Königreich Sachsen

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Königreich Sachsen
Königreich Sachsen
Wappen Flagge
Großes Mantelwappen des Königreichs Sachsen Flagge des Königreichs Sachsen
Lage im Deutschen Reich
Lage des Königreichs Sachsen im Deutschen Kaiserreich
 
Landeshauptstadt Dresden
Regierungsform Monarchie
Staatsoberhaupt König
Dynastie Wettiner
Bestehen 1806‚Äď1918
Fläche 14.993 km²
Einwohner 4.806.661 (1910)
Bevölkerungsdichte 320 Einwohner/km²
Entstanden aus Kfstm. Sachsen
Aufgegangen in Freistaat Sachsen
Stimmen im Bundesrat 4 Stimmen
Kfz-Kennzeichen I, II, III, IV, V
Karte
Karte des K√∂nigreichs Sachsen 1815‚Äď1918

Das K√∂nigreich Sachsen entstand aus dem Kurf√ľrstentum Sachsen und existierte von 1806 bis 1918. Es geh√∂rte von 1806 bis 1815 dem Rheinbund und von 1815 bis 1866 dem Deutschen Bund an. Seit 1867 war es Mitglied des Norddeutschen Bundes und von 1871 bis 1918 des Deutschen Reiches. Die Hauptstadt war Dresden.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung des Königreiches

Frieden von Posen

Das K√∂nigreich Sachsen entstand am 11. Dezember 1806 mit der Unterzeichnung des Posener Friedensvertrages zwischen Frankreich und Sachsen. Mit dem Frieden von Posen schied Sachsen aus dem Vierten Koalitionskrieg, nachdem die s√§chsisch-preu√üischen Truppen im Oktober 1806 von Napoleon bei Jena und Auerstedt vernichtend geschlagen worden waren und Preu√üen den s√§chsischen Verb√ľndeten im Stich gelassen hatte. Im Posener Frieden musste das von Napoleon alsbald besetzte Sachsen dem Rheinbund beitreten (Art. 2) und verschiedene in Th√ľringen gelegene Gebiete abtreten (Art. 7), erhielt daf√ľr aber als Entsch√§digung die preu√üische Enklave um Cottbus zugesagt (Art. 6) und wurde nach Bayern und W√ľrttemberg nun ebenfalls zum K√∂nigreich erhoben (Art. 3). Au√üerdem wurde in Sachsen das r√∂misch-katholische dem evangelisch-lutherischen Bekenntnis rechtlich gleichgestellt (Art. 5).

Ausrufung des Königs

Flagge des K√∂nigreichs Sachsen 1806‚Äď1815

Am 20. Dezember 1806 erfolgte die Ausrufung des regierenden Kurf√ľrsten Friedrich August des Gerechten zum K√∂nig von Sachsen. Die Verk√ľndung stie√ü auf kein besonderes Echo, vermutlich deshalb, weil der K√∂nigstitel seit mehr als einhundert Jahren in Sachsen gel√§ufig war: Seit 1697 war Kurf√ľrst August der Starke K√∂nig von Polen, 1733 folgte ihm sein Sohn als K√∂nig August III. auf dem polnischen Thron. Dessen Sohn, Kurf√ľrst Friedrich Christian, regierte 1763 nur ein Vierteljahr lang und damit zu kurz, um in Polen zum K√∂nig gew√§hlt werden zu k√∂nnen. Friedrich August der Gerechte erkl√§rte zwei Jahre nach seinem Regierungsantritt zun√§chst den Verzicht auf die polnische Krone (1765), wurde aber in der vom Sejm 1791 verabschiedeten Polnischen Verfassung zum Thronnachfolger bestimmt. Die K√∂nigsw√ľrde empfing Friedrich August gleichwohl erst Ende 1806 aus der Hand Napoleons und diesmal nun als s√§chsische Krone; wenige Monate danach wurde er allerdings auch als Herrscher in Polen eingesetzt.

Gebietsstand 1806/07

Königreich Sachsen 1806/07 (große Karte) und nach den Gebietsabtrennungen vom Mai 1815 (kleine Karte)

Hervorgegangen ist das K√∂nigreich aus dem Kurf√ľrstentum Sachsen, dessen um 1800 erreichter Gebietsstand haupts√§chlich im Ergebnis der √úbertragung der s√§chsischen Kurw√ľrde an die wettinischen Markgrafen von Mei√üen 1423, dem √úbergang der Kurw√ľrde von den ernestinischen an die albertinischen Wettiner nach der Wittenberger Kapitulation 1547 sowie dem Zugewinn von Ober- und Niederlausitz im Prager Frieden 1635 resultierte.

