Kreis Minden

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Kreis Minden
Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Kreises Minden Deutschlandkarte, Position des Kreises Minden hervorgehoben
52.2833338.916667
Basisdaten (Stand 1972)
Bestandszeitraum: 1816–1972
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Detmold
Landschaftsverband: Westfalen-Lippe
Verwaltungssitz: Minden
FlĂ€che: 593,41 kmÂČ
Einwohner:

197.913 (27. Mai 1970)

Bevölkerungsdichte: 334 Einwohner je kmÂČ
Kfz-Kennzeichen: MI
Kreisgliederung: 76 Gemeinden
Lage des Kreises Minden in Nordrhein-Westfalen
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Über dieses Bild

Der Kreis Minden (1939–1969: Landkreis Minden) war ein von 1816 bis 1972 bestehender Kreis in Ostwestfalen. Der Kreis war zunĂ€chst Teil des Regierungsbezirks Minden in der preußischen Provinz Westfalen, ab 1947 Teil des nordrhein-westfĂ€lischen Regierungsbezirks Detmold. Verwaltungssitz war Minden. Der Kreis ging 1973 im Rahmen der nordrhein-westfĂ€lischen Gebietsreform im neu gegrĂŒndeten Kreis Minden-LĂŒbbecke auf.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Das Gebiet des ehemaligen Kreises ist durch eine stark unterschiedliche Geographie geprĂ€gt: WĂ€hrend der SĂŒden noch zum Mittelgebirge gehört, liegt der Norden schon in der Norddeutschen Tiefebene. Markanter Trennpunkt dieser Bereiche ist der Höhenzug des Wiehengebirges und des Wesergebirges. Durch diesen von Westen nach Osten verlaufenden Gebirgskamm tritt an der Porta Westfalica die Weser in die Norddeutsche Tiefebene ein und durchfließt das Kreisgebiet von SĂŒden nach Norden. Nördlich von Minden kreuzt der Mittellandkanal in Ostwestrichtung das Gebiet. Die Weser wird am Wasserstraßenkreuz Minden ĂŒberbrĂŒckt.

Der Kreis Minden grenzte im Norden und Osten an Niedersachsen, im SĂŒden an die Kreise Herford und Lemgo sowie im Westen an den Kreis LĂŒbbecke.

Altes Kreishaus Minden

Geschichte

Vorgeschichte

Das Gebiet des Kreises Minden gehörte bis 1806 zum preußischen Verwaltungsgebiet Minden-Ravensberg und bildete den östlichen Teil des FĂŒrstentums Minden (Ämter Petershagen und SchlĂŒsselburg und der grĂ¶ĂŸte Teil des Amtes Hausberge), das seit 1648 zu Brandenburg-Preußen gehörte. 1806 fiel das Gebiet an das napoleonische Frankreich. Zwischen 1807 und 1810 war das spĂ€tere Kreisgebiet Teil des de facto französischen Königreichs Westphalen (Departement der Weser, Distrikt Minden), der westliche Teil westlich der Weser gehörte zwischen 1811 und 1813 zu Frankreich (Departement Ober-Ems, Distrikt Minden). Der beim Königreich Westphalen verbleibende Rest wurde in das Departement der Leine (Distrikt Rinteln) eingegliedert. Das Gebiet erhielt eine Verwaltung nach französischem Vorbild und gliederte sich in Kantone. Nach der RĂŒckeroberung durch Preußen gehörte es ab 1813 bis zur GrĂŒndung der preußischen Provinz Westfalen provisorisch zum Zivilgouvernement zwischen Weser und Rhein.

Verwaltungsgeschichte

Lage des Kreises im Regierungsbezirk Minden 1816–1831
Die anfÀngliche Gliederung des Kreises bis Juni 1817 (gestrichelte Linie: Grenzverlauf nicht exakt)
Lage des Kreises im Regierungsbezirk Minden 1832–1947
Gliederung um 1845
Gliederung um 1855
Gliederung von 1860 bis 1871
Gliederung von 1871 bis Oktober 1886
Gliederung von Oktober 1886 bis 1934
Lage des Kreises im Regierungsbezirk Detmold 1947–1968
Gliederung von 1934 bis 1962
Gliederung des Kreises von 1963 bis zur Auflösung zum 1. Januar 1973
Der Altkreis Minden in heutiger Gliederung

