Landkreis St. Wendel


Landkreis St. Wendel
Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Landkreises St. Wendel Deutschlandkarte, Position des Landkreises St. Wendel hervorgehoben
49.527.1
Basisdaten
Bundesland: Saarland
Verwaltungssitz: St. Wendel
Fläche: 476,14 km²
Einwohner:

90.596 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 190 Einwohner je km²
Kfz-Kennzeichen: WND
Kreisschlüssel: 10 0 46
Kreisgliederung: 8 Gemeinden
Adresse der
Kreisverwaltung:
Mommstraße 21-31
66606 St. Wendel
Webpräsenz: www.landkreis-st-wendel.de
Landrat: Udo Recktenwald (CDU)
Lage des Landkreises St. Wendel im Saarland
Landkreis Saarlouis Saarpfalz-Kreis Landkreis St. Wendel Landkreis Neunkirchen Regionalverband Saarbrücken Landkreis Merzig-Wadern Rheinland-Pfalz Luxemburg FrankreichKarte
Über dieses Bild

Der Landkreis St. Wendel ist ein Landkreis im Saarland. Er grenzt im Norden an den Landkreis Trier-Saarburg und an den Landkreis Birkenfeld, im Osten an den Landkreis Kusel (alle in Rheinland-Pfalz), im Süden an den Landkreis Neunkirchen, im Südwesten an den Landkreis Saarlouis und im Westen an den Landkreis Merzig-Wadern.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Der größte Teil des Landkreises gehört zum Nahebergland, der Norden hat noch Anteil an den Ausläufern des Hunsrück.

Geschichte

Das Gebiet des Landkreises Sankt Wendel gehörte bis zum Ende des 18. Jahrhunderts zu verschiedenen Herrschaften (Kurtrier, Nassau-Saarbrücken, Pfalz-Zweibrücken, Lothringen). Infolge des Wiener Kongresses 1815 errichtete 1816 Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg-Saalfeld das Fürstentum Lichtenberg,[2] das er 1834 an Preußen verkaufte. Dieses bildete hieraus den Landkreis Sankt Wendel innerhalb des Regierungsbezirk Trier in der Rheinprovinz.

Zu einer Änderung der territorialen Verhältnisse kam es, als infolge des Inkrafttretens des Versailler Vertrags das Saargebiet einer besonderen Verwaltung des Völkerbundes unterstellt wurde. Zum Saargebiet gehörte nur der südwestliche Teil des damaligen Landkreises St. Wendel (Freisen, St. Wendel, Oberthal, Tholey, Marpingen, Ostertal ohne Schwarzerden). Die außerhalb des Saargebiets gelegenen Teile, das Gebiet zwischen Glan und Nahe, das etwa zwei Drittel des Kreisgebietes ausmachte, bildete nunmehr den Restkreis St. Wendel-Baumholder mit Verwaltungssitz Baumholder. Nachdem die Völkerbundsverwaltung am 1. März 1935 endete, wurden die alten territorialen Verhältnisse zunächst nicht wiederhergestellt. Das "Saarland", so lautete jetzt die amtliche Bezeichnung des Gebiets, kam unter unmittelbare Reichsverwaltung. Der Restkreis wurde am 1. April 1937 in den Landkreis Birkenfeld umgegliedert.

Der 1947 gebildete autonome Saarstaat war räumlich größer, als das Gebiet der Völkerbundsverwaltung (1920–1935). Auch die bayerisch-pfälzischen Orte Osterbrücken, Hoof, Niederkirchen, Marth, Saal und Bubach (heute alle Stadtteile St. Wendels) aus dem Landkreis Kusel wurden in das neue Saarland und den Landkreis St. Wendel eingegliedert. Gleichfalls wurden die vormals oldenburgisch-birkenfeldischen Orte um Namborn, Nohfelden, Haupersweiler und Wolfersweiler sowie das ehemals trierische Nonnweiler dem Kreis St. Wendel angegliedert.

