Lippe (Fluss)


Lippe (Fluss)
Lippe
Die Lippe bei Lünen

Die Lippe bei LünenVorlage:Infobox Fluss/KARTE_fehlt

Daten
Gewässerkennzahl DE: 278
Lage Nordrhein-Westfalen, Deutschland
Flusssystem Rhein
Abfluss über Rhein → Nordsee
Quelle In Bad Lippspringe
51° 46′ 52,8″ N, 8° 49′ 20,5″ O51.7813333333338.8223611111111134
Quellhöhe 134 m ü. NN[1]
Mündung Bei Wesel in den Rhein
51.6508888888896.603916666666718

51° 39′ 3″ N, 6° 36′ 14″ O51.6508888888896.603916666666718
Mündungshöhe 18 m ü. NN[1]
Höhenunterschied 116 m
Länge 220,1 km[2]
Einzugsgebiet 4.887,671 km²[2]
Abflussmenge
am Pegel Schermbeck_1
(Einzugsgebiet: 4783 km²,
22,4 km oberhalb der Mündung)
[3]
MNQ: 17,7 m³/s
MQ: 44,9 m³/s
MHQ: 241 m³/s
HHQ: 395 m³/s (im Jahr 1998)
Rechte Nebenflüsse Jordan, Thune, Glenne, Stever
Linke Nebenflüsse Beke, Pader, Alme, Heder, Ahse, Seseke
Großstädte Paderborn, Hamm
Mittelstädte Lippstadt, Werne, Lünen, Haltern am See, Dorsten, Wesel
Einwohner im Einzugsgebiet 1.874.000
Schiffbar Parallelkanal:
* bis Datteln Klasse Vb (WDK);
* bis Uentrop Euroschiff (DHK)
Die Lippequelle in Bad Lippspringe, rechts die Burg
Odins Auge, das markante Merkmal der Lippequelle
Mäandrierende Lippe zwischen Lippetal-Lippborg und Hamm-Schmehausen
Lippe zwischen Werne und Bergkamen
Die Lippe westlich von Lünen, Luftaufnahme

Die Lippe ist ein 220 km langer rechter Nebenfluss des Rheins in Nordrhein-Westfalen mit einem Einzugsgebiet von 4.888,7 km². Am Pegel Hamm weist die Lippe einen mittleren Abfluss von 23 m³/s auf; dieser steigt bis zum Pegel Schermbeck nahe der Mündung auf 46 m³/s.

Inhaltsverzeichnis

Flusslauf

Die Lippe entspringt als Karstquelle mit einer Schüttung von 0,74 m³/s in Bad Lippspringe am westlichen Fuße des Eggegebirges. Noch innerhalb der Stadt fließt ihr der nur einen Kilometer lange Jordan zu, dessen Quelle sich einige hundert Meter nördlich der Lippequelle befindet. Die Lippe fließt in südwestlicher Richtung nach Paderborn, wo sie das Wasser von Beke, Pader, Alme und Thune aufnimmt. Am Zusammenfluss von Lippe und Pader in Paderborn-Schloß Neuhaus führt die Pader im Verhältnis zur Lippe etwa die dreifache Wassermenge. Einige hundert Meter flussabwärts mündet die Alme ein, die mit 59,1 km mehr als fünf Mal so lang ist wie die Lippe bis zu diesem Punkt (11,2 km). Damit gehört die Lippe zu den Flusssystemen, deren Hauptstrom nicht der namentliche Quellast ist, sondern von Nebenflüssen gebildet wird[4] (hydrologischer Hauptast: Pader, längster Fließweg: Alme).

Beim Paderborner Stadtteil Sande wurde das Wasser des Flusses seit 1989 zum Lippesee gestaut, wird jedoch seit 2005 zwecks Renaturierung zum größten Teil in der Lippeseeumflut um den See herumgeführt. Weiter fließt die Lippe in westlicher Richtung durch den südlichen Teil der Westfälischen Bucht. Kurz hinter Lippstadt mündet von Norden die Glenne ein. Anschließend erreicht sie Lippetal und Hamm, wo ihr, als größter einer Reihe von Zuflüssen im Stadtgebiet, die Ahse durch einen Düker unter dem Datteln-Hamm-Kanal hindurch zugeleitet wird. (Die Mündung der Ahse wurde mit dem Bau des Kanals aus der Stadtmitte heraus nach Osten verlegt.) Im weiteren Verlauf passiert die Lippe Werne und Bergkamen sowie Lünen, wo sie die Seseke aufnimmt, und fließt vorbei an Waltrop, Selm, Datteln, Olfen und Haltern am See. In Haltern fließt ihr ein weiteres größeres Gewässer zu, die Stever. Anschließend fließt sie weiter nach Marl, Dorsten, Hünxe und mündet schließlich bei Wesel in den Rhein.