Das Königreich umfasste Ende 1806

Geschichte des Königreiches

‚Üí Hauptartikel: Geschichte Sachsens
Grenzen des Königreichs Sachsen nach dem Wiener Kongress

Als Eckpunkte in der Geschichte des Königreiches gelten

außenpolitisch
der Untergang Sachsens als europäischer Mittelmacht nach der von Preußen erzwungenen Teilung des Königreiches auf dem Wiener Kongress 1815 sowie der Verlust der staatlichen Souveränität nach dem preußischen Beitrittsdiktat zum Norddeutschen Bund 1866,
innenpolitisch
der √úbergang Sachsens zum modernen Verfassungs- und Rechtsstaat mit der Verabschiedung der (ersten) S√§chsischen Verfassung 1831, dem Inkrafttreten des S√§chsischen B√ľrgerlichen Gesetzbuches 1865 und der konsequenten Trennung von Justiz und Verwaltung 1873/74, allerdings flankiert von politischen Spannungen (Herbstunruhen 1830, Maiaufstand 1849, Aufstieg der marxistischen Sozialdemokratie nach 1870) und gegenl√§ufigen Entwicklungen (Reaktionszeit 1849‚Äď1854, Militarisierung ab 1870),
wirtschaftlich
der Aufstieg Sachsens zum f√ľhrenden Industrie- und Handelsstaat in Mitteleuropa, ablesbar an den Absatzerfolgen und der √∂konomischen Dominanz der s√§chsischen Industrie im Zollverein seit 1834, dem raschen Aufbau eines leistungsf√§higen Ferneisenbahnnetzes ab 1837, der Behauptung des Leipziger Me√ühandels gegen Frankfurt und der Durchbruch Leipzigs als Welthandelsplatz nach Einf√ľhrung der Mustermesse 1895, begleitet freilich vom Niedergang des klassischen Kleingewerbes und der sich ausbreitenden Massenarmut (‚ÄěPauperismus‚Äú) sowie spektakul√§ren Misserfolgen (wie dem Zusammenbruch der Leipziger Bank 1901).

1918 f√ľhrte die Novemberrevolution zum Ende der deutschen Monarchie und am 9. November zur Ausrufung der Republik in Deutschland. Am 13. November dankte auch K√∂nig Friedrich August III. auf Schloss Guteborn bei Ruhland ab. Sachsen verblieb im Anschluss als Gliedstaat innerhalb des Deutschen Reichs und begann wie dieses eine umfassende Verfassungsreform. Die republikanische Staatsform Sachsens wurde durch das vorl√§ufige Grundgesetz vom Februar 1919 und endg√ľltig durch die Verfassung des Freistaates Sachsen vom 1. November 1920 festgesetzt. Sachsen war nun als Freistaat (Republik) ein Bundesstaat der Weimarer Republik.

Wappen

Das große Wappen seit 7. Juni 1889 ist ein zweimal gespaltener und dreimal geteilter Schild mit gespaltenem Schildfuß.

Das Wappen zeigt im Schild

Im Schildfu√ü die Zeichen f√ľr Altenberg und Henneberg. Im goldgekr√∂nten Herzschild (Feld 5 und 8) zeigt das Wappen die s√§chsische Raute. Die Helmzier steht f√ľr Vogtland, Th√ľringen, Sachsen, Mei√üen und Oberlausitz. Der Schild wird von je einem goldenen rotgezungten widersehenden L√∂wen an rechts und links gehalten. Der Schild ist vom Hausorden der Rautenkrone umhangen. Auf dem Band die Devise ‚ÄěProvidentiae memor‚Äú (‚ÄěDer Vorsehung eingedenk‚Äú). Ein purpurnes goldgekr√∂ntes Wappenzelt umgibt alles. Die Landesfarben sind Wei√ü-Gr√ľn.

