Latenezeit

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Latenezeit
Keltensiedlung Altenburg bei Bundenbach im Hunsr√ľck (Deutschland)

Die La-T√®ne-Zeit (5.‚Äď1. Jahrhundert v. Chr.) ist eine Epoche der j√ľngeren vorr√∂mischen Eisenzeit in weiten Teilen Mitteleuropas. Die zugeh√∂rige La-T√®ne-Kultur war von mediterranen (griechischen, etruskischen und r√∂mischen) Einfl√ľssen gepr√§gt. Namengebender Ort ist La T√®ne am Neuenburgersee in der Schweiz.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung, Datierung und Verbreitung

‚Ėą‚Ėą¬†Ausbreitung der La-T√®ne-Kultur

Die La-Tène-Kultur entwickelte sich unter mediterranem Einfluss zu Beginn des 5. Jahrhunderts v. Chr. aus der nordwestalpinen Hallstattkultur zu einer eigenständigen Kunst- und Kulturform.

Diese war etwa zwischen 480 v. Chr. und 40/Christi Geburt in Frankreich, der nordalpinen Schweiz, S√ľddeutschland bis zu den Mittelgebirgen, √Ėsterreich, der Tschechischen Republik und Teilen Ungarns verbreitet. Typische Gegenst√§nde der La-T√®ne-Kultur, besonders aus Metall und Nachahmungen wurden vielfach auch in Norddeutschland, Polen, Skandinavien, Gro√übritannien und bis auf den Balkan gefunden. Sie sind f√ľr die Chronologie der Eisenzeit in diesen Regionen wichtig. Deshalb wird auch dort teilweise von La-T√®ne-Zeit gesprochen, obwohl die La-T√®ne-Kultur nicht bis in diese Regionen reichte. Die Tr√§ger der La-T√®ne-Kultur werden mit den seit dem 5. Jahrhundert v.u.Z. in griechischen, sp√§ter auch in r√∂mischen Quellen genannten Kelten identifiziert. Zu den Besonderheiten der Kultur geh√∂rt Schmuck aus Glas wie Glasarmringe, Fingerringe und Ringperlen.

Quellenlage

Unser Wissen um die La-Tène-Kultur stammt aus zwei Quellengruppen:

  • arch√§ologische Befunde und Funde, also unmittelbare Zeugnisse. An ihnen wurde die La-T√®ne-Kultur definiert; sie sind tats√§chliche √úberreste der La-T√®ne-Zeit.
  • schriftliche Quellen. Seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. gibt es immer wieder Berichte von Griechen und R√∂mern, die den Raum der La-T√®ne-Kultur betreffen. Darin ist von Kelten bzw. Galliern die Rede, die man heute mit den Tr√§gern der La-T√®ne-Kultur identifiziert. Die Berichte stammen von Au√üenstehenden, die bisweilen nur vage Kenntnisse der Verh√§ltnisse hatten, sie teils aber auch - wie Caesar, der die wichtigste Quelle verfasste - aus eigener Anschauung kannten. Die Darstellungen spiegeln oft eher die Wissens- und Interessenslage der Schreiber wider, als dass sie eine fundierte und objektive Berichterstattung bieten.

Ethnographische Beobachtungen und historische Berichte zu Irland, Schottland, Wales und der Bretagne sind mehrere Jahrhunderte j√ľnger und f√ľr die Charakterisierung der La-T√®ne-Kultur irrelevant, da sich Iren, Schotten, Waliser und Bretonen erst im 19. Jahrhundert als autochthone Kelten beschrieben, im Gegensatz zu den als sp√§tere Eroberer aufgefassten Engl√§ndern und Franzosen. Damit wurde eine zun√§chst rein linguistische Klassifikation als Volksbezeichnung √ľbernommen. In den antiken Quellen werden die Bewohner der britischen Inseln dagegen stets als Britannier, Kaledonier oder im Norden als Pikten bezeichnet, nie als Kelten.

