zusatz „der Letzten Tage“ unterscheidet namentlich die Kirche von eben dieser ursprĂŒnglichen „Kirche Jesu Christi“ in neutestamentlicher Zeit. Joseph Smith sah mit seiner Mission die Endzeit eingelĂ€utet; an einen unmittelbar bevorstehenden Weltuntergang glaubte er allerdings nicht.

VerstÀndnis von Gott und Göttern

Smiths erste Vision auf einem bunten Kirchenfensterglas aus dem Jahr 1913, ausgestellt im Museum of Church History and Art in Salt Lake City, Utah

KirchengrĂŒnder Joseph Smith lehrte, dass es eine unbestimmte Zahl von Göttern und Persönlichkeiten auf Götterebene gebe, was unter anderem mit folgendem Bibelzitat begrĂŒndet wird: Wohl habe ich gesagt: Ihr seid Götter, ihr alle seid Söhne des Höchsten (siehe Psalmen 82:6, Altes Testament). Gleichzeitig sei es jedem Menschen als ein Kind Gottes durch die Gnade Christi möglich, selber zu einem Gott oder einer Göttin zu werden, was bedeutet, dass man alle wesentlichen Eigenschaften erlangt, die Gott besitzt (siehe 2. Korintherbrief 3:18, Neues Testament). Gott-Vater ist nach dieser Lehre prinzipiell ein erhöhter Mensch mit einem Körper aus Fleisch und Gebein (siehe Genesis 1:26, 27, Altes Testament).

Jesus Christus ist den Mormonen zufolge der Erstgeborene der Geistkinder des Himmlischen Vaters (siehe Psalmen 89:27, Altes Testament) und damit unser Bruder im Geist. Jedoch ist er der einzig gezeugte im Fleisch. Christus nimmt im Plan der Erlösung als Erretter eine besondere Rolle ein. Jesus Christus sei Jehova (Jahwe), Gott des Alten Testamentes und habe zusammen mit anderen vorirdischen Geistwesen (d. h. Geistkindern) und Göttern, unter anderem Adam, welcher auch der Erzengel Michael sei, die Erde erschaffen (siehe Kolosserbrief 1:13-16, Neues Testament).

Der Heilige Geist sei eine eigenstĂ€ndige, physisch-körperlose Gottheit. Er sei eines Sinnes mit Gott, dem Vater, und eins in Absicht. Die Aufgabe des Heiligen Geistes sei es, als Offenbarer, BestĂ€tiger von Wahrheit, Tröster und Warner seinen Einfluss auf die Menschen individuell auszuĂŒben. HĂ€tte der Heilige Geist auch einen physischen Körper, könne der Heilige Geist nicht im Menschen wohnen. Als Geist ohne Körper könne er im Herzen der Menschen wohnen und in vielen Menschen zugleich Wahrheit bestĂ€tigen.

Luzifer, der Sohn des Morgens, sei ebenfalls ein Geistkind Gott-Vaters (siehe Ijob 1:6; 2:1, Altes Testament). Er sei aber wegen seiner Rebellion und seines Wunsches, sich ĂŒber Gott-Vater zu erheben, ausgestoßen worden (siehe Jesaja 14:12-15, Altes Testament). Er sei also der böse Geistwesen-Bruder (welcher keinen fleischlichen Körper erhalte), der fĂŒr die Menschen Böses wolle, der Gegenpol seines Geistwesen-Bruders Jesus Christus, der fĂŒr die Menschen das Gute wolle.

Die Glaubensartikel

Der Herausgeber des “Chicago Democrat”, John Wentworth, bat Joseph Smith um eine zusammenfassende Darstellung des „mormonischen“ Glaubens. Das Ergebnis waren 13 Punkte, die spĂ€ter unter der Bezeichnung die „Glaubensartikel“ kanonisiert und ins Buch Die Köstliche Perle eingefĂŒgt wurden. Sie geben die Glaubenslehre gut, aber nicht vollstĂ€ndig wieder:

  1. Wir glauben an Gott, den Ewigen Vater, und an seinen Sohn, Jesus Christus, und an den Heiligen Geist.
  2. Wir glauben, dass der Mensch fĂŒr seine eigenen SĂŒnden bestraft werden wird und nicht fĂŒr die Übertretungen Adams.
  3. Wir glauben, dass durch das SĂŒhnopfer Christi alle Menschen errettet werden können, indem sie die Gesetze und Verordnungen des Evangeliums befolgen.
  4. Wir glauben, dass die ersten GrundsĂ€tze und Verordnungen des Evangeliums sind: erstens der Glaube an den Herrn Jesus Christus; zweitens die Umkehr; drittens die Taufe durch Untertauchen zur SĂŒndenvergebung; viertens das HĂ€ndeauflegen zur Gabe des Heiligen Geistes.
  5. Wir glauben, dass man durch Prophezeiung und das HĂ€ndeauflegen derer, die Vollmacht dazu haben, von Gott berufen werden muss, um das Evangelium zu predigen und seine heiligen Handlungen zu vollziehen.
  6. Wir glauben an die gleiche Organisation, wie sie in der Urkirche bestanden hat, nÀmlich Apostel, Propheten, Hirten, Lehrer, Evangelisten usw.
  7. Wir glauben an die Gabe der Zungenrede, Prophezeiung, Offenbarung, der Visionen, der Heilung, Auslegung der Zungenrede usw.
  8. Wir glauben, dass die Bibel, soweit richtig ĂŒbersetzt, das Wort Gottes ist; wir glauben auch, dass das Buch Mormon das Wort Gottes ist.
  9. Wir glauben alles, was Gott offenbart hat, und alles, was er jetzt offenbart; und wir glauben, dass er noch viel Großes und Wichtiges offenbaren wird, was das Reich Gottes betrifft.
  10. Wir glauben an die buchstÀbliche Sammlung Israels und die Wiederherstellung der Zehn StÀmme, dass Zion (das Neue Jerusalem) auf diesem [d. h. dem amerikanischen] Kontinent errichtet werden wird, dass Christus persönlich auf der Erde regieren wird, und dass die Erde erneuert werden und ihre paradiesische Herrlichkeit empfangen wird.
  11. Wir beanspruchen das Recht, den AllmÀchtigen Gott zu verehren, wie es uns das eigene Gewissen gebietet, und gestehen allen Menschen das gleiche Recht zu, mögen sie verehren, wie oder wo oder was sie wollen.
  12. Wir glauben, dass es recht ist, Königen, PrĂ€sidenten, Herrschern und Obrigkeiten untertan zu sein und dem Gesetz zu gehorchen, es zu achten und fĂŒr es einzutreten.
  13. Wir glauben, dass es recht ist, ehrlich, treu, keusch, gĂŒtig und tugendhaft zu sein und allen Menschen Gutes zu tun; ja, wir können sagen, dass wir der Ermahnung des Paulus folgen - Wir glauben alles, wir hoffen alles, wir haben viel ertragen und hoffen, alles ertragen zu können. Wenn es etwas Tugendhaftes oder Liebenswertes gibt, wenn etwas guten Klang hat oder lobenswert ist, so trachten wir danach.

Joseph Smith[8]

Entstehung und Geschichte

Die Kirche entstand im lÀndlichen Norden des Staates New York am Anfang des 19. Jahrhunderts, als diese Gegend noch zivilisatorisches Neuland war. Die dort lebende Bevölkerung war im wesentlichen protestantisch und bibelglÀubig, gehörte aber oft keiner Kirche an. Auch aberglÀubische Vorstellungen waren weit verbreitet. Manchmal bekannten sich verschiedene Familienmitglieder zu unterschiedlichen Konfessionen.

