Lenin

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Lenin
Wladimir Iljitsch Lenin, 1920

Wladimir Iljitsch Uljanow (russisch Đ’Đ»Đ°ĐŽĐžĐŒĐžŃ€ Đ˜Đ»ŃŒĐžŃ‡ ĐŁĐ»ŃŒŃĐœĐŸĐČ, wiss. Transliteration Vladimir Il'ič Ul'janov, Kampfname Lenin, russisch Đ›Đ”ĐœĐžĐœ anhören?/i; * 10.jul./ 22. April 1870greg. in Simbirsk; † 21. Januar 1924 in Gorki bei Moskau) war ein kommunistischer Politiker, marxistischer Theoretiker und gilt als BegrĂŒnder der Sowjetunion.

Nachdem sein Bruder wegen eines geplanten Attentats auf den Zaren hingerichtet worden war, schloss sich der junge Lenin den marxistischen Sozialdemokraten an und widmete sich der Untergrundarbeit fĂŒr eine kommunistische Revolution in Russland. Mehrmals musste er ins Exil emigrieren, die meiste Zeit in die Schweiz. Er grĂŒndete 1903 eine eigene Fraktion in der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands, die Bolschewiki, die spĂ€tere Kommunistische Partei Russlands.

Nachdem Anfang 1917 in Russland die Monarchie in einer bĂŒrgerlichen Revolution gestĂŒrzt worden war und die neue Regierung an Russlands Beteiligung am Ersten Weltkrieg festhalten wollte, eroberte die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Russlands (Bolschewiki) unter Lenins FĂŒhrung in der Oktoberrevolution die Macht. Sie löste die verfassungsgebende Versammlung gewaltsam auf und schrĂ€nkte die Meinungsfreiheit ein. Es gelang den Bolschewiken im nun folgenden BĂŒrgerkrieg, den Großteil der Gebiete des ehemaligen Russischen Reiches unter ihre Kontrolle zu bringen und den Widerstand der Weißen Armeen und auch anderer gegnerischer BĂŒrgerkriegsparteien militĂ€risch und durch Einsatz des roten Terrors zu brechen, trotz der materiellen UnterstĂŒtzung der Weißen Armee und der zeitweiligen Besetzung russischer Gebiete durch andere Staaten. Gegen Ende des Krieges, 1922, grĂŒndeten die Bolschewiki die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken.

Zu dieser Zeit war Lenin bereits schwer krank. Nach seinem Tod 1924 wurde sein Leichnam einbalsamiert und in einem Mausoleum an der Mauer des Kremls ausgestellt. In der Folge stellten die Stalinisten Lenins Bedeutung fĂŒr die Sowjetunion und den Kommunismus Moskauer PrĂ€gung immer weiter heraus. Innerhalb der politischen Linken ist die Beurteilung der Rolle Lenins bis heute umstritten. Anschauungen, die in den Schriften Karl Marx' ein geschlossenes Ideologiegebilde erkennen, betrachten Lenin als herausragenden Theoretiker, der dem Marxismus mit dem Leninismus eine maßgebliche Weiterentwicklung gab. Nach Lenins Tod, seit der Zeit des Stalinismus, wurde daraus die Ideologie des Marxismus-Leninismus konstruiert. Auf der anderen Seite stehen Verweise auf Menschenrechtsverletzungen, Dogmatismus und antidemokratische Tendenzen, die mit modernen Sozialismuskonzepten nicht vereinbar seien. Eine große Rolle bei der Beurteilung der leninschen Theorie spielen die Fragen, ob sich der Kommunismus auch in einem industriell rĂŒckstĂ€ndigen Land entwickeln könne, und welche Rolle dabei einer Partei neuen Typus zukam.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Familie

Lenin stammte aus einer sozial und kulturell liberal engagierten Familie, die 1882 in den erblichen Adelsstand erhoben wurde. Der Großvater mĂŒtterlicherseits, Dr. Alexander Dimitrijewitsch Blank (* 1799 in Staro Konstantinowa (Wolhynien) als Srul Blank; † 17. Juli 1870 in Kokuschkino), war jĂŒdischer Herkunft, jedoch nicht glĂ€ubig und konvertierte wĂ€hrend seines Medizinstudiums zum christlich-orthodoxen Glauben. Seine Ehefrau Anna (* 1799 in Sankt Petersburg; † 1838), deren familiĂ€re UrsprĂŒnge sich nach LĂŒbeck zurĂŒckverfolgen lassen, war deutsch-baltischer und schwedischer Herkunft sowie lutherischer Konfession, die sie trotz Ă€ußerlicher Konversion zum orthodoxen Glauben behielt. Beide heirateten um 1828 in Sankt Petersburg. Die Erziehung der Kinder ĂŒbernahm nach dem Tod der Mutter deren Schwester Katharina Eleonore Grosschopff, verwitwete Katharina von Essen (* 3. April 1801 in Sankt Petersburg; †  1863), mit der Alexander Blank zusammenlebte, obwohl eine Heirat nicht genehmigt wurde.[1]

Lenins deutsch erzogene Mutter, Maria Alexandrowna Blank (1835–1916), wuchs in einem Dorf auf und erhielt eine hĂ€usliche Bildung. Als Autodidaktin erlernte sie mehrere Fremdsprachen. Sie heiratete 1863 den Mathematik- und Physiklehrer Ilja Nikolajewitsch Uljanow (1831–1886). Obwohl sie in demselben Jahr als Externe das Lehrerinnenexamen ablegte, worauf sie sich selbststĂ€ndig vorbereitet hatte, widmete sie sich ihrer Familie und konnte deswegen nicht arbeiten.[2]

Lenins Vater hatte 1854 die Kasaner UniversitĂ€t absolviert. Er gab 1869 seine langjĂ€hrige LehrtĂ€tigkeit an höheren Schulen in Pensa und Nischni Nowgorod auf und wurde zunĂ€chst Inspektor, spĂ€ter Direktor von Volksschuleinrichtungen in Simbirsk. Er wurde 1882 in den erblichen Adelsstand erhoben. In fast 20 Jahren seiner TĂ€tigkeit stieg die Zahl der Schulen im Gouvernement Simbirsk bedeutend. Außerdem erzog er viele fortschrittliche Lehrer, die „Uljanower“ genannt wurden.[2]

Die Eltern Lenins lebten in Simbirsk. Die Familie Uljanow hatte dabei eine Geschichte des sozialen Aufstiegs hinter sich. Lenins Großvater vĂ€terlicherseits war ein aus der Leibeigenschaft befreiter Bauer, der sich als Schneider niederließ.

Jugend

Lenin als Jugendlicher (ca. 1887)

Nach zaristischer Rangordnung war Lenin ein Dworjanin, ein Adliger, auch wenn erst der Vater in den Adelsstand erhoben worden war und die Familie nicht recht an die höhere Gesellschaft anschließen konnte. Sein Vater verstarb unerwartet im Januar 1886 an einer Hirnblutung.[3] Lenins Ă€lterer Bruder Alexander, Student an der Mathematisch-Physikalischen FakultĂ€t an der UniversitĂ€t Sankt Petersburg, hatte sich einer revolutionĂ€ren Gruppe angeschlossen, die den Zaren Alexander III. ermorden wollte.[4] Er wurde am 20. Mai 1887 hingerichtet. Die Familie wurde anschließend fast vollstĂ€ndig gemieden, lebte aber trotz des Todes des Vaters und des Stigmas der Hinrichtung in materiellem Wohlstand. Neben einer stattlichen Rente hatte sie EinkĂŒnfte aus dem Besitz eines Landguts, das noch zu Lebzeiten des Vaters aus der Mitgift der Mutter erworben worden war.[5]

Zusammen mit dem frĂŒhen Tod des Vaters prĂ€gte die Hinrichtung seines Bruders den jungen Lenin entscheidend. Sein Bruder wurde drei Tage nach dem Beginn der AbschlussprĂŒfungen Lenins an der Schule gehĂ€ngt. Lenin bestand diese trotzdem mit Auszeichnung.[3] Er studierte die BĂŒcher, die Alexander hinterlassen hatte, vor allem die des verbannten RevolutionĂ€rs Nikolai Gawrilowitsch Tschernyschewski, der fĂŒr eine klassenlose Gesellschaft eintrat.[6] Lenin hatte viele intellektuelle Interessen wie Literatur und Altphilologie und wurde auch ein guter Schachspieler.[7]

Lenin konnte nicht in Sankt Petersburg studieren und schrieb sich an der UniversitĂ€t Kasan ein (Jura). Schon in seinem ersten Jahr beteiligte Lenin sich an einem Studentenprotest und wurde am 6. Dezember 1887 zusammen mit 38 anderen Studenten von der UniversitĂ€t verwiesen.[8] Lenin nahm bei diesem Treffen keine fĂŒhrende Rolle ein. Seine Bestrafung durch die Behörden war vor allem durch die Geschichte seines Bruders motiviert. Der Vater des spĂ€teren MinisterprĂ€sidenten Alexander Kerenski der Provisorischen Regierung, Fjodor Kerenski, der Lenin am Gymnasium unterrichtet hatte und ihn als MusterschĂŒler beschrieb, setzte sich vergeblich fĂŒr die Aufhebung des Urteils ein.[9]

Bei Samara bezog die Familie im Mai 1889 ein Gut, das sie mit ihrem Kapital erworben hatte; bald darauf aber verpachtete sie es. Lenin erwies sich als ungeeignet zum Gutsverwalter und gab sich auch keine MĂŒhe.[10] Entgegen einer spĂ€ter weit verbreiteten Behauptung hat er keine Kontakte zu Bauernfamilien gehabt, sein Wissen ĂŒber das Bauerntum stammte vielmehr aus BĂŒchern wie denen von Gleb Uspenski. Dieser Ă€ußerte sich negativ ĂŒber die russischen Bauern, denen er Trunksucht, Gewalt und Fremdenfeindlichkeit unterstellte.

