Angkor

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Angkor
Angkor Wat
Angkor ‚Äď Satellitenbild und Karte
Lage Angkors in Kambodscha
Das Khmer-Reich zur Zeit seiner größten Ausdehnung (unter König Jayavarman VII.): etwa in Bildmitte der Tonlé-Sap-See, nördlich davon Angkor
Eine NASA-Aufnahme von Angkor: am unteren Bildrand der Tonl√©-Sap-See, etwa in Bildmitte der Wassergraben um Angkor Wat, √ľber Angkor Wat Angkor Thom, flankiert vom Westlichen und √Ėstlichen Baray, √ľber Angkor Thom Preah Khan mit seinem nach Osten orientierten Baray
Relief, Kriegszug der Khmer (Bayon)

Angkor ist eine Region nahe der Stadt Siem Reap in Kambodscha, die vom 9. bis zum 15. Jahrhundert das Zentrum des historischen Khmer-Königreiches Kambuja bildete.

Weltbekannt wurde Angkor durch die noch heute sichtbaren Zeugnisse der Baukunst der Khmer in Form einzigartiger Tempelanlagen - allen voran durch den Angkor Wat, den größten Tempelkomplex der Welt.

Auf einer Gesamtfl√§che von mehr als 200 km¬≤ wurden nacheinander mehrere Hauptst√§dte und in deren Zentrum jeweils ein gro√üer Haupttempel errichtet. Bis heute wurden bereits mehr als 1000 Tempel und Heiligt√ľmer unterschiedlicher Gr√∂√üe entdeckt. Es gibt Vermutungen, dass im Gro√üraum von Angkor am H√∂hepunkt des historischen K√∂nigreiches bis zu einer Million Menschen auf etwa 1000 km¬≤ gelebt haben k√∂nnten.

Inhaltsverzeichnis

Das Wort

Das Khmer-Wort Angkor (von Sanskrit: Nagara) hei√üt w√∂rtlich Stadt. Heute steht die Bezeichnung ‚ÄěAngkor‚Äú vor allem f√ľr das historische Hauptstadtgebiet am Fu√ü des Phnom Bakheng: die Stadt Yasodharapura und ihre Nachfolgerin Angkor Thom mit Umgebung. Oft werden fr√ľhere Hauptstadtgebiete (vor allem Hariharalaya, aber auch der Phnom Kulen und Koh Ker) hinzugerechnet. Nicht selten wird auch das historische Khmer-Reich in seiner ganzen Ausdehnung Angkor genannt; von der urspr√ľnglichen Bezeichnung Kambuja oder Kambujadesha leitet sich der moderne Name des Landes Kampuchea her (dt. Kambodscha, en. Cambodia, fr. Cambodge).

Geschichte

Die Geschichte Angkors, als dem zentralen Siedlungsgebiet des historischen Kambuja, ist auch die Geschichte der Khmer vom 9. bis zum 15. Jahrhundert.

Aus Kambuja selbst - und somit auch der Region Angkor - sind au√üer Inschriften an S√§ulen keine schriftlichen Aufzeichnungen erhalten geblieben. So stammt das heutige Wissen √ľber die historische Khmer-Zivilisation vor allem aus:

  • arch√§ologischen Ausgrabungen, Rekonstruktionen und Untersuchungen
  • Inschriften an S√§ulen und auf Steinen in den Tempelanlagen, in denen von den politischen und religi√∂sen Taten der K√∂nige berichtet wird
  • Reliefs an einer Reihe von Tempelw√§nden mit Darstellungen von Kriegsz√ľgen, dem Leben am K√∂nigshof, Marktszenen und auch aus dem Alltag der Bewohner
  • Berichten und Chroniken chinesischer Diplomaten, H√§ndler und Reisender.

Siehe auch: Geschichte Kambodschas

Prähistorische Epoche

Keramiken und Steinwerkzeuge sowie durch Luftaufnahmen entdeckte pr√§historische Siedlungen belegen fr√ľhe menschliche Siedlungst√§tigkeit im Gebiet des sp√§teren Kambuja und s√ľdlichen Vietnam bereits in der Jungsteinzeit ab etwa 5000 v. Chr. (Hoa Binh-Kultur). Ab dem 3. Jahrtausend v. Chr. war der Bew√§sserungsanbau von Reis bekannt.

Entwicklung vor Angkor

Funan

‚Üí Hauptartikel: Funan

W√§hrend des 1. Jahrtausends v. Chr. entwickelten sich aus den Siedlungen eine Reihe fr√ľher Reiche und Stadtstaaten. Diese Reiche hatten noch keine festen Grenzen, die gr√∂√üeren und m√§chtigeren versuchten daher mit wechselndem Erfolg, ihr Einflussgebiet auszuweiten. Im 1. Jahrhundert gewann dabei eines die Oberhand, dessen Name, Funan, nur in der chinesischen √úbersetzung √ľberliefert ist. Vermutlich ist Funan die chinesische Transkription von biu nam (phnom in heutigem Khmer), das Berg bedeutet. Arch√§ologische Funde weisen darauf hin, dass Funan eine wichtige Station auf den Handels- und Pilgerrouten zwischen China im Norden und Indien im Westen war. In Oc Eo im heutigen Vietnam, zu Zeiten Funans ein bedeutender Hafen, wurden neben Gegenst√§nden aus den gro√üen asiatischen Zivilisationen der Zeit sogar solche aus dem R√∂mischen Reich gefunden. Aus dieser Periode stammen auch fr√ľhe Einfl√ľsse der indischen Kultur (Hinduismus und Mahayana-Buddhismus, Wissenschaft) auf die sich entwickelnde Zivilisation der Khmer, wobei die einheimische Bev√∂lkerung aber auch ihre eigenen Traditionen in Architektur, Wasserregulation und Landwirtschaft beibehielt und weiterentwickelte.

Chenla

‚Üí Hauptartikel: Chenla

In chinesischen Chroniken wird erstmals Mitte des 7. Jahrhunderts ein weiterer Staat in der Nachbarschaft Funans erw√§hnt, der als Zhenla (auch Chenla) bezeichnet wurde, tats√§chlich aber wohl aus mehreren politischen Einheiten bestand. Erst seit Beginn des 7. Jahrhunderts bildete sich hier ein Machtzentrum, besonders unter Isanavarman I. (bezeugt seit 616) mit der Hauptstadt Isanapura (heute in der Provinz Kompong Thom, Kambodscha). Nach den chinesischen Chroniken zerbrach Zhenla im Jahre 707 in zwei Teile, doch war die Zersplitterung vermutlich weitreichender. Nach der chinesischen Sichtweise gab es ein ‚ÄěZhenla des Landes‚Äú, dessen Zentrum sich im Gebiet der heutigen laotischen Provinz Champassak befand, und ein ‚ÄěZhenla des Meeres‚Äú, das im Gebiet des fr√ľheren Funan am Mekong-Delta und entlang der K√ľste lag. F√ľr die Angkor-Region ist im Jahre 713 die K√∂nigin Jayadevi, Tochter von K√∂nig Jayavarman I. (ca. 657-681) bezeugt.

