Kommunistische Partei der Sowjetunion

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Kommunistische Partei der Sowjetunion
Kommunistische Partei der Sowjetunion –ö–ĺ–ľ–ľ—É–Ĺ–ł—Ā—ā–ł—á–Ķ—Ā–ļ–į—Ź –Ņ–į—Ä—ā–ł—Ź –°–ĺ–≤–Ķ—ā—Ā–ļ–ĺ–≥–ĺ —Ā–ĺ—é–∑–į
Logo der Kommunistische Partei der Sowjetunion
Gr√ľndung 1918
Haupt­sitz UdSSR, Moskau
Aus­richtung Marxismus-Leninismus
Farbe(n) rot
Internationale Verbindungen Komintern

Die Kommunistische Partei der Sowjetunion (KPdSU) war eine kommunistische Partei in Sowjetrussland und der Sowjetunion. Sie wurde 1918 nach der Oktoberrevolution in Russland von Sozialdemokratische Arbeiterpartei Russlands (SDAPR) in Kommunistische Partei Russlands (Bolschewiki) (KPR (B)) umbenannt. 1925 erhielt sie den Namen Kommunistische Partei der Sowjetunion (Bolschewiki) (KPdSU (B)). 1952 wurde die Partei in Kommunistische Partei der Sowjetunion umbenannt. Im Rahmen der Auflösung der Sowjetunion wurde die KPdSU auf dem Gebiet der RSFSR im August 1991 verboten.

Parteif√ľhrer war von 1912 bis 1924 Wladimir Iljitsch Lenin. 1922 √ľbernahm Josef Stalin das neu geschaffene Amt des Generalsekret√§rs der Partei, das dieser nach dem Tod Lenins 1924 zunehmend mit einer auf seine Person zugeschnittenen diktatorischen Machtbefugnis ausstattete. Nach Ende der √Ąra Stalin 1953 setzte sich bei den folgenden parteiinternen Machtk√§mpfen Nikita Chruschtschow als Erster Parteisekret√§r durch. 1964 wurde Chruschtschow gest√ľrzt, neuer zun√§chst noch Erster Sekret√§r ab 1966 dann Generalsekret√§r wurde Leonid Breschnew. Dieser vereinigte 1977 die √Ąmter des Generalsekret√§rs der KPdSU und des Staatsoberhauptes auf sich.

Nach dem Tode Breschnews trat Juri Andropow 1982 dessen Nachfolge an. Seine Herrschaft blieb ein kurzes Intermezzo, genau wie die von Konstantin Tschernenko, der 1984 und 1985 die Partei- und Staatsgesch√§fte leitete. Seine Nachfolge trat Michail Gorbatschow an, der durch Reformen (Glasnost, Perestroika) versuchte, die Sowjetunion unter Beibehaltung von sozialistischen Strukturen zu modernisieren. Gorbatschow scheiterte jedoch mit diesen Reformversuchen; es gelang ihm weder, die autokratischen F√ľhrungsstrukturen in der Sowjetunion zu beseitigen, noch konnte er die KPdSU zu einer im pluralistischen Sinn ausgerichteten demokratischen Partei reformieren.

Von etwa 1920 bis 1990 war die KPdSU die einzige relevante politische Macht in der Sowjetunion, da sie die Staatspartei in dem sowjetischen Einparteiensystem war. Am Ende des gescheiterten dreit√§gigen Augustputsches wurde die KPdSU am 21. August 1991 aufgel√∂st und verboten. Die Kommunistische Partei der Russischen F√∂deration (KPRF) kann als Nachfolgepartei der KPdSU f√ľr Russland angesehen werden. Die Politik der KPdSU war zun√§chst gepr√§gt von der Ideologie des Leninismus, der eine Erweiterung des an russische Verh√§ltnisse angepassten Marxismus durch Lenin darstellte, dieser wurde dann ab 1924 durch den von Stalin geschaffenen Marxismus-Leninismus bzw. Stalinismus ersetzt.

Die sowjetische Jugendorganisation Komsomol war die Nachwuchsorganistion der Partei. Zudem gab es das Komitee f√ľr Jugendorganisationen der UdSSR, in dem alle Jugendorganisationen vertreten waren.
Die zentrale Parteihochschule ‚ÄěW. I. Lenin‚Äú bestand in Moskau. Hier studierten auch viele Kader aus den kommunistischen Parteien der ‚Äěbefreundeten‚Äú sozialistischen L√§nder und sogenannter Volksdemokratien.

Kyrillisch (Russisch)
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Transl.: Kommunistińćeskaja partija Sovetskogo Sojuza (KPSS)
Transkr.: Kommunistitscheskaja partija Sowetskowo Sojusa (KPSS)

Inhaltsverzeichnis

Geschichte der KPdSU

Entstehung der Partei (1898‚Äď1917)

In Russland war 1898 die SDAPR aus dem Zusammenschluss von sechs marxistischen Gruppen hervorgegangenen. Sie wurde jedoch schon kurz nach ihrer Gr√ľndung verboten; die meisten ihrer Mitglieder wurden verhaftet oder gingen ins Exil.

Die eigentliche Gr√ľndung der SDAPR sollte auf dem Londoner (II.) Parteitag im Jahre 1903 erfolgen. Ein wichtiges Thema in den Auseinandersetzungen war die Frage der Parteimitgliedschaft. W√§hrend Lenin unter den Bedingungen der zaristischen Repression nur aktive Mitglieder, Berufsrevolution√§re, in der Partei sehen wollte, strebten die gem√§√üigten Sozialisten (die sp√§teren ‚ÄěMenschewiki‚Äú) eine offene Mitgliedschaft f√ľr alle Interessierten an. Nach einer Wiedervereinigung folgte dann 1912 die endg√ľltige Spaltung zwischen Bolschewiki und Menschewiki. Der Grund der Spaltung lag, wie zeitgleich und sp√§ter in vielen sozialistischen und sozialdemokratischen Parteien anderer L√§nder auch, in der Auseinandersetzung zwischen einem revolution√§ren oder reformistischen Kurs der Partei.

1905: Demonstranten auf dem Weg zum Winterpalast in St. Petersburg

Obwohl eines der m√§chtigsten L√§nder der Welt, war das zaristische Russland bis ins ausgehende 19. Jahrhundert noch √ľberwiegend landwirtschaftlich gepr√§gt. Vielerorts herrschten noch vorkapitalistische Feudalstrukturen. Eine verst√§rkte Industrialisierung setzte vor allem seit der Regierung von Zar Nikolaus II. (ab 1894) ein. Das darauf schnell anwachsende Proletariat litt unter miserablen sozialen Verh√§ltnissen. Eine linke Opposition gegen den Zarismus war im 19. Jahrhundert in Russland st√§rker als in den meisten anderen europ√§ischen L√§ndern von anarchistischen und sozialrevolution√§ren Str√∂mungen der Narodniki gepr√§gt, wohingegen die organisierte marxistische Sozialdemokratie zu Beginn des 20. Jahrhunderts erst noch in ihren Anf√§ngen steckte.

Im Januar 1905 war es im Anschluss an den sogenannten ‚ÄěPetersburger Blutsonntag‚Äú, wo bei der Niederschlagung einer Massendemonstration von Arbeitern, die dem Zaren eine Bittschrift √ľberreichen wollten, etwa tausend Demonstranten ums Leben kamen, landesweit zu revolution√§ren Aufst√§nden, Streiks und Demonstrationen gekommen. Diese Aufst√§nde standen jedoch noch nicht unter der F√ľhrung einer bestimmten politischen Partei. Sie ebbten ab, als der Zar einlenkte und einige liberale Reformen einf√ľhrte.

Das Jahr 1917

Mit dem opferreichen Verlauf des Ersten Weltkrieges und der sich versch√§rfenden Versorgungskrise in den St√§dten verst√§rkte sich erneut die Unzufriedenheit in der russischen Bev√∂lkerung, vor allem bei den Soldaten und den Arbeitern. Russland stand am Rande des wirtschaftlichen Ruins. Die Februarrevolution 1917 f√ľhrte schlie√ülich zum Sturz des Zaren, der nach seiner Abdankung nach Jekaterinburg in den Ural verbannt wurde, und zur Bildung der Provisorischen Regierung, die sich jedoch noch nicht zur Beendigung des Krieges gegen die Mittelm√§chte Deutschland und √Ėsterreich-Ungarn durchringen konnte.

Die Bolschewiki standen nach dem Februar zun√§chst unter F√ľhrung der Petrograder Funktion√§re Molotow und Schljapnikow, nach deren R√ľckkehr aus dem Exil dann unter der von Stalin und Kamenew. Diese strebten die Zusammenarbeit mit der Provisorischen Regierung an und leiteten Verhandlungen √ľber die Wiedervereinigung mit den Menschewiki ein.

Mit Hilfe des Deutschen Reiches wurde Lenin in einer geheimen Aktion aus seinem Schweizer Exil in einem verplombten Eisenbahnwaggon √ľber Finnland nach Sankt Petersburg gebracht. Die kaiserliche deutsche Regierung erhoffte sich durch eine Revolution der Bolschewiki, deren zentrale Figur Lenin war, ein siegreiches Ende des Krieges an der Ostfront, damit sie die frei werdenden Verb√§nde f√ľr den Krieg im Westen verwenden konnte.

Unter der F√ľhrung Lenins und Trotzkis √ľbernahmen die Bolschewiki mit dem ‚ÄěSturm auf das Winterpalais‚Äú in der Oktoberrevolution 1917, nachdem sie die regierenden Menschewiki unter Kerenski gest√ľrzt hatten, die Macht und gr√ľndeten die Russische SFSR (Russische Sozialistische F√∂derative Sowjetrepublik), aus der zusammen mit weiteren Sowjetrepubliken nach dem B√ľrgerkrieg 1922 die UdSSR hervor ging. Wie von Deutschland erwartet, hatten die Bolschewiki den Ersten Weltkrieg Anfang 1918 in Russland mit dem Friedensvertrag von Brest-Litowsk beendet.

Die Oktoberrevolution, von den Mittelm√§chten zuerst als taktisches Man√∂ver, das eine Wende im Ersten Weltkrieg zu ihren Gunsten bringen sollte, mit gef√∂rdert, bildete jedoch das entscheidende Fanal f√ľr linksrevolution√§re Kr√§fte der ganzen Welt und setzte letztendlich den Grundstein f√ľr das Ende, mindestens den Machtverlust der meisten europ√§ischen Monarchien. Die Folgen der russischen Oktoberrevolution pr√§gten auch insgesamt die weitere Geschichte des 20. Jahrhunderts entscheidend mit, in der die als ‚Äěrealsozialistisch‚Äú bezeichnete UdSSR die weitere Entwicklung von Kommunistischen Parteien (KPs) in anderen L√§ndern √ľber viele Jahrzehnte hinweg dominieren sollte. Auch f√ľr viele Historiker gilt diese Revolution mit der Beendigung des so genannten ‚Äěb√ľrgerlichen Zeitalters‚Äú des 19. Jahrhunderts als der eigentliche inhaltliche Markierungspunkt der Trennung des 19. vom 20. Jahrhundert.