Lenin lebte vom Vermögen der Familie, unternahm lange Wanderungen, gab den jĂŒngeren Geschwistern Nachhilfe, las politische Literatur und setzte sein Jurastudium als Autodidakt fort.[11] Er durfte 1891 die PrĂŒfungen als Externer abschließen, was ihm auch als Bester in allen FĂ€chern gelang. Die spĂ€tere Propaganda verschwieg, dass auch Kirchen- und Polizeirecht dazu gehörte. Am 30. Januar 1892 nahm Lenin eine TĂ€tigkeit als Rechtsanwaltsgehilfe auf.[12] Er betĂ€tigte sich auch in einigen wenigen FĂ€llen als Strafverteidiger und nahm zwei persönliche FĂ€lle an. Einmal gegen Bauern, die ihr Vieh unberechtigterweise auf dem Anwesen seiner Familie hatten weiden lassen. Ein anderes Mal klagte er gegen einen ehemaligen französischen Adligen, der ihn bei einem Besuch in Paris mit seinem Auto angefahren hatte.[13]

Beginn der politischen TĂ€tigkeit

Fahndungsfoto von Lenin

Lenin beschĂ€ftigte sich bereits in jungen Jahren mit verschiedenen politischen Theorien. Einerseits setzte er sich kritisch mit den russischen „Bauernsozialisten“ oder „VolkstĂŒmlern“ (den Narodniki), welche eine eigene Variante des Sozialismus propagierten, und andererseits mit den Thesen von Karl Marx, die er bereits theoretisch interpretierte, auseinander. Lenin hielt Russland fĂŒr wirtschaftlich und sozial fortgeschrittener als es tatsĂ€chlich war, so dass er an eine baldige proletarische Revolution glaubte. Andere RevolutionĂ€re fanden, Lenins Marxismus setze noch zu sehr auf die terroristischen Aspekte der Narodniki, so wiederholte Lenin den Satz von Sergej Netschajew, „das ganze Haus Romanow“ mĂŒsse getötet werden.[14]

1891 verurteilte Lenin die Hilfsaktionen der gebildeten Schicht anlĂ€sslich der Hungersnot in der Provinz Samara, in der er als Anwalt tĂ€tig war. Er wertete die Hungersnot als Schritt in Richtung Sozialismus, da sie den Glauben an Gott und den Zaren zerstöre.[15] Vom PĂ€chter seines eigenen Landgutes forderte er die volle vereinbarte Summe, der wiederum die Bauern trotz der Hungersnot voll zahlen ließ.[16]

1893 zog er nach Sankt Petersburg. Dort studierte er die Theorien von Georgi Plechanow, dem er spĂ€ter in der Schweiz auch selber begegnete. Nach einer mehrmonatigen Europareise durch Deutschland, Frankreich und die Schweiz grĂŒndete er den „Bund fĂŒr die Befreiung der Arbeiterklasse“ (â€žĐĄĐŸŃŽĐ· Đ±ĐŸŃ€ŃŒĐ±Ń‹ Đ·Đ° ĐŸŃĐČĐŸĐ±ĐŸĐ¶ĐŽĐ”ĐœĐžĐ” Ń€Đ°Đ±ĐŸŃ‡Đ”ĐłĐŸ ĐșĐ»Đ°ŃŃĐ°â€œ). Sobald er im Herbst nach Russland zurĂŒckgekommen war, nahm er seine agitatorische TĂ€tigkeit wieder auf.

WĂ€hrend der Vorbereitung einer illegalen Zeitung Die Sache der Arbeiter wurde er im Dezember 1895 verhaftet (Anklage: Agitation).[17] Im UntersuchungsgefĂ€ngnis richtete er sich eine Bibliothek in seinem „Studierzimmer“ ein und verbrachte dort 14 Monate. 1897 wurde er im Februar fĂŒr drei Jahre nach Schuschenskoje in SĂŒdsibirien verbannt, wo er unter Polizeiaufsicht leben musste. In Ufa traf er auch wieder Nadeschda Krupskaja, die er 1898 in der Verbannung heiratete.

Sofort nach der RĂŒckkehr aus der Verbannung im Februar 1900 suchte Lenin nach einer Möglichkeit, eine von der Zensur unabhĂ€ngige Zeitung herauszubringen. In Russland war das nicht möglich, und so ging er am 29. Juli 1900 fĂŒr ĂŒber fĂŒnf Jahre ins Ausland. Nach einem kĂŒrzeren Aufenthalt in Genf, wo er sich mit Plechanow ĂŒber die Herausgabe der Zeitung Iskra („Der Funke“) einigte, ließ sich Lenin bei dem sozialdemokratischen Gastwirt Rittmeyer in der Kaiserstraße 53 in MĂŒnchen illegal nieder. Im Jahr 1901 erschien die von ihm mit herausgegebene Zeitung Sarja („Morgenröte“).

1902 veröffentlichte er in der bayerischen Landeshauptstadt die programmatische Schrift Was tun?, unter dem Decknamen „N. Lenin“. Sie machte ihn unter den RevolutionĂ€ren bekannt, polarisierte aber auch stark. Darin entwarf er das Bild einer geheim agierenden, disziplinierten und zentralisierten Arbeiterpartei, bestehend aus BerufsrevolutionĂ€ren. Die Partei sollte in ideologischen und strategischen Fragen geeint auftreten und die Masse der Bevölkerung auf dem Weg zur Revolution anfĂŒhren.[18] Die Notwendigkeit einer solchen konspirativen Organisation begrĂŒndete Lenin damit, dass im autokratischen Zarenreich keine andere Partei erfolgreich einen Umsturz einleiten könne. Er orientierte sich dabei auch an den Vorbildern der Narodniki aus dem vorigen Jahrhundert, die ebensolche Methoden der politischen Arbeit anwandten. Lenin wandte sich in seiner Schrift explizit gegen die liberalere Linke, die eine VerĂ€nderung durch basisdemokratische Organisation und Gewerkschaften erwirken wollte.[19] Die Idee der Partei als straff gefĂŒhrte Geheimorganisation war bei den Organisationsbereiten unter Russlands Linken nicht strittig, und Lenin bemĂŒhte sich mit Zitaten von Marx und anderen, die Forderungen marxistisch zu begrĂŒnden. Manch russischen Marxisten empörte es, dass Lenin dabei terroristische BauernfĂŒhrer und den „Massenterror“ von Petr Tkatschew lobte. Lenins Betonung der konspirativnost konnte als Aufruf zu Verschwörungen interpretiert werden.[18] SpĂ€ter wurde Lenins Organisationsmodell als „Demokratischer Zentralismus“ bekannt.

Siehe auch: Leninismus.

Deckname

Ab Dezember 1900 verwendete er den Decknamen beziehungsweise das Pseudonym „Lenin“. Es gibt keine schlĂŒssige oder gesicherte ErklĂ€rung bezĂŒglich der Herkunft des Pseudonyms. Eine ErklĂ€rung besagt, dass er sich dabei auf den sibirischen Strom Lena bezog (Lenin bedeutet russisch: „Der vom Fluss Lena Stammende“) – nach Sibirien verbannt zu werden, bedeutete damals praktisch, dass man im Russischen Kaiserreich als anerkannter Oppositioneller galt. Eine andere ErklĂ€rung besagt, dass er mehr an sein KindermĂ€dchen Lena dachte, und dass er bereits als kleiner Junge auf die Frage, „wessen [Kind] er sei“ zu antworten pflegte: „Lenin!“ (deutsch: „Lenas!“).

Lenin hatte mehrere Decknamen, beispielsweise lebte er im MĂŒnchner Stadtteil Schwabing als Iordan K. Iordanov und andernorts in MĂŒnchen unter dem Namen Mayer.[20] Vor diesem Hintergrund wirkt die Wahl des Pseudonyms eher zufĂ€llig.[21]

Aufbau der Partei

Spiegelgasse 14 in ZĂŒrich: Eine Gedenktafel erinnert an Lenins Aufenthalt in diesem Haus, wo er zur Untermiete wohnte.
Gedenktafel
Spiegelgasse 14, Fotos von 1920

Lenin betrieb den Aufbau einer streng organisierten Kaderpartei aus „BerufsrevolutionĂ€ren“ und wurde wegen seiner – von der IllegalitĂ€t erzwungenen, aber auch vom russischen revolutionĂ€ren Terrorismus inspirierten – RigorositĂ€t und wegen seiner radikalen theoretischen Positionen der am meisten beachtete linke Sozialdemokrat.

Die Ansichten und Absichten Lenins fĂŒhrten 1903 auf dem zweiten Parteitag (in London) zur faktischen Spaltung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands (SDAPR). Lenin hatte erfolgreich seine AnhĂ€nger in das Organisationskomitee platziert.[22] UnterstĂŒtzt von Plechanow und durch den Auszug der reformorientierten „Ökonomisten“ und der jĂŒdischen Delegierten vom „Bund“ gelang es Lenin, seine Hauptforderungen in das Parteiprogramm und das Statut zu bringen, u.a. die Betonung der „Diktatur des Proletariats“.[23] Seine Forderung, die Parteimitglieder neben materieller UnterstĂŒtzung auch zu persönlicher Mitarbeit zu verpflichten, wurde jedoch von der Gruppe um Julius Martow abgelehnt. Lenin nannte aufgrund der Abstimmungsmehrheit seine Gruppe Bolschewiki (vom russischen Wort fĂŒr „Mehrheit“) und die GemĂ€ĂŸigten Menschewiki („Minderheit“).

1905 brach eine Russische Revolution aus, wĂ€hrend das Land sich im Krieg mit Japan befand. FĂŒr Lenin stand nicht der innenpolitische Kampf gegen die Regierung, sondern der Kampf gegen die Menschewiki im Vordergrund, wĂ€hrend er außenpolitisch fĂŒr Japan Partei ergriff. So sollte er auch spĂ€ter im Weltkrieg die Feinde des zaristischen Russlands unterstĂŒtzen. Diese Haltungen Lenins haben bei anderen Parteimitgliedern nicht nur VerstĂ€ndnis gefunden; einige von Lenins engsten Mitarbeitern wollten einen dritten Parteitag vorbereiten und dort die Versöhnung beider Lager bewirken. Einen schroffen Brief an die Bolschewiki, der ihn vollkommen isoliert hĂ€tte, schwĂ€chte er in einem spĂ€teren Entwurf ab. Trotzdem dĂŒrften sie sich ĂŒber Lenins RealitĂ€tsferne gewundert haben, schreibt der Historiker Robert Service.[24]

In dieser Zeit nahm Lenin auch den RĂ€tegedanken auf, wĂ€hrend viele Bolschewisten noch einer Verschwörung im Geheimen den Vorzug gaben.[25] Nach dem Moskauer Aufstandsversuch der Bolschewisten im Dezember 1905 war Lenin skeptisch, was AufstĂ€nde anging, die SDAP solle sich besser in die Duma wĂ€hlen lassen, die neue Volksvertretung. Er befĂŒrwortete damals noch die Zusammenarbeit mit den Menschewiki, die ein Gegengewicht zu den Ungeduldigen bei den Bolschewisten bilden sollten.[26]

Im Januar 1907 floh Lenin vor der russischen Geheimpolizei nach Finnland, im November nach Helsinki,[27] ein Jahr spÀter zog er nach Genf.

Bis 1912 wurden die Unterschiede zwischen den beiden Lagern immer grĂ¶ĂŸer, weswegen bei der sechsten Gesamtrussischen Parteikonferenz in Prag die Menschewiki ausgeschlossen wurden. Sie bildeten daraufhin eine eigene Partei, wĂ€hrend die SDAPR nun die Erweiterung (Bolschewiki) trug. Erst 1918 nannten die Bolschewisten ihre Partei in Kommunistische Partei Russlands (B) um.

Die Parteispaltung war von der zaristischen Geheimpolizei gefördert worden; Lenins enger Mitarbeiter Roman Malinowski spionierte fĂŒr sie.[28] Mitglieder der Bolschewiki verdĂ€chtigten Malinowski als Spion, nachdem einige Parteimitglieder verhaftet worden waren. Lenin tat diese VorwĂŒrfe im Rahmen einer partei-internen Untersuchung mit Verweis auf dessen Herkunft aus einer Arbeiterfamilie ab.[29]

Im April 1912 gab Lenin zum ersten Mal die Prawda heraus. In der Folgezeit widmete er sich im Schweizer Exil wieder marxistischen Studien, es entstand vor allem seine Schrift Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Januar bis Juni 1916), die die Grundlage der marxistischen Theorie des Imperialismus sowie der darauf basierenden Stamokap-Theorie bildete. Dieses Werk vollendete er in ZĂŒrich, wohin er im Februar 1916 umziehen durfte, nachdem er ein entsprechendes Ersuchen mit dem Wunsch nach Nutzung der dortigen Zentralbibliothek begrĂŒndet hatte.

