Kurdische Autonome Region


Kurdische Autonome Region
حكومه تى هه ريمى كوردستان
Hikûmetî Herêmî Kurdistan
Flagge Kurdistans
Wappen Kurdistans
Flagge Wappen
Amtssprache "Kurdisch" und Arabisch[1]
Hauptstadt Arbil
Staatsform de jure Parlamentarismus
Staatsoberhaupt Masud Barzani
Regierungschef Nechirvan Idris Barzani
Fläche 1970 etwa 37.000 km²
seit 2003 mehr als 80.000 km²
Einwohnerzahl 3,757,058[2]
Bevölkerungsdichte 40 Einwohner pro km²
Währung Irakischer Dinar
(1991 bis 2003 Schweizer Dinar)
Gründung 1970
Nationalhymne Ey Reqîb
Zeitzone MEZ+2

Die Autonome Region Kurdistan (kurdisch ‏Heremê Kurdistanê‎) ist eine autonome Region im Norden Iraks. Sie wurde nach dem Märzmanifest im Jahre 1970 zwischen dem damaligen Präsidenten des Iraks Saddam Hussein und den Vertretern der kurdischen Parteien unter der Führung Molla Mustafa Barzanis als Kurdische Autonome Region gegründet. Sie wurde aus regional-patriotischen Ansprüchen in Autonome Region Kurdistan umbenannt, um dem ethno-geografischen Begriff Kurdistan einen offiziellen Status zu verleihen. Die Patriotischen Union Kurdistans (PUK) und der Kurdischen Demokratischen Partei (KDP) stellen die Regierung der Region. Die Autonome Region Kurdistan führt eine eigene Flagge, eine eigene Verfassung sowie eine eigene Hymne.

Inhaltsverzeichnis

Größe der Region

Das Autonomieabkommen vom 11. März 1970 sah eine Region von etwa 37.000 km² vor, die die Provinzen Arbil, Dohuk und As-Sulaimaniyya umfasste. Forderungen der Kurden, dass Kirkuk und Mosul ebenfalls zu dieser Region gehören sollten, wurden von der Zentralregierung mit Rücksicht auf die arabisch-turkmenischen Bevölkerungsanteile dieser Städte zunächst abgewiesen. Die heutige Größe der autonomen Region liegt bei etwa 80.000 km². Etwa 7 Millionen Menschen leben in dem Gebiet, davon nur rund 4 Millionen Kurden. Mit der Regionalverfassung fordert die Regierung wie in Artikel 2 auch die Distrikte Chanaqîn und Mandali der Provinz Diyala und den Distrikt Badra aus der Provinz al-Wasit und die gesamte Provinz Kirkuk. Dieser Prozess sollte durch ein Referendum Ende 2007 abgeschlossen sein, doch wurde die Abstimmung bis auf weiteres vertagt.

Geschichte der Autonomen Region Kurdistan

2003 beteiligten sich die Kurden am Irakkrieg und konnten so ihren Einfluss und damit die Region vergrößern. Heute gehören auch Teile der Gouvernements Diyala, Kirkuk und Ninawa in diese Region.

Etwa dieselben Gebiete waren einst bei der Bildung der autonomen Region aus den drei kurdischen Provinzen ausgegliedert und den Nachbarprovinzen zugeschlagen worden, auch Sinjar sowie das Gebiet zwischen Akrê und Mosul sowie das Gebiet zwischen Maidan und Badra lagen ursprünglich außerhalb der autonomen Region. Im Gegenzug waren Kifri, Dschamdschamāl und Kalar von at-Tamim abgetrennt und 1974 zu Silêmanî geschlagen worden, Tuz Khurmatu kam zu Salah-ad-Din (Tikrit). Die Provinz Kirkuk erhielt somit vorübergehend eine arabisch-turkmenisch-assyrische Mehrheit, verstärkt durch vom irakischen Regime forcierte Neuansiedlungen.