Die Partei im B√ľrgerkrieg (1918‚Äď1921)

Aus den Bolschewiki ging schlie√ülich 1918 die Kommunistische Partei Russlands (Bolschewiki) (KPR (B)) hervor. Theoretische Grundlage der KPdSU bildeten die Schriften Lenins, der die Theorien von Karl Marx unter Ber√ľcksichtigung der Situation Russlands zum Leninismus erweiterte.

In der Sowjetunion kam es nach der Oktoberrevolution von 1917, nachdem Trotzki den Ersten Weltkrieg mit dem Deutschen Reich durch den Friedensvertrag von Brest-Litowsk f√ľr Russland beendet hatte, zu einem f√ľnfj√§hrigen verheerenden B√ľrgerkrieg zwischen der von Trotzki aufgebauten Roten Armee und sehr unterschiedlichen oppositionellen Gruppierungen, insbesondere den Truppen der ‚ÄěWei√üen‚Äú, den noch relativ starken Anh√§ngern des vormaligen Zaren, der 1918 mit seiner Familie von den Bolschewiki im Auftrag Lenins in der Verbannung bei Jekaterinburg im Ural ermordet worden war, um den Zusammenhalt der insgesamt eher uneinheitlichen ‚ÄěWei√üen Truppen‚Äú durch die Beseitigung ihrer zentralen Symbolgestalt und seiner potenziellen Nachfolger zu schw√§chen.

W√§hrend des B√ľrgerkriegs wurden auch sozialrevolution√§re und anarchistische Bewegungen, die bei der Oktoberrevolution die Bolschewiki zun√§chst unterst√ľtzt hatten, niedergeschlagen. Ein relativ bekanntes Beispiel daf√ľr ist die Niederschlagung des Kronst√§dter Matrosenaufstands. Weniger bekannt, jedoch gr√∂√üer in der Dimension, war die Unterwerfung der anarchistischen Bewegung der Machnotschina, einer Partisanenbewegung unter F√ľhrung des Bauernf√ľhrers Nestor Machno in der Ukraine, die stark von den Ideen des Theoretikers Peter Kropotkins gepr√§gt war. Die Machnowzi, die etwa drei Jahre lang den gr√∂√üten Teil der Ukraine kontrolliert hatten, hatten sich sowohl gegen die zaristischen ‚ÄěWei√üen Armeen‚Äú als auch sp√§ter gegen die zun√§chst mit ihnen verb√ľndete Rote Armee Trotzkis zu erwehren, bis sie schlie√ülich 1922 den Bolschewik√≠ unterlagen.

Der B√ľrgerkrieg, in dessen Folge es auch zu einer gro√üen Hungersnot mit mehreren Millionen Todesopfern kam, schw√§chte die junge UdSSR mit enormen sozialen Problemen. Dennoch waren die Bolschewiki am Ende erfolgreich und setzten die Vorherrschaft der kommunistischen Partei in Russland und den angegliederten Sowjetrepubliken durch.

Kommunistische Parteien bildeten sich nach 1918 weltweit seit 1919 auf Initiative Lenins die Dritte Internationale (Komintern) in Abgrenzung zur Zweite Internationale mit drei√üig Mitgliedsparteien gegr√ľndet wurde. Die Komintern wurde durch die KPR (B) ma√ügeblich gepr√§gt,die so ihren weltweiten F√ľhrungsanspruch √ľber die kommunistische Bewegung geltend machte.

Die Erfahrung der Oktoberrevolution in Russland f√ľhrte innerhalb der KPR (B) zur Position, dass vor einer Weltrevolution die Umsetzung des Sozialismus auch in einem Lande m√∂glich sei, um die kapitalistische Staats- und Gesellschaftsordnung durch eine kommunistische zu ersetzen. Parteien, die sich dieser Position oder dem F√ľhrungsanspruch der KPR (B) entzogen, wendeten sich in der Folgezeit teilweise wieder eher sozialdemokratischen Positionen zu. Sp√§testens ab 1924 waren nahezu alle Kommunistischen Parteien im Grunde lediglich nationale Sektionen der Komintern, ausgerichtet an den Vorgaben der KPR (B).

‚ÄěNeue √Ėkonomische Politik‚Äú (NEP) und Machtkampf (1921‚Äď1929)

Nach dem Tod Lenins 1924 f√ľhrte der Machtkampf um Lenins Nachfolge zum Bruch zwischen Josef Stalin und Leo Trotzki. Gegen den urspr√ľnglichen Willen Lenins konnte sich Stalin auch durch innerparteiliche Intrigen durchsetzen. Stalin war schon seit 1922 Inhaber des neu geschaffenen Amtes des Generalsekret√§rs der Partei, das sp√§ter von ihm mit fast uneingeschr√§nkten Machtbefugnissen ausgestattet wurde.

Neben Trotzki (1927) wurden m√∂gliche Konkurrenten Stalins wie Grigori Sinowjew (1927), Nikolai Bucharin, Kamenew und Alexei Rykow (1930), die Stalin zun√§chst unterst√ľtzt hatten, ausgeschaltet, in den 1930er Jahren im Zuge der so genannten ‚ÄěGro√üen S√§uberung‚Äú schlie√ülich hingerichtet. Trotzki wurde verbannt und anschlie√üend au√üer Landes verwiesen. Seine Emigration f√ľhrte ihn bis nach Mexiko, wo er seine theoretischen Arbeiten fortf√ľhrte und scharfe Kritik an der Entwicklung der KPdSU (B) und der B√ľrokratisierung der kommunistischen Idee in der Sowjetunion unter dem Stalinismus √ľbte, bis er schlie√ülich 1940 durch einen Agenten Stalins ermordet wurde.

Stalin passte Lenins Konzept des Demokratischen Zentralismus in der praktizierten Realit√§t seinen pers√∂nlichen Vorstellungen an und festigte die F√ľhrungsrolle der KPdSU (B). Dabei r√§umte er einem nationalen Weg zum Kommunismus Priorit√§t ein (Sozialismus in einem Land).

Die Partei unter Stalin (1929‚Äď1953)

Josef Stalin auf einer DDR-Briefmarke

Unter Stalin wurde die neue Doktrin des so genannten Marxismus-Leninismus festgelegt, der eine Neuinterpretation des Leninismus durch Stalin darstellte, dabei wurde das zentrale Dogma der sozialistischen Weltrevolution zu Gunsten eines ‚ÄěSozialismus in einem Land‚Äú aufgegeben. Dieser ist von 1924 bis zu den Reformen Chruschtschows mit dem Begriff des Stalinismus gleichzusetzen. Viele kommunistische Parteien anderer L√§nder folgten dem Leitbild der KPdSU (B). Der stalinistische Demokratische Zentralismus kannte einen Parteitag, auf dem die anwesenden Delegierten ein Zentralkomitee w√§hlten, das dann das Politb√ľro w√§hlte.

De facto stellte das Politb√ľro allerdings eine unkontrollierte Machteinheit dar und dominierte das Zentralkomitee, welches wiederum sicherstellte, dass die Wahlen auf dem Parteikongress ‚Äěnach Wunsch‚Äú abliefen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die UdSSR bestrebt auch in anderen L√§ndern stalinistische Regime einzusetzen und verhalf so in Osteuropa vielen Kommunistischen Parteien zur Macht, dabei wurden Oppositionsparteien verboten oder zwangsassimiliert, sowie eine Einparteiendiktatur nach dem Vorbild der KPdSU (B) errichtet. Dieser allgemein als Ostblock bezeichnete sowjetische Machtbereich blieb dann bis zur Wende 1989/90 bestehen. Um seine F√ľhrungsrolle innerhalb der UdSSR und auch des Weltkommunismus zu untermauern, stattete Stalin sich selbst mit einer diktatorischen Machtbefugnis aus und baute um seine Person einen bis dahin beispiellosen Personenkult auf, der fast schon Z√ľge religi√∂sen Wahns annahm. Zahlreiche St√§dte in der UdSSR und in den Ostblockstaaten wurden zu seinen Ehren umbenannt oder neu gegr√ľndet.

Am 1. Dezember 1934 kam Parteisekret√§r Sergei Kirow bei einem Attentat ums Leben. Stalin nahm diesen Anschlag zum Anlass, tats√§chliche und vermeintliche Widersacher innerhalb und au√üerhalb der Partei bei den so genannten Stalinschen S√§uberungen (russ.: –ß–ł—Ā—ā–ļa (Tschistka) = S√§uberung) vor allem zwischen 1935 und 1939 teilweise nach spektakul√§ren Schauprozessen wie den Moskauer Prozessen auszuschalten. Wenn sie nicht hingerichtet wurden, dann wurden sie zu langen Haftstrafen oder zur Verbannung verurteilt. Dazu wurde ein System von Straf- und Arbeitslagern, das schon in den 1920er Jahren unter Lenin eingerichtet worden war, ausgebaut: Der so genannte ‚ÄěGulag‚Äú, den der Schriftsteller und Dissident Alexander Solschenizyn durch seine Ver√∂ffentlichungen seit den 1970er Jahren einer weltweiten √Ėffentlichkeit bekannt machte. Es gibt unterschiedliche Sch√§tzungen √ľber die Zahl der Todesopfer im Gulag. Sie reichen von einigen hunderttausend bis zu mehreren Millionen.

Wirtschaftlich versuchte Stalin, die UdSSR durch eine massive Industrialisierung und den Ausbau des Schienennetzes auf die Höhe der westlichen Industrienationen heranzubringen. Mit rigorosen Mitteln organisierte Stalin die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft, wodurch viele Bauern ihre Existenzgrundlagen verloren. Ebenfalls rigoros bekämpfte er die orthodoxe Kirche in der UdSSR. Viele Angehörige des Klerus wurden umgebracht oder in Arbeitslager verbannt. In vielen Orten kam es zum Bildersturm in den orthodoxen Kirchen und zur Zerstörung der christlichen Insignien.

Mit dem Hitler-Stalin-Pakt vom August 1939, in dessen geheimen Zusatzprotokoll Polen und andere Gebiete Osteuropas zwischen Deutschland und der UdSSR aufgeteilt wurden, hoffte Stalin, seinen ideologischen Gegner Hitler von einem Krieg gegen die UdSSR abzuhalten. Stalin-Verteidiger vertreten die Auffassung, dass Stalin damit nur habe Zeit gewinnen wollen, um die Rote Armee bis zum drohenden Krieg zu verst√§rken. Als 1941 mit dem ‚ÄěUnternehmen Barbarossa‚Äú dann doch der deutsche √úberfall auf die UdSSR kam, war Stalin und die Rote Armee zun√§chst √ľberrascht und √ľberrumpelt. Stalin war auf die Unterst√ľtzung durch die USA mit Waffenlieferungen √ľber das Nordmeer angewiesen. Die deutsche Wehrmacht konnte zun√§chst in einem Vernichtungsfeldzug bis vor Moskau und nach Stalingrad (heute: Wolgograd) vordringen. Im Winter 1942/43 kam nach der Schlacht von Stalingrad die Wende. Die Deutschen wurden zur√ľckgedr√§ngt und schlie√ülich besiegt. Der Sieg √ľber die NS-Diktatur im ‚ÄěGro√üen Vaterl√§ndischen Krieg‚Äú gab Stalin ab 1945 neuen Auftrieb.