Erster Weltkrieg

Im August 1914 begann der Erste Weltkrieg. Lenin hatte ĂŒber einen österreichisch-russischen Krieg spekuliert, ihn aber noch 1913 in einem Brief an Maxim Gorki fĂŒr unwahrscheinlich gehalten:[30]

„Ein Krieg zwischen Österreich und Rußland wĂ€re fĂŒr die Revolution (in ganz Osteuropa) sehr nĂŒtzlich, aber es ist kaum anzunehmen, daß uns Franz Joseph und unser Freund Nikolaus dieses VergnĂŒgen bereiten.“

Die Bolschewiki waren international die einzige sozialdemokratische Parteiorganisation, die von Anfang an gegen die Kriegspolitik der eigenen Regierung – die unbedingte UnterstĂŒtzung Serbiens gegen Österreich-Ungarn – mobilisierte. Dennoch gelang es der Partei nicht, sich einen nennenswerten RĂŒckhalt in der Bevölkerung zu verschaffen. Ihre Mitgliederzahl, ihre Akzeptanz und ihr Einfluss blieben gering.

Die deutsche Oberste Heeresleitung ermöglichte den Bolschewiki, unter den russischen Kriegsgefangenen Propaganda zu betreiben,[31] und nach der Februarrevolution 1917 ließ sie Lenin und andere russische RevolutionĂ€re aus der Schweiz durch Deutschland reisen, weiter ging es ĂŒber Stockholm und Tornio nach Russland.[32]

Diese Reise war vom deutschen Kaiser Wilhelm II. persönlich an die Bedingung geknĂŒpft, dass Lenin einen Separatfrieden anstrebe, was dieser vorher kategorisch abgelehnt hatte und nach seiner Ankunft in Russland auch weiterhin dementierte. Um nicht in den Verdacht des Vaterlandsverrates zu kommen, bezeichnete Lenin die finanzielle UnterstĂŒtzung der Bolschewiki durch das deutsche Kaiserreich wider besseres Wissen öffentlich als LĂŒge und wies darauf hin, dass auch prominente Menschewiki wie Julius Martow ĂŒber Deutschland nach Russland gereist waren.[33]

Revolutionsphase 1917 bis 1918

Nach der Februarrevolution 1917 kehrten Lenin und andere prominente Kommunisten mit UnterstĂŒtzung der deutschen Obersten Heeresleitung aus der Schweiz ĂŒber das Gebiet des Kriegsgegners Deutschland, Schwedens und Finnlands nach Russland zurĂŒck. Sie fuhren in einem versiegelten Zug, der zu exterritorialem Gebiet erklĂ€rt worden war. Es gibt Thesen, denen zufolge der Zug in Berlin gehalten hat, wo er mit 40 Millionen Goldmark des Deutschen Reiches beladen worden sei, um die kommunistische Revolution vorantreiben und einen Separatfrieden schließen zu können. Welche Rolle diese UnterstĂŒtzung jedoch spielte, ist strittig, teilweise wird sogar die These vertreten, dass anfangs die eigentliche „Schaltzentrale“ der Oktoberrevolution in Berlin gewesen sei und das kaiserliche Deutschland die Revolution sich einfach „gekauft“ habe.[34] Lenin erreichte im April 1917 mit einigen seiner Genossen den Finnischen Bahnhof in Petrograd und propagierte die Revolution zur Machtergreifung der Arbeiter, Bauern und Soldaten (Aprilthesen).

Lenin stellte sich von Anfang an gegen die provisorische Regierung unter Kerenski, den er öffentlich als „Dummkopf“[35] schmĂ€hte. Bereits am 4. Juni verkĂŒndete Lenin im Rahmen des 4. Allrussischen Sowjetkongresses die Ambition der Bolschewiki, die Macht im Land zu ĂŒbernehmen. Seine Forderungen nach einer Verteilung des Landes an die Bauern ohne EntschĂ€digung und nach der Enteignung der reichsten Bevölkerungsschicht wurden rasch populĂ€r. WĂ€hrend der Kerenski-Offensive agitierten die Bolschewiki in der russischen Armee gegen die WeiterfĂŒhrung des Krieges, auch wenn Lenin einen Separatfrieden noch öffentlich ablehnte.[36] Als sich das Scheitern der Angriffsoperationen abzeichnete, warf Lenin der Provisorischen Regierung vor, Tausende Menschen in ein blutiges Gemetzel getrieben zu haben.[37] Im Juli versuchte Lenin den Prestigeverlust der Regierung fĂŒr die Ziele der Bolschewiki auszunutzen. In der Hauptstadt Petrograd forderte die Partei zu Massendemonstrationen auf. Diese fĂŒhrten aber nicht zum Umsturz, sondern schlugen sich nur in chaotischen bewaffneten Auseinandersetzungen und PlĂŒnderungen nieder. Lenin stellte fest, dass ein Aufstand besser organisiert werden mĂŒsse, um effektiv zu sein[38] – er selbst befand sich zu Beginn der Demonstrationen nicht in der Hauptstadt, sondern zur Erholung in Finnland.[39] Die Provisorische Regierung setzte MilitĂ€r ein und brachte die Stadt so wieder zur Ruhe.[38] Zudem wurde ein Gerichtsverfahren wegen Hochverrats anberaumt. Die Partei der Bolschewiki und ihr Hauptpresseorgan, die Prawda, wurden offiziell von der Regierung Kerenski verboten. Der Partei gelang es allerdings durch eine NamensĂ€nderung der Partei sowie der Prawda weitgehend ihre AktivitĂ€ten aufrechtzuerhalten.[40] Lenin fĂŒrchtete nach diesem Scheitern die Todesstrafe, falls er sich der Anklage stellen wĂŒrde und begab sich in den Untergrund.[38] Lenin nahm nach den Maßnahmen der Regierung gegen die Bolschewiki einen Strategiewechsel vor, den er selbst wie folgt zusammenfasste: „Alle Hoffnungen auf eine friedliche Entwicklung der russischen Revolution sind nutzlos verschwunden. Dies ist die objektive Situation: Entweder vollstĂ€ndiger Sieg der MilitĂ€rdiktatur oder der Sieg fĂŒr den bewaffneten Aufstand der Arbeiter.“[41] Er drĂ€ngte somit auf einen bewaffneten Aufstand.

Nach weiteren militĂ€rischen FehlschlĂ€gen der gemĂ€ĂŸigt sozialistisch-liberalen „Provisorischen revolutionĂ€ren Regierung“ unter MinisterprĂ€sident Alexander Kerenski gelang es den Bolschewiki und den neu gegrĂŒndeten Sowjets im November 1917 (nach dem in Russland noch geltenden julianischen Kalender im Oktober), die bĂŒrgerliche Regierung zu stĂŒrzen (Oktoberrevolution). Leo Trotzki, Lenins Vertrauter, organisierte am 25. Oktober den Aufstand, der auf wenig Gegenwehr stieß. Bei diesem Auftakt zur Oktoberrevolution wurden sechs Menschen getötet. Am 8. November 1917 tagte in Petrograd auch der „II. Allrussische Sowjetkongress“. Die Bolschewiki besaßen in diesem zentralen Arbeiter- und Soldatenrat zunĂ€chst keine Mehrheit. Aus Protest gegen das Vorgehen der Bolschewiki verließen jedoch viele Abgeordnete, darunter die Menschewiki, den Sitzungssaal und ĂŒberließen den Bolschewiki das Feld. Lenin wurde ĂŒber Nacht als Vorsitzender des Rats der Volkskommissare der Regierungschef Russlands. „Ein steiler Aufstieg aus dem Keller an die Macht“, sagte er, „mir dreht sich der Kopf“.

Auf dem II. Sowjetkongress legte Lenin dar, dass seine Regierung die Konstituierende Versammlung respektieren werde und sich als Provisorium bis zu deren Wahl verstehe. Die Wahl lief selbst demokratisch und ohne ZwischenfĂ€lle ab. Sie brachte den Bolschewiki eine empfindliche Niederlage ein, da die Mehrheit der Stimmen an die SozialrevolutionĂ€re ging und Lenins Partei nur rund ein Viertel der Sitze gewann. Daraufhin ließ Lenin, der bereits zuvor die Legitimation der Versammlung kritisiert hatte, sie am Tag nach der Wahl gewaltsam auflösen. In Petrograd kam es daraufhin zu Demonstrationen und gewalttĂ€tigen ZusammenstĂ¶ĂŸen, in deren Verlauf mehrere Menschen zu Tode kamen.[42]

Der sofortige Friedensschluss, die Verteilung des Bodens an die Bauern und die Übernahme der Fabriken durch die Arbeiter waren die unmittelbar wirkenden Losungen. Die Partei etablierte unter Lenins Vorsitz die bolschewistische Regierung (Rat der Volkskommissare). Im Februar 1918 entstand auf ihre Veranlassung die Rote Armee unter der FĂŒhrung von Leo Trotzki und die Geheimpolizei Tscheka unter Felix Dserschinski. Am 5. MĂ€rz 1918 beendete das Abkommen von Brest-Litowsk den Krieg mit Deutschland unter massiven Gebietsverlusten fĂŒr Russland.

Attentat und Krankheiten

Am 30. August 1918 wurde Lenin bei einem Attentat durch zwei SchĂŒsse verletzt. Die Projektile trafen ihn in Schulter und Hals. Als AttentĂ€terin verhaftete man kurz darauf Fanny Kaplan, eine AnhĂ€ngerin der SozialrevolutionĂ€re, die nach einem Verhör exekutiert wurde. Einige westliche Historiker hegen jedoch Zweifel an der TĂ€terschaft Kaplans. Von den Folgen des Attentats erholte sich Lenin Zeit seines Lebens nicht mehr.

Erst 1922 wurde die Kugel im Hals operativ entfernt, nachdem ein deutscher Arzt urteilte, Lenins Kopfschmerzen seien vom Blei verursacht, das das Gehirn vergifte. Bei den Untersuchungen dieser Zeit wurden folgende Leiden festgestellt: Augenprobleme, Magenbeschwerden, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Wundrose, Durchblutungsstörungen im Gehirn. Einem Neuropathologen hatte Lenin zudem berichtet, an â€“ nicht nĂ€her erlĂ€uterten â€“ Zwangsvorstellungen zu leiden.[43]

Einen Monat nach der Operation erlitt Lenin am 25. Mai 1922 einen schweren Schlaganfall, nach mehreren kleineren zuvor; zwei weitere schwere folgten noch. Der Schlaganfall lĂ€hmte Lenin rechtsseitig, erschwerte das Sprechen, verwirrte den Geist und machte eine Genesung fraglich. Die Ärzte diskutierten mehrere Möglichkeiten fĂŒr die Grundursache von Lenins Beschwerden, ohne Einigkeit zu erzielen: Syphilis, Neurasthenie, Arterienverkalkung (wie schon bei Lenins Vater) oder auch die Folgen der Operation. Lenin dachte an Selbstmord und bat Stalin um Gift.[44]

BĂŒrgerkrieg 1918 bis 1922

Lenin und seine Frau (1919)

Lenin war trotz vieler offen ausgetragener Meinungsunterschiede die unumstrittene FĂŒhrungspersönlichkeit der Partei und der Regierung und wurde als die höchste AutoritĂ€t der 1919 entstehenden dritten „Kommunistischen Internationale“ (Komintern) angesehen. Bereits kurz nach der Oktoberrevolution versuchte Lenin, die russische Wirtschaft per Dekret in eine zentrale Planwirtschaft umzuwandeln. Als erstes wurden bis Anfang 1918 die Banken verstaatlicht. GemĂ€ĂŸ dem Parteiprogramm der Bolschewiki sollte das Geld als Zahlungsmittel komplett abgeschafft werden. Da das Geld nicht per Dekret abgeschafft werden konnte, ließ die Regierung durch zusĂ€tzliches Gelddrucken bis 1922 eine Hyperinflation herbeifĂŒhren, die alle umlaufenden Geldmittel entwertete. Lenin beauftragte 1918 den Journalisten Jurij Larin damit, eine zentrale Planungsinstanz fĂŒr die Verstaatlichung der Industrie zu schaffen. Hieraus ging der Oberste Wirtschaftsrat hervor, der die Enteignung der privaten Unternehmen umsetzte, deren EigentĂŒmer (wenn sie nicht bereits ins Ausland geflohen waren) in der Regel ihre Betriebe entschĂ€digungslos abtreten mussten. Das Firmenvermögen wurde vom Staat eingezogen.

