Kriegsschiff

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Kriegsschiff
Fregatte Hamburg der Deutschen Marine
Der atomgetriebene französische FlugzeugtrÀger Charles de Gaulle
Moderne Kampfschiffe erhalten in See von Versorgungsschiffen Nachschub wie bei diesem multinationalen Verband

Unter einem Kriegsschiff versteht man ein fĂŒr den Krieg ausgerĂŒstetes Wasserfahrzeug. Seefahrende Völker und MĂ€chte haben bereits frĂŒh damit begonnen, fĂŒr KriegsfĂŒhrung und Seehandel unterschiedliche Schiffstypen zu entwickeln. Mit Beginn der Neuzeit traten Segelschiffe an die Stelle geruderter Kriegsschiffe, um ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wiederum von maschinengetriebenen Schiffen verdrĂ€ngt zu werden.

Waren Kriegsschiffe in der Vergangenheit meist auf den Kampf von Schiffen gegen Schiffe ausgelegt, so setzte gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Entwicklung einer großen Typenvielfalt fĂŒr unterschiedliche Formen der SeekriegsfĂŒhrung ein. Zu den neuen Typen gehören U-Boote und FlugzeugtrĂ€ger, die den Seekrieg in die dritte Dimension tragen. Andere spezielle Kriegsschiffe sind Minenabwehrfahrzeuge fĂŒr die BekĂ€mpfung von Seeminen und Landungsschiffe fĂŒr die amphibische KriegsfĂŒhrung. Außerdem wurden spezielle Hilfsschiffe zur UnterstĂŒtzung der Kampfschiffe entwickelt.

Inhaltsverzeichnis

Begriff Kriegsschiff

Angesichts der Vielfalt von Typen und Einsatzformen ist die Abgrenzung von Kriegsschiffen zu anderen Schiffen nicht immer eindeutig festzulegen.

Rechtlicher Status

Völkerrechtlich verbindlich wird der Begriff in Artikel 29 des SeerechtsĂŒbereinkommens der Vereinten Nationen (SRÜ) vom 10. Dezember 1982 (SRÜ) wie folgt definiert:

Dienstflagge der SeestreitkrÀfte der Bundesrepublik Deutschland
Die Bundesdienstflagge wird von den zivil besetzten Hilfsschiffen der Deutschen Marine gefĂŒhrt

Definition der Kriegsschiffe

„Im Sinne dieses Übereinkommens bedeutet Â»Kriegsschiff« ein zu den StreitkrĂ€ften eines Staates gehörendes Schiff, das die Ă€ußeren Kennzeichen eines solchen Schiffes seiner Staatszugehörigkeit trĂ€gt; es muß unter dem Befehl eines Offiziers stehen, der sich im Dienst des jeweiligen Staates befindet und dessen Name in der entsprechenden Rangliste der StreitkrĂ€fte oder in einer gleichwertigen Liste enthalten ist; die Besatzung muß den Regeln der militĂ€rischen Disziplin unterliegen.“

Unter Ă€ußeren Kennzeichen eines solchen Schiffes seiner Staatszugehörigkeit ist die Flagge der SeestreitkrĂ€fte des jeweiligen Landes zu verstehen. Mit dem Begriff Offizier ist jeder militĂ€risch Vorgesetzte gemeint. Die Bestimmung, dass die Besatzung den Regeln der militĂ€rischen Disziplin unterliegen muss, besagt, dass die Besatzung aus Soldaten im Sinne des Völkerrechts bestehen muss.

Artikel 32 SRÜ bestimmt, dass Kriegsschiffe ImmunitĂ€t genießen. Das bedeutet, dass fremde Staaten auf Kriegsschiffen, die sich in ihren HoheitsgewĂ€ssern oder HĂ€fen befinden, keine Rechtsgewalt ausĂŒben dĂŒrfen. Gleiches gilt fĂŒr staatliche Schiffe, die nicht Handelszwecken dienen, wie etwa die zivil besetzten militĂ€rischen Hilfsschiffe.

