Klemens Wenzel Lothar von Metternich

ï»ż
Klemens Wenzel Lothar von Metternich
Clemens Wenzel von Metternich (GemÀlde von Thomas Lawrence ca. 1820-1825)

Klemens Wenzel (oder Clemens Wenceslaus) Lothar Graf (seit 1813 FĂŒrst) von Metternich-Winneburg zu Beilstein (* 15. Mai 1773 in Koblenz; † 11. Juni 1859 in Wien), Graf von Königswart, seit 1818 Herzog von Portella, war ein Staatsmann im Kaisertum Österreich. Im Jahr 1809 wurde er Außenminister. Seit 1813 stieg er zu einem der fĂŒhrenden StaatsmĂ€nner in Europa auf und spielte vor allem auf dem Wiener Kongress eine fĂŒhrende Rolle bei der politischen und territorialen Neuordnung Europas im Sinne eines Gleichgewichts der MĂ€chte. Als politischer Ausgestalter der Heiligen Allianz stand Metternich als fĂŒhrender Politiker der Restaurationszeit fĂŒr das monarchische Prinzip und bekĂ€mpfte die nationalen und liberalen Bewegungen.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Herkunft und Jugend

Klemens Metternich stammte aus dem alten Adelsgeschlecht Metternich. Er stammte aus der Linie Winneburg und Beilstein. Einer der Stammsitze der weit verzweigten Familiendynastie ist die Winneburg bei Cochem an der Mosel. Die Ruine wurde 1832 von ihm (in Gedenken an seine Familiengeschichte) erworben, aber nicht wieder aufgebaut und niemals von ihm bewohnt. Der Vater war Franz Georg Karl Graf Metternich-Winneburg-Beilstein (1746–1818). Die Mutter war Maria Beatrix Aloisia (geb. GrĂ€fin Kageneck). Der Vater war zunĂ€chst Diplomat der KurfĂŒrsten von Trier. Im Jahre 1791 wurde er Minister der österreichischen Niederlande.

Metternich wurde 1773 im Haus Metternich in Koblenz geboren. Er hatte zwei Geschwister, die etwas Ă€ltere Schwester Pauline und den jĂŒngeren Bruder Joseph. Ein weiterer Bruder, Ludwig, starb, bevor er ein Jahr alt war.[1] Kirche und Religion haben in seiner frĂŒhen Erziehung eine geringere Rolle gespielt als der aufklĂ€rerische Zeitgeist und der Rationalismus. FrĂŒh wurde er vertraut mit Voltaire und den französischen EnzyklopĂ€disten.[2]

Das Haus Metternich in Koblenz

Seit dem Alter von dreizehn Jahren wurden die BrĂŒder von zwei Hofmeistern unterrichtet. Mit diesen gingen beide 1788 nach Straßburg, um an der dortigen UniversitĂ€t ein Studium der Staatswissenschaften aufzunehmen. GeprĂ€gt wurde Metternich dabei von dem Professor Christoph Wilhelm von Koch. Dieser hat neben Metternich zahlreiche weitere spĂ€tere Diplomaten wie Charles-Maurice de Talleyrand-PĂ©rigord, Benjamin Constant oder Maximilian von Montgelas ausgebildet. In Straßburg wurde er auch Mitglied im Gefolge des Prinzen und spĂ€teren bayerischen Königs Maximilian von ZweibrĂŒcken.[2]

Metternich kam 1790 an den Hof des Mainzer KurfĂŒrsten. Im selben Jahr beteiligte er sich gemeinsam mit seinem Vater als Zeremonienmeister des katholischen Teils des niederrheinisch-westfĂ€lischen Reichsgrafenkollegiums an den Feiern zur Krönung Leopolds II. in Frankfurt am Main.

An der UniversitĂ€t Mainz setzte er sein Studium der Rechts- und Staatswissenschaften bis 1794 fort. Die Vorlesungen des Professors Andreas Joseph Hofmann lehnte Metternich wegen dessen revolutionsfreundlichen Ansichten ab. Beeindruckt wurde er dagegen von dem Historiker Nikolaus Vogt, der im Sinne der entstehenden Romantik die große Bedeutung alles geschichtlich Gewordenen betonte. Vogt trat fĂŒr eine christlich geprĂ€gte, europĂ€ische res publica ein, in der Deutschland die zentrale Rolle spielen sollte. FĂŒr den Bestand dieses Vielvölkergebildes war das Streben nach dem Gleichgewicht der KrĂ€fte ausschlaggebend. Metternich war davon tief beeindruckt und holte Vogt spĂ€ter zeitweise nach Wien. Neben der UniversitĂ€t haben ihn auch die am Mainzer Hof anwesenden Emigranten im Sinne des Ancien Regimes geprĂ€gt. Dort baute er auch seine gesellschaftlichen FĂ€higkeiten aus.[3]

Im Jahre 1792 war Metternich bei der Krönung Franz II. zum Kaiser erneut Zeremonienmeister. Vor dem Vordringen der Revolutionstruppen verließ Metternich Mainz und begab sich zunĂ€chst nach BrĂŒssel zu seinem Vater. Im selben Jahr nahm er als Beobachter am Feldzug nach Frankreich teil.

Vermittelt durch seinen Vater begleitete er ohne diplomatische Funktion eine Gesandtschaft nach London. Dort freundete er sich unter anderem mit dem Prinzen von Wales, dem spĂ€teren König Georg IV. an. Auch mit fĂŒhrenden Politikern und mit dem konservativen Vordenker Edmund Burke trat er in Kontakt. Nach der Niederlage [wessen gegen wen???] verfasste er 1793 und 1794 zwei Flugschriften. In der zweiten forderte er die Volksbewaffnung in der NĂ€he der französischen Grenze. Dabei dachte er aber nicht an eine allgemeine Mobilisierung nach Art der LevĂ©e en masse, sondern aus Angst vor revolutionĂ€ren Tendenzen in den Unterschichten trat er fĂŒr die Bewaffnung der besitzenden Bauern und BĂŒrger ein.

Ein tiefer Einschnitt fĂŒr die Familie Metternich war das Jahr 1794. Mit dem Vormarsch der französischen Revolutionstruppen musste der Vater nicht nur BrĂŒssel verlassen, sondern die Familie verlor ihren gesamten rheinischen Besitz. Übrig blieb lediglich das Schloss Königswart in Böhmen. Erst 1803 wurde der Familie zum Ersatz das Gebiet der Reichsabtei Ochsenhausen ĂŒberlassen. Metternich stieß von London aus im Jahre 1794 zu seiner Familie nach Wien. Dort beschĂ€ftigte er sich vorwiegend mit Naturwissenschaften und der Medizin. Beiden FĂ€chern blieb er zeitlebens verbunden und förderte sie.[4] So behielt sich Metternich die Oberleitung der österreichischen Brasilien-Expedition von 1817 bis 1835 vor und finanzierte diese anfangs auch.

Diplomat in Dresden und Berlin

Friedrich von Gentz war ein langjÀhriger enger Berater und Freund Metternichs

Als Gesandter der westfĂ€lischen Grafenbank nahm er zwischen 1797 und 1799 am Rastatter Kongress teil. Sein Vater war dort Leiter der Gesandtschaft des Reiches. Die dort gesammelten Erfahrungen haben Metternichs Weltbild weiter ausgeprĂ€gt. Er war davon ĂŒberzeugt, dass die Deutschen keine Anlagen zur nationalen Einheit hĂ€tten. Seine Perspektive war europĂ€isch und antirevolutionĂ€r. Das zentrale Ziel war das durch die französische Expansion zerstörte Gleichgewicht der MĂ€chte wieder herzustellen.[5]

Den eigentlichen Beginn von Metternichs politischer Karriere verdankte er vor allem der Protektion von Eleonore von Liechtenstein, einer Verwandten seiner ersten Frau Marie-Eleonore von Kaunitz-Rietberg. Ohne daß er sich zuvor in untergeordneten Positionen bewĂ€hrt hatte, wurden ihm 1801 - dem AchtundzwanzigjĂ€hrigen - mehrere Posten angeboten. Metternich entschied sich fĂŒr die Stelle eines Gesandten in Dresden. Neben den nicht sehr anspruchsvollen Aufgaben hatte Metternich Zeit fĂŒr eine AffĂ€re mit Catharina Petrowka. Aus der Beziehung ging eine Tochter, Clementine, hervor. Daneben kam er in dieser Zeit auch in Kontakt mit den eher konservativen Theoretikern Adam MĂŒller von Nitterdorf und Friedrich Gentz. In dieser Zeit schrieb Metternich eine Denkschrift mit dem Titel „Instruktionsentwurf fĂŒr den Gesandten in Dresden“ nieder. Darin legte er erstmals die Idee dar, dass nur ein starkes Österreich das europĂ€ische Gleichgewicht garantieren könne.[4]

