Kolonie

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Kolonie

Als Kolonie (von lateinisch colere, d. h. urspr√ľnglich ‚Äöbebauen‚Äė im Sinn von ‚ÄöLand bestellen‚Äė) bezeichnet man in der Neuzeit ein ausw√§rtiges abh√§ngiges Gebiet eines Staates ohne eigene politische und wirtschaftliche Macht.

Begrifflich h√§ngt Kolonie eng mit Kolonisation zusammen. Bei der Kolonisation handelt es sich im Kern um eine Landnahme. Die Kolonie ist daher in einem weiteren Sinne ein Personenverband in einem Gebiet au√üerhalb des angestammten Siedlungsgebietes. Im Bereich der Politik wird damit au√üerdem eine politische Abh√§ngigkeit zum ‚ÄěMutterland‚Äú verbunden.

Die Bildung von Kolonien ist ein wesentliches Instrument der Machtausdehnung imperialistischer Staaten.

‚ÄěMutterl√§nder‚Äú und Kolonialgebiete 1945.

Inhaltsverzeichnis

Antiker Koloniebegriff

Kolonien im Sinn einer Pflanzstadt oder Tochterstadt gab es schon in der Antike. Neben den Ph√∂niziern traten hierbei vor allem die Griechen hervor. So wurden besonders von den griechischen St√§dten der √Ąg√§is etliche Kolonien (richtiger: Apoikien) in Kleinasien, im westlichen Mittelmeerraum (zum Beispiel Syrakus auf Sizilien, Kyrene in Nordafrika, Neapel in Italien, Marseille in S√ľdgallien) und im Gebiet des Schwarzen Meeres gegr√ľndet. Diese wurden von den Mutterst√§dten politisch unabh√§ngig, blieben aber √ľber Handelsbeziehungen und religi√∂se Kontakte teils mit den Mutterst√§dten in Griechenland verbunden ‚Äď andererseits kam es durchaus auch zu Kriegen zwischen einer Apoikie (‚ÄěAbsiedelung‚Äú) und ihrer Metropolis. Anders verhielt es sich mit den Kleruchien, die Athen (das sich an der eigentlichen griechischen Kolonisation ansonsten nicht beteiligte) im 5. Jahrhundert v. Chr. gr√ľndete.

Besser als auf die griechischen Verh√§ltnisse kann man den Koloniebegriff auf das R√∂mische Reich anwenden, denn die Einwohner einer colonia waren gerade dadurch gekennzeichnet, dass sie das r√∂mische B√ľrgerrecht bzw. den Anspruch auf dieses behielten; coloniae wurden vor allem in der Fr√ľhzeit der r√∂mischen Expansion gegr√ľndet, um neu erobertes Land dauerhaft kontrollieren zu k√∂nnen. Auch im r√∂mischen Kontext muss man aber bedenken, dass anders als beim modernen Koloniebegriff kein Territorium, sondern eine Stadt gemeint war.

Gleichwohl ist der heutige Koloniebegriff nur mit Vorsicht auf antike Zust√§nde anzuwenden. Der Althistoriker Moses I. Finley hat sich schon fr√ľh kritisch √ľber die Anwendung des heutigen Koloniebegriffs auf antike Zust√§nde ge√§u√üert (Lit.: Finley 1976, S. 167 ff.) und im Zusammenhang mit der griechischen Besiedlung Siziliens ausgef√ľhrt: ‚ÄěDas Wort ‚ÄöKolonisation‚Äė, das die Historiker √ľblicherweise zur Beschreibung dieses Prozesses verwenden, f√ľhrt eigentlich in die Irre, da es an die Etablierung abh√§ngiger Gemeinden in √úbersee denken l√§√üt. Die nach Westen gerichtete Auswanderung von Griechenland aus war zweifellos eine organisierte Bewegung, die von verschiedenen ‚ÄöMutterst√§dten‚Äė ausger√ľstet, bewaffnet und geplant wurde, doch war von vornherein die Auswirkung, ja ‚Äď nach allem was wir sagen k√∂nnen ‚Äď auch die Absicht dieser Bewegung nicht die Kolonisierung des Landes; vielmehr sollten M√§nner der Mutterst√§dte dazu aufgefordert, ja mitunter gezwungen werden, in neue, eigenst√§ndige und unabh√§ngige Gemeinden zu ziehen.‚Äú (Lit.: Finley 1989, S. 14).