Die La-Tène-Kultur, die Kelten und die antike Überlieferung

Die Sp√§thallstattkultur und die La-T√®ne-Kultur gelten vor allem aufgrund antiker Textquellen als ‚Äěkeltisch‚Äú. Der Grieche Herodot schrieb im 5. Jahrhundert vor Christus √ľber ‚ÄěKelten‚Äú an den Quellen der Donau. Ob es sich hierbei um die keltische Heuneburg handelt ist nicht abschlie√üend gekl√§rt. Zugleich erw√§hnte er auch Kelten im Hinterland der Algarve jenseits der Meerenge von Gibraltar. Ob sich die Tr√§ger der Sp√§thallstattkultur bzw. der La-T√®ne-Kultur selbst als ein Volk verstanden, ist sehr fraglich. Auch der Begriff "Kelten", gr. keltoi, stammt h√∂chstwahrscheinlich nicht von den so Bezeichneten selbst. Ob die damaligen Sprachgrenzen mit den Kulturgrenzen deckungsgleich waren, k√∂nnen wir mangels datierbarer Sprachzeugnisse der Sp√§thallstatt- und Fr√ľhlat√®nezeit nicht wissen.

Von r√∂mischen Autoren wurden die Kelten als "galli", Gallier, bezeichnet. Dieser Name wird heute in Frankreich f√ľr die dortigen Tr√§ger der La-T√®ne-Kultur verwandt. Die R√∂mer trafen in Gallien seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. auf Kelten. Die anschlie√üenden K√§mpfe im Gallischen Krieg zogen sich bis zur Schlacht bei Alesia im Jahr 52 v. Chr. hin. Sie wurden von Gaius Julius Caesar in seinem Werk "de bello gallico" ausf√ľhrlich beschrieben, das die wichtigste schriftliche Quelle zur (Sp√§t)lat√®nekultur darstellt.

Im S√ľdosten Britanniens ist gegen Ende der Eisenzeit der Einfluss der Lat√®nekultur vom Festland her nachweisbar (Aylesford-Swarlington). Nach schriftlichen Quellen waren hier Belger aus Nordfrankreich eingewandert. Der Rest der britannischen Inselwelt ist arch√§ologisch nicht zur La-T√®ne-Kultur zu z√§hlen.

Besser lassen sich Kelten dagegen weiter s√ľdlich nachweisen. Die Bev√∂lkerung der Alpen war mit Ausnahme einiger T√§ler im Wallis und in den Ostalpen (√∂stlich und s√ľdlich der Adula-Gruppe d.h. des Gotthardmassivs) weitgehend keltisch. Den gr√∂√üten Teil davon machten die Helvetier aus, deren Teilstamm der Tiguriner im Zuge des Einfalls der Kimbern und Teutonen einer r√∂mischen Armee um 107¬†v.¬†Chr. bei Agen eine schm√§hliche Niederlage beigebracht hatte. Infolge der von Norden eindringenden Germanen versuchten die Helvetier unter F√ľhrung von Divico im Jahr 58¬†v.¬†Chr. nach Caesar (de bello Gallico) durch das Rh√īnetal nach S√ľden auszuwandern, wurden in der Schlacht bei Bibracte jedoch von ihm besiegt und als Puffer zu den von Norden nachr√ľckenden Germanen in die verlassene Heimat zur√ľckgeschickt. Dabei wurde nur ein Teil der nach C√§sar zw√∂lf gro√üen vor dem Auszug einge√§scherten Oppida wieder aufgebaut. Die Helvetier wurden dann relativ rasch romanisiert, doch ist deren Pr√§senz zumindest noch im 1. Jahrhundert in verschiedenen Eigen- und Ortsnamen sowie Heiligt√ľmern gesichert.

