Konklave

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Konklave
Ansicht der Sixtinischen Kapelle von der Kuppel des Petersdoms aus

In einem Konklave w√§hlen die dazu berechtigten Kardin√§le der r√∂misch-katholischen Kirche den Papst und Bischof von Rom. Eine Wahl wird notwendig, wenn das Oberhaupt der katholischen Kirche gestorben oder von seinem Amt zur√ľckgetreten ist. Der R√ľcktritt eines Papstes ist jedoch, seit Gregor XII. ihn im Jahre 1415 vollzog, nicht mehr erfolgt.

Das Wort Konklave ist lateinischen Ursprungs (von con claudere, gemeinsam einschlie√üen), wird aber f√§lschlich meist ‚Äěmit dem Schl√ľssel‚Äú (cum clave) √ľbersetzt. Es bezeichnet sowohl den abgeschlossenen Raum, in dem die Papstwahl stattfindet, als auch die Zusammenkunft der wahlberechtigten Kardin√§le selbst.

Das Wahlverfahren im Konklave wurde erstmals im Rahmen des Zweiten Konzils von Lyon im Jahre 1274 durch Papst Gregor X. rechtlich festgelegt. Die Wähler werden so lange von der Außenwelt abgeschottet, bis sie sich auf einen Kandidaten geeinigt haben. Seit 1878 dient die Sixtinische Kapelle im Vatikan als Sitzungsort des Konklaves.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeine Regeln

Das Verfahren der Papstwahl beruht auf jahrhundertealten Kirchengesetzen und Traditionen. Das aktive Wahlrecht ist seit 1059, durch das Papstwahldekret In nomine Domini auf die Kardin√§le beschr√§nkt. Zuvor nahmen r√∂mische Kirchenvertreter und ‚Äď per Akklamation ‚Äď auch das Volk von Rom an der Wahl teil. Nur der jeweilige Papst ist berechtigt, die genauen Regeln des Konklaves zu √§ndern. Durch die Ernennung neuer Kardin√§le √ľbt er einen gewissen Einfluss auf die Wahl seines Nachfolgers aus. Es ist ihm jedoch nicht gestattet, diesen selbst zu benennen.

Die letzte g√ľltige Regelung hat Papst Johannes Paul II. am 22. Februar 1996 in der Apostolischen Konstitution √ľber die Vakanz des Apostolischen Stuhles und die Wahl des Papstes von Rom (Universi Dominici Gregis) festgelegt. Diese wurde von seinem Nachfolger Benedikt XVI. im Juni 2007 mit dem Motu proprio De aliquibus mutationibus in normis de electione Romani Pontificis teilweise modifiziert.

√Ąu√üere Bedingungen f√ľr das Konklave

Bis zum Ende des Kirchenstaats im Jahr 1870 fand das Konklave im römischen Quirinalspalast statt, seitdem in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan. Bis zur zweiten Papstwahl 1978 blieben die Kardinäle während der gesamten Zeit des Konklaves dort eingeschlossen, so dass auch kleine Schlafzellen in der Kapelle und den angrenzenden Räumen eingerichtet werden mussten.

In seiner Neuregelung bestimmte Papst Johannes Paul II. das vor einigen Jahren neugebaute G√§stehaus Domus Sanctae Marthae als den Ort, an dem die Kardin√§le w√§hrend des Konklaves wohnen. Dennoch bleiben die Kardin√§le w√§hrend des Konklaves von jedem Kontakt mit der Au√üenwelt ausgeschlossen. S√§mtliche anderen G√§ste m√ľssen die Domus Sanctae Marthae verlassen; Internet, Telefon, Fernsehen, Radio, Post oder Zeitungen sind nicht erlaubt.

Diese Regelung fand erstmals während der Papstwahl 2005 nach dem Tod von Papst Johannes Paul II. Anwendung.

Die strenge Abschlie√üung ‚Äď urspr√ľnglich auch dazu gedacht, die Kardin√§le zu einer m√∂glichst raschen Entscheidung zu dr√§ngen ‚Äď dient heute dazu, m√∂gliche √§u√üere Einflussnahmen auf das Konklave zu verhindern.

Ablauf

Das Konklave beginnt fr√ľhestens am 15. und sp√§testens am 20. Tag nach Eintritt der Sedisvakanz mit einer Messe im Petersdom und dem Einzug der wahlberechtigten Kardin√§le in die Sixtinische Kapelle. Nach der Vereidigung der Kardin√§le fordert der P√§pstliche Zeremonienmeister mit der Formel ‚ÄěExtra omnes‚Äú (‚Äěalle hinaus‚Äú) die nicht zum Konklave geh√∂renden auf, die Kapelle zu verlassen und verschlie√üt anschlie√üend deren Eingang.

Die Wahlg√§nge finden nach einem genau festgelegten Zeremoniell statt: am ersten Tag nur einer, danach gew√∂hnlich je zwei vormittags und zwei nachmittags. Kandidatenlisten gibt es dabei nicht. Jeder Kardinal ist angehalten, den Namen des von ihm favorisierten Kandidaten mit m√∂glichst verstellter jedoch deutlich lesbarer Schrift auf einen Zettel zu schreiben. Doppelt gefaltet haben diese nur noch eine Gr√∂√üe von etwa 2 mal 2 Zentimetern. Jeder Wahlzettel tr√§gt die Aufschrift ‚ÄěEligo in Summum Pontificem‚Äú (Ich w√§hle zum H√∂chsten Pontifex/ Bischof, d. h. zum Papst.). Jeder Kardinal tritt in der Reihenfolge seiner Rangordnung an den Altar, h√§lt den Wahlzettel f√ľr alle deutlich sichtbar in die H√∂he, kniet kurz zum Gebet nieder und schw√∂rt: ‚ÄěTestor Christum Dominum, qui me iudicaturus est, me eum eligere, quem secundum Deum iudico eligi debere‚Äú (‚ÄěIch rufe Christus, der mein Richter sein wird, zum Zeugen an, dass ich w√§hle, von dem ich glaube, dass er nach Gottes Willen gew√§hlt werden muss.‚Äú) Nachdem der Wahlzettel in die Urne gesteckt wurde (deren Gr√∂√üe der √Ėffnungen im √ľbrigen die Abgabe zweier Zettel beinahe ausschlie√üt), wird die Urne von einem von drei Wahlhelfern verschlossen und gesch√ľttelt, um die Stimmzettel zu durchmischen. Jeder der drei Wahlhelfer notiert den Namen des gew√§hlten Kandidaten bei der Ausz√§hlung separat auf einem Zettel. Die Wahl ist nur g√ľltig, wenn sowohl Anzahl der Stimmzettel mit der Zahl der an der Wahl beteiligten Kardin√§le √ľbereinstimmt, als auch die individuelle Ausz√§hlung der drei Wahlhelfer dasselbe Resultat ergibt.

