LBR

Republic of Liberia

Republik Liberia

Flagge Liberias
Flagge Wappen
Wahlspruch: “The love of liberty brought us here“

Deutsch: „Die Freiheitsliebe führte uns hierher.“

Amtssprache Englisch
Hauptstadt Monrovia
Staatsform Präsidialrepublik
Staatsoberhaupt und Regierungschef Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf
Fläche 111.370 km²
Einwohnerzahl 3.489.072 (Zensus 2008)
Bevölkerungsdichte 31,3 Einwohner pro km²
BIP nominal (2007)[1] 730 Mio. US$ (165.)
BIP/Einwohner 195 US$ (177.)
Währung Liberianischer Dollar
Unabhängigkeit am 26. Juli 1847
Nationalhymne All Hail, Liberia Hail
Zeitzone UTC
Kfz-Kennzeichen LB
Internet-TLD .lr
Telefonvorwahl +231

Die Republik Liberia (dt.: [liˈbeːri̯a], auch Liberien; engl.: [laɪˈbɪəɹɪə]) ist ein Staat in Westafrika und grenzt an die Elfenbeinküste, Guinea, Sierra Leone sowie an den Atlantik. Liberia war zunächst ein Projekt zur Ansiedlung ehemaliger afroamerikanischer Sklaven aus den Vereinigten Staaten und einer der ersten unabhängigen Staaten auf dem afrikanischen Kontinent. Konflikte zwischen den Nachkommen ehemaliger afroamerikanischer Sklaven und länger ansässiger Ethnien prägen das Land bis heute. Nach mehr als zehn Jahren Bürgerkrieg fanden im November 2005 Wahlen statt.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Nachbarländer sind Elfenbeinküste, Guinea und Sierra Leone. Liberia liegt im Südwesten Westafrikas an der Atlantikküste. Es liegt hauptsächlich in der tropischen Regenwaldzone, die zum größten Teil gerodet wurde. Das Innere Liberias besteht größtenteils aus Bergland. Die höchste Erhebung ist der Mount Wuteve (1.440 m) im Norden des Landes.

Bevölkerung

Nach den vorläufigen Ergebnissen der Volkszählung im Jahr 2008 leben 3.489.072 Menschen in Liberia. Die Bevölkerungswachstumsrate beträgt 2,1 Prozent pro Jahr.[2]

Ethnien

Es existiert eine von Afro-Amerikanern abstammende Bevölkerungsschicht, die Kreolen oder Amerikoliberianer genannt werden. Sie machen jedoch nur 2-5 % der Bevölkerung Liberias aus und sind größtenteils Christen. Die Bevölkerungsmehrheit bilden die zusammen rund 20 Hauptethnien: circa 17% Kpelle, 14 % Bassa, 9 % Grebo, 9 % Gio, 8 % Mano, 7 % Vai, 4 % Gola, Loma, Bela, Krahn, Kissi, Kru und Malinke (Mandingo). Zudem leben circa 8.000 Libanesen in Liberia.

Sprachen

Mande wird im Westen und Norden des Landes gesprochen und Kru im Osten und Süden. Englisch ist die Muttersprache von 2,5 % der Bevölkerung, die als Nachfahren der aus den USA rückgesiedelten, befreiten Sklaven gelten. Sonst wird Englisch als Verwaltungssprache genutzt. Weitere Sprachen in Liberia sind Gola, Kpelle und andere.

Religion

Die Angaben über die religiöse Zugehörigkeit der Liberianer schwanken teilweise stark. Die folgende Übersicht sind Angaben des Auswärtigen Amtes in Deutschland:[3]

In Kernzonen der Küste ist die Bevölkerung vorwiegend christlich (rund 40 % landesweit, viele protestantische Gemeinschaften), sonst überwiegend Animisten und mindestens 20 % Muslime.