Der rechtliche Status Kriegsschiff ist nicht abhĂ€ngig von der Bewaffnung und Technik eines Schiffes. Das unbewaffnete Segelschulschiff „Gorch Fock“ der Deutschen Marine ist zum Beispiel ein Kriegsschiff; die in der Vergangenheit sogar mit leichter Artillerie bewaffneten Patrouillenboote des Bundesgrenzschutzes waren hingegen keine Kriegsschiffe, da ihre Besatzung nicht aus Soldaten, sondern aus Polizeivollzugsbeamten bestand.

Hilfsschiffe

Der zivil besetzte Flottentanker Rhön der Deutschen Marine

Neben den Kriegsschiffen verfĂŒgen viele Marinen ĂŒber zivil besetzte Hilfsschiffe, die zum Teil auch leichte Waffen zur Selbstverteidigung fĂŒhren. Sie haben nicht den oben definierten Status, sondern den eines Staatsschiffs. In der deutschen Marine gibt es zum Beispiel Tanker, die zwar zivil besetzt sind, durchaus aber mit Kriegsschiffen zusammen eingesetzt werden. Auch die US Navy und die britische Royal Navy verfĂŒgen ĂŒber eine grĂ¶ĂŸere Zahl derartiger Fahrzeuge. MilitĂ€risch besetzte UnterstĂŒtzungsfahrzeuge wie zum Beispiel die Versorger der Berlin-Klasse werden zwar bisweilen als Hilfsschiffe bezeichnet, sind vom Status her aber Kriegsschiffe.

Benennung der Kriegsschiffe

Es ist in allen Marinen seit sehr langer Zeit Tradition, Kriegsschiffen einen Namen zu geben. SpÀter kamen in vielen Marinen noch PrÀfixe und Kennungen aus Buchstaben oder Zahlen hinzu. In einigen Marinen wie der US Navy sind PrÀfix und Kennung Teil des Schiffsnamens, in anderen wie etwa der Deutschen Marine, nicht.

Namensgebung

Die Namenstraditionen der Marinen sind stets ein Ausdruck ihres SelbstverstĂ€ndnisses als Teil staatlicher Macht gewesen. So wurden in Monarchien dynastische Namen wie „Wasa“ oder „Hohenzollern“ gewĂ€hlt. Heutige republikanische Staaten drĂŒcken hingegen hĂ€ufig durch die Wahl von Orts- oder Gebietsnamen („Braunschweig“, „Ohio“) die Verbundenheit von StreitkrĂ€ften und Bevölkerung aus. Üblich ist auch die Ehrung von Persönlichkeiten („Charles de Gaulle“, „Bismarck“) und die Erinnerung an Schlachten („Trafalgar“, „Yorktown“). Des Weiteren sind Tiernamen („Tiger“, „Scorpion“), astronomische Bezeichnungen („Aldebaran“, „Sirius“) und Begriffe aus der Antike („Hermes“, „Leander“) gebrĂ€uchlich. Einige Marinen benennen ihre Schiffe außerdem nach Eigenschaften („Invincible“, „Le Triomphant“).

Manche Fahrzeuge tragen anstatt eines Namens nur eine Kombination aus Buchstaben und Zahlen. TraditionsgemĂ€ĂŸ gilt das zum Beispiel fĂŒr alle deutschen U-Boote („U 31“) mit Ausnahme einiger Versuchs- und Schulboote („U-Hai“).

Schiffsnamen sind in Nordeuropa und Nordamerika meistens weiblich, insbesondere wenn es sich um Schiffe handelt, die nach Personen oder geographischen Begriffen benannt sind (die „Eisenhower“, die „Hamburg“). Schiffe, die nach einem Ausdruck mit Artikel (zum Beispiel Tiere, astronomische Begriffe) benannt sind, behalten dessen Genus normalerweise bei (der „Widder“, das „Frettchen“), es kann jedoch auch die weibliche Form verwandt werden (der/die „Pfeil“).[1] In romanischen und slawischen Sprachen wird das Genus des Namens beibehalten. Die österreichische Seemannssprache (bis 1918) lehnt(e) sich daran an – es gab also den „Szent Istvan“, die „Kaiserin Elisabeth“, den „Sankt Georg“ und die „Wien“ (von: die Stadt).

