Lenkerb√ľgel

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Lenkerb√ľgel
Cityb√ľgel mit Schaftvorbau

Der Fahrradlenker dient zur Richtungssteuerung eines Fahrrades mit den Händen und ist dabei gleichzeitig (zusammen mit dem Sattel und den Pedalen) einer der drei Kontaktpunkte des Fahrers mit dem Fahrrad.

Der Fahrradlenker besteht im Allgemeinen aus dem eigentlichen Lenkerb√ľgel und einem Vorbau, √ľber den der Lenkerb√ľgel mit der Gabel verbunden wird. Der Lenkerb√ľgel kann mit zus√§tzlichen Griffpunkten f√ľr die H√§nde erweitert werden, z.¬†B. mit sogenannten Barends. Der Lenkerb√ľgel nimmt neben den Lenkergriffen auch Armaturen (Bremshebel, Schalthebel, Klingel) sowie diverses Zubeh√∂r auf (Tacho, Lenkertasche).

Umgangssprachlich ist mit Fahrradlenker oft nur der Lenkerb√ľgel selbst gemeint.

Inhaltsverzeichnis

Funktion

Bei der Funktion des Fahrradlenkers ist der Lenkerb√ľgel immer im Zusammenhang mit dem Vorbau zu betrachten. Beide Bauteile √ľberbr√ľcken gemeinsam den Abstand zwischen den H√§nden des Fahrers und der zu drehenden Fahrradgabel und sind somit ma√ügeblich f√ľr die Sitzhaltung des Fahrers verantwortlich bzw. sollten sich umgekehrt in ihrer Ausf√ľhrung nach der gew√ľnschten Sitzhaltung richten. Der Lenkerb√ľgel √ľbernimmt dabei durch seine Formgebung haupts√§chlich die Aufgabe, anatomisch korrekte Griffstellen f√ľr die H√§nde zu bilden (richtige Lenkerbreite und Winkel der Griffe), w√§hrend der Vorbau durch seine Abmessungen die richtige Position des Lenkerb√ľgels sicherstellt (die H√∂he und den Abstand zum Sattel).

Das Zusammenspiel von Vorbau und Lenkerb√ľgel ‚Ķ
‚Ķ ergibt Lenker f√ľr unterschiedliche Sitzhaltungen und Fahrergr√∂√üen

Neben dieser Aufgabenteilung zwischen Lenkerb√ľgel und Vorbau gibt es auch einteilige Fahrradlenker:

  • Aus Kostengr√ľnden werden teilweise einfach Vorbau und Lenkerb√ľgel miteinander verschwei√üt (z.¬†B. bei Hollandlenkern)
  • Aus Gewichts- und Stabilit√§tsgr√ľnden sind hochwertige Fahrradlenker ohne √úbergang einteilig gestaltet (z.¬†B. Triathlon-Lenker, teilweise kpl. aus Carbon)
  • Es gibt auch einteilige Fahrradlenker aus funktionellen Gr√ľnden (z.¬†B. verstellbare Lenker).

Bauformen von Lenkerb√ľgeln

Der Lenkerb√ľgel stellt die Griffstellen f√ľr die H√§nde zur Verf√ľgung, durch H√∂he und Tiefe des B√ľgels wird im Zusammenspiel mit den Vorbauma√üen aber auch die H√∂he und der Abstand der Griffe gegen√ľber dem Sattel beeinflusst. Man unterscheidet nach (Touren-)B√ľgeln f√ľr eine einzige Sitzhaltung (Holland-, Trekking-, MTB-Lenkerb√ľgel) und B√ľgeln f√ľr mehrere Sitzhaltungen (Rennlenkerb√ľgel, Multifunktionsb√ľgel).

Tourenb√ľgel

unterschiedliche Lenkerb√ľgel mit jeweils einer einzigen Griffposition (‚ÄěTourenb√ľgel‚Äú)

B√ľgel f√ľr eine einzige Sitzhaltung sind relativ einfach abgewinkelte Stangen mit Griffen an beiden Enden.

  • B√ľgel f√ľr eine sportliche, nach vorn gebeugte Sitzhaltung sind eher gerade und flach. Dadurch vergr√∂√üert sich der Abstand zum Sattel und es wird eine niedrige H√∂he √ľber dem Steuerlager beibehalten. Die Handgelenkstellung ist waagerecht, damit die Drucklinie nicht durch den Handballen verl√§uft, sondern an den Fingerans√§tzen entlang. Diese B√ľgel werden oft zu gerade gew√§hlt und erzeugen dadurch Probleme in Schultern und Handgelenken. Ein leichter Winkel sowohl in der Horizontalen als auch vertikal zum Ende hin leicht ansteigend ist anatomisch g√ľnstiger.
  • B√ľgel f√ľr eine aufrechte Sitzhaltung sind nach oben geschwungen um einen H√∂hengewinn zu erzielen. Gleichzeitig sind sie stark nach hinten abgewinkelt, um den Abstand zum Sattel zu verringern. Die Lenkerenden sind leicht abfallend geneigt, damit die Handgelenke in einem entspannten Winkel auftreffen.