Der 1816 gegrĂŒndete Regierungsbezirk Minden, einer von drei Regierungsbezirken in der Provinz Westfalen, wurde mit Wirkung vom 1. November 1816 durch Verordnung der Königlichen Regierung in Minden vom 18. Oktober 1816 in zwölf Kreise gegliedert, darunter der Kreis Minden mit Sitz in Minden. Die Stadt und Festung Minden waren zunĂ€chst kreisfrei und wurden nach knapp zehn Monaten am 11. Juni 1817 in den Kreis Minden eingegliedert, der sich 1816 in 82 (ohne Minden) bzw. 73 (ohne Minden und ohne die 1843 nicht mehr existierenden Gemeinden) Ortschaften in 21 Kirchspielen gliederte:

Kirchspiel Ortschaften
Bergkirchen Haddenhausen, OberlĂŒbbe, Rothenuffeln, UnterlĂŒbbe, Wulferdingsen, Bergkirchen (1843 nicht mehr als Gemeinde gefĂŒhrt und zu Volmerdingsen gehörig)
Buchholz Buchholz, Großenheerse
Dankersen Aminghausen, Dankersen, Frille (preußischer Anteil; die Gemeinde gehörte zu 2/3 Preußen und zu 1/3 BĂŒckeburg), Hasenkamp, Leteln, PĂ€pinghausen, Wietersheim
Eidinghausen Eidinghausen, Werste
Eisbergen Eisbergen, FĂŒlme
Friedewalde Friedewalde, Stemmer
Hartum Hahlen, Hartum, Holzhausen (spÀter Holzhausen II), Nordhemmern
Hausberge Stadt Hausberge mit der DomÀne Wedigenstein (Wedigenstein gehörte spÀter zu Barkhausen), Costedt, Möllbergen, Vennebeck
Hille Eickhorst, Hille, SĂŒdhemmern
Holtrup Holtrup, Uffeln, Vössen (1843 nicht mehr als Gemeinde gefĂŒhrt und zu Holtrup gehörig)
Holzhausen Holzhausen (spĂ€ter Holzhausen I), Amorkamp (1843 nicht mehr als Gemeinde gefĂŒhrt und zu Holzhausen gehörig), Rothenhof (1843 nicht mehr als Gemeinde gefĂŒhrt und zu Costedt gehörig)
Kleinenbremen Kleinenbremen, WĂŒlpke
Lahde Bierde, Döhren, Heimsen mit der Meierei HĂŒnerburg, Ilserheide, Ilvese, Lahde, Neuenknick, Quetzen, Raderhorst, Seelenfeld
Lerbeck Lerbeck, Meißen, Nammen, Neesen
Minden Barkhausen, Bölhorst, DĂŒtzen, HĂ€verstĂ€dt, Kutenhausen, Todtenhausen, Aulhausen (1843 nicht mehr als Gemeinde gefĂŒhrt und zu Barkhausen gehörig), Hummelbeck, Uphausen (beide 1843 nicht mehr als Gemeinde gefĂŒhrt und zu DĂŒtzen gehörig)
OvenstĂ€dt Gernheim, HĂ€vern, OvenstĂ€dt, Halle (1843 nicht mehr als Gemeinde gefĂŒhrt und zu OvenstĂ€dt gehörig oder bereits aus Preußen ausgegliedert)
Petershagen Eldagsen, Maaslingen, Meßlingen, Stadt Petershagen, SĂŒdfelde
SchlĂŒsselburg Stadt SchlĂŒsselburg mit Vorburg, Röhden (1843 nicht mehr als Gemeinde gefĂŒhrt und zu SchlĂŒsselburg gehörig)
Veltheim Lohfeld, Veltheim
Volmerdingsen Volmerdingsen
Windheim Gorspen-Vahlsen, Ilse, Jössen, Rosenhagen, Windheim

Zum 1. Januar 1832 wurde das Kirchspiel Rehme (Ortschaften Dehme, Lohe (umbenannt in Niederbecksen) und Rehme) aus dem Kreis Herford in den Kreis eingegliedert, der sich damit in 86 (mit Minden) bzw. 77 (mit Minden und ohne die 1843 nicht mehr existierenden Gemeinden) Ortschaften gliederte. Zwischen 1843 und 1858 schlossen sich Rehme und Niederbecksen zur Gemeinde Rehme-Niederbecksen zusammen. 1851 schlossen sich Eisbergen, FĂŒlme und Lohfeld in der Gemeinde Eisbergen zusammen. Der Gutsbezirk Wietersheim wurde um 1856 von der Gemeinde Wietersheim abgetrennt. Der Kreis gliederte sich 1858 in eine amtsfreie Stadt sowie 73 amtsangehörige Gemeinden und einen Gutsbezirk in sieben Ämtern:

