Kurf√ľrstentum Sachsen

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Kurf√ľrstentum Sachsen
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Territorium im Heiligen Römischen Reich

Kurf√ľrstentum Sachsen
Wappen
Blason Jean-Georges IV de Saxe.svg
Bestehen 1356-1806
Entstanden aus Hzg. Sachsen-Wittenberg
Herrschaftsform Kurf√ľrstentum
Herrscher/Regierung Kurf√ľrst
Heutige Region/en DE-SN, DE-ST, DE-BB, DE-TH, DE-BY, PL
Reichstag Kurf√ľrstenrat & Reichsf√ľrstenrat
Dynastien Askanier, Wettiner
Konfession/Religionen lutherisch
Aufgegangen in Königreich Sachsen

Das Kurf√ľrstentum Sachsen, auch Kursachsen, Chursachsen, war ein Territorium des Heiligen R√∂mischen Reiches, das 1356 durch die Erhebung des Herzogtums Sachsen-Wittenberg zum Kurf√ľrstentum durch Kaiser Karl IV. in der Goldenen Bulle entstand. Das Kurf√ľrstentum Sachsen ging 1806 in dem neu entstandenen K√∂nigreich Sachsen auf.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Das Kurf√ľrstentum unter den Askaniern (1356‚Äď1423)

Das urspr√ľngliche Kernterritorium des 1356 errichteten Kurf√ľrstentums Sachsen lag an der mittleren Elbe um die Stadt Wittenberg. Hier hatten die Askanier 1180 umfangreichen Besitz erworben, aus dem das Herzogtum Sachsen-Wittenberg hervorgegangen ist. In der Goldenen Bulle erhielten die Askanier als Herz√∂ge von Sachsen-Wittenberg von Kaiser Karl IV. dauerhaft die Kurw√ľrde zugesprochen. Die s√§chsischen Kurf√ľrsten bekleideten zudem das Amt des Erzmarschalls des Heiligen R√∂mischen Reiches.

Im November 1422 verstarb Albrecht III., Kurf√ľrst und Herzog von Sachsen-Wittenberg aus dem Geschlecht der Askanier ohne erbberechtigten Nachkommen. Dem Markgrafen Friedrich IV. von Mei√üen aus dem Hause Wettin wurde dessen politisches Erbe aufgrund seines Engagements in Reichsangelegenheiten beim Kampf gegen die b√∂hmischen Hussiten zugesprochen.

Das Kurf√ľrstentum unter den Wettinern ab 1423

Wappen des Kurf√ľrstentums in Siebmachers Wappenbuch (1605)

Am 6. Januar 1423 wurde der mei√ünische Markgraf Friedrich IV., der Streitbare in Budapest durch Kaiser Sigismund mit dem Herzogtum Sachsen-Wittenberg belehnt; als Friedrich I. war er nun Herzog und Kurf√ľrst des Reiches.

Politisch erwiesen sich die Wettiner zuk√ľnftig als engagierte Sachwalter des Reiches, da die Reichsverfassung ihnen Rang und Einfluss sicherte. Damit dehnte sich der Begriff Sachsen und Obersachsen weiter von Sachsen-Wittenberg, auf die bereits durch die Wettiner erlangten Gebiete: die Mark Mei√üen, die Lausitz und Th√ľringen aus. Ein Prozess des Herzogs Erich V. von Sachsen-Lauenburg gegen diese Entscheidung auf dem Konzil von Basel blieb ohne Erfolg. Das bisherige Machtzentrum der Wettiner, Mei√üen mit seiner Albrechtsburg, verlor nach und nach seine politische Bedeutung. Da auch Repr√§sentation und Residenz mehr und mehr an Bedeutung gewann, schufen die Wettiner in dem gro√üz√ľgigen Elbkessel Dresden gegen Ende des 15. Jahrhunderts eine neue Residenz.