Im Jahre 1803 wechselte er nach Berlin. Zwar wurde er von Friedrich Wilhelm III. und Königin Louise freundlich aufgenommen, aber hier waren die Aufgaben schwieriger. Der Versuch Metternichs, Preußen an Österreich und an eine antinapoleonische Koalition zu binden, scheiterte zunĂ€chst an der NeutralitĂ€tspolitik der Regierung. Zu den ReformkrĂ€ften um Hardenberg und Stein fand Metternich nur wenig Zugang. Im Jahre 1805 gelang es Metternich, eine Art BĂŒndnisvertrag mit Preußen auszuhandeln, doch durch die Niederlage Österreichs und Russlands in der Schlacht bei Austerlitz war der Vertrag wertlos geworden. Seine EinschĂ€tzung der politischen ZustĂ€nde Preußens war ausgesprochen negativ, und er sagte dem System einen baldigen Untergang voraus. In Berlin hörte Metternich auch Vorlesungen von Johann Gottlieb Fichte und August Wilhelm Schlegel, die ihn beeindruckten.[4]

Botschafter in Paris

Nach dem Pressburger Frieden 1805 hatte Metternich erneut mehrere Optionen. Sowohl Alexander I. von Russland wie auch Napoleon wĂŒnschten ihn als Gesandten Österreichs. Metternich entschied sich fĂŒr Frankreich, da dieser Posten fĂŒr ihn wichtiger war. Dazu schrieb er spĂ€ter: „Napoleon erschien mir als die Fleisch gewordene Revolution, wĂ€hrend ich in der Macht, die ich bei ihm zu vertreten hatte, die sicherste HĂŒterin der Grundlagen erblickte, welche allein die allgemeine Ruhe und das politische Gleichgewicht verbĂŒrgen.“[6]

Caroline Bonaparte mit ihrer Tochter Laetitia (GemĂ€lde von Élisabeth VigĂ©e-Lebrun von 1807)

Der offizielle Amtsantritt verzögerte sich aus verschiedenen GrĂŒnden. Als Metternich 1806 in Paris ankam, hatte Franz II. die Krone des Heiligen Römischen Reiches niedergelegt, und Napoleon hatte den Rheinbund gegrĂŒndet. Weil Metternich erkannte, dass nach dem Frieden von Pressburg Napoleon ĂŒbermĂ€chtig war, sah er es nunmehr als seine Aufgabe an, die Beziehungen zwischen Österreich und Frankreich zu entspannen. Dabei kam ihm die Tatsache zur Hilfe, dass sich der Kaiser nunmehr gegen Preußen und Russland wenden wĂŒrde. Um Österreich nicht auch in Gefahr zu bringen, plĂ€dierte er fĂŒr eine Politik der Anpassung und des Abwartens.

Wie schon in Dresden und Berlin glĂ€nzte Metternich, in Paris „le beau Clement“ genannt, als Grandseigneur auch auf dem gesellschaftlichen Parkett. Einige Autoren wie Karl Otmar von Aretin beschreiben ihn in dieser Zeit wenig freundlich als „zĂŒgellosen Lebemann.“[7] Mit Caroline, der Schwester Napoleons und Gattin von Joachim Murat, hatte er eine Jahre anhaltende AffĂ€re. Auch mit der Frau von Andoche Junot und mit zahlreichen weiteren Damen hatte er zu dieser Zeit Beziehungen. Dabei nutzte er diese als Gelegenheit, um Informationen zu bekommen.

Nach außen hin der Lebemann, begann er sich in seiner Pariser Zeit zu einem ernsthaften konservativen Politiker zu entwickeln. Er knĂŒpfte nicht nur enge Beziehungen zu wichtigen französischen Politikern, die ihm in der Zukunft gelegen kommen sollten, wie zu Joseph FouchĂ© und Charles-Maurice de Talleyrand-PĂ©rigord, sondern lernte auch die politische Bedeutung der Presse kennen. Er schrieb in einem Brief: „Die öffentliche Meinung ist, wie die Religion, das stĂ€rkste Machtmittel, das selbst in den verborgensten Winkel dringt, wo Regierungsanweisungen jeden Einfluss verlieren.“[8]

Außerdem lernte er in dieser Zeit den Charakter Napoleons kennen. Allerdings schĂ€tzte er die politische Lage, beeinflusst durch seine Beziehungen zu Oppositionskreisen des alten Adels, falsch ein. Auch die Bedeutung des spanischen Aufstandes fĂŒr das System wurde von Metternich ĂŒberschĂ€tzt. Er sprach sich fĂŒr militĂ€rische Aktionen Österreichs gegen Frankreich aus, da Napoleon im spanischen Krieg gebunden, die Bevölkerung kriegsmĂŒde und Napoleon selbst in der eigenen Familie isoliert sei. Damit lieferte er der Kriegspartei um Johann Philipp von Stadion Argumente fĂŒr eine KriegserklĂ€rung. Damit war Metternich im Hintergrund maßgeblich am Ausbruch des Krieges von 1809 beteiligt. Als der Krieg ausbrach, kehrte Metternich nach Wien zurĂŒck. In dieser Zeit schien er sich zeitweise den neueren nationalen Ideen angenĂ€hert zu haben, hat er doch fĂŒr einen Volkskrieg Ă€hnlich wie in Spanien plĂ€diert. Nachdem sich die Niederlage abzuzeichnen begann, hat sich Metternich rasch fĂŒr ein Kriegsende ausgesprochen.[9]

Außenminister in Wien

Franz I. mit den Insignien des Kaisertums Österreich, von Friedrich Amerling gemalt, 1832

Nach der Niederlage Österreichs ĂŒbernahm Metternich am 8. Oktober 1809 das Außenministerium. Franz I. hatte Metternich völlig vertraut, weil er glaubte, dieser hĂ€tte eine mögliche Zerschlagung des österreichischen Reiches durch Napoleon verhindert. Aus taktischen GrĂŒnden trat Metternich nun erneut fĂŒr eine AnnĂ€herung an Frankreich ein. Er schrieb dazu noch vor Abschluss des Friedensvertrages: „Welches immer die Bedingungen des Friedens sein werden, das Resultat wird immer darauf hinauslaufen, dass wir unsere Sicherheit nur in unserer Anschmiegung an das triumphierende französische System suchen können. (...) Wir mĂŒssen also vom Tage des Friedens an unser System auf ausschließliches Lavieren, auf Ausweichen, auf Schmeicheln beschrĂ€nken. So allein fristen wir unsere Existenz vielleicht bis zum Tage der allgemeinen Erlösung. Uns bleibt demnach nur ein Ausweg: Unsere Kraft auf bessere Zeiten aufzuheben, an unserer Erhaltung durch sanftere Mittel – ohne RĂŒckblick auf unseren bisherigen Gang – zu arbeiten.“[10]

In diesem Sinne handelte Metternich, als Napoleon Interesse an der Heirat mit einer österreichischen Kaisertochter zeigte. UnterstĂŒtzt von seiner Frau, die in Paris zurĂŒckgeblieben war, war Metternich einer der Hauptbeteiligten bei der Verheiratung Marie-Louises mit Napoleon. Er war es, der den Widerstand der Prinzessin gegen eine solche Verbindung brach. Allerdings fĂŒhrte dies nicht zu wirklichen Erleichterungen etwa bei der österreichischen Kriegsschuld.