Die Anfänge Angkors

Als Gr√ľndervater des Khmer-Reiches von Angkor gilt Jayavarman II. (* 8. Jahrhundert, ‚Ć 9. Jahrhundert). Er ist m√∂glicherweise identisch mit einem von den Historikern als Jayavarman I.[No. 2] oder Jayavarman Ibis bezeichneten Herrscher, der durch Inschriften in den Jahren 770 und 781 bezeugt ist. Jedenfalls heiratete er in eine lokale Herrscherfamilie der Angkor-Region ein, was aus den Inschriften der Tempel Preah Ko vom 25. Januar 880 und Bakong von 881/82 des K√∂nigs Indravarman I. (reg. 877‚ąí889) hervorgeht. Jayavarman II. selbst hat keine schriftlichen Zeugnisse hinterlassen.

Oft wird als Regierungszeit Jayavarmans II. der Zeitraum von 802 bis 850 angegeben, was aber in keiner zeitgen√∂ssischen Quelle belegt ist, sondern auf Inschriften aus dem sp√§ten 10. und fr√ľhen 11. Jahrhundert zur√ľckgeht. Ebenfalls auf einer sp√§tere √úberlieferung, namentlich die Sdok Kak-Thom-Inschrift vom 8. Februar 1053, beruht die Darstellung, Jayavarman II. habe sein Reich gegen die Bedrohung durch das s√ľdlich gelegene Reich von ‚ÄěJava‚Äú (vgl. Srivijaya) verteidigt. Diese Erz√§hlung kann aber auch eine sp√§tere Projektion, von im 11. Jahrhundert aktuellen Konflikten mit ‚ÄěBarbaren‚Äú (java, yvan) auf fr√ľhere Zeiten, sein.

Jayavarmans II. Sohn Jayavarman III. starb m√∂glicherweise fr√ľh. Ihm folgten mit Rudravarman und Prithivindravarman Angeh√∂rige aus der Familie, in die Jayavarman II. eingeheiratet hatte.

Yasodharapura ‚Äď die erste Stadt in Angkor

Sonnenuntergang am Phnom Bakheng
Phnom Bakheng
Blick vom Phnom Bakheng

Indravarman I. (regierte 877‚ąí889), der Sohn des Prithivindravarman, ist der eigentliche Gr√ľnder des Angkor-Reiches. Ihm gelang es, das K√∂nigreich ohne Kriege zu vergr√∂√üern und er begann dank des durch Handel und Landwirtschaft erworbenen Reichtums mit umfangreichen Baut√§tigkeiten, vor allem der Tempel Preah Ko, eingeweiht am 25. Januar 880, und Bakong (881/82) sowie Bew√§sserungsanlagen. Ihm folgte sein Sohn Yasovarman I. (regierte 889 ‚Äď ca. 910) der eine neue Hauptstadt, Yasodharapura, errichten lie√ü - die erste Stadt in Angkor.

Der Haupttempel der Stadt wurde auf dem Phnom Bakheng erbaut, einem H√ľgel, der etwa 60‚ÄČm √ľber der Ebene von Angkor liegt. Unter Yasovarman I wurde auch der √∂stliche Baray (Yasodharatataka) angelegt, ein gewaltiges Wasserreservoir von 7,5 km L√§nge und 1,8 km Breite (Siehe auch: Baray).

921 gr√ľndete Jayavarman IV. (regierte 921-941) ein eigenes K√∂nigreich mit der Hauptstadt Chok Gargyar (Koh Ker), etwa 100 km nord√∂stlich von Angkor. Seit 928 beherrschte er auch Angkor. Erst Rajendravarman II. (regierte 944 - 968) brachte den K√∂nigshof zur√ľck nach Yasodharapura. Er nahm die umfangreichen Bauvorhaben fr√ľherer K√∂nige wieder auf und lie√ü eine Reihe von Tempeln im Gebiet von Angkor errichten; nicht zuletzt den √∂stlichen Mebon auf einer Insel in der Mitte des √∂stlichen Baray und mehrere buddhistische Tempel und Kl√∂ster (eingeweiht am 28. Januar 953). 950 kam es zu einer ersten kriegerischen Auseinandersetzung Kambujas mit dem Reich der Cham im Osten (im heutigen zentralen Vietnam).

Von 968 bis 1001 regierte der Sohn von Rajendravarman II., Jayavarman V.. Seine Regentschaft war, nachdem er sich gegen die anderen Prinzen als neuer K√∂nig durchgesetzt hatte, eine weitgehend friedliche Periode, gepr√§gt von Wohlstand, und einer kulturellen Bl√ľtezeit. Er lie√ü in der unmittelbaren Nachbarschaft Yasodharapuras eine neue Hauptstadt errichten, Jayendanagari. Am Hof von Jayavarman V. lebten Philosophen, Gelehrte und K√ľnstler. Auch neue Tempel wurden errichtet; die bedeutendsten davon sind Banteay Srei (eingeweiht am 22. April 967), der als einer der sch√∂nsten und kunstvollsten von Angkor gilt, und Ta Keo, der erste ganz aus Sandstein gebaute Tempel Angkors.

Nach dem Tod Jayavarmans V. folgte ein Jahrzehnt der Unruhe. K√∂nige regierten nur wenige Jahre und wurden nacheinander gewaltsam von ihren Nachfolgern vertrieben bis schlie√ülich Suryavarman I. (regierte 1002-1049) den Thron eroberte. Seine Regentschaft war bestimmt von wiederholten Versuchen seiner Widersacher, ihn zu st√ľrzen, und von milit√§rischen Eroberungen. Im Westen erweiterte er das Reich bis zum heutigen Lopburi (Thailand), im S√ľden bis zum Isthmus von Kra. Im Gro√üraum von Angkor lebten zu dieser Zeit rund 1 Million Menschen. Suryavarman I. begann mit dem Bau des westlichen Baray, dem zweiten und noch gr√∂√üeren Wasserreservoir (8 km x 2,2 km) nach dem √∂stlichen Baray. Mit einer Wassertiefe von 2 bis 3 m hatte es ein Fassungsverm√∂gen von 40 Mio. m¬≥. Die k√ľnstliche Bew√§sserung erlaubte drei Ernten pro Jahr und einen Ertrag von sch√§tzungsweise 2,5 t Reis/ha. Zum Vergleich: Im Mittelalter erntete man in Europa ca. 0,3 t Getreide pro Hektar. Heute liegen gute Ernten bei 4-5 t/ha, Reis bei 5-12 t/ha.

Suryavarman II. ‚Äď Angkor Wat

Angkor Wat
Angkor Wat

Das 11. Jahrhundert war eine Zeit der Unruhen und brutaler Machtk√§mpfe. Erst Suryavarman II. (regierte 1113 - ca. 1150) gelang es, das Reich zu einen und zu erweitern. Unter seiner Regentschaft wurde in einer Bauzeit von 37 Jahren der gr√∂√üte Tempel Angkors erbaut, der dem Gott Vishnu geweihte Angkor Wat (urspr√ľnglich vermutlich bisnulok bzw. Vishnuloka genannt).

