Kurt Masur


Kurt Masur
Kurt Masur dirigiert das San Francisco Symphony Orchestra, Januar 2007

Kurt Masur (* 18. Juli 1927 in Brieg) ist der „wohl populärste deutsche Dirigent der Gegenwart“.[1]

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Kurt Masur prägte als Gewandhauskapellmeister fast dreißig Jahre das Leipziger Musikleben. Er studierte dort von 1946 bis 1948 an der Mendelssohn-Akademie Dirigieren, brach das Studium jedoch ab. Später bezeichnete er sich deswegen kokett als „Amateur“.[2] Von 1948 bis 1951 war er Solorepetitor und Kapellmeister am Landestheater in Halle (Saale). Nach der Tätigkeit als Erster Kapellmeister an den Städtischen Bühnen Erfurt (1951–1953) und den Städtischen Theatern Leipzig (1953–1955) wurde er 1955 Dirigent der Dresdner Philharmonie. Von 1958 bis 1960 war er Musikalischer Oberleiter am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin und von 1960 bis 1964 an der Komischen Oper Berlin. Er gastierte 1964 bis 1967 in verschiedenen europäischen Ländern und in Brasilien, bevor er von 1967 bis 1972 die Dresdner Philharmoniker als Chefdirigent leitete.

Kurt Masur mit Familie, 1981

Von 1970 bis 1997 war Masur Gewandhauskapellmeister in Leipzig; er gab mit dem Gewandhausorchester über 900 Tournee-Konzerte. In dieser Funktion setzte er den Neubau des neuen (dritten) Gewandhauses für das Orchester durch (Eröffnung 1981), das seit der Zerstörung im Krieg 1943 ohne eigene Spielstätte war. Von 1991 bis 2002 wirkte er zudem als Chefdirigent des New York Philharmonic Orchestra. Von 2000 bis 2007 war er Musikdirektor des London Philharmonic Orchestra. Von 2002 bis 2008 oblag ihm auch die musikalische Leitung des Orchestre National de France in Paris. Seit 1997 ist Kurt Masur Ehrendirigent des Gewandhausorchesters. Zudem ist er seit 1992 Ehrengastdirigent beim Israel Philharmonic Orchestra.[3]

Am 9. Oktober 1989, dem Tag der Leipziger Montagsdemonstrationen, gehörte Masur zu den sechs prominenten Leipzigern (neben den Sekretären der SED-Bezirksleitung Kurt Meyer, Jochen Pommert und Roland Wötzel, dem Kabarettisten Bernd-Lutz Lange und dem Theologen und Stasi-Mitarbeiter Peter Zimmermann), die den Aufruf Keine Gewalt! verfassten. Dieser Aufruf wurde während der Demonstration mehrfach über die Lautsprecher des Leipziger Stadtfunks verbreitet und trug so maßgeblich zu deren friedlichen Ablauf bei. Am 27. Dezember 1989 wurde Masur erster Ehrenbürger der Stadt Leipzig nach der politischen Wende in der DDR.

1991 wurde unter Masurs Vorsitz die Internationale Mendelssohn-Stiftung e. V. für den Erhalt und die Wiederherstellung des Leipziger Mendelssohn-Hauses gegründet, in der er sich bis heute engagiert.

Schon früh wurden Masur Ehrungen zuteil: Die DDR zeichnete ihn mit dem Leipziger Kunstpreis und dem Nationalpreis aus. Im Jahr 1975 wurde er zum Professor an der Leipziger Hochschule für Musik „Felix Mendelssohn Bartholdy“ ernannt. Im Jahr 1984 wurde ihm der Ehrendoktortitel der Universität Leipzig verliehen. Am 26. Januar 1990 gehörte Masur zu den Gründern der Kulturstiftung Leipzig und wurde zu deren erstem Präsidenten (bis 1995) gewählt. 1994 wurde er Vorstandsmitglied der Deutschen Nationalstiftung. Masur ist Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste und der Akademie der Künste Berlin.

Masur hatte eine kritische Haltung zum Jazz. In seiner Zeit als Chefdirigent an der Komischen Oper Berlin verbot er dem dortigen Soloposaunisten Hartmut Behrsing, der auch Mitglied der Jazz Optimisten Berlin, war, sich weiterhin im Jazz zu betätigen: Wer an einem Abend Jazz spiele, könne nicht am nächsten Abend Verdi spielen.[4]

Kurt Masur ist Vater von drei Söhnen und zwei Töchtern. Seine Tochter Carolin ist Opernsängerin in Berlin. Masurs zweite Ehefrau, die Tänzerin Irmgard Elsa Kaul (* 1938), die er 1971 geheiratet hatte, starb 1972 bei einem von Masur verursachten Autounfall, der noch zwei weitere Todesopfer forderte. Zu einer Anklage kam es nicht.[5] In dritter Ehe ist er mit der japanischen Sopranistin Tomoko Sakurai verheiratet.[6] Ihr gemeinsamer Sohn Ken-David ist erfolgreicher Dirigent in San Antonio.