PrÀfixe

Liste der PrÀfixe von Schiffsnamen

In einigen Marinen werden den Schiffsnamen PrÀfixe vorangestellt, wie etwa USS oder HMS. Diese PrÀfixe können Teil des Schiffsnamens sein. Die deutsche Marine benutzt seit 1918 kein PrÀfix mehr, nachdem zuvor die Schiffe als SMS (Seiner MajestÀt Schiff) bezeichnet worden waren.

In Anlehnung an diese nationalen PrĂ€fixe ist es in internationalen BĂŒndnissen wie der NATO ĂŒblich, allen Schiffsnamen ein auf einer englischen AbkĂŒrzung beruhendes PrĂ€fix voranzustellen, um Schiffe im Schriftverkehr genau ansprechen zu können. FĂŒr deutsche Kriegsschiffe wird die AbkĂŒrzung FGS fĂŒr „Federal German Ship“ verwandt. Diese NATO-PrĂ€fixe sind kein Namensbestandteil und mĂŒssen auch nicht mit den nationalen PrĂ€fixen ĂŒbereinstimmen.

Kennungen

Deutsche Torpedoboote mit Zwei-Buchstaben-Kennungen in den 1930er Jahren
Der Zerstörer USS James E. Williams (DDG-95) mit einer kontrastarmen Kennung

Um Schiffe gleichen Typs auch auf grĂ¶ĂŸere Entfernung optisch unterscheiden zu können, wurden Kennungen aus Zahlen oder Buchstaben eingefĂŒhrt, wobei die verschiedenen Marinen sehr unterschiedliche Systeme verwenden oder verwendet haben. Diese Kennungen sind im optischen Signalverkehr, das heißt in der Kommunikation mit Scheinwerfer- oder Flaggensignalen unerlĂ€sslich, um die verschiedenen Schiffe eines Verbandes eindeutig anzusprechen und so IrrtĂŒmern vorzubeugen.

In der deutschen Marine waren bis etwa 1957 Kennungen aus zwei Buchstaben ĂŒblich, die sich an den Schiffsnamen anlehnten (SX fĂŒr Linienschiff „Schleswig-Holstein“, ST fĂŒr KĂŒstenminensuchboot „Seestern“). Anschließend wurde das in der NATO ĂŒbliche System aus Buchstaben und Zahlen eingefĂŒhrt.

Das NATO-System Ă€hnelt dem US-System, bei dem Schiffe mit einer Buchstabenkombination fĂŒr den Typ (type indicator) gefolgt von einer Ordnungsnummer gekennzeichnet werden (DDG-2 Charles F. Adams), wobei US-Schiffe immer nur die Zahl zeigen (DDG-2: „2“). Allerdings wird bei der NATO-Kennung, der sogenannten Hullnumber (Rumpfnummer), immer nur ein Buchstabe benutzt (F 207 fĂŒr Fregatte „Bremen“). Dieses NATO-System wird auch in vielen westlich orientierten Marinen benutzt. Andere Marinen kennen unterschiedliche Systeme, die hĂ€ufig nur aus Zahlen bestehen. Bisweilen drĂŒcken diese Zahlen die Zugehörigkeit von Schiffen zu einem Verband aus (zum Beispiel 52 als 2. Schiff des 5. Geschwaders).

Im Krieg und in EinsÀtzen werden die Kennungen teilweise entfernt, verkleinert oder mit kontrastarmer Farbe aufgetragen.

Schiffe mit Flugdeck tragen meistens zusÀtzlich zur Hullnumber eine Zwei-Buchstaben-Kennung in Anlehnung an den Schiffsnamen auf dem Flugdeck, um vom Hubschrauber aus leichter identifizierbar zu sein.