Suryavarman II. eroberte das nordwestlich gelegene Mon-K√∂nigreich Haripunjaya (heute Nordthailand) und das Gebiet weiter westlich bis zur Grenze des Reiches von Bagan (dem heutigen Myanmar), im S√ľden weite Teile der malaiischen Halbinsel bis hin zum K√∂nigreich Grahi (entspricht ungef√§hr der heutigen thail√§ndische Provinz Nakhon Si Thammarat), im Osten mehrere Provinzen Champas und die L√§nder im Norden bis zur S√ľdgrenze des heutigen Laos. Allerdings musste er auch zahlreiche empfindliche Niederlagen hinnehmen. Das Ende Suryavarmans II. ist nicht gekl√§rt. Eine letzte Inschrift, die seinen Namen in Zusammenhang mit der geplanten Invasion Vietnams erw√§hnt, stammt vom 17. Oktober 1145. Vermutlich starb er w√§hrend eines Kriegszuges zwischen 1145 und 1150.

Wiederum folgte eine Periode der Unruhe (bekannt sind die Herrscher Dharanindravarman II., Yasovarman II. und Tribhuvanaditya) mit Rebellionen. Im Juni 1177 schlie√ülich unterlag Kambuja in einer Seeschlacht auf dem Tonle-Sap-See dem Heer der Cham unter Jaya Indravarman IV. Am 14. Juni 1177 wurde die Hauptstadt gepl√ľndert, K√∂nig Tribhuvanaditya get√∂tet und Kambuja wurde Champa als Provinz eingegliedert.

Jayavarman VII. ‚Äď Angkor Thom

Bayon
S√ľdtor, Angkor Thom
S√ľdtor (Detail)

Als Prinz war der sp√§tere K√∂nig Jayavarman VII. (regierte 1181 - nach 1206; vielleicht bis 1220), Sohn Dharanindravarmans II. und Cudamanis, der Tochter Harsavarmans III., bereits unter fr√ľheren K√∂nigen Heerf√ľhrer gewesen. W√§hrend der Kriege gegen die Cham hatte sich Jayavarman VII. zeitweilig in die Tempelanlage Preah Khan in der Provinz Preah Vihear zur√ľckgezogen. Nachdem die Cham Angkor erobert hatten, sammelte er ein Heer und eroberte die Hauptstadt Yasodharapura zur√ľck. 1181 bestieg er den Thron und f√ľhrte den Krieg gegen das √∂stliche Nachbarreich noch 22 weitere Jahre, bis die Khmer im Jahr 1203 Champa besiegten und gro√üe Teile des Landes eroberten.

Als der letzte der gro√üen K√∂nige von Angkor gilt Jayavarman VII. nicht nur wegen des erfolgreichen Krieges gegen die Cham, sondern auch, weil er kein tyrannischer Herrscher war, wie seine direkten Vorg√§nger, das Reich einte und schlie√ülich vor allem wegen der unter seiner Regentschaft verwirklichten Bauvorhaben. Es entstand die heute als Angkor Thom (w√∂rtlich: Gro√üe Stadt) bekannte neue Hauptstadt. Im Zentrum lie√ü der K√∂nig, selbst ein Anh√§nger des Mahayana-Buddhismus, als Haupttempel den Bayon mit seinen 49 T√ľrmen mit meterhohen, aus dem Stein gehauenen Gesichtern des Bodhisattva Lokeshvara (auch Avalokiteshvara) errichten. Weitere wichtige Tempel, die unter Jayavarman VII. gebaut wurden, sind Ta Prohm, Banteay Kdei und Neak Pean, sowie das Wasserreservoir Srah Srang. Daneben wurde ein umfangreiches Stra√üennetz angelegt, das alle St√§dte des Reiches verband. Entlang dieser Stra√üen entstanden 121 Rasth√§user f√ľr H√§ndler, Beamte und Reisende. Nicht zuletzt lie√ü er 102 Spit√§ler errichten, die dem ‚ÄěMedizin-Buddha‚Äú Bhaisajyaguru geweiht waren.

Machtverlust

Wer nach dem Tod Jayavarmans VII. K√∂nig wurde, ist ungewiss. Es ist lediglich bekannt, dass im Jahr 1243 oder 1244 K√∂nig Indravarman II. starb. Im Jahr 1220 zogen sich nach Cham-Quellen die Khmer aus vielen der zuvor eroberten Provinzen Champas zur√ľck. Im Westen gewannen die Thai an Macht, schufen das erste Thai-K√∂nigreich Sukhothai und dr√§ngten die Khmer zur√ľck. Die Thai wurden in den folgenden 200 Jahren zu Hauptgegnern Kambujas.

W√§hrend des 13. Jahrhunderts kam es zu einer heftigen Reaktion gegen die buddhistische Phase Angkors. Die meisten Buddha-Statuen Angkors wurden zerst√∂rt (Arch√§ologen sch√§tzen deren Zahl auf √ľber 10.000, von denen nur wenige erhalten blieben) und buddhistische in hinduistische Tempel umgewandelt. Auf Indravarman II. folgte entweder unmittelbar 1243 oder sp√§ter (1267) Jayavarman VIII. (regierte bis 1295). Von au√üen wurde das Reich 1283 von den Mongolen unter Kublai Khans General Sagatu bedroht. Indem der K√∂nig Tribut an den m√§chtigen Herrscher, der zu dieser Zeit √ľber ganz China regierte, bezahlte, konnte er einen Krieg mit dem √ľberm√§chtigen Gegner vermeiden. Jayavarmans VIII. Herrschaft endete 1295, als er von seinem Schwiegersohn Srindravarman (regierte 1295 - 1309) gest√ľrzt wurde. Der neue K√∂nig war Anh√§nger des Theravada Buddhismus, einer buddhistischen Schule, die aus Sri Lanka nach S√ľdostasien gekommen war und in der Folge in gro√üen Teilen S√ľdostasiens Verbreitung fand.

Im August 1296 kam der chinesische Botschafter Zhou Daguan (auch Chou Ta-Kuan) nach Angkor und blieb bis Juli 1297 am Hof K√∂nig Srindravarmans. Er war nicht der erste und auch nicht der letzte chinesische Abgesandte, der Kambuja besuchte. Einen besonderen Stellenwert nimmt sein Aufenthalt aber dadurch ein, dass Zhou Daguan danach einen detaillierten Bericht √ľber das Leben in Angkor verfasste. Seine Aufzeichnungen gelten heute als eine der bedeutendsten Quellen zum Verst√§ndnis des historischen Angkor. Neben Beschreibungen einiger gro√üer Tempel (Bayon, Baphuon, Angkor Wat), denen wir das Wissen, dass z.B. die T√ľrme des Bayon mit Gold √ľberzogen waren, verdanken, bietet der Text auch wertvolle Informationen √ľber das Alltagsleben und die Gebr√§uche der Bewohner Angkors.

