Kurfürstliches Schloss Koblenz

Luftbild der Schlossanlage

Das Kurfürstliche Schloss in Koblenz war die Residenz des letzten Erzbischofs und Kurfürsten von Trier, Clemens Wenzeslaus von Sachsen, der das Schloss Ende des 18. Jahrhunderts erbauen ließ. Später residierte hier für einige Jahre der preußische Kronprinz (später Kaiser Wilhelm I.) als rheinisch-westfälischer Militärgouverneur. Heute ist es Sitz verschiedener Bundesbehörden. Es gehört zu den bedeutendsten Schlossbauten des französischen Frühklassizismus in Südwestdeutschland und ist neben dem Schloss Wilhelmshöhe in Kassel und dem Fürstbischöflichen Schloss in Münster sowie des Residenzschlosses in Ludwigsburg eines der letzten Residenzschlösser, die noch vor der Französischen Revolution in Deutschland gebaut worden sind.

Inhaltsverzeichnis

Der Bau

Das Schlossgebäude besteht aus einem längsrechteckigen Hauptbau (Corps de logis), der sich in Nord-Süd-Richtung parallel zum nahen Rheinufer erstreckt, und zwei auf der Westseite zur Stadt hin gelegenen halbkreisförmigen Zirkularflügeln, die den großen Schlossvorplatz umrahmen. Der Hauptbau, den eine horizontale Gliederung prägt, weist 39 Achsen auf. Von diesen Achsen sind jeweils fünf als Seitenrisalite ausgebildet. In der Mitte der zur Stadt gelegenen Front ist ein achtsäuliger Portikus in Gebäudehöhe vorgestellt. Zur Rheinseite wird ein Mittelrisalit ausgebildet, dem sechs Säulen vorgestellt sind und den ein Relief des Bildhauers Sebastian Pfaff abschließt. Es zeigt die Allegorie Rhein und Mosel, das kurfürstliche Wappen, Löwen als Herrschaftssymbol sowie Symbole der weltlichen und geistlichen Macht des Erzbischofs und Kurfürsten von Trier. Die niedrigeren, in den 1950er-Jahren zweigeschossig wiederaufgebauten Zirkularflügel sind ungegliedert.

Der schlichte und nüchterne Bau ist als Residenz und Stadtschloss errichtet worden. Er ist aber durch die Lage am Rheinufer und die Innenraumdisposition sowohl als Teil der Rheinlandschaft als auch als Bau konzipiert, der die Umgebung in seine Räume mit einbezieht bzw. mitberücksichtigt. Von der Stadt führt der ideale Weg ebenerdig durch Vestibül und Gartensaal in den Schlossgarten am Rheinufer. Die Räume an der Süd- und Ostseite bieten einen prächtigen Blick ins Mittelrheintal. Die Einbeziehung der Landschaft geht auf den Wunsch des Bauherrn zurück. Die durch die Zirkularbauten großzügig wirkende Vorplatzsituation hat ältere Vorbilder z. B. in den Petersplatzkolonnaden in Rom, dem Neuen Schloss in der Eremitage in Bayreuth und dem Schloss Schwetzingen. Mit der Beauftragung französischer Architekten bricht die bisher in Koblenz übliche Orientierung der Architektur am deutschen bzw. fränkischen Barock ab.

Geschichte

Die Erbauung

Frontansicht des Kurfürstlichen Schlosses

Die alte Residenz, das Schloss Philippsburg in Ehrenbreitstein, war renovierungsbedürftig geworden und dem aus sächsisch-polnischer Markgrafen- und Königsfamilie stammenden neuen Erzbischof nicht repräsentativ genug. Deshalb wurde ein neuer Repräsentationsbau notwendig. Die Landstände, die die Notwendigkeit eines Neubaues nur schwerlich akzeptieren wollten, konnten erst nach längeren Diskussionen zur Geldbewilligung bewogen werden. Das Kurfürstliche Schloss wurde schließlich von 1777 bis 1793 im Auftrage des Trierer Erzbischofs und Kurfürsten Clemens Wenzeslaus von Sachsen im neuen Koblenzer Stadtteil Neustadt erbaut. Entwerfender Architekt war zunächst der Pariser Architekt Pierre Michel d’Ixnard, der in Süddeutschland schon mehrere Bauten geplant hatte.