Verwaltungsgliederung des Königreiches

Verwaltungsgliederung vor und nach 1815

Im ersten Jahrzehnt seines Bestehens blieb das K√∂nigreich Sachsen in die aus dem Mittelalter stammenden √Ąmter gegliedert, welche seit dem 16. Jahrhundert in sieben kurs√§chsische Kreise (Erzgebirge, Kur, Leipzig, Mei√üen, Neustadt an der Orla, Th√ľringen, Vogtland) zusammengefasst waren. Daneben bestanden in den Markgrafschaften Ober- und Niederlausitz eigene Verwaltungsstrukturen; ebenso waren die an Kursachsen gefallenen Stiftsgebiete (Mei√üen, Merseburg, Naumburg-Zeitz) und F√ľrstent√ľmer (Querfurt sowie die Harzgrafschaften Mansfeld und Stolberg) nicht ‚Äěeingekreist‚Äú. (vgl. Liste der Kreise und sonstigen Gebiete Kursachsens)

Mit der ‚ÄěGeneralinstruktion an die Kreis- und Amtshauptleute‚Äú vom 22. Juni 1816 wurde die administrative Neugliederung des inzwischen wesentlich verkleinerten K√∂nigreiches herbeigef√ľhrt. Aus den bei Sachsen verbliebenen Landesteilen wurden innerhalb der s√§chsischen Erblande elf gr√∂√üere Amtshauptmannschaften gebildet, die als Unterabteilungen direkt der Mei√üner, Erzgebirgischen oder Leipziger Kreishauptmannschaft unterstellt waren. Der kleine Vogtl√§ndische Kreis wurde nicht weiter in Amtshauptmannschaften unterteilt. Daneben bestanden in der Markgrafschaft Oberlausitz eigene Verwaltungsstrukturen fort: Unter der Oberamtsregierung zu Budissin (= Bautzen) gliederte sich die Landesverwaltung hier zum einen in die ‚ÄěVierst√§dte mit Dorfschaften‚Äú (der Begriff ‚ÄěVierst√§dte‚Äú bezieht sich auf die im s√§chsisch gebliebenen Teil der Oberlausitz gelegenen St√§dte des alten Oberlausitzer Sechsst√§dtebundes: Budissin, Kamenz, L√∂bau, Zittau), zum anderen in den (oberlausitzischen) Landkreis.

Verwaltungsgliederung seit 1835

1831 nach der Verabschiedung der S√§chsischen Verfassung und der dadurch gegebenen staatsrechtlichen Vereinheitlichung des K√∂nigreiches wurde auch eine administrative Neugliederung des Staatsgebietes erforderlich. Mit Verordnung vom 6. April 1835 wurden deshalb die in den alten Erblanden bestehenden Kreishauptmannschaften und in der Oberlausitz die Oberamtsregierung aufgehoben. Stattdessen wurden vier Kreisdirektionen errichtet, die ihren Sitz in Budissin/Bautzen, Dresden, Leipzig und Zwickau hatten. Die Kreisdirektion Dresden z√§hlte zun√§chst f√ľnf, ab 1838 vier Amtshauptmannschaften und umfasste haupts√§chlich den bisherigen Mei√ünischen Kreis, griff nun aber auch auf das Osterzgebirge aus. Die Kreisdirektion Zwickau wurde aus den vormaligen Kreisen Erzgebirge (einschlie√ülich Herrschaft Sch√∂nburg) und Vogtland gebildet und z√§hlte f√ľnf Amtshauptmannschaften. Die Kreisdirektion Leipzig z√§hlte zun√§chst drei, ab 1838 vier Amtshauptmannschaften und umfasste neben dem bisherigen Leipziger Kreis auch kleinere Gebiete des ehemals √∂stlich ansto√üenden Mei√ünischen Kreises. Die Kreisdirektion Budissin/Bautzen umfasste den oberlausitzischen Landesteil sowie im Westen einige zuletzt zum Mei√ünischen Kreis geh√∂rigen stiftsmei√ünischen Gebiete. Sie wurde erst 1838 in zwei Amtshauptmannschaften (Budissin/Bautzen, Zittau) untergliedert.

Seit 1838 bestanden

  1. die Kreisdirektion Dresden mit den Amtshauptmannschaften Dresden, Meißen, Pirna, Freiberg,
  2. die Kreisdirektion Leipzig mit den Amtshauptmannschaften Leipzig, Rochlitz, Grimma, Döbeln,
  3. die Kreisdirektion Zwickau mit den Amtshauptmannschaften Chemnitz, Zwickau, Forchheim (1871: Annaberg), Plauen/Vogtl., Herrschaft Schönburg,
  4. die Kreisdirektion Budissin (ab 1868: Bautzen) mit den Amtshauptmannschaften Budissin/Bautzen, Zittau.