Weitere Änderungen folgten etwa bei der Gebiets- und Kreisreform des Saarlandes 1974. Zuletzt wurde das Kreisgebiet 2003 durch einen Staatsvertrag zwischen dem Saarland und Rheinland-Pfalz geändert. Eine zum saarländischen Haupersweiler (Gemeinde Freisen) gehörende Straße, die etwa einen Kilometer vom Dorf entfernt lag und geographisch unmittelbar an das Ortsgebiet von Herchweiler (Verbandsgemeinde Kusel) grenzt, wurde an das Land Rheinland-Pfalz abgetreten.

Nach Abschluss der Gemeindereform umfasst der Landkreis Sankt Wendel jetzt noch acht Gemeinden, darunter die Kreisstadt Sankt Wendel, welche gleichzeitig die einzige Stadt des Kreises ist; kleinste Gemeinde ist Oberthal.

Religion

Die katholischen Gemeinden des Landkreises gehören zu den Diözesen Trier und Speyer. Versuche, in den Jahren des autonomen Saarstaates (1947–1956) auch ein eigenständiges Saarbistum zu bilden (als dessen Sitz durchaus St. Wendel in Betracht gekommen wäre) scheiterten.

Die evangelische Bevölkerung des Landkreises gehörte seit 1826 zur Rheinprovinz mit dem Konsistorium in Koblenz in der Evangelischen Kirche in Preußen (EKiP). Nach Auflösung des Staates Preußen wurde diese Kirchenprovinz am 12. November 1948 selbständig und bildet seither die Evangelische Kirche im Rheinland; zur rheinischen Kirche gehören die meisten evangelischen Gemeinden im Landkreis. Die Kirchengemeinden Hoof und Niederkirchen gehören zum Dekanat Kusel in der Evangelischen Kirche der Pfalz.

Wirtschaft und Infrastruktur

In der Studie, die vom Deutschen Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung am 26. Januar 2005 in Berlin veröffentlicht wurde und sich auf die Kaufkraftattraktivität bezieht, landete der Landkreis St. Wendel auf Platz fünf unter allen 439 deutschen Landkreisen und kreisfreien Städten. Nur die Großstädte München, Hamburg und Berlin sowie der Landkreis Starnberg – bekannt als „Insel der Wohlhabenden“ – sind vor dem Kreis St. Wendel platziert.

Grundlage der Studie sind die Angaben, welche die Statistischen Landesämter liefern. Dabei ist auffallend, dass der Landkreis St. Wendel gerade beim verfügbaren Einkommen, also der Kaufkraft, bundesweit Spitzenplätze erreicht. Hier liegt der Kreis auf Platz 15, beim Wachstum der Kaufkraft sogar bundesweit auf Platz eins. Zusammen mit anderen Indikatoren ergibt sich am Ende dieser Platz fünf.

Arbeitsmarkt

Der Landkreis St. Wendel hat seit dem 1. Januar 2005 im Rahmen des sog. Optionsmodells als einziger Landkreis im Saarland die Verantwortung für die Betreuung der Langzeitarbeitslosen übernommen. Organisatorisch ist diese Aufgabe in der Kommunalen Arbeitsförderung angesiedelt. Der Kreis hat seit Jahren die mit Abstand niedrigste Arbeitslosenquote im Saarland, nicht zuletzt dank der langjährigen Aktivitäten der Wirtschaftsförderung (www.wifoe-gmbh.de). Aktuell liegt die Arbeitslosenquote trotz Wirtschaftskrise bei 4,9 % (April 2009). Der Landesdurchschnitt im Saarland dagegen liegt bei 8,0 %. Einen besonderen Schwerpunkt setzt der Landkreis bei der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit. Mit dem präventiv angelegten System der Jugendberufshilfe wird versucht, Jugendliche mit schulischen und/oder persönlichen Problemen frühzeitig zu stabilisieren und ihnen einen Schulabschluss sowie eine Ausbildungsstelle zu ermöglichen. Das Projekt wurde 2007 von der Bertelsmann-Stiftung als eines von fünf auf Bundesebene besonders erfolgreichen Modellprojekten hervorgehoben. Im März 2009 lag die Arbeitslosenquote der unter 25-Jährigen im Verantwortungsbereich des Kreises bei 0,3 %, womit St. Wendel auf Rang 5 aller 419 Kreis und kreisfreien Städte rangiert.