Amt Gemeinden
amtsfrei Stadt Minden
DĂŒtzen Barkhausen, Bölhorst, DĂŒtzen, Haddenhausen, HĂ€verstĂ€dt, OberlĂŒbbe, Rothenuffeln, UnterlĂŒbbe
Hartum Eickhorst, Hahlen, Hartum, Hille, Holzhausen II, Nordhemmern, SĂŒdhemmern
Hausberge Costedt, Eisbergen, Hausberge, Holtrup, Holzhausen I, Kleinenbremen, Lerbeck, Meißen, Möllbergen, Nammen, Neesen, Uffeln, Veltheim, Vennebeck, WĂŒlpke
Petershagen Eldagsen, Friedewalde, Gernheim, HĂ€vern, Kutenhausen, Maaslingen, Meßlingen, OvenstĂ€dt, Petershagen, Stemmer, SĂŒdfelde, Todtenhausen
Rehme Dehme, Eidinghausen, Rehme-Niederbecksen, Volmerdingsen, Werste, Wulferdingsen
SchlĂŒsselburg Buchholz, Großenheerse, SchlĂŒsselburg
Windheim Aminghausen, Bierde, Dankersen, Döhren, Frille (nur preußischer Teil), Gorspen-Vahlsen, Hasenkamp, Heimsen, Ilse, Ilserheide, Ilvese, Jössen, Lahde, Leteln, Neuenknick, PĂ€pinghausen, Quetzen, Raderhorst, Rosenhagen, Seelenfeld, Wietersheim, Gut Wietersheim, Windheim

Diese Gliederung in Gemeinden, Ämter und amtsfreie StĂ€dte hatte weitestgehend bis 1972 Bestand. Hausberge, Petershagen und SchlĂŒsselburg hatten 1856 die Landgemeindeordnung angenommen und wurden nicht mehr als StĂ€dte gefĂŒhrt; 1871 wurden Petershagen wieder als Stadt gefĂŒhrt und Hausberge und SchlĂŒsselburg als Marktflecken, spĂ€ter auch wieder als StĂ€dte. Zum 1. Januar 1860 wurde die Stadt Bad Oeynhausen aus Teilen der Gemeinden Rehme und Gohfeld (Kreis Herford) gegrĂŒndet; sie war zunĂ€chst dem Amt Rehme angehörig, spĂ€ter dann amtsfrei. Ab 1860 bildete Niederbecksen wieder eine selbstĂ€ndige Gemeinde, die zum 1. April 1926 in Lohe umbenannt wurde. Zwischen 1858 und 1871 wurde Hasenkamp in Dankersen eingemeindet. Die Glasfabrik Gernheim wird bis 1858 als Gemeinde gefĂŒhrt und gehörte danach zu OvenstĂ€dt. Erst 1885 wurde der Grenzverlauf zwischen Preußen und Schaumburg-Lippe im Bereich Frille festgelegt. Frille war nun endgĂŒltig geteilt und kein Kodominium mehr. Zum 14. Oktober 1886 wurde Lohfeld von Eisbergen abgetrennt und bildete wieder eine selbstĂ€ndige Gemeinde. Der Gutsbezirk Wietersheim wurde zum 1. Juli 1920 wieder in die Gemeinde Wietersheim eingegliedert. 1934 wurde das Amt SchlĂŒsselburg aufgelöst; Buchholz und Großenheerse kamen zum Amt Petershagen, SchlĂŒsselburg zum Amt Windheim. Barkhausen, Hausberge und Holzhausen I nahmen den Namenszusatz „an der Porta“ an. Von 1939 bis 1969 trug der Kreis die Bezeichnung „Landkreis Minden“.

Mit der offiziellen Auflösung Preußens und damit auch der Provinz Westfalen durch den Alliierten Kontrollrat 1947 und der vorhergehenden GrĂŒndung des Landes Nordrhein-Westfalen im Jahr 1946 wurde der Regierungsbezirk Minden und damit der Landkreis Minden Teil des neuen Landes Nordrhein-Westfalen. Durch den Beitritt des Landes Lippe zum Land Nordrhein-Westfalen im Jahr 1947 (1948 formal vollzogen) wurde der Regierungsbezirk Minden 1947 um die lippischen Gebiete vergrĂ¶ĂŸert. Dem nun nach dem neuen Verwaltungssitz als Regierungsbezirk Detmold bezeichneten Bezirk (kurzzeitig und anfĂ€nglich als „Regierungsbezirk Minden-Lippe“ bezeichnet) gehörte der Kreis Minden bis zu seiner Auflösung an. Mit der GrĂŒndung der Bundesrepublik Deutschland wurde 1949 auch der Landkreis Minden Teil der Bundesrepublik.

