Lateinische Sprache

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Lateinische Sprache
Latein (Lingua latina)
Sprecher Nur als Zweitsprache
Linguistische
Klassifikation
Offizieller Status
Amtssprache von Vatikanstadt
Sprachcodes
ISO 639-1:

la

ISO 639-2:

lat

ISO 639-3:

lat

Latein (lat. lingua latina ‚Äölateinische Sprache‚Äė) ist eine indogermanische Sprache, die urspr√ľnglich von den Latinern, den Bewohnern von Latium mit Rom als Zentrum, gesprochen wurde. Es war Amtssprache des R√∂mischen Reichs und wurde so zur dominierenden Verkehrssprache im westlichen Mittelmeerraum. W√§hrend sich aus der gesprochenen Umgangssprache, dem so genannten Vulg√§rlatein, die romanischen Sprachen entwickelten, blieb das Latein der r√∂mischen Schriftsteller auch als tote Sprache bis in die Neuzeit die f√ľhrende Sprache der Literatur, Wissenschaft, Politik und Kirche. Gelehrte wie Thomas von Aquin, Petrarca, Erasmus, Luther, Kopernikus, Descartes oder Newton haben Werke in Latein verfasst. Bis ins 19. Jh. wurden die Vorlesungen an den Universit√§ten in ganz Europa auf Latein gehalten, in Polen und Ungarn war Latein bis dahin Amtssprache. In Tausenden von Lehn- und Fremdw√∂rtern sowie Redewendungen ist Latein heute auch in nichtromanischen Sprachen wie Deutsch oder Englisch pr√§sent. Bei der Bildung neuer Fachbegriffe wird immer wieder auf Latein zur√ľckgegriffen.

Wegen seiner enormen Bedeutung f√ľr die sprachliche und kulturelle Entwicklung Europas wird Latein an vielen Schulen und Universit√§ten, v.a. in Deutschland, gelehrt. F√ľr manche Studieng√§nge sind Lateinkenntnisse oder das Latinum n√∂tig.

Inhaltsverzeichnis

Sprachwissenschaftliche Einordnung

Latium im heutigen Italien

Latein geh√∂rt zu den indogermanischen Sprachen. Die Verwandtschaft mit den anderen Mitgliedern dieser Sprachfamilie zeigt sich in W√∂rtern wie pater (Sanskrit pitri, altgriechisch ŌÄőĪŌĄőģŌĀ (pat√©r), englisch father, deutsch Vater). Innerhalb des Indogermanischen geh√∂rt es zu den Centum-Sprachen (nach dem lateinischen Wort ‚Äěcentum‚Äú f√ľr ‚Äěhundert‚Äú) und zur Gruppe der italischen Sprachen, von denen sich au√üerhalb des Lateinischen nennenswerte Spuren nur noch im Oskischen und im Umbrischen erhalten haben. Latein wies urspr√ľngliche den f√ľr die indogermanische Sprachfamilie typischen stark flektierenden Sprachbau auf, der sich aber im Vulg√§rlatein immer mehr zu einem st√§rker analytischen Sprachbau weiter entwickelte. Der Sprachcode ist LA.

Sprachgeschichte

Antike

Inschrift auf dem Lapis Niger, eine der √§ltesten √ľberlieferter lateinischer Texte (6. bis 5. Jahrhundert v. Chr.)

Latein hat seinen Namen von den Latinern, einem Volk in Latium, dem heutigen Lazio, zu dessen Zentrum sich seit dem 8. Jh. v. Chr. Rom entwickelte. Die fr√ľheste Form des Lateinischen, das Fr√ľhlatein, ist nur nur in einigen Inschriften wie dem Lapis Niger oder der Duenos-Inschrift aus dem 6. oder 5. Jahrhundert greifbar. Aus ihm entwickelte sich durch Rhotazismus, Ablaute und andere Ver√§nderungen in Phonologie und Morphologie bis zum 3. Jahrhundert das Altlatein, f√ľr das mit den Kom√∂dien des Plautus und Terenz (3. und 2. Jahrhundert) ein gro√ües Textcorpus vorliegt. F√ľr das 1. Jahrhundert und die Zeitenwende spricht man vom so genannten klassischen Latein, das sich vom Altlatein haupts√§chlich durch Assimilationen und einige orthographische √Ąnderungen unterscheidet.

