Koks


Koks
Anthrazit (links) und Steinkohlen-Koks (rechts)
Kokerei Prosper in Bottrop: die letzte von der Deutschen Steinkohle (DSK) betriebene Bergwerkkokerei. Ansicht mit Löschturm und Niederdruckgasbehälter (Bauart Thyssen)

Koks (von engl. coke) ist ein poröser, stark kohlenstoffhaltiger Brennstoff mit hoher spezifischer Oberfläche, der in Kokereien bevorzugt aus aschearmer Fettkohle (Braun- oder Steinkohle) durch Wärmeeinwirkung unter Sauerstoffabschluss (Pyrolyse) erzeugt wird. Der störende Schwefel wird bei stark schwefelhaltiger Kohle abgetrennt.

Als Produkte des Pyrolyse- und Destillationsvorganges entstehen Pyrolysegase (Kokerei-Rohgas), Pyrolysekoks und kondensierbare Bestandteile (Wasser, Teer, Schwefel). Den Prozess der Umwandlung von Kohle in Koks bezeichnet man als Verkokung, das Produkt der Verkokung von Braunkohle heißt Grude. Werden Braunkohle-Briketts eingesetzt, entstehen BHT-Briketts (von Braunkohlenhochtemperaturkoks).

Koks aus Kohle wird insbesondere als Brennstoff und als Reduktionsmittel bei der Eisenproduktion in Hochöfen eingesetzt. Steinkohle selbst ist dazu nicht geeignet, da bei ihrer Verbrennung zu viel Schwefel, Ruß und Rauch frei werden. Dies verunreinigt einerseits das gewonnene Eisen und führt außerdem zu einer relativ porösen Kohleschicht im Hochofen, die unter der Last darüberliegender Schichten schnell bricht und daher zu ungünstigen Vermischungen führt.

Der Vorgang der Verkokung von Kohle zu Koks findet in speziellen Industrieanlagen statt, die als Kokerei bezeichnet werden. Dabei werden die flüchtigen Bestandteile der Kohle entfernt, indem sie in einem Ofen unter Luftausschluss bei mehr als 1000 °C erhitzt wird, so dass der feste Kohlenstoff und die verbleibende Asche verschmelzen. Die flüchtigen Bestandteile der Kohle hingegen werden ausgetrieben und bilden das Kokerei-Rohgas. Aus dem rohen Kokereigas werden weitere wertvolle Stoffe gewonnen, vor allem Steinkohlenteer, Rohbenzol, Schwefelsäure und ein Brenngas (Kokerei-Reingas), das früher als Stadtgas verwendet wurde und heute in jedem Stahlwerk ein wertvoller Energieträger ist.

Die Verkokung wurde 1713 in England entwickelt, ab 1740 wurden hier die Hochöfen mit Koks beschickt, eine Erfindung Abraham Darbys. 1796 wurde zum ersten Mal in Deutschland, im oberschlesischen Gleiwitz, Koks zur Hochofenbefeuerung eingesetzt. Im Ruhrgebiet wurde der erste Kokshochofen 1849 angefahren, gleichwohl wurde hier (auf der Zeche Sälzer und Neuack) bereits ab 1816 Kohle zu Koks verarbeitet. Vorher wurde Holzkohle in den Hochöfen eingesetzt.

Koks liegt nach dem Löschen (dem Abkühlen mit Wasser) in einer Körnung von etwas über 0 bis etwa 200 mm vor. Je nach Anwendungsgebiet wird Koks – gegebenenfalls nach Brechen – durch Sieben in Kokssorten klassiert. Man unterscheidet zwischen Hochofenkoks, Brechkoks und Koksgrus. Der Hochofenkoks (HK) wird in die Sorten HK 1 (> 80 mm), HK 2 (> 60 mm), HK 3 (> 40 mm) sowie HK 4 (> 20 bzw. 25 mm) unterteilt. Heute ist die Sorte HK 4 die gängige Hochofenkokssorte, wobei die untere Korngrenze bei 20 und die obere bei 100 mm festgelegt ist. Der Brechkoks (RK) wird in den Sorten RK 1 (100–60 mm), RK 2 (60–40 mm), RK 3 (40–20 mm), RK 4 (20–10 mm) sowie RK 5 (10–6 mm) hergestellt. Koksgrus hat üblicherweise eine Körnung von 10–0 mm.

Zur Feuerung im Haushalt ist Brechkoks 2 oder Brechkoks 3 üblich. Zu kleines Korn fällt durch den Rost, zu großes Korn kann das Nachrutschen behindern.

