Kurie

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Kurie

Als Römische Kurie (lat./ ital.: Curia Romana) wird seit etwa dem 11. Jahrhundert die Gesamtheit der Leitungs- und Verwaltungsorgane des Heiligen Stuhls fĂŒr die römisch-katholische Kirche bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Als VorlĂ€ufer des Staatssekretariats kann die unter Martin V. gegrĂŒndete camera secreta angesehen werden. Sie war zunĂ€chst fĂŒr die Erledigung des vertraulichen Briefverkehrs des Papstes zustĂ€ndig, ĂŒbernahm in den folgenden Jahrhunderten aber immer umfangreichere Verwaltungsaufgaben.

1542 richtete bereits Paul III. die Inquisition als erste wiederholt tagende Kardinalskommission ein. Weitere Kommissionen mit fest umrissenen Aufgabenbereichen folgten. Aus ihren regelmĂ€ĂŸigen Treffen entwickelten sich bald stĂ€ndig aktive Verwaltungsstrukturen, in denen kontinuierlich arbeitende Kleriker die KardinĂ€le ersetzten.

1588 schuf Papst Sixtus V. mit der Konstitution Immensa Aeterni Dei als erster eine einheitliche Organisationsform, indem er die bestehenden Behörden gliederte und das aus 15 Kongregationen bestehende Kongregationensystem einrichtete. Diese Schaffung eines einheitlichen Verwaltungssystems fĂŒr Weltkirche und Kirchenstaat gilt als Geburtsstunde der römischen Kurie. Dennoch gab es im Verlauf der Jahrhunderte immer wieder VerĂ€nderungen in der Ämterstruktur der Kurie und Verschiebungen der ZustĂ€ndigkeitsbereiche.

Das Dekret Christus Dominus des zweiten Vaticanums sagt zur Institution der Kurie: „Bei der AusĂŒbung der höchsten, vollen und unmittelbaren Gewalt ĂŒber die Gesamtkirche bedient sich der Papst der Behörden der römischen Kurie. Diese versehen folglich ihr Amt in seinem Namen und mit seiner Vollmacht zum Wohle der Kirchen und als Dienst, den sie den geweihten Hirten leisten.“

1967 kam Papst Paul VI. der Aufforderung des Konzils nach und erließ mit der Apostolischen Konstitution Regimini ecclesiae universae eine umfassende Kurienreform, die in etwa den heutigen Aufbau der Kurie vorgab.

Der aktuelle Codex Iuris Canonici von 1983 definiert die Rolle der Kurie folgendermaßen: „Die Römische Kurie, durch die der Papst die GeschĂ€fte der Gesamtkirche zu besorgen pflegt und die ihre Aufgabe in seinem Namen und seiner AutoritĂ€t zum Wohl und zum Dienst an den Teilkirchen ausĂŒbt, besteht aus dem Staatssekretariat oder PĂ€pstlichen Sekretariat, dem Rat fĂŒr die öffentlichen Angelegenheiten der Kirche, den Kongregationen, den Gerichtshöfen und anderen Einrichtungen, deren Ordnung und ZustĂ€ndigkeit durch besonderes Gesetz festgelegt sind.“

Papst Johannes Paul II. gab der Kurie 1988 in der Apostolischen Konstitution Pastor Bonus ihr heutiges Gesicht, rĂ€umte aber zugleich immer wieder, zuletzt in seinem Schreiben Novo Millennio ineunte (2001), die Notwendigkeit von Reformen ein: „Was die Reform der Römischen Kurie (...) betrifft (...), bleibt sicherlich noch viel zu tun.“

Nachdem Papst Benedikt XVI. am 11. MĂ€rz 2006 die Leitung des PĂ€pstlichen Rates der Seelsorge fĂŒr die Migranten und Menschen unterwegs und des PĂ€pstlichen Rates fĂŒr Gerechtigkeit und Frieden sowie die Leitung des PĂ€pstlichen Rates fĂŒr den Interreligiösen Dialog und des PĂ€pstlichen Rates fĂŒr die Kultur zusammengelegt hat, sehen vatikanische Beobachter darin erste AnsĂ€tze einer beginnenden Kurienreform. Jedoch heißt es in den offiziellen Verlautbarungen des Heiligen Stuhls, dass diese Zusammenlegungen „vorlĂ€ufig“ seien.