Zwischen diesen beiden extremen Lenkerformen finden sich verschiedene Mischformen f√ľr die gem√§√üigten Sitzhaltungen.

Multipositionsb√ľgel

Lenkerb√ľgel mit mehreren Griffpositionen: Zwei Multifunktionsb√ľgel und ein Rennlenker (Mitte)

B√ľgel f√ľr mehrere Sitzhaltungen besitzen aufw√§ndigere Biegungen in verschiedene Richtungen und sind meist auf ihrer gesamten L√§nge gepolstert, damit der Fahrer an jeder beliebigen Stelle greifen kann. Zu dieser Kategorie geh√∂ren die klassischen Rennlenker und die aktuelleren Multifunktionsb√ľgel in Form einer liegenden Acht.

Mehrere Griffpositionen sind nicht gleichbedeutend mit unterschiedlichen Sitzhaltungen. Nur diejenigen Griffstellen, die in Richtung der abst√ľtzenden Arme liegen, wirken sich auf die R√ľckenneigung aus (z.¬†B. beim Rennlenker). Liegen die Griffstellen senkrecht zu den Armen (z.¬†B. ein Multifunktionsb√ľgel, der wie ein Autolenkrad montiert ist) √§ndern sich lediglich die Handgelenk- bzw. die Armstellung w√§hrend die R√ľckenneigung unver√§ndert bleibt.

Bei mehreren m√∂glichen Griffpositionen ist nur eine einzige Position (Hauptposition) mit Armaturen versehen (Bremsen, Schaltung), von allen anderen Stellen aus (Nebenpositionen) muss z.¬†B. zum Bremsen an die Hauptposition umgegriffen werden. Nur selten werden Armaturen √ľber spezielle verzweigte Leitungen mehrfach am Lenkerb√ľgel verteilt montiert.

B√ľgelerweiterungen

Zusätzliche Griffstellen durch Auflieger (links) und Barends (rechts)

Lenkerb√ľgel k√∂nnen auch durch angeschraubte Zus√§tze, z.¬†B. die sogenannten Barends, weitere Griffstellen erhalten. F√ľr extremere Sitzhaltungen sind auch angeschraubte Auflagefl√§chen f√ľr die Unterarme √ľblich.

Lenkergriffe/Lenkerband/Lenkerbez√ľge

F√ľr die H√§nde des Fahrers werden an den vorgesehenen Griffstellen des Lenkers Polsterungen angebracht. Sie verteilen den Druck besser als das blanke d√ľnne Metallrohr, bieten einen sicheren Halt und absorbieren Ersch√ľtterungen. Bei einer einzigen Griffstelle werden meist handbreite Griffe aufgeschoben, bei mehreren Griffpositionen √ľber einen l√§ngeren Bereich hinweg wird meist gewickeltes Lenkerband oder r√∂hrenformige √úberz√ľge gew√§hlt.

Lenkergriffe bestehen meist aus Kunststoffen, aufw√§ndigere Exemplare besitzen Gelpolster-Einlagen und bestehen aus Kork, Schaumstoff oder hautsympatischem Leder. Griffe hatten fr√ľher meist einen runden Querschnitt und vergr√∂√üerten lediglich den Durchmesser des Lenkerrohres, heute sind sie eher anatomisch oval oder der Handform angepasst, um den Druck besser zu verteilen.

Lenkerbänder sind selbstklebende Streifen aus Kunststoff, Textilien, Kork oder Leder, die um den Lenker gewickelt werden. Sie sind in den verschiedensten Farben und Designs erhältlich und oft in ihrer farblichen Gestaltung an das Fahrrad angepasst. Im Profiradsport greifen sie meist das Design des Hauptsponsors auf.

Lenkerbez√ľge sind meist Schaumstoffr√∂hren, die es in verschiedenen H√§rten und Oberfl√§chenstrukturen gibt.


