Landschaftsmaler

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Landschaftsmaler
Albrecht Altdorfer: Donaulandschaft mit Schloss Wörth (um 1522)

Die Landschaftsmalerei ist neben dem Historienbild, dem Porträt, dem Genrebild und dem Stillleben eine Gattung der gegenständlichen Malerei.

Inhaltsverzeichnis

√úberblick

Landschaftsmaler im Schlosspark Charlottenburg, Berlin

Die Landschaftsmalerei umfasst die Darstellung von Ausschnitten aus dem von der Natur als auch von Menschenhand bestimmten Raum. Bildgegenstand k√∂nnen konkrete und idealisierte nat√ľrliche Landschaften, St√§dte und Architekturen (s. Vedute), Fabriklandschaften, Seest√ľcke und Parklandschaften sein. Zeugnisse f√ľr die Darstellung landschaftlicher Motive in der Malerei gibt es im alten √Ągypten, in Mesopotamien und in Europa seit der griechischen Antike. Die letzteren sind allerdings nur durch schriftliche Quellen √ľberliefert.

Die Landschaftsmalerei ist ein bedeutender Zweig der bildenden Kunst Chinas und Japans, w√§hrend die vorkolumbianischen Kulturen S√ľdamerikas keine Landschaftsmalerei kennen. In der islamischen Kunst gibt es Landschaftsmalerei im Rahmen der hochentwickelten Buchmalerei Persiens und Indiens (s.Mogulkunst).

Der Begriff Landschaft

Das Wort Landschaft hat seine Wurzel im Althochdeutschen. Seit dem 12. Jahrhundert ist es der Begriff f√ľr die Gesamtheit der Bewohner eines Landes, der sp√§ter auf die st√§ndische Versammlung eines Landes ausgedehnt wurde (vergl. Landschaftsverband). Erst seit dem sp√§ten Mittelalter wurde der Begriff auf eine noch heute √ľbliche rein geographische Bedeutung eingeengt. In der Malerei der Renaissance b√ľrgerte sich der Begriff Landschaft als Bezeichnung f√ľr die Darstellung eines Ausschnitts aus einem Naturraum ein. Schon im Laufe des 16. Jahrhunderts wurde er im gleichen Zusammenhang als landscape im Englischen und landshap im Niederl√§ndischen benutzt. Im romanischen Sprachraum entstand zur gleichen Zeit und mit der gleichen Bedeutung das franz√∂sische paysage und das spanische paisaje, w√§hrend im Italienischen das Wort paese sowohl f√ľr eine reale als auch f√ľr eine im Bild dargestellte Landschaft benutzt wurde. Das Wort paesaggio, das heute im Italienischen ein Landschaftsbild bezeichnet, setzte sich erst allm√§hlich durch.

Antike

Griechenland

Von der griechischen Tafel- und Freskomalerei ist so gut wie nichts erhalten. Kenntnisse davon haben wir durch griechische Autoren wie Pausanias und vor allem durch r√∂mische Kommentare zu diesen und zu verlorenen Schriften. Fr√ľhe Zeugnisse von Landschaftsdarstellung stammen aus dem Bereich der kretisch-mykenischen Kultur. Erhalten sind Bruchteile von Fresken, auf denen neben pflanzlichen und Tiermotiven Andeutungen von Gel√§ndelinien und architektonisch gegliederten R√§umen zu erkennen sind. Landschaften wurden im Zusammenhang mit mythologischen und historischen Themen angedeutet. Pausanias berichtet von Tafel- und Wandbildern, bei denen die Maler Landschaften mit Hilfe der Linearperspektive und der Schattenmalerei darstellten. Der bekannteste unter den Malern dieser Zeit (480‚Äď460 v. Chr.) war Polygnot von Thasos, dessen Bilder sich in der Stoa Poikile von Athen und in Delphi befanden. Aus dem 5. Jahrhundert vor Christus sind Wandfresken aus dem Grab des Tauchers bei Paestum (Poseidonia) in S√ľditalien erhalten, auf denen B√§ume, Architektur und Gel√§ndelinien dargestellt sind. Von Zeuxis von Herakleia, dem Sch√ľler Apollodors ist √ľberliefert, dass er sich mit der Darstellung von Licht und Schatten als Mittel zur Erzeugung der Illusion von Raumtiefe auseinandergesetzt hat und dass er Idyllen gemalt hat.

Das antike Theater verwendete in der Skenographie auswechselbare Stellw√§nde am B√ľhnengeb√§ude und am Proszenium. Diese waren jeweils mit Motiven gemalt, die zu den drei Gattungen des griechischen Dramas passten. Trag√∂die und Kom√∂die wurden vor einem architektonischen Hintergrund gespielt, w√§hrend das Satyrspiel im Wald oder im Garten stattfand. Laut Vitruv wurden auf den B√ľhnenbildern des Satyrspiels B√§ume, Berge, Grotten und andere Gegenst√§nde gezeigt, wie man sie auf dem Lande antrifft. Der erste, der versuchte, in der B√ľhnenmalerei eine Raumillusion durch perspektivische Verk√ľrzungen herzustellen, war Agatharch von Samos.

Rom

Villa von Boscotrecase, Pompeji

In Rom wurde das Prinzip der griechischen B√ľhnendekoration f√ľr das r√∂mische Theater √ľbernommen. Diese griechische B√ľhnenmalerei beeinflusste ihrerseits die Kunst der Freskomalerei in Rom, wie sie in den Villen in Pompeji oder Herculaneum erhalten ist. Die in Griechenland verfolgte Tendenz einer r√§umlichen Erfassung von Landschaft wurde jedoch nicht weitergef√ľhrt. Beim √úbergang sp√§tr√∂mischer Kunst zur fr√ľhchristlichen spielten Plastizit√§t der Figuren und Raumillusion nur mehr eine untergeordnete Rolle.

