Legierung

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Legierung

Eine Legierung ist ein metallischer Werkstoff, der aus mindestens zwei Elementen besteht, die gemeinsam das metalltypische Merkmal des kristallinen Aufbaus mit Metallbindung aufweisen.[1]

Das Verhalten der Elemente in einer Legierung und ihr Einfluss auf deren Eigenschaften ist in der Regel von drei Faktoren abhängig: Art und Anzahl der Legierungspartner, ihr Massenanteil an der Legierung sowie der Temperatur. Diese Faktoren bestimmen die jeweilige Aufnahmefähigkeit, das heißt Löslichkeit, des einen Elementes im anderen und ob die Legierungspartner Mischkristalle oder Gemische aus Kristallen der reinen Komponenten bilden.

Das Zeitwort legieren stammt urspr√ľnglich aus dem lateinischen ligare und bedeutet zusammenbinden, verbinden oder auch vereinigen. Im 17. Jahrhundert wurde das inzwischen leicht abgewandelte legare (von gleicher Bedeutung) ins Deutsche √ľbernommen.

Inhaltsverzeichnis

Eigenschaften

Das Legierungselement kann mit dem Grundelement eine feste L√∂sung bilden (einphasige Legierung) oder es bilden sich mehrere Phasen. W√§hrend bei einphasigen Legierungen die Eigenschaften im Wesentlichen durch die chemische Zusammensetzung bestimmt werden, werden diese bei mehrphasigen Legierungen zus√§tzlich ma√ügeblich durch die Verteilung der Phasen (Gef√ľge) beeinflusst. Basismetall und Legierungselemente werden auch Komponenten einer Legierung genannt. In der Liste der Legierungselemente werden selbige und ihre Wirkungen auf die jeweiligen Basismetalle aufgef√ľhrt. Mischkristalle weisen eine h√∂here H√§rte und Zugfestigkeit auf, und eine geringere Schmelztemperatur als der reine Stoff. Bei Metallen sinkt zudem die elektrische Leitf√§higkeit. F√ľr die relativ weichen, reinen Metalle ist die Mischkristallverfestigung eine von 4 m√∂glichen festigkeitssteigernden Methoden um einen harten Werkstoff herzustellen.

Beispiele f√ľr nat√ľrliche Legierungen sind Elektrum, eine Gold-Silber-Legierung, und Stibarsen, eine Antimon-Arsen-Legierung.

Bei k√ľnstlich hergestellten Legierungen unterscheidet man solche, die bewusst hergestellt wurden, um Werkstoffeigenschaften (Beispiele H√§rte, Korrosionsbest√§ndigkeit) der ‚ÄěBasismetalle‚Äú auf die gew√ľnschte Weise zu √§ndern, und solche, die unbeabsichtigt entstehen, weil Fremdstoffe bereits durch die Herstellung in die Legierung gelangen, an der Legierungsbildung nicht beteiligt sind und √ľberwiegend negative Wirkungen auf die Werkstoffeigenschaften aus√ľben.

Geschichte

Bronzebeile

Kupfer ist eines der ersten von Menschen genutzten Metalle; es wurde wohl vor etwa 6000 bis 10000 Jahren per Zufall in besonders hei√ü brennenden Holzkohlefeuern entdeckt, wo es in reiner Form aus kupferhaltigen Gesteinen austreten kann. Auch Zinn wurde fr√ľh entdeckt, vor ca. 5000 Jahren.[2] Von der Entdeckung dieser beiden Metalle bis zur Herstellung erster Legierungen (CuSn = Bronze) daraus war es dann nur noch ein kurzer Weg, was einer ganzen Kulturepoche (Bronzezeit) ihren Namen gab. Waffen, Gebrauchsgegenst√§nde und Schmuck wurden aus Bronze hergestellt.[3] Viele Plastiken werden bis heute aus Bronze gegossen.