Neben diesem Umbau in der Wirtschaft fĂŒhrte Lenin auch Reformen im Bildungswesen durch. Die Alphabetisierung des Landes wurde von ihm energisch vorangetrieben. Im Dezember 1919 schuf er per Dekret verpflichtende Unterrichtskurse fĂŒr Analphabeten. Im Sommer 1920 wurde die Einrichtung eines Netzes von Kleinstbibliotheken geschaffen, das jedem den Zugang zu BĂŒchern sichern sollte. Diese Reformen zielten nicht nur auf die Hebung des Bildungsstandards ab, sondern waren auch dazu gedacht, die LoyalitĂ€t der Menschen mit dem Regime zu fördern. Auf der Ebene der Hochschulbildung öffnete Lenins Regierung den Zugang fĂŒr Ă€rmere Bevölkerungsschichten und schaffte das mehrgliederige Schulsystem ab. 1919 wurden auch die ArbeiterfakultĂ€ten eingefĂŒhrt, die auch Erwachsenen, denen ein Studium nicht möglich gewesen war, den Zugang zu universitĂ€rer Bildung öffneten.[45]

Gegen die bolschewistische Regierung formierte sich in vielen Landesteilen Widerstand, vor allem jene KrĂ€fte, die ihre verlorenen Privilegien wieder herstellen wollten. Um ihre Macht zu sichern und den Widerstand zu brechen, setzte die Regierung die vom Volkskommissar fĂŒr Kriegswesen Leo Trotzki im Jahre 1918 aufgestellte Rote Armee ein. So entwickelte sich ein BĂŒrgerkrieg, in den sich die USA, Großbritannien und zahlreiche andere Staaten durch die massive UnterstĂŒtzung der Weißen Truppen einmischten. Dieser BĂŒrgerkrieg war durch große militĂ€rische HĂ€rte (s. dazu etwa Roter Terror, Weißer Terror) geprĂ€gt und dauerte bis zur Niederlage der Weißen Truppen Ende 1921 an.

Lenin selbst beschrĂ€nkte sich wĂ€hrend des BĂŒrgerkriegs weitgehend auf die politische FĂŒhrung des Sowjetstaates. Nach seiner eigenen Aussage war es fĂŒr ihn zu spĂ€t, sich militĂ€rische Kenntnisse anzueignen. Er begnĂŒgte sich damit, die grobe Strategie zu bestimmen, in die Planung der militĂ€rischen Operationen mischte er sich dagegen kaum ein. Auf Besuche an der Front verzichtete er wĂ€hrend des gesamten Krieges.[46] Im Rahmen seiner Weisungsbefugnis als Staatschef regte er an, Geiseln unter Zivilisten und Angehörigen von Offiziersfamilien nehmen zu lassen, da er Hochverrat unter den im alten Regime ausgebildeten Offizieren fĂŒrchtete.[47] Lenin förderte und verlangte als Staatschef den Roten Terror im BĂŒrgerkrieg. So ordnete er am 9. August 1918 in einem Schreiben an die Behörden von Nischni-Nowgorod an: „Organisiert umgehend Massenterror, erschießt und deportiert die Hundertschaften von Prostituierten, die die Soldaten in Trunkenbolde verwandeln, genauso wie frĂŒhere Offiziere, etc.“[48] Am selben Tag ordnete er gegenĂŒber den Behörden von Pensa die Einrichtung eines Konzentrationslagers an.[49] Lenin legitimierte den Roten Terror als vorĂŒbergehend notwendige Maßnahme im BĂŒrgerkrieg, er diene der Verteidigung gegen den Weißen Terror. So erklĂ€rte er bereits 1920: „Der Terror wurde uns durch den Terrorismus der Entente aufgezwungen, als die stĂ€rksten MĂ€chte der Welt, vor nichts zurĂŒckschreckend, mit ihren Horden ĂŒber uns herfielen. Wir hĂ€tten uns keine zwei Tage halten können, wĂ€ren wir diesen Versuchen der Offiziere und Weißgardisten nicht ohne Erbarmen begegnet und das bedeutet Terror â€Š Wir erklĂ€rten, dass sich die Anwendung von Gewalt aus der Aufgabe ergibt, die Ausbeuter, die Gutsbesitzer und Kapitalisten zu unterdrĂŒcken; wenn dies getan ist, verzichten wir auf alle außerordentlichen Maßnahmen.“[50] Lenin sah aber keineswegs die Abschaffung des Terrors vor: In einem Brief aus dem Jahre 1922 zur Reform der Justiz Ă€ußerte er die Absicht, den Terror rechtlichen Konventionen zu unterwerfen, die Idee ihn abzuschaffen bezeichnete er als SelbsttĂ€uschung.[51]

Im Sommer 1920 unternahm Lenin nach innerparteilichen Auseinandersetzungen den Versuch, den Kommunismus im Ausland zu etablieren. Nachdem im April polnische Einheiten und ukrainische Nationalisten vergeblich versucht hatten, die Ukraine zu besetzen und aus dem sowjetischen Staatenbund zu lösen, ließ die Partei die Rote Armee in Polen einmarschieren (Polnisch-Sowjetischer Krieg). Die Hoffnung auf eine einsetzende Revolution dort erfĂŒllten sich indes nicht. Die Polen kĂ€mpften, unabhĂ€ngig von ihrer Klassenzugehörigkeit, gegen den russischen Einmarsch. Die Rote Armee wurde von polnischen Truppen unter Marschall JĂłzef PiƂsudski mit französischer UnterstĂŒtzung vernichtend geschlagen (Wunder an der Weichsel).

WĂ€hrend des BĂŒrgerkrieges kam es zu einer Versorgungskrise. UrsĂ€chlich dafĂŒr war die Agrarpolitik der Bolschewiki. GemĂ€ĂŸ den Lehren des Marxismus betrachteten sie die selbststĂ€ndigen Bauern als eine kleinbĂŒrgerliche Klasse ohne Zukunft. Im Zuge der Zentralisierung der Landwirtschaft sollten die Bauern ihre ErtrĂ€ge zu niedrigen Festpreisen an die staatlichen Behörden abgeben. Als die Bauern dies verweigerten, ließ Lenin die ErtrĂ€ge durch bewaffnete Kommandos aus den StĂ€dten einsammeln. Dieses Vorgehen forderte zahlreiche Menschenleben. Die Bauern reagierten auf die Zwangsmaßnahmen mit der Verkleinerung der AnbauflĂ€chen, was wiederum zu noch geringeren ErtrĂ€gen und vor allem in den StĂ€dten zu Hungersnöten fĂŒhrte. VerschĂ€rft wurde die ErnĂ€hrungslage durch den andauernden BĂŒrgerkrieg. 1921 kam es zum KronstĂ€dter Matrosenaufstand („FĂŒr Sowjets ohne Bolschewiki!“), der jedoch blutig niedergeschlagen wurde. Die Bolschewiki richteten Lager fĂŒr Regimegegner ein. Sie waren in ihrer Funktion aber nicht vergleichbar mit den spĂ€ter von Stalin eingerichteten Arbeitslagern, die auch als Gulag bezeichnet werden.

WĂ€hrend des BĂŒrgerkrieges verfolgte Lenin gegenĂŒber der orthodoxen Kirche eine zurĂŒckhaltende Politik. Auf dem II. Allrussischen Sowjetkongress im November 1918 sprach sich Lenin dafĂŒr aus, die Religion nur mit gewaltlosen Mitteln der Agitation zu bekĂ€mpfen. Kurz nach seiner MachtĂŒbernahme setzte er per Dekret die Trennung von Kirche und Staat durch. Ein Jahr nach dem BĂŒrgerkrieg dirigierte Lenin eine groß angelegte Kampagne des Staates und der Partei gegen die Kirche. Als Vorwand diente die in weiten Teilen des Landes herrschende Hungersnot. FĂŒhrende Kirchenleute hatten als Hilfe fĂŒr die Hungernden freiwillig Teile des Kirchenbesitzes als Spenden freigegeben. Lenin verschĂ€rfte diese Maßnahme dadurch, dass er die notfalls gewaltsame Konfiskation sĂ€mtlicher KirchengĂŒter, inklusive geweihter GegenstĂ€nde, im Februar 1922 anordnete. Diese Maßnahmen trafen bei Teilen der Bevölkerung auf Widerstand.[52]

So Ă€ußerte sich Lenin in einem Brief an das PolitbĂŒro vom 19. MĂ€rz 1922 bezĂŒglich des Vorgehens in der Stadt Schuja, wo es zu gewalttĂ€tigen Auseinandersetzungen zwischen Soldaten, die Kirchenbesitz einziehen sollten, und GlĂ€ubigen gekommen war, folgendermaßen:[53] „Je mehr Vertreter des reaktionĂ€ren Priesterstands und der reaktionĂ€ren Bourgeoisie an die Wand gestellt werden, desto besser fĂŒr uns. Wir mĂŒssen all diesen Leuten unverzĂŒglich eine solche Lektion erteilen, daß sie auf Jahrzehnte hinaus nicht mehr an irgendwelchen Widerstand denken werden“. Dieses Vorgehen fĂŒhrte im ganzen sowjetischen Staatsgebiet zu staatlich gelenkten Pogromen gegen GlĂ€ubige, Priester und religiöse Einrichtungen. Die Zahl der geöffneten orthodoxen GotteshĂ€user fiel von rund 80.000 auf 11.525. Über 14.000 orthodoxe Geistliche, Nonnen und Laien wurden dabei von staatlichen Organen erschossen. Auch die katholischen, jĂŒdischen und muslimischen Minderheiten des Staates waren davon betroffen. Auf Lenins Initiative wurde der einflussreiche Patriarch von Moskau, Tichon, per PolitbĂŒrobeschluss inhaftiert.[52]

Die orthodoxe Kirche war seit GrĂŒndung des Russischen Reiches immer eine StĂŒtze des Zarentums gewesen. Auch deswegen richtete sich der Kampf der Bolschewiki gegen sie. In seinem Geheimbrief vom 19. MĂ€rz 1922 legte Lenin seine BefĂŒrchtung einer vom Klerus geleiteten Konterrevolution dar und bekrĂ€ftigte, dass dieser als ehemaliger Teil der herrschenden Klasse im Zarismus bekĂ€mpft werden mĂŒsse.[54]