Mittelalter

Von einer Landschaftsmalerei im engeren Sinn kann man bis zum Beginn des ausgehenden Mittelalters nicht sprechen. Andeutungen von Geländeformationen oder Architekturen im Bild dienen zur Lokalisierung der dargestellten Szenen oder sind Bedeutungsträger im Rahmen des Gesamtkonzepts eines Bildes und nicht Darstellung eines idealen oder konkreten geographischen Raums.

Taufe Christi im Jordan, aus dem St. Ethelwold Gebetbuch, 10. Jahrhundert

Eine Wellenlinie deutet bei der Taufe Christi den Fluss Jordan an, eine Gel√§ndelinie mit B√§umen und Blumen kann als Zeichen f√ľr das Paradies, eine befestigte Stadt als Hinweis auf das Himmlische Jerusalem gelesen werden.

Mit dem ausgehenden Mittelalter √§nderte sich die Ansicht des Menschen √ľber die Natur. In der Malerei trat an die Stelle einer durch Verk√ľrzungen auf das Typische zielenden Darstellungsweise das Bem√ľhen, Dinge der Natur m√∂glichst genau in ihrer Individualit√§t zu erfassen und bildlich darzustellen. Die Maler orientierten sich nicht mehr an den √ľber Generationen √ľberlieferten Musterb√ľchern, sie versuchten vielmehr die Wirklichkeit ihrer Zeit und ihrer Welt durch genaue Beobachtung einzufangen Das betrifft nicht nur die neue Sicht auf den Menschen sondern ebenso einen neuen - √§sthetischen - Blick auf die Landschaft.

Als exemplarisch f√ľr die Entstehung dieser neuen Perspektive gelten Petrarcas ber√ľhmte Besteigung des Mont Ventoux am 6. April 1336 und die ungef√§hr zur gleichen Zeit von Lorenzetti begonnenen Fresken f√ľr den Palazzo Pubblico in Siena. Petrarca zeigte sich bei Erreichen des Gipfels √ľberw√§ltigt von der Sch√∂nheit der Welt, die sich vor ihm ausbreitet. Er findet am ‚ÄěIrdischen Geschmack‚Äú [1] gefallen. In diesem Augenblick wird die Welt nicht mehr als eine feindliche und f√ľr den Menschen verderbliche gesehen, die nur Durchgangsstation in eine jenseitige Welt ist, sondern als eine in ihrer Sch√∂nheit und Gro√üartigkeit zu bestaunende.

Lorenzettis Fresko Die gute Regierung entfaltet vor dem Betrachter ein Panorama des Staatsgebietes von Siena, auf dem die Arbeiten eines ganzen Jahresablaufs nebeneinander beispielhaft dargestellt sind. Zu sehen sind die typischen Vertreter der Kommune: Adelige, Handwerker und Bauern mit ihren typischen T√§tigkeiten. Vorgef√ľhrt wird ein ganzes Inventar der Nutzungsm√∂glichkeiten kultivierten Landes und zwar sowohl die Stadt mit der Vielfalt ihrer Geb√§ude und Bewohner als auch W√§lder, Obstg√§rten, Weinberge, Wiesen und √Ącker. Dieses Interesse an einer ‚Äúsystematischen‚Äú und rationalen Erfassen von Landschaft in einem √∂ffentlichen Fresko geht einher mit der gleichzeitigen Einf√ľhrung von Katastern in den Stadtgemeinden Italiens.

Très Riches Heures des Duc de Berry: August (1412-16), 22,5 x 13,6 cm

Zeugnisse einer Darstellung von Landschaft als Hintergrund f√ľr eine Bilderz√§hlung tauchen seit dem ausgehenden Mittelalter mit dem √úbergang zur Renaissance in den Niederlanden auf. In Kalendarien und Stundenb√ľcher gibt es eine gro√üe Vielfalt von Landschaftsdarstellungen, sei es auf den Monatsbildern der Kalender oder als Hintergr√ľnde biblischer oder historischer Szenen. Hervorragende Beispiele der burgundisch-niederl√§ndischen Miniaturmalerei sind die sechs Stundenb√ľcher f√ľr den Herzog von Berry, das ber√ľhmteste die Tr√®s Riches Heures mit den Illustrationen der Gebr√ľder Limburg. In der Gestaltung von Tiefenraum und Landschaft, den ersten Versuchen, Atmosph√§risches oder die besondere Erscheinungsform von Tageszeiten im Bild darzustellen, ist die Buchmalerei der Tafelmalerei ihrer Zeit weit voraus. Erst mit dem Beginn der √Ėlmalerei werden dann auch f√ľr die Tafelmalerei die technischen Voraussetzungen bereitgestellt, die neuen Entwicklungen in der Buchmalerei im Tafelbild nachzuvollziehen.

'Genter Altar', Jan van Eyck's, Kathedrale St. Bavo, 1432

Beispielhaft ist der Niederl√§nder Jan van Eyck, der eine entscheidende Wende in der europ√§ischen Tafelmalerei einleitete. Jan arbeitete zun√§chst als Buchmaler, zwei der Bl√§tter aus dem Stundenbuch des Duc de Berry stammen von ihm, von seiner Hand ist das Turin-Mail√§nder Stundenbuch, ‚Äď als auch als Tafelmaler. Sein ber√ľhmter Genter Altar zeigt im unteren Teil eine Versammlung von Heiligen bei der Anbetung des Lammes, eingebettet in eine paradiesische Ideallandschaft, die sich bis zu einem in weiter Ferne erscheinenden Horizont erstreckt.