Messing-Figur

Zink war, meist in Form des Zinkcarbonats ‚ÄěGalmei‚Äú (Smithsonit), ebenfalls seit der Bronzezeit bekannt, wurde in der Antike mit Kupfer zu Messing (CuZn) legiert. Bereits etwa 3000 vor Christus wurde es in Babylon und Assyrien verwendet, in Pal√§stina etwa 1400 bis 1000 vor Christus.[4] Messing wurde schnell ein wichtiges M√ľnzmetall bei der M√ľnzpr√§gung, wurde aber wegen seines sch√∂nen, goldenen Glanzes auch gern zur Herstellung von Schmuck und Plastiken verwendet.

Eisensichel

Eisen-Legierungen wurden bereits in der Antike verwendet, allerdings nur aus Meteoriten, in denen sich h√§ufig die Legierung Eisen-Nickel (FeNi) befindet. Da Meteoriten selten gefunden wurden, waren Gegenst√§nde aus Eisen entsprechend wertvoll. Die Sumerer nannten es ‚ÄěHimmelsmetall‚Äú, die alten √Ągypter ‚Äěschwarzes Kupfer vom Himmel‚Äú.[5] Verh√ľttetes Eisen (Erkennung durch Fehlen von Nickel) wurde in Mesopotamien, Anatolien und √Ągypten gefunden und ist etwa 3000 bis 2000 vor Christus entstanden. Es war wertvoller als Gold und wurde vor allem f√ľr zeremonielle Zwecke verwendet. Eisen bot und bietet jedoch viele Vorteile, der wichtigste war die gr√∂√üere H√§rte gegen√ľber der Bronze und dem Kupfer. Verbesserungen in der Gewinnung und Verarbeitung lie√üen die Menschen dazu √ľbergehen, zun√§chst Waffen und dann Werkzeuge wie Pfl√ľge aus Eisen zu fertigen. Die Bronzezeit wurde damit von der Eisenzeit abgel√∂st.

Einteilung

Je nach Anzahl der Komponenten in der Legierung spricht man von einer Zwei-, Drei-, Vier- oder Mehrstofflegierung, wobei nur diejenigen Komponenten gezählt werden, die die charakteristischen Eigenschaften bestimmen. Da Eisen und Stahl in der Technik von besonderer Bedeutung sind, werden Legierungen in Eisen- und Nichteisen-Legierungen unterteilt. Weitere Einteilungen ergeben sich durch die Art der Legierungsbildung, da diese nicht nur durch Zusammenschmelzen der Komponenten entstehen oder auch durch besondere Fähigkeiten von Legierungen.

  • Nat√ľrliche Legierungen entstehen durch Hitzeeinwirkung und Aufschmelzen von Elementen zum Beispiel im Inneren von Himmelsk√∂rpern. Da diese Legierungen nicht von Menschen gesteuert wurden, unterliegen sie auch nicht deren definierten Zusammensetzungen und Eigenschaften.
  • Eisenlegierungen werden in Gusseisen und Stahl unterteilt. Die Unterscheidung beruht auf dem Gehalt an Kohlenstoff. Siehe Hauptartikel Eisen-Kohlenstoff-Diagramm. Besondere Bedeutung haben die Edelst√§hle: Legierte oder unlegierte St√§hle mit besonderem Reinheitsgrad.
  • Nichteisen-Legierungen (NE-Legierungen; Beispiel Bronze, Messing, Amalgame, Wei√ügold, Rotgold) sind Legierungen auf der Basis von Nichteisenmetallen.
  • Diffusionslegierungen entstehen durch die Diffusion von Atomen ins Kristallgitter der Basismetalle. Besonders die ersten Elemente im Periodensystem sind wegen der Kleinheit ihrer Atome gegen√ľber dem Basismetall in der Lage, in dessen Kristallgitter einzuwandern. Das beste Beispiel f√ľr eine Diffusionslegierung ist das Aufkohlen von Werkst√ľcken, um sie h√§rten zu k√∂nnen (s.Tempern).
  • Heuslersche Legierungen sind sehr spezielle ferromagnetische Legierungen, die kein Eisen, Kobalt oder Nickel enthalten (Beispiel Cu2AlMn).
  • Formged√§chtnis-Legierungen sind Metalle, die nach einer Verformung durch Hitzeeinwirkung zu ihrer Ursprungsform zur√ľckkehren.
  • Gusslegierungen dienen direkter Formgebung.
  • Knetlegierungen sind als ‚ÄěHalbzeug‚Äú ein Zwischenprodukt, das zu weiterer walzender, pressender oder ziehender Umformung bestimmt ist.
  • Pseudolegierungen nennt man die durch Sintern (Zusammenpressen verschiedener, innig vermengter Metallpulver bei hoher Temperatur) entstandenen Werkst√ľcke. Mit diesem Verfahren lassen sich auch Elemente mischen, die sich im schmelzfl√ľssigen Zustand nicht ineinander l√∂sen w√ľrden. Viele Wolfram-Legierungen werden z. B. so hergestellt.