Geschichte

Antike

Die ersten typischen Kriegsschiffe wurden von den Griechen, Persern und Phöniziern gebaut. Es waren Langschiffe, die spÀter zu Galeeren mit Rammsporn weiterentwickelt wurden.

Um 250 v. Chr. besaßen die Karthager die grĂ¶ĂŸte und kampfkrĂ€ftigste Flotte von Kriegsschiffen im Mittelmeer mit bis zu acht bis fĂŒnf Ruderern in drei Ebenen von Riemen ĂŒbereinander (Quinqueremen). Dies Ă€nderte sich im Ersten Punischen Krieg, als die Römer ein gestrandetes karthagisches Ruderschiff nachbauten.

Die Römer fĂŒgten der karthagischen Konstruktion den Corvus, eine EnterbrĂŒcke, hinzu und bemannten die Schiffe mit Fußsoldaten. Auf diese Weise entstand die erste Marineinfanterie. Durch diesen Vorteil beim Entern ĂŒbernahmen die Römer die Seeherrschaft im Mittelmeer.

Wikinger

Modell eines Wikingerschiffs

In Nordeuropa wurde der Typ des Wikingerlangschiffes entwickelt, das besonders schnell und fĂŒr RaubzĂŒge geeignet war. Es ermöglichte den Aufbau der Wikingerreiche in Russland, der Normandie, Sizilien und Großbritannien.

China

Schiffe Zheng Hes

Im Kaiserreich China wurden immer grĂ¶ĂŸere Dschunken als Kriegsschiffe gebaut. Der Höhepunkt dieser Entwicklung lag in der Ming-Dynastie um 1405 bis 1430, als China mit mehr als 300 Schiffen, die zum grĂ¶ĂŸten Teil in Nanjing gebaut wurden, die grĂ¶ĂŸte Kriegsflotte der damaligen Welt hatte. Maßgeblich war dafĂŒr der chinesische Admiral Ma San Bao, auch Zheng He genannt, der zur BekĂ€mpfung von Piraten und zur Sicherstellung der Vormacht Chinas Reisen nach SĂŒdostasien, Indien und Afrika unternahm. GrĂ¶ĂŸter Schiffstyp waren die sog. Schatzschiffe, die bis zu 9 Masten hatten und etwa 70 Meter lang waren.

Hanse

Nachbau einer Hansekogge von 1380

Zur Hansezeit bestanden die Kriegsflotten im nördlichen Europa hauptsÀchlich aus stÀrker bewaffneten Hansekoggen und Kraweelen, die sich im Bau kaum von Handelsschiffen unterschieden.

15. und 16. Jahrhundert

Das Ă€nderte sich im 15. und 16. Jahrhundert, als Feuerwaffen immer stĂ€rker die KriegsfĂŒhrung bestimmten. Im Mittelmeer entstand aus den Galeeren die Galeasse. Die Portugiesen und Spanier entwickelten den Schiffstyp der Kogge und der Kraweel zu Karavellen und Karacken weiter. Die Spanische Armada wurde zur grĂ¶ĂŸten Flotte der damaligen Welt. Als reines Segelschiff wurde die Galeone entwickelt, die sowohl als Handels- als auch (in schlankerer Form) als Kriegsschiff eingesetzt wurde. Ein Beispiel dafĂŒr ist die Golden Hinde von Sir Francis Drake.

Die Segelschiffe dominierten nun den Kriegsschiffbau, das Linienschiff mit schlankerem Rumpf als die Handelsschiffe dominierte ab dem 17. Jahrhundert die Meere. Vorbild fĂŒr die ersten Linienschiffe war die Henri GrĂące Ă  Dieu, die 1547 21 Kanonen bei 1000 Tonnen WasserverdrĂ€ngung aufwies. Die SchiffsgeschĂŒtze, die zunĂ€chst auf dem Oberdeck aufgestellt waren und Kugeln aus Stein oder Eisen verschossen, wurden in besonderen Waffendecks (Batteriedeck) hinter StĂŒckpforten untergebracht.