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Liberias

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erreichten Portugiesen die Küste des heutigen Liberia, erkundeten das Land jedoch nicht weiter. Im Jahr 1822 kaufte die American Colonization Society, eine Gesellschaft von weißen US-amerikanischen Abolitionisten, den Küstenstreifen, um dort freigelassene ehemalige Sklaven anzusiedeln und gleichzeitig selbst Kolonialherren zu werden. Zu Beginn des amerikanischen Bürgerkrieges lebten dort rund 12.000 Afroamerikaner. Die daraus entstandene Herrschaft einer schwarzen Elite wurde erst im April 1980 durch einen Putsch durch Samuel K. Doe gebrochen. Am 22. April wurden dreizehn Vertreter der früheren Regierung, darunter mehrere Minister und der ältere Bruder des abgesetzten Präsidenten William R. Tolbert, erschossen.

Doe wurde 1989 abgesetzt, gefoltert und getötet. Danach herrschte 14 Jahre lang Bürgerkrieg. Nachdem der Waffenstillstand der Bürgerkriegsparteien 2003 besiegelt war, verließ Präsident Taylor das Land. Seit dem 16. Januar 2006 ist Ellen Johnson-Sirleaf gewählte Präsidentin Liberias.

International wurden ca. 420 Millionen Euro als Entwicklungshilfe bereitgestellt und Liberia ist in viele multinationale Gemeinschaften eingebunden. Während des Bürgerkriegs sank das Pro-Kopf-Einkommen unter 125 Euro; die Arbeitslosigkeit liegt bei 85 %.

Politik

Die seit 1847 bestehende Republik Liberia ist der zweitälteste unabhängige Staat Afrikas. 1984 wurde eine neue Verfassung durch Volksabstimmung angenommen, die sich wie die vorhergehende, eng an das US-amerikanische Modell anlehnt. Sie definiert Liberia als präsidiale Republik.

Die Legislative liegt beim Parlament, das aus zwei Kammern besteht: Dem Senat mit 30 und dem Repräsentantenhaus mit 64 gewählten Abgeordneten.

Regierung

Der für sechs Jahre gewählte Präsident ist danach zugleich Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte.

Aus den Präsidentschaftswahlen vom November 2005 ging Ellen Johnson-Sirleaf (Unity Party) mit ca. 59,4% der Stimmen als Siegerin hervor. Damit setzte sie sich gegen 22 Kandidaten durch, unter denen George Weah (Congress for Democratic Change) derjenige war, der mit ihr gemeinsam die Stichwahl erreichte, dort aber unterlag. Sie ist die erste Frau, die durch eine Wahl das Amt eines Staatsoberhauptes in Afrika erlangte.

Parteien

Im liberianischen Parlament sind der Congress for Democratic Change (15 Sitze im Repräsentantenhaus, 3 im Senat), die Liberty Party (9/3), die Coalition for the Transformation of Liberia (darunter True Whig Party, Liberia Unification Party und Liberia Action Party, 8/7), die Unity Party (8/3) und die Alliance for Peace and Democracy (Liberian People's Party/United People's Party; 5/3) und die National Patriotic Party (4/4) die Parteien mit den meisten Abgeordneten nach den Wahlen 2005. Die True Whig Party führte bis 1978 eine faktische Alleinherrschaft der Americo-Liberianer.

Die wichtigste Gewerkschaft des Landes ist die Liberian Federation of Labour Unions.

Verwaltungsgliederung

Liberia gliedert sich in 15 Regionen (Countys). Diese sind (in Klammern jeweils die Hauptstadt):

  1. Bomi (Tubmanburg)
  2. Bong (Gbarnga)
  3. Gbarpolu (Bopolu)
  4. Grand Bassa (Buchanan)
  5. Grand Cape Mount (Robertsport)
  6. Grand Gedeh (Zwedru)
  7. Grand Kru (Barclayville)
  8. Lofa (Voinjama)
  9. Margibi (Kakata)
  10. Maryland (Harper)
  11. Montserrado (Bensonville)
  12. Nimba (Sanniquellie)
  13. River Cess (River Cess)
  14. River Gee (Fish Town)
  15. Sinoe (Greenville).