Zum 1. Januar 1963 wurde die Gemeinde Wasserstraße auf dem Gebiet der Stadt SchlĂŒsselburg gegrĂŒndet, wofĂŒr SchlĂŒsselburg ĂŒber die HĂ€lfte ihres Stadtgebietes abgab. Am 1. Oktober 1971 wurde Frille wieder vereint und gehörte nun vollstĂ€ndig zum Land Nordrhein-Westfalen. Der Kreis Minden gliederte sich zuletzt (1972) in zwei amtsfreie StĂ€dte sowie 74 amtsangehörige StĂ€dte und Gemeinden in sechs Ämtern:

Amt Gemeinden
amtsfrei Stadt Minden, Stadt Bad Oeynhausen
DĂŒtzen Barkhausen a. d. Porta, Bölhorst, DĂŒtzen, Haddenhausen, HĂ€verstĂ€dt, OberlĂŒbbe, Rothenuffeln, UnterlĂŒbbe
Hartum Eickhorst, Hahlen, Hartum, Hille, Holzhausen II, Nordhemmern, SĂŒdhemmern
Hausberge
a. d. Porta
Costedt, Eisbergen, Stadt Hausberge a. d. Porta, Holtrup, Holzhausen a. d. Porta, Kleinenbremen, Lerbeck, Lohfeld, Meißen, Möllbergen, Nammen, Neesen, Uffeln, Veltheim, Vennebeck, WĂŒlpke
Petershagen Buchholz, Eldagsen, Friedewalde, Großenheerse, HĂ€vern, Kutenhausen, Maaslingen, Meßlingen, OvenstĂ€dt, Stadt Petershagen, Stemmer, SĂŒdfelde, Todtenhausen
Rehme Dehme, Eidinghausen, Lohe, Rehme, Volmerdingsen, Werste, Wulferdingsen
Windheim Aminghausen, Bierde, Dankersen, Döhren, Frille, Gorspen-Vahlsen, Heimsen, Ilse, Ilserheide, Ilvese, Jössen, Lahde, Leteln, Neuenknick, PĂ€pinghausen, Quetzen, Raderhorst, Rosenhagen, Stadt SchlĂŒsselburg, Seelenfeld, Wasserstraße, Wietersheim, Windheim

Im Rahmen der nordrhein-westfĂ€lischen Gebietsreform wurde der Kreis im Zuge der Umsetzung des „Gesetzes zur Neugliederung der Gemeinden und Kreise des Neugliederungsraumes Bielefeld (Bielefeld-Gesetz)“ zum 1. Januar 1973 mit dem benachbarten Kreis LĂŒbbecke zum Kreis Minden-LĂŒbbecke vereinigt. Ebenfalls durch dieses Gesetz festgelegt wurde der Zusammenschluss der StĂ€dte und Gemeinden des Kreises mit Ausnahme von Uffeln zu den fĂŒnf StĂ€dten und Gemeinden Bad Oeynhausen, Hille, Minden, Petershagen und Porta Westfalica. Die Gemeinde Uffeln aus dem Amt Hausberge a. d. Porta wurde in die Stadt Vlotho (Kreis Herford) eingegliedert.

Patenschaft

Am 9. Juli 1955 ĂŒbernahm der Kreis Minden offiziell eine Patenschaft zum ehemaligen Kreis Königsberg (Pr.)-Land. Nach der Kreisreform fĂŒhrt der neue Kreis Minden-LĂŒbbecke die Patenschaft fort. Heute ist das Preußenmuseum in Minden zustĂ€ndig fĂŒr die Kontakte.

Einwohnerentwicklung

Bevölkerungsentwicklung im Kreis Minden von 1818 bis 1970

Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen des Kreises Minden nach dem jeweiligen Gebietsstand. Änderungen des Gebietsstandes ergaben sich durch die Eingliederung der Gemeinden Dehme, Lohe und Rehme aus dem Kreis Herford zum 1. Januar 1832 sowie die Eingliederung eines Teils der Gemeinde Gohfeld aus dem Kreis Herford im Jahr 1860. Bei den Zahlen handelt es sich um VolkszĂ€hlungsergebnisse.[1][2][3] Die Angaben beziehen sich ab 1871 sowie fĂŒr 1946 auf die Ortsanwesende Bevölkerung und ab 1925 auf die Wohnbevölkerung. Vor 1871 wurden die Einwohnerzahlen nach uneinheitlichen Erhebungsverfahren ermittelt.