GrĂŒndung (1820–1830)

Joseph Smith

Der spĂ€tere GrĂŒnder, Joseph Smith jun., erklĂ€rte, im Jahre 1820 nach einem Gebet ĂŒber die Frage, welche Kirche die wahre sei, eine Vision gehabt zu haben. In dieser so genannten Ersten Vision seien ihm Gott Vater und Jesus Christus erschienen. Diese hĂ€tten ihm mitgeteilt, dass alle zu jener Zeit bestehenden Kirchen im Irrtum seien und er sich keiner anschließen solle. (Es existieren mehrere Berichte, die jeweils das eine oder andere Element des Ereignisses nicht erwĂ€hnen)

In den Jahren von 1823 bis 1827 habe er weitere Erscheinungen gehabt, diesmal von einem Engel namens Moroni, der ihm den Auftrag gegeben habe, das Buch Mormon von goldenen Platten, die seit Jahrhunderten in einem nahen HĂŒgel lagerten, zu ĂŒbersetzen, wozu Smith die bei den Platten aufbewahrten „Sehersteine“ Urim und Tummim zu Hilfe genommen habe. Danach habe Moroni die Platten in Verwahrung genommen. Das Buch wurde 1830, kurz vor der GrĂŒndung der Kirche, erstmals veröffentlicht.

1829 sei Joseph Smith und seinem Mitarbeiter Oliver Cowdery der auferstandene Johannes der TĂ€ufer erschienen und habe ihnen das Aaronische Priestertum verliehen, mit der Vollmacht zu taufen. Einige Wochen spĂ€ter seien die Apostel Christi Petrus, Jakobus und Johannes erschienen und hĂ€tten ihnen das Melchisedekische Priestertum ĂŒbertragen, wodurch der Weg fĂŒr die „Wiederherstellung“ der Kirche Jesu Christi frei gemacht worden sei. Die formelle GrĂŒndung erfolgte am 6. April 1830 mit Joseph Smith als „erstem Ältesten“ und PrĂ€sidenten und Oliver Cowdery als „zweitem Ältesten“, Hyrum und Samuel Smith (BrĂŒder von Joseph), sowie Peter Whitmer jun. und David Whitmer als eingetragene Mitglieder.

Die Kirche fand rasch treue AnhĂ€nger und erbitterte Gegner. Bereits im Jahre 1830 sandte Joseph Smith seinen Bruder Samuel als ersten Missionar aus. Relativ viele Menschen aus dem Umland schlossen sich der neuen Kirche an. Gegner der Kirche griffen zu Mitteln wie Boykott und Anzeigen, aber auch teilweise zu TĂ€tlichkeiten. Aus dieser Zeit stammen die ersten Zeitungsartikel und FlugblĂ€tter, die sich auch gegen Joseph Smiths Persönlichkeit richteten. Zeitungsartikel und Kritik, die sich gegen die FĂŒhrer und GrĂŒnder der Kirche richteten, wurden und werden in der Kirche oft als mittelbares Wirken des Satans gegen das wiederhergestellte Evangelium eingestuft.

Kirtland und Missouri (1830–1840)

Wegen dieser unerquicklichen UmstÀnde verlegte Joseph Smith den Hauptsitz der Kirche bereits 1831 nach Kirtland in Ohio. Dies bedeutete den Umzug der meisten Mitglieder unter Verlust ihrer Farmen und GeschÀfte, die sie im noch kaum besiedelten Ohio neu aufbauten.

In Kirtland errichtete die Kirche ihren ersten Tempel, in dem Joseph Smith 1836, wie er in Lehre und BĂŒndnisse Abschnitt 110 ausfĂŒhrt, weitere Vollmacht, im Namen Gottes zu handeln, erhalten haben will. 1834 war das „Kollegium der Zwölf Apostel“ als FĂŒhrungsgremium unter Joseph Smith als Propheten ins Leben gerufen worden.

Aufgrund des Zusammenbruchs der „Kirtland Safety Society Anti-Banking Company“, eines von Joseph Smith privat gegrĂŒndeten Kreditinstitutes im Jahr 1837, verloren viele, auch fĂŒhrende Mitglieder der Kirche, viel Geld. Dies veranlasste eine grĂ¶ĂŸere Anzahl, das göttliche Mandat Joseph Smiths nicht nur zu bezweifeln, sondern als LĂŒge zu bekĂ€mpfen.

Bereits 1831 hatte sich Joseph auch nach Missouri – damals die Grenze der USA im Westen – orientiert und dort Kircheneinheiten gegrĂŒndet. Er wollte die Kirche langfristig zentral dorthin verlegen und hatte in der Stadt Independence bereits vor dem Tempelbau in Kirtland einen Platz fĂŒr einen zukĂŒnftigen Haupttempel abgesteckt, der jedoch bis heute nicht gebaut wurde. Nach blutigen Verfolgungen im Jahr 1833 flohen die dortigen „Heiligen“, wie sie sich nannten, in nördlichere Kreise des Staates Missouri um die Stadt Far West. Nach dem Zusammenbruch von Kirtland musste Smith mit seinen Getreuen Ohio verlassen und folgte den „Heiligen“ nach Missouri. Dort wurde Joseph Smith 1838 verhaftet und gemeinsam mit mehreren Mitarbeitern unter Arrest gestellt.

Durch Gegner der Kirche aufgehetzt, erließ Gouverneur Lilburn Boggs 1838 einen Ausrottungsbefehl, der besagte, die „Mormonen mĂŒssen aus dem Staat vertrieben oder vernichtet werden“.

Noch 1839 wurde in Far West ein weiterer Tempelbauplatz eingeweiht. Zu einem Bau kam es jedoch nicht mehr.

Nauvoo (1840–1845)

Die FlĂŒchtlinge wurden in Illinois aufgenommen und grĂŒndeten dort als neuen Anfang am Ufer des Mississippi am Ort Commerce die Stadt, die sie dann Nauvoo nannten. Von dort aus begann das Missionswerk in alle Welt, besonders nach Europa. Wieder wurde ein Tempel gebaut. Nauvoo erhielt einen Sonderstatus, praktisch als Stadtstaat mit eigener Miliz, der Nauvoo Legion.

1842 wurde in Nauvoo die Frauenhilfsvereinigung als Organisation der Frauen in der Kirche unter der Leitung von Emma Smith, der Ehefrau des „Propheten“, gegrĂŒndet.

Nach der Zerstörung der Druckerpresse der mormonenkritischen Zeitung „Nauvoo Expositor“ – dieser prangerte in seiner einzigen erschienenen Ausgabe vor allem die heimliche Polygamie der KirchenfĂŒhrer an – durch einen vom BĂŒrgermeister Joseph Smith beauftragten Marshall entzĂŒndete sich der Volkszorn umliegender Gemeinden gegen die Kirche. Dies gipfelte schließlich in der Ermordung von Joseph Smith und seinem Bruders Hyrum durch einen Mob am 27. Juni 1844. Über der Nachfolgefrage entstand ein heftiger Streit, der zu einer Reihe von Abspaltungen fĂŒhrte. Der dienstĂ€lteste Apostel, Brigham Young, ĂŒbernahm die FĂŒhrung des Hauptteils der Mitglieder. Die meisten der anderen Fraktionen vereinigten sich wesentlich spĂ€ter (ab 1860) zur Reorganisierten Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage, die sich seit 2001 Gemeinschaft Christi nennt.

Der Exodus

Schon Joseph Smith hatte sich mit der Frage beschĂ€ftigt, ob die Kirche nicht in eine menschenleere Gegend ziehen solle, um weiteren Verfolgungen zu entgehen. Dies realisierte Brigham Young mit dem (vorzeitig erzwungenen) Auszug fast aller „Heiliger“ aus Nauvoo und deren Übersiedlung in das Tal des Großen Salzsees in den Rocky Mountains.

Im SelbstverstĂ€ndnis der Kirche ist dies „das große, teils tragische, teils glorreiche Epos der Heiligen der Letzten Tage, auf das in Reden, TheaterstĂŒcken und Filmen immer wieder Bezug genommen wird“. (Zitat eines Mitglieds der Kirche.)

Salt Lake City, seither Hauptsitz der Kirche, wurde mit Ankunft von Brigham Young am 24. Juli 1848 praktisch gegrĂŒndet.

Konsolidierung in Salt Lake City (1850–1896)

ZunĂ€chst wurde das neue Territorium erschlossen. Bald wurden aber auch wieder Missionare ausgesandt, die vor allem im Osten der USA, in Kanada und Europa versuchten, Menschen von ihren Lehren zu ĂŒberzeugen. Dazu gehörte damals auch die „Sammlung in Zion“, das Auswandern in den neu gegrĂŒndeten „Staat Deseret“. Mit den Neuankömmlingen und der starken Vermehrung, bedingt durch das religiös begrĂŒndete AusĂŒben einer Mehrehe, welches ab 1852 auch öffentlich geschah, wuchsen Zahl der Mitglieder und Einfluss der Kirche.