Lenin war auch an der Kontrolle des intellektuellen Lebens im Sinne der Partei maßgeblich beteiligt. Im Juni 1922 fasste das PolitbĂŒro unter seinem Vorsitz den Beschluss, wissenschaftliche Kongresse nur noch nach Genehmigung der Geheimpolizei zuzulassen. Im selben Jahr dirigierte Lenin eine Repressionswelle gegen fĂŒhrende Wissenschaftler, KĂŒnstler und Studenten des Landes. Ein Teil der Opfer wurde ins Ausland oder innerhalb des Sowjetstaates verbannt. Es kam auch zu GefĂ€ngnisstrafen und zu Erschießungen. Lenin redigierte die vom hohen GPU-Offizier Josef Unschlicht erstellten Listen der Opfer selbst.[55] Auf Beschwerden des sozialistischen Schriftstellers Maxim Gorki rechtfertigte sich der ParteifĂŒhrer in einem Brief wie folgt: „Die intellektuellen KrĂ€fte der Arbeiter und Bauern wachsen im Kampf gegen die Bourgeoisie und ihre Helfershelfer, die so genannten Intellektuellen, die Lakaien des Kapitals, die sich als Gehirn der Nation wĂ€hnen. In Wirklichkeit sind sie doch nur der Unrat der Nation.“[56] Lenin ist aber auch bestrebt gewesen, die so genannte „bĂŒrgerliche Intelligenz“ fĂŒr die Revolution zu gewinnen, so meinte er im November 1919: „Die neue Gesellschaft kann nicht aufgebaut werden ohne Wissen, Technik und Kultur, diese aber sind im Besitz der bĂŒrgerlichen Spezialisten. Die meisten von ihnen sympathisieren nicht mit der Sowjetmacht, doch ohne sie können wir den Kommunismus nicht aufbauen. Man muss eine kameradschaftliche AtmosphĂ€re um sie schaffen.“ Die Spezialisten mĂŒssen also von „Dienern des Kapitalismus, zu Dienern der werktĂ€tigen Masse, zu ihren Ratgebern gemacht werden.“ Im Januar 1922 forderte Lenin sogar von der kommunistischen Partei, „dass wir jeden Spezialisten, der gewissenhaft, mit Sachkenntnis und Hingabe arbeitet, auch wenn seine Ideologie dem Kommunismus völlig fremd ist, wie unseren Augapfel hĂŒten.“[57]

Dort wo die Arbeiter den Vorstellungen der Bolschewiki nicht folgen wollten, zeigten diese wenig Hemmungen, auch gegen Angehörige der Arbeiterklasse mit Gewalt vorzugehen: Nachdem 1919 in den Petrograder Putilow-Werken mehrere tausend Arbeiter in den Streik getreten waren, sich in ihren Forderungen gegen die diktatorische Herrschaft der Bolschewiki gewandt hatten und Lenins Versuch, sie persönlich mit einer Rede zu disziplinieren, in den Protestrufen der Belegschaften untergegangen war, wurden Panzerwagen in die Werke entsandt und Einheiten der Tscheka herbeigeordert, die 200 StreikfĂŒhrer festnahmen und erschossen.[58]

GegenĂŒber der Landbevölkerung verfolgte Lenin eine variable Politik. Im Juni 1918 befahl er die GrĂŒndung von Komitees der Dorfarmut. Lenin teilte zur damaligen Zeit das Dorf in Ă€rmere Bauern und Landarbeiter ein, welche mittelstĂ€ndischen Bauern und wohlhabenden „Kulaken“ gegenĂŒberstĂŒnden. Mithilfe der Komitees wollte er die beiden Ersteren an die Bolschewiki binden.[59] Ebenso sollten sie der Durchsetzung der Zwangseinziehung von Nahrungsmitteln auf dem Dorf dienen. Um Motivation bei den Mitgliedern der Komitees zu wecken, durften sie einen Anteil des requirierten Getreides ihrer Dorfgenossen selbst behalten. Die Komitees erzielten aber nicht die gewĂŒnschte Wirkung, da in den meisten FĂ€llen die Bindung der Ă€rmeren Bauern gegenĂŒber der Dorfgemeinschaft grĂ¶ĂŸer war als die LoyalitĂ€t zum kommunistischen Regime.[60] Lenin wertete die Komitees in der Öffentlichkeit als großen Erfolg, schaffte sie aber de facto schon im Dezember 1918 wieder ab. WĂ€hrend des Jahres 1919 Ă€nderte Lenin seine Politik und konzentrierte sich darauf, die Mehrheit der Bauernschaft fĂŒr sich zu gewinnen. Wegen der gleichzeitigen Zwangseinziehung von Getreide blieb es aber trotz dieser Wende bei einer tiefen Spaltung zwischen Lenins Regime und der Bauernschaft.[59]

WĂ€hrend der FrĂŒhzeit der Sowjetunion kam es bereits zu ersten AnsĂ€tzen eines Personenkults um Lenin, der nach seinem Tod erheblich ausgeweitet wurde. Lenin selbst jedoch Ă€ußerte sich abschĂ€tzig ĂŒber diese Verherrlichung seiner Person und beschwerte sich in privaten Briefen darĂŒber. In diesem Zusammenhang steht beispielhaft auch die von ihm erwirkte Freilassung einer SowjetbĂŒrgerin, die eine seiner Abbildungen verunstaltet hatte.[47]

NÖP, Fraktionsverbot und GrĂŒndung der UdSSR

Um die schlechte Versorgungslage nach dem gewonnenen BĂŒrgerkrieg zu verbessern, setzten Lenin und Trotzki 1921 die „Neue Ökonomische Politik“ gegen eigene Bedenken und große WiderstĂ€nde in der Partei durch. Sie ersetzte die Requirierungen des Kriegskommunismus durch eine Naturalsteuer und erlaubte den Bauern mit den ÜberschĂŒssen im begrenzten Umfang Handel. FĂŒr Lenin war das ein zeitweiliger taktischer Schritt zurĂŒck aus pragmatischen GrĂŒnden des Machterhalts, der ihm nicht leicht fiel.[61] 1922 hielt er dazu fest: „Es ist ein großer Fehler zu meinen, daß die Neue Ökonomische Politik das Ende des Terrors bedeutet“. Und: Wir „werden zum Terror, auch zum wirtschaftlichen Terror, zurĂŒckkehren“.[62] Parallel dazu wurde auf dem 10. Parteitag jede innerparteiliche Fraktionsbildung verboten â€“ und damit „de facto die freie MeinungsĂ€ußerung“[63] bei der Willensbildung der Partei.

Nach Lenins erstem schweren Schlaganfall vom Mai 1922 schirmte ihn das PolitbĂŒro von der Außenwelt ab, um seine Genesung zu begĂŒnstigen. Er weigerte sich jedoch, die Arbeit einzustellen und ließ sich weiterhin ĂŒber die Politik auf dem Laufenden halten. Er erholte sich etwas und nahm wieder an Diskussionen teil, wie ĂŒber die Verfassungsfrage und das Außenhandelsmonopol, setzte sich auch gegen Stalin in der Frage einer Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken durch (Stalin wollte, dass die ĂŒbrigen Republiken sich einfach der RSFSR anschlossen). Im November und Dezember 1922 hatte Lenin sieben SchlaganfĂ€lle.[64] Nach einem Schlaganfall im MĂ€rz 1923 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand noch einmal erheblich, und er konnte sich kaum noch verstĂ€ndlich machen.[65]

Er verstarb am 21. Januar 1924 um 4 Uhr 23 im Alter von 53 Jahren. Die genaue Todesursache blieb der Öffentlichkeit jahrzehntelang verborgen. Die von der KPdSU autorisierte Biographie sowie Dmitri Wolkogonow sprechen von massiven Durchblutungsstörungen oder von einem weiteren Schlaganfall. Nach Lenins Tod entbrannte ein Machtkampf in der KPdSU zwischen AnhĂ€ngern des Lagers um Josef Stalin und der Linken Opposition um Leo Trotzki.

Politisches Testament und die letzten Ideen

In einem als politisches Testament angesehenen Brief an den Parteitag der KPdSU, den er am 25. Dezember 1922 diktierte, schÀtzte er seine potentiellen Nachfolger so ein:[66]

„Genosse Stalin hat dadurch, daß er GeneralsekretĂ€r geworden ist, eine unermeßliche Macht in seinen HĂ€nden konzentriert, und ich bin nicht ĂŒberzeugt, daß er es immer verstehen wird, von dieser Macht vorsichtig genug Gebrauch zu machen. Andererseits zeichnet sich Genosse Trotzki, wie sein Kampf gegen das ZK in der Frage des Volkskommissariats fĂŒr Verkehrswesen schon bewiesen hat, nicht nur durch hervorragende FĂ€higkeiten aus. Persönlich ist er wohl der fĂ€higste Mann im gegenwĂ€rtigen ZK, aber auch ein Mensch, der ein Übermaß von Selbstbewußtsein und eine ĂŒbermĂ€ĂŸige Leidenschaft fĂŒr rein administrative Maßnahmen hat.“

In einer Nachschrift vom 4. Januar 1923 wurde er in Bezug auf Stalin deutlicher:

„Stalin ist zu grob, und dieser Fehler, der in unserer Mitte und im Verkehr zwischen uns Kommunisten ertrĂ€glich ist, kann in der Funktion des GeneralsekretĂ€rs nicht geduldet werden. Deshalb schlage ich den Genossen vor, sich zu ĂŒberlegen, wie man Stalin ablösen könnte, und jemand anderen an diese Stelle zu setzen, der sich in jeder Hinsicht von dem Genossen Stalin nur durch einen Vorzug unterscheidet, nĂ€mlich dadurch, daß er toleranter, loyaler, höflicher und den Genossen gegenĂŒber aufmerksamer, weniger launenhaft usw. ist. Es könnte so scheinen, als sei dieser Umstand eine winzige Kleinigkeit. Ich glaube jedoch, unter dem Gesichtspunkt der Vermeidung einer Spaltung und unter dem Gesichtspunkt der von mir oben geschilderten Beziehungen zwischen Stalin und Trotzki ist das keine Kleinigkeit oder eine solche Kleinigkeit, die entscheidende Bedeutung gewinnen kann.“

Trotz Lenins Versuch, Stalins Aufstieg zu verhindern, sei „Stalin auch ein legitimer Spross Lenins. Er hat nur skrupelloser und konsequenter als andere die Möglichkeiten ausgeschöpft, die sich einem Machtmenschen im kommunistischen Russland innerhalb des von Lenin selbst geschaffenen allmĂ€chtigen Parteiapparates anboten“, urteilt Edgar Hösch.[67]

Wolfgang Leonhard stellt fest, dass Lenin die Entwicklung der Partei zu einem „bĂŒrokratischen Machtapparat“ mit Sorge verfolgt habe. Zwischen 1920 und 1922 habe er wiederholte Male die „mangelnde DurchfĂŒhrung des Demokratismus“ und die „bĂŒrokratischen AuswĂŒchse“ innerhalb der Partei kritisiert. An die Stelle international gesinnter, vom revolutionĂ€ren Marxismus und den sozialistischen Zielsetzungen durchdrungener intellektueller RevolutionĂ€re seien mehr und mehr engstirnige Apparatschicks mit provinziellen Horizont, die in der Macht ihre ErfĂŒllung sahen, getreten. Diese scharten sich um das OrganisationsbĂŒro und das Sekretariat der ParteifĂŒhrung, wo Stalin, seit MĂ€rz GeneralsekretĂ€r der Partei, residierte. Im MĂ€rz 1922 klagte Lenin, dass die sowjetische Entwicklung nur durch die „AutoritĂ€t jener ganz dĂŒnnen Schicht bestimmt wird, die man die alte Parteigarde nennen kann.“ Ein geringfĂŒgiger innerer Kampf könnte dazu fĂŒhren, dass die sowjetische Entwicklung „schon nicht mehr von ihr abhĂ€ngig wird.“[68]
Nach dem Tode Lenins habe man seine Warnungen vor Stalin nicht beachtet, seinen dringenden Vorschlag, Stalin abzulösen, nicht mehr befolgt. Die Entwicklung in der Sowjetunion hing, wie Lenin vorausgesehen habe, nicht mehr von der alten Garde der Bolschewiki, sondern von den neuen bĂŒrokratischen Apparatschiks ab, deren FĂŒrsprecher und FĂŒhrer Stalin gewesen sei.[69]