Parallel zur Lippe verläuft von Paderborn bis Lippstadt der Boker-Heide-Kanal, ein bedeutendes technisches Kulturdenkmal Westfalens. Der Datteln-Hamm-Kanal begleitet die Lippe als Seitenkanal am südlichen Ufer vom östlichen Hammer Stadtteil Schmehausen bis nach Datteln, wo er auf den Dortmund-Ems-Kanal trifft. Von Datteln verläuft dann, ebenfalls am südlichen Ufer parallel zur Lippe, der Wesel-Datteln-Kanal bis zum Rhein. Beide Kanäle werden aufgrund ihres Verlaufes auch Lippe-Seitenkanal genannt.

Der RadfernwegRömerroute“ führt in weiten Teilen an der Lippe entlang; aktuell wird seitens der anliegenden Kreise und Gemeinden, des Lippeverbands, des Regionalverbands Ruhr und verschiedener touristischer Institutionen die Einrichtung einer speziellen „Römer-Lippe-Route“ diskutiert.[5]

Lippeschifffahrt

Die Geschichte der Lippeschifffahrt reicht mindestens bis in die Römerzeit zurück; denn bereits die Römer nutzten den Fluss, lat. Lippia oder weniger häufig Lipia genannt, um ihre Güter mit Hilfe kleiner Schiffe zu transportieren.

In späterer Zeit konnte sich die Lippeschifffahrt nicht recht entwickeln, da zahlreiche Schiffmühlen und Sandbänke sowie die Zollschranken sie behinderten. Als jedoch 1815 mit dem Anschluss Westfalens an Preußen die Lippe auf ihrer gesamten Länge preußisch wurde, konnten Pläne zur Schiffbarmachung realisiert und die Schifffahrt ohne Zollschranken wirtschaftlich durchgeführt werden. Der Fluss wurde durch den Bau von Schleusen und Umgehungskanälen ausgebaut und war ab 1826 durchgängig bis Lippstadt schiffbar. Transportiert wurden insbesondere Salz, Getreide, Eisenerz, Steine und Holz. Die Fahrt von Hamm nach Wesel dauerte vier Tage, von Hamm nach Lippstadt einen Tag. Pferde auf Treidelpfaden zogen die Frachtkähne flussaufwärts. Wehre und Schleusen stellten eine ausreichende Wassertiefe sicher, zum Beispiel die Lippeschleuse Datteln oder Lippeschleuse Heessen. Für die Treidelschiffe gab es Häfen, von denen heute noch der Lippehafen Wesel Zeugnis ablegt.

In den Jahren 1853–1856 unternahm der Gerichtssekretär Hermann aus Hamm den Versuch, die Dampfschifffahrt auf der Lippe zu etablieren. 1854 gründete er zusammen mit anderen Investoren die „Rhein- und Lippe Schleppschiffahrts-Gesellschaft“. Sie verfügte 1856 über drei Dampfschlepper sowie sechs größere und neun kleinere Schiffe für den Verkehr auf der Lippe. Der mangelhafte Ausbau des Flusses und die noch nicht ausgereifte Technik der Dampfschlepper verhinderten aber einen wirtschaftlichen Betrieb, weshalb die Gesellschaft im Jahr 1856 wieder aufgelöst und die Dampfschifffahrt auf der Lippe eingestellt wurde. Später stand auch die Konkurrenz der Eisenbahn einem wirtschaftlichen Betrieb der Schifffahrt auf der Lippe entgegen.

Erst im 20. Jahrhundert wurde wegen des Bedarfs an Gütertransporten für die Industrie der Schiffsverkehr wieder aufgenommen, jedoch nicht auf der Lippe selbst, sondern auf dem dafür geschaffenen sogenannten Lippe-Seitenkanal, der sich aus dem Datteln-Hamm-Kanal (ab 1914) und dem Wesel-Datteln-Kanal (ab 1930) zusammensetzt.