Die frĂŒhe Geschichte von Utah und die des „Staates Deseret“ wurden sehr stark durch die Kirche geprĂ€gt. In diesem Zusammenhang steht der Utah-Krieg von 1857, in dessen Verlauf es auch zum sogenannten Mountain-Meadows-Massaker kam, das von Mormonen begangenen wurde.

Verbunden mit der Sklavenfrage kĂ€mpfte die amerikanische Innenpolitik gegen die Polygamie und erschwerte durch immer restriktivere Gesetze diese Praxis der Kirche. Die Durchsetzung dieser, von der KirchenfĂŒhrung als verfassungswidrig betrachteten Gesetze, fĂŒhrte zu Massenverhaftungen von Mitgliedern und groß angelegten Beschlagnahmungen von Kircheneigentum, wie z. B. GrundstĂŒcken und KirchengebĂ€uden. Eine Anzahl von in Polygamie lebenden Familien wich dem Druck dadurch aus, dass sie nach Mexiko oder Kanada auswanderten. Als Reaktion darauf erklĂ€rte im Jahr 1890 der damalige PrĂ€sident und Prophet Wilford Woodruff die Vielehe als nicht mehr akzeptabel in der Kirche (siehe Amtliche ErklĂ€rung Nr. 1 im Buch Lehre und BĂŒndnisse). Dies war ein wesentlicher Faktor dafĂŒr, dass Utah 1896 die EigenstĂ€ndigkeit als Bundesstaat zugebilligt wurde. Aber erst unter der PrĂ€sidentschaft von Joseph F. Smith (1901–1918), dem Neffen des GrĂŒnders, konnte innerhalb der Kirche die Polygamie vollstĂ€ndig abgeschafft werden. Zu dieser Zeit kam es auch zu weiteren Abspaltungen von Gruppen, welche die Polygamie teilweise bis heute noch praktizieren.

Weltweite Ausbreitung (seit 1900)

Salt Lake City 1912

Nach der rechtlichen Anerkennung und der finanziellen Konsolidierung und noch einmal verstÀrkt seit dem Ersten Weltkrieg begann die Kirche, sich international zu positionieren. Zu dieser Zeit wurde auch die Auffassung aufgegeben, dass sich möglichst alle Mitglieder in Utah sammeln sollen. Stattdessen erhielten die Mitglieder den Auftrag, die Kirche in den Gegenden der Welt aufzubauen, in denen sie zu Hause sind.

Bis 1978 konnten MĂ€nner mit schwarzafrikanischer Herkunft das Priestertum nicht bekommen und folglich auch keine FĂŒhrungsaufgaben ĂŒbernehmen. Sie durften auch nicht den Tempel besuchen und konnten keine Tempelsegnungen empfangen. Veranlasst durch großen Zulauf von Bekehrten mit schwarzafrikanischer Herkunft in Brasilien erließ PrĂ€sident Spencer W. Kimball die Amtliche ErklĂ€rung Nr. 2 (siehe Lehre und BĂŒndnisse), die besagt, dass nunmehr alle MĂ€nner, unabhĂ€ngig von ihrer rassischen Herkunft, das Priestertum erhalten können.

Mittlerweile hat die Kirche offiziell 13.193.999 Mitglieder (Stand 31. Dezember 2007),[9] von denen mehr als die HĂ€lfte außerhalb der USA leben. Wichtige Schwerpunkte sind Lateinamerika und Afrika. Ein Zeichen fĂŒr die stĂ€rkere internationale PrĂ€senz der Kirche ist der seit ca. 1990 massiv gesteigerte Bau von Tempeln der Kirche. WĂ€hrend die Kirche in Osteuropa ein starkes (Nachhol-)Wachstum aufweist, ist die Mitgliederzahl in den westeuropĂ€ischen Industriestaaten eher rĂŒcklĂ€ufig oder stagnierend.

Organisation

In allen Kirchenebenen werden Mitglieder in Ämter berufen. Eine bezahlte Berufsgeistlichkeit gibt es in den weitaus meisten FĂ€llen nicht (sogenannte GeneralauthoritĂ€ten erhalten BezĂŒge aus Firmenbeteiligungen der Kirche), auch keine universitĂ€re Ausbildung zum Geistlichen.

In der Kirche herrscht strenge Hierarchie, die aber zeitlich stark wechselt und flexibel den Gegebenheiten der Zeit und des Ortes angepasst werden kann. Niemand kann sich um ein Amt bewerben, sondern man wird in ein Amt berufen, nach Überzeugung der entsprechenden Verantwortlichen, stĂŒtzt sich die Auswahl eines bestimmten FunktionstrĂ€gers auf persönliche Offenbarung an denjenigen, der ihn beruft. Wer wen in welcher Organisationsebene zu berufen hat, ist genau festgelegt. Nachdem jemand ausgewĂ€hlt wurde, wird er oder sie in einem vertraulichen GesprĂ€ch vom Verantwortlichen gefragt, ob er das Amt annimmt. Ist dies der Fall, wird er in einer öffentlichen Versammlung den betroffenen Mitgliedern zur Zustimmung vorgelegt. Durch Handheben erklĂ€ren sich die Mitglieder mit der Berufung einverstanden und verpflichten sich, die Person in ihrer neuen Berufung zu unterstĂŒtzen. Sie haben auch die Möglichkeit sich ebenfalls durch das Heben der Hand dagegen auszusprechen. Auch der Prophet wird so bestĂ€tigt. (Extrem selten wurde bisher eine Berufung wegen Verweigerung der Zustimmung nicht wirksam.)

Dieser Grundsatz gilt nur fĂŒr die Kirche in ihrer seelsorgenden Funktion selbst, nicht fĂŒr von ihr gegrĂŒndete, unterstĂŒtzende Organisationen, wie beispielsweise das Bildungswesen der Kirche oder die Bereiche Verwaltung, Bauwesen, Lehrmittelherstellung, Übersetzung u. s. w., die professionelle, vollzeitige berufliche Arbeit erfordern.

Berufungen werden, mit Ausnahme der Funktion des Propheten und der Apostel, die bis zum Lebensende wĂ€hren, fĂŒr begrenzte Zeit ausgesprochen. Dadurch wechselt die Position eines Mitgliedes in der Hierarchie ĂŒblicherweise mehrmals im Leben und kann von Aufgaben auf Gemeindeebene durchaus zu Aufgaben auf Weltebene und wieder zurĂŒck fĂŒhren.

Auch wenn Frauen nicht das Priestertum tragen können, haben sie dennoch FĂŒhrungsaufgaben auf allen Ebenen inne, allerdings unter der FĂŒhrung von mĂ€nnlichen PriestertumsfĂŒhrern.

In der FĂŒhrung der Kirche spielt der Grundsatz der Offenbarung eine sehr wichtige Rolle. Es wird gelehrt, dass jeder ganz persönlich im ZwiegesprĂ€ch mit Gott Antwort auf Fragen und Hilfe beim Lösen von Problemen erhalten könne, aber nur bezogen auf seinen Verantwortungsbereich. So könne beispielsweise ein Gemeindeleiter Offenbarung bezĂŒglich Fragen in der Leitung der Gemeinde, aber nicht fĂŒr die gesamte Kirche erhalten. In dieser Lehre manifestiert sich wiederum die streng geordnete Hierarchie der Kirche. Wenn sich jeder AmtstrĂ€ger in seinen Entscheidungen darauf beruft, er habe ein Anrecht auf Offenbarung und er habe solche Offenbarung auch erhalten, ist im Rahmen der Organisation eine „Reform von unten“ oder gar eine „Revolution von unten“ undenkbar.

Weltebene

Schematische Darstellung der allgemeinen Organisation

Regionale Ebene

Schematische Darstellung der regionalen Organisation

Lokale Ebene

Schematische Darstellung der lokalen Organisation

Kirchenleben

Ein wesentlicher Teil des Kirchenlebens spielt sich in fĂŒr diesen Zweck errichteten GemeindehĂ€usern ab. Sie sind fĂŒr alle Veranstaltungen allgemein zugĂ€nglich. Neben den Gottesdiensten finden dort gesellige Veranstaltungen von Ballspielen bis zu TheaterstĂŒcken und Tanzabenden statt. Die Gemeinden sind ĂŒberschaubar gehalten und umfassen nicht mehr als 500 Mitglieder.