Legierungsformel

Um eine Legierung zu beschreiben, gibt man √ľblicherweise die prozentualen Massenanteile ihrer Komponenten an. Die Legierung CuZn 37 (fr√ľhere Bezeichnung Messing 63) besteht zum Beispiel aus 37 % Zink und 63 % Kupfer, d. h. in 100 kg CuZn 37 sind 37 kg Zink und 63 kg Kupfer enthalten.

Die Angabe von Legierungsanteilen ist unter anderem durch die DIN 1310 Zusammensetzung von Mischphasen (Gasgemisch, Lösungen, Mischkristall); Grundbegriffe geregelt.

Zustandsschaubild (Zustandsdiagramm, Phasendiagramm)

Durch Kristallisations-Versuchsreihen mit verschiedenen Legierungen unterschiedlicher Zusammensetzung bei der Thermischen Analyse werden die Kristallisations- bzw. Kristallumwandlungspunkte aufgezeichnet und in ein Temperatur-Zusammensetzungs-Diagramm eingetragen, wobei die Temperatur in Abhängigkeit zur Legierungszusammensetzung steht.

F√ľr Zweistoffsysteme haben sich dabei vor allem in Hinsicht auf das Kristallsystem drei typische Formen von Zustandsschaubildern ergeben:

Zweistoffsysteme mit vollständiger Löslichkeit im festen Zustand

Bei vollst√§ndiger L√∂slichkeit im festen Zustand bilden sich in jeder Zusammensetzung Mischkristalle. Es gibt zwei M√∂glichkeiten der Mischkristallbildung (MK), Einlagerungs- und Substitutionsmischkristall. Typische Substitutions-MK-Bildner sind die Legierungen Eisen-Chrom, Eisen-Nickel, Gold-Kupfer, Gold-Silber und Kupfer-Nickel. Ein wichtiger Einlagerungs-MK-Bildner ist Austenit (ő≥-Eisen-Kohlenstoff).

Damit eine Legierung in jeder Zusammensetzung Mischkristalle mit vollkommener Löslichkeit im festen Zustand bilden kann, sind folgende Voraussetzungen nötig:

  1. Beide Metalle m√ľssen das gleiche Kristallsystem aufweisen (beispielsweise kubisch).
  2. Die Gitterkonstanten d√ľrfen sich um maximal etwa 15 % unterscheiden.
  3. Die beiden Metalle m√ľssen eine ‚Äěgewisse chemische √Ąhnlichkeit‚Äú haben.
  4. Die Elektronegativit√§tsdifferenz darf ‚Äěnicht zu gro√ü‚Äú sein.

Durch die Mischkristallbildung wird auch bei noch so gro√üer √Ąhnlichkeit der Legierungselemente immer das Kristallgitter verzerrt, da die verschiedenen Elemente auch verschiedene Atomdurchmesser besitzen. Dadurch entstehen Spannungen; die Gleitebenen der Kristallite werden dabei behindert, Verformungen nachzugeben. Die Gitterverzerrung erh√∂ht also die H√§rte.

Ein beliebtes Beispiel f√ľr eine Legierung mit vollkommener L√∂slichkeit im festen Zustand ist das Zweistoffsystem Cu-Ni.