Tourismus

Die Entwicklung einer touristischen Infrastruktur wurde bereits in den 1960er Jahren angegangen. Eine der grundlegenden Maßnahmen dabei war die Schaffung eines touristisch nutzbaren künstlichen Stausees (120 ha Wasserfläche), des Bostalsees, der unter dem damaligen Landrat Werner Zeyer (später: Ministerpräsident des Saarlandes) konzipiert und 1979 in Betrieb genommen wurde. Der See ist umgeben von einem 7 km langen Wander- und Fahrradweg, er kann zum Schwimmen, Segeln, Surfen und Tretbootfahren genutzt werden. Ein Strandbad und ein Campingplatz runden das Angebot ab.

Weitere touristische Angebote: Sommer-Rodelbahn im See nahen Braunshausen, der keltische Ringwall von Otzenhausen (La-Tène-Zeit), im Volksmund "Hunnenring" genannt, keltisch-römische Ausgrabungen im Varuswald bei Tholey, Nostalgie-Fahrten mit alten Eisenbahnzügen und Triebwägen auf der stillgelegten Ostertal-Trasse, Golfen auf dem 27-Loch-Platz nahe der Kreisstadt St. Wendel und auf dem Golfplatz Heidehof bei Nohfelden-Eisen, ein dichtes Netz von bestens erschlossenen Wander- und Radwanderwegen, Straße der Skulpturen (St. Wendel) ("Bildhauersymposium"), Völkerkundliches Museum der Steyler Missionare in St. Wendel, historische Pilgerstätte am Grab des Heiligen Wendelin in der Wendalinusbasilika (Basilika minor) (St. Wendel).

Verkehr

Das Kreisgebiet wird von der Bundesautobahn 1 SaarbrückenTrier und von der A 62 PirmasensNonnweiler, die im Autobahndreieck Nonnweiler zusammentreffen, berührt. Ferner wird der Landkreis durch Bundes- und Landesstraßen erschlossen. Die wichtigsten Bundesstraßen sind die B 41 NeunkirchenBirkenfeld und die B 269 Sankt WendelSaarlouis.

Die Eisenbahn erschließt den Landkreis über die Nahetalbahn (KBS 680).

Die wichtigsten Bahnhöfe im Kreisgebiet sind St. Wendel und Türkismühle, wo auch Regional-Express-Züge halten.

Des Weiteren existieren zwei Museumseisenbahnstrecken, die Ostertalbahn (KBS 12683) sowie die Hochwaldbahn (Türkismühle–Hermeskeil). Die Bahnstrecke Türkismühle–Freisen (Teil der Westrichbahn) existiert ebenfalls noch teilweise, jedoch fahren darauf keine fahrplanmäßigen Züge.

Politik

Kreistag

Kommunalwahl im Landkreis St. Wendel 2009
 %
70
60
50
40
30
20
10
0
51,6%
31,6%
8,9%
4,1%
3,9%
Gewinne und Verluste
Im Vergleich zu 2004
 %p
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-9,4%
-0,6%
+8,9%
+0,2%
+1,0%
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Bei der Kommunalwahl am 7. Juni 2009 ergab sich folgendes Ergebnis:

Der Landkreis ist im Saarland als Hochburg der CDU bekannt.