Ein weiterer Ort fĂŒr das Kirchenleben sind die Tempel. Sie sind Mitgliedern vorbehalten, die sich zuvor bereit erklĂ€rt haben, nach den GrundsĂ€tzen der Kirche zu leben und von ihrem Bischof und ihrem PfahlprĂ€sidenten fĂŒr wĂŒrdig befunden wurden.

Ziel eines jeden Mannes ist es, wĂŒrdig befunden zu werden, im Priestertum ordiniert zu werden. Dies ist auch eine Voraussetzung fĂŒr den Besuch eines Tempels. Die Aufgaben im Priestertum prĂ€gen das Leben eines jeden mĂ€nnlichen Mitglieds ab seinem zwölften Lebensjahr.

Ansonsten beeinflusst die Kirche das Familienleben sehr stark.

Der Kirchenbeitritt

Der Kirchenbeitritt erfolgt durch die Taufe. Die Taufen anderer Kirchen werden nicht anerkannt. Dies grĂŒndet sich nicht allein in der Ablehnung der Kindertaufe, sondern auch im mormonischen VerstĂ€ndnis der Vollmacht: anderen Kirchen fehle die nötige göttliche AutoritĂ€t fĂŒr eine gĂŒltige Taufe. Beitrittswillige werden – ĂŒblicherweise durch Missionare – ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum in den grundsĂ€tzlichen Lehren unterrichtet. Anschließend erfolgt eine prĂŒfende Unterredung mit einem fĂŒhrenden Missionar.

Ausschlaggebende Faktoren fĂŒr die Zulassung zur Taufe sind:

  • Mindestalter von 8 Jahren
  • VerstĂ€ndnis der GrundzĂŒge der Lehren
  • Kenntnis der zu beachtenden Gebote
  • Umkehr von frĂŒheren SĂŒnden
  • Verheiratete Personen dĂŒrfen mittlerweile ohne Zustimmung des Ehepartners getauft werden
  • Bei Personen unter 18 Jahren muss die Zustimmung der gesetzlichen Vertreter vorliegen

Bei schwerwiegenden Übertretungen (z. B. Verwicklung in eine Abtreibung – auch bei einem Mann) muss der MissionsprĂ€sident die Umkehr durch ein klĂ€rendes GesprĂ€ch feststellen. Bei Taufkandidaten, die wegen Totschlages oder Mordes verurteilt worden sind, hĂ€ngt es allein von der Genehmigung der Ersten PrĂ€sidentschaft ab, ob eine Taufe durchgefĂŒhrt werden darf. Ist geklĂ€rt, ob der Kandidat kĂŒnftig ein Leben nach den GrundsĂ€tzen der Kirche fĂŒhren will und seine bisherigen Verfehlungen gegen Gottes Gebote soweit möglich bereut und bereinigt hat, so wird er zur Taufe zugelassen.

Die Taufe wird durch vollstĂ€ndiges Untertauchen von einem bevollmĂ€chtigten PriestertumstrĂ€ger im Beisein von mindestens zwei Zeugen vollzogen. Durch die Taufe wird der TĂ€ufling von allen frĂŒheren SĂŒnden, sofern er davon umgekehrt ist, befreit. Die kirchenrechtliche Mitgliedschaft wird allein durch die Taufe begrĂŒndet. Nach den Lehren der Kirche bedarf es jedoch auch einer Mitgliedschaft in der Kirche des Reiches Gottes. Diese erfolgt erst durch die ĂŒblicherweise einige Tage spĂ€ter ausgefĂŒhrte Spendung des Heiligen Geistes durch Auflegen der HĂ€nde von mehreren TrĂ€gern des Melchisedekischen Priestertums. Dabei wird auch die Mitgliedschaft wörtlich bestĂ€tigt.

Ungetaufte Kinder werden bis zur Vollendung des neunzehnten Lebensjahres als eingetragene Mitglieder gefĂŒhrt.

Getaufte Mitglieder setzen dem Namen anderer getaufter Mitglieder ĂŒblicherweise das Wort „Bruder“ oder „Schwester“ voran.

Personen, die nach dem Ermessen des örtlich zustĂ€ndigen Bischofs nicht zurechnungsfĂ€hig sind, können nicht getauft werden, da sie nicht umkehrfĂ€hig sind. Sie genießen einen Sonderstatus als ungetaufte eingetragene Mitglieder.

Sonntagsgottesdienst

Eine Kapelle in Salt Lake City

Der ĂŒbliche Gottesdienst am Sonntag umfasst:

Dies ist der wichtigste Teil des Gottesdienstes. Hier wird das Abendmahl in Form von Wasser und Brot gereicht, es werden Kirchenlieder gesungen und es gibt einige Predigten, Ansprachen genannt, von Mitgliedern, mĂ€nnlich und weiblich, auch von Jugendlichen. UrsprĂŒnglich wurde das Abendmahl mit Wein gefeiert, doch wurde nach EinfĂŒhrung des „Wortes der Weisheit“, der Wein durch Wasser ersetzt. Familien nehmen komplett daran teil. Besucher des Gottesdienstes sollen anstĂ€ndig und dezent, dem feierlichen Anlass des Gottesdienstes entsprechend, ordentlich gekleidet sein. Dies gilt besonders fĂŒr PriestertumstrĂ€ger, die wĂ€hrend des Gottesdienstes heilige Handlungen vollziehen, so dass die WĂŒrde des Anlasses unterstrichen und nicht von der heiligen Handlung abgelenkt wird. MĂ€nner sollen vorzugsweise Hemd und Krawatte, eventuell auch ein Jackett tragen, Frauen Röcke oder Kleider statt Hosen.
Hier gibt es unterschiedliche Klassen fĂŒr Erwachsene, Jugendliche und fĂŒr interessierte Außenstehende. Es werden Themen aus den Schriften, Aussagen von Propheten und anderer KirchenfĂŒhrer besprochen.
  • Kollegiumsversammlung (50 min)
Hier treffen sich die PriestertumstrĂ€ger nach Kollegien getrennt: „Diakone“ (12 bis 14 Jahre), „Lehrer“ (14 bis 16 Jahre), „Priester“ (16 bis 18 Jahre), „Älteste und Hohepriester“ (ab 18 Jahre). Ebenso treffen sich die Frauen in der Frauenhilfsvereinigung und die MĂ€dchen von 12 bis 18 Jahren in den Versammlungen der Jungen Damen. Hier werden die Lehren speziell fĂŒr die Gruppe besprochen und diskutiert.
  • Primarvereinigung (wĂ€hrend Sonntagsschule und Kollegiumsversammlung)
Dies ist die wesentliche religiöse Erziehung der Kinder bis 12 außerhalb der Familie nach Altersgruppen getrennt.

Gebete

Die öffentlichen und die persönlichen Gebete richten sich stets an den „Himmlischen Vater“ und werden mit der verbindlichen Formel „Im Namen Jesu Christi, Amen“ beendet. Wenn ein öffentliches Gebet gesprochen wird, dann ist es ĂŒblich, dass die Anwesenden nach der Beendigung des Gebetes mit „Amen“ zustimmend antworten. Man betet in kniender, stehender oder sitzender Haltung. Mitglieder sind dazu angehalten, tĂ€glich persönlich, als Familie und vor dem Essen zu beten. Alle Gebete werden frei gesprochen, außer den Abendmahlsgebeten und dem Taufgebet, die wörtlich festgelegt sind. Normalerweise enthalten Gebete einen Dank und eine Bitte je nach den persönlichen UmstĂ€nden und dem Anlass des Gebetes.

Aufgaben des Priestertums

Neben dem Lehren des „Evangeliums“ (gemeint ist die mormonische Theologie) hat das Priestertum auch die Aufgabe, „Heilige Handlungen“ zu vollziehen (Taufe, Konfirmation, Abendmahl, Priestertum ĂŒbertragen usw.) und Segen zu spenden (Kindersegnung, Krankensegen, VĂ€terlicher Segen usw.).