Städte

Die größten Städte sind (Stand 2008): Monrovia 1.010.970 Einwohner, Ganta 41.106 Einwohner, Gbarnga 45.835 Einwohner, Buchanan 34.270 Einwohner, Zwedru 23.903 Einwohner und Harper 17.837 Einwohner.

Wirtschaft

Die Wirtschaft von Liberia ist durch große Gegensätze gekennzeichnet. Das liegt einerseits am Klima des Landes und andererseits an der unterschiedlichen Bodenbeschaffenheit.

Währung

Gesetzliches Zahlungsmittel sind US-Dollarnoten und liberianischer Dollar. Liberianische Dollar gibt es in einer Stückelung bis zu einer Größe von 100 Lib.-Dollar. (Z. Zt. 1 USD = ca. 55 Lib.-Dollar.) Das BIP pro Kopf liegt, laut einer IWF-Schätzung für 2005, bei ca. 166 USD.

Landwirtschaft

Etwas mehr als 70 Prozent der Liberianer leben von der Landwirtschaft, die zur Selbstversorgung betrieben wird. Meist arbeitet man im Brandrodungsbau, der nicht nur zur Auslaugung der Böden und zur Vernichtung wertvoller Waldbestände beiträgt, gleichzeitig aber auch nicht geeignet ist, eine Marktproduktion zu errichten, d.h. eine Produktion, die über die Selbstversorgung hinausgeht. Die Hauptnahrungsmittel sind Reis, Maniok, Bananen und Süßkartoffel.

Auf den Kautschukplantagen dagegen werden hohe Überschüsse produziert.

Bergbau

Vor dem Bürgerkrieg stützte sich die Wirtschaft zu einem großen Teil auf die Förderung von Eisenerz. Mit Investitionen im Wert von 1 Mrd. US-Dollar des Stahlkonzerns Arcelor Mittal soll die Eisenerzindustrie nun wieder revitalisiert werden. Es werden direkt 3.500 und indirekt 15.000–20.000 neue Arbeitsplätze geschaffen, sobald die Produktion hochgefahren werden kann.[4]

Außenhandel

Exportgüter sind Gummi, Holz, Eisen, Diamanten, Kakao, Kaffee, Kautschuk und Ananas. Nach dem Eisenerz ist Kautschuk das zweitwichtigste Exportgut des Landes. Die Präsidentin Johnson-Sirleaf erwartet von dem Abkommen mit Arcelor Mittal eine Signalwirkung für weitere ausländische Investitionen in die liberianische Wirtschaft. Aber auch die Abhängigkeit von ausländischen Kapitalgebern trägt zu den Problemen des Landes bei.

Staatsausgaben

Zwischen 1992 und 2000 lag der Anteil der Staatsausgaben für

Infrastruktur

Straße von Monrovia nach Lofa County

Schifffahrt und Luftfahrt

Viele Schifffahrtsgesellschaften fahren unter liberischer Flagge, was vor allem an den niedrigen Kosten (keine Steuern über die Gebühren für die Registrierung hinaus) und der Verschwiegenheit der Behörden liegt. Dadurch hat Liberia, an Bruttoregistertonnen gemessen, die zweitgrößte Flotte der Welt. Die liberianische Flagge ist inzwischen zudem eine der sicheren, in den maßgeblichen Ranglisten der Hafenstaatenkontrollen (U.S. Coast Guard, Paris MOU, Tokyo MOU) nimmt die Flotte Liberias seit längerem einen Spitzenplatz ein.

Der Sitz des Registers ist New York.