Teilautonomie ab 1970/74

Vorhalle mit Bild von Mustafa Barzani
Das Parlamentsgebäude in Hewlêr/Arbil

Nach dem Autonomieabkommen vom 11. März 1970 sollten fünf Minister der Regierung in Bagdad Kurden sein, einer von ihnen war zunächst Barzanis ältester Sohn Ubaidullah. Die Vereidigung des Kurden Taha Muhi ad-Din Maʿruf als einstiger Vizepräsident des Irak folgte 1974 der Nominierung der Talabani-Fraktion, nachdem Mustafa Barzani abgelehnt hatte. Ein kurdisches Parlament in Hewlêr sollte die Kontrolle über diese Region haben. In Wirklichkeit war das Parlament und damit die Region unter der Kontrolle Bagdads. Es sollte auch eine kurdische Akademie der Wissenschaften gegründet werden und die Gesundheitsversorgung und das Erziehungswesen auf die entlegensten Flecken, die unter den vorherigen Kämpfen gelitten hatten, ausgeweitet werden. Seit 1958 definierte sich der Irak als Staat zweier Nationen – Araber und Kurden – und symbolisierte das mit zwei Schwertern (Dieses Wappen wurde allerdings 1965 wieder durch den Adler Saladins ersetzt. Dennoch hielten sich die zwei Schwerter in Militäremblemen und waren auch als gigantisches Monument in Bagdad aufgestellt worden. Pläne das alte Wappen wiedereinzuführen, wurden bisher nicht verwirklicht). Irak war seitdem zumindest das einzige Land, in dem Kurden auch offiziell ihre Sprache verwenden durften – freilich nur innerhalb der drei autonomen Provinzen.

Bis 1975 und während des Irakisch-Iranischen Krieges 1980 bis 1988 stand der Großteil der drei Provinzen nicht unter Kontrolle der Regierung, faktisch nur in den großen und Provinzhauptstädten hielten sich irakische Garnisonen.

Autonomie ab 1991

Nach dem zweiten Golfkrieg 1991 und der Errichtung der nördlichen Flugverbotszone hatte Bagdad erneut keine Kontrolle mehr über die kurdische Region einschließlich der Städte. Die im Waffenstillstandsabkommen von 1991 vorgesehene symbolische Stationierung kleiner Einheiten leichtbewaffneter irakischer Polizisten kam wegen Widerstandes seitens der Kurden und der USA nicht zustande.

Am 19. Mai 1992 wurde das Parlament neu gewählt. Das Ergebnis führte zu fast gleichen Sitzverteilung zwischen der PUK und der KDP (PUK 51 Sitze und KDP 49). Daneben bekam die „Demokratische Bewegung“ der Assyrer 4 Sitze und die „Christliche Einheit“ einen Sitz. Das Parlament konnte so nicht agieren, da die KDP und die PUK gegeneinander arbeiteten. Am 4. Oktober 1992 deklariert das Parlament den „Föderalen Teilstaat Kurdistan“. Die Rivalität der KDP und PUK über die Verteilung der Einnahmen aus dem Grenzhandel führte 1994 zu einem bewaffneten Konflikt zwischen beiden, der sogar soweit ging, dass die KDP Saddam Hussein um Hilfe bat, um ihren Gegner die PUK aus Hewlêr zu vertreiben. Das tat Saddam Hussein auch. Der Konflikt endete erst 1996 in Washington, D.C..

Status innerhalb des Irak und Aktuelles

Präsident George W. Bush und Masud Barzani, Präsident der Autonomen Region Kurdistans im Weißen Haus

In der neuen Verfassung des Iraks wurde der Status der Region anerkannt und ihr volle Souveränität zugesichert. Der Status und die endgültige Größe der autonomen Region sollen in den nächsten Jahren geklärt werden. Am 30. Januar 2005 fanden auch Wahlen zum neuen kurdischen Parlament statt. Dabei sollten die beiden getrennten Regierungen wieder vereint werden. Vor den Wahlen wurden von den 111 Sitzen 42 der PUK und 42 der KDP gegeben.