B√ľste Ciceros, des Vollenders des klassischen Lateins; (Kapitolinische Museen, Rom)

Mit dem Aufbl√ľhen der r√∂mischen Literatur in dieser Zeit konnte es sich zunehmend auch in Literatur und Wissenschaft gegen√ľber dem Griechischen behaupten. Die Autoren der so genannten Goldenen Latinit√§t, insbesondere Cicero und Vergil, wurden f√ľr die weitere Entwicklung der Sprache ma√ügeblich. Weil die Literatur dieser Zeit als musterg√ľltig und nicht weiter verbesserungsf√§hig betrachtet wurde, ver√§nderte sich die lateinische Literatursprache seitdem nur noch im Vokabular, nicht aber im Formenbestand oder Syntax. Das Latein sp√§terer Autoren wie Seneca oder Augustinus unterscheidet sich deshalb nicht grunds√§tzlich von dem Latein der klassischen Zeit, wohl aber zunehmend von der gesprochenen Sprache des einfachen Volkes, dem sog. Vulg√§rlatein, das sich kontinuierlich weiterentwickelte, bis daraus im fr√ľhen Mittelalter die romanischen Sprachen entstanden. Der Altphilologe Wilfried Stroh vertritt daher die These, Latein sei bereits seit der Zeitenwende zu einer toten Sprache geworden, die sich danach nicht mehr entscheidend ver√§ndert habe und gerade deshalb zum internationalen Kommunikationsmittel im Mittelalter und der Neuzeit werden konnte.[1]

Im Zuge der r√∂mischen Expansion setzte sich das Lateinische als dominierende Verkehrssprache des Imperium Romanum durch. Durch die Romanisierung vor allem der westlichen Gebiete des Reiches wurde es √ľber Latium hinaus, namentlich in Italien, Gallien, Hispanien, Dakien und Nordafrika, zur Muttersprache der ans√§ssigen Bev√∂lkerung.

Mittelalter

Hauptartikel: Mittellatein

In der V√∂lkerwanderung verfiel zun√§chst der lateinische Unterricht und damit der Gebrauch der lateinischen Sprache. Der Gro√üteil der lateinischen Literatur der Antike ging in dieser Zeit verloren, neue literarische Texte in dieser Sprache entstanden kaum mehr. Die M√∂nchsregel des Benedikt von Nursia aus dem 6.Jh. zeigt, dass Latein damals selbst von M√∂nchen nicht mehr sicher beherrscht wurde. Jetzt verfestigte sich endg√ľltig die Trennung zwischen der Umgangssprache und Hochlatein. Als Geburtsurkunde der romanischen Sprachen gilt das Konzil von Tours im Jahr 813, auf dem beschlossen wurde, fortan Predigten in volkst√ľmlicher Sprache zuzulassen, da die Gl√§ubigen kein Latein mehr verst√ľnden.

Frontispiz des Codex Buranus mit einer Darstellung des Rads der Fortuna (ca. 1230)

Unter Karl dem Gro√üen und seinem Berater Alkuin erlebte Latein jedoch eine Renaissance. In einer Anweisung aus dem Jahr 789 wurden alle Kl√∂ster und Bischofssitze des Reiches angewiesen, Schulen zu unterhalten, in denen Latein unterrichtet werden sollte. Bald entstanden auch wieder neue literarische Werke in Latein, wie etwa Einhards Biographie Vita Karoli Magni, die sich sprachlich und inhaltlich an antiken Vorbildern orientiert. Weitere lateinische Autoren aus dem Mittelalter sind z.B. Baudri de Bourgueil oder Hrotsvitha von Gandersheim. Als tote Sprache ver√§nderte sich Latein auch im Mittelalter nicht wesentlich. Lediglich vergr√∂√üerte sich weiterhin das Vokabular und es b√ľrgerten sich Vereinfachungen im Bereich der Grammatik ein, wie zum Beispiel der durch quod eingeleitete Objektsatz anstelle des klasssischen Accusativus cum infinitivo. Die Quantit√§ten der lateinischen Silben wurden oft nicht mehr beachtet, sodass Dichtungen in der heute √ľblichen Akzentuierung entstanden, wie zum Beispiel viele Lieder aus der Sammlung der Carmina Burana. Auch die Phonetik √§nderte sich: So wurde seit dem 6. Jahrhundert das c vor e- und i-Vokalen als Zischlaut gesprochen (den es vorher im Lateinischen gar nicht gab), ebenso b√ľrgerte sich die Aussprache von ti als zj ein, wie sie heute noch in deutschen Fremdw√∂rtern √ľblich ist. Die Diphtonge ae und oe sprach und schrieb man zunehmend als e.