Gliederung und Entwicklung

Die Latènezeit wird in drei oder vier Hauptabschnitte unterteilt:

Zeitabschnitt Dechelette Reinecke Datierung
Fr√ľhlat√®ne La T√®ne I La T√®ne A und B 480¬†v.¬†Chr. - 300¬†v.¬†Chr.
Mittellatène La Tène II La Tène C 300 v. Chr. bis 100 v. Chr. (regional bis ca. 150 v. Chr.)
Spätlatène La Tène III La Tène D 150/100 v. Chr. bis um Christi Geburt

Fr√ľhlat√®nezeit

Innerhalb der sp√§ten Hallstattkultur sind n√∂rdlich der Alpen immer h√§ufiger griechische und etruskische Importe festzustellen. W√§hrend der Sp√§thallstattzeit sind dies auf die sehr reich ausgestatteten sogenannten F√ľrstengr√§ber beschr√§nkt. In der Fr√ľhlat√®nezeit werden die mediterranen Vorbilder zus√§tzlich nachgeahmt und daraus ein eigenst√§ndiger Kunststil entwickelt. Importe aus dem Mittelmeerraum und Gegenst√§nde des neuen k√ľnstlerischen Stils finden sich nun zunehmend auch in weniger reich ausgestatteten Gr√§bern. Kernbereiche dieser Kulturentwicklung sind besonders die Regionen am Nordwestrand der Hallstattkultur, wobei die Hunsr√ľck-Eifel- und Marne-Mosel-Region sowie im Osten der Fundort D√ľrrnberg (√Ėsterreich) durch herausragende Bestattungen auffallen. In diesen drei Regionen ist die Fr√ľhlat√®nekultur anhand von reich ausgestatteten Gr√§bern und anderen Fundstellen des 5. und 4. Jahrhunderts v. Chr. besonders deutlich fassbar. In der zweiten H√§lfte der Fr√ľhlat√®nezeit setzen gro√üe Wanderungsbewegungen ein. Diese Keltenz√ľge sind von r√∂mischen und griechischen Autoren mehrfach erw√§hnt und beschrieben worden, am ausf√ľhrlichsten von Polybios. So ziehen Kelten nach Norditalien, siedelten sich in der Po-Ebene an und pl√ľnderten 387 v. Chr. Rom.

Mittellatènezeit

W√§hrend des 3. Jahrhunderts v. Chr. erreichen die keltischen Wanderungen das Donaubecken, Makedonien, Griechenland und Kleinasien (Galatien). F√ľr 281 v. Chr. sind milit√§rische Erfolge der Kelten in Makedonien belegt. Gegen Ende der Fr√ľhlat√®nezeit werden die Bestattungen unter H√ľgeln durch Flachgr√§ber abgel√∂st. Reich ausgestattete Gr√§ber fehlen in der Mittellat√®nezeit weitgehend. W√§hrend der mittleren La-T√®ne-Zeit kommt es zu ersten Ans√§tzen einer Geldwirtschaft. Die Mehrheit der keltischen M√ľnzen sind Nachahmungen griechischer und r√∂mischer Pr√§gungen. Zugleich entstehen erste stadt√§hnliche, befestigte Siedlungen (oppida).