Um Probleme mit dem neuzeitlichen Kolonialbegriff zu vermeiden, wird h√§ufig nicht von einer zum Beispiel ‚ÄěKolonie Korinths‚Äú, sondern einer ‚ÄěGr√ľndung Korinths‚Äú, einer ‚Äěkorinthischen Apoikie‚Äú oder einer ‚ÄěGr√ľndung durch korinthische Siedler‚Äú gesprochen, wenn man diese antiken Kolonien griechischen Ursprungs beschreibt. Auch die R√∂mer kannten, wie erw√§hnt, dieses Prinzip ‚Äď bei ihnen waren es die aus dem Milit√§rdienst ausgeschiedenen Soldaten, die in den eroberten Gebieten Land zur Bewirtschaftung erhielten und als Siedler (lat. colonus) Kolonien gr√ľndeten. So leitet sich etwa der Name der Stadt K√∂ln direkt vom lateinischen colonia ab.

Formen der Expansion

Um den Begriff richtig einordnen zu können, ist es also erforderlich, zunächst die verschiedenen Formen der Expansion darzustellen, die dem Koloniebegriff benachbart sind und von denen er abzugrenzen ist:

  • Die Totalemigration, (Exodus). V√∂lker verlassen ihre Heimat und besetzen ein anderes Gebiet, ohne dass ein steuerndes Zentrum in der alten Heimat zur√ľckbleibt. Solches geschah in der V√∂lkerwanderungszeit und w√§hrend des "Gro√üen Trecks" im 19. Jahrhundert, als die Kap-Buren in den Oranje-Freistaat und nach Transvaal zogen. Es blieben zwar Buren am Kap zur√ľck, aber diese hatten keinen steuernden Einfluss auf die Auswanderer.
  • Die Individualemigration, die klassische Auswanderung. Sie geschieht in der Regel aus wirtschaftlichen oder weltanschaulichen Gr√ľnden. Im Gegensatz zur Totalemigration bleiben die zur√ľckgebliebenen Gesellschaften intakt. Die Emigranten schaffen keine neuen Kolonien mit Abh√§ngigkeitsverh√§ltnis, sondern werden in die aufnehmenden Gesellschaften eingegliedert. Dort bilden sie h√§ufig Enklaven in der neuen Gesellschaft wie die Chinatowns in amerikanischen St√§dten, die Banlieues franz√∂sischer Gro√üst√§dte oder manche Stadtviertel deutscher Gro√üst√§dte wie Berlin oder K√∂ln. Die Freiwilligkeit ist dabei nicht notwendiges Merkmal. Es kann sich durchaus um erzwungene Auswanderungen handeln, wie die Hugenotten-Auswanderung oder die Umsiedlung von Afrikanern im Zuge des Sklavenhandels.
  • Die Grenzkolonisation. Darunter wird die Erschlie√üung von Land f√ľr die menschliche Nutzung, das Verlagern der Kulturgrenze in die Wildnis, verstanden. In aller Regel ist damit keine Bildung selbst√§ndiger politischer Einheiten verbunden. Beispiel ist die Ausdehnung der Ackerbauzonen auf Kosten der Hirtenv√∂lker Innerasiens durch die Han-Chinesen im 19. und fr√ľhen 20. Jahrhundert. Ebenso f√§llt die Erschlie√üung des amerikanischen Kontinents von der Ostk√ľste und die Erschlie√üung des asiatischen Russlands seit dem sp√§ten 19. Jahrhundert darunter.
  • Die √ľberseeische Siedlungskolonisation. Mit ‚Äě√úberseeisch‚Äú ist nur die Trennung vom Mutterland durch eine gr√∂√üere Entfernung √ľber ein Meer gemeint. Typisches Beispiel daf√ľr sind die ph√∂nizischen und griechischen ‚ÄěPflanzst√§dte‚Äú der Antike jenseits eines Meeres ohne gro√üen milit√§rischen Aufwand. Hier kam es durch die Transportprobleme √ľber weite Meeresstrecken zu eigenst√§ndigen Gemeinwesen. Auch die Anf√§nge der englischen Besiedlung Nordamerikas fallen in diese Kategorie (Plantations) (Lit.: Bacon). Sie strebten nach Autarkie. Das Land wurde f√ľr herrenlos gehalten. Die einheimische Bev√∂lkerung wurde nicht unterworfen und zu Untertanen gemacht, wie in den spanischen Besitzungen in Amerika, sondern gewaltsam zur√ľckgedr√§ngt. Die Lebensr√§ume blieben getrennt.