Latein erreichte im Mittelalter eine √ľberragende Bedeutung, die geographisch √ľber die Gebiete des R√∂mischen Reiches hinausging, in denen vor der V√∂lkerwanderung Latein gesprochen worden war. Es war nicht nur die Sprache der Kirche, der Heiligen Messe und des theologischen Diskurses. An den seit dem 13. Jahrhundert aufkommenden Universit√§ten war Latein europaweit die Wissenschaftsprache schlechthin. Auch der bedeutenste Autor des Sp√§tmittelalters, Thomas von Aquin, schreibt ein f√ľr die Scholastik typisches Latein, das die sp√§teren Humanisten als steif und trocken empfanden.

Neuzeit

Hauptartikel: Humanistisches Latein, Neulateinische Literatur

Eine Erneuerung der lateinischen Sprache war denn auch das erste Ziel des Renaissance-Humanismus, der in Italien mit Petrarca und Boccaccio begann. Auch n√∂rdlich der Alpen wurde bald wieder Cicero als Vorbild im Gebrauch des Lateinischen nachgeahmt. Vor allem Erasmus von Rotterdam reichte mit seinem eleganten Latein an das antike Vorbild heran. Die Entdeckung der Neuen Welt machte Christoph Columbus durch den lateinischen Brief De insulis nuper inventis in ganz Europa bekannt. Reformation und Gegenreformation f√∂rderten das Lateinische. Luthers Freund Philipp Melanchton verfasste Lehrb√ľcher und Lehrpl√§ne f√ľr die neu errichteten protestantischen Gymnasien, deren wichtigstes Ziel eine aktive Beherrschung des Lateinischen war. Gleiches galt f√ľr die Schulen der Jesuiten, die mit ihren lateinischen Schultheatern auch das einfache Volk begeisterten. Ein Jesuit gilt auch als gr√∂√üter unter den deutschen Barockdichtern, Jakob Balde (1604-1668). Hugo Grotius legte mit seinem 1625 erschienenen Hauptwerk De jure belli ac pacis die Grundlagen des V√∂lkerrechts. Generationen von Kindern lernten seit 1658 Latein mit dem Orbis sensualium pictus, dem ber√ľhmten deutsch-lateinischen Bildderbuch des gro√üen P√§dagogen Comenius.

Grundlegend f√ľr die Nomenklatur in der Biologie: Systema naturae, Ausgabe von 1760

Mit dem Erstarken der Nationalsprachen seit dem 17. Jahrhundert verlor Latein mehr und mehr an Boden. In Deutschland erschienen im Jahre 1681 zum ersten Mal mehr B√ľcher auf Deutsch als in Latein. Lateinische Belletristik wie der 1741 erschienene Roman Nikolai Klimii iter subterraneum des D√§nen Ludvig Holberg war nunmehr die Ausnahme. Weiterhin wichtig blieb Latein aber als internationales Verst√§ndigungsmittel in den Wissenschaften: Nicolaus Copernicus, Johannes Kepler und Galileo Galilei ver√∂ffentlichten ihre bahnbrechenden astronomischen Erkenntnisse in lateinischer Sprache, auch die Philosophiae Naturalis Principia Mathematica von Isaac Newton erschien noch 1687 auf Latein. Der Philosoph Ren√© Descartes ist mit seinem Satz Cogito ergo sum aus seinen principia philosophiae ber√ľhmt geworden, und Arthur Schopenhauer verfasste noch 1830 seine Theoria colorum physiologica auf Latein. Die von dem Schweden Carl von Linne in seinem Systema naturae 1735 entwickelte Methode, Lebewesen lateinisch zu klassifizieren, ist bis heute in Gebrauch.

Seit der preu√üischen Bildungsreform durch Wilhelm von Humboldt spielt Latein an den humanistischen Gymnasien eine zentrale Rolle. Die alten Sprachen sollen nach Humboldt dem Ziel einer allgemeinen Menschenbildung dienen. Erst unter Wilhelm II. wurde an den deutschen Gymnasium der lateinische Abituraufsatz und die m√ľndliche Pr√ľfung in Latein abgeschafft. Carl Orffs Carmina Burana wurden in den 30er Jahren zum Welterfolg. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte der Lateinunterricht an deutschen Schulen ebenso ein gewisses Aufbl√ľhen wie in den neuen Bundesl√§ndern nach dem Zusammenbruch der DDR.