Nach Kritik an seinen Schlossplänen wurde ein Gutachten der Pariser Architektenakademie eingeholt, die diese Kritik bestätigte. D´Ixnard wurde entlassen und nunmehr der Franzose Antoine-François Peyre der Jüngere mit den neuen Bauplanungen beauftragt, die einen wesentlich einfacheren und kleineren Baukörper vorsahen. Auf Peyre geht das Schloss in seinem jetzigen Erscheinungsbild zurück.

Die Pläne für die Gestaltung der Innenräume und die der Möbel stammen größtenteils vom Architekten Peyre. Mit der örtlichen Bauleitung war u.a. Johann Andreas Gärtner aus Dresden betraut, der in Koblenz den im Zweiten Weltkrieg beschädigten und danach abgeräumten Festungsschirrhof (heutiger Reichenspergerplatz) erbaute. Sein in Koblenz geborener Sohn Friedrich von Gärtner errichtete in München u.a. die Ludwigskirche, Bauten an der Ludwigstraße und die Feldherrnhalle. Zu den Künstlern des Schlossbaues gehören der Bildhauer Johann Sebastian Pfaff und der Maler Januarius Zick.

Am 23. November 1786 zogen Kurfürst Clemens Wenzeslaus von Sachsen und seine Schwester Maria Kunigunde von Sachsen, Fürstäbtissin zu Essen in das neue Schloss ein. Ein Jahr später wurde unweit des Schlosses das neue Theater eröffnet. Erschreckt durch den Ausbruch der Französischen Revolution, stellte der bisher reformfreudige Kurfürst Clemens Wenzeslaus alle Reformen ein und führte ein strengeres Regiment. Den Emigranten und den flüchtigen Mitgliedern des mit ihm verwandten französischen Hofes (Clemens Wenzeslaus war der Onkel der französischen Königs Ludwig XVI.) bot er – insbesondere im Schloss Schönbornslust vor den Toren der Stadt Koblenz – eine Zufluchtstätte. Damit wurde Koblenz ein Zentrum der französischen Royalisten.

Das schnelle Ende

Kurfürstliches Schloss im 19. Jahrhundert
Pfaffendorfer Brücke mit dem Kurfürstlichen Schloss dahinter um 1900
Soldaten des 6. Rheinischen Infanterie-Regiments Nr. 68 vor der Hauptwache im südlichen Zirkularbau des kurfürstlichen Schlosses zu Koblenz, etwa 1912

Wegen des Heranrückens der französischen Revolutionsarmee im 1. Koalitionskrieg musste Kurfürst Wenzeslaus am 7. Oktober 1794 endgültig aus seinem Territorium fliehen. Zwei Wochen danach wurde Koblenz von den Franzosen unter General François Séverin Marceau eingenommen. Der Trierer Kurstaat war am Ende und wurde 1801 größtenteils an Frankreich angegliedert. Die Innenausstattung des Residenzschlosses konnte deswegen nie vollendet werden. Die mobile Ausstattung ließ der Kurfürst noch vor seiner Flucht auf Schiffe verladen und nach Augsburg verbringen, wo sie Teil der Ausstattung der fürstbischöflichen Residenz wurde. Nach dem Tode von Clemens Wenzeslaus wurde sie teilweise versteigert. Große Teile aus den Repräsentationsräumen des Koblenzer Schlosses gingen jedoch in den Besitz des Königreichs Bayern über. Diese Stücke sind heute noch im Schloss Johannisburg in Aschaffenburg, im Schloss Nymphenburg in München, in der Münchner Residenz, in der Stadtresidenz Landshut und in der Neuen Residenz Bamberg erhalten. Nach der Flucht des Kurfürsten diente das Kurfürstliche Schloss zeitweise als Militärlazarett und ab 1815, nachdem es in den Besitz Preußens gekommen war, als Kaserne.