F√ľr eine g√ľltige Wahl ist eine Zweidrittelmehrheit n√∂tig. Kurzzeitig war es erlaubt, dass die Kardin√§le nach 30 erfolglosen Wahlg√§ngen beschlie√üen k√∂nnen, den Papst mit einfacher Mehrheit zu w√§hlen; au√üerdem konnten sie sich auch f√ľr eine Stichwahl zwischen nur mehr zwei bis dahin f√ľhrenden Kandidaten entscheiden, diese Erlaubnis wurde allerdings von Benedikt XVI. wieder aufgehoben. Im 20. Jahrhundert hat es jedoch, soweit bekannt, nie mehr als 15 Wahlg√§nge gegeben.

Nach der Wahl wird der zuk√ľnftige Papst gefragt, ob er die Wahl annimmt. Ihm werden die p√§pstlichen Insignien angelegt, und er nimmt auf der Kathedra vor dem Altar in der Sixtinischen Kapelle Platz. Alle Kardin√§le versprechen ihm entsprechend ihrer Rangfolge den Gehorsam und huldigen ihm. Anschlie√üend wird das Te Deum gesungen oder gebetet.

Die Wahlzettel eines ergebnislosen Wahlgangs werden alter Tradition folgend mit nassem Stroh (unter Beigabe von √Ėl oder Pech) verbrannt, so dass der von au√üen sichtbare Rauch schwarz ist. War die Wahl erfolgreich, werden die Stimmzettel mit trockenem Stroh und reichlich Werg verbrannt, so dass wei√üer Rauch aufsteigt und den Wartenden die Wahl eines neuen Papstes signalisiert. Da die Rauchzeichen nicht immer eindeutig erkennbar waren, werden den Wahlzetteln in j√ľngerer Zeit Chemikalien hinzugef√ľgt, die f√ľr schwarzen bzw. wei√üen Rauch sorgen. Anschlie√üend wird die Kapelle wieder ge√∂ffnet und die Glocken des Petersdoms gel√§utet. Mit der Formel ‚ÄěAnnuntio vobis gaudium magnum, habemus Papam!‚Äú (‚ÄěIch verk√ľnde euch eine gro√üe Freude, wir haben einen Papst!‚Äú) wird der Gew√§hlte anschlie√üend durch den Kardinalprotodiakon √∂ffentlich bekannt gegeben. Stimmzahlen oder die Namen unterlegener Kandidaten werden nach der Wahl nicht ver√∂ffentlicht.

Wahlberechtigte

Aktives Wahlrecht

Wahlberechtigt sind im Konklave alle Kardin√§le der r√∂misch-katholischen Kirche, die am Tag vor dem Eintritt der Sedisvakanz (zum Beispiel dem Todestag des Papstes) ihr 80. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Au√üerdem bestimmte Paul VI. in der Apostolischen Konstitution Romano Pontifici Eligendo von 1975, ihre Zahl sollte 120 nicht √ľbersteigen (davor waren es 70 und es gab keine Altersbeschr√§nkung).

Jeder von ihnen ist dazu verpflichtet, am Konklave teilzunehmen, wenn er nicht durch Krankheit oder andere schwerwiegende Gr√ľnde verhindert ist. Falls dennoch ein Kardinal nicht rechtzeitig erscheint, findet das Konklave ohne ihn statt.

Passives Wahlrecht

Theoretisch kann jeder männliche Katholik zum Papst gewählt werden. Faktisch hat jedoch nur ein am Konklave teilnehmender Kardinal Wahlchancen.

Wahlverfahren

Traditionell gab es drei Verfahren f√ľr die Papstwahl:

  1. Die Wahl per scrutinium, die bis heute g√ľltige geheime Wahl mit Zetteln.
  2. Die Wahl per compromissum konnte erfolgen, wenn das Kardinalskollegium sich nach zahlreichen Versuchen nicht auf einen Kandidaten einigen konnte und die letztg√ľltige Abstimmung an eine kleine Gruppe von Kardin√§len delegierte.
  3. Die Wahl quasi ex inspiratione/per acclamationem seu inspirationem erfolgte, wenn ein Kardinal den Namen eines Kandidaten vorschlug und die √ľbrigen ihm spontan durch Akklamation zustimmten.

Die beiden letzteren wurden de facto schon 1179 im Dritten Laterankonzil abgeschafft, de jure aber erst durch die Apostolische Konstitution Universi Dominici Gregis 1996, so dass die Wahl des Papstes nur noch in geheimer und schriftlicher Form stattfindet. Auch nach dem Konklave sind die Kardin√§le zur absoluten Verschwiegenheit √ľber die Vorg√§nge bei der Papstwahl verpflichtet.

Regeländerungen

Prinzipiell wird der neue Papst durch Zweidrittelmehrheit gew√§hlt. Papst Johannes Paul II. schaffte die Regel ab, nach der ein Papst zwei Drittel plus eine Stimme erhalten musste. Sie war eingef√ľhrt worden, um die √úberpr√ľfung, ob ein Kandidat verbotenerweise f√ľr sich selbst gestimmt hatte, √ľberfl√ľssig zu machen.