Im Hüttenwesen unterscheidet man Hüttenkoks, Gießereikoks (der etwas länger bei niedrigerer Temperatur verkokt wird) und Sonderkokse, sowie Bergwerkskoks (aus Steinkohle) und Braunkohlenkoks.

Koks hat einen Heizwert von 23–31 MJ/kg.

Wirtschaftliche Zukunft

Angesichts weltweit steigender Stahlproduktion ist eine Steigerung der Nachfrage nach Koks zu erwarten. Nach Angaben der Berenberg Bank überstiegen in Deutschland die Ausgaben für den Import von Kohle mit 2,8 Milliarden Euro die jährlichen Subventionen für die heimische Kohleförderung (2,1 Mrd. Euro).

Literatur

  • Walter Buschmann (Hrsg.): Koks, Gas, Kohlechemie. Geschichte und gegenständliche Überlieferung der Kohleveredlung. Klartext, Essen 1993, ISBN 3-88474-028-8.
  • Michael Farrenkopf (Hrsg.): Koks. Die Geschichte eines Wertstoffes. Deutsches Bergbau-Museum, Bochum 2003, ISBN 3-921533-90-2 (2 Bände).

Weblinks

 Commons: Koks – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Koks – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • koks — sb., en el. et, koks, ene; kul og koks; der går koks i den …   Dansk ordbog

  • Koks — (engl. Cokes, unrichtig Coaks, vielleicht vom lat. coquere, durch Feuer zubereiten, reif machen), aus Steinkohlen, seltener aus Braunkohlen dargestelltes, nicht flammendes Brennmaterial, das ähnlich wie Holzkohle gewonnen wird, indem man die… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Koks — ¹Koks ↑ Kohle (2). ²Koks Kokain; (Jargon): Charley, Coke, Schnee, White Powder. * * * 1Koks,der:1.⇨Geld(1)–2.mitK.gurgeln:⇨schnarchen 2Koks,der:⇨Unsinn(1,a) …   Das Wörterbuch der Synonyme

  • koks — {{/stl 13}}{{stl 8}}rz. mnż I, D. u, Mc. kokssie, blm {{/stl 8}}{{stl 20}} {{/stl 20}}{{stl 12}}1. {{/stl 12}}{{stl 7}} substancja otrzymywana głównie w wyniku suchej destylacji (odgazowania) węgla kamiennego lub z innych substancji organicznych …   Langenscheidt Polski wyjaśnień

  • koks — kóks, kokià įv. Kóks jūsų ãdresas? …   Bendrinės lietuvių kalbos žodyno antraštynas

  • Koks — (engl. Cokes Coaks), ein durch Erhitzen von Steinkohlen bei wenig Luftzutritt erhaltenes Heizmaterial, leichter als Steinkohle, übertrifft diese an Heizwert und Festigkeit. Die K. werden meist in besondern Öfen (Koksöfen) hergestellt. 100 kg… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • koks — koks, ià pron. (3), koks, ia (1), kõks, ià (4) K; R, koksaĩ K; SD73, R 1. inter. tiesioginiuose ir netiesioginiuose klausimuose: Kõks oras? K. Kokiam̃ krašte jis gyvena? Rs. Su kokiu arkliu atvažiavo? Klvr. Kokiẽ gi (kas gi) čianai eina? Ėr …   Dictionary of the Lithuanian Language

  • Koks — Nose Candy (umgangssprachlich); Snow (umgangssprachlich); Kokain; Schnee (umgangssprachlich); Coke (umgangssprachlich); C17H21NO4; Grubengold (umgangssprachlich); …   Universal-Lexikon

  • koks — m IV, D. u, Ms. kokssie, blm 1. «produkt suchej destylacji węgla kamiennego; także: pozostałość po destylacji ropy naftowej, paku lub innych substancji organicznych; substancja stała, porowata, lżejsza od węgla, o dużej wartości opałowej,… …   Słownik języka polskiego

  • köks — 1. Bax döş 1 ci mənada. Köks qəfəsi. – Zahirən heyrətamiz dərəcədə sadə və sakit olan bu balacaboylu insanın köksündə bu qədər zəngin və güclü bir ürək yaratmış təbiətin ecazına heyran qalmamaq olmazdı. M. İ.. <Vahid:> Bu sözləri eşidəndə… …   Azərbaycan dilinin izahlı lüğəti


Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.