Obwohl Metternich nach seiner RĂŒckkehr auf Widerstand sowohl in der Öffentlichkeit wie auch in der Hofgesellschaft stieß, konnte er sich als Minister behaupten. Seine Politik grĂŒndete er, wie seine Denkschriften zwischen 1810 und 1812 zeigen, auf der Überzeugung, dass Napoleons Herrschaft ein vorĂŒbergehendes PhĂ€nomen sei, das letztlich an den eigenen WidersprĂŒchen scheitern mĂŒsse. Die österreichische Politik mĂŒsse abwarten, da der Zeitpunkt des Zusammenbruchs nicht vorauszusagen sei. Solange es nicht soweit war, war es Metternichs Ziel, soviel wie möglich politischen Spielraum gegenĂŒber Napoleon zu bewahren. Ein diplomatischer Erfolg war dabei der BĂŒndnisvertrag vom 14. MĂ€rz 1812. WĂ€hrend Friedrich Wilhelm III. von Preußen einen ungleichen Vertrag eingehen musste, schaffte es Metternich, dass Franz I. im BĂŒndnisvertrag Napoleon gleichgestellt war. Es war gelungen, dass sich Österreich weder dem Rheinbund anschließen musste noch direkt in das napoleonische Staatensystem einbezogen wurde. Vielmehr war Österreich in dieser Zeit vor möglichen Angriffen Napoleons sicher, und Metternich konnte sich alle Handlungsoptionen offenhalten.

Innenpolitisch plĂ€dierte Metternich noch 1811 fĂŒr einen föderalen Aufbau der Habsburgermonarchie. Damit stieß er bei Franz I. auf Widerstand und gab die PlĂ€ne auf. In dieser Zeit verstĂ€rkten sich bei Metternich auch seine Vorbehalte gegen alle Volksbewegungen, die er als Bedrohung fĂŒr den Bestand des österreichischen Vielvölkerstaates ansah. Angelehnt an Gentz vertrat er seither die Idee des europĂ€ischen Gleichgewichts als höchste Maxime der Staatsraison.[7]

Zu Beginn des Russlandkrieges war Metternich noch ĂŒberzeugt, dass Russland verlieren wĂŒrde. Durch den Krieg, meinte er, wĂŒrden beide Seiten geschwĂ€cht, was die Position Österreichs automatisch stĂ€rken wĂŒrde. Einer Beteiligung Österreichs am Krieg konnte sich Metternich nicht völlig entziehen; es gelang ihm aber, dass die österreichischen Truppen als einheitlicher Verband operieren konnten. Diese Truppen unter Karl Philipp zu Schwarzenberg schlossen am 30. JĂ€nner 1813 einen unbefristeten Waffenstillstand mit den Russen.

Aufstieg zum fĂŒhrenden Staatsmann Europas

Nach Napoleons Niederlage in Russland hatte Metternich im FrĂŒhjahr 1813 eine politische SchlĂŒsselfunktion inne. Preußen und Russland hatten zwar im Vertrag von Kalisch ein BĂŒndnis geschlossen, eine Entscheidung fĂŒr eine WeiterfĂŒhrung des Krieges war aber noch nicht getroffen. Die Entscheidung hing dabei von der Rolle Österreichs ab. Da Metternich nach wie vor auch keine russische Übermacht wollte, zögerte er die Entscheidung fĂŒr oder gegen die Koalition lange hinaus. Dabei spielten verschiedene GrĂŒnde eine Rolle. ZunĂ€chst wollte er die österreichischen RĂŒstungen abschließen, außerdem wollte er den Krieg von Österreich fernhalten und zögerte auch, den Vertrag mit Frankreich zu brechen. Einen unter Beteiligung höchster Kreise in Wien geplanten Volksaufstand in den AlpenlĂ€ndern von Tirol bis in die Schweiz ließ Metternich niederschlagen und die Initiatoren verhaften, da dies seine Kabinettspolitik gestört hĂ€tte.

Ein weiterer Hauptgrund fĂŒr die zögernde Haltung Metternichs war, dass er vermeiden wollte, dass Österreich nur einfach Teil der Koalition wurde. Er wollte vielmehr den Charakter des Krieges bestimmen. Um die nationale Begeisterung wĂ€hrend der Befreiungskriege zu begrenzen, war Metternich bestrebt, den Feldzug in einen dynastischen Krieg zu verwandeln. Es ging ihm um die Wiederherstellung des europĂ€ischen Gleichgewichts und der legitimen Ordnung. Machtpolitisch ging es Metternich darum, eine mögliche Hegemonie Russlands zu verhindern. Daher wollte er Preußen so weit stĂ€rken, dass es nicht vom östlichen Nachbarn abhĂ€ngig wurde, und Frankreich musste aus diesem Grund als europĂ€ische Großmacht erhalten bleiben. Außerdem galt es zu verhindern, dass aus Deutschland und Italien Nationalstaaten wĂŒrden, hĂ€tte dies doch die StabilitĂ€t des österreichischen Vielvölkerstaates gefĂ€hrdet.

WÀhrend des Krieges von 1813 setzte sich Metternich mit seinen NeuordnungsplÀnen gegen Karl Freiherr vom Stein durch (GemÀlde von Johann Christoph Rincklage)

Ohne zunĂ€chst Ă€ußerlich die Seiten zu wechseln, löste Metternich Österreich von Frankreich und ging ĂŒber die Zwischenstufen der NeutralitĂ€t und Vermittlung zur antinapoleonischen Koalition ĂŒber. Am 4. Juni 1813 vermittelte er den Waffenstillstand von PlĂ€switz. Ihm gelang es, die Koalition zur Annahme seiner Kriegsziele zu bringen. Im Vertrag von Reichenbach vom 17. Juni 1813 sagte er den Beitritt zur Koalition zu, wenn Napoleon nicht auf die von Metternich ausgearbeiteten Friedensbedingungen eingehen wĂŒrde. Ein Versuch am 26. Juni 1813 in Dresden, in einem GesprĂ€ch mit Napoleon diesen zu ZugestĂ€ndnissen in Polen, Preußen, Norddeutschland und Illyrien zu bewegen, scheiterte. Österreich trat daher am 11. August 1813 in den Krieg ein, und im BĂŒndnisvertrag von Teplitz vom 9. September wurde, ganz den Zielen Metternichs entsprechend, als Kriegsziel die Wiederherstellung des europĂ€ischen Gleichgewichts festgelegt. Metternich war es gelungen, Österreich zum Zentrum der Koalition und sich selbst zum ausschlaggebenden Politiker zu machen.[11]

Seine Position war so stark, dass er eigenmĂ€chtig den Waffenstillstand von PlĂ€switz vom 10. Juli verlĂ€ngern konnte. Metternich arrangierte außerdem die letztlich ergebnislose Friedenskonferenz in Prag. Nach dem Ablauf eines letzten Ultimatums ging der Krieg nunmehr mit UnterstĂŒtzung Österreichs weiter. Durch sein Taktieren gelang es ihm, dass der österreichische General Karl Philipp zu Schwarzenberg Oberkommandierender der Koalitionstruppen wurde. Unmittelbar nach der Völkerschlacht bei Leipzig erhob Franz I. im Schloss zu Rötha[12] Metternich zum FĂŒrsten.

In der Folge sorgte seine Diplomatie im Hintergrund maßgeblich dafĂŒr, dass die Rheinbundstaaten von Napoleon abfielen. FĂŒr die politische Struktur Deutschlands im 19. Jahrhundert von zentraler Bedeutung war dabei der Vertrag von Ried vom 8. Oktober 1813 zwischen dem Kaisertum Österreich und dem Königreich Bayern. FĂŒr den Anschluss an die Alliierten garantierte Österreich den Bestand und die SouverĂ€nitĂ€t Bayerns. Damit wurden die von Napoleon geschaffenen Staaten in SĂŒddeutschland anerkannt. Der Vertrag von Ried war daher eine wichtige Voraussetzung fĂŒr die Entstehung des Deutschen Bundes. Gleichzeitig wollte Metternich durch den Vertrag Bayern stĂ€rker an Österreich binden. Es folgten Ă€hnliche VertrĂ€ge mit den ĂŒbrigen Rheinbundstaaten. Damit verhinderte Metternich die vom Freiherren vom Stein geforderte Zerschlagung der Rheinbundstaaten. Das von Stein geleitete Zentralverwaltungsdepartement konnte damit nicht zur Basis einer neuen deutschen Staatlichkeit werden.[13]