Spätlatènezeit

In der Sp√§tlat√®nezeit wird weiterhin in Flachgr√§bern bestattet. Gegen Ende dieser Epoche begegnen wir nun wiederum sehr reich ausgestatteten Gr√§bern mit umfangreichen r√∂mischen Beigaben. Kennzeichnend f√ľr den letzten Abschnitt der La-T√®ne-Zeit sind die oppida. Aufgrund ihrer mit gro√üem Aufwand errichteten Befestigungen, ihrer Gr√∂√üe und der teilweisen Erkennbarkeit von Handwerkervierteln werden diese Siedlungen als zumindest protourban eingestuft. In weiten Teilen des nordalpinen Verbreitungsgebietes der La-T√®ne-Kultur gab es w√§hrend der Sp√§tlat√®nezeit sogenannte Viereckschanzen, rechtwinklige, mit Gr√§ben und Palisaden umhegte Anlagen. Diese galten lange Zeit als Heiligt√ľmer. Seit den 90er Jahren werden auch wieder andere Funktionen wie die als landwirtschaftliche Geh√∂fte diskutiert. Sp√§testens in der zweiten H√§lfte des 1. Jahrhundert v. Chr. scheinen die Fundpl√§tze der Sp√§tlat√®nekultur in Mittel- und S√ľddeutschland auszulaufen. Dies wird h√§ufig mit den nach S√ľden vordringenden Germanen erkl√§rt, wobei diese Frage arch√§ologisch noch nicht gekl√§rt ist. In Frankreich bestehen die Fundpl√§tze dagegen weiter. Nach der Eroberung fast des ganzen Gebietes der La-T√®ne-Kultur entsteht in den entsprechenden Provinzen eine stark r√∂misch gepr√§gte Mischkultur, bzw. provinzialr√∂mische Kultur.

Siedlungen

Innerhalb der Lat√®nekultur lassen sich im Wesentlichen drei Siedlungsformen unterscheiden: befestigte H√∂hensiedlungen, die vor allem in der Fr√ľhlat√®nezeit bestanden, deutlich gr√∂√üere, stadt√§hnliche, befestigte oppida, die vor allem aus der Sp√§tlat√®nezeit bekannt sind und vor allem die gro√üe Zahl kleinerer, unbefestigter Siedlungen. Als seltene Siedlungsformen kommen gr√∂√üere b√§uerliche Siedlungen und einzelne Handwerkersiedlungen (Bad Nauheim/Salzgewinnung, Lovosice, Tschechische Republik/Keramik- und M√ľhlsteinherstellung) hinzu.

Die lat√®nezeitlichen Bauten bestanden wie beinahe alle der Vorgeschichte aus Holz. Es handelte sich ganz √ľberwiegend um Pfostenbauten, d.h. die tragenden Holzpfosten wurden in regelm√§√üiger, rechteckiger Anordnung in den Boden eingegraben. Der Innenraum war durch die Pfosten oft in zwei oder drei Schiffe gegliedert. Aus Spanien sind auch runde Bauten bekannt. Die W√§nde wurden in der Regeln aus zwischen den Pfosten verflochtenen Zweigen hergestellt und mit Lehm verstrichen. Aus einer Reihe von Siedlungen ist wei√üer Kalkverputz belegt, vereinzelt gibt es auch hinweise auf farbige Bemalung.

Neben Wohnh√§usern, in den gelegentlich auch noch Herde zum Kochen, Backen und Heizen nachgewiesen wurden, sind Grubenh√§user bekannt. Diese nur wenige Quadratmeter gro√üen, zum guten Teil in den Boden eingegrabenen Bauten wurde vermutlich vor allem als Werkst√§tten genutzt, darauf weisen Webgewichte und Spinnwirtel f√ľr die Textilherstellung hin, die in vielen Grubenh√§usern entdeckt wurden. Kleine Geb√§ude mit nur vier oder sechs Pfosten werden als Getreidespeicher gedeutet.

In den l√§ndlichen Siedlungen sind h√§ufig mehrere kleinere um eine gr√∂√üeres, mehrschiffiges Geb√§ude angeordnet. Offenbar handelt es dabei um Geh√∂fte mit je einem Wohnhaus und mehreren Scheunen, Werkst√§tten, Speichern und anderen Nebengeb√§uden. Solche Geh√∂fte konnten von Z√§unen umgeben sein. Teilweise aufwendiger befestigt sind die sogenannten fermes indig√®nes, einzel liegende Geh√∂fte, bei denen deutlich mehr Fl√§che von einem Zaun, einem Graben oder beidem umgeben war, als f√ľr die Geb√§ude erforderlich gewesen w√§re. Solche Anlagen sind aus weiten Teilen Frankreichs bekannt. In Deutschland werden vergleichbare Anlagen als "Herrenh√∂fe" bezeichnet, traten aber ganz √ľberwiegend in der vorangegangenen Hallstattzeit auf und bestanden nur teilweise bis in die Fr√ľlat√®nezeit weiter. Beide Siedlungsformen gelten als Wohnsitze regionalen F√ľhrungsschichten.