    • Man unterscheidet drei Typen:
    • Typ I.: Der neuenglische Typ. Eine agrarische Einwandererbev√∂lkerung besiedelt mit eigenen Kr√§ften ein Land und dr√§ngt die einheimische Bev√∂lkerung zur√ľck. So entstanden in Nordamerika homogene europ√§ische Siedlungen.
    • Typ II ist haupts√§chlich in Afrika vertreten. Eine Siedlerminderheit unterwirft sich eine bereits intakte Ackerbaugesellschaft, √ľbernimmt deren Landbesitz und besch√§ftigt die vorherigen Herren als Knechte weiter. Dabei bleibt man von der einheimischen Bev√∂lkerung abh√§ngig. Autarkie wird nicht angestrebt, was zur prinzipiellen Instabilit√§t f√ľhren muss. Beispiele sind Algerien, Kenia (Lit.: Mosley S. S. 5 ff., 237).
    • Typ III.: Das ist die von wenigen Einwanderern durch Sklaven betriebene Plantagenwirtschaft, wie sie in der Karibik betrieben wurde, wo 1770 Schwarze 90 % der Gesamtbev√∂lkerung stellten (amerikanische S√ľdstaaten 40 %, Nordstaaten 20 %) (Lit.: Fogel S. 30 ff.)
  • Die reichsbildenden Eroberungskriege sind die r√∂mische Form der Expansion. Ein Volk unterwirft ein anderes. Machtzentrum bleibt die Hauptstadt des Mutterlandes. Das muss aber nicht in ein best√§ndiges Einheitsreich m√ľnden. Die arabisch-muslimische Expansion im 8. Jahrhundert f√ľhrte schnell zu selbst√§ndigen Machtzentren. Das gleiche gilt f√ľr das Reich Dschingis Khans. Das britische Empire entwickelte sich zu drei politisch unterschiedlichen Gebilden, den ‚Äěwhite Dominions‚Äú, den Kolonien (‚ÄěDependencies‚Äú) und dem Kaiserreich Indien. Im Allgemeinen wurde die bestehende gesellschaftliche und innenpolitische Organisation beibehalten und den Bed√ľrfnissen angepasst. Die Ausrottung der Oberschicht mit der Zerschlagung des vorhandenen Herrschaftssystems, wie es durch die Spanier bei der Invasion in Mexiko geschah, ist die Ausnahme. Das Hauptaugenmerk war auf die wirtschaftliche Ausbeutung durch Tributerhebung gerichtet. Deshalb wurde so schnell wie m√∂glich eine neue Steuergesetzgebung eingeleitet. Selten folgte der Eroberung eine Siedlungsaktivit√§t (zum Beispiel in Teilen des R√∂mischen Reiches, in Irland oder in Algerien). Indien ist hingegen das klassische Beispiel f√ľr eine moderne Kolonialherrschaft ohne Kolonisation.
  • Die St√ľtzpunktvernetzung ist eine besondere Form der maritimen Expansion, bei der milit√§risch gesch√ľtzte Handelszentren gebildet werden. Von diesen geht in aller Regel keine Kolonisation des Hinterlandes und auch keine weitr√§umige milit√§rische Landnahme aus (die englische Machtausdehnung von Bombay, Madras und Kalkutta aus ist eine Ausnahme). Der Zweck ist die Sicherung der Handelshegemonie. Beispiele sind die Handelsst√ľtzpunkte der Republik Genua im Mittelalter, Portugals Handelsst√ľtzpunkte in Goa, Macao, Malakka und Mosambik und der Holl√§nder in Batavia, Ceylon, Nagasaki. Im 18. Jahrhundert verschob sich die Bedeutung der Handelsst√ľtzpunkte hin zu geopolitischen und milit√§rischen Funktionen. Die englischen √ľberseeischen St√ľtzpunkte wurden zu Flottenst√ľtzpunkten (nach 1839 Aden, nach 1801 Alexandria mit Sues, ab 1766 Bermuda, ab 1730 Gibraltar, nach 1814 Kapstadt, ab 1814 Malta. Hinzu kamen die ‚ÄěHafenkolonien‚Äú (Lit.: Gr√ľnfeld) Singapur und Hongkong. Sie haben sich am l√§ngsten erhalten.