Im Zuge des Krieges war 1943 die Komintern auch aus R√ľcksicht gegen√ľber den westlichen Alliierten USA und Gro√übritannien aufgel√∂st worden. Sie wurde 1947, nach Beginn des Kalten Krieges, nachdem die UdSSR ihren machtpolitischen Einfluss auf die neuen Ostblockstaaten ausgedehnt hatte, durch das ‚ÄěKommunistische Informationsb√ľro‚Äú (Kominform) ersetzt, das die kommunistischen Parteien, insbesondere Osteuropas, noch st√§rker als zuvor den Vorgaben der KPdSU (B) unterzuordnen versuchte. Schlie√ülich l√∂ste sich auch das Kominform bis 1956/57 im Zuge der sp√§teren Entstalinisierung und der von der KPdSU nicht mehr aufzuhaltenden sich unabh√§ngig von ihr auszubildenden kommunistischen Ideologien, vor allem des Maoismus in der Volksrepublik China, auf. Dennoch behielt die KPdSU auch danach bis zum Niedergang der UdSSR um 1990/91 weiterhin einen bedeutenden, wenn auch nach und nach abnehmenden Einfluss auf viele kommunistische Parteien in anderen L√§ndern.

Nach dem Sieg der Alliierten √ľber Deutschland und dem Ende des Zweiten Weltkrieges gewann die UdSSR die Oberhand √ľber die osteurop√§ischen Staaten Polen, Tschechoslowakei, Ungarn, Rum√§nien, Bulgarien und den sowjetisch besetzten Teil Deutschlands (1945‚Äď55 war auch der Osten √Ėsterreichs darunter). Aus der sowjetischen Besatzungszone, in der 1946 die unter der NS-Diktatur verbotenen Parteien SPD und KPD zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) unter Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl (zwangs-)vereinigt wurden, ging 1949 die Deutsche Demokratische Republik (DDR) hervor.

Gemeinsam mit der DDR bildeten die genannten Staaten unter Oberhoheit der UdSSR 1955 das √∂stliche Milit√§rb√ľndnis Warschauer Pakt als Antwort auf die kurz zuvor von den USA und ihren westlichen Verb√ľndeten gegr√ľndete NATO. Albanien geh√∂rte zu den Gr√ľndern des Warschauer Pakts, trat aber 1968 wieder aus.

Wirtschaftlich schlossen sich die Staaten des Ostblocks ab 1949 im Rat f√ľr gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) zusammen. Der RGW bildete die wirtschaftliche Konkurrenzb√ľndnis zur westlichen OECD und zur Europ√§ischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG). Bis 1978 schlossen sich weitere kommunistische Staaten dem RGW an, so die Mongolische Volksrepublik 1962, Kuba 1972 und Vietnam 1978. In den 1970er und 1980er Jahren wurden Kooperationsvertr√§ge auch mit einigen nicht-kommunistischen Staaten abgeschlossen, so zum Beispiel Finnland, Mexiko und Irak. Albanien, Mitglied seit 1949, trat 1968 wieder aus. Die L√§nder des Warschauer Pakts wurden alle von stalinistischen kommunistischen Parteien regiert.

Reformen unter Chruschtschow (1953‚Äď1964)

Siehe auch: Tauwetter-Periode
Nikita Chruschtschow (rechts) mit Richard Nixon (1959)

Nach Stalins Tod 1953 war Georgi Malenkow vom 5. bis 14. M√§rz Parteif√ľhrer der KPdSU. Am 14. M√§rz wurde Nikita Chruschtschow Erster Sekret√§r des ZK der KPdSU, nachdem Malenkow gezwungen worden war, sich f√ľr ein Regierungs- oder ein Parteiamt zu entscheiden; er w√§hlte das scheinbar einflussreichere Amt des Ministerpr√§sidenten und wurde in der Folgezeit von Chruschtschow verdr√§ngt. Chruschtschow leitete verschiedene Reformen in der Partei und in der UdSSR ein, insbesondere nach seiner Geheimrede auf dem 20. Parteitag der KPdSU im Februar 1956, bei der er die Politik des Stalinismus und einen gro√üen Teil der in dieser Zeit begangenen Verbrechen offenlegte und kritisierte. Die Entstalinisierung r√ľhrte nicht am Alleinherrschaftsanspruch der KPdSU, machte die Partei jedoch wieder zu einem kollektiven Entscheidungsorgan und schw√§chte so allm√§hlich die Position des Ersten Sekret√§rs des ZK der KPdSU.

Trotz der Entstalinisierung wurden reformkommunistische Bestrebungen innerhalb des Warschauer Paktes, die die Vorherrschaft der KPdSU in Frage stellten oder stellen konnten, weiterhin unterdr√ľckt. Entsprechende reformistische Bestrebungen oder Aufst√§nde wie etwa in Ungarn 1956 oder in der Tschechoslowakei 1968 wurden mit milit√§rischer Gewalt niedergeschlagen. Auch schon der Arbeiteraufstand am 17. Juni 1953 in der DDR war ‚Äď nur wenige Monate nach Stalins Tod ‚Äď, nachdem die SED nicht mehr Herr der Lage schien, mit Hilfe sowjetischer Truppen beendet worden. Innerhalb der Sowjetunion kam es anfangs Juni 1962 in Nowotscherkassk nach einer Erh√∂hung der Lebensmittelpreise zu zweit√§gigen Arbeiterstreiks, die vom Milit√§r niedergeschlagen wurden.

Au√üenpolitisch f√ľhrte die Entstalinisierung unter anderem zum ideologischen Konflikt und schlie√ülich bis Ende der 1950er Jahre zum Bruch mit China unter Mao Zedong, wodurch es zu einer Art kommunistischem Schisma kam, weil nun zwei unterschiedliche kommunistische Gro√üm√§chte weltpolitisch f√ľhrende Rollen einnahmen. Insgesamt konnten Chruschtschows Reformen unterschiedlich starken Tendenzen der Restalinisierung unter seinen Nachfolgern Leonid Breschnew (1964‚Äď1982), Juri Androwpow (1982‚Äď1984) und Konstantin Tschernenko (1984/85) jedoch standhalten. Weitere entscheidende und f√ľr den sowjetischen Realsozialismus insgesamt schwerwiegende Reformen wurden schlie√ülich ab 1985 unter der Regierung Michail Gorbatschows eingeleitet.

Chruschtschow hatte mit seinen Reformen unbestreitbar mehrere Dinge erreicht:

  • Der Einpersonendiktatur Stalins folgte eine kollektive Parteif√ľhrung.
  • Der Massenterror wurde gestoppt.
  • Die Verbrechen der Stalinzeit wurden teilweise aufgedeckt.
  • Zahlreiche Inhaftierte des GULag wurden freigelassen und zum Teil auch rehabilitiert.
  • Die unter Stalin nahezu grenzenlose Macht des Geheimdienstes wurde einged√§mmt.
  • Die Partei (vor allem das ZK) wurde wieder in den politischen Entscheidungsprozess einbezogen.
  • Der Personenkult wurde eingeschr√§nkt.
  • In Kunst und Literatur trat trotz weiterhin starker Beschr√§nkungen eine Liberalisierung ein.
  • Die Beziehungen zum Westen verbesserten sich trotz diverser Krisen.
  • Der Lebensstandard der Bev√∂lkerung hatte sich deutlich erh√∂ht.
  • Die Landwirtschaft wurde im Vergleich zur Schwerindustrie aufgewertet.
  • Die Sowjetunion wurde zu einer Weltmacht in der Raumfahrt.
  • Aber: Niemals verr√ľckte Chruschtschow (anders als sp√§ter Gorbatschow) die Eckpfeiler des sowjetischen Systems, an dessen √úberlegenheit gegen√ľber dem Westen er stets glaubte; so rechtfertigte er auch gelegentlichen Gewalteinsatz (1956 Ungarn, 1962 Nowotscherkassk), um das System zu retten.

Stagnation und Restalinisierung unter Breschnew (1964‚Äď1982)

Siehe auch: Neostalinismus
Leonid Breschnew (1974)

Nach dem Sturz Chruschtschows im Oktober 1964 wurden die von ihm eingeleiteten Reformen kaum noch weiterentwickelt; es blieb weitgehend bei dem Erreichten. Viele innerparteiliche Reformen wurden sogar zur√ľckgenommen, wenn sie die Macht der Funktion√§re gef√§hrdeten. Die Macht in der F√ľhrung von Partei und Staat teilten sich die Politb√ľromitglieder Breschnew als Erster Sekret√§r des Zentralkomitees, Kossygin als Ministerpr√§sident, Podgorny im Amt des (nur repr√§sentativen) Staatsoberhauptes, Suslow als ‚ÄěParteiideologe‚Äú und ‚Äěgraue‚Äú, aber machtvolle Eminenz im Hintergrund und Kirilenko.

Leonid Iljitsch Breschnew konnte im Vergleich zu Chruschtschow seine Macht etwas ausbauen, aber alleinherrschender Diktator ‚Äď wie einst Stalin ‚Äď wurde er nicht. Statt Erster Sekret√§r hie√ü der Parteichef ab 1966 wieder Generalsekret√§r. 1977 wurde er zus√§tzlich auch Staatsoberhaupt und l√∂ste damit Podgorny ab. Auch wurde er Vorsitzender des Verteidigungsrates sowie Oberkommandierender der Streitkr√§fte und Marschall der Sowjetunion. Das Amt des Ministerpr√§sidenten blieb bei Kossygin; ihm folgte 1980 Tichonow. Partei und Staat wurden vom kollektiven Politb√ľro (um zw√∂lf Vollmitglieder) gef√ľhrt.

Die Entwicklung in Staat und Partei stagnierte zusehends. Der ideologische Prozess der Entstalinisierung wurde nicht weiter fortgesetzt, stattdessen verfolgte man wieder eine Restalinisierung[1]. Dabei wurde die Meinungsfreiheit wieder massiv eingeschr√§nkt, in dem man regimekritische Schriftsteller wie beispielsweise Andrei Donatowitsch Sinjawski oder Juli Daniel verhaften lie√ü. Auch die Gesetze bei politischen Verbrechen wurde wieder versch√§rft, in dem neue Strafen f√ľr "wissentliche Verbreitung von L√ľgen" die den sowjetischen Staat und die Ordnung verunglimpfen einf√ľhrte. Des Weiteren versuchte man Stalin wieder zu rehabilitieren und positiv erscheinen zu lassen, indem man seine gro√üen Verdienste w√§hrend des Zweiten Weltkrieges hervorhob.