Nach der VerdrĂ€ngung Napoleons aus Deutschland wurde ĂŒber das weitere Vorgehen in der Koalition gestritten. Metternich plĂ€dierte im Interesse des politischen Gleichgewichts, den Rhein nicht zu ĂŒberschreiten, die „Falken“ um Stein und die Mehrheit des preußischen MilitĂ€rs, aber auch die nationale Publizistik etwa von Ernst Moritz Arndt verlangte den Marsch auf Paris. Gebhard Leberecht von BlĂŒcher urteilte: „Der Metternich, der Millionenhund, der Schuft, welcher gehenkt zu werden verdient, hat euch alle an der Leine und Leitseil, Schwerenot!“[14] Nachdem ein erneuter Versuch Metternichs, Napoleon zum Einlenken zu bewegen, gescheitert war, ĂŒberschritten die Truppen den Rhein. Auch weiterhin gab es Konflikte in der Koalition, ĂŒber das militĂ€rische Vorgehen aber auch ĂŒber die zukĂŒnftige Ordnung in Frankreich. WĂ€hrend Metternich zunĂ€chst dafĂŒr plĂ€dierte, Napoleon im Amt zu lassen, schlug Alexander I. den schwedischen Kronprinzen Bernadotte vor. Schließlich einigte man sich auf die bourbonische Restauration unter Ludwig XVIII. Zeitweise drohte die Koalition auseinander zu brechen; nur mit MĂŒhe gelang es Metternich und dem britischen Außenminister Castlereagh, die Spannungen zu ĂŒberbrĂŒcken. Zwar marschierten die Alliierten Ende MĂ€rz 1814 in Paris ein, aber, genau wie von Metternich gewĂŒnscht, war der erste Pariser Friede vom 30. Mai 1814 fĂŒr Frankreich milde und beschĂ€digte nicht dessen Position als europĂ€ische Großmacht.[15]

Wiener Kongress

Delegierte des Wiener Kongresses in einem zeitgenössischen Kupferstich (koloriert) von Jean Godefroy nach dem GemÀlde von Jean-Baptiste Isabey

Metternich war die dominierende Person auf dem Wiener Kongress zur Neuordnung Europas. Machtpolitisch hatte fĂŒr ihn das Gleichgewicht der KrĂ€fte eine zentrale Bedeutung. Zusammen mit dem britischen Außenminister Castlereagh wandte er sich gegen eine entscheidende SchwĂ€chung Frankreichs, da er dieses Land als Gegengewicht zu Russland ansah. TatsĂ€chlich wurden Talleyrand als Vertreter Frankreichs und der MarquĂ©s de Labrador als Vertreter Spaniens im November 1814 neben den Gesandten Österreichs, Russlands, Preußen und Großbritannien in den entscheidenden Ausschuss aufgenommen. Damit war Frankreich nicht Feind, sondern Partner.

Letztlich sollte Österreich zur entscheidenden Macht auf dem Kontinent werden. Metternichs Ziel war die Bildung eines deutschen und eines italienischen Staatenbundes, in deren Rahmen jeweils Österreich die FĂŒhrungsmacht werden sollte. Seinen anfĂ€nglichen Plan, in Deutschland ein erbliches Kaisertum zu installieren, gab er bald wieder auf, da dies die österreichisch-preußischen Spannungen verstĂ€rkt hĂ€tte. Einen von Karl Freiherr vom Stein und Wilhelm von Humboldt ausgearbeiteten Verfassungsentwurf fĂŒr Deutschland strich er massiv zusammen, weil er meinte, der geplante Bund benötige zunĂ€chst einen Rahmen, den man spĂ€ter weiter ausbauen könne. Um die Debatte um die Zukunft Deutschlands zu beschleunigen, berief Metternich einen deutschen Ausschuss aus Vertretern der grĂ¶ĂŸeren deutschen Staaten ein. Die Einigung schien nahe, als Metternich die Beratungen am 18. November 1814 zunĂ€chst aussetzte.[16]

Der Grund waren tiefgreifende Konflikte zwischen den GroßmĂ€chten. Um die Position Österreichs insbesondere gegenĂŒber Russland und dem mit diesem verbĂŒndeten Preußen zu sichern, widersetzte sich Metternich dem russischen Wunsch nach der Herrschaft ĂŒber Polen und dem preußischen Ziel einer Übernahme Sachsens. Dies fĂŒhrte am 24. Oktober 1814 zu einer heftigen Auseinandersetzung mit Alexander I. In der Folge drohte die Allianz auseinander zu brechen. Daraufhin kam es zu einem geheimen BĂŒndnis zwischen Österreich, Frankreich und Großbritannien. Bei der Überwindung der Krise spielte der britische Außenminister Castlereagh eine wichtige Rolle. Schließlich einigte sich der Kongress auf einen Kompromiss durch die Schaffung von Kongresspolen, die Teilung Sachsens und die Westverlagerung Preußens.

Die Nachricht von der RĂŒckkehr Napoleons verschaffte Metternich wieder mehr Spielraum zur Durchsetzung seiner im Interesse Österreichs liegenden Ordnungsvorstellungen. Zwar verzichtete Österreich auf die ehemals niederlĂ€ndischen Besitzungen, dafĂŒr setzte sich Metternich aber hinsichtlich der Neuordnung in Deutschland, wenn auch unter Verzicht auf ein erbliches Kaisertum, durch. Unter Beibehaltung der sĂŒddeutschen Rheinbundstaaten entstand mit dem Deutschen Bund ein Staatenbund, in dem Österreich als PrĂ€sidialmacht die ausschlaggebende Rolle spielte. Andere Vorstellungen, wie die Rekonstruktion des alten Reiches oder die Schaffung eines deutschen Nationalstaates, hat nicht zuletzt Metternich verhindert. Auch die Deutsche Bundesakte entsprach dem Wunsch Metternichs, nur einen groben Rahmen festzulegen, der spĂ€ter in Verhandlungen weiter prĂ€zisiert werden konnte.

Der Versuch, einen italienischen Staatenbund zu schaffen, scheiterte jedoch. Dennoch wurde mit der Schaffung des mit dem österreichischen Kaiser in Personalunion verbundenen Königreiches Lombardo-Venetien und der Vergabe weiterer italienischer Staaten an Mitglieder des Kaiserhauses die österreichische Vorherrschaft gesichert.

Nach der endgĂŒltigen Niederlage Napoleons und dem zweiten Pariser Frieden vom 20. November 1815 fĂŒhrte die gemeinsame Politik von Metternich und Castlereagh dazu, dass die vier großen verbĂŒndeten MĂ€chte Russland, Preußen, Österreich und Großbritannien ihr BĂŒndnis (Quadrupelallianz) erneuerten. Dieses sah vor, zukĂŒnftig regelmĂ€ĂŸige Konferenzen abzuhalten, um etwaige Konflikte auf dem Verhandlungswege beizulegen.

Zwar bedeuteten die Ergebnisse des Kongresses keine Wiederherstellung des vorrevolutionĂ€ren Zustands, gleichwohl war es Metternich gelungen, die nationalstaatlichen und liberalen Ideen zu Gunsten des monarchischen Prinzips vorerst zurĂŒckzudrĂ€ngen. Damit wurde er zum maßgeblichen Politiker der Restaurationszeit.

FĂŒrst von Metternich erhielt auf eigenes Betreiben die DomĂ€ne Schloss Johannisberg nach dem Wiener Kongress 1816 aus den HĂ€nden von Kaiser Franz I. zum Geschenk. Dort verbrachte er im Sommer hĂ€ufig mehrere Wochen.

FĂŒrst Metternich, um 1835/40. PortrĂ€t eines unbekannten Meisters (Heeresgeschichtliches Museum, Wien)

WĂŒrttembergischer Standesherr

Seit dem Tod seines Vaters im Jahre 1818 war Metternich mediatisierter FĂŒrst von Ochsenhausen und als solcher virilstimmberechtigtes Mitglied in den wĂŒrttembergischen StĂ€ndeversammlungen des Jahres 1819, an deren Ende die Annahme der Verfassung des Königreichs WĂŒrttemberg stand. Zu den Sitzungen in Stuttgart kam Metternich nicht persönlich, sondern ließ sich durch den Grafen Klemens von Salm-Reifferscheid-Krautheim vertreten. Von 1820 bis 1825 war Metternich Mitglied der Ersten Kammer der WĂŒrttembergischen LandstĂ€nde, blieb den dortigen Landtagen jedoch stets fern. 1825 verkaufte Metternich die Besitzungen der Standesherrschaft Ochsenhausen fĂŒr 1,2 Millionen Gulden an den wĂŒrttembergischen Staat und schied damit fĂŒr sich und seine Nachkommen aus der Kammer in Stuttgart aus.