Abstieg und Ende Angkors

Detail eines Hochreliefs

Aus der Zeit nach Srindravarmans Regentschaft gibt es nur wenige historische Aufzeichnungen. Eine Inschrift auf einer S√§ule, die vom Regierungsantritt eines Herrschers namens Jayavarman berichtet, datiert diesen entweder auf das Jahr 1267 oder 1327. Auch wurden keine gro√üen Tempelanlagen mehr errichtet. Historiker vermuten einen Zusammenhang mit dem Umstand, dass die K√∂nige nun Theravada Buddhisten waren und somit keine Notwendigkeit mehr bestand, den G√∂ttern, unter deren Schutz sie standen, eigens riesige Tempel zu errichten. Die These, dass in der sp√§teren Zeit die Anlagen zur Wasserregulierung verfielen, ist nicht gesichert, da es aus der Zeit zwischen 1308 und 1546 keine einheimischen Dokumente (Inschriften) gibt. Der westliche Nachbar, das erste Thai-K√∂nigreich Sukhothai, wurde 1350 von Ayutthaya, ebenfalls einem Reich der Thai, erobert. Es kam im 14. Jahrhundert zu mehreren Angriffen auf Kambuja, die aber noch zur√ľckgeschlagen werden konnten. Nach Thai-Chroniken eroberten diese 1431 Angkor, aber auch dies war nur eine vor√ľbergehende Besetzung.

Nicht zuletzt aus handelspolitischen Gr√ľnden wurde das Zentrum des Khmer-Reiches nach S√ľden, in die Region des heutigen Phnom Penh verlegt. Angkor wurde jedoch nicht vollst√§ndig verlassen. Der Niedergang der Stadt Angkor, nicht des Khmer-Reiches, w√§re also vor allem eine Folge der Verschiebung der wirtschaftlichen - und damit politischen - Bedeutung gewesen, da Phnom Penh zu einem wichtigen Handelszentrum am Mekong wurde.

In jedem Fall gibt es Zeugnisse f√ľr eine weitere Nutzung Angkors. K√∂nig Ang Chand (regierte ca. 1530‚ąí1566) lie√ü am Angkor Wat in den Jahren 1546 und 1564 zwei unvollendet gebliebene Galerien mit Friesen versehen. Unter der Herrschaft des K√∂nigs Barom Reachea I. (regierte 1566‚ąí1576), dem es zeitweilig gelang die Thai zur√ľckzudr√§ngen, wurde der K√∂nigshof f√ľr kurze Zeit wieder nach Angkor verlegt. Insgesamt wurden am Angkor Wat und anderen Tempeln Angkors im Zeitraum von 1546 bis 1747 √ľber 40 Stifterinschriften angebracht. Aus dem 17. Jahrhundert stammen japanische Dokumente √ľber japanische Siedlungen neben denen der Khmer, die immer noch in dem Gebiet lebten. Die bekannteste erz√§hlt von Ukondafu Kazufusa, der dort 1632 das Neujahrsfest der Khmer feierte.

Bouillevaux, Mouhot ‚Ķ ‚Äď die ‚ÄěEntdeckung‚Äú Angkors

Angkor Wat (Delaporte, 1880)
Angkor Wat (Emile Gsell, 1866)

Die ‚ÄěEntdeckung‚Äú Angkors durch den franz√∂sischen Forscher Henri Mouhot ist ein Mythos, der eher die eurozentrische Perspektive des 19. Jahrhunderts und die Interessen der Kolonialm√§chte widerspiegelt, als er den tats√§chlichen Umst√§nden entspricht. Zum einen war Angkor nie verschwunden. Die Khmer wussten auch nach dem Niedergang des historischen Reiches um die Existenz der alten Tempel. Angkor Wat wurde, wie auch einige andere Bauten, durchgehend als Tempel benutzt und das Umland von Reisbauern und Fischern bewohnt. Zum anderen war Henri Mouhot weder der erste Europ√§er, der Angkor besuchte, noch der erste, der dar√ľber berichtete.

Bereits im 16. Jahrhundert erreichten portugiesische Missionare die Stadt und brachten Berichte dar√ľber nach Europa. Eine Reihe europ√§ischer Missionare und H√§ndler, vor allem aus Portugal, Spanien und sp√§ter auch Frankreich, folgten und erw√§hnten in ihren Berichten wiederholt eine ‚Äěgro√üe ummauerte Stadt‚Äú, womit wohl Angkor Thom gemeint war, und den Angkor Wat. Mouhot selbst erhob nie den Anspruch, der Entdecker Angkors zu sein. In seinem ber√ľhmt gewordenen Buch Voyage √† Siam et dans le Cambodge (1868) zitiert er auch selbst ausdr√ľcklich aus dem Bericht des franz√∂sischen Missionars Charles-Emile Bouvillevaux. Dieser war wenige Jahre bevor Mouhout nach Asien aufbrach aus Kambodscha zur√ľckgekehrt. Dass das ‚Äěexotische Angkor‚Äú dennoch erst durch Mouhots Buch im Westen die Aufmerksamkeit der breiten √Ėffentlichkeit und der Gelehrten auf sich zog, lag auch daran, dass er den Bericht mit einer Reihe detaillierter Zeichnungen illustriert hatte.

Angkor heute

In Folge der Popularit√§t, die Angkor durch Mouhots Buch erlangt hatte, wurde es zum Ziel einer Reihe von wissenschaftlichen Expeditionen. Es begann die Zeit der systematischen und wissenschaftlichen Erforschung. Eine Reihe meist franz√∂sischer Expeditionen besuchte Angkor. Daneben reisten auch weitere Forscher, wie der deutsche Ethnograf Adolf Bastian, der als erster die indischen Einfl√ľsse erkannte, und ein schottischer Fotograf, John Thomson, von dem die ersten Fotografien des Angkor Wat (1866) stammen, dorthin.

Kunstraub

Mit den zahlreicher werdenden Besuchern aus Europa wuchs das Wissen √ľber das historische Khmer-Reich. Gleichzeitig begann aber auch der Diebstahl vieler der noch in Angkor verbliebenen Kunstwerke. Die wertvollsten waren schon im 15. Jahrhundert, nach der Niederlage Kambujas, nach Ayutthaya und von dort, nachdem das Thai-K√∂nigreich von den Burmesen erobert worden war, nach Pegu und schlie√ülich Mandalay geschafft worden, wo sie sich heute noch befinden. Vierhundert Jahre sp√§ter verpackten europ√§ische Forscher, Abenteurer und H√§ndler Statuen, Bronzeskulpturen und auch herausgebrochene St√ľcke von Reliefs in Kisten und verschifften sie nach Europa, wo sie in Museen und privaten Sammlungen landeten. Heute finden sich in Angkor nur noch sehr wenige Statuen an ihrem urspr√ľnglichen Platz. Was noch nicht gestohlen wurde, befindet sich in den Archiven der Arch√§ologen vor Ort oder im Staatsmuseum in Phnom Penh, um zu verhindern, dass auch diese letzten St√ľcke wegkommen. Kunstr√§uber brechen auch heute noch Tafeln aus Reliefs und schlagen Apsaras die K√∂pfe ab, um sie am Schwarzmarkt in Europa, den USA oder Japan zu verkaufen. Sogar Abg√ľsse aus Beton, die manchmal an Stelle der Originale platziert wurden, werden immer wieder gestohlen.