Abk√ľhlkurven Zustandsschaubild
Abk√ľhlkurven und Zustandsschaubild einer Legierung verschiedener Zusammensetzung mit Mischkristallbildung


Die Legierungen (Kurven 2-5) erstarren im Gegensatz zu den Basismetallen (Kurven 1,6) nicht bei einer festen Temperatur, sondern in einem Haltebereich. Die Temperatur bleibt also nicht konstant, sondern sinkt langsam. Die Haltebereiche verschiedener Zusammensetzungen einer Legierung liegen jedoch immer zwischen den jeweiligen Erstarrungstemperaturen ihrer reinen Komponenten.

Ursache daf√ľr ist die ‚ÄěBehinderung‚Äú der Kristallisation in einer Legierung durch Komponente A (Kurve 1), die, wenn sie k√∂nnte, bei noch tieferer Temperatur erstarren w√ľrde. Komponente B dagegen ‚Äědr√§ngt‚Äú auf Erstarrung, die eigentlich schon eher h√§tte beginnen m√ľssen. Diese Tatsache ist auch der Grund daf√ľr, dass die w√§hrend der Erstarrung entstehenden Kristalle ihr Mischungsverh√§ltnis √§ndern und erst bei gen√ľgend langsamer Abk√ľhlung (Thermisches Gleichgewicht) bis zum Ende der Erstarrung das gew√ľnschte Mischungsverh√§ltnis durch Diffusion erreicht wird.

Ablesen lassen sich diese Zusammensetzungen am Zustandsschaubild, indem man durch jeden beliebigen Punkt an der ausgewählten Legierung (Bild WL) eine Waagerechte bis zur Soliduslinie zieht. Bei der Liquidustemperatur TLi (Beginn der Erstarrung) besitzen die ersten Kristalle also eine Zusammensetzung von WMLi. Auch die jeweilige Zusammensetzung der Restschmelze lässt sich auf diese Weise ermitteln, indem man zum Beispiel bei Tm die Waagerechte bis zur Liquiduslinie durchzieht. Die Schmelze hätte also an diesem Punkt die Zusammensetzung WSm und die Mischkristalle die Zusammensetzung WMm.

Mit Hilfe des Zustandsschaubildes lässt sich auch berechnen, wie hoch bei jeder Zwischentemperatur der Anteil an Schmelze bzw. der Anteil an Mischkristallen ist:

M_\mathrm{S} \cdot W_\mathrm{Sm} + M_\mathrm{MK} \cdot W_\mathrm{Mm} = 1 \cdot W_\mathrm{L}

M_\mathrm{S} + M_\mathrm{MK} = 1\

M_\mathrm{MK} = \frac{W_\mathrm{L} - W_\mathrm{Sm}}{W_\mathrm{Mm} - W_\mathrm{Sm}}

M_\mathrm{S} = \frac{W_\mathrm{Mm} - W_\mathrm{L}}{W_\mathrm{Mm} - W_\mathrm{Sm}}

MS = Anteil Schmelze
WSm = Zusammensetzung Schmelze (bei Tm)
MMK = Anteil Mischkristalle
WMm = Zusammensetzung Mischkristalle (bei Tm)
WL = Zusammensetzung Legierung

Zweistoffsysteme mit vollständiger Unlöslichkeit im festen Zustand

Legierungen dieser Art sind zwar in der Schmelze ineinander gel√∂st, entmischen sich jedoch w√§hrend der Kristallisation vollst√§ndig. Es entsteht ein Kristallgemisch der reinen Komponenten. (siehe Gef√ľgeschliffbilder-Eutektikum)

Abk√ľhlkurven Zustandsschaubild
Abk√ľhlkurven und Zustandsschaubild einer Legierung verschiedener Zusammensetzung bei getrennter Kristallbildung


Auch bei getrennter Kristallbildung erstarren die Legierungen 2, 4 und 5 zun√§chst in einem Haltebereich. Gegen Ende der Erstarrung beschreiben die Temperaturkurven allerdings einen Haltepunkt √§hnlich dem eines reinen Metalls. Legierung 3 erstarrt sogar ausschlie√ülich in einem Haltepunkt.