Metternichsches System

Innenpolitik und Deutscher Bund

Wie schon 1811 hatte Metternich in Hinblick auf die innere Gestaltung Österreichs und der neu erworbenen Gebiete weniger Erfolg als in der Außenpolitik. Er plĂ€dierte fĂŒr ein AnknĂŒpfen an stĂ€ndische Strukturen und historische Landschaften, wie sie vor der Zeit des Absolutismus bestanden hatten. Damit, wie auch mit der EinfĂŒhrung einer nach Ressorts aufgeteilten Regierung, scheiterte er aber am strikten Widerstand von Franz I. Nur in Gebieten, die frĂŒher zum Rheinbund gehört oder der napoleonischen Herrschaft unterstanden hatten, gab es Ausnahmen. In Galizien, Lodomerien und Tirol wurden die alten landstĂ€ndischen Verfassungen wieder hergestellt. In Lombardo-Venetien kam es zur Schaffung eines Systems indirekt gewĂ€hlter „Kongregationen.“ In allen ĂŒbrigen Reichsteilen gab es keine stĂ€ndische Vertretung.

Dies widersprach der Bestimmung der Bundesakte, in der die EinfĂŒhrung von landstĂ€ndischen Verfassungen vorgesehen war. Metternich warb im deutschen Bund in den Jahren 1817/18 mit Verweis auf Tirol und Galizien fĂŒr die EinfĂŒhrung der alten landstĂ€ndischen Verfassungen als Ersatz moderner zentraler Parlamente. Wirkungsvoll unterstĂŒtzt wurde er dabei durch die Schrift seines Vertrauten Gentz „Über den Unterschied zwischen den landstĂ€ndischen und den ReprĂ€sentativverfassungen.“[17] In der Verfassungsfrage kam es dabei zu Absprachen mit dem preußischen Staatskanzler Karl August von Hardenberg. Der von beiden deutschen GroßmĂ€chten ausgehende Druck wurde von den Mittelstaaten als Angriff auf ihre SouverĂ€nitĂ€t interpretiert. Die Folge war, dass, angefangen mit Bayern und gefolgt von Baden, sich einige LĂ€nder eine an der französischen Charte Constitutionnelle von 1814 orientierte Verfassung gaben. Erst auf dem Troppauer Kongress Ende 1820 gelang es ihm, diese Tendenz zu stoppen. Die 1825 eingerichteten preußischen Provinziallandtage entsprachen dagegen seinen Vorstellungen.[18]

Die Ermordung von August von Kotzebue war fĂŒr Metternich ein willkommener Anlass zum Kampf gegen die Opposition

Der Kampf gegen alle Versuche, die bestehende politische und soziale Ordnung zu verĂ€ndern, wurde ein zentraler Punkt des sogenannten Metternichschen Systems. Mit polizeistaatlichen Mitteln wie der Zensur und Spitzelwesen wurde die vermeintliche und tatsĂ€chliche Opposition bekĂ€mpft. Dies beschrĂ€nkte sich nicht nur auf Österreich, sondern Metternich war bestrebt, dies auch auf den deutschen Bund auszudehnen. Die Ermordung des Dramatikers August von Kotzebue durch den Burschenschafter Karl Ludwig Sand war fĂŒr Metternich eine willkommene Gelegenheit, um gegen die nationale und liberale Bewegung vorzugehen. An seinen Vertrauten Gentz schrieb Metternich am 23. April 1819 zu den Maßnahmen gegen die Burschenschafter: „Ich habe mich wahrhaft liberaler Worte bedienen können, um dem Ultraliberalismus Schranken zu setzen und es gehört zu meinem GlĂŒcke – (...) –, dass ich das GebĂ€ude auf weimarschem Grund [gemeint ist ein Antrag des Herzogs von Weimar] und auf einem Beispiele, wie der vortreffliche Sand mir auf Unkosten des armen Kotzebue lieferte, ausschmĂŒcken kann.“[19] Insbesondere auf sein Betreiben hin wurden 1819 die Karlsbader BeschlĂŒsse erlassen und die Demagogenverfolgung eingeleitet. Die TĂ€tigkeit der Burschenschaften wurde verboten, die Freiheit von Presse und UniversitĂ€ten massiv eingeschrĂ€nkt und die Verfassungsdiskussion zunĂ€chst beendet. Nicht zuletzt auf Metternich ging auch die Einrichtung der in Mainz ansĂ€ssigen Zentraluntersuchungskommission als Mittel zum Kampf gegen die Opposition zurĂŒck.

Im Jahr 1820 war Metternich die dominierende Person bei der Wiener Ministerialkonferenz, auf der die Wiener Schlussakte als ErgĂ€nzung der Bundesakte beschlossen wurde. Dieses Dokument entsprach dabei im Kern den Intentionen Metternichs. Durchaus zum Erstaunen der sĂŒddeutschen Staaten wurden ihre Verfassungen anerkannt. BeschrĂ€nkt wurde der Handlungsspielraum des Bundestages, der seither stĂ€rker weisungsgebunden war. Wichtig im Sinne von Metternichs StabilitĂ€tspolitik war die Festschreibung des monarchischen Prinzips.[20]

Äußere Beziehungen

Zeitgenössische Karikatur des Kongresses von Verona (1822)

Metternich griff 1815 die Idee Alexanders I. von einer Heiligen Allianz auf. Im Entwurf des Zaren ging es noch um eine vage „VerbrĂŒderung der Völker.“ Der österreichische Kanzler formte diesen Text so um, dass die Allianz machtpolitisch wirksam zur Förderung der „SolidaritĂ€t der Monarchen“ eingesetzt werden konnte. Die Mitglieder verpflichteten sich auf Basis des Christentums zur Wahrung der LegitimitĂ€t und des monarchischen Prinzips. Die Heilige Allianz wurde zur Basis von Metternichs Außenpolitik und seiner Kongressdiplomatie. Auf dem Höhepunkt seines Einflusses bestimmte das „Metternichsche System“ die Politik von fast ganz Europa. Lediglich England und der Kirchenstaat blieben der Heiligen Allianz fern.

Insbesondere auf den Konferenzen von Aachen (1818), Troppau (1820), Laibach (1821) sowie Verona (1822) setzte Metternich seine Vorstellungen durch.

Bei der Konferenz von Troppau war es Metternich gelungen, den Zaren von dessen UnterstĂŒtzung konstitutioneller Verfassungen abzubringen. Er wurde von Metternich ĂŒberzeugt, dass die revolutionĂ€re Bewegung, die von der spanischen Revolution ausgegangen war und die italienische Halbinsel erreicht hatte, bekĂ€mpft werden mĂŒsse. Auf der Konferenz von Verona setzte Metternich durch, dass französische Truppen ab 1823 die Revolution in Spanien mit internationaler Zustimmung niederschlagen konnten. Der Beginn des Risorgimento in Italien wurde vom österreichischen MilitĂ€r unterdrĂŒckt. Gegen die nationale Bewegung auch im österreichischen Italien ließ Metternich mit aller HĂ€rte vorgehen. Das StaatsgefĂ€ngnis in der Festung Spielberg bei BrĂŒnn wurde zum Symbol dieser UnterdrĂŒckungspolitik.

Metternich stand in den frĂŒhen 1820er Jahren auf dem Höhepunkt seines Einflusses. Am 25. Mai 1821 wurde ihm die WĂŒrde des Haus-, Hof- und Staatskanzlers zuerkannt.

Erosion des außenpolitischen Systems Metternichs

Bereits in Troppau begann die Erosion des außenpolitischen Metternichschen Systems. Die dortigen BeschlĂŒsse wurden so von Großbritannien nicht mitgetragen. Nach dem Selbstmord von Castlereagh begann sich England aus dem BĂŒndnissystem zu lösen. Nach Verona zerbrach auch das österreichisch-britische BĂŒndnis. Großbritannien bekannte sich unter George Canning mit Blick auf die sĂŒdamerikanische UnabhĂ€ngigkeitsbewegung zum Selbstbestimmungsrecht der Völker. Damit war Metternich eine wichtige Basis fĂŒr seine dominierende Politik seit 1815 entzogen. In der Orientfrage, die mit der griechischen UnabhĂ€ngigkeitsbewegung seit 1821 auf die internationale Tagesordnung kam, musste sich Metternich immer stĂ€rker mit einer defensiven und passiven Rolle begnĂŒgen. Als 1825 Zar Alexander I. starb und auch Preußen sich immer öfter gegen Metternich stellte, schien er seinen europĂ€ischen Einfluss eingebĂŒĂŸt zu haben.