Innerparteilich wurde ebenfalls eine h√§rtere Gangart an den Tag gelegt, so benannte man das Amt des Ersten Sekret√§rs wieder in ‚ÄěGeneralsekret√§r‚Äú, einen Titel den nur Stalin getragen hatte, um; ebenso das Parteipr√§sidium, das nun wieder, wie zu Stalins Zeiten ‚ÄěPolitb√ľro‚Äú hie√ü. Auch das von Chruschtschow eingef√ľhrte Rotationsprinzip, das eine regelm√§√üige Auswechselung von Personen in Staats- und Partei√§mter vorsah, wurde abgeschafft[2]. Das ZK ‚ąí einst Machtzentrum ‚Äď verlor wie schon in den letzten Jahren unter Chruschtschow immer mehr an Bedeutung. Die konservative Wirtschaftspolitik konnte nicht erfolgreich wirken, notwendige Reformen unterblieben. Die Angst vor neuen Str√∂mungen l√§hmte die politische Entwicklung. Allerdings sorgte die F√ľhrung weiterhin f√ľr einen stetig ansteigenden (im Vergleich zum Westen allerdings hoffnungslos zur√ľckbleibenden) Lebensstandard der Bev√∂lkerung. 1969 schrieb der Menschenrechtler Andrei Amalrik den prophetischen Essay Erlebt die Sowjetunion das Jahr 1984? und wurde daf√ľr zu drei Jahren Arbeitslager verurteilt. 1974 wurde der Schriftsteller und Nobelpreistr√§ger Alexander Solschenizyn ausgewiesen.

Auch au√üenpolitisch erstarrte die UdSSR. Der F√ľhrungs- und Machtanspruch der UdSSR gegen√ľber seinen Satellitenstaaten im Warschauer Pakt wurde durch die ‚ÄěBreschnew-Doktrin‚Äú untermauert. Bereits 1968 wurden die Bestrebungen der Tschechoslowakei nach mehr Selbstst√§ndigkeit im ‚ÄěPrager Fr√ľhling‚Äú milit√§risch unterdr√ľckt. Auch Polen konnte um 1980 nur wenig √§ndern, um einen liberaleren politischen Weg einzuschlagen. 1979 marschierten die sowjetischen Streitkr√§fte in Afghanistan ein, um die dortige kommunistische Regierung zu erhalten. Andererseits fand die erste Konferenz √ľber Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) auf Initiative Frankreichs und des Warschauer Paktes ab dem 3. Juli 1973 in Helsinki statt. Sie f√ľhrte zur ‚ÄěSchlussakte von Helsinki‚Äú vom 1. August 1975, einem Hebel f√ľr eine Verbesserung der Menschenrechte. Zwar bem√ľhte sich die UdSSR um eine Entspannungs- und Abr√ľstungspolitik, um eine ‚ÄěAtempause‚Äú beim Wettr√ľsten zu bewirken; andererseits r√ľstete sie mit SS-20-Raketen umfassend nach.

Das Durchschnittsalter der ‚Äěalten Herren‚Äú im ZK, im ZK-Sekretariat und im Politb√ľro des ZK lag 1971 bei 57 bis 61 Jahren und nahm bis 1981 erheblich zu (62 bis 70 Jahre). Auf dem XXVI. Parteitag vom M√§rz 1981 erfolgte in den F√ľhrungsgremien kein einziger Wechsel. Oft konnte nur durch Krankheit (Kossygin) oder Tod (Rudakow, Kulakow, Suslow) ein Wechsel in den F√ľhrungspositionen eintreten - eine Entwicklung, die Chruschtschow vorausgeahnt und zu verhindern versucht hatte (mit dem Parteistatut von 1961), die die neue F√ľhrung nach 1964 aber in Kauf nahm. Auch deshalb waren Immobilismus und Erstarrung die Folge. In dieser ‚ÄěGreisenriege‚Äú war der 1931 geborene Gorbatschow ‚Äď seit 1978 ZK-Sekret√§r und seit 1982 im Politb√ľro ‚Äď das j√ľngste Mitglied.

Der √úbergang 1982 bis 1985: Von Andropow zu Gorbatschow

Seit 1973 war der Chef des ‚ÄěKomitees f√ľr Staatssicherheit‚Äú (KGB), Juri Andropow, Vollmitglied des Politb√ľros. Gegen Ende der 1970er Jahre trat er immer deutlicher in der √Ėffentlichkeit in Erscheinung und war 1982 nach Suslows Tod die ‚ÄěNummer Zwei‚Äú in der F√ľhrungshierarchie der Partei. Er sprach sich gegen Immobilismus, Korruption und Cliquenwesen in der UdSSR aus und f√ľr eine Verbesserung der F√ľhrungskader, f√ľr eine bessere Ausnutzung der volkswirtschaftlichen Reserven und f√ľr die gr√∂√üere Selbst√§ndigkeit der Betriebe aus. Nach dem Tod Breschnews wurde Andropow am 10. November 1982 Generalsekret√§r des ZK und bald darauf auch Staatsoberhaupt. In den 14 Monaten, die er dann noch zu leben hatte, vermochte er ‚Äď auch krankheitsbedingt ‚Äď die von ihm angestrebten eher vorsichtigen Ver√§nderungen nur in kleinen Ans√§tzen zu realisieren. Einige neue Politb√ľromitglieder wurden berufen, aber f√ľr eine durchgreifende Reform fehlte noch der Wille, die Zeit und die F√ľhrungspersonen. Andropow starb am 9. Februar 1984.

Vier Tage sp√§ter wurde sein Nachfolger gew√§hlt. Vom 13. Februar 1984 bis zum 10. M√§rz 1985 stand der Vertraute von Breschnew, der 73 Jahre alte, konservative Konstantin Tschernenko als Generalsekret√§r des ZK und Staatsoberhaupt an der Spitze der Sowjetunion. Historisch muss die Wahl Tschernenkos zum Staats- und Parteichef vor dem Hintergrund des Machtkampfes zwischen Reformern und der konservativen ‚Äěalten Garde‚Äú in der Parteif√ľhrung angesehen werden. Da die Reformer nach dem Tode Andropows noch nicht wieder √ľber einen Kandidaten verf√ľgten, der von einer breiten Mehrheit des Politb√ľros akzeptiert wurde, konnte sich der konservative Fl√ľgel noch einmal durchsetzen. Auch Tschernenko war schwer krank, und auch zu seiner Zeit waren keine besonderen Initiativen f√ľr Ver√§nderungen zu verzeichnen. Er beantwortete den Boykott der Olympischen Sommerspiele 1980 in Moskau durch die Westm√§chte mit einem Boykott der Olympischen Sommerspiele 1984 in Los Angeles. Es blieb noch bei der starren politischen Eiszeit.

Gorbatschow und der Beginn von Reformen

Michail Gorbatschow (1987)

Der Tod Tschernenkos machte 1985 die Wahl des 53 Jahre alten Michail Gorbatschow zum Generalsekret√§r des ZK m√∂glich. Staatsoberhaupt war bis 1988 der ehemalige Au√üenminister Andrei Gromyko. Gorbatschow konnte eine Reihe von personellen Ver√§nderungen durchzusetzen. Die alte Garde der Politb√ľromitglieder und ZK-Sekret√§re ‚Äď wie Ustinow (‚Ć 1984), Tichonow, Romanow, Grischin, Samjatin ‚Äď wurde durch J√ľngere ersetzt.

Vor allem die Politb√ľromitglieder Alexander Jakowlew, Wadim Medwedew, Eduard Schewardnadse, Michail Solomenzew, Witali Worotnikow, Viktor Tschebrikow, Lew Saikow unterst√ľtzten nachhaltig den Generalsekret√§r bei seiner Reformarbeit.

1985 bis 1991 war Nikolai Ryschkow neuer Ministerpräsident.
1987 kam es zu einer Rehabilitierung von Nikolai Bucharin und weiteren Oppositionellen gegen Stalin. Leo Trotzkis verbotene Schriften wurden ab 1987 teilweise veröffentlicht.
1988 wurde Gorbatschow Vorsitzender des Präsidiums des Obersten Sowjets (ab 1990 Präsident) und löste damit Andrei Gromyko ab.

Neue Parteipolitik

Die Partei versuchte, den Verfall des Realsozialismus durch die Einf√ľhrung von Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umstrukturierung) aufzuhalten. Dieser Prozess begann w√§hrend des XXVII. Parteitages der KPdSU im Februar 1986. Die von Gorbatschow ab 1985 eingeleiteten Programme sollten den Realsozialismus reformieren und f√ľhrten zu neuem, kritischen Denken in allen Regionen der Sowjetunion. Die Entwicklung verselbst√§ndigte sich aber und entglitt der Kontrolle der Partei zunehmend. Engp√§sse im Bereich von Produktion, Investition, Energie und Konsumg√ľter kennzeichneten die Wirtschaftssituation von 1985 bis 1987. Eine Antialkoholismus-Kampagne hatte nur ein kl√§gliches Resultat. √Ėkologische Probleme weiteten sich aus.

In der UdSSR √ľberschattete 1986 die Katastrophe von Tschernobyl die politische Entwicklung. 1987 wurden erste Wirtschaftsreformen angek√ľndigt, zu wenig aber realisiert. Die gro√üen Bergarbeiterstreiks in Sibirien in den Jahren 1989 und 1991 zeigten, wie der Sozialismus sich in den siebzig Jahren seiner Herrschaft gewandelt hatte: Die Herrschaft einer privilegierten Funktion√§rsclique (Nomenklatura) hatte sich von den Interessen der Arbeiter entfremdet. Die erforderlichen Umstrukturierungen (Perestroika) aber dauerten zu lange und versch√§rfen die Konflikte zwischen Bev√∂lkerung, Partei und Staat.

Außenpolitik

Gipfeltreffen auf Malta, 1989
Bush und Gorbatschow

Die Genfer Gipfeltreffen, das Treffen in Reykjav√≠k von 1986, der Moskaubesuch von US-Au√üenminister George P. Shultz von 1987, der Staatsbesuch Gorbatschows 1987 in Washington, der Gegenbesuch des US-Pr√§sidenten Ronald Reagan 1988 in Moskau, waren die Stationen einer Ann√§herung und Abr√ľstung zwischen den Ost- und Westm√§chten.
In Malta (1989) und Washington (1990) wurde der Dialog zwischen George Bush und Gorbatschow fortgesetzt und durch Wirtschaftsfragen ergänzt.

Auch die erfolgreichen KSZE-Nachfolgeverhandlungen f√ľhrten 1989 zu der Verbesserung der Beziehungen zwischen den beteiligten Staaten.

