Kärntner Slowenen

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Kärntner Slowenen

Als K√§rntner Slowenen (slowenisch KoroŇ°ki Slovenci) bezeichnet man die autochthone slowenischsprachige Volksgruppe im √∂sterreichischen Bundesland K√§rnten. Sie entsenden Vertreter in den √∂sterreichischen Volksgruppenbeirat. Prinzipiell ist der Status der Volksgruppe verfassungs- und v√∂lkerrechtlich abgesichert.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Völkerwanderung

Auf dem F√ľrstenstein wurden die karantanischen F√ľrsten inthronisiert.

Das slowenische Sprachgebiet wurde gegen Ende der V√∂lkerwanderung zuerst, unter anderem, von Westslawen besiedelt, danach schlie√ülich von S√ľdslawen, die zur vorherrschenden Gruppe wurden. Es entstand eine s√ľdslawische Umgangssprache mit westslawischem Einfluss. Am Ende der V√∂lkerwanderung entstand das slawische Staatsgebilde Karantanien, Vorl√§ufer des heutigen K√§rntens, das √ľber das heutige Landesgebiet weit hinausreichte und dessen politisches Zentrum auf dem Zollfeld lag.

Mittelalter und Neuzeit

Karantanien wurde unter Karl dem Gro√üen Teil des Franken- und in der Folge des Heiligen R√∂mischen Reiches, wobei sich bis ins Hochmittelalter zwei parallele Rechtssysteme hielten, wie dies etwa der sog. "Slawenzehent" (huba slovenica) und insbesondere der Stand der Edlinger (slowenisch kosezi) belegen. In der Folge setzten sich nach und nach deutsche Adelsgeschlechter durch, w√§hrend die Bev√∂lkerung slawisch blieb. Schlie√ülich setzte eine Siedlungsbewegung der Baiern nach K√§rnten ein. Diese besiedelten bis dahin schwach besiedelte Gebiete, etwa Waldgebiete und Hocht√§ler. Zur unmittelbaren Verdr√§ngung von Slawen (als Slowenen bildeten sie sich erst im Laufe der Zeit heraus) kam es nur vereinzelt. Es begann jedoch eine Assimilierung der Slowenen durch die Deutschen. Im 19. Jahrhundert waren so etwa zwei Drittel der K√§rntner deutsch geworden. Dennoch war Klagenfurt, zu diesem Zeitpunkt eine deutschsprachige Stadt mit slowenischem Umland, die vorherrschende slowenische B√ľcherstadt.

19. und 20. Jahrhundert

Mit dem Aufkommen der Nationalbewegung in der späten Monarchie beschleunigte sich die Assimilation, gleichzeitig verschärfte sich der Konflikt zwischen den Volksgruppen.

Die Abstimmungszonen A und B mit den Bedingungen f√ľr das Stimmrecht

Mit Ende des Ersten Weltkrieges versuchte der SHS-Staat die slowenisch gebliebenen Gebiete zu besetzen (vergleiche K√§rntner Abwehrkampf). Diese Frage spaltete auch die slowenische Bev√∂lkerung. In der Abstimmungszone, in der der slowenischsprachige Bev√∂lkerungsanteil bei ca. 70 % lag, stimmten 59 % der Abstimmungsteilnehmer f√ľr einen Verbleib bei √Ėsterreich. Im Vorfeld der Volksabstimmung versicherte die Landesregierung, dass sie den Erhalt der slowenischen Kultur unterst√ľtzen und f√∂rdern werde. Diese konzilianten Versprechungen f√ľhrten neben wirtschaftlichen und anderen Gr√ľnden dazu, dass ca. 40 % der in der Abstimmungszone lebenden Slowenen sich f√ľr den Erhalt der Landeseinheit aussprachen. Das Abstimmungsverhalten war jedoch regional unterschiedlich; in zahlreichen Gemeinden gab es Mehrheiten, die sich f√ľr einen Anschluss an den SHS-Staat aussprachen.