Forschung und Restaurierung

Ta Som: W√ľrgefeige auf einer Seitenhalle des Osttors
Informationen des JSA zu Restaurierungsarbeiten

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts nahm die neu gegr√ľndete √Čcole fran√ßaise d'Extr√™me-Orient (EFEO) ihre Arbeit auf. Pl√§ne des gesamten Areals wurden angefertigt, die mittlerweile fast 1.000 bekannten Tempel und Heiligt√ľmer katalogisiert, die rund 1.200 gefundenen Inschriften √ľbersetzt und es wurde damit begonnen, die Tempel aus der tropischen Vegetation freizulegen. Henri Marchal von der EFEO lernte bei einem Besuch auf Java die dort schon seit l√§ngerer Zeit von niederl√§ndischen Arch√§ologen angewandte Technik der Anastilosis kennen. Dabei werden zerfallene Bauwerke aus den Originalteilen wieder aufgebaut. Neue Materialien wie Beton werden nur in Ausnahmef√§llen verwendet, um die statische Sicherheit zu gew√§hrleisten, und m√∂glichst ‚Äěunsichtbar‚Äú integriert. Im Jahr 1931 begannen die Arch√§ologen und Restauratoren der EFEO damit, diese Technik bei ihrer Arbeit in Angkor anzuwenden. Einer der ersten so restaurierten Tempel war der Banteay Srei.

Die Arbeit der Restauratoren musste w√§hrend des 20. Jahrhunderts mehrfach unterbrochen werden. Bereits der Zweite Weltkrieg, der Indochinakrieg, das darauf folgende Ende der franz√∂sischen Kolonialherrschaft in Franz√∂sisch-Indochina und der auf Kambodscha √ľbergreifende Vietnamkrieg hatten die Arbeit erschwert. 1975 nach der Macht√ľbernahme der Roten Khmer mussten die Wissenschafter das Land verlassen und die Arbeit in Angkor kam vollst√§ndig zum Erliegen.

1986 begannen Arch√§ologen des Archaeological Survey of India (ASI) noch w√§hrend des B√ľrgerkrieges nach der Entmachtung der Roten Khmer durch die vietnamesische Armee mit Restaurierungsarbeiten am Angkor Wat. Heute arbeiten Teams aus verschiedenen L√§ndern, koordiniert vom International Coordinating Committee (ICC) der UNESCO, in Angkor: das kambodschanische Institut Authority for the Protection and Management of Angkor and the Region of Siem Reap (APSARA), die √Čcole fran√ßaise d'Extr√™me-Orient (EFEO), das Japanese Government Team for Safeguarding Angkor (JSA), der US-amerikanische World Monuments Fund (WMF) und das deutsche German Apsara Conservation Project (GACP) der FH K√∂ln. Neben der Forschungst√§tigkeit zur Geschichte Angkors liegt der Schwerpunkt der Arbeit in der Erhaltung und dem Wiederaufbau der Tempel.

Feldspatkorn einer Probe aus Angkor, betrachtet durch ein Polarisationsmikroskop

Seit 2005 besteht eine Kooperation zwischen dem deutschen German Apsara Conservation Projekt der FH K√∂ln[1] und dem Institut f√ľr Geologie und Mineralogie der Universit√§t zu K√∂ln. Gegenstand der Kooperation ist die petrologische und geochemische Untersuchung von Natursteinen verschiedener Tempelanlagen und Steinbr√ľche, um m√∂gliche Korrelationen zu erarbeiten, welche die Natursteine der Steinbr√ľche als Erg√§nzungsmaterial f√ľr die Tempel auszeichnen. Im Rahmen einer Diplomarbeit[2] wurden erste Testuntersuchungen durchgef√ľhrt, die eine Differenzierung der Natursteine von sechs Tempelanlagen (Angkor Wat, Banteay Srei, Ta Keo, Bayon, Pre Rup und Preah Ko) sowie zwei alten Steinbr√ľchen umfasste, die zeigten, dass es m√∂glich ist, die Steinbruchgesteine mit einzelnen Tempelanlagen in Verbindung zu bringen. Um restauratorische und konservatorische Projekte zu unterst√ľtzen, werden weitere Steine von anderen Tempelanlagen und Steinbr√ľchen untersucht und in einer Datenbank gesammelt.

Tourismus

Nach dem Ende des B√ľrgerkrieges in Kambodscha und der Entwaffnung der letzten Roten Khmer entwickelte sich in Kambodscha unter der zeitweiligen Schirmherrschaft der UNO (siehe UNTAC) eine weitgehend stabile Demokratie. Damit einher ging seit den 1990er Jahren ein steter Zuwachs internationaler Touristen, die Angkor besuchen, und in der Folge ein massiver Ausbau der touristischen Infrastruktur. Einzig die politischen Unruhen im Sommer 1997 brachten einen kurzfristigen Einbruch. In der nahegelegenen Stadt Siem Reap wurden alte Hotels aus dem fr√ľhen 20. Jahrhundert wieder er√∂ffnet und eine gro√üe Zahl neuer Hotels errichtet. Diese decken mittlerweile das gesamte touristische Spektrum ab - von Luxushotels bis zu einfachen Zimmern. Der Aufschwung des Tourismus in der Region Angkor ist eng verbunden mit dem Flughafen Siem Reap-Angkor, ein bevorzugtes Ziel asiatischer Billigfluglinien.

Kultur

Banteay Srei: Ravana r√ľttelt am Berg Kailash, die Tiere fliehen
Terrasse des Lepra-Königs: Dharmaraja, Herr des Todes (Replikat)

Schon Funan und Chenla, die Kambuja vorhergehenden Reiche, waren bereits ab dem 1. Jahrtausend v. Chr. von indischer Religion, Kultur und Kunst beeinflusst worden.

Religion

Konzepte aus dem Hinduismus und dem Mahayana-Buddhismus wurden von den Khmer sowohl mit eigenen Traditionen als auch untereinander vermischt. Soweit bekannt ähnelte die Weltsicht der Khmer jener Indiens. Es fiel ihnen deshalb leicht, die neuen Götter in die eigenen religiösen Vorstellungen zu integrieren. Die eigenen Götter und Göttinnen, die Ahnen und zu Schutzgeistern gewordenen Helden, wurden dabei aber nicht vergessen, sondern blieben ein fester Bestandteil der Alltagskultur.