Die Errungenschaften der niederl√§ndischen √Ėlmalerei in ihren M√∂glichkeiten f√ľr die differenzierte Darstellung von Lichtwirkung und Atmosph√§re wurden durch die engen Handelsbeziehungen zwischen Italien und den Niederlanden schnell in Italien bekannt und angewendet.

Renaissance

Mit dem Beginn der Renaissance und der Erneuerung der Kunst in Italien, von Vasari als renascità schon bei Cimabue († nach 1302) und Giotto († 1337) angesetzt, kam es zu der folgenreichen Wende in der Geistesgeschichte, die mit dem Aufkommen des Individualismus, einer neuen Aneignung der Antike und einer Hinwendung zur naturwissenschaftlichen Erforschung der Welt verbunden wird.

F√ľr die Malerei wurden mit der durch Brunelleschi und andere entdeckten und beschriebenen Linearperspektive auch f√ľr die Landschaftsmalerei neue Voraussetzungen geschaffen, den dreidimensionalen Raum einer Landschaft auf einer Bildebene darzustellen. Man setze technische Apparate ein, wie die Camera obscura oder das velum, ein Hilfsmittel f√ľr perspektivische Darstellung. Um 1470 erschien Piero della Francescas Traktat De prospettiva pigendi, die erste genaue mathematische Beschreibung der Zentralperspektive. Die Luftperspektive, ein schon in der Malerei der Antike zu beobachtendes Ph√§nomen, wurde von den Malern, allen voran Leonardo da Vinci, systematisch erforscht. Die in den Niederlanden entwickelte √Ėlmalerei schlie√ülich er√∂ffnete durch die leuchtenden Brillanz der Farben, durch feinste Farbabstufungen, durchscheinende Lasuren und einer neuen und grunds√§tzlichen Aufmerksamkeit f√ľr das Spiel von Licht und Schatten im Bild auch f√ľr die Landschaftsmalerei neue M√∂glichkeiten der Erfassung von Raumwirkung, Atmosph√§re und von Licht- und Luftph√§nomenen.

Mit der Fr√ľhrenaissance sind endg√ľltig die Goldgr√ľnde mittelalterlicher Heiligenbilder durch Landschaften ersetzt, zun√§chst noch, wie bei Giotto, als kulissenartige Zusammenstellung einzelner Motive, sp√§ter als einheitlicher Hintergrund.

Wolf Huber: Donaulandschaft bei Krems,Federzeichnung 1529
Konrad Witz: Der wunderbare Fischzug, 1444

Im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts entstand n√∂rdlich der Alpen ein neues, vorher unbekanntes Naturempfinden. Die Natur erhielt in Bildern der Donauschule einen eigenst√§ndigen Rang; Naturstudien ohne Menschendarstellungen sind keine Seltenheit. Das erste reine Landschaftsgem√§lde ohne jegliche Figuren ist das Bild Donaulandschaft mit Schloss W√∂rth, entstanden um 1522 von einem Maler der Donauschule, Albrecht Altdorfer. Fr√ľhe Beispiele aus dem n√∂rdlichen Europa f√ľr die Wiedergabe einer konkreten Landschaft - des Genfer Sees ‚Äď sind Der wunderbare Fischzug des Konrad Witz - oder einer realistischen Darstellung von bewegtem Wasser auf dem um 1435 entstandenen Christophoros des gleichen Malers.

Sowohl in Venedig als auch in Florenz fanden die Anregungen aus dem Norden und die Entdeckungen der Perspektive in Italien auf unterschiedliche Weise ihren Niederschlag. In Piero della Francescas Montefeltro-Diptychon schaut der Betrachter aus der Vogelperspektive auf eine sich weit ausbreitende, lichte Landschaft, wobei sich Portr√§t und Landschaft auf unterschiedlichen und unverbundenen Bildebenen befinden. Leonardo (‚Ć 1519), von dem auch die erste reine Landschaftszeichnung stammt, stellte als Hintergr√ľnde einiger seiner Gem√§lde, wie der Felsgtottenmadonna, der Mona Lisa oder der Anna Selbdritt, alle im Louvre in Paris, keine Abbilder einer realen Natur dar. Diese Landschaften sind vielmehr eine Art √úberblick √ľber die elementaren Erscheinungsformen der Natur: Erde, Wasser, Fels und Luft, N√§he und Ferne, W√§rme und K√§lte.

Giorgione, Das Gewitter, um 1515

Als ein Vermittler niederl√§ndischer Malkunst in Venedig gilt Antonello da Messina (‚Ć 1479), der sich um 1475 in Venedig aufhielt. Ebenso folgenreich f√ľr die Landschaftsdarstellungen venezianischer Maler waren D√ľrers Holzschnitte, w√§hrend seine Landschaftsaquarelle aus der Italienreise nicht publiziert waren und schon wegen ihrer Funktion als Arbeitsskizzen keine √∂ffentliche Wirkung hatten. Bei den Venezianern Bellini, Giorgione und Tizian entfaltete sich die f√ľr die venezianische Malerei charakteristische Verschmelzung von Figuren und Landschaft, Licht und Farbe zu einer stimmungsvollen Bildeinheit von poetischer und lyrischer Qualit√§t. Giorgione malte mit seinem Gewitter um 1515 das erste Bild, in dem die Figuren an den Rand ger√ľckt sind und Landschaft zum Bildthema wird.