Eine neue Situation trat ein, als es 1830 in Frankreich zur Julirevolution und, von England unterstĂŒtzt, zur belgischen Revolution kam. Da er auf die VerĂ€nderungen in Frankreich selbst keinen Einfluss nehmen konnte, erkannte Metternich relativ rasch Louis Philipp als neuen König an. Bei der staatlichen Neuordnung, die im Zuge der belgischen Revolution notwendig wurde, spielte nicht mehr Metternich, sondern Palmerston die zentrale Rolle.

Auf internationaler Ebene nĂ€herten sich die konservativen MĂ€chte Preußen, Österreich und Russland erneut an. Im Jahr 1833 konnte zwar noch die Allianz von MĂŒnchengrĂ€tz zwischen Österreich, Preußen und Russland abgeschlossen werden, aber es war klar, dass spĂ€testens nach der Thronbesteigung von Zar Nikolaus I. die FĂŒhrungsrolle im Kreis dieser drei konservativen Staaten bei Russland lag. Dieses BĂŒndnis wurde zum letzten Mal 1846 bei der Niederschlagung des Krakauer Aufstandes wirksam. Insbesondere gegen die metternichsche Interventionspolitik schlossen sich England und Frankreich zur ersten Entente cordiale zusammen.

VormÀrz

Deutscher Bund

Metternich im Alter, von Hugo BĂŒrkner

Die revolutionĂ€ren Bewegungen wirkten sich auch im deutschen Bund und in Italien förderlich auf die nationale und liberale Bewegung aus. In Italien schlugen österreichische Truppen 1830 alle Revolten nieder. Offene Verfassungskonflikte gab es im Deutschen Bund etwa im Königreich Hannover und in Kurhessen. Innerhalb des deutschen Bundes fĂŒhrte dies nach dem Hambacher Fest insbesondere auf DrĂ€ngen Metternichs zu einer erneuten VerschĂ€rfung der politischen Repression. Im Deutschen Bund geschah dies durch die Frankfurter BeschlĂŒsse von 1832 und die Wiener Konferenzen von 1834. In Frankfurt wurde eine Zentraluntersuchungsbehörde und in Mainz ein ZentralinformationsbĂŒro mit einem Netz aus Spitzeln errichtet. Metternich selbst ließ sich die Berichte regelmĂ€ĂŸig vorlegen.

FĂŒr Metternich war der deutsche Bund fast ausschließlich ein Instrument zur politischen Repression. Andere Aufgaben, wie die in Artikel 19 der Bundesakte festgeschriebene Schaffung eines einheitlichen Wirtschaftsraums, wurden dagegen vernachlĂ€ssigt. Die Forderung etwa von Friedrich List nach einem Zollverein hat Metternich bekĂ€mpft, da sie von ihm als Teil der nationalen Bewegung angesehen wurde. Konsequenterweise beteiligte sich Österreich weder an den regionalen ZusammenschlĂŒssen noch am deutschen Zollverein.

Österreich

In der österreichischen Innenpolitik musste er vor allem seit 1826 seine Macht mit dem dirigierenden Staats- und Konferenzminister Franz Anton von Kolowrat-Liebsteinsky teilen. Dieser hatte erheblichen Einfluss auf den Kaiser. Metternichs Idee einer Staatsreform durch die Einrichtung eines in klar abgegrenzte Ressorts gegliederten Staatsministeriums und eigener Verantwortlichkeiten der Minister scheiterte an Kolowrat, der Àhnlich absolutistisch wie der Kaiser dachte.

Metternich als Verfechter des legitimistischen Prinzips setzte bei Franz I. den Erzherzog Ferdinand als Thronfolger durch, obwohl dieser als unfĂ€hig oder sogar geistesschwach galt. Als Franz 1835 starb, verlor Metternich die wichtigste Basis seiner Macht. In Vertretung des neuen Kaisers Ferdinand regierte seit 1836 eine Geheime Staatskonferenz Österreich. An ihre Spitze hatte der alte Kaiser testamentarisch nicht Metternich, sondern den Erzherzog Ludwig von Österreich-Toskana berufen. Metternich und Kolowrat gehörten neben Erzherzog Franz Karl von Österreich als weitere Mitglieder dem Gremium an, das bald als „Greisenregiment“ verspottet wurde.[21] Im Jahr 1836 versuchte Metternich noch einmal eine Staatsreform durchzusetzen, scheiterte damit aber erneut. In der Folge beschrĂ€nkte sich sein Einfluss ĂŒberwiegend auf die Außenpolitik.

Sturz

Flucht Metternichs (zeitgenössische Karikatur, MÀrz 1848)
Friedhofskirche St. Wenzel in Plasy, Grablege Metternichs
Seit etwa 1818 mit Metternich liiert: FĂŒrstin Dorothea von Lieven

Obwohl Metternich sich teilweise gegen bestimmte Maßnahmen des PolizeiprĂ€sidenten Sedlnitzky wandte, galt er in der Öffentlichkeit als die Verkörperung der antiliberalen und antinationalen KrĂ€fte. Dagegen wurde Kolowrat, der wĂ€hrend der Zeit des VormĂ€rz in wesentlich stĂ€rkerem Maße fĂŒr die politische Repression verantwortlich war, sogar als liberal angesehen.

Im Schweizer Sonderbundskrieg von 1847 trat Metternich fĂŒr eine UnterdrĂŒckung der protestantisch-liberalen Kantone ein. Der Sieg der liberalen KrĂ€fte bedeutete eine schwere Niederlage Metternichs.

Im Zuge der liberalen MĂ€rzrevolution in Österreich und den meisten anderen Staaten des Deutschen Bundes sowie weiterer europĂ€ischer FĂŒrstentĂŒmer gelang es der revolutionĂ€ren Bewegung in Wien, Metternich am 13. MĂ€rz 1848 zur Abdankung und zum Verlassen des Landes zu zwingen. Er floh nach London, kehrte aber 1851 nach Wien zurĂŒck. Bis zu seinem Tode beriet er die österreichische Regierung unter Kaiser Franz Joseph I.

Seine letzte RuhestÀtte befindet sich in Böhmen auf seinem Gut, dem ehemaligen Kloster Plass.

Privatleben

Ehen und Nachkommen

FĂŒrst Metternich war dreimal verheiratet:

  • (1795) GrĂ€fin Maria Eleonore von Kaunitz-Rietberg (1775-1825), Enkelin des Staatskanzlers Wenzel Anton FĂŒrst von Kaunitz-Rietberg. Sie hatten acht Kinder:
    • Prinzessin Maria Leopoldina von Metternich-Winneburg (1797-1820) ∞ Graf JĂłzsef EsterhĂĄzy de GalĂĄntha
    • Graf Franz Karl Johann Georg von Metternich-Winneburg (1798-1799)
    • Graf Clemens Eduard von Metternich-Winneburg (*/† 1799)
    • Erbprinz Viktor von Metternich-Winneburg (1803-1829)
    • Prinzessin Clementine Marie Octavie von Metternich-Winneburg (1804-1820)
    • Prinzessin Maria Antonia von Metternich-Winneburg (1806-1829)
    • Prinzessin Leontine Adelheid Maria Pauline von Metternich-Winneburg (1811-1861) ∞ Graf MĂłric SĂĄndor de Szlavnicza
    • Prinzessin Hermine Gabriele Marie Eleonore Leopoldine von Metternich-Winneburg (1815-1890)

Die Beziehung zu Maria Eleonore war durchaus von Liebe geprĂ€gt, wie die Korrespondenz zwischen beiden zeigt, auch wenn Metternich spĂ€ter von einer Vernunftehe sprach. Auch erleichterte die Ehe mit der Enkelin des berĂŒhmten Staatskanzlers seinen Einstieg in den kaiserlichen diplomatischen Dienst und förderte seine Stellung bei Hofe.