Die slowenische Volksgruppe im √∂sterreichischen K√§rnten hatte bis zum ‚ÄěAnschluss‚Äú √Ėsterreichs an das Deutsche Reich 1938 Minderheitenrechte. So gab es zun√§chst noch zweisprachige Schulen, Pfarren, eigene Zeitungen, Vereine, Banken und politische Vertreter in Gemeinden und im Landtag. Die politischen Spannungen zwischen √Ėsterreich und Jugoslawien verst√§rkten jedoch die Benachteiligung der K√§ntner Slowenen. Wie √ľberall in Europa nahm in der Zwischenkriegszeit der Nationalismus zu. Gemachte Versprechen wurden gebrochen, die Assimilation forciert, indem man die Slowenen durch ihre Teilung in Slowenen und Windische spaltete, ihnen sogar absprach, dass ihre Sprache √ľberhaupt slowenisch w√§re (vgl. ‚ÄěWindischentheorie‚Äú). Dies gipfelte in gezielter Verfolgung im Dritten Reich. Allerdings konnte man sich durch ein Bekenntnis zum Windischen und dem damit verbundenen Versprechen zur Assimilation mit dem Regime gut stellen. Am 14. April 1942 begann die Aussiedlung der K√§rntner Slowenen. Vorangegangen war eine Anordnung Himmlers am 25. August 1941, in dem er auch die Umsiedlung der Kanaltaler nach K√§rnten, Oberkrain und das Mie√ütal festlegte. Bei der Aussiedlung wurden K√§rntner Slowenen ins RAD-Lager in Klagenfurt und von dort in verschiedene Lager der Volksdeutschen Mittelstelle deportiert. Die Aussiedlung rief eine starke Unterst√ľtzung des bewaffneten Widerstandes durch die slowenische Bev√∂lkerung hervor, viele gingen in die W√§lder, bildeten die Gr√ľnen Kader und stie√üen sp√§ter zu den Titopartisanen.[1] Diese versuchten nach dem Krieg neuerlich, Teile K√§rntens zu besetzen, zogen sich aber auf Dr√§ngen der englischen Besatzer zur√ľck. Angesichts dieser extremen Entwicklung auf beiden Seiten war nach dem Zweiten Weltkrieg die Stimmung zwischen den Volksgruppen √§u√üerst gespannt. Die stetige Zur√ľckdr√§ngung des Slowenischen setzte sich fort.

Kärntner Pfarren mit zweisprachiger (deutsch-slowenischer) Liturgie

Am 15. Mai 1955 wurde der √Ėsterreichische Staatsvertrag unterzeichnet, in dessen Artikel 7 die ‚ÄěRechte der slowenischen und kroatischen Minderheiten‚Äú in √Ėsterreich reguliert sind. Im Jahr 1975 verfehlte die Wahlgruppierung der slowenischen Volksgruppe (Enotna Lista) nur knapp den Einzug in den K√§rntner Landtag. Vor den n√§chsten Wahlen 1979 wurde der urspr√ľnglich einheitliche Wahlkreis K√§rnten in vier Wahlkreise untergliedert. Das Siedlungsgebiet der K√§rntner Slowenen wurde aufgeteilt und diese Teile wiederum mit rein deutschsprachigen Landesteilen zusammengefasst. In den neuen Wahlkreisen reduzierte sich der slowenischsprachige Bev√∂lkerungsanteil derart, dass ein Einzug von Volksgruppenvertretern in den Landtag faktisch nicht mehr m√∂glich war. Das √∂sterreichische Volksgruppenb√ľro und Vertreter der K√§rntner Slowenen sahen in dieser Vorgangsweise den erfolgreichen Versuch den politischen Einfluss der slowenischsprachigen Volksgruppe zu reduzieren.

In den 1970er Jahren eskalierte die Lage neuerlich im so genannten Ortstafelstreit, danach entspannte sie sich wieder. Bis heute werden jedoch einzelne Aussagen slowenischer Politiker von Teilen der deutschsprachigen Bev√∂lkerung K√§rntens als slowenische Gebietsanspr√ľche interpretiert. Sie sehen deshalb die territoriale Einheit K√§rntens nach wie vor als nicht garantiert an. Diese Interpretation wird sowohl von der slowenischen Regierung als auch von den Interessensvertretungen der K√§rntner Slowenen zur√ľckgewiesen. Die territoriale Integrit√§t K√§rntens und sein Verbleib bei √Ėsterreich werde keinesfalls in Frage gestellt.