1988 verk√ľndete Gorbatschow, dass die Sowjetunion die Breschnew-Doktrin aufgeben w√ľrde. Die neuen Freiheiten f√ľhrten 1989 zu einer Reihe √ľberwiegend friedlichen Revolutionen in Osteuropa.

Zerfall und Untergang (1990‚Äď1991 und danach)

Michail Gorbatschow wollte mit seinem Konzept von Perestroika und Glasnost die Politik der KPdSU in der UdSSR innen- und au√üenpolitisch reformieren, um damit der Isolierung des Kommunismus und der Sowjetunion vorzubeugen. Au√üenpolitisch wurde diese Politik der √Ėffnung vom Westen begr√ľ√üt, w√§hrend Gorbatschow innenpolitisch auf den Widerstand der alten Kader stie√ü. 1989 und 1990 konnten sich zudem zunehmend eher konservative Mitglieder im Politb√ľro oder ZK-Sekretariat etablieren (Krjutschkow, Janajew, Schenin, Pugo, Gurenkow). 1990 hob der Oberste Sowjet der UdSSR das in Artikel 6 der Verfassung von 1977 festgeschriebene Machtmonopol der Partei auf.

Das Bestreben, die KPdSU selbst zu reformieren, f√ľhrte seit 1990 zu sich verst√§rkendem Widerspruch. Reformfreudige Politb√ľro- und Regierungsmitglieder verlie√üen ihre √Ąmter. Im August 1991 kam es zu einem Putschversuch konservativer Parteif√ľhrer (u. a. KGB-Chef Krjutschkow, Verteidigungsminister Jasow, Vizepr√§sident Dr. Janajew, Politb√ľromitglied Schenin, Innenminister Pugo, Ministerpr√§sident Pawlow, ZK-Sekret√§r Lukjanow) gegen Gorbatschow. Nach dessen Scheitern aufgrund des Widerstands des russischen Pr√§sidenten Boris Jelzin und der Moskauer Bev√∂lkerung wurde die KPdSU am 24. August 1991 vom Obersten Sowjet unionsweit verboten.

Die Ereignisse im Zuge der Volksaufst√§nde gegen die Vorherrschaft der KPs in allen Staaten Osteuropas bis zum Ende der 1980er Jahre, beginnend in Polen mit der Gr√ľndung der unabh√§ngigen Gewerkschaft SolidarnoŇõńá und endend mit dem Fall der Berliner Mauer in der DDR sowie dem Sturz und der Hinrichtung des Diktators Nicolae Ceau»ôescu in Rum√§nien, f√ľhrten letztlich zur Aufl√∂sung des Warschauer Paktes und schlie√ülich auch zur Aufl√∂sung der UdSSR am 31. Dezember 1991. Gorbatschow trat als Staatspr√§sident der UdSSR zur√ľck. Boris Jelzin trat als Pr√§sident des gr√∂√üten und einflussreichsten Landes der GUS-Staaten die Nachfolge in Russland an.

Nachfolgeentwicklung

Im Zuge der Ereignisse kam es in den Folgejahren auch zu Veränderungen der kommunistischen Parteien Osteuropas.

  • Nach dem Verbot der KPdSU gr√ľndeten die orthodoxen Kommunisten Russlands unter dem Vorsitz Gennadij Sjuganows die Kommunistische Partei der Russischen F√∂deration (KPRF). Sie bildeten in der neuen Duma, dem russischen Parlament, zwar die gr√∂√üte Fraktion, blieben aber in Relation zu den √ľbrigen, inzwischen zugelassenen Parteien dennoch insgesamt in der Minderheit und waren bislang nicht mehr an einer Regierung in Russland beteiligt.
  • Viele ehemals kommunistische Parteien des Ostblocks wandelten sich in linksgerichtete sozialistische Parteien um, die eine soziale Marktwirtschaft und ein Mehrparteiensystem unterst√ľtzen.
  • Als Neugr√ľndungen oder Abspaltungen entstanden aber auch kommunistische Parteien, die mehr oder weniger der traditionellen kommunistischen Ideologie folgen.
  • In der Republik Wei√ürussland blieb auch nach 1991 der Unabh√§ngigkeit der oberste Sowjet weiterhin von kommunistischen Kr√§ften und Strukturen dominiert, die Reformen unter dem ersten Staatspr√§sidenten Stanislau Schuschkewitsch blockierten. Die 1994 erlassene neue Verfassung f√ľhrte ein Pr√§sidialsystem ein, das die Personalunion von Regierungs- und Staatschef vorsieht. In den darauf folgenden Wahlen siegte der Kommunist Aljaksandr Lukaschenka. Bis heute regiert Lukaschenko, der weiterhin sehr enge diplomatische Beziehungen zu Russland unterh√§lt, mit weitreichenden Vollmachten.
  • In Moldawien, das in den 1990er Jahren von Unruhen und separatistischen Bestrebungen der rum√§nischen und anderer nationaler Minderheiten im Land gepr√§gt war, gewann die Kommunistische Partei der Republik Moldau (KPM) bei den Wahlen im Februar 2001 die absolute Mehrheit im Parlament und stellt seither mit ihrem Vorsitzenden Wladimir Woronin das Staatsoberhaupt. Moldawien ist damit das einzige Land, das ehemals zur UdSSR geh√∂rte, in dem eine Kommunistische Partei durch Wahlen wieder eine Regierungsverantwortung √ľbernahm.

Organisation

Parteitage

Die Parteitage der KPdSU waren laut Statut das oberste Organ der KPdSU. Sie mussten seit 1919 einmal pro (Kalender-)Jahr (bereits 1926 nicht eingehalten) und seit 1961 mindestens einmal in einer F√ľnfjahresperiode einberufen werden. Der I. Parteitag fand 1898 in Minsk statt (Gr√ľndung der SDAPR). Nach der Oktoberrevolution am 7. November 1917 (alte russische Zeitrechnung: 25. Oktober) fand im M√§rz 1918 der VII. Parteitag in Petrograd statt. Der XXVIII. Parteitag vom Juli 1990 war der letzte vor dem Verbot der KPdSU. Der Parteitag legte die Linie der Partei in der Innen- und Au√üenpolitik fest. Er nahm den Rechenschaftsbericht des Zentralkomitees und der Kontrollkommission entgegen und besa√ü das Recht, Programm und Statut der Partei zu √§ndern. Er w√§hlte das Zentralkomitee als h√∂chstes Parteigremium f√ľr die Zeit zwischen den Parteitagen (ca. f√ľnf Jahre).