Am 13. Juni 2005 wurde nach monatelangen Verhandlungen über die Art und Besetzung des Präsidentenamtes das Parlament in Arbil zusammengerufen und Masud Barzani zum Präsidenten der Region gewählt. Ministerpräsident wurde sein Neffe Nêçîrvan Idrîs Barzanî.

Das Parlament hat weitgehende Rechte. So darf kein Soldat der irakischen Armee ohne Erlaubnis in die kurdischen Gebiete. Die Mannschaftsstärke der Armee der Kurden, der Peschmerga, wird auf 110.000 beziffert.[3] Sie hingegen darf im Gegenzug auch im übrigen Irak operieren, wo sie zum Beispiel in Mossul und Kirkuk die US-Truppen unterstützt.

Am 21. Januar 2006 konnten sich die beiden großen Parteien endlich über die Zusammenlegung der beiden Regierungen in Hewlêr und Silêmanî einigen. Dabei wurde Barzani als Präsident und sein Neffe Nêçîrvan Barzani als Ministerpräsident bestätigt. Die Ministerien wurden unter den Parteien aufgeteilt. Interessant ist, dass es einen Minister für die Pesmerga gibt und einen Minister für auswärtige Angelegenheiten. Am 7. Mai 2006 trat zum ersten Mal das wiedervereinigte Parlament in Hewlêr zusammen.

Im August 2006 verkündete Barzani in einem Dekret, dass in der gesamten Region an öffentlichen Gebäuden nur die kurdische Fahne gehisst werden soll. Seiner Meinung nach repräsentierte die derzeitige irakische Fahne eine Vergangenheit voller Gewalt, Krieg und Tod für die Kurden. Dieses Dekret führte zu einem „Fahnenstreit“, der viele davon überzeugt, dass die Kurden keine Föderation sondern einen eigenen Staat wollen. Doch mit der Zustimmung des irakischen Parlamentes für eine Interimsflagge für den Irak, ließ Barzani verkünden, dass von nun auch zusätzlich zur kurdischen auch die irakische Flagge an allen offiziellen Gebäuden gehisst werden wird. Ein Grund für die Annahme der Interimsflagge war die Tatsache, dass der Gipfel der Arabischen Liga Anfang 2008 in Erbil tagen sollte und daher ein Flaggenstreit nicht wünschenswert war.

Auch wenn innerhalb des Iraks das autonome Gebiet Kurdistan die freiheitlichste Region ist, ist die Pressefreiheit nicht auf westlichem Standard. Laut Amnesty International und WADI-Austria kommt es immer wieder von Seiten der Autonomiebehörde zu Aktionen gegen oppositionelle Journalisten.[4] [5]

Drohender Krieg

Der Nordirak ist seit dem zweiten Golfkrieg 1991 ein Rückzugsgebiet der PKK. Die Türkei besteht seit Jahren darauf, dass die Verantwortlichen vor Ort die PKK bekämpfen sollen. Die USA und die kurdische Regierung kamen dem nicht nach. Nach dem das türkische Parlament in einer Resolution im Oktober 2007 dem Militär freie Hand gab, wurden PKK-Stellungen im Dezember 2007 mehrmals mit Flugzeugen und Kanonen bombardiert. Dieser Konflikt schadet den Beziehungen zwischen der Türkei und der Regionalregierung und könnte unter Umständen eskalieren.

Beziehung zur Türkei

Die Beziehung der irakischen Kurden zur Türkei mit ihrem signifikanten kurdischen Bevölkerungsanteil war stets ambivalent. Die Türkei fürchtete, dass jeder Fortschritt der Kurden im Irak Forderungen der Kurden im Inland nach sich ziehen würde. Auf der anderen Seite waren die Kurden als Gesprächspartner zur Bekämpfung der PKK wichtig, da die irakische Regierung keine faktische Macht im Nordirak hat.