Latein in der Gegenwart

Latein in Schule und Universität

Hauptartikel Lateinunterricht

Latein wird im deutschsprachigen Raum fast ausschlie√ülich an Gymnasien gelehrt. Etwa ein Drittel aller Gymnasiasten in √Ėsterreich und Deutschland lernt heute Latein als erste, zweite oder dritte Fremdsprache. Vor allem am humanistischen Gymnasium wird Latein als erste Fremdsprache angeboten. In der Schweiz kann Latein bereits in der obligatorischen Sekundarstufe I als Freifach gelernt werden.

Seit etwa 10 Jahren steigt die Zahl der Sch√ľlerinnen und Sch√ľler, die sich f√ľr Latein als Fremdsprache entscheiden, in Deutschland merklich an.[2] Die Gr√ľnde daf√ľr sind unklar. Das gute Abscheiden humanistischer Gymnasien bei nationalen und internationalen Bildungstests, eine deutliche Modernisierung des Lateinunterrichts und der entsprechenden Lehrwerke oder das allgemein gro√üe Interesse f√ľr die Antike werden als Gr√ľnde genannt.

An allen gr√∂√üeren Universit√§ten kann Latein studiert werden. Die Latinistik geh√∂rt neben der Gr√§zistik zum Fachbereich Klassische Philologie. In zunehmendem Ma√üe werden an den Universit√§ten Lehrst√ľhle mit dem Schwerpunkt Latein im Mittelalter und Latein in der Neuzeit eingerichtet. Mancherorts werden auch Vorlesungen oder andere Veranstaltungen in lateinischer Sprache abgehalten. F√ľr einige andere Studieng√§nge werden das Latinum oder Lateinkenntnisse gefordert, insbesondere in zahlreichen geisteswissenschaftlichen F√§chern. Die Regelungen sind hier jedoch von Universit√§t zu Universit√§t verschieden.

Latein in Rundfunk, Fernsehen und Internet

Der finnische Rundfunksender YLE (Yleisradio) verbreitet Wochennachrichten in lateinischer Sprache. Radio Bremen ver√∂ffentlicht regelm√§√üig die Nuntii Latini in schriftlicher und gesprochener Version oder als podcast. Seit April 2004 sendet auch die deutschsprachige Redaktion bei Radio Vatikan Nachrichten auf Latein (News auf Latein www.radiovaticana.de). Am 23. 08. 2008 brachte der Fernsehsender 3sat eine Folge der "Kulturzeit" in lateinischer Sprache. Im Internet sind nicht nur zahlreiche lateinische Texte und entsprechende Sekund√§rliteratur verf√ľgbar. In Internetforen wie Grex Latine Loquentium oder e-latein chat kommunizieren Teilnehmer aus verschiedenen L√§ndern lateinisch.

Latein in der Musik

Abgesehen von lateinischen Fassungen bekannter Popsongs entstehen auch neue Songs unmittelbar in Latein, etwa Cursum Perficio, gesungen von Enya, Liberatio, eines von vielen lateinischen Musikst√ľcken der Gruppe Krypteria gesungen von Sylvia Gonzalez Bolivar, oder bei Gruppen der Dark-Wave- bzw. Gothic-Szene (Jugendkultur). Roma Ryan hat neben Cursum Perficio f√ľr Enya noch weitere Songs in Latein verfasst.

Die lateinisch singende Mittelalter-Band Corvus Corax

Die Gruppe "Ista" bietet lateinischen Hip-Hop und von Rosenstolz gibt es den Titel "Amo vitam". Sehr erfolgreich ist derzeit die Gruppe Corvus Corax. In der klassischen, beziehungsweise neoklassischen Musik der Gegenwart findet Latein ebenfalls Verwendung. So hat etwa der belgische Komponist Nicholas Lens auf seinem Werk "Flamma Flamma" ein lateinisches Libretto vertont, f√ľr sein Werk "Terra Terra" hat Lens selbst ein Libretto in lateinischer Sprache verfasst. Nicht zu vergessen sind auch die zahlreichen Vertonungen lateinischer Gedichte wie z.¬†B. von Jan Nov√°k. Carl Orff unterlegte mehreren seiner Vokal-Kompositionen Texte in Latein. Igor Strawinski lie√ü das nach Sophokles von Jean Cocteau in franz√∂sischen Versen verfasste Libretto zu Oedipus Rex von Jean Dani√©lou ins Lateinische √ľbersetzen.