Brueghel, Der Sturz des Icarus, 1558

Ab Mitte des 16. Jahrhunderts kam es in der Niederlanden zu einer ersten Bl√ľte der Landschaftsmalerei, die mit den Namen Joachim Patinir, Gerard David, Hieronymus Bosch und Pieter Breughel verkn√ľpft ist. Von Patinier (‚Ć 1524) stammen die √ľberblicksartigen Weltlandschaften, in denen bibilische oder mythologische Figurengruppen fast nur den Rang von Staffagefiguren einnehmen. Auch auf Breughels Bild Sturz des Ikarus von 1558 ist das eigentliche ‚Äď mythologische ‚Äď Thema an den √§u√üersten Rand ger√ľckt zu Gunsten der Darstellung einer weiten Landschaft im Licht der Morgensonne, zu deren harmonischem Einklang auch der t√§tige Mensch geh√∂rt.

17. Jahrhundert

Annibale Carracci, Der Fischfang, 1596

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts kam es in Bologna u. a. durch die Carracci unter dem Eindruck der venezianischen Malerei zu einer Neubegr√ľndung der Landschaftsdarstellung. Carracci ver√§nderte seine strenge, am Manierismus orientierte Malweise und verband genaues Naturstudium mit einer venezianischen Farbigkeit. 1595 verlegte er seine Werkstatt nach Rom. Von 1596 stammt sein Gem√§lde Fischfang, das in seiner dramatischen Lichtinszenierung, seiner expressiven Farbigkeit und der Bewegtheit der Figuren auf das Barock verweist. Seine Malweise war von gro√üem Einfluss auf die r√∂mischen Malerkollegen und in Bezug auf die Landschaftsmalerei insbesondere auf Poussin und Claude Lorrain.

Bis ins fr√ľhe 17. Jahrhundert bleiben Landschaften in der Tafelmalerei und auf Freskos auf den Hintergrund beschr√§nkt. Eine Weiterentwicklung erfuhr die Landschaftsmalerei in Rom durch eine Gruppe von Malern um den Frankfurter Adam Elsheimer.

Bril, Phantastische Gebirgslandschaft, 1598
Elsheimer: Flucht nach √Ągypten.

Zu der Gruppe z√§hlte der Niederl√§nder Paul Bril, der sich schon seit 1582 in Rom aufhielt. Er hatte sich auf idealisierte Landschaften spezialisiert, in denen ausgew√§hlte Elemente realer Landschaften zu einer Ideallandschaft komponiert sind. Kulissenartig aufgebaute Partien im Vordergrund oder Repoussoirs aus B√§umen und Architekturen er√∂ffnen die Sicht in eine weite Ferne. Menschen auf den Bildern sind nur noch Staffage. Ab 1600 lebte auch der Frankfurter Elsheimer, der mit Brill befreundet war, in Rom. Elsheimer malte kleinformatige Landschaftsbilder auf Kupfergrund voller winziger Details, angereichert mit mythologischen oder biblischen Szenen, die sich durch eine metallische Farbigkeit auszeichnen. Sein Umgang mit unterschiedlichen Lichtquellen im Bild, zum Beispiel in seinem ber√ľhmten Nachtst√ľck Die Flucht nach √Ągypten von 1609, ist ein wesentliches Mittel f√ľr die Wirkung seiner Landschaften.

Die Bilder Carraccis, Elsheimers und Brils waren von fundamentaler Bedeutung f√ľr die Landschaftsbilder Poussins und Claude Lorrains.

Heroische und idyllisch-arkadische Landschaften

Poussin: Landschaft mit Orpheus und Eurydike, um 1650
Claude Lorrain: Hafen mit der Villa Medici, 1639

Gemälde, die nach streng rationalen Prinzipien aufgebaut sind, deren idealisierte Landschaft in ein mildes Licht getaucht sind, deren Architekturen der klassischen Antike entnommen sind und deren Figuren vorzugsweise aus der antiken Mythologie oder auch aus der Welt der Bibel stammen, werden mit dem Begriff heroische Landschaften bezeichnet. Hauptvertreter dieser Art von Landschaftsmalerei war der seit 1624 in Rom lebende Franzose Nicolas Poussin.

Der zweite hervorragende Landschaftsmaler in Rom war der ebenfalls aus Frankreich stammende Claude Lorrain, seit 1613 dort ansässig. Lorrains Bilder, ebenfalls nach rationalen Formprinzipien aufgebaut, mit ländlichem oder biblischem Personal als Staffagefiguren, den typischen Repoussoirs aus Gehölzen oder antiken Architekturen, die häufig den Blick auf ein Meer, das im Glanz von Abend- oder Morgensonne schimmert, öffnen, werden wegen ihrer heiteren Grundstimmung idyllisch-arkadische Landschaften genannt.

Beide Maler galten als Vorbilder f√ľr die klassizistische Landschaftsmalerei und f√ľr die Maler heroischer Landschaften im 19. Jahrhundert. Im fr√ľhen 19. Jahrhundert wurde dieser Begriff f√ľr dramatisch-bewegte Landschaften und f√ľr Hochgebirgslandschaften √ľbernommen. Poussins Schwager Gaspard Dughet konzentrierte sich dagegen auf die Wiedergabe realer Landschaften aus der r√∂mischen Campagna und der Gegend um Tivoli w√§hrend der Neapolitaner Salvator Rosa eine Vorliebe f√ľr pittoreske und phantasievolle Landschaften pflegte, bei denen man eine N√§he zur romantischen Landschaftsmalerei erkennen k√∂nnte.