  • (1831) GrĂ€fin Melanie Zichy-Ferraris (1805-1854), Tochter des Feldmarschalls Graf Franz Zichy-Ferraris.[4] Sie hatten fĂŒnf Kinder:
    • Prinzessin Melanie von Metternich-Winneburg (1832-1919) ∞ Graf Joseph Zichy
    • Prinz Clemens von Metternich-Winneburg (*/† 1833)
    • FĂŒrst Paul Clemens Lothar von Metternich-Winneburg (1834-1906) ∞ seine Cousine GrĂ€fin Melanie Zichy-Ferraris
    • Prinzessin Maria von Metternich-Winneburg (*/† 1836)
    • Prinz Lothar von Metternich-Winneburg (1837-1904) ∞ GrĂ€fin Karoline Franziska Mittrowsky von Mittrowitz

Außereheliche AffĂ€ren

Metternich war in seinem Privatleben noch ausschließlich vom 18. Jahrhundert mit seinem konventionalen EheverstĂ€ndnis und seiner aristokratischen Libertinage geprĂ€gt und hatte zeitlebens zahlreiche AffĂ€ren und auch uneheliche Kinder, was, entsprechend der Verbreitung des bĂŒrgerlichen Familienideals und der allgemeinen „Entsinnlichung“ in der ersten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts, bei seinen bĂŒrgerlichen Kritikern, die hierin gerade nicht "fortschrittlich" dachten, einmal mehr Missbilligung hervorrief.[22]

Metternich hatte unter anderem Beziehungen mit Herzogin Wilhelmine von Sagan, mit FĂŒrstin Dorothea von Lieven und FĂŒrstin Katharina Bagration. Mit letzterer hatte er eine uneheliche Tochter, Prinzessin Marie Klementine Bagration (1810-1829; vom Ehemann der Mutter legitimiert). Ein weiterer unehelicher Sohn aus einer Liaison mit Elisabeth Hafenbredel (1788-1862) war der österreichische Diplomat Alexander von HĂŒbner.

Historiographie und Beurteilung

Ein zentrales Problem bei der Beurteilung Metternichs ist, dass seine Ziele bereits seit der Mitte des 19. Jahrhundert obsolet geworden waren.[23] Die Beurteilung Metternichs wurde im 19. bis weit ins 20. Jahrhundert hinein daher von den jeweiligen politischen Positionen der jeweiligen Historiker bestimmt.

Die Liberalen des 19. Jahrhunderts betrachteten Metternich als seichten Höfling, glatten Diplomaten und UnterdrĂŒcker der nationalen Bewegung, als FĂŒrstendiener und UnterdrĂŒcker der Völker. Besonders scharf war die Ablehnung Metternichs bei dem kleindeutsch eingestellten Heinrich von Treitschke.

Nur allmĂ€hlich löste sich die Metternichforschung von allzu deutlich ideologischen Beurteilungen. Nach wie vor ist die zweibĂ€ndige Biographie von Heinrich von Srbik aus dem Jahr 1925 unentbehrlich. Dieser beschrieb Metternichs Politik als „System“, obwohl dieser selber eine solche Bezeichnung ausdrĂŒcklich abgelehnt hatte. Srbik sah Metternich als einen Konservativen aus vorrevolutionĂ€rer Zeit, der auf die Verteidigung des monarchisch-stĂ€ndischen gegenĂŒber dem revolutionĂ€r-egalitĂ€ren Prinzip abzielte. Auch wenn er die „reine Monarchie“ propagierte und das konstitutionelle System ablehnte, war er nach Srbik doch auch Feind einer monarchischen WillkĂŒrherrschaft. Diese war fĂŒr Metternich vielmehr an das Recht gebunden.[24]

Trotz aller Relativierung frĂŒherer ideologisch gefĂ€rbter Urteile kommt auch die neuere Forschung zu einem zwiespĂ€ltigen, insgesamt aber eher kritischen Bild Metternichs.

Golo Mann beschrieb Metternich als einen „Mann der alten Schule. Schön, eitel, gebildet und klug; vergnĂŒgt und genusssĂŒchtig fĂŒr seine Person, aber pessimistisch als Staatsmann und nur auf die Verteidigung des Bestehenden bedacht.“ Metternich war „Feind jeder Bewegung, jedes möglichen, merklichen Fortschrittes. (
) Der österreichische Kaiserstaat konnte nicht bestehen, wenn sie [VolkssouverĂ€nitĂ€t, Nationalstaat und konstitutionelle Monarchie] triumphierten.“ Mann betonte aber auch die Verdienste Metternichs. Er sah danach die zerstörerische Wirkung des Nationalismus voraus und hatte einen Sinn fĂŒr die gemeinsame europĂ€ische Verantwortung. Ihm war 1814 ein vernĂŒnftiger Frieden zu verdanken. „Tolerant und freundlich, wenn auch lieblos von Hause aus, wurde er grausam aus StaatsrĂ€son.“ Durch seine „angstvolle Defensive hĂ€tte Metternich manches erst tragisch gemacht, was, hĂ€tte man ihm nur seinen natĂŒrlichen Verlauf gelassen, am Ende gar nicht so furchtbar gewesen wĂ€re.“ Golo Mann schließt, dass letztlich bei Metternich das Soll grĂ¶ĂŸer sei als das Haben.[25]

Manfred Botzenhart meint, wenn Metternich auch den Systembegriff ablehnte, sprach er doch von „politischen Prinzipien,“ die fĂŒr ihn den gleichen Geltungsanspruch hatten wie die Naturgesetze. Eben die Befolgung dieser Prinzipien wĂ€re in der Zeit seit 1789 nicht beachtet worden. Die Grundlage restaurativer Politik wĂ€re, sich neu auf diese Prinzipien zu besinnen und nicht einfach die alten ZustĂ€nde wieder herzustellen. Folgt man Botzenhart, war es Metternichs Ziel, Frieden, Recht und Ordnung sowie StabilitĂ€t und Sicherheit in Europa zu stiften und zu bewahren. Die Idee der Freiheit spielte bei Metternich dagegen keine Rolle. Je lĂ€nger, je mehr spielte der Kampf gegen die Revolution bei Metternich eine immer stĂ€rkere Rolle. „Metternichs System“ war ein System der Defensive gegen die vorwĂ€rtsdrĂ€ngenden sozialen und politischen KrĂ€fte. Er war aber kein Ideologe, und als politischer Pragmatiker versuchte er sich an die Gegebenheiten anzupassen, ohne seine Prinzipien aufzugeben. Botzenhart: „UnfĂ€hig war er jedoch zu konstruktiven und schöpferischen Handeln. Er hat es einmal als Aufgabe staatsmĂ€nnischer Politik bezeichnet, Ströme, die man nicht aufhalten könne, in das Bett ruhiger und segensreicher Evolution zu leiten – eben hierzu war er jedoch nicht imstande.“[26]

Aretin weist Metternich große Verdienste fĂŒr die Sicherung des Friedens zu. Besonders seine Rolle fĂŒr die innere Entwicklung Österreichs beurteilt Aretin Ă€ußerst kritisch. Die zu Metternichs Zeit unterlassenen Wirtschafts- und Verfassungsreformen in Österreich waren ein spĂ€ter nicht mehr nachzuholendes VersĂ€umnis. Auch wenn insbesondere der Kaiser sich dagegen gesperrt hat, kommt Metternich insofern eine Mitschuld zu, da er zwar die Notwendigkeiten von VerĂ€nderungen durchaus erkannte, aber im Zweifelsfall den Weg des geringsten Widerstandes ging. Teilweise wie im Fall des Aufbaus eines umfassenden politischen Überwachungssystem durch Kolowrat und Seldnitzky hat Metternich nichts dagegen unternommen und stattdessen das Vorgehen sogar als eigene Leistung dargestellt. „Vorwiegend diplomatisch begabt, fehlte ihm die Entschlossenheit und der Mut, die Rolle des großen österreichischen Staatsmannes zu ĂŒbernehmen, deren Notwendigkeit niemand so klar erkannte wie er selbst.“ (...) In Hinblick auf den deutschen Bund und Europa urteilt Aretin, dass Metternich ein typischer Vertreter der Kabinettspolitik war, der glaubte, durch administrative Maßnahmen die von den demokratischen und nationalen Ideen ausgehenden Gefahren meistern zu können. Metternichs dominante Gestalt habe ĂŒber mehr als zwei Jahrzehnte die insgesamt schwache Basis fĂŒr Österreichs Weltgeltung ĂŒberdeckt. „Er ist schließlich an dieser Diskrepanz gescheitert. Sein Einfluss auf Deutschland erwies sich insofern als verhĂ€ngnisvoll, als es in den Jahren seiner Amtszeit den Anschluss an den freiheitlich gesinnten Westen verlor.“[27]

Nachwirkung

Die Sektmarke FĂŒrst von Metternich der Söhnlein Rheingold Sektkellerei ist nach ihm benannt. Die verwendeten Trauben der Rebsorte Riesling wachsen in den WeingĂ€rten von Schloss Johannisberg im Rheingau. Das Schloss befand sich im Besitz der FĂŒrsten von Metternich. Auf dem Flaschenetikett ist das bekannte GemĂ€lde von Thomas Lawrence abgebildet.