Die Verwaltungsreform von 1873/74

Mit dem Organisationsgesetz vom 21. April 1873 wurde die Verwaltungsgliederung des K√∂nigreiches nochmals entscheidend umgestaltet. Die vier Kreisdirektionen wurden abgeschafft und stattdessen wieder Kreishauptmannschaften eingef√ľhrt. Gleichzeitig wurde die Zahl der Amtshauptmannschaften auf 25 erh√∂ht. Die drei gr√∂√üten St√§dte des K√∂nigreiches, Leipzig, Dresden und Chemnitz, wurden bezirksfrei und unterstanden damit direkt der jeweiligen Kreishauptmannschaft. (Der hierf√ľr heute gebr√§uchliche Terminus Stadtkreis stammt aus Preu√üen und wurde im K√∂nigreich Sachsen nicht verwendet.)

Die neu geschaffene Verwaltungsgliederung trat erst mit Wirkung zum 15. Oktober 1874 in Kraft. Ihre Bedeutung bestand auch darin, dass erst jetzt die volle Trennung zwischen Justiz und Verwaltung im K√∂nigreich erfolgte und die Amtshauptmannschaften dadurch echte Untere Verwaltungsbeh√∂rden wurden. 1878 wurde in der Kreishauptmannschaft Zwickau aus der Herrschaft Sch√∂nburg die Amtshauptmannschaft Glauchau gebildet. Die Amtshauptmannschaft Dresden wurde 1880 in die Amtshauptmannschaften Dresden-Altstadt und Dresden-Neustadt getrennt (1924 zur√ľckgenommen). Im Jahr 1900 wurde mit Chemnitz eine f√ľnfte Kreishauptmannschaft geschaffen, die aus der Kreishauptmannschaft Zwickau abgetrennt wurde. Bis 1918 erh√∂hte sich die Zahl der Amtshauptmannschaften und der bezirksfreien St√§dte weiter.

Königreich Sachsen 1895

Seit 1874 bestanden

Liste der Könige von Sachsen

  • 1806‚Äď1827 Friedrich August I. der Gerechte (* 1750, ‚Ć 1827), 1807‚Äď1815 zugleich Herzog von Warschau; zuvor seit 1763 (unter dem Namen Friedrich August III.) Kurf√ľrst von Sachsen und 1791 erw√§hlter K√∂nig von Polen
  • 1827‚Äď1836 Anton der G√ľtige (* 1755, ‚Ć 1836), Bruder des vorigen
  • 1836‚Äď1854 Friedrich August II. (* 1797, ‚Ć 1854), Neffe des vorigen
  • 1854‚Äď1873 Johann (* 1801, ‚Ć 1873), Bruder des vorigen
  • 1873‚Äď1902 Albert (* 1828, ‚Ć 1902), Sohn des vorigen
  • 1902‚Äď1904 Georg (* 1832, ‚Ć 1904), Bruder des vorigen
  • 1904‚Äď1918 Friedrich August III. (* 1865, ‚Ć 1932) (Abdankung), Sohn des vorigen

Siehe auch

Literatur

Staatshandb√ľcher
K√∂niglich-S√§chsischer Hof- und Staats-Calender, Leipzig 1807‚Äď1813; K√∂niglich-S√§chsischer Hof-, Civil- und Milit√§r-Staat, Leipzig 1819‚Äď1828; √úbersicht der k√∂nigl.-s√§chs. Hof-, Staats- und Militair-Beh√∂rden, Leipzig 1832; Staatshandbuch f√ľr das K√∂nigreich Sachsen, Dresden 1837‚Äď1914.
Ranglisten
Stamm- und Rang-Liste der K√∂nigl.-S√§chsischen Armee, Dresden 1807‚Äď1849; Rangliste der K√∂nigl.-S√§chsischen Armee, Dresden 1850‚Äď1914; Hof- und Milit√§r-Handbuch f√ľr Sachsen. XII und XIX. (1. und 2. K.S.) Armeekorps, Stuttgart 1900; Dienstalterslisten der aktiven Offiziere ‚Ķ der K√∂niglich S√§chsischen Armee 1918, Dresden 1918.

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