Hinduismus

Die Mehrzahl der Tempelanlagen in Angkor waren hinduistischen G√∂ttern gewidmet, vor allem Shiva, seltener auch Vishnu (Angkor Wat) und Brahma. Neben den Heiligt√ľmern, die einzelnen G√∂ttern geweiht waren, finden sich in Angkor eine Vielzahl von Reliefs mit Darstellungen verschiedener Szenen aus der hinduistischen Mythologie, insbesondere aus dem Ramayana.

Die Dominanz des Hinduismus gegen√ľber dem Buddhismus war vor allem in dessen √Ąhnlichkeit mit eigenen Traditionen begr√ľndet.

Buddhismus

Die weiteste Verbreitung und die Erhebung zur Staatsreligion erfuhr der Mahayana am Ende des 12. Jahrhunderts und zu Beginn des 13. Jahrhunderts unter der Regentschaft K√∂nig Jayavarmans VII. Aus dieser Zeit stammen die eindrucksvollen Gesichter-T√ľrme mit dem Antlitz des Bodhisattva Lokeshvara, wie sie am Bayon, den Tor-T√ľrmen (Gopurams) der gro√üen Stadt Angkor Thom und einer Reihe weiterer Tempel dieser Zeit zu finden sind. Neben der Verehrung des Lokeshvara konzentrierte sich der Glaube des K√∂nigs auf den historischen Buddha Siddhartha Gautama, dem das zentrale Heiligtum des Bayon geweiht war, und Prajnaparamita (das buddhistische Konzept der ‚ÄěPerfektion der Weisheit/Tugend‚Äú), der er das Tempel-Kloster Ta Prohm widmete. Im Verlauf der Herrschaft Jayavarmans II gewann allm√§hlich auch die tantrische Schule des Mahayana an Bedeutung, insbesondere in Form der Verehrung der Gottheit Hevajra.

1295 bestieg schlie√ülich Srindravarman den Thron, der ein Anh√§nger des Theravada-Buddhismus war. Der Theravada war aus Sri Lanka nach S√ľdostasien gekommen. Heute ist die √ľberwiegende Mehrheit der Bev√∂lkerung Kambodschas, Thailands, Myanmars und Laos Anh√§nger dieser Form des Buddhismus.

Synkretismus

Die Khmer des historischen Angkor kannten im Allgemeinen keine strikte Trennung zwischen verschiedenen religi√∂sen Systemen. Die Gottesvorstellungen, die von H√§ndlern und Reisenden aus Indien in S√ľdostasien bekannt gemacht wurden, konnten so sehr schnell ihren Platz neben den lokale Gottheiten, Ahnen, guten und b√∂sen Geistern finden.

Synkretismus, also die Vermischung verschiedener Religionen, war ein wesentliches Merkmal in einem der wahrscheinlich wichtigsten Kulte Angkors. Im Mittelpunkt des Deva-raja-Kultes stand als zentrales Symbol, das in den innersten Heiligt√ľmern der gro√üen Haupttempel verehrt wurde, der Linga, ein konischer Stein, der urspr√ľnglich dem Gott Shiva zugeordnet gewesen war. In Angkor wurde der Linga zum Symbol des Deva-raja, des ‚ÄěK√∂nigs der G√∂tter‚Äú, der nicht zwangsl√§ufig - wenn √ľberhaupt, dar√ľber sind die Forscher noch uneins - Shiva gewesen sein musste.

Eine Fortf√ľhrung dieses Kultes entwickelte der buddhistische K√∂nig Jayavarman VII., indem er den Buddha im zentralen Heiligtum seines Haupttempels, des Bayon, als Buddha-raja verehrte.

Devaraja

Der Devaraja-Kult (von sanskrit: Deva: ‚ÄěGott‚Äú, Raja: ‚ÄěK√∂nig‚Äú) besch√§ftigt Historiker seit der Entdeckung der nach dem Fundort im heutigen Thailand benannten Sdok-Kok-Thom-Inschrift vom 8. Februar 1053. In dieser Inschrift wird der Anspruch erhoben, dass eine Priesterfamilie seit der Zeit von Jayavarman II. (dessen Thronbesteigung hier wie in vielen anderen Inschriften des 11. Jahrhundert auf das vermutlich ahistorische Datum 802 angesetzt wurde) ununterbrochen f√ľr den Kult und seine Riten zust√§ndig gewesen sei. √Ąhnliche, sich zum Teil gegenseitig widersprechende Anspr√ľche finden sich auch in anderen Inschriften des 11. Jahrhunderts. Als erster habe dieses Ritual ein Brahmane, ein hinduistischer Priester, auf dem Phnom Kulen (ca. 45 km nord√∂stlich des sp√§teren Angkor) durchgef√ľhrt. H√§ufiger als der Begriff Devaraja ist die Khmer-Bezeichnung Kamrateng Jagat ta Rajya (‚ÄěHerr des Universums, der K√∂nig ist‚Äú) anzutreffen.[3] Der Devaraja war demnach jene Gottheit, unter deren Schutz der K√∂nig und mit ihm das ganze Reich gestellt wurden. Unterst√ľtzt wird diese Interpretation durch die Namen, welche die K√∂nige Angkors annahmen. So bedeutet beispielsweise Indravarman ‚Äěbesch√ľtzt durch Indra‚Äú (varman: ‚ÄěBrustpanzer‚Äú, als Namenszusatz: ‚Äěbesch√ľtzt durch‚Äú).

Eine √§ltere Deutung ging davon aus, dass der K√∂nig sich im Zuge eines Rituals zum Gott-K√∂nig erheben lie√ü. Der Devaraja w√§re demnach die irdische Verk√∂rperung eines Gottes, √§hnlich den Pharaonen des fr√ľhen Alten Reiches in √Ągypten gewesen. Gerade im Vergleich mit den Pharaonen liegt aber vermutlich die Ursache f√ľr eine Fehlinterpretation der Bedeutung des Devaraja durch die, meist europ√§ischen, Historiker.

Gesellschaft

Bayon: Schlacht auf dem Tonle Sap
Bayon: Marktszene

Über die gesellschaftlichen Verhältnisse im historischen Angkor ist nur wenig bekannt. Manches kann aus Inschriften geschlossen werden, die allerdings meist ausschließlich die Taten der Könige beschreiben. Die bedeutendsten Quellen dazu sind der Bericht des chinesischen Gesandten Zhou Daguan und die Reliefs an den äußeren Galerien des Bayon (ebenfalls aus dem 13. Jahrhundert) mit Darstellungen aus dem Alltagsleben der Bewohner.

An der Spitze der Hierarchie stand der K√∂nig. K√∂niginnen sind keine bekannt, jedoch war die Erbfolge oft an der Linie der Mutter bzw. der Gemahlin des K√∂nigs orientiert. Der Herrscher stand, dem Glauben der Khmer zufolge, in einem besonderen N√§heverh√§ltnis zu 'seinem' Gott, dem er in der Regel einen gro√üen Tempel weihte und der √ľber den K√∂nig und das Reich wachen sollte.