Landräte

Diese waren:[3]

  • 1835 – 1848: Theodor Erasmus Engelmann
  • 1848000000: Eduard Otto Spangenberg (kommissarisch)
  • 1848 – 1885: Karl Herrmann Rumschöttel
  • 1885 – 1900: Alwin von Hagen
  • 1900 – 1906: Johann Wilhelm Momm
  • 1906 – 1917: Otto von Aschoff
  • 1917 – 1919: Herrmann Sommer
  • 1919 – 1929: Karl Alfred Friedrich
  • 1929 – 1935: Franz Schmitt
  • 1935 – 1942: Leonhard Lorscheider
  • 1942 – 1945: Rech
  • 1945 – 1946: Franz Heinrich Strauß
  • 1946 – 1961: Paul Schütz
  • 1961 – 1973: Werner Zeyer, CDU, (später: Ministerpräsident des Saarlandes)
  • 1974 – 1992: Waldemar Marner, CDU
  • 1992 – 2007: Franz Josef Schumann, CDU
  • 2008 – 0000: Udo Recktenwald, CDU

Bei der Direktwahl des Landrates 2007 ergab sich folgendes Ergebnis:

Kandidat Partei Wahlergebnis
Udo Recktenwald CDU 52,4 %
Magnus Jung SPD 38,6 %
Kristin Günther Bündnis 90/Die Grünen 9,0 %

Landräte des Restkreises St. Wendel-Baumholder

  • 1920000000: Franz Marzen (vertretungsweise)
  • 1920000000: Maximilian Freiherr von Mirbach
  • 1920 – 1933: Otto Hoevermann
  • 1933 – 1936: Karl Burghof
  • 1936 – 1937: Leonhard Lorscheider

Wappen

Das Schild ist in Silber und Blau geteilt. Darin befindet sich ein rotbezungter und rotbewehrter Löwe mit gewechselten Farben, belegt mit einem goldenen Herzschild. In diesem befindet sich wiederum eine rote heraldische Lilie.

Städte und Gemeinden

(Einwohnerzahlen am 31. Dezember 2010[4])

Nonnweiler Nohfelden Freisen Tholey Oberthal (Saar) Marpingen Namborn St. Wendel Rheinland-Pfalz Landkreis Merzig-Wadern Landkreis Saarlouis Landkreis NeunkirchenMunicipalities in WND.svg
Über dieses Bild

Städte

  1. St. Wendel (26.208)

Gemeinden

  1. Freisen (8336)
  2. Marpingen (10.770)
  3. Namborn (7295)
  4. Nohfelden (10.137)
  5. Nonnweiler (8901)
  6. Oberthal (6217)
  7. Tholey (12.732)

Literatur

  • Johann Engel, Hans Klaus Schmitt: Der Landkreis St. Wendel. Vergangenheit und Gegenwart. Hrsg. vom Landkreis St. Wendel. St. Wendel 1968.
  • Eberhard Wagner: Marpingen und der Kreis St. Wendel unter dem Hakenkreuz. Ein alternatives Heimatbuch. Röhrig Universitätsverlag, St. Ingbert/Saar 2008, ISBN 978-3-86110-446-9.

Weblinks

 Commons: Landkreis St. Wendel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Saarland.de – Fläche, Bevölkerung in den Gemeinden am 31.12.2010 nach Geschlecht, Einwohner je km² und Anteil an der Gesamtbevölkerung (PDF) (Hilfe dazu)
  2. Friedrich August Lottner: Sammlung der für das Fürstenthum Lichtenberg vom Jahre 1816 bis 1834 ergangenen herzoglich Sachsen-Coburg-Gothaischen Verordnungen, Sander, 1836, S. 1 (Online-Ausgabe bei Google Books)
  3. offizielle Seite der „Saarländischen Biografien“
  4. Saarland.de – Fläche, Bevölkerung in den Gemeinden am 31.12.2010 nach Geschlecht, Einwohner je km² und Anteil an der Gesamtbevölkerung (PDF)

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