Friedrich der Sanftm√ľtige erhielt 1440 durch einen wettinischen Heimfall die Landgrafschaft Th√ľringen. Der durch die Altenburger Teilung und den Halleschen Machtspruch hervorgerufene S√§chsische Bruderkrieg teilte vor√ľbergehend den wettinischen Machtbereich in einen √∂stlichen und westlichen Teil. Der √∂stliche Teil blieb weiterhin Kurf√ľrstentum und wurde 1466 um den Kern des Vogtlandes, die Herrschaft Plauen, ausgeweitet. Der westliche Teil Sachsens, der seit 1382 durch eine Nebenlinie der Wettiner regiert wurde, fiel nach dem Tode ihres letzten Vertreters Herzog Wilhelms III. von Sachsen im Jahre 1482 wieder zur√ľck an die wettinische Hauptlinie unter Kurf√ľrst Ernst. In dessen Hand befand sich nunmehr ein, auch im europ√§ischen Ma√üstab bedeutender Territorialkomplex.

Das Kurf√ľrstentum Sachsen nach der Leipziger Teilung 1485: Die ‚Äěernestinischen‚Äú L√§nder sind in ‚Äěgelb‚Äú, die ‚Äěalbertinischen‚Äú L√§nder in ‚Äěrot‚Äú gehalten.
Von 1482 bis 1547 lag die Kurw√ľrde bei der ernestinischen Linie.

An der Spitze des wettinischen Herrscherhauses standen seit 1464 die Br√ľder Kurf√ľrst Ernst und Herzog Albrecht. Am 26. August 1485 vereinbarten diese beiden Wettiner in Leipzig die Teilung ihres Besitzes, die am 11. November 1485 vollzogen wurde. Die Mehrzahl der Territiorien wurde nun getrennt regiert. Ernst hatte mit seiner Residenz Weimar den Schwerpunkt im Westen, Albrecht residierte in Dresden und besa√ü den Schwerpunkt im Osten. Die albertinischen Territorien wurden weitgehend zum Traditionstr√§ger des heutigen Sachsens, die ernestinischen gingen weit verzweigt zumeist im heutigen Th√ľringen auf. So schw√§chte die Leipziger Teilung, die urspr√ľnglich nicht auf Dauer angelegt gewesen war, in erheblichem Ma√üe die zuvor sehr m√§chtige Stellung des Kurf√ľrstentums Sachsen im Heiligen R√∂mischen Reich. Das einvernehmliche bestehende Verh√§ltnis zwischen Albert und Ernst, welches f√ľr eine enge Verbindung beider Landesteile sorgte, schlug nach einigen Jahrzehnten in offene Konfrontation beider Herrscherh√§user um.

Im ernestinischen Kurf√ľrstentum stiftete Friedrich der Weise die Universit√§t Wittenberg, von der die kirchenpolitische Reformation ausging. Durch die Folge des Schmalkaldischen Krieges gelangte die albertinische Linie in den Besitz der Kurw√ľrde. Die ernestinische Linie behielt nur die √Ąmter Weimar, Jena, Saalfeld/Saale, Weida, Gotha, Eisenach und Coburg. 1547 kamen die √Ąmter Dornburg/Saale, Camburg und Ro√üla, 1554 noch die √Ąmter Sachsenburg, Altenburg, Herbsleben und Eisenberg hinzu. Das ernestinische Herzogtum teilte sich in der Folge von Erbteilungen wiederum in verschiedene s√§chsische Linien.

Kursachsen war vom Drei√üigj√§hrigen Krieg vor allem in seinem westlichen Teil ber√ľhrt. Bei Leipzig fand so 1631 die Schlacht bei Breitenfeld und im darauffolgenden Jahr die Schlacht bei L√ľtzen statt (beide nur teils auf dem Territorium des Kurf√ľrstentums). Milit√§risch war Sachsen auf der Seite der protestantischen L√§nder und w√§hrend der Schlachten als Verb√ľndeter der Schweden engagiert. Leipzig wurde im Krieg mehrfach belagert, w√§hrend die anderen urbanen Zentren, in der Zeit vor allem Dresden/Mei√üen und Chemnitz, verschont blieben.