Niederländische Landschaftsmalerei

Mit der Wende zum 17. Jahrhundert wurde die Landschaft, bisher nur Schauplatz mythologischer oder historischer Szenen, zu einem eigenen Bildthema. W√§hrend des Goldenen Zeitalters der Niederlande kam es zu tiefgreifenden gesellschaftlichen Ver√§nderungen. Durch den wachsenden Wohlstand in breiten Kreisen, nach dem Wegfall der Kirche als Auftraggeber und der Dominanz des Protestantismus in den n√∂rdlichen Niederlanden, gab es eine verst√§rkte Nachfrage nach Bildern durch b√ľrgerliche Schichten f√ľr den privaten Gebrauch. Das Interesse an Landschaftsbildern ging einher mit einer grunds√§tzlichen Tendenz zum Beobachten und Erforschen der Natur, dem Aufbl√ľhen der Kartographie, f√ľr die durch das Wachsen des holl√§ndischen √úberseehandels ein starker Bedarf bestand, der sicheren Beherrschung perspektivischer Darstellung und mit Fortschritten in Naturwissenschaften und Technik, durch die neue Hilfsmittel bereitstanden. Im Bereich der Kartographie arbeiteten Landvermesser, Kartographen, Maler und Kupferstecher Hand in Hand. So sind Landkarten der Zeit h√§ufig am Rand mit Veduten eingefasst, ber√ľhmtes Beispiel Jan Vermeers Allegorie der Malerei. Land- und Seekarten wurden von den gleichen Druckern publiziert wie Reproduktionen von Landschaftsgem√§lden in Kupferstichen oder Radierungen. Der Handel mit Reproduktionen war entscheidend f√ľr die rasche Verbreitung niederl√§ndischer Landschaftsmalerei in ganz Europa.

Jan van Goyen: Landschaft mit zwei Eichbäumen

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Das Genre f√§cherte sich bald eine Reihe von Themen auf, auf die sich die einzelnen Maler konzentrierten. Es gab Spezialisten f√ľr Phantasielandschaften, italianisierende Landschaften, Gebirgs-, Wald-, K√ľsten- und Flusslandschaften, topographische Landschaften, Seest√ľcke, Winterszenen usw. Die thematisch oft wenig spektakul√§ren Bilder zeichnen sind durch eine reiche Skala von Farbabstufungen, eine feine Luftperspektive und differenzierte Lichteffekte aus, die die Grundstimmung des Bildes bestimmen. Eine den Stillleben der Zeit vergleichbare Aufladung mit allegorischen Bedeutungen ist in den Landschaften schwieriger nachzuweisen, kann aber nicht ausgeschlossen werden.

Anf√§nge einer Landschaftsmalerei als unabh√§ngiges Genre kann man in Flandern mit den Weltlandschaften Patiniers datieren, in denen Landschaft das Hauptthema ist und nicht die Figuren. Pieter Breughel fertigte neben Gem√§lden wie den Jahreszeiten oder dem Fall des Ikarus auch Zeichnungen nach der Natur, sowohl w√§hrend seiner Italienreise als auch von der Stadt Brabant. Neben dem von Flandern ausgehende Impuls wurden Einfl√ľsse aus Italien wirksam √ľber die Reproduktion der Bilder Elsheimers durch den Utrechter Kupferstecher Hendrick Goudt.

Mit Esaias van de Velde, Pieter Moleyn, Jan van Goyen und Salomon van Ruisdael verst√§rkte sich eine naturalistische Bildauffassung zusammen mit einer Vorliebe f√ľr einfachere Motive, einheitliche Komposition und einer verst√§rkten Aufmerksamkeit f√ľr das Erscheinungsbild des Wolkenhimmels und die wechselnden Beleuchtungen auf dem Land. In der Farbwahl gab es zwischen 1625 und 1650 eine Vorliebe f√ľr monochrome Bilder in Blau-, Gr√ľn- und Erdt√∂nen.

Hobbema: Die Allee von Midelharnis, 1689

Die gro√üen Landschaftsmaler des sp√§ten 17. Jahrhunderts, Jacob van Ruisdael und Aelbert Cuyp lassen italienische Einfl√ľsse sowohl in der Komposition als auch in der Lichtf√ľhrung der Bilder erkennen. Ruisdaels oft d√ľstere und schwerm√ľtig wirkende Landschaften mit ihren dramatischen Wolkenformationen, absterbenden B√§umen und sich herabst√ľrzenden Wasserf√§llen werden zu Ausdruckstr√§gern subjektiver Empfindung, ein Grund f√ľr die hohe Wertsch√§tzung seiner Bildern durch die Romantiker. Cuyps idealisierte Bilder dagegen sind erf√ľllt von einer heiteren, pastoralen Stimmung, einer F√ľlle von warmem Licht. Sie zeigen oft kleine l√§ndliche Szenen. Sch√ľler Ruisdaels war Meindert Hobbema, der auf Waldszenen und Wasserm√ľhlen spezialisiert war. Eins der ber√ľhmtesten und oft reproduzierten Bilder niederl√§ndischer Landschaftsmalerei ist seine Allee von Middelharnis von 1689.

Maler in den s√ľdlichen Niederlanden wie Rubens und Rembrandt malten Landschaften in warmen und lebhaften Farben. Rembrandt widmete sich seit 1640 intensiv in seinen Radierungen der Landschaftsdarstellung, und Rubens schuf in seinen letzten Lebensjahren eine Reihe brillanter Landschaften.

18. Jahrhundert

Bernardo Bellotto: Die Elbe bei Dresden
Watteau, Einschiffung nach Kythera, 1717/18, Berliner Fassung; Schloss Charlottenburg, Berlin
Richard Wilson, Der Mont Snowdon von Llyn Nantll aus gesehen, um 1765, Liverpool, Walker Art Gallery

Mit dem 18. Jahrhundert lie√ü zwar das Interesse an der Landschaftsmalerei bei Sammlern und Liebhabern nach, es wuchs aber die Nachfrage nach topographisch genauen Darstellungen bestimmter Orte. Zu nennen sind hier die venezianischen Vedutenmaler Bellotto, Canaletto und Guardi und der in Rom t√§tige Luigi Vanvitelli. Guardi pflegte als Landschaftsmaler das Genre des Capriccios, Landschaften, die aus erfundenen und realen Partien zu einer Idealkomposition zusammengesetzt sind. Charakteristisch f√ľr die franz√∂sische Malerei der Zeit sind die zarten und luftigen Landschaftshintergr√ľnde in den Bildern Watteaus und Fragonards.