Unter preußischer Herrschaft

Von 1823 bis 1842 war das Kurfürstliche Schloss Sitz verschiedener preußischer Behörden und Gerichte. Bis 1911 war im Erdgeschoss der Amtssitz des Oberpräsidenten der preußischen Rheinprovinz. Im Kopf des südlichen Zirkularflügels befand sich bis 1918 die Hauptwache der Stadt Koblenz.

1842 bis 1845 wurden die Innenräume nach Entwürfen von Friedrich August Stüler durch Johann Claudius von Lassaulx verändert, da der Bau zur offiziellen Residenz des preußischen Königshauses für seine Aufenthalte im Rheinland wurde.

Zwischen 1833 und 1852 war auf dem Belvedere des südlichen Schlossflügels ein optischer Balkentelegraf der preußischen Telegrafenlinie Berlin-Köln-Koblenz untergebracht. Es handelte sich um die abschließende Station 61 der Anlage, und im Schloss waren gleichzeitig das telegrafische Expeditionsbüro sowie Räume für die Verwaltung der westlichen Teile der Telegrafenlinie untergebracht.

In den Jahren 1850 bis 1858 amtierte hier als preußischer Militärgouverneur für die Rheinprovinz und die Provinz Westfalen Prinz Wilhelm, der spätere Kaiser Wilhelm I., mit seiner Gattin Augusta. Sie gab den Anstoß, die später nach ihr benannten Kaiserin-Augusta-Anlagen (Rheinanlagen) anzulegen. Kaiserin Augusta besuchte alljährlich bis wenige Wochen vor ihrem Tod im Januar 1890 das Schloss und die Stadt Koblenz, ihr "rheinisches Potsdam".

Das Schloss blieb bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges häufiges Besuchsziel der königlich-preußischen Familie. 1914 war es zu Beginn des Krieges kurzzeitig Sitz des Großen Hauptquartiers und Kaiser Wilhelms II.. Kurioses erlebte das Schloss, als hier vom 25. Oktober 1923 bis 9. Februar 1924 Separatisten die Rheinische Republik ausriefen.

In der NS-Zeit wurde am 24. Mai 1935 auf dem Vorplatz des Kurfürstlichen Schlosses eine Thingstätte eingeweiht. Die Thingbewegung wurde als Propagandamittel ins Leben gerufen, aber kurze Zeit später wieder eingestellt, da sie sich als wirkungslos heraus stellte. Die Thingstätte wurde 1944 bei einem Luftangriff zerstört und später mit Trümmerschutt aus der Stadt verfüllt.[1]

Wiederaufbau und Nutzung nach 1945

Das zerstörte Koblenz 1945, links oben das ausgebrannte Kurfürstliche Schloss, rechts der Friedrich-Ebert-Ring

Bei den Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg war die Schlossanlage 1944 bis auf die Außenmauern zerstört worden. In den Jahren 1950 bis 1951 wurde sie äußerlich nach alten Plänen, mit moderner Innengestaltung im Stil der Fünfziger Jahre, wieder aufgebaut. Lediglich im Mittelbau wurden das repräsentative Treppenhaus, das Vestibül, der Gardesaal (heute „Spiegelsaal“ oder „Kurfürstensaal“ genannt) und der Gartensaal rekonstruiert. Leitbild war dabei der klassizistische Zustand der Erbauungszeit. Dies galt auch für die Wiederherstellung der Gartenanlagen, insbesondere des Schlossplatzes. Der einzige noch historische Raum ist der Vorraum zur nicht mehr bestehenden Schlosskirche im nördlichen Kopfbau des Hauptgebäudes. Die Zirkularbauten erstanden in schlichten modernen Formen wieder und behielten nur den Grundriss der Erbauungszeit bei. Zunächst diente das Gebäude als Sitz des Alliierten Sicherheitsamtes.