Die vor allem fr√ľhlat√®nezeitlichen H√∂hensiedlungen waren mit durch eine Holz-Erde- oder Holz-Stein-Erde-Mauer befestigt. Sie bestanden aus √ľbereinander liegenden, l√§ngs und quer verlaufenden St√§mmen, die rechteckige K√§sten bildeten. In diese K√§sten waren, offenbar abh√§ngig davon, was in der Umgebung zur Verf√ľgung stand, Steine oder Erde gef√ľllt worden.

Die oppdida waren dagegen in der Regel durch den von Caesar beschriebenen murus gallicus oder Pfostenschlitzmauern gesch√ľtzt. Der murus gallicus ist durch horizontale St√§mme gekennzeichnet, die durch lange Eisenn√§gel verbunden waren und besa√ü eine Steinfassade, in der die Balkenk√∂pfe sichtbar waren. Er wurde vor allem in Westeuropa gebaut. Pfostenschlitzmauer hatten demgegen√ľber eine eher √∂stliche Verbreitung und wiesen senkrechte Pfosten mit langen, waagerechten Ankerbalken sowie ebenfalls eine Steinfassade auf. In beiden F√§llen waren die Zwischenr√§ume zwischen den H√∂lzern mit Steinen und Erde verf√ľllt.

Gräberfelder

Bestattungen sind eine der wichtigsten Quellen zur Lat√®nekultur. Zahlreiche Bestandteile einer Bestattung hinterlassen aber keine materiellen Spuren im Boden. Arch√§ologisch sind deshalb nur die Grabst√§tten selbst zu erforschen. Diese werden sehr h√§ufig auch f√ľr umfassende Fragen wie zur sozialen Ordnung, religi√∂sen Vorstellungen oder Geschlechterverh√§ltnisse herangezogen.

W√§hrend der Fr√ľhlat√®nezeit (Stufe A) wird ein Teil der Verstorbenen unter Grabh√ľgeln beigesetzt. Dies geschieht zum Teil in Holzkammern und in aller Regel mit unterschiedlichen Beigaben. Am h√§ufigsten sind hier Keramikgef√§√üe; aber auch Bronzegeschirr und Wagen werden gelegentlich mitgegeben. Hinzu kommen oft Teile der pers√∂nlichen, am K√∂rper getragenen Ausstattung wie Fibeln, G√ľrtel, Schmuck oder Waffen. Teilweise werden auch Werkzeuge und Nahrungsmittel mitgegeben. Die Bestattung in H√ľgeln erfolgt √ľberwiegend als K√∂rpergrab. Weitere Gr√§ber in Form von Brand- oder K√∂rperbestattungen werden als Nachbestattungen in bestehenden H√ľgeln angelegt, noch andere als Urnen- oder Brandsch√ľttungsgr√§ber am Rand oder im direkten Umfeld der H√ľgel.

Ein herausragendes Gr√§berensemble der Fr√ľhlat√®nezeit wurde ab 1994 am Glauberg in Hessen (ca. 30 km nord√∂stlich von Frankfurt am Main) ausgegraben. Neben drei Prunkbestattungen mit Goldbeigaben und mutma√ülichen Importen unter zwei Grabh√ľgeln fanden sich vier lebensgro√üe Steinstelen ‚Äď eine davon fast vollst√§ndig ‚Äď die wahrscheinlich zu einem heiligen Bezirk geh√∂rten.