Johannes Paul II. hatte eine neue Regelung eingef√ľhrt, dass nach insgesamt 30 Wahlg√§ngen die sich √ľber neun bis zw√∂lf Tage erstrecken, falls noch kein Papst gew√§hlt ist, sich die Kardin√§le mit absoluter Mehrheit f√ľr ein anderes Quorum entscheiden oder auch die Wahlprozedur √§ndern k√∂nnen. Der Papst konnte dann auch mit einfacher absoluter Mehrheit bestimmt werden oder die Kardin√§le konnten eine Stichwahl zwischen den beiden bis dahin f√ľhrenden Kandidaten bestimmen. Die Anforderung zumindest einer absoluten Mehrheit der Stimmen durfte jedoch nicht aufgegeben werden. Diese Regelung wurde von Benedikt XVI. wieder aufgehoben.

Wahlannahme und Proklamation

Von der Benediktionsloggia des Petersdoms aus verk√ľndet der Kardinalprotodiakon die Wahl des neuen Papstes

Nach Abschluss der Wahl ruft der Kardinaldekan den Sekret√§r des Kardinalskollegiums und den Zeremonienmeister zusammen. Der Kardinaldekan fragt dann den neugew√§hlten Papst: ‚ÄěNimmst du deine kanonische Wahl zum Papst an?‚Äú (Acceptasne electionem de te canonice factam in Summum Pontificem?). Bejaht der Gew√§hlte, ist er sofort der neue Papst mit allen Rechten und Pflichten und wird vom Kardinaldekan gefragt: ‚ÄěMit welchem Namen willst du gerufen werden?‚Äú (Quo nomine vis vocari?), denn seit dem 10. Jahrhundert nimmt der Papst mit seiner Wahl zumeist auch einen neuen Namen an. Danach wird ein Schriftst√ľck erstellt, welches die Annahme der Wahl und den neuen Namen des Papstes festh√§lt. Ist dieser bereits Bischof, √ľbernimmt er sofort sein neues Amt. Ist er es noch nicht, empf√§ngt er vom Kardinaldekan noch im Konklave die Bischofsweihe. Der Zeremonienmeister notiert in einem offiziellen Bericht die Wahlannahme und den Namen des neuen Papstes.[1]

Anschlie√üend begibt sich der neue Papst in den so genannten ‚ÄěRaum der Tr√§nen‚Äú (camera lacrimatoria), einem kleinen rotausgekleideten Raum in der N√§he der Sixtinischen Kapelle. Die Herkunft der Bezeichnung ist unbekannt, m√∂glicherweise geht sie auf die Tatsache zur√ľck, dass hier der Abschied des neuen Papstes von seiner bisherigen Lebensgestaltung erfolgt. Eine andere Deutung geht dahin, dass der zum Papst Gew√§hlte seinen freudigen Gef√ľhlen dort freien Lauf lassen kann. In diesem Raum befinden sich wei√üe Papstsoutanen in drei unterschiedlichen Gr√∂√üen, sowie eine mit Goldbrokat bestickte Stola, die nur P√§psten vorbehalten ist. Der Papst zieht sich alleine an, kehrt zum Konklave zur√ľck, worauf jeder Kardinal dem neuen Papst, der auf einem Schemel nahe dem Altar sitzt, die Ehre erweist und Gehorsam verspricht.

Das Ende der Wahl wird markiert durch das Aufsteigen wei√üen Rauchs (Fumata) aus einem Schornstein, der vor Beginn des Konklaves auf dem Dach der Sixtinischen Kapelle befestigt wird. Beim Konklave 1978 zur Wahl von Johannes Paul II. stiftete der Rauch Verwirrung: Ein grauer Rauch wurde von den auf dem Petersplatz wartenden als wei√ü interpretiert ‚Äď was zu unbegr√ľndetem Jubel der Wartenden f√ľhrte. Wenig sp√§ter wurde der Rauch dann dunkler, woraufhin die weltweit erfolgten Unterbrechungen des Fernsehprogramms wieder abgebrochen wurden. Papst Johannes Paul II. hatte w√§hrend seines Pontifikates veranlasst, k√ľnftig bei jeder erfolgreichen Papstwahl zus√§tzlich zum wei√üen Rauch die Glocken des Petersdomes l√§uten zu lassen, um solche Unklarheiten wie 1978 zu vermeiden. Deshalb wurden beim Konklave des Jahres 2005 zus√§tzlich zum wei√üen Rauch auch die Glocken des Petersdomes gel√§utet. Durch die Beigabe von Chemikalien, die den Rauch eindeutig einf√§rben sollen, wird dieses Problem k√ľnftig wohl vermieden werden. Der Ausruf des Kardinalprotodiakons auf der Benediktionsloggia des Petersdoms verk√ľndet der Welt√∂ffentlichkeit schlie√ülich:


‚ÄěAnnuntio vobis gaudium magnum;
‚ÄěIch verk√ľnde euch gro√üe Freude;
Habemus Papam:
Wir haben einen Papst:
Eminentissimum ac Reverendissimum Dominum,
Seine Eminenz den hochw√ľrdigsten Herrn,
Dominum [Vorname],
Herrn [Vorname],
Sanctae Romanae Ecclesiae Cardinalem [Nachname],
der Heiligen Römischen Kirche Kardinal [Nachname],

qui sibi nomen imposuit [Papstname].“[2]
welcher sich den Namen [Papstname] gegeben hat.“


Der neu gewählte Papst erscheint anschließend auf der Benediktionsloggia, hält eine kurze Ansprache und erteilt der versammelten Menge anschließend den Apostolischen Segen Urbi et Orbi.