Gemäß ihrer nationalistischen Politik wurden die Kurden in der Türkei bis in die frühen neunziger Jahren schlicht ignoriert und assimiliert. Das Kurdische Problem wurde stets als Terrorproblem bezeichnet und dementsprechend behandelt. Da aber auch Kurden in anderen Ländern wie dem Irak lebten, dehnten die Türken ihre Politik auch auf diese Länder aus. So wurden kurdische Führer wie Barzani und Talabani schlicht als Stammesführer tituliert. Mit dem zweiten Golfkrieg und der anschließenden Massenflucht irakischer Kurden an die Grenze, war die Türkei gezwungen diese aufzunehmen. Die damalige Regierung unter Turgut Özal verlieh Barzani und Talabani Diplomatenpässe. Es fanden erste Besuche in Ankara statt.

Im offiziellen Sprachgebrauch wird die Autonome Region Kurdistan als Nordirakische Regionalregierung (Kuzey Irak bölgesel yönetimi) bezeichnet.

Politik

Verfassung

Im Rahmen der neuen irakischen Verfassung verabschiedete das Regionalparlament den Entwurf einer Regionalverfassung. Die Verfassung fordert das Selbstbestimmungsrecht der Kurden, wie es im Vertrag von Sèvres und in den 14-Punkte-Programm von Woodrow Wilson festgeschrieben worden ist. Die Verfassung unterstreicht auch, dass die Region (das osmanische Vilayet Mosul) ohne Einverständnis der Bevölkerung an den Irak angeschlossen wurde. Der Entwurf umfasst 160 Artikel, deren wichtigste die folgenden sind:

  • Art. 1: Die Kurdistan Region als Teil der Bundesrepublik Irak, wird ein mehrparteiliches, demokratisches, parlamentarisches und republikanisches politisches System besitzen.
  • Art. 2:Die Kurdistan Region umfasst in den Grenzen von vor 1970 die Provinzen Sulaimaniyya, Arbil, At'Tamim und Dohuk und die Distrikte Akrê, Şeyhan, Sincar aus der Provinz Ninava und die Distrikte Chanaqin und Mandali der Provinz Diyala und den Distrikt Badra aus der Provinz Al-Wasit.
  • Art. 3: Die Souveränität liegt beim Volk und wird durch sie legitimiert.
  • Art. 4: Die Bevölkerung der Region besteht aus Kurden und den Minderheiten (Turkmenen, Assyrern und Arabern) und die Verfassung erkennt ihre Rechte an.
  • Art. 5: Kirkuk ist die Hauptstadt der Region.
  • Art. 6: Zusätzlich zu der Fahne der Bundesrepublik Irak wird die Region eine eigene Fahne besitzen.
  • Art. 7: Die Amtssprache ist Kurdisch.
  • Art. 41: Bevor der Ministerpräsident sein Amt antritt, muss er folgenden Eid leisten: Ich schwöre bei Gott, dass ich die Rechte und Interessen des Volkes schützen, die Verfassungen der Bundesrepublik Irak und der Region beachten und mein Amt rechtschaffen, objektiv und ernsthaft führen werde.
  • Art. 75: Ohne Einverständnis des kurdischen Parlamentes, kann die Verfassung des Iraks nicht geändert werden. Bei Zuwiderhandlungen wird das Volk der Kurdistan Region von ihrem Recht auf Selbstbestimmung Gebrauch machen.

Wahlergebnisse

Einflussgebiete der Parteien im Jahr 2003

Wahl vom 19. Mai 1992

KDP 45,3 %
PUK 43,8 %
Islamische Bewegung in Kurdistan (IMK) 5,1 %
Sozialistische Partei Kurdistans (PASOK) 2,6 %
Irakische Kommunistische Partei (ICP) 1,0 %

Da die Hürde bei 7 % lag bekam die KDP 51 und die PUK 49 Sitze. Die KDP gab einen Sitz an die PUK ab, so dass beide Parteien 50 Sitze hatten. Daneben waren die restlichen Sitze für die Assyrer und Christen reserviert. Die Turkmenen beteiligten sich nicht an der Wahl. Wahl vom 30. Januar 2005