Wasserregulierung und industrielle Nutzung

In Hamm dient die Lippe der Wasserregulierung des westdeutschen Kanalnetzes. An der dortigen Wasserübergabe kann durch eine 18 Meter breite Wehranlage Lippewasser im natürlichen Gefälle in den Datteln-Hamm-Kanal geleitet werden. Umgekehrt kann in Trockenzeiten der Lippe Wasser zugeführt werden, welches durch Rückpumpwerke an den Kanalschleusen aus dem Rhein und der Ruhr zugeführt wird. Von 1897 bis 1914 gab es ein Pumpwerk an der Kanalbrücke Alte Fahrt des Dortmund-Ems-Kanals bei Olfen, welches mit Dampfkraft Lippewasser in den Kanal hochhob.

Das Wasser der Lippe wird ferner von einigen Kraftwerken, unter anderem dem Gersteinwerk, zur Kühlung genutzt. Hierdurch erhöht sich die Wassertemperatur weit über das natürliche Maß hinaus. In heißen Sommern werden gezielt Kraftwerksblöcke abgeschaltet, um eine weitere Erhöhung der Wassertemperatur zu verhindern, weil dies zu einer Gefährdung der in der Lippe lebenden Fische führen würde.

Für den Hochwasserschutz und die Gewässerunterhaltung sind der Wasserverband Obere Lippe in Büren, die Bezirksregierung Arnsberg (Umweltverwaltung, Standort Lippstadt) und der Lippeverband in Essen zuständig.

Das Wasser der Lippe kann nicht zu Trinkwasser verarbeitet werden, weil es natürlicherseits und durch die Einleitung von Grubenwasser aus dem Steinkohlenbergbau einen erheblichen Gehalt an Chloriden hat.

Zuflüsse

Graphische Darstellungen

Die folgenden Grafiken sind je in orografischer Reihenfolge von unten (Quelle) nach oben (Mündung) geordnet.

Die längsten Nebenflüsse

Die zehn längsten Nebenflüsse der Lippe (Länge über 15 km) sind:

Die Nebenflüsse mit dem größten Einzugsgebiet

Die zwölf Nebenflüsse der Lippe mit dem größten Einzugsgebiet (mindestens 75 km²) sind:

Die wasserreichsten Zuflüsse

Nachfolgend die MQ-Bilanz der per Pegelmessungen zuverlässig ermittelbaren Lippe-Zuflüsse (Pegelwerte siehe hier[6]):

Erkennbar ist insbesondere, dass die kurz nacheinander mündenden Zuflüsse Pader und Alme die eigentlichen Hauptflüsse des Lippe-Oberlaufes sind.

Tabelle der wichtigsten Nebenflüsse

Nachfolgend sind alle Nebenflüsse der Lippe mit mindestens 30 km² Einzugsgebiet sowie solche mit mehr als 10 km² oberhalb von Pader und Alme aufgelistet:

(Zur besseren Übersicht bzw. zur Sortierung flussabwärts sind in die DGKZ-Ziffern nach der 278 - Lippe - Bindestriche eingefügt.

Zur Gesamt-Tabelle

Name



Lage



Länge


[km]
[7]
Einzugs-
gebiet

[km²]
[8]
Lippe-
km
(vor
Mündung)

[7]
Orte
am Fluss

(*: Quellort/quellnaher Ort)