Lateinische √úbersetzungen

Immer wieder werden B√ľcher ins Lateinische √ľbersetzt. Nikolaus Gro√ü etwa hat 2004 eine komplett latinisierte √úbertragung von Patrick S√ľskinds Das Parfum im Br√ľsseler Verlag der "Fundatio Melissa", einem √ľberregionalen Verein zur Pflege des gesprochenen Lateins, ver√∂ffentlicht. Dem Buch ist mit dem ‚ÄěGlossarium Fragrantiae‚Äú eine gr√∂√üere Liste aktualisierter Neusch√∂pfungen beigegeben. Vom selben Wortartisten existiert des Weiteren ein Buch √ľber den Baron Mynchusanus (M√ľnchhausen). 2003 erschien bereits der erste Teil der Harry-Potter-B√ľcher von Joanne K. Rowling auf Latein (Harrius Potter et Philosophi Lapis). Daneben gibt es noch viele weitere √úbersetzungen ‚Äěklassischer‚Äú Werke ins Latein, so zum Beispiel Karl Mays Winnetou III oder Der kleine Prinz (Regulus) von Antoine de Saint-Exup√©ry. Sehr beliebt ist auch die lateinische Fassung der Asterix-Comics, die der deutsche Altphilologe Graf v. Rothenburg (Rubricastellanus) verfasst hat. Die √∂sterreichische Tageszeitung Kurier bringt seit 1994 jeden Mittwoch von Wolfram Kautzky verfasste kuriose Meldungen aus aller Welt (Nuntii Latini) in lateinischer Sprache. Im Auftrag der finnischen Regierung √ľbersetzte Tuomo Pekkanen 1986 das Nationalepos Kalevala ins Lateinische.

Latein in der katholischen Kirche

Hauptartikel: Kirchenlatein

Latein ist die Amtssprache des Vatikanstaats. Die katholische Kirche ver√∂ffentlicht alle amtlichen Texte von weltkirchlicher Bedeutung in Latein. Das gilt f√ľr die liturgischen B√ľcher, den Katechismus, den Codex des kanonischen Rechts sowie die p√§pstlichen Rechtsvorschriften (canones und decretales) und Enzykliken. In der √Ėffentlichkeit wird das Kirchenlatein insbesondere beim √∂sterlichen Segen des Papstes Urbi et Orbi (F√ľr die Stadt und den Erdkreis) und in der nach erfolgreicher Papstwahl durch den Kardinalprotodiakon verk√ľndeten Formel Habemus papam (Wir haben einen Papst) wahrgenommen. Bis zur Liturgiereform 1970 unter Paul VI. war Latein die offizielle Sprache der Heiligen Messe und ist dies (laut Sacrosanctum Concilium) offiziell noch heute, wobei andere Sprachen jedoch gleichfalls erlaubt sind. Tats√§chlich werden nur noch sehr wenige Gottesdienste in Latein gehalten. Der gegenw√§rtig amtierende Papst Benedikt XVI. bevorzugt bei seinen Messen aber das Lateinische vor dem Italienischen. Im M√§rz 2007 empfahl er in dem Schreiben Sacramentum caritatis ausdr√ľcklich die Anwendung des Lateinischen in Gottesdiensten.

F√ľr die Pflege und Weiterentwicklung der lateinischen Sprache rief Papst Paul VI. 1976 die Stiftung Latinitas ins Leben, welche sich darum bem√ľht ein dem neuzeitlichen Sprachgebrauch angemessenes Latein zu erstellen. Hierzu ver√∂ffentlicht sie neben einer Zeitschrift das Lexicon recentis latinitatis, das Lexikon des Neulateins, welches in seiner letzten √úberarbeitung 2004 mit 15.000 neuen Begriffen erschien, darunter etwa das lateinische Wort f√ľr ‚ÄöComputer‚Äė instrumentum computatorium.

Latein in den Wissenschaften

In der Biologie erfolgt die Namensbildung der wissenschaftlichen Namen lateinisch und griechisch. In der Medizin sind die anatomischen Fachbegriffe √ľberwiegend lateinisch, f√ľr die einzelnen Organe wird zus√§tzlich auch latinisiertes Griechisch verwendet. Die Krankheitsbezeichnungen leiten sich aus dem Griechischen ab. In den Rechtswissenschaften existieren verschiedene lateinische Lehrs√§tze und Fachbegriffe (Latein im Recht). Auch in der Geschichtswissenschaft spielt vor allem Latein weiterhin eine gro√üe Rolle. In der Meteorologie werden lateinische Begriffe in der Wolkenklassifikation eingesetzt. Auch in der Pharmazie ist Latein √ľblich, deutsche Apotheker und √Ąrzte verwenden als Rezeptsprache Latein, vor allem in Abk√ľrzungen. So existiert f√ľr jeden Arzneistoff neben dem internationalen IUPAC-Namen auch ein lateinischer Name, ebenso wird f√ľr jede Arzneipflanze neben dem deutschen auch ein lateinischer Name gef√ľhrt, oftmals auch vermischt mit Bezeichnungen griechischen Ursprungs.