21. Jahrhundert

In den letzten Jahren ist ein zunehmendes Interesse der deutschsprachigen K√§rntner am Slowenischen festzustellen. Die neuerlichen Bem√ľhungen J√∂rg Haiders in den letzten Jahren, die Ortstafelfrage zu thematisieren, zeigen, dass der Konflikt nach wie vor vorhanden ist.

Siedlungsgebiet

Jahr Volksgruppen-
angehörige
1880 85.051
1890 84.667
1900 75.136
1910 66.463
1923 34.650
1934 24.875
1939 43.179
1951 42.095
1961 24.911
1971 20.972
1981 16.552
1991 14.850
2001 13.109

Ende des 19. Jahrhunderts machten die K√§rntner Slowenen ungef√§hr ein Viertel bis ein Drittel der Gesamtbev√∂lkerung K√§rntens aus. Im Laufe des 20. Jahrhunderts reduzierte sich ihre Anzahl vor allem aufgrund des Assimilierungsdrucks auf offiziell 2,3‚ÄČ% der Gesamtbev√∂lkerung.

Da das Deutsche vor allem von Westen und Norden vordrang, liegt das heutige Siedlungsgebiet im S√ľden und Osten des Landes, im Jaun- Keutschacher und Rosental, im untersten Lavanttal sowie im Gailtal (bis etwa Hermagor-Pressegger See). Die n√∂rdlichsten Punkte bilden etwa K√∂stenberg und Diex.

Im Jahre 1857 wurde von K. v. Czoernig in seiner Ethnographie der √∂sterreichischen Monarchie die deutsch-slowenische Sprachgrenze wie folgt beschrieben:[2] Malborghet ‚Äď M√∂derndorf/Hermagor ‚Äď Wasserscheide Gail/Drau ‚Äď Villach ‚Äď Zauchen ‚Äď Dellach (bei Feldkirchen) ‚Äď Moosburg ‚Äď Nussberg ‚Äď Galling ‚Äď St. Donat ‚Äď St. Sebastian ‚Äď St. Gregorn (bei Klein St. Veit) ‚Äď Schmieddorf ‚Äď W√∂lfnitz/Saualpe ‚Äď Pustritz ‚Äď Granitztal ‚Äď Eis (an der Drau) ‚Äď Lavam√ľnd (wobei die genannten Ortschaften gr√∂√ütenteils im deutschen Sprachgebiet liegen, vor allem Villach). Auch die Landeshauptstadt Klagenfurt und das n√∂rdlich von ihr liegende Zollfeld waren √ľberwiegend deutschsprachig. In Zahlen ausgedr√ľckt: in der Mitte des 19. Jahrhunderts sprachen innerhalb der damaligen Grenzen von K√§rnten 95.735 Personen slowenisch (√ľber 30 Prozent) und 223.489 deutsch.

Mit 2010 wurde der Sprachschatz der Slowenischen Flur- und Hofnamen in K√§rnten zum Immateriellen Welterbe, wie es die UNESCO deklariert, in die √Ėsterreichliste (Nationales Kulturgut) aufgenommen.[3]

Bevölkerungsanteil

Die Gemeinden mit dem h√∂chsten Bev√∂lkerungsanteil an K√§rntner Slowenen sind Zell (89 %), Globasnitz (42 %) und Eisenkappel-Vellach (38 %) (laut Volksz√§hlung 2001).

Die tats√§chliche Anzahl der K√§rntner Slowenen ist umstritten, da sowohl Vertreter slowenischer Organisationen als auch Vertreter K√§rntner Traditionsverb√§nde die Ergebnisse der Volksz√§hlung als nicht akkurat bezeichnen. Erstere verweisen auf die teilweise stark schwankenden Volksz√§hlungsergebnissen in einzelnen Gemeinden, die ihrer Meinung nach stark mit politischen Spannungen in Volksgruppenfragen korrelieren. Somit w√ľrden die Ergebnisse die tats√§chliche Anzahl der K√§rntner Slowenen untersch√§tzen. Man verweist beispielsweise auf die S√ľdk√§rntner Gemeinde Gallizien, die laut der Volksz√§hlung von 1951 einen slowenischsprachigen Bev√∂lkerungsanteil von 80 % aufwies, 1961 jedoch ‚Äď bei gleichzeitigem Ausbleiben gr√∂√üerer Migrationsbewegungen und bei ungef√§hr gleicher Bev√∂lkerungszahl ‚Äď nur noch einen Anteil von 11 %.