Kursachsen nach dem Drei√üigj√§hrigen Krieg (1648‚Äď1733)

Friedrich August I. der Starke, Kurf√ľrst von Sachsen

Unter seiner Herrschaft erlebte das Kurf√ľrstentum eine Zeit gro√üer wirtschaftlicher, infrastruktureller und kultureller Bl√ľte. Er etablierte in Sachsen den Absolutismus, seine Gro√ümachtstr√§ume scheiterten jedoch

Nach dem Drei√üigj√§hrigen Krieg 1648 hatte das albertinische Sachsen den H√∂hepunkt seiner territorialen Ausdehnung erreicht, vor allem durch die 1635 von B√∂hmen √ľbergegangenen Lausitzen. Gleichwohl erlitt es durch die S√§kularisierung des Territoriums des Erzbistums Magdeburg in den Besitz des Kurf√ľrsten von Brandenburg einen bedeutenden strategischen Nachteil gegen√ľber dem expandierenden Brandenburg-Preu√üen im Norden. Mit Preu√üen vergleichbar, war Kursachsen noch vergleichsweise glimpflich und vor allem indirekt durch Seuchen und Stagnation des Handels geschw√§cht und begann mit diesem zusammen einen politischen und wirtschaftlichen Aufstieg. Die Bev√∂lkerung im Lande war dennoch kriegsbedingt um etwa die H√§lfte reduziert worden (Bev√∂lkerungszahl um 1650 ca. 540.000). Die Verluste konnten jedoch zu gro√üen Teilen durch Glaubensfl√ľchtlinge, von denen etwa 150.000 aus B√∂hmen und Schlesien nach Sachsen kamen, ausgeglichen werden. Nach der v√∂lligen Verw√ľstung von Magdeburg ging dessen Bedeutung als Metropole im Osten des Heiligen R√∂mischen Reichs neben dem aufstrebenden Berlin auch an die kurs√§chsischen St√§dte Leipzig und Dresden √ľber und hat sich bis in die Gegenwart so erhalten.

Dieses zusammenh√§ngende Territorium in Deutschlands Mitte war von fruchtbarem Ackerland und reichhaltigen Bodensch√§tzen gepr√§gt. In diesen sehr g√ľnstigen Rahmenbedingungen √ľbernahm Friedrich August I. (der Starke) 1694 die Kurw√ľrde. Mit seiner Wahl zum polnischen K√∂nig im Jahre 1697 gab er dem Kurf√ľrstentum Sachsen eine ganz neue Ausrichtung. Seine Politik scheiterte jedoch, da dem s√§chsischen Kurf√ľrstentum die angestrebten Territorialgewinne verwehrt blieben, die es im Gro√üen Nordischen Krieg (1700-1721) zu erreichen hoffte. Der schwedische Gegner verw√ľstete zwischenzeitlich sogar Kursachsen und zwang August den Starken zum zeitweiligen Verzicht auf seine polnische Krone.

Siehe auch: Sachsen-Polen

Niedergang des Kurf√ľrstentums Sachsen (1733‚Äď1806)

Trotz seines politischen Scheiterns hat der 1733 gestorbene Kurf√ľrst und polnische K√∂nig August der Starke gro√üe Verdienste bei der F√∂rderung der s√§chsischen Kultur und Kunst auf h√∂chstem europ√§ischen Niveau. Die Union Sachsens mit Polen endete mit dem Tode des Sohns Augusts des Starken, August III., im Jahre 1763. Ein neues Angebot der polnischen K√∂nigskrone lehnte Kurf√ľrst Friedrich August III. im Jahre 1791 ab. Sachsen war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in der Lage, im Konzert der Gro√üm√§chte mitzuspielen.