Dadurch wurde der Schwerpunkt nach unten verlagert und es konnten mehr Kanonen transportiert werden, ohne die Kentergefahr zu steigern. Bevorzugte Kampftechnik wurde nun die Breitseite, bei der aus allen Rohren einer Seite geschossen wurde. Motor dieser Entwicklung war John Hawkins. Sein Ziel waren schnelle Schiffe mit guten Segeleigenschaften und starker Bewaffnung. Mit diesen Schiffen, der Änderung der Taktik (und einem krĂ€ftigen Sturm) besiegte und vernichtete die englische Flotte die Spanische Armada 1588.

17. Jahrhundert

Die HMS Royal Charles ca. 1670

Die Prince Royal, gebaut 1610, war das erste Schiff mit drei GeschĂŒtzreihen und fĂŒr lĂ€ngere Zeit das grĂ¶ĂŸte Kriegsschiff der Welt. Die Naseby (1655), 1660 umbenannt in Royal Charles, wurde zum Prototyp des Kriegsschiffes fĂŒr die nĂ€chsten 150 Jahre. Sie hatte 1230 Tonnen WasserverdrĂ€ngung, 80 Kanonen und 600 Mann Besatzung bei einer LĂ€nge von 53 m und einer Breite von 14 m. Neben die grĂ¶ĂŸeren Linienschiffe trat bald die Fregatte als kleineres, aber besonders schnelles Segelkriegsschiff mit ca. 20–40 Kanonen.

18. Jahrhundert

HMS Victory

Im Verlauf des 18. Jahrhunderts wurden die RĂŒmpfe schmaler und eleganter. BerĂŒhmte Schiffe aus dieser Zeit sind:

  • HMS Victory, das Flaggschiff von Lord Nelson in der Schlacht von Trafalgar. Sie wurde am 23. Juli 1759 auf Kiel gelegt, aber erst 1776 in Dienst gestellt. Ab 1778 diente sie verschiedenen AdmirĂ€len als Flaggschiff und ist heute das Ă€lteste noch in Dienst befindliche Kriegsschiff. Die LĂ€nge betrĂ€gt 69 m, die grĂ¶ĂŸte Breite 15,7 m, die WasserverdrĂ€ngung 3556 Tonnen. Sie trĂ€gt 114 Kanonen und erreichte eine Spitzengeschwindigkeit von 11 Knoten.
  • USS Constellation, die 1797 als erstes Schiff im Auftrag der US Navy gebaut wurde. Sie vereinigte die Feuerkraft einer Razee dieser Zeit mit der Geschwindigkeit eines Baltimore-Klippers. Die WasserverdrĂ€ngung betrĂ€gt 1278 Tonnen, die LĂ€nge 55 m, die Breite 13 m. Bewaffnet war sie mit 36 Kanonen. Die Geschwindigkeit betrug 14 Knoten, sodass sie den Spitznamen "Yankee Racehorse" (Yankee-Rennpferd) bekam.

19. Jahrhundert

HMS Warrior

Mit der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert gab es einen Entwicklungsschub, der eine ganze Reihe von Erfindungen hervorbrachte: die Dampfmaschine, den Schaufelradantrieb, den Propeller, die EinfĂŒhrung von Granaten und Panzerung. Die Granaten waren zur Zeit der napoleonischen Kriege noch nicht ganz ausgereift, wirkten jedoch nach Beseitigung ihrer Probleme (ab ca. 1830) verheerend gegen ungepanzerte Holzschiffe.

ZunÀchst wurden deshalb die Holzschiffe mit Stahlplatten gepanzert. Dampfkriegsschiffe wurden zunÀchst als Raddampfer, in der 2. HÀlfte des 19. Jahrhunderts zunehmend als Schraubendampfer gebaut. Der Dampfantrieb ermöglichte eine bessere Manövrierbarkeit.