Schon in der Stufe Lat√®ne B laufen die sehr reich ausgestatteten Gr√§ber aus. Nun werden √ľberwiegend Flachgr√§ber mit K√∂rperbestattungen und bescheideneren Beigaben angelegt.

W√§hrend der Mittellat√®nekultur sind Flachgr√§ber mit Brandbestattungen die Regel. Sehr reiche Gr√§ber wie in der Fr√ľhlat√®nezeit fehlen. In der Sp√§tlat√®nezeit ist die Zahl der Gr√§berfelder in einigen Regionen auffallend gering. M√∂glicherweise werden hier die Toten auf eine Art und Weise bestattet, die keine Spuren im Boden hinterl√§sst. In anderen Regionen wie Gallien werden dagegen weiterhin Flachgr√§berfelder angelegt. Gegen Ende der Sp√§tlat√®nezeit kommt es in einigen Regionen auch wieder zu ausgesprochen reich ausgestatteten Gr√§bern, z.¬†B. in G√∂blingen-Nospelt (Luxemburg).

Gesellschaft

F√ľr die Sp√§tlat√®nezeit liegt mit Caesars "Gallischem Krieg" eine wichtige schriftliche Quelle zur sozialen Ordnung innerhalb der Lat√®nekultur vor. F√ľr die vorhergehenden Epochen und die Sp√§tlat√®nekultur au√üerhalb Galliens k√∂nnen nur aus arch√§ologischen Untersuchungen Schl√ľsse gezogen werden. Diese beruhen ganz √ľberwiegend auf Grabbefunden, aber auch die Entwicklung der Siedlungsformen im Laufe der Lat√®nezeit bietet einige Hinweise.

Aus eine Reihe sehr reich ausgestatteter, sogenannter "F√ľrstengr√§ber" und zahlreichen aufw√§ndig befestigten H√∂hensiedlungen wird von vielen Arch√§ologen f√ľr die Fr√ľhlat√®nezeit der Schluss gezogen, es habe eine starke soziale Gliederung bestanden mit einer kleinen Zahl von "F√ľrsten" an der Spitze. Diese h√§tten Bauern und Handwerker ihres Territoriums ebenso kontrolliert wie den Fernhandel. Sie seien in der Lage gewesen, ihre Macht an ihre Nachkommen zu vererben und h√§tten mit Hilfe importierter Luxusgegenst√§nde den Lebensstil der etruskischen und griechischen Oberschicht kopiert. Andere Forscher sehen hinter den Prunkgr√§bern eher Adeliger oder H√§uptlinge mit nur tempor√§rer Macht und begrenzter Kontrolle √ľber Personen und Territorium.

Das fast vollst√§ndige Verschwinden von sehr reichen Gr√§bern in der Mittellat√®nezeit kann als Beleg f√ľr eine gr√∂√üere soziale Gleichheit gedeutet werden. Aber auch ver√§nderte religi√∂se Vorstellung und dadurch ge√§nderte Bestattungsbr√§uche k√∂nnen diese Entwicklung verursacht haben.

Caesar nennt innerhalb der gallischen Gesellschaft drei soziale Gruppen: Druiden, "Ritter" und die breite Bev√∂lkerung, die fast wie Sklaven behandelt werde. Er benennt auch verschiedene Adelige und Anf√ľhrer, die √ľber eine Gefolgschaft verf√ľgten, Heiratsallianzen schlossen und im Krieg als Anf√ľhrer fungierten. In Noricum entstand bereits um 170 v. Chr. aus einer Adelsherrschaft eine Monarchie. Die Druiden hatten nach Caesar Aufgaben als Priester, Richter und Lehrer. Funde von Fu√üketten deuten daraufhin, dass es Sklaverei gab, was auch von Caesar erw√§hnt wurde.