Religionserziehung

Neben den sonntĂ€glichen Versammlungen gibt es fĂŒr Jugendliche von 14 bis 18 das Seminarprogramm und fĂŒr junge Erwachsene von 18 bis 30 das Institutprogramm. Beides wird vom Bildungswesen der Kirche (CES) organisiert. Es findet je nach den örtlichen UmstĂ€nden wöchentlich am Abend statt oder tĂ€glich am Morgen vor der Schule oder Arbeit statt. Die meist ehrenamtlichen Lehrer werden von CES gestellt und fortgebildet.

Seelsorge

Die Seelsorge ist wie die sonstigen kirchlichen Aufgaben auf die Schultern vieler verteilt. Im einzelnen handelt es sich dabei um ein Paar von PriestertumstrĂ€gern, die hĂ€ufig aus einem Jugendlichen (Lehrer oder Priester im aaronischen Priestertum) und einem TrĂ€ger des melchisedekischen Priestertums bestehen. Sie sind gemeinsam einigen Familien als sogenannte Heimlehrer zugeteilt und haben die Aufgabe, ihnen in Nöten aller Art zu helfen. Dazu gehört auch ein monatlicher Seelsorgebesuch, bei dem eine geistige Botschaft vermittelt wird. Heimlehrer helfen ihren „SchĂ€fchen“ auch, wenn sie ein Problem mit dem Halten eines Gebots haben. Frauen sind paarweise einige Frauen zugeteilt, denen sie als „Besuchslehrerinnen“ dienen. Auch sie vermitteln monatlich eine geistige Botschaft und helfen, wo es nötig erscheint.

Monatliches Fasten

Den Mitgliedern, die alt genug und gesund sind, wird empfohlen, am ersten Sonntag im Monat zu fasten, um ihre Geistigkeit zu stĂ€rken. Das bedeutet, auf zwei Mahlzeiten zu verzichten und wĂ€hrend dieser Zeit auch nichts zu trinken. Das dadurch eingesparte Geld wird ĂŒblicherweise zweckgebunden fĂŒr die Versorgung von BedĂŒrftigen gespendet.

Das Fasten soll durch Gebet begleitet werden und endet in der Fasten- und Zeugnisversammlung. Das ist eine besondere Abendmahlsversammlung in der jeder, der möchte, die Gelegenheit hat, seine Glaubengewissheit mitzuteilen.

Familienleben

Die Familie ist gemĂ€ĂŸ der Lehre der Kirche fĂŒr die Errettung von besonderer Wichtigkeit. Ein aktives und positives Familienleben wird von den KirchenfĂŒhrern sehr stark betont.[10] Die Rolle der Frau als Mutter genießt höchstes Ansehen. Daraus entspringt die Lehre, dass es die vornehmliche Aufgabe einer Frau sei, Kinder zu gebĂ€ren und zu erziehen. Diesem Dogma folgend haben Familien innerhalb der Kirche in der Regel ĂŒberdurchschnittlich viele Kinder, vor allem im Vergleich zur durchschnittlichen Kinderrate in den westlich-orientierten Industriestaaten. Dem Streben nach beruflicher Karriere einer Frau mit minderjĂ€hrigen Kindern wird dagegen mit Skepsis begegnet.

Die Familie nimmt nicht nur an den Sonntagsgottesdiensten teil, sondern kommt auch möglichst montags zu einem Familienheimabend zusammen. Dort können Probleme und Vorhaben der Familie besprochen werden. Die Eltern nutzen diesen Abend, um die Lehre ihren Kindern in einer fröhlichen und entspannten AtmosphÀre nahezubringen.

Die Siegelung im Tempel soll die Familienbande ewig machen. Sie entspricht einer Eheschließung, die jedoch die Kinder ausdrĂŒcklich einschließt. Ein Mann kann an mehrere Frauen gesiegelt werden, allerdings nur dann, wenn die jeweils frĂŒhere Ehefrau verstorben ist. Seit Änderungen der Tempelzeremonien 1990 ist es Frauen nun unter bestimmten UmstĂ€nden ebenfalls möglich, an mehr als einen Mann gesiegelt zu werden. Vorher gab es diese Möglichkeit nicht.

Unverheirateten Mitgliedern wird nahegelegt, möglichst einen Partner zu heiraten, der ebenfalls Mitglied der Kirche ist. Vom Eingehen einer Mischehe wird deutlich abgeraten, jedoch wird diese von der Kirche akzeptiert.

Wenn eine Familie aufgrund weiter Entfernungen oder anderer UmstĂ€nde nicht am Gemeindeleben teilnehmen kann, so soll sie ein rudimentĂ€res Gemeindeleben mit Abendmahl, Liedern, Gebeten, Belehrungen usw. unter der Leitung des Vaters (der in einem solchen Fall zumindest Priester im aaronischen Priestertum sein muss), aus der Ferne beaufsichtigt vom zustĂ€ndigen KirchenfĂŒhrer, gestalten.

Tempel

Von den Mitgliedern der Kirche wird der Tempel als ganz besonders heiliger Ort verstanden. Dort geht man Gott gegenĂŒber besondere Verpflichtungen (sog. TempelbĂŒndnisse) ein und wird ĂŒber den Erlösungsplan in symbolischer Weise belehrt. Neubeigetretene Mitglieder mĂŒssen sich fĂŒr mindestens ein Jahr als treu erweisen, bevor ihnen der Zugang zum Tempel gewĂ€hrt wird.

Tempelbesucher verpflichten sich, ĂŒber besonders heilige Teile des Tempelrituals außerhalb des Tempels grundsĂ€tzlich nicht zu sprechen.

Siehe auch: Tempel der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

Missionsarbeit

Mitglieder der Kirche Jesu Christi folgen dem biblischen Gebot, das Evangelium Jesu Christi in aller Welt zu predigen. Ihr Bestreben liegt darin jeden Menschen zu Christus zu fĂŒhren und ebenso Mitgenuss an den Segnungen des wiederhergestellten Evangeliums zu ermöglichen. Dabei versuchen sie einerseits durch ein gutes Beispiel auf sich aufmerksam zu machen, aber andererseits auch indem das Evangelium denen gebracht wird, die es noch nicht empfangen haben. Diese VerkĂŒndigung geschieht in erster Linie durch die lokalen Mitglieder, die von den Vollzeitmissionaren unterstĂŒtzt werden. Das ist auch der Grund warum Mitglieder Gelegenheiten wahrnehmen, anderen Menschen vom Evangelium zu erzĂ€hlen und Informationsmaterial der Kirche und Einladungen zu diversen Kirchenveranstaltungen ausgeben. DarĂŒber hinaus betreiben Vollzeitmissionare Missionsarbeit, indem sie Leute auf der Straße ansprechen, Ausstellungen und KirchenaktivitĂ€ten organisieren, Termine mit Interessierten abhalten, sich im sozialen Bereich einbringen oder einfach von „TĂŒr zu TĂŒr“ gehen.

Obwohl die Mitglieder aufgefordert werden, die Lehren der Kirche unter ihren Bekannten nach Möglichkeit zu verbreiten, werden sie angehalten, dabei nicht aggressiv aufzutreten, sondern die Entscheidungsfreiheit des einzelnen zu respektieren.

Junge MĂ€nner werden aufgefordert, ab dem 19. Lebensjahr eine zweijĂ€hrige Vollzeitmission zu absolvieren. Auch Frauen ab 21 und Ă€ltere Ehepaare im Rentenalter können diesen Dienst, aber zeitlich verkĂŒrzt (meist 18 Monate bei jungen Frauen und 12 bis 23 Monate bei Ă€lteren Ehepaaren), erfĂŒllen. Dies wird jedoch von ihnen nicht erwartet.

Die Arbeit dieser Vollzeitmissionare wird von einem MissionsprĂ€sidenten beaufsichtigt, der fĂŒr ein bestimmtes geographisches Gebiet zustĂ€ndig ist und direkt dem „Kollegium der Zwölf Apostel“ unterstellt ist. Finanziert wird der Lebensunterhalt fĂŒr diese Zeit von den Missionaren selbst und/oder deren Familien und Freunden. Die Kirche lehnt es grundsĂ€tzlich ab, die anfallenden Kosten fĂŒr die Missionare zu ĂŒbernehmen. Nur in ganz seltenen AusnahmefĂ€llen kommt es zu einer UnterstĂŒtzung seitens der Kirche. Lediglich Kosten fĂŒr das Missionsmaterial werden grundsĂ€tzlich von der Kirche ĂŒbernommen.