Nach dem Krimkrieg wurden zwei revolutionĂ€re Schiffe gebaut, die ersten „Ironclad Warships“, die auf einen Schlag alle anderen Schiffe wertlos machten:

  • die französische Gloire 1858 und die ihr ĂŒberlegene
  • britische HMS Warrior 1859. Mit 15 Knoten Geschwindigkeit schneller, mit 114 mm Stahl auf Teakholz stĂ€rker gepanzert und mit 40 schwersten GeschĂŒtzen war sie stĂ€rker bewaffnet als jedes andere Schiff. Ihre eigenen GeschĂŒtze konnten die Panzerung auf 360 Meter nicht mehr durchschlagen.
SMS Ferdinand Max, das österreichische Flaggschiff in der Schlacht von Lissa

Aufgrund dieser Überlegenheit der Panzerung wurde die Taktik des Rammens fĂŒr kurze Zeit ĂŒblich (Seeschlacht von Lissa 1866).

Drehbare GeschĂŒtztĂŒrme wurden zuerst an kleinen KĂŒstenkriegsschiffen (USS Monitor), ab ca. 1870 auch auf großen Kriegsschiffen eingesetzt, als die Masten und Segel, die fĂŒr weltweiten Einsatz der Kriegsschiffe noch benötigt wurden, verschwanden, sodass es gegen Ende des 19. Jahrhunderts praktisch nur noch Dampfschiffe gab. Aus dem Segelschiffsbau wurden jedoch viele Bezeichnungen fĂŒr Schiffsklassen ĂŒbernommen, so die Fregatte und Korvette. Als neuer Typ entstand der Panzerkreuzer.

SMS Kaiser Friedrich III., ein typisches Linienschiff aus der Zeit kurz vor 1900 mit den schweren GeschĂŒtzen in zwei DrehtĂŒrmen und einer starken Mittelartillerie in Kasemattaufstellung

Die gezogenen Hinterlader kamen auf See erst relativ spĂ€t in Gebrauch, da die Vorteile (bessere Zielgenauigkeit) bei den geringen Kampfentfernungen auf See von den Nachteilen (geringeres Kaliber, unzuverlĂ€ssige VerschlĂŒsse, Rohrkrepierer) aufgewogen wurden. Zwischen 1880 und 1890 konnten aber große Kaliber mit langen Rohren und panzerbrechenden Langgeschossen die Panzerungen ĂŒberwinden.

Beginn des 20. Jahrhunderts

HMS Dreadnought: Konzentration auf ein Hauptkaliber bei reduzierter Mittelartillerie

Nach der Seeschlacht bei Tsushima 1905 wurden die gewonnenen Erfahrungen konsequent umgesetzt: Eine wirkungsvolle Feuerleitung konnte nur durch Vereinheitlichung der Kaliber, eine große Schussentfernung nur durch großkalibrige GeschĂŒtze erreicht werden.

Es entstand innerhalb eines Jahres die HMS Dreadnought, die mit zehn 30,5-cm-GeschĂŒtzen ausgerĂŒstet war, in jede beliebige Richtung mindestens sechs davon einsetzen und jeweils zweimal pro Minute abfeuern konnte. Wie die HMS Warrior war auch dieses Schiff der Beginn einer neuen Epoche im Kriegsschiffbau. Alle vorher gebauten Linienschiffe, die noch mit einer gemischten Batterie unterschiedlicher Kaliber ausgerĂŒstet waren, wurden dadurch in ihrem Gefechtswert stark herabgesetzt.

In der Skagerrakschlacht wurde das Gefecht auf ĂŒber 10.000 Metern Entfernung ausgetragen, was mit frĂŒheren Schiffs- und GeschĂŒtztypen undenkbar war. Die Skagerrakschlacht blieb die grĂ¶ĂŸte mit Schlachtschiffen ausgetragene Seeschlacht der Zeitgeschichte.