Demokratische Patriotische Allianz Kurdistans 104 Sitze
Islamische Gemeinschaft in Kurdistan 6 Sitze
Kurdische Arbeiter Partei 1 Sitz

Beziehungen zu anderen Staaten

In der autonomen Region gibt es zusätzlich zu Bagdad Botschaften und Generalkonsulate mehrere Staaten. So eröffnete Deutschland am 18. Februar 2009 ein Generalkonsulat. Andere Staaten sind die USA, Russland, Iran, Großbritannien, Frankreich und Südkorea.

Bevölkerungsgruppen und Sprachen

Die Bevölkerung besteht hauptsächlich aus Kurden. Araber sind vereinzelt vertreten, genauso wie Turkmenen und Assyrer. Das kurdische Sorani ist die Amtssprache und gleichzeitig die Sprache, die in der Bevölkerung am meisten verwendet wird. Arabisch ist auch vertreten. Die Regionalverfassung garantiert den Minderheiten Schulen und Medien in ihrer Muttersprache in den Gebieten zu gebrauchen, wo sie in der Mehrheit sind.

Siehe auch: Kurdische Sprachen

Feiertage

Während des ganzen Jahres gibt es rund 60 Feiertage. Einige davon sind:

Wirtschaft

Die Kurdische Autonome Region hat eine Wirtschaftswachstumsrate von über 6 %. Nach den Worten von Masud Barzani soll aus der Region nach dem Vorbild Dubai eine Freihandelszone entstehen. In der Region sind mehr als 200 türkische Unternehmen tätig. Der Handel mit der Türkei belief sich 2006 auf mehr als 2 Milliarden US-Dollar. Das gegenwärtige Handelsvolumen mit der Türkei inklusive Ölverträge, Bauaufträgen beläuft sich zu Zeit auf 5 Milliarden US-Dollar. Und das trotz der unklaren politischen Beziehung zwischen Ankara und Arbil. Ab Mitte 2007 nahm die Dominaz türkischer Produkte wie Lebensmittel usw. ab. Man findet jetzt vermehrt Waren aus Syrien, Jordanien und Europa. Dies ist wohl darauf zurück zuführen, dass der Handel mit der Türkei in letzter Zeit erschwert wurde. Auch ist eine Abnahme der Anzahl und Bauprojekte türkischer Unternehmen zu erkennen, was wiederum auf die jüngsten Anschläge im Nordirak und dem weniger werdenden Geldfluss von der Zentralregierung zurück zuführen ist.

Ölvorkommen

In der Autonomem Region Kurdistan befinden sich die weltweit sechst-größten Ölreserven, schätzungsweise 45 Milliarden Barrel Öl.

Die meisten dieser Ölvorkommen sind in Kirkuk, was der Grund dafür ist, dass die kurdische Regierung Ansprüche auf dieses Gebiet stellt. Ende Juni 2004 unterzeichnete das norwegische Ölunternehmen DNO ASA einen Vertrag mit den Behörden über mögliche Ausbeutung.[6] Ende 2005 wurde eine Quelle bei Duhok und Zaxo Ölvorkommen entdeckt, die Förderung begann im Mai 2007.[7]

Mitte Mai 2006 wurde in der Nähe Silêmanî eine weitere Ölquelle erschlossen. Das ausländische Konsortium rechnet mit einer täglichen Fördermenge von 20.000 Barrel Öl. Ein weiteres Projekt wird gemeinsam von einer kurdischen, einem türkischen und einem russischen Unternehmen übernommen. Das Ölfeld liegt bei der Stadt Dokan in der Provinz Silêmanî. Die angestrebte Födermenge soll 10.000 Barrel pro Tag betragen. Ein weiteres erschlossenes Ölfeld ist das Bin Bavi, wo seit August 2006 Probebohrungen durchgeführt wurden. Partner sind hier die türkische Petoil und die kurdische Hawler Energy. Als Pipeline soll die Kirkuk-Yumurtalık-Pipeline genutzt werden, was aber wegen einer fehlenden Einigung mit der türkischen Regierung nicht genutzt werden kann.