In den Schlesischen Kriegen von 1740 bis 1763 gelang es dem aufstrebenden K√∂nigreich Preu√üen, Sachsen auszuschalten und es als protestantische F√ľhrungsmacht im Heiligen R√∂mischen Reich abzul√∂sen. Durch den Einmarsch der Preu√üen in das neutrale Sachsen im Jahre 1740 blieb den s√§chsischen Truppen keine Wahl als den Preu√üen zu folgen. Im Zweiten Schlesischen Krieg standen die Sachsen auf Seiten der Habsburger, ebenso im dritten Schlesischen Krieg, dem Siebenj√§hrigen Krieg. Die Auswirkungen f√ľr Sachsen waren verheerend, weil es als zentraler Schauplatz von Schlachten und Truppenbewegungen exorbitante Verluste an Menschenleben und auf Jahrzehnte sichtbare Zerst√∂rungen in Kauf nehmen musste. Die Au√üenpolitik Sachsens verlor ihre Orientierung mit dem Bayerischen Erbfolgekrieg (1778/79) und schlug fortan einen Zickzack-Kurs wechselnder Koalitionen ein, der bis zur Erhebung zum K√∂nigreich im Jahre 1806 und dar√ľber hinaus anhalten sollte. Im Jahr 1805 hatte das Kurf√ľrstentum Sachsen eine Gr√∂√üe von 716 Quadratmeilen, was umgerechnet etwa 39.380 Quadratkilometer entspricht.[1]

Bei Ausbruch des 4. Koalitionskrieges im Jahre 1806 k√§mpfte das Kurf√ľrstentum Sachsen auf preu√üischer Seite. So k√§mpften und verloren s√§chsische Soldaten auf den Schlachtfeldern von Jena und Auerstedt gegen die Napoleonischen Armeen. Das ganze Kurf√ľrstentum wurde besetzt und in Dresden zogen 10.000 bayerische Soldaten sowie ein franz√∂sischer Stadtkommandant ein. In Posen wurde am 11. Dezember 1806 Frieden mit Frankreich geschlossen. Kursachsen stieg zum K√∂nigreich Sachsen auf, erhielt einige preu√üische Territorien zugesprochen, musste dem Rheinbund beitreten und wurde verpflichtet, Truppenkontingente f√ľr die franz√∂sischen Angriffskriege zu stellen. Kurf√ľrst Friedrich August III. von Sachsen durfte sich fortan K√∂nig Friedrich August I. von Sachsen nennen.

Wirtschaft und Staatsfinanzen

Wirtschaftliches Standbein Kursachsens war der Bergbau, dessen Bedeutung aber in der zweiten H√§lfte des 16. Jahrhunderts nachlie√ü. So wurde vornehmlich im Erzgebirge Silber und seit 1463 Wismut (f√ľr die Lettern des neu erfundenen Buchdrucks) gef√∂rdert. Der zweite wirtschaftliche Schwerpunkt lag in der Textilproduktion. So entwickelte sich die Leinenproduktion zu einem Exportschlager, dessen Lieferungen in fast alle europ√§ischen L√§nder ging, sp√§ter auch nach √úbersee. Hinzu kamen im 18. Jahrhundert die Glas- und Porzellanherstellung.

Die Wollindustrie, die √§lteste Landesmanufaktur Sachsens besch√§ftigte um 1800 25.000 Menschen, welche f√ľr 516.000 Reichstaler inl√§ndische und f√ľr 47.000 Reichstaler ausl√§ndische Ware weiterverarbeitete. Die Seidenmanufakturei war relativ unbedeutend und besch√§ftigte um 1800 350 Besch√§ftigte an 200 St√ľhlen. Kursachsen besa√ü um 1800 vier Waffenmanufakturen, die bedeutendste Manufaktur mit 300 Besch√§ftigten befand sich in Suhl. Die Papierherstellung erstreckte sich 1800 auf 82 Papierm√ľhlen mit 226 Besch√§ftigten, die den inl√§ndischen Bedarf jedoch nur zu einem Drittel decken konnte. Die bedeutende Mei√üener Porzellanmanufaktur besch√§ftigte um 1800 700 Menschen.[2]