Nach dem Ersten Weltkrieg erlaubte der Versailler Vertrag der deutschen Marine nur einen eingeschrĂ€nkten Ersatz der wenigen verbliebenen Schlachtschiffe (diese wurden unter dem alten Begriff Linienschiff gefĂŒhrt). Die taktische Entwicklung ging in den 20er und 30er Jahren deshalb in Deutschland von der schweren Schlachtflotte weg hin zu Kreuzern. Konsequenz aus den engen vertraglichen Grenzen war die Entwicklung der, von der Auslandspresse als „Westentaschen-Schlachtschiffe“ bezeichneten, Panzerschiffe, deren erster Prototyp das Panzerschiff Deutschland war. Hier wurden die Eigenschaften von hoher Geschwindigkeit, schwerer Bewaffnung und großer Reichweite miteinander vereinigt. Dazu diente die erstmalige Verwendung von Dieselmotoren und eine (im direkten Vergleich) massive Gewichtsreduzierung. Das strategische Konzept dahinter wurde als „Kreuzerkrieg in Übersee“ bezeichnet. Die Idee fand Ausdruck in dem Satz: „Schneller als schwerer Bewaffnete und schwerer bewaffnet als Schnellere!“

Sowohl die Deutschland (spĂ€ter zum Schweren Kreuzer LĂŒtzow umklassifiziert) als auch ihre Schwesterschiffe Admiral Scheer und Admiral Graf Spee fĂŒhrten diesen Kreuzerkrieg im Zweiten Weltkrieg anfangs sehr erfolgreich, desgleichen die ursprĂŒnglich auch als vergrĂ¶ĂŸerte Panzerschiffe geplanten, spĂ€ter als Schlachtschiffe fertig gestellten Scharnhorst und Gneisenau.

U 995 vom Typ VII, dem meistgebauten im Zweiten Weltkrieg

Ebenfalls seit Beginn des Jahrhunderts machte die Entwicklung von U-Booten entscheidende Fortschritte, insbesondere in Deutschland wurde die U-Boottechnik stark vorangetrieben. Technisch möglich waren diese erst durch den Elektroantrieb und die Entwicklung leistungsfÀhiger Akkumulatoren. Typische Waffe der U-Boote war und ist der Torpedo. Damit waren diese Boote seit dem Ersten Weltkrieg in der Lage, weitgehend unerkannt andere Schiffe anzugreifen und zu versenken.

Außerdem entstanden die Torpedoboote, kleine, schnelle und vor allem preiswerte Boote, deren Hauptwaffe ebenfalls der Torpedo war, und die gegen die Schlachtschiffflotten eingesetzt wurden. Deren GeschĂŒtze waren zu langsam, um Torpedoboote effektiv abzuwehren. Zur Abwehr gegen die Torpedoboote entstand daher der Torpedoboot-Zerstörer, spĂ€ter kurz Zerstörer genannt.

Bis in den Ersten Weltkrieg kamen auch Ballonschiffe zum Einsatz, die zur Beobachtung des umliegenden Meeres mit einem bemannten Ballon bestĂŒckt waren. Sie wurden jedoch noch im Ersten Weltkrieg durch Flugzeugmutterschiffe verdrĂ€ngt.

Zweiter Weltkrieg und Folgezeit

Die Yamato, das grĂ¶ĂŸte und stĂ€rkste gebaute Schlachtschiff

Hiermit war die Entwicklung des Schlachtschiffes praktisch beendet, denn die Schlachtschiffe des Zweiten Weltkrieges, wie zum Beispiel das Schlachtschiff Bismarck, hatten aufgrund ihrer GrĂ¶ĂŸe zusĂ€tzlich zu der unverĂ€nderten Hauptbewaffnung eine Mittelartillerie von kleineren GeschĂŒtzen und Flugabwehrkanonen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die militĂ€rische Wirksamkeit der U-Boote zunehmend durch die Überwachung mit Flugzeugen und Radar sowie die Abwehrmaßnahmen von Zerstörern neutralisiert. Nach dem Krieg kamen neue Typen in Gebrauch, die den Gefechtswert der Boote wiederum erhöhten. Durch Kernreaktoren erhielten große U-Boote ab Mitte des 20. Jahrhunderts die FĂ€higkeit, sehr lange ohne Kontakt zu StĂŒtzpunkten auf See zu operieren. Oftmals dienen solche Atom-U-Boote als mobile Abschussbasen fĂŒr strategische Atomraketen.