Im England des 18. Jahrhunderts bezog man sich in der Landschaftsmalerei gerne auf italienische Vorbilder, besonders auf Claude Lorrain. Richard Wilson malte nach seinem Aufenthalt in Rom stimmungsvolle melancholische Landschaften, ebenso wie John Robert Cozens, dieser mit einer Tendenz zum Idyllisch-Arkadischen. Im sp√§ten 18. Jahrhundert entwickelte sich bei Malern ein Interesse am Erhabenen in der Natur. Burkes Untersuchung von 1756 von √ľber das Erhabene (Essay into the Origin of our Ideas of the Sublime and the Beautiful) f√ľhrte zu gedanklichen und k√ľnstlerischen Auseinandersetzung mit seinen Ideen nicht nur in England sondern auch in der √§sthetischen Debatte in Deutschland.

Der englische Landschaftsgarten

Mitte bis Ende des 18. Jahrhunderts bildete sich in England in bewusstem Gegensatz zum architektonischen Garten Frankreichs eine neue Gartenkunst aus, deren Architekten sich an Bildern Poussins und Claude Lorrains orientierten und die Grenze zwischen Gartenanlage und freier Landschaft verwischten. An Stelle von Gartenfluchten, Achsen und Symmetrien trat nun der nat√ľrliche Pflanzenwuchs und die von der Romantik inspirierte Ruinen-Idylle. Wie es Adrian von Buttlar formuliert, werden ‚ÄěGartenszenen nach den Regeln der Landschaftsmalerei mit Massen, Zwischenr√§umen, Farbe, Licht und Schatten sowie das Gesamtbild rahmenden Repoussoirs‚Äú komponiert. Hauptvertreter dieser Art Landschaftsgarten waren William Kent (1664-1748), Lancelot Brown (1715-1783) und William Chambers (1723-1796).

19. Jahrhundert

Caspar David Friedrich, Der Mönch am Meer, 1808

Um die Jahrhundertwende k√ľndigte sich in der bildenden Kunst sowohl eine neue Einstellung zu einem subjektiven Erleben der Welt an als auch eine Wandlung in der Wahrnehmung von Erscheinungen, wie es sich in Bildern eines Turner, C. D. Friedrich oder Delacroix zeigt. Der Paradigmenwechsel der Moderne wird nicht zuletzt in der Darstellung von Landschaft sichtbar.

K√ľnstler wie Gustave Courbet verwarfen die √ľberkommenen Prinzipien und Normen der Malerei, wie sie in den Kunstakademien seit der Renaissance herausgebildet worden waren, und wendeten sich neuen Themen aus dem b√ľrgerlichen Milieu und der Arbeitswelt zu. Der braune ‚ÄěAkademieton‚Äú von Bildern wurde obsolet, sowohl die perspektivische Darstellung als auch eine mimetische Nachahmung der Natur wurden abgelehnt. Nicht nur die Impressionisten w√§hlten jetzt helle und grelle Farben.

Cézanne, Haus in der Provence

Das Interesse verlagerte sich vom Motiv auf die Malweise. Cézanne fasste das Bild nicht mehr im Sinne Albertis als Fenster zur Welt auf, auf der ebenen Fläche wird kein dreidimensionaler Raum vorgetäuscht, das Bild ist vielmehr ein zweidimensionales Feld, in dem Ordnung von Formen und Farben relevant ist. Das Bild selbst ist eine parallele Wirklichkeit zur Wirklichkeit der Welt und nicht deren Abbildung.

Gegen Ende des Jahrhunderts verst√§rkten sich die Tendenzen zu einer subjektiven Interpretationen der Welt und zur Dominanz einer pers√∂nlichen Handschrift, wie es sich in den expressiven Landschaften eines van Gogh zeigt sowie einer vermehrten Vielfalt k√ľnstlerischer Perspektiven, ein Kennzeichen der Malerei der Moderne.

Klassizismus und Romantik

Mit Beginn des 19. Jahrhunderts richtete sich das Interesse des Publikums verst√§rkt auf die Landschaftsmalerei. Angeregt durch Schriften Jean-Jacques Rousseaus, in denen eine neue Sensibilit√§t f√ľr die Natur und deren Wirkung auf die seelische Verfasstheit des Menschen erkennbar ist, sahen Dichter und K√ľnstler der Romantik in der Natur einen Quell leidenschaftlichen Gef√ľhls und eine metaphysische Dimension. Nach der Infragestellung von √ľberkommenen Glaubensgewissheiten im Zeitalter der Aufkl√§rung suchten Maler wie Caspar David Friedrich in der Natur und der Landschaft einen transzendentalen Bezug. Nach dem Verlust alter Ideale sollte es Aufgabe der Kunst sein, Utopien sichtbar zu machen und ein neues Leit- und Idealbild herzustellen. Als beispielhaft gilt hier sein Tetschener Altar von 1808, der in literarischen und philosophischen Kreisen eine heftige Grundsatzdebatte √ľber eine m√∂gliche religi√∂se Funktion von Landschaftsbildern ausl√∂ste.

Joseph Anton Koch: Heroische Landschaft mit dem Regenbogen

Romantische Landschaften zielen auf die Ausl√∂sung emotionaler Prozesse, auf eine Bildmagie, die einen inneren Dialog zwischen Betrachter und Bild bewirken soll. Zur gleichen Zeit malten K√ľnstler wie Koch, Reinhart, Hackert oder Wolf, die einem Klassizismus verpflichtet waren. Sie orientierten sich an den alten Vorbildern Poussin und Claude Lorrain, da aus der Antike selbst keine Landschaftsbilder bekannt waren. Diese Maler sahen in ihren Bildern die Aufgabe, einen idealen Weltentwurf sichtbar zu machen im Sinne einer Wiederbelebung des antiken Geistes.