Siehe auch: Missionare der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

PrÀgende Gebote

Mitglieder der Kirche sind dazu angehalten, völlig auf den Genuss von Alkohol, Tabak, Kaffee und schwarzem Tee zu verzichten, sowie keine anderen Drogen zu nehmen und sich gesund zu ernĂ€hren. Dieser Grundsatz, dessen Einhaltung eine Bedingung fĂŒr den Besuch eines Tempels darstellt, ist bekannt als „Das Wort der Weisheit“. TĂ€towierungen und Piercings werden abgelehnt. Ein Paar Ohrringe bei Frauen bildet eine Ausnahme. Jede Art von als VerstĂŒmmelungen betrachteten VerĂ€nderungen am Körper haben die Mitglieder zu unterlassen. Dies hĂ€ngt damit zusammen, dass der Körper als Tempel fĂŒr den Geist betrachtet wird, der nicht verunreinigt werden soll.

Die Mitglieder zahlen den „Zehnten“, also ein Zehntel ihres jĂ€hrlichen Ertrages. Unter Ertrag wird dabei das persönliche Einkommen verstanden und nicht nĂ€her spezifiziert. Die Zehnteneinnahmen werden fĂŒr die Finanzierung von Bauprojekten, GebĂ€udeunterhalt, Lehrmitteln, humanitĂ€re Hilfe, AktivitĂ€ten und anderem verwendet. Auch dies ist Bedingung fĂŒr den Tempelbesuch.

Das Gesetz der Keuschheit bedeutet völlige sexuelle Enthaltsamkeit vor der Ehe und vollstĂ€ndige Treue in der Ehe. Dazu gehört auch, dass man das andere Geschlecht mit Respekt behandelt, sich anstĂ€ndig kleidet und eine saubere Sprache verwendet. Ebenso ist Pornographie zu meiden und jegliche Form der Selbstbefriedigung verboten. Eine homosexuelle „Ehe“ wird als den Gesetzen Gottes widersprechend betrachtet, und homosexuelles Verhalten gilt als schwere Übertretung des Gebotes der Keuschheit, was mit dem Kirchenausschluss geahndet werden kann.[11]

Das Einhalten des Keuschheitsgesetzes ist auch eine Voraussetzung fĂŒr den Tempelbesuch. Schwere Übertretungen hinsichtlich dieses Gebotes können zu Sanktionen wie Gemeinschaftsentzug bis hin zur Exkommunikation fĂŒhren, wenn sie den KirchenfĂŒhrern bekannt werden und sich der der Übertretung Schuldige nicht zur „Umkehr“ von der Übertretung bewegen lĂ€sst.

Unter „Sabbatheiligung“ versteht man in der Kirche den Besuch des Gottesdienstes und den Verzicht auf kommerzielle und sportliche BetĂ€tigung (etwa Schwimmen im Freibad) nicht etwa am Samstag, wie das hebrĂ€ische Wort Sabbat vermuten lĂ€sst, sondern entsprechend christlicher Tradition am Sonntag. Statt dessen soll man sich mit familiĂ€ren und geistlichen Dingen befassen.

WohltÀtigkeit

Die Hilfsbereitschaft und die „NĂ€hrung der Armen“ spielt eine große Rolle. GlĂ€ubige Mormonen fasten mindestens einmal im Monat und spenden ein „Fastopfer“, das verwendet wird, um BedĂŒrftigen innerhalb der Gemeinde zu unterstĂŒtzen. Die Kirche unterhĂ€lt auch zahlreiche WohltĂ€tige Organisationen, die unabhĂ€ngig von Religionszugehörigkeit weltweit Hilfe anbieten und in Krisengebieten arbeiten. Schon zur Nachkriegszeit wurden die Mormonen in Deutschland durch ihre Armenspeisungen bekannt. Kommt es zu besonders schwerwiegenden humanitĂ€ren Krisen, wird das Fastopfer der Mitglieder ausschließlich fĂŒr bestimmte Hilfsorganisationen verwendet. Bei einer DĂŒrrekatastrophe in Afrika brach die Kirche einen Spendenrekord beim Roten Kreuz. Auf humanitĂ€rer Ebene arbeiten die Mormonen hĂ€ufig mit anderen religiösen Hilfsorganisationen, wie dem Katholischen Hilfswerk oder Islamic Relief, zusammen.

Wirkung nach außen

Genealogische Gesellschaft von Utah

Neben dem Missionsprogramm tritt die Kirche vermehrt mit Internetauftritten, mit Interviews von KirchenfĂŒhrern in öffentlichen Medien und mit Zeitungsberichten an die Öffentlichkeit.

Zahlreiche Angehörige der Kirche betreiben intensive Familienforschung, da sie nach der Lehre ihrer Kirche ihren nicht mormonisch getauften Vorfahren durch die Taufe fĂŒr Verstorbene die Möglichkeit der Errettung verschaffen können, wenn sie deren Namen und Lebensdaten kennen. UnterstĂŒtzung erhalten sie durch umfangreiche genealogische Archive, insbesondere das der Genealogischen Gesellschaft von Utah, das auch Nichtmitglieder bei der Familienforschung unterstĂŒtzt.

So kann jeder in der Datenbank Familysearch.org nach Personendaten recherchieren, die von Mitgliedern der Kirche aus KirchenbĂŒchern in die Datenbank eingegeben oder von Familienforschern eingespeist wurden. Man kann ĂŒber diese Website auch im Family History Library Catalog nach verfilmten KirchenbĂŒchern suchen und diese dann gegen eine moderate GebĂŒhr in die nĂ€chstgelegene Genealogische Forschungsstelle der Mormonen bestellen, um darin zu recherchieren. Einige kirchliche Archive lehnen es allerdings ab, Familienforschern ihre KirchenbĂŒcher auch ĂŒber die Genealogischen Forschungsstellen zugĂ€nglich zu machen; in diesem Fall sind die Kirchenbuchfilme fĂŒr Forschungsstellen in Deutschland oder in Europa gesperrt. Nach und nach werden jetzt KirchenbĂŒcher auch direkt ĂŒber das Internet fĂŒr die Öffentlichkeit zugĂ€nglich gemacht.

Die evangelische Kirche in Deutschland lehnt es im Hinblick auf die Sonderlehre von der Taufe fĂŒr Verstorbene heute ab, der Genealogischen Gesellschaft von Utah weiterhin die Verfilmung von KirchenbĂŒchern zu gestatten.

Theologen und Religionswissenschaftler der Evangelischen Kirche in Deutschland bezeichnen die Kirche als eigenstĂ€ndige synkretistische Neu-Religion. Ein Übertritt zum Mormonentum bedeute daher eine völlige Abkehr von der christlich-ökumenischen Kirchengemeinschaft. Ein Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage kann nicht als Taufpate zugelassen werden. Weiter ist die kirchliche Trauung eines Mormonen nicht möglich. Ebenso ist die gastweise Zulassung zum evangelischen Abendmahl Mormonen nicht möglich. Mit Ausnahme der Verweigerung des Zugangs zu genealogischen Daten werden die geschilderten Maßnahmen der evangelischen Kirche von Mormonen akzeptiert, ja fĂŒr folgerichtig und selbstverstĂ€ndlich gehalten.

Viele internationale Hilfsorganisationen loben die Zusammenarbeit mit der Kirche in humanitÀren Hilfsprojekten.

Kontroversen

Negativ wertende Stellungnahmen stammen meist von Weltanschauungsbeauftragten anderer Kirchen, von Wissenschaftlern sowie von ehemaligen Mitgliedern.

Zweifel werden vor allem gegenĂŒber der Person Joseph Smith und der AuthentizitĂ€t seiner Visionen geĂ€ußert. Smith soll keine Offenbarungen erhalten, sondern seine Werke mittels Phantasie und Adaption anderer Lehren erstellt haben. FĂŒr detaillierte Kritik siehe unter Buch Mormon, Lehre und BĂŒndnisse und Buch Abraham.