Diskussion: Latein lernen?

Wie nicht anders zu erwarten, wird schon seit Jahrhunderten das Erlernen der ‚Äětoten‚Äú Sprache Latein immer wieder in Frage gestellt.

Von den Gegnern ist zu h√∂ren, dass man die f√ľr das Verst√§ndnis der abendl√§ndischen Zivilisation grundlegenden lateinischen Texte auch in √úbersetzungen lesen k√∂nne. Dar√ľber hinaus biete eine moderne romanische Sprache neben der unmittelbaren Anwendbarkeit in Studium, Beruf und Privatleben den Vorteil einer erh√∂hten dauerhaften Motivation von Sch√ľlerseite dank dem Kontakt zu Muttersprachlern und zur Kulturproduktion eines modernen Landes. Zudem falle das Erlernen von anderen romanischen Sprachen bei Beherrschung einer von ihnen leichter als durch Lateinkenntnisse, da etwa Franz√∂sisch, Spanisch und Italienisch in Wortschatz und Grammatik untereinander mehr √Ąhnlichkeiten aufweisen als zu ihrem gemeinsamen Vorfahren.

Von den Bef√ľrwortern wird dagegen die Bedeutung des Lateinischen f√ľr die sprachliche und kulturelle Bildung der Jugendlichen betont. Man lerne eine Menge √ľber die eigene Sprache, den richtigen Gebrauch von Fremdw√∂rtern und Redewendungen und erhalte immerhin einen ersten Zugang zu den modernen europ√§ischen, nicht nur den romanischen Sprachen. Im Lateinunterricht k√∂nnten Lern- und Probleml√∂sungsstrategien besonders gut ge√ľbt werden. Die Besch√§ftigung mit der lateinischen Literatur erschlie√üe au√üerdem die europ√§ische Geistesgeschichte von der Antike bis zur Neuzeit. Anhand zentraler Texte der Weltliteratur k√∂nnten Grundfragen des Menschen diskutiert werden. Latein k√∂nne so zur Pers√∂nlichkeitsentwicklung beitragen.

Mit dem Lateinunterricht der Gegenwart befasst sich der Artikel Lateinunterricht.

Siehe auch

Portal
¬†Portal: Latein ‚Äď √úbersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Latein


Referenzlisten

Mehrbändiges lateinisches Wörterbuch im Lesesaal der Universitätsbibliothek Graz


Literatur

  • Jules Marouzeau: Das Latein. dtv, M√ľnchen 1969.
  • Wilfried Stroh: Latein als Weltsprache. In: Karl-Joachim H√∂lkeskamp, Elke Stein-H√∂lkeskamp (Hrsg.): Erinnerungsorte der Antike. Die r√∂mische Welt. C. H. Beck, M√ľnchen 2006, S. 185‚Äď201.
  • Wilfried Stroh: Latein ist tot, es lebe Latein! Kleine Geschichte einer gro√üen Sprache.. List, Berlin 2007, ISBN 978-3471788295.
  • Tore Janson: Latein. Die Erfolgsgeschichte einer Sprache. Buske, Hamburg, 2006, ISBN 3-87548-400-2.
  • Karl-Wilhelm Weeber: Mit dem Latein am Ende? Tradition mit Perspektiven. V&R, G√∂ttingen 1998, ISBN 3-525-34003-6.
  • Friedrich Maier: Warum Latein? Zehn gute Gr√ľnde. Reclam, Suttgart 2008, ISBN 978-3-15-018565-0

Weblinks

Wikipedia Wikipedia auf Latein
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Wikisource¬†Wikisource auf Latein¬†‚Äď Quellentexte
W√∂rterb√ľcher

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Wilfried Stroh: Latein ist tot, es lebe Latein! Kleine Geschichte einer gro√üen Sprache, List Verlag, Berlin 2007, S. 103f
  2. ‚ÜĎ Rainer Sch√∂neich: Bericht zur Lage des altsprachlichen Unterrichts. In: Forum Classicum 2/2008, S.87

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