Der Grund f√ľr dieses Verhalten liegt in der starken, gegenseitigen Behinderung der beiden Komponenten, die sich w√§hrend der Kristallisation entmischen, um Kristalle der eigenen Art bilden zu k√∂nnen. Das Maximum an gegenseitiger St√∂rung liegt demnach bei Legierung 3, bei der sich im Erstarrungspunkt gleichzeitig Kristalle der Komponenten A und B bilden. Bedingt durch die anhaltende, gegenseitige Behinderung beim Entmischen und der tiefen Temperatur sind die Wege der Atome allerdings sehr klein und das Kristallgemisch daher sehr feink√∂rnig.

Dieser Besonderheit wegen erh√§lt Legierung 3 den Namen Eutektische Legierung (= Das Feine ; Das Wohlgebaute). Die allen Legierungen gemeinsame Soliduslinie wird entsprechend Eutektikale genannt und die dazu geh√∂rige Temperatur eutektische Temperatur (TEu).

Ein herausragendes Beispiel f√ľr eine eutektische Legierung mit besonders tiefem Schmelzpunkt ist die Wood'sche Legierung, deren Schmelzpunkt bei 70 ¬įC liegt.

Bei Legierungen, die entweder links (= untereutektisch) oder rechts (= √ľbereutektisch) vom Eutektikum liegen, erstarren zun√§chst Prim√§rkristalle der Komponente A bzw. Prim√§rkristalle der Komponente B. Der Anteil an Prim√§rkristallen in einer Legierung l√§sst sich mithilfe des Zustandsschaubildes errechnen. Die Berechnung setzt dabei am Punkt TEu an, also an der Stelle, an der die Restschmelze gerade eben die eutektische Zusammensetzung erreicht:

M_{Eu} = \frac{W_L - W_{Pr}}{W_{Eu} - W_{Pr}}

M_{Pr} = \frac{W_{Eu} - W_L}{W_{Eu} - W_{Pr}}

MEu = Anteil Restschmelze eutektischer Zusammensetzung = Anteil des Eutektikums

MPr = Anteil Primärkristalle
WL = Zusammensetzung Legierung
WPr = Zusammensetzung der Primärkristalle
WEu = Zusammensetzung des Eutektikums

Zweistoffsysteme mit begrenzter Löslichkeit im festen Zustand

Legierungen dieser Art können, wie der Titel schon andeutet, zwar Mischkristalle bilden, jedoch nicht in jeder Zusammensetzung. Im Gegensatz zu Legierungen mit vollkommener Löslichkeit unterscheiden sich hier die Atomgrößen stärker, was bedeutet, dass die Gitterverzerrungen ab einer gewissen Zusammensetzung unerträglich werden. Auch das Kristallsystem kann ein Hindernis sein, wenn sich die Legierungselemente im Kristallsystem zwar ähnlich, aber nicht gleich sind.

So kann zum Beispiel jede Komponente in der Legierung Blei (kubisch-fl√§chenzentriert) ‚Äď Zinn (tetragonal-raumzentriert) mit der anderen in begrenztem Ma√üe Austausch-Mischkristalle bilden.

Typische MK-Bildner begrenzter Löslichkeit: Aluminium-Magnesium, Blei-Zinn, Kupfer-Aluminium, Kupfer-Zink, Kupfer-Zinn, Zink-Aluminium

Begrenzte L√∂slichkeit im festen Zustand hei√üt aber nicht nur, dass die eine Komponente beim Kristallisieren bis zu einem gewissen Prozentsatz Atome der anderen Komponente aufnehmen kann, sondern auch, dass die L√∂slichkeit bei sinkender Temperatur abnimmt. Da die Bewegungsenergie der Atome geringer wird, schrumpft nat√ľrlich auch entsprechend die Gitterkonstante des vorliegenden Kristallsystems, und es bietet Fremdatomen weniger Platz. Die Folge davon ist, dass die Mischkristalle ab der √úbergangstemperatur T√ú beginnen, sich zu entmischen.

Genau diese Eigenschaft ‚Äď teilweise Entmischung der Komponenten durch abnehmende L√∂slichkeit bei tieferen Temperaturen - wird beim H√§rten einer solchen Legierung ausgenutzt. Man spricht hierbei auch von der Ausscheidungsh√§rtung.