Scharfe Kritik wird von einigen konkurrierenden christlichen Gruppierungen geĂ€ußert, welche die Kirche als nicht christlich einstufen, da sie das nicĂ€ische Glaubensbekenntnis ablehne und ihre Lehre nicht nur aus der Bibel, sondern auch aus neuzeitlichen Offenbarungen ableite. Oftmals wird der Kirche negativ angelastet, dass es ihrer Lehre nach unter Gott, dem Vater, noch andere „niedrigere“ Götter gebe und dass der Mensch dereinst selbst göttlich werden und Welten schaffen könne. Weiterhin fĂŒhrt auch der Anspruch, die einzige Kirche zu sein, die wirklich von Jesus Christus gefĂŒhrt und anerkannt sei, zu starker Ablehnung.

Vor allem evangelikale und fundamentale Christen kritisieren ferner, dass Luzifer als Bruder von Jesus Christus bezeichnet wird und die Sintflut als eine Art Taufe der Erde verstanden wird. Die Aussage, dass zur Erlösung eigene Werke des Menschen nötig sind, wird in protestantischen Kreisen hĂ€ufig dahingehend missverstanden, die Kirche Jesu Christi lehne die aus Gnade erfolgte Erlösung durch das SĂŒhnopfer Jesu Christi ab, wohl vergleichbar mit dem VerstĂ€ndnis der römisch-katholischen Kirche. Ferner wird kritisiert, dass der örtlich zustĂ€ndige Bischof zu bestimmten AnlĂ€ssen Unterredungen mit Mitgliedern fĂŒhren soll, in denen sie unter anderem freiwillig Auskunft darĂŒber geben sollen, ob sie nach dem Gebot der Keuschheit leben.

Der KirchenfĂŒhrung wird gelegentlich vorgeworfen, mit der eigenen Geschichte oberflĂ€chlich und einseitig umzugehen. Dabei wird unterstellt, sie versuche negative Gesichtspunkte vor den „normalen Mitgliedern“ zu verbergen.

Kritisiert werden ferner ihr als autoritĂ€r betrachteter FĂŒhrungsstil, die Forderung der Abgabe des „Zehnten“ und manche geschĂ€ftlichen AktivitĂ€ten. Die Abgabe des Zehnten sei zwar freiwillig, jedoch mit Druck verbunden. So sei z. B. der fĂŒr die Kirchenmitglieder so wichtige Tempelbesuch nur möglich, wenn der Zehnte ehrlich gezahlt wird.

HÀufig werden Polygamie und Rassismus kritisch thematisiert. Kirchenvertreter halten dem entgegen, dass die Polygamie seit 1890 abgeschafft sei und seit 1978 jeder Mann unabhÀngig von seiner rassischen Herkunft das Priestertum erlangen könne. Eine Reihe von Frauenrechtlerinnen sehen aber die Lehre der Vielehe noch immer latent vorhanden und kritisieren die patriarchalische Struktur der Kirche und ihr dementsprechendes Frauenbild. Dem widersprechen jedoch eine Reihe prominenter Frauen innerhalb der Kirche.[12]

Der Vorwurf des Rassismus leitet sich auch aus der Lehre ab, wonach HebrĂ€er unter den StammvĂ€tern der heutigen Ureinwohner Amerikas seien, sowie dem Ausschluss von Mitgliedern schwarzafrikanischer Abstammung von der Priesterweihe in der Zeit von 1850 bis 1978. Kritiker fassen dies als ein kolonialistisches SelbstverstĂ€ndnis von einer Überlegenheit der weißen Rasse auf.

Kirche regional

In Deutschland

Als erste Deutsche wurden der ausgewanderte Jakob Zundel 1837 in Amerika und Alexander Nejbauer 1838 in England getauft.

Der Apostel Orson Hyde, der 1842 nach Regensburg kam, begann die MissionstĂ€tigkeit in Deutschland. Obwohl er nur zehn Monate bleiben konnte, versuchte er in dieser Zeit, die deutsche Sprache zu erlernen, um so mit seinen Predigten die Menschen in ihrer Muttersprache zu erreichen. Er fertigte eine deutsche Übersetzung eines Traktats an und unterrichtete spĂ€ter den PrĂ€sidenten der Kirche, Joseph Smith, in der deutschen Sprache.

Unter der Leitung des Missionars Johann Greenig entstand 1843 eine erste Gruppe von Mitgliedern in Darmstadt. (Zu dieser Zeit wurde in Nauvoo, Illinois, USA, eine deutsche Gemeinde gegrĂŒndet. Konrad Kleinmann gehörte zu den ersten deutschen Pionieren, die das Salzseetal erreichten.)

1852 wurde die erste deutsche Gemeinde in Hamburg mit zwölf Mitgliedern gegrĂŒndet. Im selben Jahr wurde in Hamburg auch die erste deutsche Übersetzung des Buches Mormon herausgegeben. Übersetzer waren John Taylor und George P. Dykes. Da die Mitglieder wegen ihrer Religionszugehörigkeit oft Probleme mit der Obrigkeit hatten und ins GefĂ€ngnis kamen, wanderten viele in die Vereinigten Staaten aus. 1854 wurde die Gemeinde Hamburg wieder aufgelöst.

1855 wurde in Dresden eine Gemeinde mit Karl G. MĂ€ser als PrĂ€sident gegrĂŒndet. Auch hier wanderten Mitglieder nach Utah aus, und die Gemeinde wurde 1857 wieder aufgelöst.

Karl G. MĂ€ser, der in der Zwischenzeit in den Vereinigten Staaten ein bekannter Lehrer geworden war und spĂ€ter MitbegrĂŒnder der Brigham Young University wurde, kam 1867 als Missionar nach Deutschland zurĂŒck und wirkte in der 1860 gegrĂŒndeten Gemeinde Karlsruhe. Über 600 Menschen wurden innerhalb von drei Jahren getauft. Viele von ihnen verließen Deutschland, um in Utah ihre Religion frei ausĂŒben zu können.

Das erste deutsche Gemeindehaus wurde 1929 in Selbongen (jetzt ZeƂwągi in Polen) gebaut. Heute gibt es ĂŒberall in den grĂ¶ĂŸeren deutschen StĂ€dten GemeindehĂ€user.

Heute leben in Deutschland 37.539 Mitglieder,[13] von denen nicht alle aktiv am Kirchenleben teilnehmen, d. h. sie besuchen nicht regelmĂ€ĂŸig die Versammlungen und AktivitĂ€ten der Kirche.

Es gibt zwei Tempel: in Friedrichsdorf im Taunus in Hessen (Frankfurt-Tempel) und in Freiberg in Sachsen (Freiberg-Tempel).

Es gibt 172 Gemeinden und Zweige in den PfĂ€hlen Berlin, Bremen, Dortmund, Dresden, DĂŒsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Heidelberg, Leipzig, MĂŒnchen, NeumĂŒnster, NĂŒrnberg, Stuttgart und den Distrikten Neubrandenburg, Erfurt und Oldenburg. Die Gemeinde Freiburg und die Zweige Offenburg, Schwenningen, Singen und Bad SĂ€ckingen gehören zum Pfahl ZĂŒrich in der Schweiz. Der Zweig Ravensburg gehört seit 6. Mai 2007 zum Pfahl St. Gallen.

Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage hat in den BundeslĂ€ndern Hessen und Berlin den Status einer Körperschaft des Öffentlichen Rechts; er wurde in beiden FĂ€llen 1954 gewĂ€hrt. In den ĂŒbrigen LĂ€ndern ist sie als privatrechtlich organisierter rechtsfĂ€higer Verein im Sinne des BGB eingetragen. Weiter soll die Kirche in diesen LĂ€ndern den Antrag zur Verleihung der Körperschaftsrechte gestellt haben, jedoch ist bisher nicht eindeutig geklĂ€rt, wann diese AntrĂ€ge gestellt wurden und wann in etwa mit einer Entscheidung der zustĂ€ndigen Behörden darĂŒber zu rechnen ist. Eine Meinung in der Staatskirchenrechtswissenschaft bezweifelt gar die Wirksamkeit des Körperschaftsstatus im Bundesland Berlin, da im Jahre 1954 entgegen den Bestimmungen der Berliner Landesverfassung Formerfordernisse im Verleihungsverfahren nicht eingehalten wurden.[14]

In Österreich

1883 wurde Paul Haslinger, das erste Mitglied auf österreichischem Gebiet, in Lambach getauft. Die erste Gemeinde wurde in Haag am Hausruck 1901 gegrĂŒndet. Die Kirche wurde am 27. September 1955 in Österreich staatlich anerkannt. Die Anzahl der Mitglieder in Österreich betrĂ€gt 4.215.[15]

Im Jahr 2008 gab es in Österreich 17 Gemeinden und 2 PfĂ€hle:

Die Gemeinde in Dornbirn gehört seit dem 6. Mai 2007 zum neu gegrĂŒndeten Pfahl St. Gallen.