Als ein weiteres Beispiel werden die Ergebnisse der ehemaligen Gemeinde Mieger (heute zur Gemeinde Ebenthal) angef√ľhrt, die 1910 und 1923 einen slowenischsprachigen Bev√∂lkerungsanteil von 96 % bzw. von 51 % aufwies, 1934 jedoch nur noch von 3 %. Nach dem Zweiten Weltkrieg und einer Entspannung im Verh√§ltnis der beiden Volksgruppen wies die Gemeinde 1951 erneut 91,5 % auf. 1971 schlie√ülich (im Vorfeld des so genannten K√§rntner Ortstafelsturms) reduzierte sich die Anzahl der Slowenen wiederum auf 24 %. Vertreter der K√§rntner Slowenen sehen die Ergebnisse der Volksz√§hlung als absolute Untergrenze an. Sie verweisen auf eine 1991 durchgef√ľhrte Erhebung in zweisprachigen Pfarren, bei denen nach der Umgangssprache der Pfarrangeh√∂rigen gefragt wurde. Das Resultat der Erhebung (50.000 Volksgruppenangeh√∂rige) unterschied sich signifikant von den Ergebnissen der im selben Jahr stattgefundenen Volksz√§hlung (ca. 14.000).

Kärntner Traditionsverbände schätzen die tatsächliche Anzahl bekennender Slowenen auf 2.000 bis 5.000 Personen.

Volkszählung 2001 Volkszählung 1971
Volkszählung 2001 Volkszählung 1971
Farblegende:
  • ÔĽŅ5‚Äď10 %
  • ÔĽŅ10‚Äď20 %
  • ÔĽŅ20‚Äď30 %
  • ÔĽŅ>30 %

Dialekte

Literatur

Im Fr√ľhjahr 1981 ist der Roman ‚ÄěDer Z√∂gling Tjaz‚Äú von Florjan LipuŇ° in der deutschsprachigen √úbersetzung Peter Handkes erschienen. Peter Handke wurde f√ľr diese literarische Leistung vom Wiener Extrablatt als ‚Äěpersonifizierter Artikel sieben‚Äú bezeichnet. Neben Lipus hat Handke sp√§ter noch Gustav JanuŇ° √ľbersetzt.

Die K√§rntner slowenische Literatur machen aber nicht nur Janus und LipuŇ° aus, sondern eine Reihe anderer Autoren. Zur Tradition geh√∂ren Mirko Kumer, Kristo Srienc und Valentin Polansek. Zu einer kleinen innovativeren, aber noch der Tradition verpflichteten Gruppe z√§hlt neben LipuŇ° Janko Messner. LipuŇ° selbst hat sich zu einem herausragenden Belletristen entwickelt.

Zu den j√ľngeren Prosaautoren z√§hlen JoŇĺe Blajs, der international bekannte Janko Ferk, Martin Kuchling und Kristijan Mocilnik.

Beachtlich ist die Zahl der Lyriker. Herausragend ist Milka Hartman. Ihrer Generation geh√∂rt Anton Kuchling an. Die n√§chste Generation bilden Gustav JanuŇ° und Andrej Kokot sowie die Lyriker, die heute schweigen, n√§mlich Erich Prunńć und Karel Smolle. Diesen Lyrikern folgt eine Gruppe, die sich vor allem um die Literaturzeitschrift ‚Äěmladje‚Äú formiert hat. Janko Ferk, Maja Haderlap, Franc Merkac und Jani Oswald sowie Vincenc Gotthardt, Fabjan Hafner und Cvetka LipuŇ° sind die dazugeh√∂rigen Namen.

Zur j√ľngsten Generation geh√∂ren Rezka Kanzian und Tim O. W√ľster, die noch keine eigenst√§ndigen Buchpublikationen vorweisen k√∂nnen.

Die slowenische Literatur in Kärnten hat nach dem Zweiten Weltkrieg ihren klaren Lebenswillen gezeigt. Heute ist sie eine emanzipierte Literatur ohne jedweden Provinzialismus.