Im Jahre 1800 exportierte Sachsen Wollenwaren f√ľr 400.000 Reichstaler, Leinen f√ľr 3.500.000 Reichstaler , unverarbeitete Wolle f√ľr 300.000 Reichstaler , Metallwaren f√ľr 1.500.000 Reichstaler (Silber, Zinn und Bleche), Porzellan f√ľr 163.000 Reichstaler. Importiert wurden Baumwolle (300.000 Reichstaler), Seide, Flachs und Hanf, Zucker, Kaffee, Tee, Tabak (308.000 Reichstaler), Kupfer (200.000 Reichstaler), Salz (160.000 Reichstaler), Gew√ľrze und Modewaren. Insgesamt wurden 1768 Waren im Wert von 5.600.000 RT importiert und Waren im Wert von 6.350.000 Reichstalern exportiert, mit einem Handels√ľberschuss von etwa 750.000 Reichstalern.[3]

1804 nahm der sächsische Staat 12 Millionen Reichstaler ein und gab im selben Zeitraum 11.5 Millionen Gulden (1778: 6.634.153 Reichstaler) aus. Trotz dieses Überschusses betrugen die Staatsschulden 27 Millionen Reichstaler (1798: 21.961.941 Reichstaler, 1764: 41.028.424 Reichstaler) also deutlich mehr als das doppelte der jährlichen Staatseinnahmen. In dem Jahr wurden allerdings die Schulden um 2 Millionen Reichstaler abgetragen.[3]

Religion

In Kursachsen dominierte seit 1539 das orthodoxe Luthertum. Durch die Einf√ľhrung der Reformation 1539 war der s√§chsische Landesherr auch Oberhaupt der sich formierenden s√§chsischen Landeskirche geworden. Die katholischen Kircheng√ľter wurden durch den s√§chsischen Kurf√ľrsten eingezogen und unterschiedlichen Bestimmungen zugef√ľhrt. 1635 kamen mit der Ober- und Niederlausitz katholisch dominierte Gebiete hinzu. Die protestantische Dominanz √§nderte sich auch nicht, nachdem Kurf√ľrst August der Starke 1697 f√ľr seine polnische K√∂nigsbewerbung zum Katholizismus konvertierte. Die s√§chsischen St√§nde lie√üen sich die Vorherrschaft der lutherischen Konfession verbriefen und achteten peinlich darauf, dass das Kurf√ľrstentum trotz katholischen Herrscherhauses nicht schleichend rekatholisiert wurde. Es wurden aber f√ľr die katholische Minderheit vermehrt Kirchen eingerichtet und erlaubt, so zum Beispiel die Katholische Hofkirche in Dresden.

Bevölkerung und Gesellschaft

Bevölkerungsentwicklung in Kursachsen von 1755 bis 1805[4]
Jahr 1755 1763 1772 1780 1795 1798 1799 1802 1805
Einwohner 1.686.908 1.635.000 1.632.660 1.843.260 1.925.695 1.962.790 1.980.790 1.997.508 2.010.000

Der Bev√∂lkerungsr√ľckgang zwischen 1755 und 1763 begr√ľndet sich aus dem zu dieser Zeit verlaufenden Siebenj√§hrigen Krieg, in dessen Folge auch Sachsen zum Kriegsgebiet wurde. Um 1805 waren von den 2 Millionen Einwohnern des Kurf√ľrstentum Sachsen 1.849.400 Millionen deutscher Abstammung, 160.000 sind sorbischer Abstammung. Die Anzahl der Menschen j√ľdischen Glaubens wird f√ľr dieses Jahr mit 600 angegeben (1768: 459), die nur in einigen St√§dten geduldet wurden.