Anstatt der heutzutage ein bis zwei Wochen nach der Wahl stattfindenden Amtseinf√ľhrung stand bisher eine aufw√§ndige Zeremonie, bei der der Papst mit dem triregnum, der dreifachen Tiara, gekr√∂nt wurde, die sog. "Papstkr√∂nung". Seit Papst Paul VI. verzichteten bisher die gew√§hlten P√§pste auf die feierliche Kr√∂nung. Papst Paul VI. legte die dreifache Krone ab, um ein Zeichen gegen den Hunger der Welt zu setzen. Er verkaufte sie an eine Washingtoner Privatperson, der Erl√∂s ging an die Armen. Jene Tiara wird heute noch mit der Stola, die Papst Johannes XXIII. zum Beginn des II. Vatikanischen Konzils getragen hat, im National Shrine in den USA ausgestellt. Diese bisherige Ablehnung der Kr√∂nung ist aber jeweils eine pers√∂nliche Entscheidung der neugew√§hlten P√§pste gewesen. Es existiert kein p√§pstliches Dekret zur Abschaffung der Papstkr√∂nung. Man wird die Entwicklung der n√§chsten Jahrzehnte abwarten m√ľssen. Es ist durchaus denkbar, dass einer der Nachfolger Papst Benedikt XVI. die alte Tradition der Kr√∂nung des neugew√§hlten Papstes wiederaufnimmt.

Historische Entwicklung

Die Verfahren der Papstwahl haben sich √ľber einen Zeitraum von knapp zweitausend Jahren entwickelt. Das heute praktizierte Verfahren wurde im Wesentlichen im Jahre 1274 kodifiziert.

Die Wahl

Bewachtes Konklave, 1415.

Die ersten Bisch√∂fe von Rom wurden wahrscheinlich von den Gr√ľndern der r√∂mischen Gemeinde bestimmt; nach √úberlieferung waren dies Petrus und einige Mitarbeiter. Dieses Wahlverfahren wurde in Rom und anderswo sehr bald durch ein Verfahren abgel√∂st, bei dem die Kirchenvertreter und die Gl√§ubigen eines Bistums sowie die Bisch√∂fe der benachbarten Di√∂zesen den jeweiligen Bischof bestimmten.

Etwa seit dem 3. Jahrhundert beanspruchten die Bisch√∂fe von Rom zun√§chst einen Ehrenvorrang vor den √ľbrigen Bisch√∂fen und sp√§ter die Funktion eines Oberhaupts der gesamten Christenheit. Damit gewann auch ihre Wahl zunehmend an Bedeutung. Wahlbestimmend waren die Kirchenvertreter, die unter Aufsicht der anwesenden Bisch√∂fe ihr zuk√ľnftiges Oberhaupt gemeinsam festlegten. Ihr Wahlvorschlag wurde den r√∂mischen Gl√§ubigen mitgeteilt. Die R√∂mer signalisierten ihre Zustimmung (oder gegebenenfalls Ablehnung) durch Tumulte. Dieses wenig klare Vorgehen w√§hrend der Wahl f√ľhrte mehrfach zur Wahl von Gegenp√§psten.

Eine Lateransynode des Jahres 769 schaffte die Zustimmungspflicht der r√∂mischen Bev√∂lkerung ab, eine in Rom im Jahre 862 stattfindende Synode r√§umte dieses Recht jedoch den r√∂mischen Adeligen wieder ein. Im Jahre 1059 legte Nikolaus II. fest, dass es allein die Kardin√§le sein sollten, die einen Kandidaten festlegten, der nach Zustimmung der √ľbrigen Kirchenvertreter und der Gemeinde sein Amt aufnahm. Dies war das erste Dekret, das f√ľr die Wahl feste Regeln aufstellte. Allerdings hielt man sich bereits 1073 nicht an diese Regelung. Der bedeutendste Papst des 11. Jahrhunderts, Gregor VII., wurde vom r√∂mischen Volk zum Papst ausgerufen. Er trug mit Kaiser Heinrich IV. den Investiturstreit aus, der im Winter 1077 im Gang nach Canossa kulminierte. Eine Lateransynode des Jahres 1139 legte fest, dass weder die √ľbrigen Kirchenvertreter noch die Gemeinde ihre Zustimmung zu geben haben.

1587 limitierte Papst Sixtus die Anzahl der wahlberechtigten Kardinale auf 70, aber die P√§pste seit Johannes XXIII. haben sich an diese Richtlinie nicht gehalten. Mit Romano Pontifici eligendo legte Paul VI. 1975 fest, dass Kardin√§le, die das achtzigste Lebensjahr vollendet haben, vom Wahlvorgang ausgeschlossen sind, und erh√∂hte gleichzeitig die Zahl der wahlberechtigten Kardin√§le auf 120. Durch Kardinalskreierungen von Johannes Paul II. wurde auch diese Grenze tempor√§r √ľberschritten.

Der zu Wählende

Grundsätzlich stellt der Laienstand kein Hindernis dar, zum Bischof von Rom ernannt zu werden. Erst im Jahre 769 wurde festgelegt, dass es sich um einen geweihten Priester handeln musste. Im Laufe der darauf folgenden Jahrhunderte wurde diese Anforderungen noch weiter verschärft, und nur Kardinäle waren zur Wahl zugelassen. Das dritte Laterankonzil im Jahre 1179 dagegen lockerte diese Bestimmungen wieder und erlaubte erneut die Wahl von Laien. Urban VI. war im Jahre 1378 der letzte Papst, der bei seiner Wahl zwar Erzbischof von Bari aber nicht bereits Kardinal war. Grundsätzlich wählbar ist nach diesen Wahlregeln jeder römisch-katholisch getaufte Mann, es sei denn, er ist ein Häretiker, ein Schismatiker oder ein Simonist. Frauen dagegen sind nicht wählbar.

Die legend√§ren Berichte √ľber eine angebliche P√§pstin namens Johanna sind historisch h√∂chst umstritten und legen schon aufgrund ihrer erstmaligen Erw√§hnung eine antipapalistische Erfindung nahe, die als polemische Geschichte in Umlauf gebracht wurde. Nach den Schilderungen w√§re auch sie nur als vorgeblicher Mann zum Papst gew√§hlt.