Die Auswanderung nach Amerika erreichte 1857 mit 860 Personen ihren Höhepunkt. Insgesamt wanderten wÀhrend der Auswanderungswelle von 1845 bis 1869 12.501 Personen mit und ohne Erlaubnis aus dem Kreisgebiet aus.[4]

Jahr Einwohner
1818 (31. Dez.) 43.199
1822 (31. Dez.) 44.561
1825 (31. Dez.) 45.069
1831 (31. Dez.) 47.538
1834 (31. Dez.) 51.920
1837 (31. Dez.) 53.310
1840 (31. Dez.) 58.267
1843 (31. Dez.) 60.696
Jahr Einwohner
1846 (3. Dez.) 61.621
1849 (3. Dez.) 62.604
1852 (3. Dez.) 64.524
1855 (3. Dez.) 64.395
1858 (3. Dez.) 65.351
1861 (3. Dez.) 66.760
1864 (3. Dez.) 69.530
1867 (3. Dez.) 73.385
Jahr Einwohner
1871 (1. Dez.) 72.672
1880 (1. Dez.) 78.032
1885 (1. Dez.) 80.086
1890 (1. Dez.) 85.299
1895 (1. Dez.) 92.424
1900 (1. Dez.) 100.689
1905 (1. Dez.) 107.817
1910 (1. Dez.) 113.620
Jahr Einwohner
1925 (16. Juni) 121.943
1933 (16. Juni) 130.064
1939 (17. Mai) 136.143
1946 (29. Okt.) 162.104
1950 (13. Sep.) 179.618
1961 (6. Juni) 189.149
1970 (27. Mai) 197.913

1960 zÀhlten 32.100 Vertriebene aufgrund des Zweiten Weltkrieges zur Bevölkerung des Kreises.[5]

Politik

LandrÀte

  • 1817–1820 Otto von Arnim – ausfĂŒhrendes Organ der Bezirksregierung
  • 1820–1849 Ernst Wilhelm Georg Heinrich Freiherr von Korff zu Waghorst
  • 1849–1869 Carl Freiherr von Schlotheim (der Straßenbauer des Kreises Minden)
  • 1869–1892 Alexander von Oheimb
  • 1892–1905 Christoph Bosse
  • 1905–1917 Dr. jur. Franz Cornelsen (1914–1917 eingezogen, Vertreter: Dr. iur. Erich Kretschmar)
  • 1917–1937 Erich Petersen
  • 1937–1940 Dr. Hermann Meyer-Nieberg (NSDAP)
  • 29. MĂ€rz 1940–28. Oktober 1942 Udo von Alvensleben (kommissarisch, NSDAP)
  • 29. Oktober 1942–31. Juli 1943 Albrecht Kusserow (NSDAP)
  • 1. August 1943–30. Mai 1944 Erich Hartmann (Landrat des Kreises Herford), Friedrich Kleim (kommissarisch, gleichzeitig OberbĂŒrgermeister von Herford)
  • 31. Mai 1944–4. April 1945 Georg Lichtenberg (NSDAP) (hat sich am 4. April 1945 aus Minden nach Osten abgesetzt)
  • 7. April 1945–26. April 1945 Leopold Heinrich (NSDAP) (von der britischen MilitĂ€rverwaltung ernannt und wieder abgesetzt)
  • 26./27. April 1945–28./29. Juni 1945 Dr. iur. Hans Graff (parteilos) (von der brit. MilitĂ€rverwaltung ernannt und wieder abgesetzt)
  • 29. Juni 1945–19. September 1945 Dr. Hermann Heyne (parteilos) (von der britischen MilitĂ€rverwaltung ernannt und wieder abgesetzt)
  • 19. September 1945–4. Dezember 1945 Erich KĂŒhn (Kreisbaurat)
  • 5. Dezember 1945–25. April 1946 Gerhard Bothur (SPD) (von der britischen MilitĂ€rregierung zum Chef der Verwaltung ernannt)
  • 27. April 1946–23. Oktober 1946 Willy Michel (SPD) (vom Kreistag gewĂ€hlt und von der britischen MilitĂ€rregierung am 20. April 1946 als Landrat bestĂ€tigt)
  • 1946–1948 Heinrich Wehking (CDU)
  • 1948–1951 Willy Michel (SPD)
  • 1951–1952 Friedrich Kohlmeier (SPD)
  • 1952–1956 Heinrich Wehking (CDU)
  • 1956–1964 Friedrich Kohlmeier (SPD)
  • 1964–1966 Friedrich Schonhofen (SPD)
  • 1966–1972 Hans Rohe (SPD)