Die Gesellschaft verteilte sich um 1805 folgenderma√üen: Dem Zweiten Stand (Adel und Staatsbeamte) geh√∂ren 7.600 Menschen an. Dem Ersten Stand (Geistliche und Lehrer), geh√∂rten 16.706 Menschen an. Die B√ľrgerschicht besteht aus 592.000 Menschen. Die gr√∂√üte Gesellschaftsschicht um 1805 machten die Bauern mit einer Zahl von 1.342.703 Menschen aus.[5]

Die gr√∂√üten St√§dte um 1800 im Kurf√ľrstentum Sachsen waren an erster Stelle Dresden mit 55.181 Einwohnern, an zweiter Stelle Leipzig mit 30.796 Einwohnern. An dritter Stelle folgt Chemnitz mit 10.835 Einwohnern.[6]

Verwaltungsgeschichte

Die Kreise im 18. Jahrhundert nach Schreiber

Im 14. Jahrhundert konnten durch den zunehmenden Bargeldbedarf der Kurf√ľrsten die St√§nde im Kurf√ľrstentum durch den Erwerb von Rechten (Stadtrecht, Marktrecht, Gerichtsbarkeit) ihre Position weiter ausbauen. So kam es 1438 auf dem Landtag in Leipzig zum f√∂rmlichen Zusammenschluss der Landst√§nde zu einer K√∂rperschaft, in der die Pr√§laten, Grafen, Ritter und Vertreter der St√§dte aller den Wettiner unterstehenden L√§nder das Recht erlangten, sich zu gemeinsamer Beratung zusammen zu finden. Damit wurde die monarchische Gewalt der Kurf√ľrsten durch ein kollektives Mitspracherecht der St√§nde eingeschr√§nkt, womit sich Kursachsen in zeitlicher Hinsicht mit an die Spitze der Geschichte deutscher St√§ndevertretungen stellte. In der noch einheitlichen Zentralverwaltung k√ľndigte sich mit dem 15. Jahrhundert die sp√§tere fachliche Arbeitsteilung an, indem der Kanzler vom blo√üen Kanzleileiter zum Tr√§ger politischer Verantwortung aufstieg und sich dabei besonders der Rechtspflege widmete.

Die Landesverwaltung des Kurf√ľrstentums Sachsen wurde von Friedrich dem Weisen durch den Erlass der kurf√ľrstlichen Hofratsordnung von 1499 geregelt. Die unterste Stufe der Verwaltungsorgane im Kurf√ľrstentum waren die √Ąmter. Die √Ąmter bestanden seit dem Mittelalter. Es waren kleinere Bezirke, die auch Vogteien oder Pflegen genannt wurden. Neben den √Ąmtern gab es geistlichen Besitz und die Gebiete ritterlicher Grundherren. Mitten zwischen diese hinein waren die √Ąmter des Kurf√ľrsten wie Inseln eingestreut.

Der Kurkreis nach Schreiber

Um die Eink√ľnfte zu sichern und straffer zu organisieren, wurden ab 1506 allm√§hlich Amtserbb√ľcher f√ľr die einzelnen √Ąmter angelegt. In ihnen wurden alle landesherrlichen Besitzungen, Rechte und Eink√ľnfte aufgeschrieben und verschafften dem Kurf√ľrsten und deren R√§ten einen √úberblick √ľber die √Ąmter. Geleitet wurde das Amt urspr√ľnglich von einem dem Ritterstand angeh√∂rigen Vogt (Vocatus). Seit dem Ende des 15. Jahrhunderts b√ľrgerte sich der Titel Amtmann (auch Hauptmann) ein. Neben dem Amtmann findet sich seit dem 15. Jahrhundert im einzelnen Amt noch der Sch√∂sser, der f√ľr die Wirtschafts- und Finanzverwaltung zust√§ndig war. N√∂tigenfalls vertrat er den Amtmann, ja mitunter war er der Leiter eines Amtes.