Sollte der Gewählte kein Bischof sein, so wird ihm noch im Konklave vom Kardinaldekan die Bischofsweihe gespendet.

Der Inhaber des Bischofsamtes von Rom muss kein Italiener sein ‚ąí Papst Johannes Paul II. war beispielsweise Pole, Benedikt XVI. ist Deutscher. Der letzte ihrer Vorg√§nger, der als Nicht-Italiener zum Papst wurde, war der im Jahre 1522 gew√§hlte deutsche (HRR) Hadrian VI. In der Fr√ľhzeit der Kirche waren √∂fter auch Griechen, Syrer und Nordafrikaner P√§pste, im Mittelalter auch Franzosen, Spanier und Deutsche und einmal ein Engl√§nder.

Wahlmehrheiten

Habemus Papam, 1415.

Bis in das Jahr 1179 reichte eine einfache Mehrheit f√ľr die Wahl des Papstes, danach war eine Zweidrittelmehrheit erforderlich:

‚ÄěWenn unter den Kardin√§len bei der Papstwahl keine Stimmenmehrheit zu erreichen ist, dann soll derjenige von der gesamten Kirche anerkannt werden, der von zwei Dritteln gew√§hlt worden ist. Ma√üt sich der nur von einem Drittel benannte Kandidat die Papstw√ľrde an, soll er mit seinen Anh√§ngern der Exkommunikation unterliegen und s√§mtliche Weihegrade verlieren.‚Äú

Dieses Dekret basiert auf dem dramatischen Ablauf der Proklamation von Alexander III. im Jahre 1159, als der unterlegene Ottaviano de Monticello dem mit klarer Mehrheit gewählten Alexander III. den gerade angelegten päpstlichen Mantel wieder herunterriss und sich vom Volk zum Papst ausrufen ließ. Alexander III., dessen Pontifikat bis 1181 währte, musste in dieser Zeit gegen vier Gegenpäpste regieren.

Kardin√§le durften nicht f√ľr sich selber stimmen, was durch umst√§ndliche Prozeduren rund um die Wahlzettel sichergestellt werden sollte. Pius XII. schaffte dies im Jahre 1945 ab, legte jedoch fest, dass eine Mehrheit von zwei Dritteln plus einer Stimme notwendig sei. 1996 legte Johannes Paul II. dies wieder auf eine Zweidrittelmehrheit fest, lie√ü aber weiterhin zu, dass Kardin√§le f√ľr sich selber stimmen k√∂nnen. Zudem f√ľhrte er die M√∂glichkeit ein, per Mehrheitsentscheidung unter den Kardin√§len nach 30 erfolglosen Wahlg√§ngen die erforderliche Mehrheit auf die H√§lfte der Stimmen abzusenken oder eine Stichwahl zwischen zwei bis dahin f√ľhrenden Kandidaten durchzuf√ľhren. Sein Nachfolger, Papst Benedikt XVI., machte diese √Ąnderung 2007 wieder r√ľckg√§ngig, so dass bei zuk√ľnftigen Papstwahlen nach mehr als 33 Wahlg√§ngen weiterhin die Zweidrittelmehrheit notwendig ist.

Wahlmethoden

Die Wahl des neuen Amtsinhabers konnte durch Akklamation, durch einen Kompromiss oder durch einen Wahlvorgang erfolgen. Wenn der neue Papst durch Akklamation ausgew√§hlt wurde, ernannten die Kardin√§le den Papst quasi afflati Spiritu sancto (als ob vom Heiligen Geist inspiriert). Der letzte Papst, der auf diese Weise ausgew√§hlt wurde, war Gregor XV. im Jahre 1621. Erfolgte die Wahl als Kompromiss, bestimmte das Kardinalskollegium ein Komitee, dessen Mitglieder den Papst untereinander festlegten. Johannes XXII. wurde im Jahre 1316 auf diese Weise gew√§hlt. Johannes Paul II. schaffte diese lange nicht mehr gew√§hlte Praxis 1996 ab. Der neue Papst wird heute nur noch √ľber eine geheime Wahl festgelegt.

Säkularer Einfluss

Römische und byzantinische Herrscher

F√ľr den gr√∂√üten Teil der Kirchengeschichte war die Wahl des Papstes nicht unbeeinflusst von weltlichen Herrschern oder Regierungen. Bereits die r√∂mischen Kaiser haben die Wahl einiger P√§pste nachhaltig beeinflusst. Kaiser Honorius legte im Jahre 418 die Kontroverse √ľber eine Papstwahl bei, indem er Bonifatius I. unterst√ľtzte, dessen rechtm√§√üige Wahl von Eulalius bestritten wurde. Honorius ordnete auch an, dass bei zuk√ľnftigen Kontroversen erneut gew√§hlt werden sollte. Allerdings wurde seine Anordnung nie umgesetzt. Nach dem Fall des R√∂mischen Reiches legte Johannes II. 532 formal fest, dass die ostgotischen K√∂nige, die in Rom herrschten, der Wahl zuzustimmen h√§tten. Da das ostgotische K√∂nigreich nur bis Ende der 530er Jahre bestand, ging dieses Recht auf die Herrscher des byzantinischen Reiches √ľber. Kirchenoffizielle informierten den Exarchen von Ravenna √ľber den Tod des Papstes, der diese Information an den Herrscher von Byzanz weiter gab. Stand fest, wer Papstnachfolger werden sollte, mussten sie eine Delegation nach Konstantinopel senden, um dort die Zustimmung einzuholen, bevor dieser sein Amt wahrnahm. Die Reise nach Konstantinopel und wieder zur√ľck verursachte gro√üe zeitliche Verz√∂gerungen, w√§hrend deren der Papstsitz unbesetzt blieb. Als Benedikt II. sich bei Konstantin IV. √ľber diese Verz√∂gerung beschwerte, stimmte Konstantin zu, dass er nur noch √ľber das Ergebnis informiert werde. Zacharias und seine Nachfolger haben auch diese Praxis beendet.