Auszeichnungen

  • 1982: Nationalpreis der DDR
  • 1990: Bambi
  • 1990: Ritter der Ehrenlegion
  • 1991: Hanns Martin Schleyer-Preis
  • 1993: Musiker des Jahres des Musical America
  • 1995: Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland
  • 1996: Ehrengoldmedaille für Musik des Nationalen Kunstverbandes
  • 1997: Führer der Ehrenlegion
  • 1997: New York City Cultural Ambassador
  • 1998: Theodor Thomas Award by the Conductors Guild in Washington
  • 1999: Commander Cross of Merit der Republik Polen
  • 1999: Deutscher Fernsehpreis
  • 2000: Friedenstein-Preis der Gothaer Kulturstiftung
  • 2002: Großes Verdienstkreuz mit Stern
  • 2004: SAECULUM Glashütte Original-Musikfestspiel-Preis
  • 2004: Westfälischer Friedenspreis
  • 2005: Wirtschafts- und Kommunikationspreis „Heiße Kartoffel“ des Mitteldeutschen Presseclubs
  • 2005: Goldmedaille der Stadt Toulouse
  • 2006: Transatlantic Partnership Award der American Chamber of Commerce in Germany (AmCham)
  • 2007: Erster Preisträger des Internationalen Mendelssohn-Preises zu Leipzig für sein Lebenswerk und seinen Einsatz für den Bau des neuen Gewandhauses in Leipzig im Jahr 1981 sowie für sein Engagement bei den Montagsdemonstrationen im Jahr des Mauerfalls 1989
  • 2007: Großes Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband
  • 2008: Sächsischer Dankorden im Rahmen des Semperopernballs am 18. Januar 2008
  • 2008: Wilhelm-Furtwängler-Preis im Rahmen des Bonner Beethovenfestes am 10. September 2008
  • Herdecker Kulturpreis für Toleranz, Menschlichkeit und Frieden
  • Ehrenbürger der Stadt Leipzig
  • Ehrenbürger der Stadt Breslau
  • Ehrenbürger der Stadt Brieg
  • 2010: Urania-Medaille des Bildungs- und Kulturzentrums Urania in Berlin am 23. April 2010
  • 2010: Leo-Baeck-Medaille in New York am 9. November 2010[7]
  • 2010: Echo Klassik in der Kategorie Ehrung des Lebenswerks eines Künstlers[8]
  • 2010: Ernennung zum Ehrensenator der Deutschen Nationalstiftung[9]
  • 2011: Adenauer-de Gaulle-Preis

Literatur

  • Dieter Härtwig: Kurt Masur. Für Sie porträtiert. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1976.
  • Karl Zumpe (Hrsg.): Kurt Masur. Gewandhauskapellmeister in Leipzig. Ullstein, Frankfurt u. Berlin 1990, ISBN 3-550-06590-6
  • Ulla Schäfer (Hrsg.): „Mut und Zuversicht gegeben …“ Briefe an Kurt Masur, 9. Oktober 1989 bis 18. März 1990. Ullstein, Frankfurt u. Berlin 1990, ISBN 3-550-07412-3
  • Johannes Forner: Kurt Masur – Zeiten und Klänge. Biografie Propyläen, Berlin u. München 2002, ISBN 3-549-07153-1

Weblinks

 Commons: Kurt Masur – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Das Dirigentengenie Kurt Masur – Mit dem Herzen bei den Menschen, auf www.phoenix.de, Rezession über eine Dokumentation von René Römer über Kurt Masur.
  2. Rezension auf amazon.de zu Kurt Masur. Zeiten und Klänge
  3. ARTE: Dirigent Kurt Masur
  4. Vgl. Hartmut Behrsing: Als Musiker zwischen Oper, Swing und Dixieland – „Jazz im Frack“. In: Rainer Bratisch: Freie Töne: Die Jazzszene in der DDR. Berlin 2005, S. 117–124 (119)
  5. Der Maestro und das Taktgefühl. Der Leipziger Gewandhauskapellmeister Kurt Masur wird Chefdirigent der New Yorker Philharmoniker. Der Spiegel, H. 37 vom 9. September 1991, S. 218–224
  6. Interview mit Kurt Masur, Berliner Zeitung, 11. Oktober 2003
  7. Der Rabbi und der Dirigent. Kurt Masur erhält die Leo-Baeck-Medaille, in: Jüdische Allgemeine vom 22. Juli 2010, abgerufen am 19. September 2010
  8. Kurt Masur wird mit dem ECHO Klassik 2010 für sein Lebenswerk geehrt, abgerufen am 2. Oktober 2010
  9. Saarbrücker Zeitung vom 17. Dezember 2010, S. B4

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