Im Gegensatz dazu gehören die liberianischen Fluggesellschaften zu den unsichersten der Welt. Liberia ist eines von nur sechs Ländern weltweit, aus denen kein einziges Luftfahrtunternehmen den Luftraum der EU benutzen darf oder gar innerhalb der EU landen darf. [5]

Es existieren zwei größere Flughäfen in Liberia, der Roberts International Airport und der kleinere Spriggs Payne Airport. Beide haben eine Asphaltpiste. Weiterhin gibt es 51 unbefestigte Flugplätze, von denen keiner eine Länge von mehr als 2.500 Metern hat.

Bis 1997 befand sich in Liberia eine wichtige Anlage zur globalen Funknavigation, deren heute noch vorhandener Sendemast das höchste Bauwerk in Afrika bildet.

Energie

Im Jahr 2005 wurden 320 Millionen kWh elektrische Energie erzeugt, was weniger als der Hälfte der Energieproduktion von vor 20 Jahren entspricht. Die Energie stammt zur Gänze aus Wärmekraftwerken[6]. Die Infrastruktur wurde während des Bürgerkrieges beschädigt und der Neubau verzögert. Die liberianische Regierung sucht momentan Möglichkeiten, die Infrastruktur mit Hilfe der internationalen Gemeinschaft wieder aufzubauen[7].

Kultur

Tänzerin in Liberia

Nationalfeiertag ist der 26. Juli, der Unabhängigkeitstag.

Medien:

  • Zeitungen: Patriot, New Liberia (pro Regierung), Inquirer, News, Democrat (Opposition)
  • Hörfunk: ELBC (staatlich), Star Radio (internat.), Radio Veritas (kath. Kirche), DC 101,1 (privat)
  • Fernsehen: DC TV (privat)
  • Journalistenverband: Press Union of Liberia (PUL)

Quellen

  1. International Monetary Fund, World Economic Outlook Database, April 2008
  2. Vorläufige Ergebnisse der Volkszählung aus dem Jahr 2008
  3. Länderinformationen des Auswärtigen Amtes zu Liberia
  4. http://allafrica.com/stories/200612121212.html
  5. http://ec.europa.eu/transport/air-ban/pdf/list_de.pdf
  6. Energy Information Administration abgerufen am 25. Oktober 2008
  7. Edgard Gnansounou: Boosting the Electricity Sector in West Africa: An Integrative Vision. In: IAEE Energy Forum, Vol. 17, Third Quarter, pp. 23-29, 2008. Download

Literatur

  • Werner Korte: Prozesse des Staatszerfalls in Liberia. In: WeltTrends. Zeitschrift für internationale Politik und vergleichende Studien. 14 (1997), S. 55-80 (Volltext)
  • Werner Korte: Liberia. A bibliography (1988-1998) with special references to the civil war. Institut für Afrikanistik, Leipzig 1999, ISBN 3-932632-33-8 (Bibliographie)
  • Ruedi Kuster: Afrika - Liberia. Ein Land zwischen Bangen und Hoffen. Portmann, Erlenbach 2006, ISBN 3-9523107-4-3
  • Willi Schulze: Liberia. Länderkundliche Dominanten und regionale Strukturen. (= Wissenschaftliche Länderkunden; Bd. 7). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1973, ISBN 3-534-05821-6
  • Gerold Schmidt: The New Constitutional Developments in the Republic of Liberia, in: Verfassung und Recht in Übersee, Hamburg / Baden-Baden, 14. Jahrg., 3. Heft, 1981, S. 243-268.
  • Gerold Schmidt: Das Staatskirchenrecht der neuen Verfassung der Republik Liberia, in: Jahrbuch des öffentlichen Rechts der Gegenwart, Tübingen, Neue Folge / Band 35, 1986, S. 643-683 (Textanhang: Constitution of the Republic of Liberia (1983), S. 663-683)
  • Gerold Schmidt: Tropenschicksale - Deutsche in Liberia/Westafrika auf dem Friedhof von Monrovia, in: Zeitschrift für Kulturaustausch, Stuttgart, 33. Jahrg., Heft 2, S. 240-247

Weblinks

6.5333333333333-9.757Koordinaten: 7° N, 10° W


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