Aus literatursoziologischer, -theoretischer und -historischer Sicht hat sich besonders Johann Strutz (Janez Strutz) um die Literatur der Kärntner Slowenen verdient gemacht. Seine Profile der neueren slowenischen Literatur in Kärnten, erschienen 1998 im Hermagoras Verlag, Klagenfurt/Celovec, sind ein vielbeachtetes Standardwerk.

Schulwesen

Schulwesen bis 1958

Zweisprachige Kinderbetreuung in S√ľdk√§rnten

Im Jahr 1848 verf√ľgte das Unterrichtsministerium, dass Pflichtsch√ľler in ihrer jeweiligen Muttersprache unterrichtet werden sollen. Das Bestreben deutsch-nationaler Kr√§fte in K√§rnten diese Vorgabe zu √§ndern, blieb bis Ende der 1860er Jahre erfolglos. Zwischen 1855 und 1869 lag das slowenische Pflichtschulwesen in den H√§nden der traditionell slowenenfreundlichen katholischen Kirche. Die Vorgaben hinsichtlich des Gebrauchs der Muttersprache im Unterricht erfuhr durch das Reichsvolksschulsgesetz von 1869 insofern eine gravierende √Ąnderung, da ab diesen Zeitpunkt der Schulerhalter die Unterrichtssprache festlegen konnte. Dies f√ľhrte zur Umwandlung eines gro√üen Teils der Pflichtschulen in so genannte utraquistische Schulen, in denen das Slowenische als Hilfssprache angesehen wurde, die nur solange im Unterricht verwendet wurde, bis die Sch√ľler die deutsche Sprache hinreichend beherrschten[4]. Nur wenige Schulen blieben rein slowenisch (1914: Sankt Jakob im Rosental, St. Michael ob Bleiburg und Zell-Pfarre)[5]. Die utraquistische Schulform blieb bis zum Jahr 1941 erhalten[4]. Von der slowenischen Volksgruppe wurde dieses Schulsystem als ‚ÄěGermanisierungsinstrument‚Äú abgelehnt[5].

Am 3. Oktober 1945 wurde eine neue Schulverordnung verabschiedet, die im traditionellen Siedlungsgebiet der K√§rntner Slowenen zweisprachigen Unterricht f√ľr alle Kinder vorsah (unabh√§ngig von ihrer Volksgruppenzugeh√∂rigkeit)[6]. Der zweisprachige Unterricht sollte in den ersten drei Schulstufen erfolgen, danach war Slowenisch als Pflichtfach vorgesehen. Nach der Unterzeichnung des Staatsvertrags im Jahr 1955 und der damit implizit einhergehenden L√∂sung der bis dahin offenen Frage des Verlaufs der √∂sterreichisch-jugoslawischen Grenze, kam es zu Protesten gegen dieses Modell, welche im Jahr 1958 in Schulstreiks kulminierten. In Folge dieser Entwicklung erlie√ü im September desselben Jahres Landeshauptmann Ferdinand Wedenig eine Erlass, der es den Erziehungsberechtigten erm√∂glichte, ihre Kinder vom zweisprachigen Unterricht abzumelden. Im M√§rz 1959 wurde das Unterrichtssystem erneut dahingehend ver√§ndert, dass ab diesem Zeitpunkt die Sch√ľler sich ausdr√ľcklich f√ľr den zweisprachigen Unterricht anmelden mussten[4]. Durch den damit einhergehenden Bekenntniszwang sanken die Zahlen der Sch√ľler im zweisprachigen System betr√§chtlich. 1958 waren nur noch 20,88 %, in den 1970er Jahren nur noch 13,9 % der zweisprachigen Sch√ľler f√ľr den Deutsch-Slowenischen Unterricht angemeldet[6].

Schulwesen ab 1982

Das im Zuge einer Dreiparteieneinigung (SP√Ė, √ĖVP und FP√Ė) abge√§nderte Minderheitenschulgesetz sieht seit 1982 eine weitgehende klassenm√§√üigen Trennung der zweisprachig und einsprachig deutsch unterrichteten Volkssch√ľler vor. Bis heute wird die Frage, ob Schulleiter zweisprachiger Schulen eine zweisprachige Qualifikation vorweisen m√ľssen, kontrovers diskutiert[4].