Mit diesen Ölquellen hätte die Regierung eine sichere Einkommensquelle, die das wirtschaftliche Rückgrat eines kurdischen Staates bilden könnte. Zur Zeit wird im Regionalparlament über ein Gesetz zu Ölförderung diskutiert. Kommt dieses Gesetz durch, hat die Regionalregierung nicht nur das alleinige Recht zu Kontrolle und Verwertung zukünftiger Ölquellen in ihrem Gebiet, sondern auch Anspruch auf alle gegenwärtigen Pipelines und Ölförderstationen.

Erzeugnisse

Die häufigsten Erzeugnisse in der Landwirtschaft sind Weizen, Gerste, Tabak, Baumwolle und weitere verschiedene Früchte, wie zum Beispiel Feigen. Anteil der Gesamtproduktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse im Irak

Weizen 50 %
Gerste 40 %
Tabak 98 %
Baumwolle 30 %
Früchte 50 %

Bewässerung

In Arbil und Sulaimaniyya wird die Wasserversorgung zum größten Teil durch Karezes (Qanat) hergestellt. Diese Art der Bewässerung erfolgt auf neun Ebenen. Allerdings laufen in Hewlêr, sowie in Dohuk derzeit mehrere Bewässerungsprojekte, um in Zukunft Wasser einzusparen.

Projekte Folgende Projekte werden angestrebt:

  • Fertigstellung des internationalen Flughafens (zweiter Flughafen der Region)
  • Banken
  • Komplex mit Büros, modernen Wohnungen, einem Hotel, einem Einkaufszentrum und Kinos
  • Vier Autobahnvorhaben
  • Brücke über den Tigris
  • Fünf Staudämme
  • Wasser- und Abwasserprojekte
  • Zwei Erdgaskraftwerke, die zusammen 400 Megawatt Energie liefern sollen
  • Fußballstadion für 50.000 Zuschauer

Infrastruktur

Schnellstraße in der Nähe von Arbil

Es gibt neu fertiggestellte Autobahnen im kurdischen Norden. Demnächst wird eine weitere Autobahn zwischen Dukan und Sulaiymaniyya gebaut werden. Die Kanalisation in den Städten Arbil und Sulaiymaniyya werden weiter ausgebaut. In Kirkuk allerdings ist die sanitäre Lage auf Grund der Unsicherheit schlechter. In letzter Zeit häufen sich die Meldungen von Cholerafällen.

Die Kurdische Autonome Region verfügt über zwei internationale Flughäfen:

Bildung

Die Vorschule kann in der Altersklasse zwischen 4 und 5 Jahren besucht werden. Die Primärausbildung dauert 6 Jahre und ist für 6- bis 11-Jährige obligatorisch. Die Sekundärausbildung hat 2 Zyklen von jeweils 3 Jahren; höhere Ausbildungen dauern 2-6 Jahre pro Zyklus. In der Sekundärausbildung erlernt man zum Beispiel industrielle Berufe, kommerzielle Berufe, Berufe künstlerischer und landwirtschaftlicher Art. Ebenfalls besteht die Möglichkeit, in der Sekundärausbildung Lehrschulen bzw. Lehranstalten zu besuchen oder auch zu studieren nach der Beendung des ersten Stadiums der Sekundärausbildung. Hier kann man zum Beispiel Sekundärschullehrer werden.

Höhere Ausbildungen setzen ein zweijähriges Studium und ein Alter von 18 bis 23 Jahren voraus. Auf den Universitäten kann man technische oder auch fachkundige Diplome erwerben. Technische Diplome gibt es beispielsweise auf den Gebieten Kunst, Wissenschaft, Medizin und Technik.