Als weitere Entwicklung ist der FlugzeugtrĂ€ger zu nennen, dessen Entwicklung im Ersten Weltkrieg begann und im Zweiten Weltkrieg forciert wurde. Der britische Angriff auf Tarent (1940) und der japanische Angriff auf Pearl Harbor zeigten die Überlegenheit gegenĂŒber konventionellen Kriegsschiffen und fĂŒhrten dazu, dass FlugzeugtrĂ€ger ein elementarer Bestandteil der großen Marinen wurden.

Gegenwart

Die britische Fregatte HMS Richmond schießt einen Seezielflugkörper AGM-84 Harpoon
Französische Fregatte Surcouf der La-Fayette-Klasse mit Stealth-Technologie zur Signaturreduzierung

Heute sind in erster Linie Zerstörer, Fregatten und Korvetten im Einsatz, die hĂ€ufig mit Lenkwaffen ausgerĂŒstet sind und so – Ă€hnlich wie U-Boote – als mobile Abschussbasen dienen können. Es gibt aber auch noch als Kreuzer klassifizierte Lenkwaffenkriegsschiffe, wie die Einheiten der russischen Kirow-Klasse oder die der US-amerikanischen Ticonderoga-Klasse.

FĂŒr den KĂŒstenschutz sind leicht bewaffnete Minensucher im Einsatz. Schnellboote ermöglichen es, unerlaubt eindringende Schiffe frĂŒhzeitig abzufangen. Seit dem Zweiten Weltkrieg spielen auch amphibische Kriegsschiffe eine große Rolle. Dazu gehören große Landungsschiffe, die meist mit Hubschraubern und zum Teil mit einem Dockraum ausgestattet sind. Kleine, sehr flachgehende Landungsboote können Mannschaften, Fahrzeuge und Material an das Ufer bringen. Diese Boote sind meist nur leicht bewaffnet.

Moderne FlugzeugtrĂ€ger ermöglichen den Einsatz von Bombern und Jagdflugzeugen weit entfernt von landgestĂŒtzten Basen und spielten etwa im zweiten und dritten Golfkrieg eine wichtige Rolle. Sie dienen auch als FĂŒhrungsplattform fĂŒr große SchiffsverbĂ€nde. Wegen ihrer GrĂ¶ĂŸe sind FlugzeugtrĂ€ger verwundbar gegen Angriffe mit Seezielflugkörpern und Torpedos.

Beim Kriegsschiffbau spielt die Signaturreduzierung eine bedeutende Rolle. Am bekanntesten ist die Stealth-Technologie, die die Ortung durch RadargerÀte erschwert. Als Prototyp diente der US Navy das Stealthschiff Sea Shadow (IX-529). Zugleich geht es aber auch darum, der Ortung durch andere Sensoren entgegenzuwirken. Bereits seit LÀngerem werden deshalb die Infrarot-, Magnet- und GerÀuschsignaturen reduziert.

Siehe auch

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Kriegsschiff â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Kriegsschiffe â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

  • Bernd Loose / Bernd Oesterle: Das große Buch der Kriegsschiffe (19. & 20. Jh.), Motorbuch Verlag, ISBN 3-613-01854-3

Einzelnachweise

  1. ↑ Duden, Die Grammatik, 7., völlig neu erarbeitete und erweiterte Auflage, Band 4, Mannheim, Leipzig, Wien, ZĂŒrich 2005; S.163, Regel 247

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