Der beschriebenen, von Slowenenorganisationen kritisch gesehene allgemeinen Entwicklung im zweisprachigem Unterrichtssystem, steht eine Erweiterung des Schulangebots gegen√ľber: Im Jahr 1957 wurde in Klagenfurt das ‚ÄěBundesgymnasium und Bundesrealgymnasium f√ľr Slowenen‚Äú (Zvezna gimnazija in Zvezna realna gimnazija za Slovence) gegr√ľndet, in dessen Geb√§ude seit 1991 auch die ‚ÄěZweisprachige Bundeshandelsakademie‚Äú (Dvojezińćna zvezna trgovska akademija) untergebracht ist. Seit 1989 existiert eine konfessionell betriebene HBLA in St. Peter im Rosental (Gemeinde St. Jakob). Nach einem Entscheid des Verfassungsgerichtshofs haben Sch√ľler in Klagenfurt die M√∂glichkeit neben einer konfessionellen auch eine √∂ffentliche zweisprachige Volksschule zu besuchen[4].

Auf Privatinitiative wurde 1984 die slowenische ‚ÄěK√§rntner Musikschule‚Äú (Glasbena Ň°ola na KoroŇ°kem) gegr√ľndet, die seit einem 1998 abgeschlossenen Kooperationsvertrag mit dem Land K√§rnten √∂ffentliche Subventionen erh√§lt. Die H√∂he dieser finanzielle F√∂rderung (umgelegt auf die Sch√ľlerzahl) widerspricht jedoch nach Ansicht des √Ėsterreichischen Volksgruppenzentrums dem Gleichbehandlungsgebot, da der zweite Tr√§ger des K√§rntner Musikschulwesens, das Musikschulwerk, auf einer pro Kopf-Basis einen h√∂heren Betrag erh√§lt[7]. Der Betrieb der Glasbena Ň°ola kann jedoch mit Hilfe von Zuwendungen der Republik Slowenien aufrechterhalten werden.

Generell ist in den letzten Jahren ein gesteigertes Interesse der S√ľdk√§rntner am zweisprachigem Unterricht festzustellen. So wurden im Schuljahr 2009/10 41,3 % der Volkssch√ľler im Geltungsbereich des Minderheitenschulwesens zum zweisprachigen Unterricht angemeldet (der Anteil der Kinder ohne slowenische Vorkenntnisse betr√§gt dabei √ľber 50 %)[8].

Lobbying

Der Christliche Kulturverband und der RKS stiften j√§hrlich den Einspieler-Preis (nach dem Hermagorasgr√ľnder Andrej Einspieler) f√ľr Personen, die sich um das Zusammenleben verdient gemacht haben. Tr√§ger waren u.a. der Industrielle Herbert Liaunig und der Sprachwissenschafter Heinz Dieter Pohl.

Vom Slowenischen Kulturverband und dem Zentralverband slowenischer Organisationen gemeinsam vergeben wird der nach Vinzenz Rizzi benannte Vinzenz-Rizzi-Preis an Personen, die f√ľr den Ausbau interkultureller Beziehungen zwischen den beiden Volksgruppen in K√§rnten zukunftsweisende Arbeit geleistet haben[9].

Organisationen

  • K√§rntner Einheitsliste (KoroŇ°ka enotna lista) ‚Äď politische Sammelbewegung, welche bei Lokalwahlen antritt
  • Rat der K√§rntner Slowenen (Narodni svet koroŇ°kih Slovencev) ‚Äď christlich-konservative Interessensvertretung
  • Zentralverband slowenischer Organisationen (Zveza slovenskih organizacij) ‚Äď linksorientierte Interessensvertretung
  • Gemeinschaft der K√§rntner Slowenen und Sloweninnen (Skupnost koroŇ°kih Slovencev in Slovenk) ‚Äď liberale Interessensvertretung
  • Christlicher Kulturverband (KrŇ°ńćanska kulturna zveza)
  • Slowenischer Kulturverband (Slovenska prosvetna zveza)
  • Slowenischer Wirtschaftsverband (Slovenska gospodarska zveza)
  • Gemeinschaft der S√ľdk√§rntner Bauern (Skupnost juŇĺnokoroŇ°kih kmetov)
  • Slowenischer Alpenverein Klagenfurt (Slovenska Planinska DruŇĺba Celovec)
  • Slowenischer Athletikklub (Slovenski atletski klub)
  • K√§rntner Sch√ľlerverband (KoroŇ°ka dijaŇ°ka zveza)
  • Klub slowenischer Studentinnen und Studenten Graz (Klub slovenskih Ň°tudentk in Ň°tudentov Gradec)