Die Vogtei hatte er auf dem Wege einer ‚Äěfreien, reinen Bestallung‚ÄĚ erhalten. Eine Amtsentsetzung war jederzeit m√∂glich gewesen. Schon seit dem 14. Jahrhundert war die √úbertragung immer h√§ufiger aus finanziellen Gr√ľnden erfolgt. Und zwar konnte ein Amt entweder als Pfand f√ľr eine gr√∂√üere Geldsumme oder zur Tilgung einer √§lteren Schuldforderung vergeben werden. Auf diesem Wege kamen schlie√ülich auch B√ľrgerliche in die Verwaltung eines Amtes. Die Dauer der Vergabe wurde h√§ufig bei der Verpf√§ndung festgesetzt. Bei besonderen Verdiensten konnte ein Amt auch als Eigentum √ľbertragen werden.

Administrative Gliederung Sachsens im 18. Jahrhundert

Mit den Amtsm√§nnern an der Spitze waren die √Ąmter die ausf√ľhrenden Organe des Kurf√ľrsten in Sachsen. Sie handelten im Auftrag und an Stelle des Landesherrn. Die Amtsm√§nner waren f√ľr ihren jeweiligen Bereich Verwaltungs-, Finanz- und Gerichtsbeamte, hatten milit√§rische Funktionen und die Polizeigewalt. Den Amtsm√§nnern unterstanden die einzelnen Beh√∂rden des Amtes, in den St√§dten die B√ľrgermeister, die mitunter den Titel eines Richters trugen, auf den D√∂rfern die Schulzen. Diese wurden vom Amtmann ernannt und best√§tigt und hatten ihrerseits f√ľr ihren Bereich die ihnen zukommenden Verwaltungs-, Gerichts- und Polizeiaufgaben wahrzunehmen. Wo Ritter als Grundherren die volle, d. h. auch die hohe Gerichtsbarkeit erworben hatten, traten sie bei ihren Hintersassen an die Stelle des Amtmanns. Ihre Untertanen waren auch dessen finanzieller Zust√§ndigkeit und milit√§rischer Macht entzogen. Und hier vermittelte nicht mehr der Amtmann zwischen dem Grundherrn und der landesherrlichen Zentralbeh√∂rde, sondern die Edelleute standen in unmittelbarer Verbindung mit ihr. Man bezeichnete sie als Schriftsassen. Sie erhielten n√§mlich n√∂tige schriftliche Mitteilungen unmittelbar von der kurf√ľrstlichen Kanzlei. Diejenigen, die die volle Gerichtsbarkeit nicht erlangt hatten, die also im Verwaltungsbereich des Amtmanns verblieben, waren die Amtssassen. Der Schriftverkehr mit ihnen ging von der Zentrale √ľber die √Ąmter. Schriftsassen konnten nicht nur Adlige, sondern auch St√§dte sein. Mitunter leisteten Amtsm√§nner zugleich bestimmte Dienste etwa als kurf√ľrstliche R√§te oder als Gesandte. Dadurch bestand eine enge Verbindung von Zentralverwaltung und √Ąmterverwaltung, oft nicht nur hinsichtlich der Person, sondern auch der Besoldung.

Um die Lokalbeamten zu √ľberwachen, wurden regelm√§√üig in bestimmten Zeitabst√§nden schriftliche Rechnungslegungen verlangt. Daf√ľr waren Rechnungskommissionen ernannt, die Rechnung ‚Äěabzuh√∂ren‚ÄĚ hatten. Mitglieder der Kontrollkommissionen waren in der Hauptsache die obersten Hofbeamten und landesherrliche R√§te. Sie waren somit unmittelbare Vorgesetzte der Amtsm√§nnern, die auch verpflichtet waren, ihnen alle M√§ngel und Gebrechen in ihren Amtsbezirken anzuzeigen. Und die R√§te hatten dort, wo es bei Differenzen zwischen Untertanen und √Ąmtern um Herrschaftsrechte wie Gerichtshoheit oder Jagdherrlichkeit ging, die Interessen des Kurf√ľrsten zu vertreten und dessen Rechte zu wahren. Wenn n√∂tig hatten sie den Amtsm√§nnern in solchen Streitf√§llen mit ihrem Rat zur Seite zu stehen.