Oberkreisdirektoren

  • 1946–1954 Gerhard Bothur (SPD)
  • 1954–1966 Arnold Krampe
  • 1966–1972 Horst Rosenbusch (SPD)

Der Kreistag im Königreich Preußen

Aufgrund eines königlichen Erlasses vom 13. Juli 1827, der sog. „Kreisordnung“, wurden in den Landkreisen des Königreichs Preußen Kreistage eingerichtet. Der Kreistag Minden setzte sich aus den Rittergutsbesitzern des Kreises und den Deputierten der StĂ€dte und Ämter im Kreis zusammen. Der Landrat hatte die KreisstĂ€nde mindestens einmal im Jahr zum Kreistag einzuberufen. Den Vorsitz fĂŒhrte der Landrat, Stimmrecht hatte er nur, wenn er auch Rittergutsbesitzer war. Der Landrat war „politischer Beamter“ und als solcher weisungsgebunden und vom Vertrauen der preußischen Staatsregierung abhĂ€ngig. Die Deputierten wurden von den StĂ€dten und Ämtern fĂŒr sechs Jahre gewĂ€hlt, alle drei Jahre wurde eine HĂ€lfte durch Neuwahl erneuert. Der Kreistag hatte die Aufgabe den Landrat bei der Kreisverwaltung zu unterstĂŒtzen und konnte ĂŒber alle Angelegenheiten beraten die den Kreis betrafen. Ab 1841 hatte der Kreistag das Recht, ĂŒber Ausgaben und die dafĂŒr notwendigen Abgaben der BĂŒrger zu beschließen. Der Kreistag hatte außerdem die Aufgabe, bei einer Vakanz des Landratsamtes drei Kandidaten fĂŒr dieses Amt aus dem Kreis der Rittergutsbesitzer zu wĂ€hlen, diese wurden dann von der Bezirksregierung dem König vorgeschlagen, der den Landrat zu ernennen hatte.

Folgende Personen waren 1862 Mitglieder des Kreistages:

Rittergutsbesitzer:

Deputierte der StÀdte:

  • OberbĂŒrgermeister Poehlmann, Minden
  • Beigeordneter Reischhauer, Minden
  • Kaufmann Meyer, Petershagen
  • Gastwirt Krutemeyer, Bad Oeynhausen

Deputierte der Ämter:

  • Amtmann LĂŒttgert, Amt Hartum
  • Amtmann Luther, Amt DĂŒtzen
  • Kommerziant Henschel, Amt Petershagen
  • Colonus Frederking, Amt Rehme zu Werste
  • Colonus Humke, Amt Windheim zu Lahde
  • Kaufmann Schwarz, Amt Hausberge

Im Jahr 1887 trat fĂŒr die Kreise in der preußischen Provinz Westfalen eine neue Kreisordnung in Kraft. Diese „Kreisordnung fĂŒr die Provinz Westfalen“ machte aus den Kreisen als bisherige Regierungsbehörden zusĂ€tzlich Selbstverwaltungsorgane der kommunalen Ebene. In Paragraph 2 der Kreisordnung hieß es: „Jeder Kreis bildet nach nĂ€herer Vorschrift dieses Gesetzes einen Kommunalverband zur Selbstverwaltung seiner Angelegenheiten mit den Rechten einer Kooperation.“ Organ der Selbstverwaltung war fortan der gewĂ€hlte Kreisausschuss.

Die Rittergutsbesitzer verloren ihre bisherigen Virilstimmen. Sie waren nicht mehr erbliche Mitglieder des Kreistages und mussten wie die kreisangehörigen StĂ€dte und Ämter einen Wahlverband bilden. Der Kreistag des Kreises Minden bestand im Jahr 1908 aus 29 Abgeordneten und dem Landrat als Vorsitzenden, er tagte ab 1908 im unter Leitung von Regierungsbaumeister Prof. Kanold errichteten Kreishaus an der Tonhallenstraße in Minden. Der Kreisausschuss bestand aus sechs vom Kreistag fĂŒr sechs Jahre gewĂ€hlten Mitgliedern und dem Landrat als Vorsitzenden, alle zwei Jahre schieden zwei Mitglieder aus und wurden durch Nachwahl ergĂ€nzt. Der Kreisausschuss hatte die BeschlĂŒsse des Kreistages vorzubereiten und auszufĂŒhren und die Kreisangelegenheiten zu verwalten sowie die kommunalen DienstkrĂ€fte des Kreises zu ernennen und zu beaufsichtigen. Ab 1886 wĂ€hlte der Kreistag zwei Kreisdeputierte als Stellvertreter des Landrats.