Im Jahre 1946 wurde das Land Rheinland-Pfalz als Rechtsnachfolger Preußens Eigentümer des Baues. Es verkaufte ihn aber 1960 an die Bundesrepublik Deutschland, die seitdem Eigentümerin ist. Bei der letzten Restaurierung 1998 wurde statt der bisherigen äußeren Farbgebung in Ocker/Blau-Rot, die für die preußischen Garnisons- und Festungsbauten sowie Schlösser Preußens üblich war, diejenige des 18. Jahrhunderts wiederhergestellt – Weißgrau für die Wandflächen und Grau für die Architekturglieder. Heute wird die ehemalige Residenz als Bürogebäude für verschiedene Bundesbehörden (z. B. Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, die das Schloss auch verwaltet, Hauptzollamt, BWB, Prüfungsamt des Bundes) genutzt und ist deshalb nur bei Sonderveranstaltungen öffentlich zugänglich.

Seit 2002 ist das Kurfürstliche Schloss Teil des von der UNESCO ausgezeichneten Weltkulturerbes „Oberes Mittelrheintal“.

Bundesgartenschau 2011

Buga 2011 – Plan des Areals um das Kurfürstliche Schloss

Hauptartikel: Bundesgartenschau 2011

Die Stadt Koblenz hat den Zuschlag für die Bundesgartenschau 2011 erhalten und das Areal um das Schloss wird dabei als Austragungsfläche genutzt werden. Durch Öffnung des Schlosses wird eine Achse vom neuen Schienenhaltepunkt Koblenz-Mitte über die Schloßstraße durch das Schloss selbst zum Rhein hin geschaffen. Die gesamte Anlage wird mit vielfältigen Pflanzenarten, Wasserflächen, Springbrunnen, radialen Stufenanlagen und Sitzmauern ausgestattet. Sie soll so den Glanz der früher hier residierenden Herrscher widerspiegeln. Der Garten hinter dem Schloss erhält nach historisch Lenné´schem Vorbild wieder sein Aussehen zurück und wird terrassenförmig zum Rhein hin gestaltet. Am Rheinufer hinter dem Schloss entsteht eine 100 Meter breite Sitztreppenanlage. Beim Bau der Tiefgarage vor dem Schloss entdeckte man im Oktober 2008 eine frührömische Handwerkersiedlung [2].

Quellen

  1. Der 24. März 1935 – Einweihung der Thingstätte in Koblenz in: Landeshauptarchiv Koblenz, 2005
  2. Frührömische Handwerkersiedlung vor Koblenzer Schloss entdeckt in: Rhein-Zeitung, 30. Oktober 2008

Literatur

  • Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz (Hrsg.): 200 Jahre Residenz Koblenz. Katalog zur Ausstellung im Schloss zu Koblenz 6. August bis 2. November 1986. Koblenz 1986
  • Wolfgang Schöller: Pierre-Michel d'Ixnard, Antoine-François Peyre und der Bau des Koblenzer Residenzschlosses: neue Forschungen. In: Wallraf-Richartz-Jahrbuch 53 (1992) S. 155–175
  • Staatsbauverwaltung Rheinland-Pfalz, Staatsbauamt Koblenz (Hrsg.): Das Schloß zu Koblenz. Koblenz 1999.
  • Lorenz Frank; Anke Behmer: Das Koblenzer Schloss – Baugeschichte, historische Farbigkeit und Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. In: Burgen und Schlösser 41 (2000) S. 181–185.
  • Paul-Georg Custodis: Das Koblenzer Schloss – 50 Jahre denkmalpflegerische Betreuung. In: Burgen und Schlösser 41 (2000) S. 186–189.

Weblinks

50.3552777777787.60111111111117Koordinaten: 50° 21′ 19″ N, 7° 36′ 4″ O


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