Parteitag Datum Ort Zusammenfassung
I. Parteitag der SDAPR 1. bis 3. M√§rz 1898 Minsk 9 Delegierte auf dem Gr√ľndungsparteitag der SDAPR. Durch die ideologische Auseinandersetzung spaltet sich 1903 die Partei auf in Bolschewiki (Mehrheitler) (Lenin: ‚ÄěGebt uns eine Organisation von Revolution√§ren!‚Äú) und Menschewiki (Minderheitler) (Martow: ‚ÄěF√ľr eine breite Volkspartei!‚Äú). 1913 ist die Spaltung endg√ľltig. Nach dem Sieg Lenins durch die Oktoberrevolution in Russland folgt die Umbenennung.
II. Parteitag der SDAPR 17. Juni bis
10. August 1903
Br√ľssel und London K√§mpfe zwischen Bolschewiki und Menschewiki. Beschl√ľsse zum Parteistatut (u. a. zur Parteimitgliedschaft). Als zentrale Parteiorgane werden gew√§hlt: Das Zentralkomitee in Russland (nur Bolschewiki), die Redaktion der Zeitung Iskra (Der Funke) und ein f√ľnfk√∂pfiger Parteirat (zwei ZK-, zwei Iskra- und ein Parteitagsvertreter).
III. Parteitag der SDAPR 12. bis 27. April 1905 London Keine Beteiligung der Menschewiki, die f√ľr sich in Genf tagten.
IV. Parteitag der SDAPR 23. April bis
8. Mai 1906
Stockholm Vereinigungsparteitag; Versöhnungsversuch zwischen Bolschewiki und Menschewiki.
V. Parteitag der SDAPR 13. April bis
19. Mai 1907
London Das St√§rkeverh√§ltnis zwischen den Bolschewiki und den Menschewiki ist in etwa ausgeglichen bei leichtem √úbergewicht der Bolschewiki, die jedoch wegen ihrer Praxis der ‚ÄěExpropriation‚Äú in Russland (Bank√ľberf√§lle, Banknotenf√§lschungen etc. zur Geldbeschaffung) getadelt werden. Das Zentralkomitee besteht nun aus f√ľnf Bolschewiki, vier Menschewiki, zwei Bundisten, zwei polnischen und einem lettischen Sozialdemokraten.
Gesamtrussische (Allrussische)Parteikonferenz Januar 1912 Prag Konferenz der Bolschewiki; unter F√ľhrung Lenins beschlie√üt das ‚ÄěRumpfparlament‚Äú die Spaltung der Partei. Das auf dem V. Parteitag gew√§hlte Zentralkomitee wird f√ľr aufgel√∂st betrachtet und durch die gleichzeitige Wahl eines rein bolschewistischen Zentralkomitees unter F√ľhrung Lenins ersetzt, der diese Konferenz als VI. Parteitag der SDAPR ansieht.
Konferenz mit den Befugnissen eines Parteitages 24. April 1917 Petrograd Es wird ein Zentralkomitee mit neun Mitgliedern der Bolschewiki gew√§hlt. Lenin f√ľhrt von nun an unangefochten die Partei, Swerdlow ist der Sekret√§r der Partei in der Revolutionszeit.
VI. Parteitag der SDAPR (B) 26. Juli bis
3. August 1917
Petrograd Neue Losung: Statt einer friedlichen √úbernahme der Macht durch die Sowjets sollen nunmehr Vorbereitungen zum bewaffneten Aufstand getroffen werden. Das Zentralkomitee wird auf 21 Mitglieder erweitert.
VII. Parteitag der KPR (B) 6. bis 8. M√§rz 1918 Petrograd Erster nachrevolution√§rer Parteitag, 104 Delegierte (46 stimmberechtigt, 58 beratend). Die Partei ver√§ndert ihren Namen in Kommunistische Partei Russlands (Bolschewiki) (KPR (B)). Heftige Auseinandersetzungen √ľber die Frage eines Separatfriedens mit Deutschland.
VIII. Parteitag der KPR (B) 18. bis 23. Februar 1919 Moskau Neuentwurf des Parteiprogramms angenommen. Gr√ľndung der Komintern.
IX. Parteitag der KPR (B) 29. März bis
5. April 1920
Moskau Heftige Auseinandersetzungen mit der oppositionellen Gruppe des ‚ÄěDemokratischen Zentralismus‚Äú.
X. Parteitag der KPR (B) 8. bis 16. M√§rz 1921 Moskau Abkehr vom Kriegskommunismus, Beschluss √ľber die Neue √Ėkonomische Politik (NEP). Resolution ‚Äě√úber die Einheit der Partei‚Äú (= Verbot der Fraktionsbildung). Kampf gegen die Gewerkschaftsopposition.
XI. Parteitag der KPR (B) 27. März bis
2. April 1922
Moskau Kurswechsel zur NEP bestätigt.
XII. Parteitag der KPR (B) 17. bis 21. April 1923 Moskau Der erkrankte Lenin ist nicht anwesend. NEP nochmals bestätigt. Stalin beginnt, seine Macht auszubauen.
XIII. Parteitag der KPR (B) 23. bis 31. Mai 1924 Moskau Nach dem Tod Lenins erkämpft Stalin zunehmend mehr Macht in der Partei.
XIV. Parteitag der KPdSU (B) 18. bis 31. Januar 1925 Moskau Gro√üe Fraktionsk√§mpfe, Beschluss √ľber das Programm zur Industrialisierung; ‚ÄěParteitag der Industrialisierung‚Äú. In Verbindung mit der Gr√ľndung der Sowjetunion wird die Partei umbenannt in Kommunistische Partei der Sowjetunion (Bolschewiki) (KPdSU (B)).
XV. Parteitag der KPdSU (B) 2. bis 19. Dezember 1927 Moskau 1669 Delegierte (898 stimmberechtigt, 771 beratend) machen Parteitag zur Gro√üveranstaltung, echte Diskussionen werden unm√∂glich, die pr√§genden Entscheidungen fallen andernorts (vor allem im Politb√ľro). Kampf gegen die ‚ÄěKulaken‚Äú (mittelgro√üe und gr√∂√üere Bauern).
XVI. Parteitag der KPdSU (B) 25/26. Juni bis
13. Juli 1930
Moskau Parteitag der ‚Äěentfalteten Offensive des Sozialismus‚Äú. Beschluss zur Durchf√ľhrung des ersten F√ľnfjahrplans auf Kosten der Lebenshaltung der Bev√∂lkerung. Kampf gegen die Kulaken und als Folge ihre physische Vernichtung. ‚ÄěTagung der breiten sozialistischen Angriffe auf allen Gebieten‚Äú und ‚ÄěVerwirklichung der Kollektivierung‚Äú.
XVII. Parteitag der KPdSU (B) 26. Januar bis
10. Februar 1934
Moskau Sogenannter ‚ÄěSieg √ľber den Widerstand der Bauern‚Äú. Stalin: ‚ÄěParteitag der Sieger‚Äú. Parteiapparat und Volk sind getrennt.
XVIII. Parteitag der KPdSU (B) 10. bis 21. M√§rz 1939 Moskau Die Opposition ist restlos vernichtet. Stalin: ‚Äě√úbergang vom Sozialismus zum Kommunismus‚Äú als Begr√ľndung f√ľr die Verst√§rkung des Staatsapparates.
XIX. Parteitag der KPdSU 5. bis 14. Oktober 1952 Moskau Erster Parteitag nach dem Krieg, grenzenlose Huldigungen an Stalin. Verabschiedung des (bereits laufenden) 5. F√ľnfjahresplans (1951-1955), √Ąnderung des Parteistatuts (versch√§rfte Pflichten f.d.Funktion√§re). Die Bezeichnung Bolschewiki wird aus dem Parteinamen gestrichen und die Partei in Kommunistische Partei der Sowjetunion (KPdSU) umbenannt. Weitere Beschl√ľsse auf einem unmittelbar folgenden ZK-Plenum: Das Politb√ľro und das Orgb√ľro werden durch ein ‚ÄěPr√§sidium‚Äú ersetzt. Es hat 25 Vollmitglieder und 11 Kandidaten aus Partei- und Staatsf√ľhrung; zudem sind alle 10 ZK-Sekret√§re, alle 13 stellvertretenden Ministerpr√§sidenten sowie wichtige Parteivertreter der Regionen, der Gewerkschaft, des Komsomols und anderer Gremien im Pr√§sidium vertreten.
XX. Parteitag 14. - 25. Februar 1956 Moskau Chruschtschow verk√ľndet, es sei die Hauptaufgabe der Partei, f√ľr wirtschaftlichen Aufschwung zu sorgen (Parteiarbeit = Wirtschaftsarbeit). Anastas Mikojan kritisiert Stalin erstmals √∂ffentlich. Die ‚ÄěGeheimrede‚Äú Nikita Chruschtschows in einer geschlossenen Sitzung direkt im Anschluss an den Parteitag leitet gegen den Widerstand von Molotow, Woroschilow, Kaganowitsch und Malenkow die Entstalinisierung der KPdSU ein.
XXI. Parteitag 27.Januar bis
5. Februar 1959
Moskau Au√üerordentlicher Parteitag ‚Äěder Erbauer des Kommunismus‚Äú zur Wirtschaftspolitik: Abbruch des F√ľnfjahrplans und Verabschiedung eines Siebenjahrplans (1959-1965) mit dem Ziel, sp√§testens 1970 die USA in der Pro-Kopf-Produktion von Konsumg√ľtern zu √ľbertreffen. Fortsetzung der Entstalinisierungskampagne. Chruschtschow auf dem Gipfel seiner Macht und Autorit√§t; Beginn eines neuen ‚ÄěPersonenkults‚Äú um Chruschtschow.
XXII. Parteitag 17. bis 31. Oktober 1961 Moskau Mehr als 4800 Delegierte im neuerrichteten Kongresspalast des Kreml. Chruschtschows F√ľhrungsposition ist weiterhin unbestritten. Neues Parteiprogramm und Parteistatut (regelm√§√üige Wiederwahl von Parteifunktion√§ren wird erschwert). Abermalige Abrechnung mit den stalinistischen Gegnern u.a. durch Podgorny und Spiridonow. Eine Liberalisierung im Umgang mit Schriftstellern wird eingeleitet. Am 31. Oktober wird Stalins Leichnam aus dem Lenin-Mausoleum entfernt und an der Kreml-Mauer begraben.
XXIII. Parteitag 29. März bis
8. April 1966
Moskau Das Pr√§sidium wird wieder in Politb√ľro umbenannt. Leonid Breschnew erh√§lt wie zu Stalins Zeiten den Titel eines Generalsekret√§rs des ZK (statt wie bisher ‚ÄěErster Sekret√§r des ZK‚Äú). R√ľcknahme diverser innerparteilicher Reformen Chruschtschows (u.a. im Parteistatut) beschert Funktion√§ren √Ąmtersicherheit. H√§rtere Gangart in der Innenpolitik wird festgelegt ‚Üí Neostalinismus.
XXIV. Parteitag 30. März bis
9. April 1971
Moskau Die Grundsatzrede hält Breschnew. Alexei Kossygin erläuterte den Gosplan 1971 - 1975.
XXV. Parteitag 24. Februar bis
5. März 1976
Moskau Die Grundsatzrede hält wieder Breschnew.
XXVI. Parteitag 23. Februar bis
3. März 1981
Moskau Parteitag der Stagnation mit rund 5.000 Parteitagsdelegierten. Keinerlei Ver√§nderungen in der F√ľhrung, Leonid Breschnew wird als Generalsekret√§r des ZK best√§tigt. Auftrag an das Zentralkomitee (ZK) f√ľr eine Revision des Parteiprogramms. Die auf dem Parteitag erl√§uterten Abr√ľstungs- und Entspannungsvorschl√§ge werden am 6. M√§rz den USA und den westlichen Staaten √ľbermittelt.
XXVII. Parteitag 25. Februar bis
6. März 1986
Moskau Einf√ľhrung der Parteireformen von Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umstrukturierung) durch Gorbatschow: ‚ÄěOhne Glasnost gibt es keine Demokratie‚Ķ Es kommt darauf an, Glasnost zu einem st√∂rungsfrei funktionierenden System werden zu lassen.‚Äú
XXVIII. Parteitag 2. bis 13. Juli 1990 Moskau Letzter Parteitag der KPdSU vor der Parteiaufl√∂sung. Neben der KPdSU wird die Kommunistische Partei Russlands (KPR) f√ľr die Russische SFSR (heute Russland) gegr√ľndet.

Zentralkomitee

Das Zentralkomitee (ZK) der KPdSU, gew√§hlt vom Parteitag, musste gem√§√ü den Statuten mindestens einmal in sechs Monaten zu einer Plenarsitzung zusammentreten. F√ľr die Zeit zwischen den Sitzungen wurde die Politik vom Politb√ľro und vom Generalsekret√§r (1922 bis 1952 und 1966 bis 1991) bzw. 1. Sekret√§r (1952 bis 1966) des ZK (ab 1922) bestimmt. Das ZK musste nach 1961 mindestens einmal in sechs Monaten zu einer Plenartagung zusammentreten und war den Parteitagen rechenschaftspflichtig. Es befasste sich u. a. mit der Kaderpolitik der Partei (Nomenklatura) und w√§hlte den Generalsekret√§r, die Mitglieder und Kandidaten des Politb√ľros und die Sekret√§re des Sekretariats des ZK. Er lenkte die Arbeit der zentralen staatlichen Organisationen.

Anf√§nglich war das √ľberschaubare ZK das entscheidende kollektive F√ľhrungsorgan der Partei. Nachdem aber das Politb√ľro und das Sekretariat des ZK eingesetzt wurden (1917 bis 1919) und das ZK sich erheblich vergr√∂√üerte, verlor es unter Stalin vollkommen seine Macht. Es konnte nach 1953 auf Betreiben Chruschtschows eine Zeit lang an Bedeutung gewinnen, wurde aber dann durch seine st√§ndige Vergr√∂√üerung auf letztlich 412 Mitglieder als Machtorgan bedeutungslos.