Rezeption

Leninkult

Menschenschlange vor dem Lenin-Mausoleum auf dem Roten Platz, im Hintergrund Basilius-Kathedrale und Kreml. 1925
Lenindenkmal in Ost-Berlin (1970)

Mit der Beisetzung Lenins am 27. Januar 1924 auf dem Roten Platz in Moskau begann sich ein anhaltender Lenin-Kult zu entwickeln. Das PolitbĂŒro ordnete an, den Leichnam einzubalsamieren und zur Schau zu stellen. Ein HolzgebĂ€ude an der Kremlmauer wurde 1930 durch das jetzige Lenin-Mausoleum ersetzt. Auch wenn seine Ehefrau Nadeschda Krupskaja diese Maßnahmen ablehnte, „propagierte [sie] eifrig das Bild von Lenin dem vollkommenen RevolutionĂ€r, Denker und Ehegatten“ (Robert Service). Auch Stalin und andere trugen dazu bei, Lenin als Marx und Engels ebenbĂŒrtig und letztlich maßgeblich darzustellen.[70] Es wurde unterschlagen, dass Lenin nichtrussische Vorfahren hatte, einst Erbadliger und wohlhabend war und mit dem Terror der Bauernsozialisten sympathisiert hatte; ebenso durfte das VerhĂ€ltnis zu Inessa Armand nicht erwĂ€hnt werden.[71]

Lenins Gehirn wurde von Forschern untersucht, da man meinte, dass Lenin ein besonderes Genie gewesen sei und etwaige Anzeichen dafĂŒr sich an oder in seinem Gehirn finden lassen könnten. Im Juni/Juli 1941 wurde Lenins Mumie mit einem Sonderzug in einer Geheimaktion nach Tjumen ausgelagert. Der Wachwechsel an dem leeren Moskauer Mausoleum wurde unverĂ€ndert weiter durchgefĂŒhrt, der sogenannte Wachposten Nr. 1 existierte bis zum FrĂŒhjahr 1945 doppelt, in Tjumen und in Moskau. Das Mausoleum in Moskau wurde in dieser Zeit fĂŒr Besucher gesperrt. Lenin wurde zunĂ€chst in Uniform einbalsamiert, spĂ€ter hat man ihm jedoch einen Anzug angezogen. Wegen aggressiver Chemikalien muss dieser etwa alle zehn Jahre ausgetauscht werden. Heute noch ist der Leichnam im Lenin-Mausoleum öffentlich zu besichtigen, und es stehen regelmĂ€ĂŸig lange Schlangen von Menschen davor.

Zu Zeit des Realsozialismus nahm Lenin die Rolle einer politischen Leitfigur ein, daher wurden auch in vielen LÀndern der Welt ihm zur Ehren DenkmÀler errichtet. Nach ihm wurde die Lehre des Leninismus benannt; nach Lenins Tod 1924 entwickelte man in der Sowjetunion allerdings daraus den so genannten Marxismus-Leninismus als neue Weltanschauung.

Lenin und der Terror

Lenin hat in knapp sieben Jahren nach der Oktoberrevolution den ersten Arbeiter-und-Bauern-Staat errichtet und damit den Sozialismus in Russland eingeleitet. Dabei wurde zur Umgestaltung der russischen Gesellschaft im BĂŒrgerkrieg in Anlehnung an die bĂŒrgerliche französische Revolution das Mittel des Terrors (Roter Terror) verwendet, das Lenin im BĂŒrgerkrieg uneingeschrĂ€nkt bejahte und dessen Intensivierung er wiederholt gegenĂŒber auch parteiintern vorgebrachten EinwĂ€nden einforderte.[72] Vor allem zur Zeit des BĂŒrgerkriegs fielen dem Roten und Weißen Terror Millionen von Menschen zum Opfer. Dies gab verschiedenen Historikern Anlass, die Person Lenins einer umfassenden Kritik zu unterziehen, zumal oft der Hinweis darauf vermisst wird, dass Lenin jemals die Opfer des Roten Terrors bedauerte.[73] Lenin schrieb 1918:

Die englischen Bourgeois haben ihr 1649, die Franzosen ihr 1793 vergessen. Der Terror war gerecht und berechtigt, als die Bourgeoisie ihn zu ihren Gunsten gegen die Feudalherren anwandte. Der Terror wurde ungeheuerlich und verbrecherisch, als sich die Arbeiter und armen Bauern erdreisteten, ihn gegen die Bourgeoisie anzuwenden. Der Terror war gerecht und berechtigt, als er angewandt wurde, um eine ausbeutende Minderheit durch eine andere ausbeutende Minderheit zu ersetzen. Der Terror wurde ungeheuerlich und verbrecherisch, als man daran ging, ihn dazu anzuwenden, JEDE ausbeutende Minderheit zu stĂŒrzen... Die internationale imperialistische Bourgeoisie hat in „ihrem“ Krieg 10 Millionen Menschen gemordet und 20 Millionen zu KrĂŒppeln gemacht, in einem Krieg, der darum gefĂŒhrt wird, ob die englischen oder die deutschen RĂ€uber die ganze Welt beherrschen sollen. Wenn unser Krieg, der Krieg der UnterdrĂŒckten und Ausgebeuteten gegen die UnterdrĂŒcker und Ausbeuter, in allen LĂ€ndern eine halbe oder eine ganze Million Opfer kostet, so wird die Bourgeoisie sagen, die Opfer ihres Krieges seien berechtigt, die unseres Krieges aber verbrecherisch. ... Die ReprĂ€sentanten der Bourgeoisie begreifen wohl, dass ... der Sturz der Sklavenhalterherrschaft [Anm.: in den USA] es wert war, dass das ganze Land lange Jahre des BĂŒrgerkriegs, einen Abgrund von Zerstörung, VerwĂŒstung und Terror, diese Begleiterscheinungen eines jeden Krieges, auf sich nahm. Jetzt aber ... können und wollen die ReprĂ€sentanten und AnwĂ€lte der Bourgeoisie ebensowenig wie die Reformsozialisten, die von der Bourgeoisie eingeschĂŒchtert worden sind und vor der Revolution Angst haben, nicht begreifen, dass der BĂŒrgerkrieg notwendig und gerecht ist.[74]

Besonderes Augenmerk liegt auf der Frage nach einer möglichen direkten KontinuitĂ€t zwischen Lenin und dem Terror des spĂ€teren Stalinismus. Nach Lenins Tod 1924 und einer gewissen Periode der Ruhe seit EinfĂŒhrung der „NÖP“ wurde von Stalin verstĂ€rkt auf Gewaltmaßnahmen zurĂŒckgegriffen. In den SĂ€uberungswellen der 1930er Jahre ließ Stalin die gesamte revolutionĂ€re Garde von 1917 wie z. B. Bucharin, Radek, Kamenew und Sinowjew demĂŒtigen und hinrichten, was – zumindest in der Behandlung der eigenen Partei â€“ als Bruch Stalins mit der Tradition der Oktoberrevolution und Lenins verstanden werden kann. Weitere Aspekte sind der Übergang von Lenins Politik der Selbstbestimmung der Völker zur restriktiven NationalitĂ€tenpolitik des Stalinismus und das teilweise RĂŒckgĂ€ngigmachen von sozialen Errungenschaften der Oktoberrevolution. Demnach wĂ€ren Leninismus und Stalinismus nicht gleichzusetzen.

In deutlichem Gegensatz dazu steht jedoch die verbreitete Auffassung, dass wichtige Elemente des totalitĂ€ren Gesellschaftsmodells Stalins bei Lenin bereits vorhanden waren, ohne dass ein fundamentaler Gegensatz zwischen beiden in der Wahl des Terrors als Mittel gesellschaftlicher Umgestaltung feststellbar wĂ€re.[75] „Die Grundlagen des stalinistischen Systems wurden zum großen Teil schon unter Lenin gelegt.“[76] Historiker wie Michael Woslenski und Gunnar Heinsohn werfen Lenin vor, durch die Revolution und den Aufbau der sozialistischen Ordnung zahllose Opfer verschuldet zu haben. Woslenski spricht dabei gar von mindestens 13 Millionen,[77] Heinsohn von 4 Millionen.[78] Zahlreiche Autoren, darunter Hannah Arendt, Karl Popper, Friedrich August von Hayek und Zbigniew BrzeziƄski, werfen Lenin vor, durch sein Konzept der elitĂ€ren Kaderpartei den Weg des sowjetischen Systems in den Totalitarismus bereits vor der Revolution mindestens erleichtert zu haben.[79]

Wenngleich Lenin bei seinen AnhĂ€ngern nach Marx und Engels als einer der wichtigsten marxistischen Theoretiker und kommunistischen RevolutionĂ€re gilt, reihen ihn einige Historiker unter die großen kommunistischen Staatsverbrecher des letzten Jahrhunderts ein, zusammen mit Stalin, Mao Zedong und Pol Pot. Diese EinschĂ€tzungen treffen bei den Verteidigern Lenins auf Widerspruch, da sich angesichts der Wirren von Revolution und BĂŒrgerkrieg Opferzahlen in dieser GrĂ¶ĂŸenordnung nicht zweifelsfrei belegen ließen und die Opfer im BĂŒrgerkrieg nicht allein den Bolschewiki unter Lenin zuzurechnen seien.

DemgegenĂŒber wird eingewandt, dass Krieg und Terror fĂŒr die Bolschewiki nicht lediglich Mittel, sondern von Anfang an geradezu Strukturprinzipien ihrer Regierung gewesen seien, auf die sie weder verzichten konnten noch ĂŒberhaupt wollten.[80] Aus der von Lenin maßgeblich verantworteten UmwĂ€lzung wĂ€hrend und nach der Oktoberrevolution ging – so Heinrich August Winkler â€“ „das erste der totalitĂ€ren Regimes des zwanzigsten Jahrhunderts hervor“.[81]

Wolfgang Leonhard nimmt zur Kernfrage, inwieweit das VerhĂ€ltnis Lenins zum politischem Terror ohne EinschrĂ€nkung affirmativ war, eine differenzierte Haltung ein. Einerseits habe Lenin wĂ€hrend des BĂŒrgerkrieges den Terror zur Durchsetzung des Machtanspruches der Bolschewiki bejaht und gefördert, und gerade in seiner VerschĂ€rfung marxistischer Begrifflichkeiten „stand die UnterdrĂŒckung der Gegner, die Anwendung diktatorischer Gewaltmittel nun fĂŒr ihn im Zentrum seiner Konzeption der ‚Diktatur des Proletariats‘.“[82] In der letzten Phase des BĂŒrgerkrieges – also schon vor seinem Ende â€“ jedoch sei bei Lenin eine „deutliche Wandlung“ erkennbar gewesen, die darauf gerichtet gewesen sei, „den Terror und die Organe der UnterdrĂŒckung einzuschrĂ€nken“,[50] und im MĂ€rz 1922 in die Auffassung einmĂŒndete, von der „Gesamtrussischen Tscheka“ zu „staatlichen politischen Gerichten“ ĂŒbergehen zu wollen. Insgesamt habe Lenin 1920 und 1921 begonnen, Tscheka, Terror und Todesstrafe nur als vorĂŒbergehende Kampfmaßnahmen und Institutionen wĂ€hrend des BĂŒrgerkrieges anzusehen, die nach dessen Beendigung abzuschaffen und einzustellen seien.[83]