Kolonien und ihre Formen

Die Vielfalt der Typen von Expansion macht eine Definition der Kolonie schwierig, denn sie muss eng genug sein, um bestimmte historische Situationen wie vor√ľbergehende milit√§rische Besetzung oder die gewaltsame Angliederung von Grenzgebieten an moderne Territorialstaaten auszuschlie√üen und auch eine unterscheidende Aussagekraft zu erhalten, die bei einer unterschiedslosen Anwendung des Begriffs auf alle Expansionsformen verloren geht. Ganz grob kann man als Minimalgehalt Siedlung oder Herrschaft, als Maximalgehalt Siedlung und Herrschaft ansehen (Lit.: Reinhard S. 2). J√ľrgen Osterhammel hat aus all diesen Typen folgende Definition entwickelt, die in der Fachwelt auch akzeptiert wird:

Danach ist eine Kolonie

‚Äěein durch Invasion (Eroberung und/oder Siedlungskolonisation) in Ankn√ľpfung an vorkoloniale Zust√§nde neugeschaffenes politisches Gebilde, dessen landfremde Herrschaftstr√§ger in dauerhaften Abh√§ngigkeitsbeziehungen zu einem r√§umlich entfernten ‚ÄöMutterland‚Äė oder imperialen Zentrum stehen, welches exklusive ‚ÄöBesitz‚Äė-Anspr√ľche auf die Kolonie erhebt.‚Äú

‚Äď Lit.: Osterhammel S.16; zustimmend Reinhard S. 348

Danach gibt es vier Hauptformen von echten Kolonien:

Herrschaftskolonie

In der Regel ist diese das Ergebnis milit√§rischer Eroberung mit dem Zweck wirtschaftlicher Ausbeutung und der strategischen Absicherung imperialer Politik sowie nationalem Prestigegewinn. Weitere Kennzeichen sind eine zahlenm√§√üig geringe koloniale Pr√§senz von Zivilbeamten, Soldaten und Kaufleuten. Diese siedeln dort nicht, sondern kehren nach gewisser Zeit ins Mutterland zur√ľck und werden von anderen Beamten abgel√∂st. Die Regierung geschieht ausschlie√ülich durch das Mutterland. Dabei haben die urspr√ľnglichen Bewohner oft gar keine oder nur verminderte B√ľrgerrechte. Zudem findet eine eigene und zielgerichtete Entwicklung des Gebietes nicht statt. Die meisten europ√§ischen Kolonien, die zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert gegr√ľndet wurden, entsprachen diesem Typus.

St√ľtzpunktkolonie

Sie ist das Ergebnis von Flottenaktionen mit dem Zweck der indirekten kommerziellen Ausbeutung des Hinterlandes und/oder einem Beitrag zur Logistik seegest√ľtzter Machtentfaltung und informelle Kontrolle √ľber formal selbst√§ndige Staaten (Kanonenbootpolitik). Zu differenzieren ist hier nochmals zwischen dem Typ Milit√§rst√ľtzpunkt und Handelsst√ľtzpunkt. Im ersten Fall bilden Soldaten zuerst einen St√ľtzpunkt, an den es im Laufe der Zeit auch Siedler zieht. Mit anderen Worten: ‚ÄěDer Handel folgt der Flagge‚Äú. Umgekehrt ist der Entstehungsprozess im zweiten Fall. Hier gr√ľndeten Kaufleute Unternehmungen, um den Handel mit entfernten Regionen zu etablieren. Erst im Laufe der Zeit √ľbernahm der Staat die Hoheit √ľber diese Handelskolonien, meist unter der Vorgabe, diese milit√§risch zu sichern. Auf diese Weise entstanden viele Kolonien an der westafrikanischen K√ľste, aber auch Niederl√§ndisch-Indien.(Lit.: Jakob, Schulz-Weidner)

Siedlungskolonie

Typischerweise ist dieser Typ das Ergebnis einer milit√§risch gest√ľtzter Siedlungspolitik mit dem Zweck der Nutzung billigen Landes und billiger einheimischer Arbeitskraft, wobei soziale und kulturelle Lebensweisen entwickelt werden, die im Mutterland durchaus in Frage gestellt werden. Siedler aus dem Mutterland sind als ans√§ssige Farmer oder Pflanzer dauerhaft pr√§sent. Diese Kolonisten entwickeln Ans√§tze zur Selbstregierung unter Missachtung der Rechte der einheimischen Bev√∂lkerung. Das klassische Beispiel hierf√ľr ist Nordamerika.