Maße

Lenkerb√ľgelmitte (Manschette)

Der Manschetten-Durchmesser muss mit dem Ma√ü der Vorbauklemmung √ľbereinstimmen, die den Lenkerb√ľgel festh√§lt. Bei Rennlenkerb√ľgeln sind traditionell, je nach Herstellerfirma, verschiedene Durchmesser ab 25,4¬†mm aufw√§rts √ľblich. Bei allen anderen Fahrradtypen ist ein Durchmesser von 25,4¬†mm vorherrschend, zur Erh√∂hung der Stabilit√§t kommen aber z.¬†B. bei Mountainbikes auch Durchmesser von 31,8¬†mm zum Einsatz.

Lenkerb√ľgelenden

Der gerade Bereich der Lenkerb√ľgelenden bis zum Beginn der ersten Biegung wird Griffl√§nge genannt und nimmt alle Armaturen auf (Griffe, Bremshebel, Schalter, Glocke). Bei allen Nicht-Rennlenkerb√ľgeln hat sich ein Durchmesser von 22¬†mm durchgesetzt, der fr√ľhere Durchmesser von 23,5¬†mm ist nicht mehr √ľblich.

Sicherheit

Am Lenkervorbau gebrochener Aluminiumlenkb√ľgel
Bruchdetail desselben Lenkb√ľgels

Der Lenkb√ľgel geh√∂rt mit zu den sicherheitsrelevanten Teilen am Fahrrad, d.¬†h. ein Bruch kann (und wird in der Regel) zu schweren Unf√§llen f√ľhren, da das Fahrrad nicht mehr beherrschbar ist. Lenkb√ľgel sind Verschlei√üteile, um Br√ľchen vorzubeugen sollten sie in regelm√§√üigen Abst√§nden ausgetauscht werden. Dies gilt nicht nur f√ľr sportlich genutzte Fahrr√§der, sondern auch und vor allem f√ľr Fahrr√§der die im normalen Stadtverkehr genutzt werden. Bei schwergewichtigen Fahrradfahrern sind die Belastungen dort meist h√∂her als bei leichten Sportfahrern. Maximalbelastungen treten auf beim Abbremsen (Gleichlast) und beim Beschleunigen (Wechsellast). Aber schon umgefallene R√§der k√∂nnen Kratzer und Kerben in der Lenkeroberfl√§che erzeugen die Schwachstellen im Material darstellen und schon bei geringeren Belastungen durch die Folgen der Kerbwirkung versagen. Kerben k√∂nnen auch durch billige und schlecht verarbeitete Lenkervorbauten erzeugt werden. Um Br√ľchen vorzubeugen werden von Herstellern folgende Regeln vorgegeben:[1]

  • Generell sollte beim Lenkb√ľgel nicht auf das Gewicht geachtet werden. F√ľr den Einsatz in der Stadt und Radeln in der Freizeit ist ein schwererer Stahlb√ľgel auf jeden Fall einem leichten Aluminium- oder Karbonb√ľgel vorzuziehen. Stahl flie√üt und weist deshalb plastisches Verformungsverhalten auf. D. h. Br√ľche k√ľndigen sich eher durch Verformungen an. Aluminiumlenkb√ľgel hingegen brechen spr√∂de, d.¬†h. pl√∂tzlich und unvorhergesehen.
  • Nicht alle Lenkb√ľgel sind f√ľr jeden Einsatz geeignet. Beim Kauf muss deshalb der Einsatzbereich definiert werden.
  • Keine Kombination von Stahlvorbauten und Aluminiumlenkb√ľgel (Materialmix).
  • Das vom Hersteller angegebene maximale Anziehmoment des Vorbaus darf nicht √ľberschritten werden. Hersteller testen ihre Lenker in der Regel und k√∂nnen f√ľr diese Werte die Garantie √ľbernehmen.
  • Beim Transport mit dem Automobil d√ľrfen R√§der nicht kopf√ľberstehend am Lenkb√ľgel befestigt werden, da die auftretenden dynamischen Kr√§fte zu Materialerm√ľdung f√ľhren k√∂nnen.
  • Bei Besch√§digungen m√ľssen Lenkb√ľgel sofort ausgetauscht werden.
  • Generell sollten Lenkstangen, vor allem in Leichtbauweise, nach ~5000¬†km bzw. zwei Jahren, je nachdem, was fr√ľher eintritt, ausgetauscht werden.

Andere sicherheitsrelevante Bauteile am Fahrrad: Sattelst√ľtze, Vorbau, Tretkurbel, Gabel.

Literatur

  • Fritz Winkler, Siegfried Rauch: Fahrradtechnik Instandsetzung, Konstruktion, Fertigung. 10. Auflage, BVA Bielefelder Verlagsanstalt GmbH & Co. KG, Bielefeld, 1999, ISBN 3-87073-131-1

Quellen

  1. ‚ÜĎ Humpert Montage- und Sicherheitshinweise f√ľr Lenkerb√ľgel

Weblinks


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