Verwaltungsgliederung

Weil die Kontrolle des Landes durch die Visitationen der Kontrollkommissionen des gesamten ernestinischen Kurf√ľrstentums zu umfangreich wurde, entschloss man sich 1527, das Land in vier Kreise zu teilen. Dabei entstanden Kurkreis, Mei√ünischer Kreis, Th√ľringischer Kreis und Fr√§nkischer Kreis. Dabei wurde der Mei√ünische Kreis in einen oberen und unteren unterschieden, wie man auch den Th√ľringischen Kreis im Bereich der Saale und in den restlichen aufteilte. Nach der Schlacht bei M√ľhlberg des einst ernestinischen Kurf√ľrstentums Sachsen wurde im Naumburger Vertrag eine Neuaufteilung Sachsens beschlossen. Dabei fand eine Neuaufteilung des gesamten Kurf√ľrstentums in sieben Kreise statt. Sp√§tere Erbteilungen √§nderten in der Folge die geographische Zuordnung der √Ąmter und fielen durch fehlende Nachkommenschaft wieder an Kursachsen zur√ľck. Auch neu erworbene Besitzungen wie beispielsweise das Erzstift Magdeburg 1635 erweiterten die vorhandenen Verwaltungsstrukturen.

Seit dem 16. Jahrhundert war das Kurf√ľrstentum in sieben kurs√§chsische Kreise zusammengefasst, die bis 1816 zur Bildung des K√∂nigreich Sachsen Bestand hatten.

Daneben bestanden in den Markgrafschaften Ober- und Niederlausitz eigene Verwaltungsstrukturen; ebenso waren die an Kursachsen gefallenen Stiftsgebiete (Mei√üen, Merseburg, Naumburg-Zeitz) und F√ľrstent√ľmer (Querfurt sowie die Harzgrafschaften Mansfeld und Stolberg) nicht ‚Äěeingekreist‚Äú.

Siehe auch

Literatur

  • Heinrich Berghaus: Deutschland seit hundert Jahren. Leipzig 1859-62, 5 Bde., Bd. 2.
  • Lorenz Friedrich Beck: Herrschaft und Territorium des Herz√∂ge von Sachsen-Wittenberg (1212-1422), Potsdam, 2000, ISBN 3-932981-63-4.
  • Frank-Lothar Kroll (Hg.): Die Herrscher Sachsens: Markgrafen, Kurf√ľrsten, K√∂nige 1089-1918, Beck'sche Reihe Bd. 1739, C. H. Beck, M√ľnchen 2007, ISBN 3-406-54773-7.
  • Heinrich K√ľhne: Die Askanier. Drei Kastanien Verlag, Wittenberg 1999, ISBN 3-933028-14-0.
  • F. G. Leonhardi: Curf√ľrstliche und Herzoglich s√§chsische Lande, Leipzig 1790.

Weblinks

 Wikisource: Kurf√ľrstentum Sachsen ‚Äď Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Georg Hassel: Statistischer Umriss der s√§mtlichen europ√§ischen Staaten - Teil 2, Braunschweig 1805, S. 22
  2. ‚ÜĎ Georg Hassel: Statistischer Umriss der s√§mtlichen europ√§ischen Staaten - Teil 2, Braunschweig 1805, S. 26
  3. ‚ÜĎ a b Georg Hassel: Statistischer Umriss der s√§mtlichen europ√§ischen Staaten - Teil 2, Braunschweig 1805, S. 27
  4. ‚ÜĎ Georg Hassel: Statistischer Umriss der s√§mtlichen europ√§ischen Staaten, Braunschweig 1805
  5. ‚ÜĎ Georg Hassel: Statistischer Umriss der s√§mtlichen europ√§ischen Staaten - Teil 2, Braunschweig 1805, S. 23
  6. ‚ÜĎ Georg Hassel: Statistischer Umriss der s√§mtlichen europ√§ischen Staaten - Teil 2, Braunschweig 1805, S. 29



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