Wesentliche gesellschaftliche Gruppen waren Priester und M√∂nche, Soldaten, Bauern sowie H√§ndler. Priester und M√∂nche bewohnten die Kl√∂ster (z.B. den buddhistischen Ta Prohm), berieten die K√∂nige und besorgten die religi√∂sen Rituale in den Tempeln. Da Kambuja sich fast durchgehend in kriegerischen Auseinandersetzungen mit Nachbarreichen befand - zu Beginn mit dem javanischen Reich, sp√§ter lange Zeit mit Champa, schlie√ülich mit den aufsteigenden Reichen der Thai (Sukhothai und Ayutthaya) - unterhielten die K√∂nige st√§ndig Streitkr√§fte. Ein wesentlicher Faktor, der zu Aufstieg und Macht des Reiches von Angkor beitrug, waren auch die landwirtschaftlichen Ertr√§ge. Es gibt Hinweise, dass es unter den Bauern auch Eigent√ľmer gr√∂√üerer L√§ndereien gab, deren Spenden an Tempel und Kl√∂ster in Inschriften aufgezeichnet wurden. Der Handel auf den Marktpl√§tzen lag, dem Bericht Zhou Daguans zufolge, in den H√§nden der Frauen. Der gesellschaftliche Status der Frauen d√ľrfte im Allgemeinen aber deutlich jenem der M√§nner untergeordnet gewesen sein. Zumindest der K√∂nig hatte meist mehrere Frauen und eine Reihe von Konkubinen.

Neben den Khmer lebten in Angkor auch Chinesen, Inder, Malayen und andere Fremde, meist Händler, mitunter auch Seefahrer, die sich hier niedergelassen hatten.

Kunst und Architektur

Gesichtert√ľrme des Bayon
Banteay Kdei: links zwei Apsaras, rechts eine Devata

Aus Stein errichtete Geb√§ude waren in Angkor religi√∂sen Zwecken vorbehalten. Deshalb sind, mit Ausnahme der Barays und Srahs, den Wasserreservoirs, die f√ľr Landwirtschaft und Wasserversorgung der Bewohner lebenswichtig waren, alle heute noch sichtbaren Bauten Tempel oder Teile von Tempelanlagen, wie Umgrenzungsmauern, Tore und √§hnliches. Folglich sind auch die Merkmale der Bauten - der Grundriss, die Reliefs und Skulpturen, welche die W√§nde schm√ľcken, die Formensprache und Symbolik - vor allem von religi√∂ser Bedeutung.

Obwohl die religi√∂sen Vorstellungen der Khmer, und damit auch Kunst und Architektur, stark von indischen Einfl√ľssen mitbestimmt waren, behielten und entwickelten sie auch eindeutig lokale Z√ľge, die sie trotz vergleichbarer Inhalte deutlich von anderen Stilen Asiens unterscheidbar machen.

Im Folgenden einige der augenfälligsten Merkmale:

Gesichter-T√ľrme

Eine der bemerkenswertesten Entwicklungen der Khmer-Architektur sind die T√ľrme des Bayon und einer Reihe weiterer Bauten aus der Zeit Jayavarmans VII, eines Anh√§ngers des Mahayana-Buddhismus, mit den oft mehrere Meter hohen Gesichtern des Bodhisattva Avalokiteshvara (auch Lokeshvara). Ob diese Abbildungen, die alle praktisch identisch sind, dem Gesicht des K√∂nigs nachempfunden wurden, ist nicht abschlie√üend gekl√§rt.

Apsaras und Devatas

In der Reliefkunst der Khmer spielten Apsaras und Devatas eine wichtige Rolle. Die so genannten Apsaras, aus dem Milchmeer geborene ‚Äěhimmlische T√§nzerinnen‚Äú, wurden meist mit ausw√§rts gerichteten Knien auf Lotosbl√ľten tanzend dargestellt; besonders zahlreich erschienen sie in den Tempeln des 12. und 13. Jahrhunderts. Gleichfalls Bewohnerinnen des hinduistischen G√∂tterhimmels sind die Devatas, weibliche Schutzgottheiten, die im Palast Indras am Berg Meru leben. Anders als Apsaras wurden sie stehend dargestellt, oft in Nischen in den Au√üenw√§nden der Tempel; jede Devata erhielt ihren pers√∂nlichen Gesichtsausdruck und ihre ganz eigene Haartracht. Die Gesamtzahl der Apsaras und Devatas an den W√§nden der Tempel betr√§gt mehrere Tausend ‚Äď allein in Angkor Wat sind rund 2.000 zu finden.[4]

Tempel

Bis heute wurden in Angkor √ľber 1000 Tempel und Heiligt√ľmer entdeckt. Die Anzahl war zu Zeiten des historischen Reiches allerdings weit h√∂her. Im tropischen Klima S√ľdostasiens konnten nur aus Stein errichtete Geb√§ude die Jahrhunderte seit dem Niedergang Angkors √ľberdauern. Aus Inschriften ist jedoch bekannt, dass oft Jahre oder Jahrzehnte vergingen, bis jene, die einen Schrein oder Tempel aus Stein errichten wollten, die daf√ľr notwendigen Mittel hatten. In der Zwischenzeit wurden die Heiligt√ľmer aus Holz gebaut und es wird angenommen, dass viele dieser Bauten nie durch solche aus Stein ersetzt wurden. Daneben gab es schon damals eine gro√üe Menge kleiner h√∂lzerner Heiligt√ľmer, die vor allem lokalen Gottheiten gewidmet waren und in √§hnlicher Form auch heute noch in S√ľdostasien zu finden sind.

Die gro√üen Tempel wie der Angkor Wat oder auch der dem Buddha geweihte Bayon waren nicht als Versammlungsorte f√ľr Gl√§ubige errichtet worden, sondern als Pal√§ste der G√∂tter. Es gibt also keine weiten offenen Fl√§chen oder R√§ume, sondern ein zentrales Heiligtum f√ľr den Gott, dem der Tempel geweiht war, und oft eine Vielzahl kleinerer Nebenheiligt√ľmer, verbunden durch Tore und G√§nge.

Der Grundriss praktisch aller Tempel entspricht der Weltsicht des Hinduismus: Im Zentrum steht der h√∂chste Turm (Prasat) mit dem zentralen Heiligtum als Repr√§sentation des Berges Meru (im Himalaya), auf dem die G√∂tter wohnen. Der Hauptturm ist umgeben von vier kleineren T√ľrmen, den Bergen neben dem Meru. Die punktsymmetrische Anordnung wird als Quincunx-Stellung bezeichnet. Die √§u√üere Begrenzung bildet schlie√ülich ein Wassergraben, der den Ozean versinnbildlicht.

Einige der bedeutendsten Tempel und Bauwerke:

Angkor Wat bei Sonnenaufgang
Auf dem Phnom Bakheng
Ta Prohm: tropische Vegetation

Baumaterialien

Monumentalgesicht aus Sandsteinquadern

Alle weltlichen Bauten Angkors, vom K√∂nigspalast bis zu den H√§usern der Einwohner, waren aus Holz gebaut. Funde von t√∂nernen Dachziegeln weisen darauf hin, dass zumindest die H√§user der Wohlhabenderen damit bedeckt waren. Tempel waren oft mit h√∂lzernen Vord√§chern und T√ľren (oft mit Bronze beschlagen) versehen.