Medien

Bekannte Kärntner Slowenen

Bekannte Kärntner Slowenen unter der Kategorie:Kärntner Slowene

  • Franz Ksaver Luschin, Erzbischof.
  • Valentin Inzko, Hoher Repr√§sentant f√ľr Bosnien und Herzegowina und EU-Sonderbeauftragter f√ľr Bosnien.

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Valentin Sima: K√§rntner Slowenen in: E.Talos, E.Hanisch, W.Neugebauer (Hrsg.): NS-Herrschaft in √Ėsterreich 1938-1945, Wien 1988, ISBN 3-900351-84-8, S.361-379
  2. ‚ÜĎ Karl Freiherr von Czoernig, Ethnographie der oesterreichischen Monarchie, 1857
  3. ‚ÜĎ Slowenische Flur- und Hofnamen in K√§rnten. nationalagentur.unesco.at
  4. ‚ÜĎ a b c d e Amt der K√§rntner Landesregierung ‚Äď Volksgruppenb√ľro (Hrsg.), Die K√§rntner Slowenen, 2003
  5. ‚ÜĎ a b Heinz Dieter Pohl, Die ethnisch-sprachlichen Voraussetzungen der Volksabstimmung (Abgerufen am 3. August 2006)
  6. ‚ÜĎ a b Christina Bratt Paulston, Donald Peckham (Hrsg.): Linguistic minorities in Central and Eastern Europe. Multilingual Matters, Clevedon 1998, ISBN 1853594164, S. 32f..
  7. ‚ÜĎ Bericht des √Ėsterreichischen Volksgruppenzentrums zur Durchf√ľhrung des Europ√§ischen Rahmen√ľbereinkommens zum Schutz nationaler Minderheiten in der Republik √Ėsterreich Teil II (Abgerufen am 3. August 2006)
  8. ‚ÜĎ Einheitsliste: Rekord bei Anmeldungen zum zweisprachigen Unterricht in K√§rnten, abgerufen am 6. Juni 2010
  9. ‚ÜĎ Vinzenz-Rizzi-Preis an Karl Stuhlpfarrer. Alpen-Adria-Universit√§t Klagenfurt, abgerufen am 2.12.

Literatur

  • Albert F. Reiterer: K√§rntner Slowenen: Minderheit oder Elite? Neuere Tendenzen der ethnischen Arbeitsteilung. Drava Verlag/ZaloŇĺba Drava, Klagenfurt 1996 ISBN 3-85435-252-2
  • Moritsch Andreas (Hrsg.): K√§rntner Slovenen/KoroŇ°ki Slovenci 1900‚Äď2000 ‚Äď Unbegrenzte Geschichte ‚Äď zgodovina brez meja 7. Hermagoras/Mohorjeva, Klagenfurt 2003 ISBN 3-85013-753-8
  • Wie ein im K√§fig eingesperrter Vogel. Das Tagebuch des Thomas Olip, hrsg. v. Wilhelm Baum, Kitab-Verlag, Klagenfurt 2010, ISBN 978-3-902585-56-1
  • Wilhelm Baum: Die Freisler-Prozesse in K√§rnten. Zeugnisse des Widerstandes gegen das NS-Regime in √Ėsterreich, Kitab-Verlag, Klagenfurt 2011, ISBN 978-3-902585-77-6
  • Reginald Vospernik: Zweimal aus der Heimat vertrieben. Die K√§rntner Slowenen zwischen 1919 und 1945. Eine Familiensaga, Kitab-Verlag, Klagenfurt 2011 ISBN 978-3-902585-84-4

Weblinks

Politik

Kultur und Geschichte


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