Im Königreich Preußen waren der Kreistag und die Kreisverwaltung des Kreises Minden keine demokratisch verfassten Organe, dies Ă€nderte sich erst mit der Revolution im Jahr 1918.

Kreistag und Kreisverwaltung in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus

In der Weimarer Republik blieb die Kreisordnung von 1886 bestehen, wurde aber in einem entscheidenden Punkt verĂ€ndert. Die Wahl des Kreistages erfolgte am 21. Februar 1921 erstmals nach demokratischen GrundsĂ€tzen, alle Einwohner waren wahlberechtigt und damit erstmals auch die Frauen. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten fanden am 12. MĂ€rz 1933 im Kreis Minden die letzten grĂ¶ĂŸtenteils freien Wahlen zum Kreistag statt.

Der Kreistag setzte sich 1933 wie folgt zusammen:

  • NSDAP: 15 Sitze
  • SPD: 10 Sitze
  • Kampffront Schwarz/Weiß/Rot: 3 Sitze
  • KPD: 1 Sitz
  • Zentrum: 1 Sitz
  • Evangelischer Volksdienst: 1 Sitz
  • National-bĂŒrgerliche Vereinigung: 1 Sitz

Dem Abgeordneten der KPD wurde bereits kurz nach der Wahl das Mandat aberkannt und die SPD Abgeordneten sahen keine Möglichkeit, ihr Mandat unabhĂ€ngig und frei ausĂŒben zu können. Durch ein Gesetz wurden die Kompetenzen des Kreistages im Juli 1933 auf die KreisausschĂŒsse ĂŒbertragen, formal blieben die Kreistage aber bestehen. Die Kompetenzen der KreisausschĂŒsse bleiben zunĂ€chst bestehen, sie wurden dann aber immer weiter eingeschrĂ€nkt und ab September 1939 wurde durch Verordnung des Ministerrates fĂŒr Reichsverteidigung die alleinige Entscheidungskompetenz auf den Landrat ĂŒbertragen. WĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges kam es dann zu hĂ€ufigeren Wechseln im Amt des Landrats. Der Landrat war in dieser Zeit ein reines Entscheidungsorgan der NSDAP und stand unter deren Aufsicht, insbesondere durch den Kreisleiter der NSDAP.

Mit der Besetzung Mindens durch alliierte Truppen am Abend des 4. April 1945 endete die Herrschaft der Nationalsozialisten. Der kommissarische Landrat Oberregierungsrat Georg Lichtenberg (NSDAP) hatte sich am Nachmittag auf das rechte Weserufer begeben und schließlich nach Osten abgesetzt. In Unkenntnis seiner NSDAP- und SA-Mitgliedschaft ernannte die britische MilitĂ€rregierung am 7. April 1945 Kreisamtmann Leopold Heinrich zunĂ€chst zum vorlĂ€ufigen Landrat, am 26. April 1945 wurde er fristlos aus dem Dienst entlassen.

In den nĂ€chsten Monaten wurde Kreis Minden durch LandrĂ€te gefĂŒhrt, die nur von der britischen MilitĂ€rregierung abhĂ€ngig waren und keine parlamentarische Legitimation hatten. Am 27. Februar 1946 trat dann erstmals ein ernannter Kreistag mit 55 Abgeordneten zusammen („Nominated Representative Council“), zum Vorsitzenden und Landrat des Kreises Minden wurde der Sozialdemokrat Willy Michel gewĂ€hlt. Die Leitung der Verwaltung und die staatlichen Aufgaben fĂŒhrte ab 1946 der vom Kreistag gewĂ€hlte Oberkreisdirektor aus, der Landrat war nur noch Vorsitzender des Kreistages und höchster politischer ReprĂ€sentant des Kreises. Die erste freie und gleiche Kreistagswahl am 13. Oktober 1946 brachte eine Machtverschiebung von der SPD zur CDU und fĂŒhrte zur Wahl von Heinrich Wehking (CDU) zum Landrat.