Heiliges Römisches Reich

Auch das Heilige R√∂mische Reich √ľbte ab dem 9. Jahrhundert Einfluss auf die Papstwahl aus. W√§hrend die ersten zwei Herrscher des R√∂mischen Reiches, Karl der Gro√üe und Ludwig der Fromme sich nicht in die Papstwahl einmischten, erkl√§rte Lothar, dass keine Papstwahl ohne Anwesenheit eines kaiserlichen Abgesandten durchgef√ľhrt werden d√ľrfe.

898 musste Johannes IX. nach heftigen Auseinandersetzungen die Vorherrschaft des Kaisers des Heiligen R√∂mischen Reichs anerkennen. Auch die s√§kularen regionalen Herrscher in Rom √ľbten w√§hrend einzelner Jahrhunderte einen starken Einfluss auf die Papstwahl aus. Besonders gro√ü war ihr Einfluss w√§hrend des 10. Jahrhunderts. Die Papstbulle, die 1059 das Kardinalskollegium als Wahlgremium festlegte, erkannte auch die Autorit√§t von Heinrich IV., des damaligen Kaisers des Heiligen R√∂mischen Reichs an. Es war allerdings nur eine ‚ÄěKonzession‚Äú des Papstes, der damit auch festlegte, dass der Kaiser sich nur dann in die Wahl einmischen k√∂nne, wenn es zuvor eine entsprechende √úbereinkunft mit dem Papst g√§be.

Gregor VII. war der letzte Papst, der eine solche Einmischung seitens des Herrschers des Heiligen R√∂mischen Reiches erlaubte. Der Investiturstreit √ľber die Rolle des Heiligen R√∂mischen Reiches bei der Besetzung h√∂herer kirchlicher √Ąmter endete damit, dass dem Kaiser keine Rolle mehr zugestanden wurde. 1122 stimmte der Kaiser dem Konkordat von Worms zu und akzeptierte damit diese Papstentscheidung.

Avignon

Zwischen 1309 und 1430 residierten die P√§pste unter franz√∂sischem Schutz in Avignon. Diese Zeit wird auch als die ‚ÄěBabylonische Gefangenschaft‚Äú der P√§pste bezeichnet (in Anlehnung an das Babylonische Exil des j√ľdischen Volkes). W√§hrend dieser Zeit war die Kurie franz√∂sisch dominiert, und es wurden auch bevorzugt Franzosen als P√§pste gew√§hlt.

1378 fand wieder eine Papstwahl in Rom statt. Das r√∂mische Volk verlangte einen Italiener, und so wurde zun√§chst Urban VI. gew√§hlt. Im September desselben Jahres w√§hlten die franz√∂sischen und einige italienische Kardin√§le dann mit Clemens VII. einen eigenen Papst. Beide Papstlinien existierten weiter, da jeweils Nachfolger gew√§hlt wurden. Die Situation verschlimmerte sich noch, als 1409 das Konzil von Pisa beide P√§pste f√ľr abgesetzt erkl√§rte und einen dritten Papst ernannte. Jeder der drei hielt sich f√ľr den einzig wahren Papst und exkommunizierte die jeweiligen Gegenspieler. Erst als 1417 im Konzil von Konstanz nochmals alle drei P√§pste abgesetzt wurden und Martin V. gew√§hlt wurde, wurde die Spaltung √ľberwunden. Es gab zwar noch bis 1430 einen Gegenpapst, dieser hatte aber keine Bedeutung mehr.

Nationales Vetorecht

Ab dem 16. Jahrhundert erhielten einige katholische Nationen ein Vetorecht bei der Papstwahl, das durch den Kardinal ausge√ľbt werden konnte (Exklusive). Konvention war jedoch, dass jede Nation nur einmal w√§hrend der Papstwahl ihr Vetorecht aus√ľbte. Das Recht konnte nur vor einem Wahlgang gegen einen Kandidaten eingesetzt werden, nicht nach einer erfolgreichen Wahl. Es wurde daher zu dem Zeitpunkt eingesetzt, wenn es wahrscheinlich schien, dass ein nicht genehmer Kandidat gew√§hlt werden k√∂nnte.

√Ėsterreich war das letzte Land, das dieses Recht aus√ľbte. Kardinal Puzyna de Kosielsko informierte 1903 das Kardinalskollegium dar√ľber, dass √Ėsterreich gegen eine Wahl des Mariano Kardinal Rampolla sein Veto einlege. Dieser hatte im Wahlvorgang zuvor 29 von 60 Stimmen erhalten. Das Kardinalskollegium w√§hlte anschlie√üend Giuseppe Kardinal Sarto, der den Papstnamen Pius X. annahm. Pius X. verbot w√§hrend seiner Amtszeit die Praxis des Vetorechts und k√ľndigte an, dass ein Kardinal, der ein Veto seiner Regierung verk√ľnde, exkommuniziert werden k√∂nne.

Dauer der Konklaven

Besonders in den fr√ľhen Jahren zogen sich einige Papstwahlen sehr lange hin. S√§kulare Regierende griffen oft zu radikalen Mitteln, um die Wahl zu beschleunigen. 1216 schloss die Stadt Perugia und 1241 die Stadt Rom das Wahlkollegium einfach ein. Besonders bei der Wahl im Jahre 1241 beklagten sich die Kardin√§le √ľber die unw√ľrdige Behandlung, die ihnen die R√∂mer angedeihen lie√üen.