Abk√ľhlkurven Zustandsschaubild
Abk√ľhlkurven und Zustandsschaubild einer Legierung verschiedener Zusammensetzung mit Mischkristallbildung begrenzter L√∂slichkeit im festen Zustand


Legierung 1 erstarrt somit von TLi 1 bis TSol 1 zu Mischkristallen mit dem Kristallsystem von A, genannt őĪ-Kristalle. Bis T√ú bleibt der homogene Zustand erhalten. Die Mischkristalle sind ges√§ttigt, was bedeutet, dass Komponente A bis zur, f√ľr diese Legierung, maximalen L√∂slichkeit die Komponente B aufgenommen hat.

Bei T√ú wandern die Atome von B entsprechend der maximalen L√∂slichkeit f√ľr diese Temperatur zu den Korngrenzen und bilden dort Sekund√§r-Mischkristalle mit dem Kristallsystem von B, genannt ő≤-Mischkristalle. Zum Ausgleich diffundieren entsprechend A-Atome ins Korninnere.

Der Anteil der Sekundär-Mischkristalle lässt sich nach folgender Formel berechnen:

M_{S\beta} = \frac{W_{S\alpha} - W_L}{W_{S\alpha} - W_{S\beta}}

\left(M_{S\alpha} = \frac{W_L - W_{S\beta}}{W_{S\alpha} - W_{S\beta}}\right)

MSő≤ = Anteil Sekund√§r-ő≤-Mischkristalle

WL = Zusammensetzung Legierung
WSő≤ = Zusammensetzung Sekund√§r-ő≤-Mischkristalle
WSőĪ = Zusammensetzung Sekund√§r-őĪ-Mischkristalle
MSőĪ = Anteil Sekund√§r-őĪ-Mischkristalle

WSőĪ und WSő≤ entsprechen bei Raumtemperatur WSGőĪ und WSGő≤ (SG = S√§ttigungsgrenze)

Legierung 2 kristallisiert zun√§chst genau wie Legierung 1. Bei Erreichen der Eutektikalen erstarrt die Restschmelze jedoch in einem Haltepunkt und es bildet sich ein feink√∂rniges Gemisch aus őĪ- und ő≤-Mischkristallen, welches, wie bei getrennter Kristallbildung, Eutektikum genannt wird. Die zuvor entstandenen őĪ-Mischkristalle entsprechen den Prim√§rkristallen.

Unterhalb der Eutektikalen scheiden auch bei dieser Legierung aus den Prim√§r-őĪ-Mischkristallen B-Atome aus. Um hier den Anteil der Sekund√§r-ő≤-Mischkristalle aus den Prim√§r-Kristallen berechnen zu k√∂nnen, muss zuerst der Anteil an Prim√§rkristallen an der Gesamtlegierung berechnet werden. Die Berechnung entspricht derjenigen bei getrennter Kristallisation. Anschlie√üend wird der Anteil Sekund√§r-ő≤-Mischkristalle aus den Prim√§rkristallen berechnet und mit dem Anteil der Prim√§rkristalle multipliziert :

1) M_{Pr} = \frac{W_{Eu} - W_L}{W_{Eu} - W_{Pr}}

\left(M_{Eu} = \frac{W_L - W_{Pr}}{W_{Eu} - W_{Pr}}\right)

2) M_{S\beta} = \frac{W_{S\alpha} - W_\alpha}{W_{S\alpha} - W_{S\beta}}

3) M_{LS\beta} = M_{S\beta} \cdot M_{Pr}

MPr = Anteil Prim√§rkristalle in %

WEu = Zusammensetzung des Eutektikums
WL = Zusammensetzung Legierung
WPr = WMLőĪ = Zusammensetzung Prim√§rkristalle (ML= Mischungsl√ľcke)

MSő≤ = Anteil Sekund√§r-ő≤-Mischkristalle (nicht in %)
WSőĪ = Zusammensetzung Sekund√§r-őĪ-Mischkristalle
WőĪ = Zusammensetzung Prim√§r-őĪ-Mischkristalle
WSő≤ = Zusammensetzung Sekund√§r-ő≤-Mischkristalle

MLSő≤ = Anteil Sekund√§r-ő≤-Mischkristalle an der Legierung

Die Anteile der Sekund√§r-Kristalle im Eutektikum zu berechnen ist nicht sinnvoll, da sie hier keine neue Phase bilden. Es werden lediglich Atome, unter Erhaltung des Kristallsystems, umgruppiert. Weder im Gef√ľgeschliffbild noch in den technischen Eigenschaften lassen sich deshalb Unterschiede feststellen.