Im Oktober 1953 trat die neue Landkreisordnung fĂŒr Nordrhein-Westfalen in Kraft, dieses Gesetz setzte ausdrĂŒcklich die Kreisordnung von 1886 außer Kraft und besiegelte die Wandlung zum demokratisch gefasstem Kreistag und zur gewĂ€hlten Verwaltungsleitung.

Ergebnisse der Kreistagswahlen ab 1946

In der Liste werden nur Parteien und WĂ€hlergemeinschaften aufgefĂŒhrt, die mindestens 1,95 Prozent der Stimmen bei der jeweiligen Wahl erhalten haben:

Jahr CDU SPD KPD FDP BHE1
1946 46,6 45,9 6,4 1,1
1948
1952 27,8 42,9 3,1 17,2 8,7
1956 26,5 49,4 18,3 5,2
1961 30,1 47,9 17,8 3,8
1964 31,0 51,4 17,6
1969 36,1 49,9 14,0
1973 40,5 46,8 12,7

1 BHE: 1952 und 1956: BHE, 1961: GB/BHE

Quelle: Jeweiliges Heft des Statistischen Landesamtes (LDS NRW), Mauerstr. 51, DĂŒsseldorf, mit den Wahlergebnissen auf der Kreisebene. Die Zahlen von 1948 liegen nicht vor.

Wappen

COA Kreis Minden.png

Das zweitgeteilte Wappenschild zeigt heraldisch rechts auf rotem Grund einen SchlĂŒssel (Bart oben und nach außen zeigend) und heraldisch links auf silbernem (weißen) Grund zwei Sparren. Der SchlĂŒssel symbolisiert den SchlĂŒssel des Heiligen Petrus. Er wird in vielen Wappen der Region gezeigt, meist jedoch in der Form zweier gekreuzter SchlĂŒssel. Er war bereits das Symbol der Bischöfe von Minden, daher auch im Wappen des Bistum Minden, sowie des FĂŒrstentum Minden und der Stadt Minden vertreten. Die Darstellung auf rotem Feld ist in all diesen Wappen typisch. Der grĂ¶ĂŸte Teil des Kreises Minden gehörte ehemals zum FĂŒrstentum Minden. Kleinere Teile im SĂŒden des Kreises gehörten aber auch zur Grafschaft Ravensberg. Das rechte Feld ist daher Ă€hnlich dem Wappen der Grafschaft Ravensberg aufgebaut. Das Wappen wurde seit 1935 verwendet. Das Wappen des Nachfolgekreises Kreis Minden-LĂŒbbecke zeigt eine identische Symbolik, lediglich die Darstellung wurde verĂ€ndert.

Literatur

  • Dr. Hans Nordsiek: Vom „landrĂ€tlichen BĂŒro“ zur Kreisverwaltung. Ein Beitrag zur Verwaltungsgeschichte des Kreises Minden-LĂŒbbecke. In: Mitteilungen des Mindener Geschichtsvereins, Jahresband 63, 1991.
  • Statistisches Landesamt Nordrhein-Westfalen: Statistische Rundschau fĂŒr den Landkreis Minden. DĂŒsseldorf 1966.

Weblinks

 Commons: Kreis Minden â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Statistisches Landesamt Nordrhein-Westfalen: Gemeindestatistik des Landes Nordrhein-Westfalen: Bevölkerungsentwicklung 1816–1871. DĂŒsseldorf 1966, S. 60–63.
  2. ↑ Statistisches Landesamt Nordrhein-Westfalen: Gemeindestatistik des Landes Nordrhein-Westfalen: Bevölkerungsentwicklung 1871–1961. DĂŒsseldorf 1964, S. 66–67.
  3. ↑ Statistisches Landesamt Nordrhein-Westfalen: Die Wohnbevölkerung in den Gemeinden Nordrhein-Westfalens 1970 : Ergebnisse der VolkszĂ€hlung am 27. Mai 1970. DĂŒsseldorf 1972, S. 41.
  4. ↑ Wolfgang Riechmann: Zweihundert Jahre Auswanderung aus dem Mindener Land. Ein Beitrag zur Migrationsgeschichte des östlichen FĂŒrstentums Minden und des Kreises Minden. Mitteilungen des Mindener Geschichtsvereins, Jahrgang 64 (1992), S. 81-113.
  5. ↑ Verwaltungsgeschichte.de: Landkreis Minden

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