Das l√§ngste Konklave der Kirchengeschichte w√§hrte zwei Jahre, neun Monate und zwei Tage (1005 Tage). Nach dem Tod von Clemens IV. im Jahre 1268 konnten sich die w√§hlenden Kardin√§le nicht auf die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit einigen. Die Stadt Viterbo schloss die Kardin√§le deshalb im Episcopalpalast ein. Als die Kardin√§le sich immer noch nicht auf einen Papstnachfolger einigen konnten, lie√ü die Stadtregierung nur noch Wasser und Brot in den Palast bringen und das Dach des Palastes abdecken, bis sie endlich den Erzdiakon von L√ľttich, Teobaldo Visconti, in Abwesenheit zum Papst (Gregor X.) w√§hlten. Dieser befand sich zu diesem Zeitpunkt als Pilger im Heiligen Land, und konnte daher erst weitere 6 Monate und 26 Tage nach der Wahl am 27. M√§rz 1272 gekr√∂nt werden, so dass die Sedisvakanz insgesamt √ľber drei Jahre dauerte.

Das letzte Konklave, das länger als ein halbes Jahr dauerte, endete im Jahr 1316 mit der Wahl von Johannes XXII.. Dagegen wurde Gregor IX. im Jahr 1227 noch am Tag des Beginns des Konklaves zum Papst gewählt.

Gregor X. f√ľhrte das Konklave als verbindliche Regelung zur Papstwahl ein. W√§hrend des Konklaves war es den Kardin√§len untersagt, die R√§umlichkeiten, in denen die Wahl stattfand, zu verlassen. Auch war es ihnen verboten, irgendein Einkommen aus ihrer kirchlichen T√§tigkeit zu beziehen. Zwar lie√ü Hadrian V. diese strengen Regelungen aufheben, doch Coelestin V., der 1294 nach erneuter zweij√§hriger Sedisvakanz gew√§hlt wurde, setzte die Regelungen wieder in Kraft.

Eine Papstbulle, die Pius IV. 1562 erlie√ü, regelte das Wahlverfahren √ľber geheime Stimmzettel. Gregor XV. erlie√ü zwei Bullen, die weitere Details der Wahl regelten. Die erste aus dem Jahr 1621 betraf die Wahlprozeduren. Die zweite Bulle von 1622 regelte die Zeremonien rund um die Wahl, die einzuhalten waren. 1904 erlie√ü Pius X. eine Verordnung, welche die vorherigen Regelungen zusammenfasste. Weitere kleinere Reformen wurden durch Johannes Paul II. 1996 veranlasst.

In j√ľngerer Vergangenheit waren die Sedisvakanzen relativ kurz. Nach der Wahl von Gregor XVI., der 1831 nach 50-t√§gigem Konklave gew√§hlt wurde, ben√∂tigten die Kardin√§le f√ľr eine Wahl nie l√§nger als vier Tage. So gilt zum Beispiel die Wahl von Pius XII. 1939 als eine der k√ľrzesten der Kirchengeschichte ‚Äď sie dauerte nur 20 Stunden. Das letzte Konklave 2005 zur Wahl Benedikt XVI. dauerte 26 Stunden ab dem Einzug des Kardinalskollegiums in die Sixtinische Kapelle.

Der Ort des Konklaves

Als Ort des Konklaves hat sich (bis auf wenige Ausnahmen) seit dem 14. Jahrhundert Rom herausgebildet. Aber erst das Dokument ‚ÄěUniversi dominici gregis‚Äú von Papst Johannes Paul II. legte 1996 den Vatikan als Ort des Konklaves fest. Es hat immer und auf jeden Fall in der Sixtinischen Kapelle stattzufinden. Der Sitzungsort wird hiermit erstmals sakralisiert. Diese Fixierung eines festen Wahlortes war f√ľr einen reisenden Papst unabdingbar. Er muss sich nun nicht mehr der Problematik stellen, die die bisherige Regelung, nach der die Kardin√§le am Sterbeort des Papstes zur Wahl schreiten m√ľssen, mit sich brachte. Denn nicht in jedem Land k√∂nnte ein Konklave frei und ungehindert stattfinden. Es kommt also in dieser neuen Regelung der ‚Äěnomadische Zug‚Äú (Alberto Melloni) des Papstamtes zum Ausdruck, den ihm Johannes Paul II. verliehen hat.

Geheimhaltung

Zu Beginn des Konklaves legen die Kardin√§le einen Eid ab, der sie zur Geheimhaltung verpflichtet. Trotzdem ist der Verlauf der Abstimmungen in vielen F√§llen publiziert worden. Die Authentizit√§t dieser Berichte l√§sst sich nicht nachpr√ľfen, wird aber in vielen F√§llen von Historikern akzeptiert, zum Beispiel bei der Wahl von Johannes Paul II.

Darstellung im Film

Im Film In den Schuhen des Fischers von Michael Anderson, basierend auf dem Roman The Shoes of the Fisherman von Morris L. West, aus dem Jahr 1968 wird das Konklave eines allerdings fiktiven Papstes auf anschauliche Weise dargestellt.

Der Film Das Konklave von Christoph Schrewe und Paul Donovan, der 2006 erstmals gezeigt wurde, zeigt mit dem Versuch historischer Genauigkeit die Papstwahl von 1458. Die Geschichte wird aus der Perspektive des jungen Rodrigo Borgia gezeigt, der hier sein erstes Konklave erlebte und später beim Konklave 1492 selbst zum Papst Alexander VI. gewählt wurde.

Im Film Illuminati, der 2009 erschien, wird ein fiktives Konklave sehr ausf√ľhrlich, allerdings der Realit√§t gegen√ľber fehlerhaft dargestellt.

Auch in Das Evangelium nach Satan von Patrick Graham wird ein Konklave dargestellt, von dem allerdings nur die Beschreibung des Wahlvorgangs zutreffend ist. Die Spannung im Roman baut auf eine Massenentf√ľhrung von Angeh√∂rigen der Kardin√§le, um gezielt einen Kandidaten w√§hlen zu lassen.

Im biografischen Film Johannes Paul II werden gleich zwei Konklave (Dreip√§pstejahr) sehr ausf√ľhrlich und anschaulich gezeigt.