In der Schweiz

Es gibt 7.939 Mitglieder, die in 36 Gemeinden und Zweigen in den PfĂ€hlen Bern, Genf, Lausanne, St. Gallen und ZĂŒrich organisiert sind.[16] Die Gemeinde Lugano gehört zum Pfahl Mailand in Italien.

In Zollikofen befindet sich der erste Tempel in Europa (Bern-Tempel), welcher am 11. September 1955 geweiht wurde.

Literatur

vgl. auch die allgemeinen Darstellungen zum Mormonentum im gleichnamigen Hauptartikel.

  • Thomas G. Alexander: Mormonism in Transition. A history of the Latter-day Saints 1890–1930, Urbana, Ill. 1986.
  • James B. Allen / Glen M. Leonard: The Story of the Latter-day Saints, Salt Lake City, Utah 1976. (umfassende Darstellung)
  • Leonard J. Arrington / Davis Bitton: The Mormon Experience: A History of the Latterday Saints, New York 1979. (wissenschaftliche Darstellung, verfasst von Mormonen)
  • Christian Gellinek: Christus in Amerika, Mormonentum als christliche Religion, Agenda-Verlag, MĂŒnster 1999
  • RĂŒdiger Hauth: Die Mormonen. Sekte oder neue Kirche Jesu Christi? Ein Ratgeber, Herder Verlag, Freiburg 1995.[17]
  • Jon Krakauer: Mord im Auftrag Gottes, Piper Verlag, MĂŒnchen 2004, ISBN 3-492-24276-6
  • Robert Mullen: The Mormons, London 1967.
  • Armand L. Mauss: The Angel and the Beehive, The Mormon Struggle with Assimilation, Urbana, Ill./Chicago 1994. (behandelt Reaktionen auf Herausforderungen durch die moderne Kultur)
  • Albert Mössmer: Die Mormonen. Die Heiligen der Letzten Tage, Walter Verlag, Solothurn/DĂŒsseldorf 1995
  • Werner Thiede: Die „Heiligen der Letzten Tage“ – Christen jenseits der Christenheit. Eine systematisch-theologische Wahrnehmung der grĂ¶ĂŸten Mormonen-Kirche. EZW-Texte. Bd. 161. Evangelische Zentralstelle fĂŒr Weltanschauungsfragen, Berlin 2001.

Siehe auch

Portal
 Portal: Mormonen – Alles zum Thema Mormonentum

Weblinks

Quellenangaben

  1. ↑ 2009 Yearbook of American and Canadian Churches, National Council of Churches
  2. ↑ 2009 Yearbook of American and Canadian Churches, National Council of Churches
  3. ↑ Statistischer Bericht der Kirche fĂŒr das Jahr 2007
  4. ↑ Die Glaubensartikel der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage, Artikel 3
  5. ↑ George D. Watt: Journal of Discourses, Band 13, S. 225
  6. ↑ George D. Watt: Journal of Discourses, Band 8, S. 191
  7. ↑ George D. Watt: Journal of Discourses, Band 6, S. 167
  8. ↑ Die Köstliche Perle, S. 80 f, Übersetzung von 2003, Frankfurt am Main
  9. ↑ Statistischer Bericht der Kirche fĂŒr das Jahr 2007
  10. ↑ Proklamation fĂŒr die Familie
  11. ↑ Die Familie, eine Proklamation an die Welt(1995) ist eine knappe Darstellung der Haltung der Kirche bezĂŒglich SexualitĂ€t und Familie
  12. ↑ Siehe http://deutsch.fairlds.org/apol/ARadFem.html
  13. ↑ Statistische Landesinformation der Kirche fĂŒr Deutschland
  14. ↑ Held: Die kleinen öffentlich-rechtlichen Religionsgemeinschaften im Staatskirchenrecht der Bundesrepublik. MĂŒnchen 1974, S. 132, 149 f.
  15. ↑ Statistische LĂ€ndesinformation der Kirche fĂŒr Österreich
  16. ↑ Statistische Landesinformationen der Kirche fĂŒr die Schweiz
  17. ↑ Daniel C. Petereson: Entgegnung auf RĂŒdiger Hauths Buch „Die Mormonen. Sekte oder neue Kirche Jesu Christi?“ LDS Books Schubert und Roth OHG, Bad Reichenhall (auch im Internet: [1])

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen WörterbĂŒchern nach:

  • Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage — Der Salt Lake Tempel in Salt Lake City, Utah Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (The Church of Jesus Christ of Latter day Saints, auch: Mormonen) ist eine Glaubensgemeinschaft. In den USA gilt sie mit 1,7 % der Bevölkerung 
   Deutsch Wikipedia

  • Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage — Kirche Jesu ChriÌŁsti der Heiligen der letzten Tage,   Selbstbezeichnung der Mormonen 
   Universal-Lexikon

  • Kirche Jesu Christi (Bickertoniten) — Die Kirche Jesu Christi (Bickertoniten) ist eine mormonische Glaubensgemeinschaft mit Sitz in Monongahela im US Staat Pennsylvania.[1][2]. Manchmal wurde sie „Bickertonitenkirche (Bickertonite Church)“ oder „Rigdonitenorganisation (Rigdonite… 
   Deutsch Wikipedia

  • Kirche Jesu Christi der heiligen letzten Tage — Der Salt Lake Tempel in Salt Lake City, Utah Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (The Church of Jesus Christ of Latter day Saints) ist eine christliche Glaubensgemeinschaft. In den USA gilt sie mit knapp 2 % der Bevölkerung als… 
   Deutsch Wikipedia

  • Kirche Jesu Christi — Der Begriff Kirche Jesu Christi findet in vielen christlichen Kirchen und Religionsgemeinschaften Gebrauch. Mit dem Begriff wird die Selbstbetrachtung als (nicht einzig )wahre oder (nicht einzig )heilbringende Kirche klargemacht. Begriff in… 
   Deutsch Wikipedia

  • Kirche Jesu Christi (Cutleriten) — Die Kirche Jesu Christi (Cutleriten), Church of Jesus Christ (Cutlerite), ist eine mormonische Glaubensgemeinschaft, die sich 1853 in den USA unter der FĂŒhrung von Alpheus Cutler (1784 1864) von der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten… 
   Deutsch Wikipedia

  • Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Dresden) — KirchengebĂ€ude an der Tiergartenstraße Die Gemeinde Dresden ist ein Gemeindehaus der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage an der Tiergartenstraße 42 in Dresden. Das GebĂ€ude ist eines der wenigen Beispiele fĂŒr die historisierende… 
   Deutsch Wikipedia

  • Priestertum (Kirche Jesu Christi der heiligen der Letzten Tage) — Das Priestertum der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage beansprucht die Vollmacht, im Namen Gottes zu handeln. Die Theologie dieser Glaubensgemeinschaft fĂŒhrt diese Vollmacht ĂŒber ihren GrĂŒnder Joseph Smith direkt auf Johannes den… 
   Deutsch Wikipedia

  • Priestertum (Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage) — Das Priestertum der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage beansprucht die Vollmacht, im Namen Gottes zu handeln. Die Theologie dieser Glaubensgemeinschaft fĂŒhrt diese Vollmacht ĂŒber ihren GrĂŒnder Joseph Smith direkt auf Johannes den… 
   Deutsch Wikipedia

  • Fundamentalistische Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage — Die Fundamentalistische Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (FLDS) (Fundamentalist Church of Jesus Christ of Latter day Saints) ist eine separatistische Gruppe des mormonischen Fundamentalismus innerhalb der Bewegung der „Heiligen… 
   Deutsch Wikipedia


Share the article and excerpts

Direct link

 Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.