Der spĂ€tere US-Außenminister Henry Kissinger beschĂ€ftigte sich in seinem ersten Buch A World Restored: Metternich, Castlereagh and the Problems of Peace 1812-1822 eingehend mit der Außenpolitik Metternichs. HĂ€ufig wird Kissinger nachgesagt, bei seinen Vorstellungen von „Realpolitik“ und „politischem Realismus“ Metternich zu seinem eigenen Vorbild erhoben zu haben, was Kissinger selber jedoch abstreitet.[28]

Literatur

Biographien

Literatur zur Epoche

  • Karl Kraus: Politisches Gleichgewicht und Europagedanke bei Metternich. Haag + Herchen, Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-86137-017-4.
  • Golo Mann: Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. insbes. drittes Kapitel Metternich-Deutschland. Hamburg 1966.
  • Thomas Nipperdey: Deutsche Geschichte 1800-1866. BĂŒrgerwelt und starker Staat. MĂŒnchen 1998 ISBN 3-406-44038-X.
  • Karel Schelle, JaromĂ­r Tauchen, Renata VeselĂĄ, Miroslav Ć edivĂœ: Staat und Recht in der Zeit Metternichs. Dr. Hut Verlag, MĂŒnchen 2010, ISBN 978-3-86853-376-7.

Weblinks

 Commons: Klemens von Metternich â€“ Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ de Bertier de Sauvigny, Metternich, S. 13.
  2. ↑ a b Oestreich, Metternich, S. 503.
  3. ↑ Oestreich, Metternich, S. 503f.
  4. ↑ a b c d Aretin, Metternich, S. 236.
  5. ↑ Oestreich, Metternich, S. 504.
  6. ↑ zit. nach Hartau, Metternich, S. 33f.
  7. ↑ a b Aretin, Metternich, S. 237.
  8. ↑ zit. nach Hartau, S. 40.
  9. ↑ Oestreich, Metternich, S. 506.
  10. ↑ zit. nach Hartau, S. 46.
  11. ↑ Nipperdey, BĂŒrgerwelt und starker Staat, S. 84–87
  12. ↑ Schloss zu Rötha in Rötha-Info.net (abgerufen am 6. MĂ€rz 2011)
  13. ↑ Nipperdey, BĂŒrgerwelt und starker Staat, S. 87f.
  14. ↑ zit. nach Hartau, S. 76.
  15. ↑ Nipperdey, BĂŒrgerwelt und starker Staat, S. 88f.
  16. ↑ Aretin, Metternich, S. 238.
  17. ↑ Nipperdey, BĂŒrgerwelt und starker Staat, S. 272f.
  18. ↑ Aretin, Metternich, S. 239.
  19. ↑ Metternich an Gentz Rom den 23. April 1819, zit. nach: Werner Pöls (Hrsg.): Historisches Lesebuch I. 1815-1871. Frankfurt, 1966 S. 76.
  20. ↑ Aretin, Metternich, S. 239f.
  21. ↑ Aretin, Metternich, S. 241.
  22. ↑ Nippderdey, BĂŒrgerwelt und starker Staat, S. 128.
  23. ↑ Wolfgang Hartwig: VormĂ€rz. Der monarchische Staat und das BĂŒrgertum. MĂŒnchen, 1985. S. 32.
  24. ↑ vergl. Anselm Doering-Manteuffel: Die deutsche Frage und das europĂ€ische Staatensystem 1815 - 1871. MĂŒnchen, 2001 S. 60ff.
  25. ↑ Golo Mann: Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Frankfurt, 1992. S. 115f.
  26. ↑ Manfred Botzenhart: Reform, Restauration und Krise. Deutschland 1789-1847. Frankfurt, 1985. 85-88
  27. ↑ Aretin, Metternich, S. 242.
  28. ↑ Robert D. Kaplan: Kissinger, Metternich, and Realism, The Atlantic Monthly, Juni 1999

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen WörterbĂŒchern nach:

  • Klemens Wenzel FĂŒrst von Metternich — Klemens Wenzel (oder Clemens Wenceslaus) Nepomuk Lothar Graf (seit 1813 FĂŒrst) von Metternich Winneburg zu Beilstein (* 15. Mai 1773 in Koblenz; † 11. Juni 1859 in Wien), Graf von Königswart, seit 1818 Herzog von Portella, war ein Staatsmann im… 
   Deutsch Wikipedia

  • Clemens Wenzel Lothar von Metternich — Klemens Wenzel (oder Clemens Wenceslaus) Nepomuk Lothar Graf (seit 1813 FĂŒrst) von Metternich Winneburg zu Beilstein (* 15. Mai 1773 in Koblenz; † 11. Juni 1859 in Wien), Graf von Königswart, seit 1818 Herzog von Portella, war ein Staatsmann im… 
   Deutsch Wikipedia

  • Klemens Wenzel Lothar Nepomuk von Metternich — Klemens Wenzel (oder Clemens Wenceslaus) Nepomuk Lothar Graf (seit 1813 FĂŒrst) von Metternich Winneburg zu Beilstein (* 15. Mai 1773 in Koblenz; † 11. Juni 1859 in Wien), Graf von Königswart, seit 1818 Herzog von Portella, war ein Staatsmann im… 
   Deutsch Wikipedia

  • Klemens Wenzel Nepomuk Lothar von Metternich — Klemens Wenzel (oder Clemens Wenceslaus) Nepomuk Lothar Graf (seit 1813 FĂŒrst) von Metternich Winneburg zu Beilstein (* 15. Mai 1773 in Koblenz; † 11. Juni 1859 in Wien), Graf von Königswart, seit 1818 Herzog von Portella, war ein Staatsmann im… 
   Deutsch Wikipedia

  • Lothar von Metternich — (Kupferstich von Balthasar Moncornet, 1659) 
   Deutsch Wikipedia

  • Clemens Wenzel Lothar FĂŒrst Metternich — Klemens Wenzel (oder Clemens Wenceslaus) Nepomuk Lothar Graf (seit 1813 FĂŒrst) von Metternich Winneburg zu Beilstein (* 15. Mai 1773 in Koblenz; † 11. Juni 1859 in Wien), Graf von Königswart, seit 1818 Herzog von Portella, war ein Staatsmann im… 
   Deutsch Wikipedia

  • Prince Klemens Wenzel Nepomuk Lothar von Metternich — noun Austrian statesman (1773 1859) ‱ Syn: ↑Metternich, ↑Klemens Metternich ‱ Instance Hypernyms: ↑statesman, ↑solon, ↑national leader 
   Useful english dictionary

  • Von Metternich — Metternich ist der Name folgender Personen: Wenn der Name ohne Zusatz gebraucht wird, steht er zumeist fĂŒr Klemens Wenzel Lothar von Metternich Winneburg (1773–1859), österreichischer Staatsmann ein altes rheinisches Dynastengeschlecht, siehe… 
   Deutsch Wikipedia

  • Klemens von Metternich — Klemens Wenzel Lothar von Metternich (15 de mayo de 1773 en Coblenza 11 de junio de 1858) Conde y prĂ­ncipe de Metternich Winneburg. PolĂ­tico y diplomĂĄtico austrĂ­aco. En 1790 entrĂł en el cuerpo diplomĂĄtico Y a partir de 1809 fue canciller,… 
   Enciclopedia Universal

  • Klemens von Metternich — Este artĂ­culo o secciĂłn necesita referencias que aparezcan en una publicaciĂłn acreditada, como revistas especializadas, monografĂ­as, prensa diaria o pĂĄginas de Internet fidedignas. Puedes añadirlas asĂ­ o avisar 
   Wikipedia Español


Share the article and excerpts

Direct link

 Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.