Kunststile

Ein wichtiges Definitionskriterium und Merkmal der La-T√®ne-Kultur ist die reiche ornamentale, teilweise auch fig√ľrliche Verzierung von Schmuck, Waffen und Gef√§√üen aus Metall. Hinzu kommen einzelne Steinstelen. Die Definition und Untergliederung von vier aufeinanderfolgenden Kunststilen der La-T√®ne-Kultur geht auf Paul Jacobsthal zur√ľck, der 1944 die grundlegende Arbeit dazu publizierte. Er beschrieb die √úbernahme und Umwandlung griechischer/etruskischer Motive, pflanzliche Ornamentik, Tier- und Maskendarstellungen sowie Zirkelornamentik als wichtigste Merkmale "keltischer" Kunst.

  • Early Style: Zirkelmuster, Maskenmotive, Palmetten, florale Motive, Mischwesen, etruskische Einfl√ľsse v.¬†a. in fig√ľrlichen Darstellungen, orientalische Elemente, antithetische Tierdarstellungen.
  • Waldalgesheim-Stil: florale Elemente (anders als im Early Style), entsteht nach den Einf√§llen in Oberitalien (Oberitalien oder Ostfrankreich und Schweiz), Losl√∂sung von mediterranen Vorstellungen, manchmal K√§mpfe im Ornament, keine zentrale Entwicklung, gemessen am reichen Fundbestand findet man den Waldalgesheim-Stil selten, verschiedene Formengattungen: Schwertscheiden (Italien), Fibeln (Schweiz), Halsringe (Ostfrankreich). Spitzenprodukte, hohe Exklusivit√§t.
  • Schwertstil (ab 275¬†v.¬†Chr.): haupts√§chlich auf Schwertscheiden in Ungarn, S√ľdostdeutschland, B√∂hmen und der Schweiz; fig√ľrliche Motive; beabsichtigte Asymmetrie, Rankenornamente von rechts oben nach links unten; Verzierung ist eventuell den Leinenb√§ndern der Schwerter nachempfunden.
  • Plastischer Stil (ab 275¬†v.¬†Chr.): Verzierung und Objekt werden eine Einheit, Ornament √ľberh√∂ht wirkliche Plastizit√§t; dreidimensionale Wirbelornamente und kugelige Elemente auf Armschmuck und Fibeln: hohl gegossene Bronzereifen, Arm- und Fu√üringe, Eier- oder Schalenringe, Hohlbuckelringe.

ausgewählte Fundorte

Literatur

  • Bj√∂rn-Uwe Abels: Die Ehrenb√ľrg bei Forcheim, die fr√ľhlat√®nezeitliche Mittelpunktsiedlung Nordostbayerns. In: J√∂rg Biel u.a. (Hrsg.): Fr√ľhkeltische F√ľrstensitze. √Ąlteste St√§dte und Herrschaftszentren n√∂rdlich der Alpen? Internationaler Workshop zur keltischen Arch√§ologie in Eberdingen-Hochdorf, 12. und 13. September 2003 (Arch√§ologische Informationen aus Baden-W√ľrttemberg; Bd. 51). Stuttgart 2005, ISBN 3-927714-79-8, S. 42‚Äď47.
  • John Collis: The Celts. Origins, myths & inventions. Tempus Books, Stroud 2003, ISBN 0-7524-2913-2.
  • Janine Fries-Knoblach, Die Kelten. Kohlhammer, Stuttgart 2002, ISBN 3-17-015921-6.
  • John Collis (Hrsg.): The European Iron Age. Routledge, London 1997, ISBN 0-415-15139-2.
  • Paul Jacobsthal: Early Celtic art. Clarendon, Oxford 1969 (Repr. d. Ausg. Oxford 1944).
  • Michael A. Morse: How the Celts came to Britain. Druids, ancient skulls and the birth of archaeology. Tempus Books, Stroud 2005, ISBN 0-7524-3339-3.
  • Sabine Rieckhoff, J√∂rg Biehl: Die Kelten in Deutschland. Theiss, Stuttgart 2001, ISBN 3-8062-1367-4.

Weblinks


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