Manfred Hildermeier sieht in diesem Zusammenhang die Bolschewiki unter Lenin im FrĂŒhjahr 1921 zum Zeitpunkt nach ihrem Sieg im BĂŒrgerkrieg an einem Scheideweg. Zunehmend waren innergesellschaftlich und auch innerparteilich Zweifel am Kurs der politischen Gewalt lautgeworden, im sofort niedergeschlagenen KronstĂ€dter Matrosenaufstand von 1921 war von Teilen der eigenen Basis die Forderung nach einer „RĂŒckkehr zur RĂ€tedemokratie“ erhoben worden. Diese erfolgte aber nicht: „Lenin und Trotzki dachten nicht daran, alte Versprechen des Oktober einzulösen und mehr Demokratie zu wagen“[84], stattdessen wurde die Tscheka – nach ihrer nur zeitweiligen Auflösung â€“ unter dem Namen GPU wiedereingefĂŒhrt und erhielt ihre wichtigsten „Vollmachten, Deportation und Todesstrafe, zurĂŒck“,[63] so dass die „grundlegenden Deformationen als Erbe des Oktobercoups und des BĂŒrgerkrieges“ beibehalten und dauerhaft in die neue staatliche Ordnung ĂŒberfĂŒhrt wurden.[63]

Filmische Rezeption

  • Drei Lieder ĂŒber Lenin (Tri pesni o Lenine), Regie: Dsiga Wertow, 1934 – 59 Min.
  • Lenin im Oktober (Lenin w oktjabre), Regie: Michail Romm, 1937 – 95 Min.
  • Lenin im Jahr 1918 (Lenin w 1918 godu), Regie: Michail Romm, 1939 – 125 Min.
  • ErzĂ€hlungen ĂŒber Lenin (Rasskasy o Lenine), Regie: Sergej Jutkewitsch, 1958 – 115 Min.
  • Das blaue Heft (Sinjaja tetrad; nach dem gleichnamigen Buch von Emmanuil Kasakewitsch), Regie: Lew Kulidshanow, 1963 – 90 Min.
  • Lenin in Polen (Lenin w Polsche), Regie: Sergej Jutkewitsch, 1966 – 96 Min.
  • Der 6. Juli (Schestoje ijulja; nach dem StĂŒck von Michail Schatrow), Regie: Juli Karassik, 1968 – 105 Min.
  • Unterwegs zu Lenin (nach dem gleichnamigen Buch von Alfred Kurella), Regie: GĂŒnter Reisch, Koproduktion DEFA/Mosfilm, 1970 – 103 Min.
  • Vertrauen (Dowerije), Regie: Viktor Tregubowitsch, 1977 – 93 Min.
  • Lenin in Paris (Lenin w Parishe), Regie: Sergej Jutkewitsch, 1981 – 105 Min.
  • Lenin in ZĂŒrich (nach dem Roman von Alexander Solschenizyn), Regie: Rolf Busch (ORF/SRG/NDR), 1984 – 88 Min.
  • Der Zug, Regie: Damiano Damiani, Fernsehfilm 1988, italienisch-französisch-deutsch-österreichische Koproduktion – 170 Min.

Werke

Literatur

PrimÀrliteratur

  • W. I. Lenin: AusgewĂ€hlte Werke in einem Band. Arbeiterpresse, Essen 1993, ISBN 3-88634-903-9.
  • W. I. Lenin: AusgewĂ€hlte Werke in zwei BĂ€nden. Band I: 1884–1917. Offenbach 2004, ISBN 3-932636-93-7.
  • W. I. Lenin: AusgewĂ€hlte Werke in zwei BĂ€nden. Band II: 1917–1923. Offenbach 2004, ISBN 3-932636-94-5.
  • W. I. Lenin: AusgewĂ€hlte Werke in drei BĂ€nden. achte Auflage. Dietz-Verlag, Berlin 1970.
  • W. I. Lenin: AusgewĂ€hlte Werke in sechs BĂ€nden. Dietz-Verlag, Berlin, ISBN 3-320-00756-4.
  • W. I. Lenin: Werke. (40 BĂ€nde, 2 ErgĂ€nzungsbĂ€nde, Register, Vergleichendes Inhaltsverzeichnis). Dietz-Verlag, Berlin, ISBN 3-320-00752-1.
  • W. I. Lenin: Briefe. (10 BĂ€nde). Dietz-Verlag, Berlin, ISBN 3-320-00754-8.

SekundÀrliteratur

  • Ruth Stoljarowa u. Peter Schmalfuß (Hrsg.): Briefe Deutscher an Lenin: 1917–1923. Dietz Verlag, Berlin 1990, ISBN 3-320-01320-3.
  • HĂ©lĂšne CarrĂšre d’Encausse: Lenin. Piper, MĂŒnchen 2000.
  • Louis Fischer: Das Leben Lenins. Aus dem Amerikanischen ĂŒbersetzt von Irmgard Kutscher. Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln/Berlin 1965.
  • W. I. Lenin – Biographie. Verlag Marxistische BlĂ€tter, Frankfurt am Main 1976, ISBN 3-88012-077-3.
  • Anton Pannekoek: Lenin als Philosoph. In: Anton Pannekoek, Paul Mattick u.a.: Marxistischer Antileninismus. ça ira, Freiburg 1991, S. 59–153.
  • Christopher Read: Lenin. New York/Abingdon 2005.
  • Robert Service: Lenin: Eine Biographie. Beck, MĂŒnchen 2000.
  • David Shub: Lenin. USA 1948. (Deutschland: Limes Verlag Wiesbaden, 1957)
  • Hermann Weber: Lenin in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt, Reinbek 1970, ISBN 3-499-50168-6. (18. Auflage: 2004, ISBN 3-499-50168-6)
  • Dmitri Wolkogonow: Lenin. Utopie und Terror. Econ, DĂŒsseldorf u. a. 1994, ISBN 3-430-19828-3.
  • Clara Zetkin: Erinnerungen an Lenin. Neuer ISP-Verlag, Köln 2000, ISBN 3-929008-17-3.
  • Wolfgang Ruge: Lenin: VorgĂ€nger Stalins; eine politische Biografie. Hrsg. von Wladislaw Hedeler. 1. Aufl. Matthes & Seitz, Berlin 2010, ISBN 978-3-88221-541-0.

Weblinks

 Commons: Lenin â€“ Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Lenin â€“ Zitate