In der mehrteiligen Fernsehserie Borgia (ZDF, 2011) wird in der 2. Folge das Konklave zur Wahl Alexanders VI. ausf√ľhrlich, allerdings nicht historisch korrekt geschildert. U.a. wird die Sixtinische Kapelle als Ort des Konklaves gezeigt, obwohl die Papstwahl dort erst seit 1878 stattfindet, zum Zeitpunkt der Wahl Alexanders VI. war die Deckenbemalung zudem noch nicht fertig.

Siehe auch

Literatur

Quellen

  • Johannes Paul II PP: Konstitution Universi Dominici Gregis; 1996
  • Johannes Paul II PP: Codex iuris canonici; 1983
  • Paul VI PP: Romano Pontifici eligendo; 1975

Sekundärliteratur

  • Frederick J. Baumgartner: Behind Locked Doors. A History of the Papal Elections. Palgrave Macmillan, New York 2003, ISBN 0-312-29463-8
  • Heiner Boberski: Der n√§chste Papst. Die geheimnisvolle Welt des Konklave. M√ľller, Salzburg 22001; ISBN 3-7013-1041-6
  • Hans-Joachim Fischer: Die Nachfolge. Von der Zeit zwischen den P√§psten. Herder, Freiburg 1997; ISBN 3-451-26190-1
  • Alberto Melloni: Das Konklave. Die Papstwahl in Geschichte und Gegenwart. Herder, Freiburg 2002, 2005; ISBN 3-451-27850-2

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Konklave ‚Äď Bedeutungserkl√§rungen, Wortherkunft, Synonyme, √úbersetzungen

Anmerkungen

  1. ‚ÜĎ http://www.alt.dbk.de/sedisvakanz/sedisvakanz_und_wahl_wahl/index.html
  2. ‚ÜĎ http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/elezione/index_ge.htm
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Synonyme:

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  • Konklave ‚ÄĒ Sf Versammlung(sraum), besonders bei der Papstwahl per. Wortschatz fach. (15. Jh.) Entlehnung. Entlehnt aus it. conclave, aus l. conclńĀve verschlie√übarer Raum , zu l. clńĀvis Schl√ľssel . ¬†¬†¬†Ebenso nndl. conclave, ne. conclave, nfrz. conclave,… ‚Ķ   Etymologisches W√∂rterbuch der deutschen sprache

  • Konklave ‚ÄĒ (lat., ¬Ľverschlossenes Gemach¬ę) hei√üt sowohl der Ort, an dem die Kardin√§le (Konklavisten) zur Vornahme der Wahl eines neuen Papstes sich versammeln und eingeschlossen bleiben, als auch die Versammlung selbst zu diesem Gesch√§ft. Die Verordnungen,… ‚Ķ   Meyers Gro√ües Konversations-Lexikon

  • Konklave ‚ÄĒ KonklńĀve (lat.), Gemach, bes. der Ort, wo die Kardin√§le zur Wahl des Papstes sich versammeln; dann diese Versammlung selbst. Konklav√≠st, Teilnehmer des K.; auch Begleiter oder Diener eines Kardinals im K ‚Ķ   Kleines Konversations-Lexikon

  • konkl√°ve ‚ÄĒ a m (aŐĎ) rel. popolnoma lońćen, zaprt prostor, v katerem kardinali volijo papeŇĺa: osemdeset kardinalov se je zaprlo v konklave // zasedanje kardinalov v tem prostoru: konklave je trajal do izvolitve papeŇĺa / ekspr. seŇ°el se je konklave ‚Ķ   Slovar slovenskega knjiŇĺnega jezika

  • Konklave ‚ÄĒ Papstwahl * * * Kon|kla|ve ‚Ć©[ v…ô] n. 28‚Ć™ 1. streng abgeschlossener Versammlungsraum der Kardin√§le zur Papstwahl 2. die Versammlung selbst [<lat. conclave ‚Äěverschlie√übares Gemach‚Äú; zu clavis ‚ÄěSchl√ľssel‚Äú; verwandt mit ‚Üí Klause] * * * Kon|kla|ve ‚Ķ   Universal-Lexikon

  • Konklave ‚ÄĒ das Konklave, n (Aufbaustufe) Versammlung der Kardin√§le, die einen neuen Papst w√§hlen Beispiel: Die Sixtinische Kapelle im Vatikan ist der Sitzungsort des Konklaves ‚Ķ   Extremes Deutsch

  • Konklave ‚ÄĒ Kon¬∑klaŐ≤¬∑ve das; s, n; die Versammlung der Kardin√§le, bei der sie einen neuen Papst w√§hlen ‚Ķ   Langenscheidt Gro√üw√∂rterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • Konklave ‚ÄĒ Kon|kla|ve ‚Ć© [ v…ô] n.; Gen.: s, Pl.: n‚Ć™ 1. streng abgeschlossener Versammlungsraum der Kardin√§le zur Papstwahl 2. die Versammlung selbst [Etym.: <lat. conclave ¬Ľverschlie√übares Gemach¬ę; zu clavis ¬ĽSchl√ľssel¬ę] ‚Ķ   Lexikalische Deutsches W√∂rterbuch

  • Konklave ‚ÄĒ Kon|kla|ve* [...v…ô] das; s, n <aus mlat. conclave ¬ĽWahlraum¬ę, eigtl. ¬Ľverschlie√übares Gemach¬ę, zu ‚ÜĎkon... u. lat. clavis ¬ĽSchl√ľssel¬ę>: a) streng abgeschlossener Versammlungsort der Kardin√§le bei einer Papstwahl; b) Kardinalsversammlung zur… ‚Ķ   Das gro√üe Fremdw√∂rterbuch

  • konklave ‚ÄĒ kon|kla|ve sb., t, r, rne (afl√•st rum i Vatikanet hvor kardinalerne v√¶lger den nye pave; forsamlingen af kardinaler der v√¶lger den nye pave) ‚Ķ   Dansk ordbog


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