Die fr√ľhesten, heute noch stehenden Tempel Angkors wurden aus gebrannten Lehmziegeln errichtet. Reliefs wurden oft direkt aus den Ziegelw√§nden herausgearbeitet (wie z.B. am Prasat Kravan) oder die W√§nde mit Stuck verziert. Die Ziegelbauweise fand mitunter auch in sp√§teren Perioden in Angkor noch weiter Verwendung.

Laterit, ein durch Eisenoxid rotbraun gef√§rbter und relativ fester Bodentyp, der leicht zu gro√üen Quadern geschlagen werden kann, wurde f√ľr Sockelbereiche, Ausfachungen der W√§nde mancher Haupttempel, √§u√üere Umfassungsmauern und kleinere Tempel verwendet. Die Oberfl√§che wurde h√§ufig mit Stuck √ľberzogen, weil wegen der por√∂sen Oberfl√§che des Laterit keine Reliefs herausgearbeitet werden konnten. Laterit wurde als billigstes Baumaterial vor allem in den Provinzst√§dten des Reiches verwendet.

Zum bevorzugten Baumaterial der Architekten von Angkor wurde Sandstein. Zwar mussten die Felsen aus Phnom Kulen geholt werden, aber die M√∂glichkeit, die Oberfl√§che feinzubearbeiten, trug dazu bei, dass ab dem sp√§ten 10. Jahrhundert fast alle gro√üen Tempel aus Sandstein gebaut wurden. Sandstein erlaubte die Konstruktion gro√üer Tempelanlagen und die k√ľnstlerische Ausgestaltung mit Reliefs entsprechend den indischen Vorbildern. Der H√∂hepunkt dieser Kunst ist Angkor Wat mit seinen knapp 2000 m¬≤ von Reliefs bedeckten W√§nden.

Begriffserklärungen

  • Angkor (khmer): Stadt; von sanskrit: Nagara
  • Banteay (khmer): Zitadelle, ein Tempel mit Umgrenzungsmauer
  • Baray (khmer): Wasserreservoir; nicht gegraben, sondern durch D√§mme angelegt
  • Phnom (khmer): H√ľgel, kleiner Berg
  • Prasat (khmer): Turm (eines Tempels); von sanskrit: prasada
  • Preah (khmer): heilig; von sanskrit: brah
  • Siem Reap (khmer): entspricht Niederlage Siams (der Siamesen/Thai); geht zur√ľck auf einen Krieg zwischen den Khmer und Siam im 18. Jahrhundert
  • Srah (khmer): Wasserreservoir, gegraben, nicht aufgestaut, kleiner als ein Baray
  • Srei (khmer): Frau/en
  • Thom (khmer): gro√ü, gro√üartig
  • Varman (khmer): Brustpanzer, als Namenszusatz: besch√ľtzt durch, z.B. ‚ÄěSuryavarman‚Äú: ‚Äěbesch√ľtzt durch (den Sonnengott) Surya‚Äú
  • Wat (khmer, thai): (buddhistischer)Tempel, von sanskrit: Vatthu

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ German Apsara Conservation Project am Angkor Vat, Kambodscha (GACP) (PDF)
  2. ‚ÜĎ Petrologisch-geochemische Charakterisierung der Naturwerksteine von Angkor (PDF)
  3. ‚ÜĎ Claude Jacques: The Kamraten Jagat in Ancient Cambodia. in: Noboru Karashima (Hrsg.): Indus Valley to Mekong Delta. Explorations in Epigraphy. Madras 1986, S. 269-286.
  4. ‚ÜĎ Diese Zahl findet sich √ľbereinstimmend bei Freeman/Jacques (Michael Freeman und Claude Jacques: Ancient Angkor. River Books, Bangkok 1999, ISBN 974-8225-27-5, S.50) und bei Zieger (Johann Reinhart Zieger: Angkor und die Tempel der Khmer in Kambodscha. Silkworm Books, Chiang Mai 2006, ISBN 974-9575-60-1, S. 34). Bei Freeman/Jacques verwischt sich allerdings der Unterschied zwischen Apsaras und Devatas.

Literatur

In deutscher Sprache
  • Gisela Bonn: Angkor - Toleranz aus Stein. DuMont, K√∂ln 1997, ISBN 3-7701-3167-3.
  • Gabriele Fahr-Becker: Ostasiatische Kunst. K√∂nemann, K√∂ln Erscheinungsjahr, ISBN 3-89508-845-5.
  • Karl-Heinz Golzio: Chronologie der Inschriften Kambojas. Harrassowitz, Wiesbaden 2006, ISBN 3-447-05295-3.
  • Bernard-Philippe Groslier: Angkor - Eine versunkene Kultur im indochinesischen Dschungel. DuMont, Schaumburg und K√∂ln 1956.
  • Albert Le Bonheur, Jaroslav Poncar: Von G√∂ttern, K√∂nigen und Menschen. Flachreliefs von Angkor Wat und dem Bayon. Peter Hammer, Wuppertal 1995, ISBN 3-87294-710-9.
  • Pierre Loti: Eine Pilgerfahrt nach Angkor. M√ľller, M√ľnchen 1926.
  • Jan Myrdal: Kunst und Imperialismus am Beispiel Angkor. Nymphenburger, M√ľnchen 1973, ISBN 3-485-01827-9.
  • Chou Ta-Kuan: Sitten in Kambodscha. √úber das Leben in Angkor im 13. Jahrhundert. 2.Auflage. Angkor Verlag, Frankfurt 2006, ISBN 3-936018-42-1.
  • UNESCO: One hundred missing objects - Looting in Angkor. ICOM, Paris 1997.
In französischer Sprache
  • Maurice Glaize: Les Monuments du groupe d'Angkor. Originalausgabe: Portail, Saigon 1944; Neuausgaben Adrien-Maisonneuve, Paris ¬≥1963 und 1993, ISBN 2-7200-1091-X.
  • Henri Marchal: Guide arch√©logique aux temples d'Angkor. van Oest, Paris 1928, Neuausgabe 1962.
  • Henri Marchal: Nouveau guide d'Angkor. Impr. du Minist√®re de l'Information, Phnom Penh 1964.
  • √Čtienne Aymonier (1900-1904): Le Cambodge. 3 B√§nde: Le royaume actuel; Les provinces siamoises; Le groupe d'Angkor et l'histoire. Paris 1874, 1911.
  • √Čtienne Lunet de Lajonqui√®re: Inventaire descriptif des monuments du Cambodge. Leroux, Paris 1902, 1911.
  • Tcheou Ta-Kouan: M√©moires sur les coutumes du Cambodge vers 1300. Traduit par Paul Pelliot. Adrien-Maisonneuve, Paris 1951.
In englischer Sprache

Weblinks

Offizielles und Forschung

Sonstiges

 Commons: Angkor ‚Äď Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
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