Geschichtliche Entwicklung des ZK
  • 1903 (II. Parteitag): Vom Parteitag der SDAPR wurden noch relativ gleichberechtigt nebeneinander als zentrale Organisationen eingesetzt: Der Parteirat (5 Mitglieder: zwei ZK-, zwei Iskra- und ein Parteitagsvertreter), das Zentralkomitee in Russland und die Redaktion der Zeitung Iskra (Der Funke).
  • 1906 (IV. Parteitag): Das ZK bestand aus 7 Menschewiki, 3 Bolschewiki, der Redaktion der Parteizeitung und Vertretern des J√ľdischen Arbeiterbundes und der polnischen bzw. lettischen Sozialdemokraten.
  • 1907 (V. Parteitag): Das ZK mit 14 Mitgliedern bestand aus f√ľnf Bolschewiki, vier Menschewiki, zwei Bundisten, zwei polnischen und einem lettischen Sozialdemokraten.
  • 1917 (April-Konferenz) Das ZK hatte 9 ‚Äď nur bolschewistische ‚Äď Mitglieder (und 4 Vertreter): Lenin, Sinowjew, Kamenew, Miljutin, Nogin, Schwerdlow, Smilga, Stalin, Fedorow.
  • 1917 (VI. Parteitag): Das ZK mit 21 Mitgliedern (u. a. Lenin, Sinowjew, Kamenew, Trotzki, Nogin, Kollontai, Stalin, Schwerdlow, Rykow, Bucharin) und 10 Vertretern w√§hlte im Oktober das erste Politb√ľro. Das Sekretariat des ZK wurde aufgebaut.
  • 1919 (VIII. Parteitag): Das ZK wurde vom Parteitag angewiesen, ein Politb√ľro mit 5 Mitgliedern und ein Organisationsb√ľro (Leitung: Stalin) mit 5 Mitgliedern und ein Sekretariat mit einem Verantwortlichen Sekret√§r (Krestinski) und bis zu 5 weiteren Sekret√§ren zu schaffen. Die F√ľhrung der Partei verlagerte sich zunehmend auf diese Organisationen.
  • Die Anzahl der Mitglieder des ZK nahm von Parteitag zu Parteitag stetig zu. 1921: 25 Mitglieder und 15 Kandidaten; 1923: 40 Mitglieder und 17 Kandidaten; 1924: 53 Mitglieder und 34 Kandidaten; 1925: 63 Mitglieder und 43 Kandidaten.
  • 1934: Das ZK hatte 139 Mitglieder und Kandidaten, davon wurden 98 in den Jahren 1937 bis 1939 verhaftet und liquidiert. Das ZK war unter Stalin machtlos.
  • 1952: Das ZK hatte 125 Mitglieder und 111 Kandidaten; 1956: 133 Mitglieder und 122 Kandidaten; 1961: 175 Mitglieder und 155 Kandidaten. Nach Stalins Tod (1953) fanden alle sechs Monate Plenarsitzungen des ZK statt. Es gewann trotz seiner Gr√∂√üe zun√§chst wieder massiv an Bedeutung, weil Chruschtschow im internen Machtkampf nach Stalins Tod das ZK gegen√ľber dem Staatsapparat aufwertete und f√ľr seinen eigenen Aufstieg nutzte.
  • Am 14. M√§rz 1953 wurde Chruschtschow anstelle Malenkows zum 1. Sekret√§r des ZK gew√§hlt.
  • Im Juni 1957 verhinderte das ZK Chruschtschows Sturz durch eine konservative Pr√§sidiumsmehrheit. In den folgenden Jahren begann Chruschtschow, die durch seine eigenen Bem√ľhungen gewachsene Macht des ZK wieder einzud√§mmen (durch Aufbl√§hen der Gremien und erneute Aufwertung des vormals zur√ľckgestuften Staatsapparats), um selbst mehr politische Bewegungsfreiheit zu behalten. Vor allem mit der √Ąnderung des Parteistatuts 1961 und einer Parteireform 1962 verstimmte er die ZK-Mitglieder massiv.
  • Am 14. Oktober 1964 unterst√ľtzte das ZK Chruschtschows Abberufung durch das Pr√§sidium ohne weitere Aussprache und f√ľgte sich damit endg√ľltig in seine Rolle als Abnickorgan.
  • In der √Ąra Breschnew (1964 - 1982) und danach wurde das ZK immer gr√∂√üer und verlor den letzten Rest an Bedeutung. 1990 hatte das letzte ZK schlie√ülich 412 Mitglieder.

Sekretariat des Zentralkomitees

Das Sekretariat des Zentralkomitees bestand seit 1917 und wurde dann vom VIII. Parteitag 1919 formell eingesetzt. Von 1919 bis 1952 gab es auch das ‚ÄěOrgb√ľro‚Äú (Organisationsb√ľro). Das Sekretariat leitete die laufende Arbeit des ZKs. Es war f√ľr die Kaderauslese und f√ľr die Kontrolle der Durchf√ľhrung der Weisungen des ZKs zust√§ndig. 1987 geh√∂rten dem Sekretariat des ZK einschlie√ülich Generalsekret√§r Gorbatschow elf Personen an.

Das Sekretariat des Zentralkomitees leitete die laufenden Aufgaben der Parteif√ľhrung, vor allem die Personalauswahl, die Kontrolle der Ausf√ľhrung von Beschl√ľssen des Zentralkomitees und die Aufsicht √ľber die T√§tigkeit der angestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Zentralkomitees. Es hatte folgende Organisation:

  • Anf√§nglich gab es sechs bis neun Abteilungen f√ľr Allgemeines, Kader, Organisation und Instruktion, Propaganda, Schulung, Landwirtschaft, Besonderes, die zumeist von ZK-Sekret√§ren geleitet wurden.
  • 1948 wurde das Sekretariat in elf Abteilungen f√ľr Allgemeines, Organe, Propaganda und Agitation, Schwerindustrie, Leichtindustrie, Landwirtschaft, Verkehr, Planung und Finanzen, Ausland, Streitkr√§fte, sowie Besonderes gegliedert.
  • 1987 gab es einschlie√ülich dem Generalsekret√§r elf ZK-Sekret√§re.

Die ZK-Sekret√§re waren meist M√§nner, nur selten waren Frauen (Jekaterina Furzewa, Galina Semjonowa, Jelena Stassowa, Alexandra Birjukowa) als ZK-Sekret√§rinnen t√§tig. Die meisten Sekret√§re waren auch Vollmitglieder oder Kandidaten des Politb√ľros der Kommunistischen Partei.

Einrichtung und anfängliche Leitung

Vom August 1917 bis 1919 gab es bereits auf Beschluss des VI. Parteitages ein Sekretariat des Zentralkomitees als Einrichtung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands (Bolschewiki) unter Leitung bzw. ab 1918 unter Vorsitz von Swerdlow, der am 16. März 1919 verstarb. Im Februar 1919 wurde vom VIII. Parteitag das Sekretariat des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Russlands (B) als feste Einrichtung der Partei geschaffen. Als nunmehr Verantwortliche Sekretäre waren tätig:

Im April 1922 wurde durch Beschluss des XI. Parteitages die Bezeichnung Generalsekret√§r des ZK der KPR (B) eingef√ľhrt und Josef Stalin zum Generalsekret√§r gew√§hlt. Bis 1991 wurde das Sekretariat vom Generalsekret√§r bzw. zwischen 1952 und 1966 vom Ersten Sekret√§r geleitet.

Das Orgb√ľro

Neben dem bedeutsameren Sekretariatdes ZKs bestand seit dem Fr√ľhjahr 1919 zeitweise das sogenannte Orgb√ľro . Das Organisationsb√ľro der Partei wurde vom Plenum des Zentralkomitees gew√§hlt und setzte sich aus ZK-Mitgliedern zusammen. Einige ZK-Mitglieder waren in beiden Gremien t√§tig. Der XIX. Parteitag von 1952 √ľbertrug die rein organisatorischen Kompetenzen des Orgb√ľros auf das Sekretariat des ZKs.

Politb√ľro

Das Politb√ľro (von 1952 bis 1966 ‚ÄěPr√§sidium‚Äú) war das ‚Äď seit 1917 vorl√§ufige und 1919 durch den VIII. Parteitag fest etablierte ‚Äď engere F√ľhrungsgremium der Partei. Es wurde vom Zentralkomitee gew√§hlt. Ihm geh√∂rten zwischen 5 und 24 Vollmitglieder an.

Es wurde als dauerhaftes F√ľhrungsgremium durch Beschluss des VIII. Parteitages im Jahre 1919 geschaffen. In der Zeit von 1917 bis 1919 gab es bereits ein vom Zentralkomitee eingesetztes Politb√ľro, welches die Aufgabe hatte, den Aufstand in Russland zu organisieren.

Die Aufgabe des Politb√ľros war ab 1919 die Leitung der Partei zwischen den Plenarsitzungen des Zentralkomitees und den Parteitagen. Es war somit das wirkliche Macht- und F√ľhrungsgremium von Partei und Staat.

In den Jahren von 1936 bis 1940 wurden bei den Stalinistischen S√§uberungen zw√∂lf ehemalige Mitglieder des Politb√ľros (Trotzki, Kamenew, Sinowjew, Bucharin, Rykow, Krestinski, Sokolnikow, Serebrjakow, Tomski, Rudsutak, Kossior, Tschubar) und drei Kandidaten hingerichtet oder ermordet; ein Mitglied beging Selbstmord (Ordschonikidse). 1949 wurde ein weiteres Politb√ľromitglied (Wosnessenski) ohne Prozess erschossen.

1952 wurden das Politb√ľro und das Organisationsb√ľro zum ‚ÄěPr√§sidium des ZK der KPdSU‚Äú zusammengefasst um ‚Äď laut Stalin ‚Äď das F√ľhrungsgremium zu vergr√∂√üern und eine Verj√ľngung einzuleiten. Altgediente Politb√ľromitglieder sahen darin ein Vorzeichen f√ľr eine erneut drohende S√§uberung und f√ľrchteten um ihr Leben. Gleich nach Stalins Tod wurde das Pr√§sidium/Politb√ľro deshalb wieder verkleinert.

1961 wurde (auf dem XXII. Parteitag) durch ein neues Parteistatut eine Begrenzung der Wiederwahl von Pr√§sidiums-/Politb√ľromitgliedern festgelegt. Ein Viertel aller Mitglieder musste durch neue Mitglieder ersetzt werden. Was von Chruschtschow als Ma√ünahme gegen Amtstr√§gheit gedacht war, wurde von den Funktion√§ren (zu Recht) als Bedrohung ihrer √Ąmtersicherheit aufgefasst. Auf dem n√§chsten Parteitag nach Chruschtschows Sturz (XXIII. Parteitag, 1966) wurde deshalb (neben der R√ľckbenennung von Pr√§sidium in Politb√ľro) dieser Passus im Parteistatut wieder ge√§ndert - die √úberalterung des Politb√ľros in den kommenden Jahrzehnten unter Breschnew und seinen Nachfolgern war damit vorgezeichnet.

Zusammensetzung

Das Politb√ľro bestand aus Vollmitgliedern (siehe dazu die Liste der Vollmitglieder) und Kandidaten des Politb√ľros. Es setzte sich zusammen aus Sekret√§ren des Zentralkomitees und aus f√ľhrenden Regierungsmitgliedern der UdSSR. Es wurde zeitweise erg√§nzt, z. B. durch den Vorsitzenden des Pr√§sidiums des Obersten Sowjets (nominelles Staatsoberhaupt), oder den Vorsitzenden der Gewerkschaft oder einigen Ersten Sekret√§ren der Partei aus gr√∂√üeren Unionsrepubliken oder den Vorsitzenden der Parteikontrollkommission.

1919 ‚Äď zur Zeit Lenins ‚Äď gab es nur f√ľnf Vollmitglieder des Politb√ľros, in den Jahren von 1940 bis 1949 neun bis 13, 1952 dann sogar 25, nach Stalins Tod 1953 nur noch neun, zur Zeit Chruschtschows zehn bis zw√∂lf, in der Breschnew-Zeit elf (1964) bis 14 (1980) und am Schluss 24 Vollmitglieder (9 gew√§hlte und 15 KP-Vorsitzende der Unionsrepubliken).