Am 25. Juni 2007 hob Papst Benedikt XVI. die Zusammenlegung der Leitung des PĂ€pstlichen Rates fĂŒr den Interreligiösen Dialog und des PĂ€pstlichen Rates fĂŒr die Kultur wieder auf. Beide RĂ€te sind nun wieder eigenstĂ€ndig.

Verbindungen mit dem Staat der Vatikanstadt

Regierungspalast im Vatikan

Von der Kurie, die fĂŒr die Leitung und Verwaltung der Gesamtkirche zustĂ€ndig ist, muss die Regierung des Staates der Vatikanstadt völkerrechtlich streng unterschieden werden. Dies ist jedoch nicht immer leicht und eindeutig, da gewisse institutionale VerknĂŒpfungen bestehen. Allein die Tatsache, dass der Papst ĂŒber sechs verschiedene Haushalte verfĂŒgt, macht deutlich, wie verschrĂ€nkt bisweilen die ZustĂ€ndigkeiten sein können.

Der Vatikanstaat ist die territoriale Basis der völkerrechtlichen SouverĂ€nitĂ€t des Heiligen Stuhls. Der Staat der Vatikanstadt tritt international nicht in Erscheinung, sondern ĂŒberlĂ€sst dem Hl. Stuhl als Subjekt des Völkerrechts die diplomatische Vertretung. Die Institutionale VerschrĂ€nkung von Kurie (Hl. Stuhl) und Regierung der Vatikanstadt ist darin begrĂŒndet, dass der Papst gleichzeitig auch SouverĂ€n des Staates der Vatikanstadt ist.

Seit 1984 ist der KardinalstaatssekretĂ€r mit der stĂ€ndigen Vertretung des Papstes in der weltlichen Leitung des Vatikanstaats beauftragt. Die Regierung liegt jedoch de facto in den HĂ€nden einer aus sieben KurienkardinĂ€len bestehenden pĂ€pstlichen Kommission. Sie wird vom Papst jeweils fĂŒr fĂŒnf Jahre ernannt und ist hauptsĂ€chlich fĂŒr die Festlegung der Finanz- und Haushaltspolitik der Vatikanstadt zustĂ€ndig. Den PrĂ€sidenten der Kommission (z. Zt. Giovanni Kardinal Lajolo) kann man als eine Art Regierungschef ansehen. Der Kommission ist der GeneralsekretĂ€r mit dem Governatorato, zustĂ€ndig fĂŒr die zentrale Verwaltung, unterstellt.

Die BĂŒrorĂ€ume der Kurienverwaltung befinden sich nur zu einem kleinen Teil auf dem Territorium des Vatikans, die ĂŒbrigen Verwaltungsabteilungen sind an anderen Orten in Rom angesiedelt, meist auf exterritorialen FlĂ€chen, teilweise aber auch auf römischem Stadtgebiet.

Organisation

Die römische Kurie besteht aus folgenden Dikasterien:

Staatssekretariat

Wichtigste politische Einrichtung ist das Staatssekretariat, das vom KardinalstaatssekretÀr Tarcisio Kardinal Bertone (SDB) geleitet wird. Als erster Mitarbeiter des Papstes in der Leitung der universalen Kirche kann der KardinalstaatssekretÀr als der höchste ReprÀsentant der diplomatischen und politischen AktivitÀten des Heiligen Stuhls betrachtet werden, der unter bestimmten UmstÀnden die Person des Papstes selbst vertritt.

Das Staatssekretariat wird in die Sektion fĂŒr Allgemeine Angelegenheiten, auch Erste Sektion, („Innenministerium“) und in die Sektion fĂŒr Beziehungen zu den Staaten, auch Zweite Sektion, („Außenministerium“) unterteilt.