Die erste Universität wurde 1968 in Suleymaniyya gegründet und trug den Namen Salahaddin Universität. 1992 wurde diese dann nach Arbil verlegt. Anstelle der alten Universität wurde dann von der Regionalregierung 1992 die Universität Suleymaniyya gegründet. Nebenbei entstand in Duhok ebenfalls eine Universität.

Zwei neuere Universitäten befinden sich in Koy und in Arbil (Hawler Medical University). 2006 nahm die University of Kurdistan in Arbil ihren Betrieb auf. Einzige Unterrichtssprache ist Englisch. In Suleymaniyya eröffnet demnächst ebenfalls eine englischsprachige Universität mit dem Namen The American University of Iraq.

Universitäten und Hochschulen

  • Salahaddin Universität, 1968
  • Universität Suleymaniyya, 1968
  • Universität Dohuk, 1992
  • Universität Koya, 2003
  • University of Kurdistan, 2006
  • The American University of Iraq in Suleymaniyya, 2007
  • Hawler Medical University, 2006
  • Business & Management University, 2007
  • Işık Üniversitesi (Privat, Gestiftet von Fethullah Gülen), 2008

Sport

Laut kurdischer und türkischer Presse wurde am 11. Januar 2006 der kurdischer Fußballverband Kurdistan Football Association mit 24 Mannschaften aus verschiedenen Städten wie Hewlêr, Sulaimaniyya und Kirkuk gegründet. Als nächstes wurde dann eine kurdische Nationalmannschaft aufgestellt, die Mitglied des NF-Board ist. Im Jahr 2008 nahm die Mannschaft am Viva World Cup teil und erreichte den vierten Platz. Diesbezüglich ist noch zu erwähnen, dass der spanische Fußballclub Real Madrid in Hewlêr eine Fußballschule eröffnen will.

Militär und Sicherheitskräfte

Das Rückgrat der Sicherheitskräfte bilden die Peschmerga. Diese wurden vor Jahrzehnten als Milizen- und Guerillatruppe gegründet. Seit 2003 gibt es Bestrebungen sie in die irakische Armee einzugliedern, wobei sie jedoch gewisse Sonderrechte bekommen sollen. So übernehmen die Peschmerga die Aufgabe der Grenzsicherung in der autonomen Region. Ihre Mannstärke ist nicht genau bekannt und ihre Ausrüstung stammte noch aus alten Ostblockstaaten, aber wurde seit dem Irakkrieg modernisiert.

Die Region unterhält mit der Asayesh, der Zaniyar und der Parastin auch einige Nachrichtendienste. Die Asayesh hat zwei Hauptquartiere, eines in Arbil und eines in Sulaimaniyya. Die Zaniyar und die Parastin sind vielmehr die parteieigenen Nachrichtendienste der PUK und der KDP.

Quellenangaben

  1. The Kurdistan Region’s official languages for government purposes are Kurdish and Arabic
  2. The people of the Kurdistan Region
  3. Milliyet vom 20. Juni 2007
  4. Festnahmen von Schriftstellern und Menschenrechtsaktivisten: Amnesty International
  5. Pressefreiheit und andere Probleme im Nordirak: WADI-Austria
  6. DNO ASA – Pressemitteilung: DNO signs agreement for Kurdistan
  7. Financial Times: Norwegian company to pump Iraqi oil (15. Mai 2007)

Literatur

  • Azad Salih: Freies Kurdistan. Die Schutzzone der Kurden in Irakisch-Kurdistan. Dissertation. Freie Universität, Berlin 2004.
  • Azad Salih: Freies Kurdistan. Die selbstverwaltete Region Kurdistans. Hintergründe, Entwicklungen und Perspektiven. Köster, Berlin 2005, ISBN 3-89574-581-2
  • Brendan O'Leary (Hrsg.): The future of Kurdistan in Iraq. University of Pennsylvania Press, Philadelphia 2005, ISBN 0-8122-3870-2

Weblinks


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