Die einzigen Frauen als Vollmitglieder des Politb√ľros waren Jekaterina Furzewa und Galina Semjonowa.

Kandidaten des Politb√ľros

Die Kandidaten des Politb√ľros (1952‚Äď1966 Pr√§sidium) waren nicht stimmberechtigte Mitglieder dieses Gremiums. Die meisten Kandidaten wurden sp√§ter Vollmitglieder des Politb√ľros. Ihre Anzahl schwankte erheblich von maximal elf (1952‚Äď53) bis vier (nach 1953) oder wiederum neun (1957).

Generalsekretär

Der Generalsekret√§r oder ‚ÄěErster Sekret√§r‚Äú oder ‚ÄěVerantwortlicher Sekret√§r‚Äú des Zentralkomitees der KPR (B) bzw. KPdSU f√ľhrte zun√§chst (1917 bis 1924) das Sekretariat des Zentralkomitees, ab 1924 das Politb√ľro und das Sekretariat und somit die Partei.

Amtszeit Generalsekretär bzw. Erster Sekretär (1952 bis 1966)
1917‚Äď1924 Wladimir Lenin (als real anerkannter ‚ÄěParteif√ľhrer‚Äú)
1922‚Äď1953 Josef Stalin, Erster Sekret√§r ab 1952
1953 Georgi Malenkow (als ranghöchster Sekretär des ZKs)
1953‚Äď1964 Nikita Chruschtschow, Erster Sekret√§r
1964‚Äď1982 Leonid Breschnew, Erster Sekret√§r bis 1966
1982‚Äď1984 Juri Andropow
1984‚Äď1985 Konstantin Tschernenko
1985‚Äď1991 Michail Gorbatschow

Mitgliederentwicklung

  • Anf√§nglich war die Zahl der Mitglieder bei einer zun√§chst noch verbotenen Partei verst√§ndlicherweise gering.
  • 1906 w√§hlten rund 36.000 Arbeiter die 111 stimmberechtigten Delegierten (62 Menschiwiki und 49 Bolschewiki) f√ľr den IV. Vereinigungsparteitag. Die Mitgliederzahl d√ľrfte bei knapp √ľber 40.000 gelegen haben.
  • 1917 (im M√§rz) z√§hlten nur die Bolschewiki f√ľr ihren Teil der Partei 23.600 Mitglieder, davon nur 7,6 % Landarbeiter.
  • 1918 gab es 115.000 Mitglieder, davon nur 14,5 % Landarbeiter, jedoch 57 % Arbeiter und 28,5 % Angestellte und Sonstige.
  • 1919 waren 251.000 Mitglieder zu verzeichnen, 1920 waren es 431.000 und 1921 bereits 576.000 Mitglieder.
  • Durch das neue Parteienstatut vom Dezember 1919 wurde die Aufnahme in die Partei versch√§rft und eine Kandidatenzeit (f√ľr Arbeiter und Bauern zwei Monate, f√ľr die anderen Schichten sechs Monate) eingef√ľhrt. 1922 wurden deshalb 410.430 Mitglieder und 117.924 Kandidaten registriert.
  • 1926 gab es 639.652 Mitglieder und 440.162 Kandidaten. Der Anteil der Jugend ist mit 25 % auffallend hoch, das Bildungsniveau jedoch sehr niedrig. Der Frauenanteil nahm zwar zu, war jedoch mit ca. 15 % niedrig mit danach stagnierendem Anteil.
  • 1930 waren es 1.184.651 Mitglieder und 493.259 Kandidaten, davon rund 62 % Arbeiter, 21 % Bauern und 17 % Sonstige.
  • 1933 gab es 2,2 Mio. Mitglieder und 1,3 Mio. Kandidaten.
  • Durch die Parteirevision und die stalinistischen S√§uberungen sank die Mitgliederzahl kontinuierlich bis 1938 auf 1,4 Mio. Durch die Aufnahme der ‚Äětechnischen Intelligenz‚Äú nahm das Bildungsniveau erheblich zu.
  • W√§hrend des Zweiten Weltkriegs wurden wahllos m√∂glichst viele Neumitglieder aufgenommen; zwischen M√§rz 1939 und Oktober 1952 war die Zahl der Vollmitglieder und Kandidaten (laut Malenkow auf dem XIX. Parteitag) von 2.477.666 auf 6.882.145 gestiegen.
  • Ab 1949 (3,9 Mio. Mitglieder und 1,8 Mio. Kandidaten), aber vor allem nach dem Tod Stalins und einer Revision der Mitgliederpolitik, stieg die Mitgliederzahl rasant.
  • 1965 10,8 Mio. Mitglieder und 0,9 Mio. Kandidaten. Die soziale Zusammensetzung verbreiterte sich, was Parteiideologe Suslow 1956 kritisierte. Doch entsprechend dem allgemeinen sozialen Wandel gab es in den 1960er Jahren weniger Arbeiter und mehr Angestellte in der Partei. Der Frauenanteil blieb konstant niedrig. Das Bildungsniveau stieg ‚Äď wie in der gesamten Gesellschaft ‚Äď weiterhin an. Das Durchschnittsalter war deutlich h√∂her als in den 1920er Jahren. Der Anteil der Parteimitglieder in der RSFSR (heute Russland) war mit 6 % der Einwohner am h√∂chsten und in Litauen und Tadschikistan mit 3 % am niedrigsten (Ukraine 4,1 %, Wei√ürussland 3,7 %, Kasachstan 3,8%, UdSSR insges. 5,2 %)
  • 1987 geh√∂rten der KPdSU schlie√ülich 19 Mio. Mitglieder an.
  • Vom Jahr 1990 bis zum Augustputsch 1991, nach welchem die Partei auf dem Gebiet der RSFSR verboten wurde, traten zunehmend Mitglieder aus der Partei aus; viele traten in die neugegr√ľndete KPR ein.

Internationale Beziehungen der KPdSU

  • Die SDAPR wurde Mitglied der II. Internationale, welche die Spaltung in Bolschewiki und Menschewiki nicht anerkannte und die Wiedervereinigung beider Gruppen in einer Partei zu f√∂rdern suchte.
  • 1914 bis 1918: Der Weltkrieg f√∂rderte die L√∂sung der Bolschewiki von der weltweiten Sozialdemokratie und vergr√∂√üerte die Kluft zu den Menschewiki. Neben den serbischen Sozialisten waren die Bolschewiki die einzige sozialistische Partei, welche die Zusammenarbeit mit ihrer Regierung im Weltkrieg durch Zustimmung zu den Kriegskrediten verweigerte. Lenin vertrat dabei die Auffassung, dass in dieser Situation nicht die Beendigung des Krieges durch Verhandlungen, sondern die Umwandlung in einen B√ľrgerkrieg gegen die herrschenden Klassen der jeweiligen L√§nder f√ľr die Sozialisten die beste M√∂glichkeit darstelle. Die sozialistischen Weltkriegsgegner trafen sich auf den Konferenzen von Zimmerwald und Kienthal, auf denen Lenin jeweils die radikalste Position einnahm, ohne sich v√∂llig durchsetzen zu k√∂nnen.
  • 1919 ergriff die bolschewistische Parteif√ľhrung die Initiative zur Gr√ľndung der Kommunistischen (III.) Internationale ‚Äď ein Projekt, das Lenin schon seit dem Weltkrieg verfolgte. Die RKP (B) war neben der jungen KPD die bedeutendste kommunistische Partei. Deren Delegation wandte sich zun√§chst gegen eine sofortige Gr√ľndung der III. Internationale, im Laufe der Tagung setzte sich jedoch Lenin durch.
  • 1925 beschloss das Exekutivkomitee der Komintern auf Anregung der RKP (B) Thesen zur ‚ÄěBolschewisierung‚Äú der Mitgliedsparteien der Internationale.
  • 1928 wurden auf dem VI. Weltkongress der Komintern die Interessen der weltweiten kommunistischen Bewegung endg√ľltig und eindeutig den Interessen der Sowjetunion und ihrer Industrialisierungspolitik untergeordnet.
  • 1943 wurde die Komintern aufgel√∂st. Ihr Apparat und die Beziehungen zu den kommunistischen Parteien weltweit wurden der Internationalen Abteilung des Zentralkomitees der KPdSU √ľbertragen. Der Einfluss der KPdSU als f√ľhrende kommunistische Partei der Welt blieb davon bis zum Tod Stalins (1953) unber√ľhrt.
  • 1947 wurde das Kominform gegr√ľndet. Es sollte die engere Kontrolle der Parteien im Sowjetblock sicherstellen, war aber keine Fortsetzung der Komintern.
  • 1960 brach nach einer l√§ngeren Krise der Konflikt zwischen der KPdSU und der KPCh auf einer Tagung der kommunistischen Parteien in Bukarest offen aus. Die Folge war in den folgenden Jahren eine weitere Spaltung der kommunistischen Weltbewegung zwischen moskautreuen und pekingorientierten Parteien.
  • Der Eurokommunismus in den kommunistischen Parteien Italiens und Frankreichs bedeutete deren Integration in das politische System ihrer L√§nder, und damit zugleich die Lockerung der Beziehungen zur KPdSU. Der Eurokommunismus wurde von der KPdSU deutlich kritisiert.

Siehe auch

Literatur

  • Geschichte der Kommunistischen Partei der Sowjetunion. Dietz-Verlag, Berlin 1985
  • Leonard Schapiro, G√ľnter Danehl: Die Geschichte der Kommunistischen Partei der Sowjetunion. S. Fischer, Frankfurt 1962.
  • Georg von Rauch: Geschichte des bolschewistischen Ru√üland. Fischer B√ľcherei, Frankfurt am Main und Hamburg 1963.
  • Merle Fainsod: Wie Russland regiert wird. Kiepenheuer & Witsch, 1965, ISBN 3-462-00709-2.
  • Michail Gorbatschow: Erinnerungen. Siedler-Verlag, 1995, ISBN 3-88680-524-7. (Quelle, nicht Forschungsliteratur)
  • Manfred Hildermeier: Geschichte der Sowjetunion 1917 - 1991. Entstehung und Niedergang des ersten sozialistischen Staates. C.H. Beck, M√ľnchen 1998

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Aus: Wolfgang Leonhard: Die Dreispaltung des Marxismus. Ursprung und Entwicklung des Sowjetmarxismus, Maoismus & Reformkommunismus, D√ľsseldorf/Wien 1979, S. 251-256.
  2. ‚ÜĎ Aus: Wolfgang Leonhard: Die Dreispaltung des Marxismus. Ursprung und Entwicklung des Sowjetmarxismus, Maoismus & Reformkommunismus, D√ľsseldorf/Wien 1979, S. 253.

Weblinks

Programme der KPdSU

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