Intermediäre Kristalle

Eine weitere M√∂glichkeit zur Legierungsbildung besteht darin, dass die beteiligten Elemente zwar einen gemeinsamen Kristall bilden, der jedoch keinem Kristallsystem der Basiselemente √§hnelt. Es entsteht ein eigenes Kristallsystem, das im Gegensatz zu denen von reinen Metallen sehr kompliziert aufgebaut sein kann. Solche Verbindungen sind zudem sehr hart und spr√∂de. Au√üerdem erfordern diese Kristalle ein festes Atomzahlenverh√§ltnis. Eine Legierung mit intermedi√§rer Kristallbildung, deren Legierungselemente ausschlie√ülich Metalle sind, nennt man Intermetallische Phase (mit L√∂slichkeit f√ľr die konstituierenden Elemente) oder auch intermetallische Verbindung (bei st√∂chiometrischer Zusammensetzung).

Beispiele f√ľr intermedi√§re Kristallisation sind Al2Cu, Mg2Si, Cu4Sn, Fe3C (Zementit) und WC (Wolframcarbid).

Die Kristallisationsformel gleicht der Formel f√ľr chemische Verbindungen, welche aber im Gegensatz zu Legierungen eine v√∂llig andere Verbindungsart aufweisen.

Siehe auch

Literatur

  • Arnold Fr. Holleman, Egon Wiberg: Lehrbuch der Anorganischen Chemie. de Gruyter, Berlin 1995, ISBN 3-11-012641-9.
  • Alfred B√∂ge: Das Techniker Handbuch, Vieweg Verlag, ISBN 3-528-14053-4.
  • Erhard Hornbogen: Werkstoffe. Springer Verlag, 2006, ISBN 3-540-30723-0.
  • Dieter Kohtz: Einf√ľhrung in die Werkstoffkunde f√ľr Metallschwei√üer. In: Der Praktiker: das Magazin f√ľr Schwei√ütechnik und mehr. 9/1982 bis 1/1985, DVS-Verlag, ISSN 0554-9965.
  • Erwin Riedel: Anorganische Chemie. de Gruyter, Berlin 2002, ISBN 3-11-017439-1.
  • Ulrich M√ľller: Anorganische Strukturchemie. B.G. Teubner, Stuttgart 2004, ISBN 3-519-33512-3.
  • Wilhelm Domke: Werkstoffkunde und Werkstoffpr√ľfung. Cornelsen Verlag, ISBN 3-590-81220-6.

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Dieter Kohtz: Einf√ľhrung in die Werkstoffkunde f√ľr Metallschwei√üer. In: Der Praktiker: das Magazin f√ľr Schwei√ütechnik und mehr. 1/1984, DVS-Verlag, ISSN 0554-9965.
  2. ‚ÜĎ Friedrich Baumann: Geschichte des Zinngie√üens. Abgerufen am 2. Apr. 2009.
  3. ‚ÜĎ Kupfer-Institut: Kupfer
  4. ‚ÜĎ Marianne Sch√∂nnenbeck, Frank Neumann: Geschichte des Zink. Rheinzink, abgerufen am 2. Apr. 2009.
  5. ‚ÜĎ Helmut F√∂ll: Geschichte des Stahls. In: Einf√ľhrung in die Materialwissenschaft I. Abgerufen am 2. Apr. 2009.
  6. ‚ÜĎ s. Anhang ab S. 1430 mit zahlreichen Zustandsschaubildern bin√§rer und tern√§re Legierungssysteme

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Legierung ‚Äď Bedeutungserkl√§rungen, Wortherkunft, Synonyme, √úbersetzungen
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Synonyme:

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  • Legierung ‚ÄĒ Le|gie|rung ‚Ķ   Die deutsche Rechtschreibung


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