Einzelnachweise

  1. ↑ Robert Service: Lenin: Eine Biographie. Beck, MĂŒnchen 2000, S. 42/43.
  2. ↑ a b Kollektiv: W. I. Lenin – Biographie. Dietz Verlag, Berlin 1964.
  3. ↑ a b Christopher Read: Lenin. Abingdon 2005, S. 16.
  4. ↑ Robert Service: Lenin: Eine Biographie. Beck, MĂŒnchen 2000, S. 88-89.
  5. ↑ Dimitri Wolkogonow: Lenin – Utopie und Terror. DĂŒsseldorf 1994, S. 30–33, S. 54f.
  6. ↑ Robert Service: Lenin: Eine Biographie. Beck, MĂŒnchen 2000, S. 97-98.
  7. ↑ Robert Service: Lenin: Eine Biographie. Beck, MĂŒnchen 2000, S. 96, 107.
  8. ↑ Robert Service: Lenin: Eine Biographie. Beck, MĂŒnchen 2000, S. 102/103, 105.
  9. ↑ Dimitri Wolkogonow: Lenin – Utopie und Terror. DĂŒsseldorf 1994, S. 33, 38f.
  10. ↑ Robert Service: Lenin: Eine Biographie. Beck, MĂŒnchen 2000, S. 110–112.
  11. ↑ Robert Service: Lenin: Eine Biographie. Beck, MĂŒnchen 2000, S. 113/114.
  12. ↑ Robert Service: Lenin: Eine Biographie. Beck, MĂŒnchen 2000, S. 121, 123/124.
  13. ↑ Dimitri Wolkogonow: Lenin – Utopie und Terror; DĂŒsseldorf 1994, S. 40.
  14. ↑ Robert Service: Lenin: Eine Biographie. Beck, MĂŒnchen 2000, S. 137–139.
  15. ↑ Nicolas Werth: Ein Staat gegen sein Volk. In: StĂ©pahne Courtois u. a.: Das Schwarzbuch des Kommunismus. 4. Aufl. MĂŒnchen 1998, S. 140, 141.
  16. ↑ Robert Service: Lenin: Eine Biographie. Beck, MĂŒnchen 2000, S. 126.
  17. ↑ Robert Service: Lenin: Eine Biographie. Beck, MĂŒnchen 2000, S. 151.
  18. ↑ a b Robert Service: Lenin: Eine Biographie. Beck, MĂŒnchen 2000, S. 190–192.
  19. ↑ Christopher Read: Lenin. Abingdon 2005, S. 52–59.
  20. ↑ Lenin in Schwabing.
  21. ↑ Robert Service: Lenin: Eine Biographie. Beck, MĂŒnchen 2000, S. 189.
  22. ↑ Robert Service: Lenin: Eine Biographie. Beck, MĂŒnchen 2000, S. 205/206.
  23. ↑ Robert Service: Lenin: Eine Biographie. Beck, MĂŒnchen 2000, S. 208/209.
  24. ↑ Robert Service: Lenin: Eine Biographie. Beck, MĂŒnchen 2000, S. 228/229.
  25. ↑ Robert Service: Lenin: Eine Biographie. Beck, MĂŒnchen 2000, S. 238.
  26. ↑ Robert Service: Lenin: Eine Biographie. Beck, MĂŒnchen 2000, S. 240/241.
  27. ↑ Robert Service: Lenin: Eine Biographie. Beck, MĂŒnchen 2000, S. 248.
  28. ↑ Robert Service: Lenin: Eine Biographie. Beck, MĂŒnchen 2000, S. 278.
  29. ↑ Dimitri Wolkogonow: Lenin – Utopie und Terror; DĂŒsseldorf 1994, S. 354f
  30. ↑ Robert Service: Lenin: Eine Biographie. Beck, MĂŒnchen 2000, S. 305.
  31. ↑ Robert Service: Lenin: Eine Biographie. Beck, MĂŒnchen 2000, S. 331.
  32. ↑ Robert Service: Lenin: Eine Biographie. Beck, MĂŒnchen 2000, S. 342. Der berĂŒhmte „plombierte“ Zug war tatsĂ€chlich nicht vollstĂ€ndig plombiert.
  33. ↑ Dimitri Wolkogonow: Lenin – Utopie und Terror; DĂŒsseldorf 1994, S. 120ff
  34. ↑ So Elisabeth Heresch in einem GesprĂ€ch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, siehe: „Der gekaufte Lenin. Wie von Berlin aus die Oktoberrevolution gesteuert wurde“. Ein GesprĂ€ch mit Elisabeth Heresch, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 6. MĂ€rz 2001, Nr. 55, S. BS3; siehe dazu auch ihr Buch: Geheimakte Parvus. Die gekaufte Revolution, MĂŒnchen 2000
  35. ↑ Dimitri Wolkogonow: Lenin – Utopie und Terror; DĂŒsseldorf 1994, S. 133.
  36. ↑ Dimitri Wolkogonow: Lenin – Utopie und Terror; DĂŒsseldorf 1994, S. 133–141
  37. ↑ Dimitri Wolkogonow: Lenin – Utopie und Terror: DĂŒsseldorf 1994, S. 141.
  38. ↑ a b c Dimitri Wolkogonow: Lenin – Utopie und Terror. DĂŒsseldorf 1994, S. 140–146.
  39. ↑ Christopher Read: Lenin. Abingdon 2005, S. 159.
  40. ↑ Christopher Read: Lenin. Abingdon 2005, S. 161–163.
  41. ↑ Zitiert nach Christopher Read: Lenin. Abingdon 2005 S. 163; Originaltext in englischer Sprache: „All hopes for a peaceful development of the Russian revolution have vanished for good. This is the objective situation : either complete victory for the military dictatorship or victory for the workers’ armed uprising.“
  42. ↑ Christopher Read: Lenin. Abingdon 2005, S. 191–192.
  43. ↑ Robert Service: Lenin: Eine Biographie. Beck, MĂŒnchen 2000, S. 566, 572.
  44. ↑ Robert Service: Lenin: Eine Biographie. Beck, MĂŒnchen 2000, S. 573–576.
  45. ↑ Manfred Hildermeier: Russische Revolution. Frankfurt a. M. 2004 S. 81–83.
  46. ↑ Evan Mawdsley: The Russian Civil War. Edinburgh 2005, S. 277.
  47. ↑ a b Christopher Read: Lenin. Abingdon 2005;, S. 251.
  48. ↑ Evan Mawdsley: The Russian Civil War. Edinburgh 2005, S. 81; Originaltext in englischer Sprache: „organize immediately mass terror, shoot and deport the hundreds of prostitutes who are making drunkards of the soldiers, as well as former officers, etc.“
  49. ↑ Evan Mawdsley: The Russian Civil War. Edinburgh 2005, S. 81–82.
  50. ↑ a b Wolfgang Leonhard: Die Dreispaltung des Marxismus. Ursprung und Entwicklung des Sowjetmarxismus, Maoismus & Reformkommunismus. DĂŒsseldorf/Wien 1979, S. 115.
  51. ↑ Peter Schreibert: Lenin an der Macht – Das russische Volk in der Revolution 1918–1922. Weinheim, 1984, S. 99. (Englische Übersetzung des Briefes)
  52. ↑ a b Dimitri Wolkogonow: Lenin – Utopie und Terror. DĂŒsseldorf 1994, S. 391–401.
  53. ↑ Nicolas Werth: Ein Staat gegen sein Volk. In: StĂ©phane Courtois u. a.: Das Schwarzbuch des Kommunismus. 4. Aufl. MĂŒnchen 1998, S. 142 f. ; Zitat: S. 143.
  54. ↑ Geheimbrief Lenins vom 19. MĂ€rz 1922, zitiert nach Gerd Stricker: Religion in Russland. GĂŒtersloh 1993, S. 84f.
  55. ↑ Dimitri Wolkogonow: Lenin – Utopie und Terror. DĂŒsseldorf 1994, S. 374–377, 385–387.
  56. ↑ Dimitri Wolkogonow: Lenin – Utopie und Terror. DĂŒsseldorf 1994, S. 374–377, 379–380.
  57. ↑ Wolfgang Leonhard: Die Dreispaltung des Marxismus. Ursprung und Entwicklung des Sowjetmarxismus, Maoismus & Reformkommunismus. DĂŒsseldorf/Wien 1979, S. 108.
  58. ↑ Jörg Baberowski: Der rote Terror. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, Bonn 2007, S. 45.
  59. ↑ a b Christopher Read: Lenin. Abingdon 2005, S. 217–219.
  60. ↑ Manfred Hildermeier: Russische Revolution. Frankfurt a. M. 2004, S. 69.
  61. ↑ So Leonid Luks: „Die Utopie an der Macht“. Zum bolschewistischem Terror unter Lenin und Stalin. In: Historisches Jahrbuch. 119 (1999), S. 338–240, hier S. 252.
  62. ↑ Zitiert nach Leonid Luks: „Die Utopie an der Macht“. Zum bolschewistischem Terror unter Lenin und Stalin. In: Historisches Jahrbuch. 119 (1999), S. 338–240, hier S. 252.
  63. ↑ a b c Manfred Hildermeier: Die russische Revolution 1905–1921. Frankfurt 1989, S. 293.
  64. ↑ Robert Service: Lenin: Eine Biographie. Beck, MĂŒnchen 2000, S. 584, 592.
  65. ↑ Robert Service: Lenin: Eine Biographie. Beck, MĂŒnchen 2000, S. 611–612.
  66. ↑ Werke, Band 36, S. 579 f.; online: Brief an den XII. Parteitag. Testament von W. I. Lenin, diktiert am 25. Dezember 1922 und 4. Januar 1923
  67. ↑ Edgar Hösch: Geschichte Rußlands. Vom Kiewer Reich bis zum Zerfall des Sowjetimperiums. Kohlhammer, Stuttgart/Berlin/Köln 1996, S. 366.
  68. ↑ Wolfgang Leonhard: Die Dreispaltung des Marxismus. Ursprung und Entwicklung des Sowjetmarxismus, Maoismus & Reformkommunismus. DĂŒsseldorf/Wien 1979, S. 135.
  69. ↑ Wolfgang Leonhard: Die Dreispaltung des Marxismus. Ursprung und Entwicklung des Sowjetmarxismus, Maoismus & Reformkommunismus. DĂŒsseldorf/Wien 1979, S. 135-136.
  70. ↑ Robert Service: Lenin: Eine Biographie. Beck, MĂŒnchen 2000, S. 619–622.
  71. ↑ Robert Service: Lenin: Eine Biographie. Beck, MĂŒnchen 2000, S. 626.
  72. ↑ Leonid Luks: „Die Utopie an der Macht“. Zum bolschewistischem Terror unter Lenin und Stalin. In: Historisches Jahrbuch. 119 (1999), S. 338–240.
  73. ↑ Dmitri Wolkogonow: Lenin. Utopie und Terror. Econ, DĂŒsseldorf u. a. 1994, ISBN 3-430-19828-3; Martin Amis: Koba der Schreckliche. Die zwanzig Millionen und das GelĂ€chter. Hanser, MĂŒnchen 2007, ISBN 978-3-446-20821-6.
  74. ↑ W. I. Lenin: Brief an die amerikanischen Arbeiter. 20. August 1918.
  75. ↑ Leonid Luks: „Die Utopie an der Macht“. Zum bolschewistischem Terror unter Lenin und Stalin. In: Historisches Jahrbuch 119 (1999). Siehe auch Norman Naimark: Revolution, Stalinismus und Genozid. In: APuZ. 44-45/2007, S. 14–20, hier S. 18–20.
  76. ↑ Heinz Brahm: Der Weltgeist, der nicht in Zentimetern zu fassen war. Über die Langlebigkeit des „Mythos Lenin“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 26. April 2000, Nr. 97, S. 10.
  77. ↑ Michael Voslensky: Sterbliche Götter. Die Lehrmeister der Nomenklatura. Straube, Erlangen/Bonn/Wien 1989, ISBN 3-927491-11-X.
  78. ↑ Gunnar Heinsohn: Lexikon der Völkermorde. Rowohlt, Reinbek 1998, ISBN 3-499-22338-4.
  79. ↑ Christopher Read: Lenin. Abingdon 2005, S. 292f.
  80. ↑ Jörg Baberowski: Was war die Oktoberrevolution? In: Oktoberrevolution. Aus Politik und Zeitgeschichte. (APuZ 44–45/2007), S. 11f.
  81. ↑ Heinrich August Winkler: Die Revolution als Gegenrevolution. Von Marx zu Lenin oder Warum 1917 kein neues 1789 wurde. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 7. November 1997, Nr. 259, S. 44.
  82. ↑ Wolfgang Leonhard: Die Dreispaltung des Marxismus. Ursprung und Entwicklung des Sowjetmarxismus, Maoismus & Reformkommunismus. DĂŒsseldorf/Wien 1979, S. 104.
  83. ↑ Wolfgang Leonhard: Die Dreispaltung des Marxismus. Ursprung und Entwicklung des Sowjetmarxismus, Maoismus & Reformkommunismus. DĂŒsseldorf/Wien 1979, S. 116.
  84. ↑ Manfred Hildermeier: Die russische Revolution 1905–1921. Frankfurt 1989, S. 292.
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  • Lenin — Lenin,   Wladimir Iljitsch, seit etwa 1901 politischer Deckname von W. I. UljaÌŁnow, russischer RevolutionĂ€r und Politiker, * Simbirsk 22. 4. 1870, ✝ Gorki (bei Moskau) 21. 1. 1924; drittes von sechs Kindern einer Intellektuellenfamilie; der Vater 
   Universal-Lexikon

  • Lenin — (Đ›Đ”ĐœĐžĐœ) (Simbirsk, 10 (22) de abril de 1870 21 de enero de 1924), seudĂłnimo de VladĂ­mir Ilich UliĂĄnov (Đ’Đ»Đ°ĐŽĐžĐŒĐžŃ€ Đ˜Đ»ŃŒĐžŃ‡ ĐŁĐ»ŃŒŃĐœĐŸĐČ), dirigente revolucionario ruso y lĂ­der del partido bolchevique. Fue el primer mandatario de la UniĂłn SoviĂ©tica y el… 
   Enciclopedia Universal

  • Lenin — [lenâ€Čin; ] Russ [ lyeâ€Čnyin] V(ladimir) I(lyich) (orig., surname Ulyanov; formerly often referred to in error as Nikolai Lenin) 1870 1924; Russ. leader of the Communist revolution of 1917: premier of the U.S.S.R. (1917 24) 
   English World dictionary

  • Lenin — Lenin, Vladimir Ilyich 
   Philosophy dictionary

  • Lenin — pseudonym or alias chosen c.1902 (for publishing clandestine political works in exile) by Russian revolutionary Vladimir Il ich Ulyanov (1870 1924). Related: Leninist (1917); Leninism (1918) 
   Etymology dictionary

  • Lenin — VladĂ­mir Ilich UliĂĄnov Đ’Đ»Đ°ĐŽĐžĐŒĐžŃ€ Đ˜Đ»ŃŒĐžŃ‡ Đ›Đ”ĐœĐžĐœ 1.er Presidente del Consejo de Comisarios del Pueblo 
   Wikipedia Español

  • Lenin — LĂ©nine Pour les articles homonymes, voir LĂ©nine (homonymie). LĂ©nine 
   WikipĂ©dia en Français

  • Lenin — noun Russian founder of the Bolsheviks and leader of the Russian Revolution and first head of the USSR (1870 1924) ‱ Syn: ↑Vladimir Lenin, ↑Nikolai Lenin, ↑Vladimir Ilyich Lenin, ↑Vladimir Ilich Lenin, ↑Vladimir Ilyich Ulyanov, ↑Vladimir Ilich… 
   Useful english dictionary

  • Lenin — (Vladimir Ilyich Ulyanov) (1870 1924) A Marxist theoretician and revolutionary, born in Russia, whose early life was characterized by a more or less orthodox Marxism . However, from the late 1890s he developed a distinctive interpretation of Marx 
   Dictionary of sociology

  • Lenin — /len in/; Russ. /lye nyin/, n. V(ladimir) I(lyich) /vlad euh mear il yich/; Russ. /vlu dyee myirdd ee lyeech /, (Vladimir Ilyich Ulyanov) ( N. Lenin ), 1870 1924, Russian revolutionary leader: Soviet premier 1918 24. * * * â–Ș ship       world s… 
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