Turner: Das Kriegsschiff Temeraire, 1838, √Ėl auf Leinwand

Bilder der Romantiker hatten ihre Wirkung auf die Landschaftsmaler in England und in den USA. Maler wie William Blake und Turner teilten Friedrichs Interesse an einer symbolischen Aufladung von Landschaften. Turner setzte sich in seinen unzähligen Landschaftsskizzen und seinen expressiven und farbintensiven Gemälden mit der Wirkung von Licht und Raum auseinander. In den USA bezogen sich die Maler der Hudson River School auf die deutsche romantische Malerei.

Realismus

Mit den fr√ľhen 30er Jahren des 19. Jahrhunderts zeigte sich bei Malern in England, Deutschland und Frankreich ein verst√§rktes Interesse an einer realistischen Landschaftsdarstellung. Als Beispiele f√ľr England sind hier Richard Parkes Bonington und John Constable mit seinen l√§ndlichen Motiven und seinen Wolkenbildern zu nennen, f√ľr die Schweiz Johann Gottfried Steffan und f√ľr Deutschland Adolph Menzel, der als einer der ersten Industrielandschaften malte oder Karl Blechen mit seiner Abwendung von romantischen Gef√ľhlsschwelgereien und seiner Vorliebe f√ľr grandiose Licht- und Farbeffekte in der Natur. Der in den Niederlanden ans√§ssige Belgier Charles Leickert spezialisierte sich auf Winterlandschaften.

Corot, Ville d’Avray. (c. 1867). Washington D.C.: National Gallery of Art.

K√ľnstler des Biedermeier wie Karl Spitzweg oder gegen Ende des Jahrhunderts Maler wie Hans Thoma, Wilhelm Leibl oder Fritz von Uhde, malten ihre Bilder unter dem Eindruck der franz√∂sischen Freilichtmalerei. Camille Corot, einer der ersten Plein-air-Maler verfeinerte die Darstellung von Licht und Atmosph√§re in seinen Bildern, blieb aber bei der Komposition idealer Landschaften, w√§hrend der Realismus eines Gustave Courbet Absto√üendes und H√§ssliches in den Bildern nicht aussparte.

Die Schule von Barbizon

Die Schule von Barbizon, deren Mitglieder in die freie Natur gingen und dort ihre Bilder malten, anstatt - wie bisher √ľblich - im Atelier nach Skizzen aus der Natur auszuf√ľhren, war von au√üerordentlich gro√üem Einfluss auf die Malerei der kommenden Generation, vor allem auf die Impressionisten. Ziel der Maler von Barbizon war es, die Natur oder eine konkrete Landschaft mit all ihren unterschiedlichen Beleuchtungssituationen realistisch und objektiv wiederzugeben.

Impressionismus

Claude Monet, Impression, soleil levant (1872)

Im Impressionismus wird die Malerei leicht und luftig, bestimmt von den Spielen des Lichts auf der Natur. Die Farben flie√üen ineinander. Man malt nun nicht mehr nur im Atelier, sondern geht hinaus ins Freie (Freiluftmalerei, oder auch "plenair"-Malerei), um sich beim Malen direkt den Eindr√ľcken der Umgebung auszusetzen. Die Wahrnehmung der Dinge wird wichtiger als ihre Bedeutung. Wohl bekanntester Vertreter dieser Art von Malerei ist Claude Monet.

20. Jahrhundert

Die Landschaftsmalerei des 20. Jahrhunderts bietet dem Betrachter ein eben so facettenreiches Bild von verwirrender Vielfalt wie die Kunst der Gegenwart √ľberhaupt. Ariane Grigoteit sieht Landschaft in den unterschiedlichen Konzepten der K√ľnstler grunds√§tzlich zur Disposition gestellt. Eine Ursache vermutet sie in den neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen zu Beginn des 20. Jahrhunderts, in denen die Natur ihre Verl√§sslichkeit eingeb√ľ√üt habe. ‚ÄěDas Landschafts-Motiv zerfiel in √§u√üere Erscheinung und innere Wirkkr√§fte. Weder neue Ingenieurleistung, Wissenschaftserkenntnisse oder der Blick auf die individuelle innere Natur vermochten Erkl√§rungen f√ľr die nat√ľrliche Existenz zu liefern. So wuchs die Entfremdung zwischen Mensch und Natur wie die Angst vor dem Ende der Natur [‚Ķ] Landschaft stand in den unterschiedlichsten, individuellen Modellen zur Disposition. (In: Ariane Grigoteit: Landschaften eines Jahrhunderts aus der Sammlung Deutsche Bank. Frankfurt a. M. 1999. S. 39.)

Die Spannweite der Auseinandersetzung mit dem Ph√§nomen Landschaft reicht von den sp√§timpressionistischen Bildern eines Liebermann oder Slevogt, den Fauves in Frankreich, der Suche nach unverf√§lschter Natur in exotischen L√§ndern bei Gauguin, Pechstein, Nolde oder Kirchner, bis zu den grauen Wolkenbildern oder fotorealistischen Landschaften eines Gerhard Richter, den melancholischen √Ėlgem√§lden von Fritz Lattke und zu Werken eines Anselm Kiefer, der in seinem Bild M√§rkisches Land in die mit m√§rkischem Sand bestreute √Ėlfarbe Ortsnamen aus Fontanes Wanderungen durch die Mark Brandenburg einritzte.