Strafkolonie

Diese dient zur dauerhaften Verbannung von Straffälligen in entlegene Gebiete. Die bekanntesten Beispiele sind Australien, Sibirien und Französisch-Guyana. (Lit.: Jakob, Schulz-Weidner)

Die Typen schlie√üen sich nicht gegenseitig aus, vielmehr gibt es √úbergangsformen, die nicht eindeutig zuzuordnen sind. Zudem ist eine Entwicklung von einer Kolonieform zur n√§chsten denkbar. So entwickelte sich aus der Strafkolonie Australien auch eine Siedlungskolonie und aus vielen St√ľtzpunktkolonien zum Beispiel an der afrikanischen K√ľste wurden Herrschafts- oder Siedlungskolonien.(Lit.: Jakob, Schulz-Weidner)

Kolonien und Dekolonisation

‚Üí Hauptartikel: Dekolonisation

Ein durch das nach dem Zweiten Weltkrieg entstandene Schlagwort Kolonialismus geprägtes Kolonieverständnis setzt Kolonien mit dem Typus der Herrschaftskolonie gleich, die zur Entstehungszeit des Schlagwortes auch als Ausbeutungskolonie definiert wurde. Der damit verbundene Vorwurf lautet, dass die Mutterländer das Kolonialland nur unter dem Ziel schnellsten und größtmöglichen Gewinns betrachten, aber auf eine eigene und zielgerichtete Entwicklungspolitik zum Wohl der einheimischen Völker verzichten. (Lit.: Jakob, Schulz-Weidner).

Parallel dazu er√∂ffnete das in der Charta der Vereinten Nationen 1946 festgehaltene Selbstbestimmungsrecht der V√∂lker f√ľr die Kolonien den Weg zur Unabh√§ngigkeit durch Dekolonisation. Die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen legten daf√ľr 1946 eine Liste an, auf der sie alle abh√§ngigen Gebiete auflisteten. Es blieb jedoch ihnen selbst √ľberlassen, welche Staaten sie meldeten. 1960 definierte die Generalversammlung in Resolution 1514 (XV) als Gebiete, die als Kolonie f√ľr die Dekolonisation in Frage kommen, solche, die vom Mutterland geographisch getrennt liegen sowie ethnische und/oder kulturelle Unterschiede aufweisen.

Umstritten ist jedoch der Status derjenigen abh√§ngigen Gebiete, die 1946 nicht auf die Liste der Kolonien aufgenommen wurden, da f√ľr diese die UN-Resolutionen keine Anwendung fanden. Dies gilt zum Beispiel f√ľr Neukaledonien, West-Papua, Osterinsel, Hawaii und Franz√∂sisch-Polynesien. (Lit.: Gonschor, S.3) Im Falle der Westsahara fand zwar eine Beendigung des Status als Kolonie durch den R√ľckzug Spaniens statt, bevor die Bev√∂lkerung jedoch das Recht auf Selbstbestimmung wahrnehmen konnte, besetzte Marokko das Land.

Siehe auch

Literatur

  • Francis Bacon: Of Plantations [1625]. In: The Assays (John Pitcher Hrg.) Harmondsworth 1985, S. 162 ff.
  • Moses Finley: Colonie: An Attempt at a Typology. In: Transactions of the Royal Historical Society. 5th series, 26 (1976)
  • Moses Finley und andere: Geschichte Siziliens und der Sizilianer, M√ľnchen 1989.
  • Rober William Fogel: Without Consent or Contract.: The Rise and Fall of American Slavery. New York 1989.
  • Lorenz Gonschor: Kolonialismus und antikolonialer Widerstand im Pazifik der Gegenwart. Blickpunkt - Kurzinformationen aus dem Pazifik, 12/2003.
  • Ernst Gr√ľnfeld: Hafenkolonien und kolonie√§hnliche Verh√§ltnisse in China, Japan und Kores. Jena 1913.
  • Ernst Gerhard Jacob, Willy Schulz-Weidner: Kolonien, in: Staatslexikon. Vierter Band. Freiburg: Verlag Herder, 1959, S. 1130-1137
  • Heiko Herold: Deutsche Kolonial- und Wirtschaftspolitik in China 1840 bis 1914. Unter besonderer Ber√ľcksichtigung der Marinekolonie Kiautschou, 2. Auflage, K√∂ln 2006, ISBN 3-939424-00-5
  • Paul Mosley: The Settler Economies. Studies in the Economic History of Kenya and Southern Rhodesia, 1900 - 1963. Cambridge 1983.
  • J√ľrgen Osterhammel: Kolonialismus. Geschichte Formen Folgen. M√ľnchen 2003 3. Auflage. Kap. I.
  • Wolfgang Reinhard: Kleine Geschichte des Kolonialismus. Stuttgart 1996.
  • Peter Walther (Hrsg.): Deutsche Kolonien in fr√ľhen Farbfotografien. CD-ROM der Reihe kleine digitale bibliothek. Berlin, 2007
  • Toubab Pippa: Von der Bosheit im Herzen der Menschen - aus den Grauzonen der schwarz-wei√üen Geschichte Namibias, Der Gr√ľne Zweig 246, ISBN 3-922708-31-5

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