Die Erste Sektion ĂŒbernimmt die Endredaktion und Zustellung aller Schreiben der Kurie, ĂŒberwacht und koordiniert die TĂ€tigkeit der ĂŒbrigen Dikasterien und pĂ€pstlichen Behörden, erstellt Statistiken und ist fĂŒr die Medienarbeit des Heiligen Stuhls verantwortlich. Auch die pĂ€pstlichen Vertretungen im Ausland werden von der Ersten Sektion geleitet, insbesondere, was ihren Kontakt zu den Ortskirchen angeht, darĂŒber hinaus fĂŒhrt sie die Verhandlungen mit dem beim Vatikan akkreditierten Diplomaten. Der Postein- und -ausgang wird von acht verschiedenen Sprachen zugeordneten Abteilungen bearbeitet.

Die Zweite Sektion ist fĂŒr alle Belange der Beziehungen zu anderen LĂ€ndern und internationalen Institutionen zustĂ€ndig, die nicht von den jeweiligen Vertretungen des Heiligen Stuhls in den betreffenden LĂ€ndern selbststĂ€ndig geregelt werden. DarĂŒber hinaus ĂŒbernimmt sie die Interessenvertretung des Papstes bei internationalen Kongressen und Verhandlungen. In LĂ€ndern, in denen Konkordate bestehen, fĂŒhrt die Zweite Sektion Verhandlungen ĂŒber Bischofsernennungen. Der grĂ¶ĂŸte Teil des pĂ€pstlichen diplomatischen Korps arbeitet in dieser Sektion, allerdings wechseln die Mitarbeiter hĂ€ufig in die Vertretungen in aller Welt.

Zurzeit hat das Staatssekretariat knapp 150 Mitarbeiter, in den niedrigeren RĂ€ngen auch Laien (also auch Frauen), zuzĂŒglich zahlreicher externer Berater.

Kongregationen

Die Kongregationen sind nach Sachgebieten untergliederte Verwaltungsorgane der Kurie. Sie sind kollegial verfasst und werden von einem KardinalprÀfekten und zwei SekretÀren geleitet. Die erste stÀndige Kongregation war die 1542 von Papst Paul III. gebildete Congregatio Romanae et Universalis Inquisitionis (SpÀter kurz Sanctum Officium).

Die Kongregationen im Überblick:

Jede Kongregation verfĂŒgt ĂŒber einen Stab von rund 25 Mitarbeitern. Zwar werden Dekrete der Kongregationen vom jeweiligen PrĂ€fekten unterzeichnet, doch wurden die entsprechenden Entscheidungen zuvor von Kardinalsgremien, teilweise unter Zuziehung von Ortsbischöfen und unter dem Vorsitz des Papstes, getroffen.

Gerichtshöfe

Die römische Kurie verfĂŒgt ĂŒber drei Gerichtshöfe:

PĂ€pstliche RĂ€te

Momentan bestehen elf PĂ€pstliche RĂ€te:

Die Errichtung folgenden Rates wurde am 29. Juni 2010 durch Papst Benedikt XVI. angekĂŒndigt:

KurialÀmter

Besondere Ämter

PĂ€pstliche Kommissionen

PĂ€pstliche Komitees

PĂ€pstliche Akademien und Hochschulen

Andere Institutionen, die mit der Römischen Kurie in Verbindung stehen

Siehe auch

  •  Portal:Vatikan – Überblick ĂŒber vorhandene Artikel, Möglichkeiten zur Mitarbeit
  •  Portal:Rom – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Rom
  • Themenliste Rom

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Kurie â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

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   Kleines Konversations-Lexikon

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   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

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   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

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   Lexikalische Deutsches Wörterbuch

  • kurie — ku·rie 
   English syllables

  • kurie — ku|rie sb., n, r, rne (pavens kancelli) 
   Dansk ordbog


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