Ebenso breit ist die Spannweite von Landschaftsbildern in weitestem Sinn in den USA. Es gibt die farbintensiven, plakativen Gran-Canyon-Bildern eines Hockney neben postromantischen oder einem Surrealismus verpflichteten Malern wie Paul Nash, Graham Sutherland oder Grant Wood, mit seinen melancholischen Bildern aus dem mittleren Westen. Maler des abstrakten Expressionismus wie Clyfford Still oder Jackson Pollock suggerieren in ihren Bildern zumindest Gr√∂√üe und Ausstrahlung einer erhabenen Landschaft. Mark Rothkos Bildern wird von manchen Interpreten eine Caspar David Friedrich verwandte Reflexion √ľber Grenzen und Unendlichkeit zugeschrieben.

Ansel Adams: The Tetons and the Snake River

Vielfältig ist die Beziehung zwischen Landschaftsmalerei und Fotografie. Fotos von Atget (†1927), der in seinem umfangreichen Werk das Paris der Jahrhundertwende dokumentiert hat, dienten seinen Malerfreunden als Bildvorlagen. Andere, wie Ansel Adams († 1984) in seinen Schwarzweiß-Fotografien aus den Rocky Mountains, bedienten sich einer Bildästhetik romantischer Malerei, während Jeff Wall sich in seinen Bildinszenierungen gelegentlich von Vorbildern und Bilderzählungen aus der Kunstgeschichte inspirieren ließ.

Andere griffen gestaltend in vorhandene Natur- oder Kulturlandschaften ein, so Beuys, von dem auch eine Reihe von Landschaftsaquarellen existiert, mit seinem Projekt 7000 Eichen in Kassel anl√§sslich der Documenta 7, oder Christo und Jeanne-Claude, die B√§ume im Berower Park in der Schweiz einpackten, dem Central Park in New York durch die Beflaggung mit orangefarbenen T√ľchern eine fremdartige poetische Wirkung verliehen und der amerikanische Land Art- k√ľnstler Robert Smithson (‚Ć1973), der seine Spiral Jetty im Gro√üen Salzsee in Utah anlegte und sie anschlie√üend dem Wirken der Natur √ľberlie√ü.

Asien

Hokusai: Fuji, Farbholzschnitt
Eine chinesische Landschaft
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In Ostasien spielt die Landschaftsmalerei eine sehr bedeutende Rolle. Nach einem H√∂hepunkt chinesischer Landschaftsmalerei im 8. Jahrhundert wurde sie in den um realistische Wiedergabe bem√ľhten monochromen Meisterwerken des 11. und 12. Jahrhunderts (Fan Kuan, Guo Xi, Xu Daoning) weiterentwickelt. Seit dem 13. Jahrhundert bl√ľhte Literaturmalerei, die die Landschaftsmalerei als Ausdruck der Pers√∂nlichkeit auffasste. In Japan entwickelte sich die Landschaftsmalerei zwischen dem 8. und 11. Jahrhundert aus der buddhistischen Malerei; auch die Tuschlandschaften der M√∂nchsmaler (Minsho, Shiubun, Sesshu Toyo) vom 14. bis 16. Jahrhundert sind noch als Ausdruck des Zen zu sehen. Erst ab Ende des 16. Jahrhunderts wurde die japanische Landschaftsmalerei zu einer selbstst√§ndigen Kunstrichtung in betont dekorativem Stil.

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ ‚Ķet nunc terrenum aliquid saperem ‚Ķ zitiert nach Francesco Petrarca: Die Besteigung des Mont Ventoux. Lt./Dt. Stuttgart 1999. S. 22 u. 23.

Siehe auch

Literatur

  • Svetlana Alpers: Kunst als Beschreibung. Holl√§ndische Malerei des 17. Jahrhunderts. Dumont, K√∂ln 1998, ISBN 3-7701-4445-7
  • Anonym: [Artikel] Landschaft. In: Karlheimz Barck u.a. (Hrsg.): √Ąsthetische Grundbegriffe. Studien zu einem historischen W√∂rterbuch. 3. Metzler, Stuttgart 2001, ISBN 3-476-01657-9, S. 617 - 695
  • Oskar B√§tschmann: Entfernung der Natur. Landschaftsmalerei 1750-1920. Dumont, K√∂ln 1989, ISBN 3-7701-2193-7
  • Nils B√ľttner: Die Erfindung der Landschaft. Kosmographie und Landschaftskunst im Zeitalter Bruegels. Vandenhoeck & Ruprecht, G√∂ttingen 2000, ISBN 3-525-47900-X
  • Nils B√ľttner: Geschichte der Landschaftsmalerei. Hirmer, M√ľnchen 2006, ISBN 3-7774-2925-2
  • Adrian von Buttlar: Der Landschaftsgarten, Gartenkunst des Klassizismus und der Romantik. Dumont, K√∂ln 1989, ISBN 3-7701-2088-4
  • Uta Feldges: Landschaft als topographisches Portr√§t. Der Wiederbeginn der europ√§ischen Landschaftsmalerei in Siena. Benteli, Bern 1980, ISBN 3-7165-0338-X
  • G√∂tz Pochat: Figur und Landschaft. Eine historische Interpretation der Landschaftsmalerei von der Antike bis zur Renaissance. De Gruyter, Berlin 1973, ISBN 3-11-004104-9
  • Martin Warnke: Politische Landschaft. Zur Kunstgeschichte der Natur. Hanser, M√ľnchen 1992, ISBN 3-446-17216-5
  • G√ľnther Hermann: Die Kunst-Akademie. Faszination Garten. Eine Malreise durch die sch√∂nsten G√§rten Europas. Englisch Verlag. Wiesbaden 2007 ISBN 978-3-8241-1350-7

Weblinks


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