Mündungs-
ort

(bei)
DGKZ



Thunebach rechts 6,7 17,6 218,8 Schlangen Bad Lippspringe 278-12
Steinbeke links 8,6 25,4 218,3 Bad Lippspringe 278-14
Beke links 17,6 49,9 214,6 *Altenbeken PB-Marienloh 278-16
Pader links 4,5 60,7 209,6 *Paderborn PB-Schloß Neuhaus 278-18
Alme links 59,1 763,0 208,8 *Brilon-Alme, Büren PB-Schloß Neuhaus 278-2
Thune rechts 24,5 90,7 204,7 Schlangen-Kohlstädt, Schlangen, PB-Sennelager PB-Sande 278-32
Heder links 11,8 83,9 191,8 *Salzkotten, Salzk.-Verne Salzk.-Schwelle 278-372
Geseker Bach links 10,0 130,2 186,6 *Geseke Lippstadt-Garfeln 278-38
Glenne rechts 45,5 324,6 170,3 Delbrück Lippstadt-Cappel 278-4
Gieseler links 12,9 160,2 168,9 *Erwitte-Eikeloh, Erwitte-Bad Westernkotten Lippstadt-Hellinghausen 278-52
Trotzbach links 20,7 55,0 163,5 Anröchte-Altengeseke Lippstadt-Eickelborn 278-56
Quabbe rechts 16,6 74,2 146,9 Lippetal-Lippborg 278-58
Ahse links 50,0 441,0 126,3 *Möhnesee-Echtrop, Bad Sassendorf, Lippetal-Oestinghausen Hamm 278-6
Wiescher Bach links 11,1 37,0 118,6 *Hamm-Rhynern Hamm-Herringen 278-72
Beverbach links 8,3 33,0 109,2 *Hamm-Herringen Bergkamen-Rünthe 278-732
Horne rechts 12,6 42,4 109,0 *Herbern Werne 278-74
Seseke links 31,9 319,3 96,9 *Werl-Holtum, südlich Bönens, Kamen-Heeren-Werve, Kamen, Bergkamen-Oberaden Lünen 278-76
Dattelner Mühlenbach links 9,9 41,6 77,6 *Oer-Erkenschwick Datteln 278-794
Stever rechts 58,0 924,1 54,8 *nördlich Nottulns, Nottuln-Appelhülsen, Senden, Lüdinghausen, Olfen, Haltern-Hullern Haltern am See 278-8
Sickingmühlenbach links 13,8 79,0 46,0 *Oer-Erkenschwick-Oer, Marl-Sinsen Marl-Sickingmühle 278-92
Rapphofsmühlenbach links 14,1 92,9 34,0 *Herten-Langenbochum, Herten-Bertlich, zwischen GE-Hassel und Marl-Polsum Dorsten 278-94
Hammbach rechts 21,5 147,6 31,8 westlich Dorsten-Rhades, Dorsten-Holsterhausen 278-96

Weblinks

 Commons: Lippe – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Literatur

  • Karl Brandt: Über die Ältere Eisenzeit an der Lippe. Vestische Zeitschrift Bd. 61, S. 5–18.
  • Eckhard Bremer: Die Nutzung des Wasserweges zur Versorgung der römischen Militärlager an der Lippe (2001)
  • Fritz Gehne: Das erste Dampfschiff auf der Lippe. Nach zeitgenössischen Berichten. Vestische Zeitschrift Bd. 52, S. 97–104.
  • Joseph Grewe: Die Umladestelle auf der Lippe bei Forck zu Lippe. Vestische Zeitschrift Bd. 52, S. 108–111.
  • Werner Koppe: Die Lippewasserstraße (2004)
  • M. Krackhecken: Die Lippe (1939)
  • Heinrich Schäpers: Der Kampf der Marler Lippeanwohner gegen die Zerstörung ihrer Flußufer durch die Kanalisierung der Lippe. Vestische Zeitschrift Bd. 58, S. 91–99.
  • Franz Schuknecht: Die Dorstener Lippetalung als geschichtlicher Lebensraum. Ein Beitrag zur Geschichte der Erschließung in den vorindustriellen Epochen. Vestische Zeitschrift Bd.90/91 (1991/1992), S. 17–52.
  • Franz Schuknecht: Die strategische Nutzung der Römerlager in Dorsten-Holsterhausen. Vestische Zeitschrift Bd. 103 (2010/2011), S. 5–23
  • Alexander Thomsen: Neue Cro-Magnon-Funde aus dem Lippetal bei Dorsten. Vestische Zeitschrift Bd. 46, S. 5–13.
  • Johann von der Wülbecke: Beitrag zur Geschichte der unteren Lippe im Raume Waltrop vor der großen Vereisung (Saaleeiszeit). Vestische Zeitschrift Bd. 70/71/72, S. 97–103.

Quellen

  1. a b Deutsche Grundkarte 1:5000
  2. a b Topographisches Informationsmanagement, Bezirksregierung Köln, Abteilung GEObasis NRW
  3. Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen
  4. Bekanntestes Beispiel ist der Mississippi, dessen hydrologischer Hauptstrom der wasserreichere Ohio ist und dessen längster Fließweg vom Missouri gebildet wird.
  5. Information der Stadt Hamm zur 5. Lippekonferenz, abgerufen 8. Dezember 2009
  6. Stever aus Lippepegeldifferenz zwischen Leven und Haltern, abzüglich der lippenahen Gebiete, bei Ahse das lippenahe Einzugsgebiet unterhalb des Pegels mit je Mq von 5 l/skm² herunter-/heraufgerechnet.
  7. a b Topographisches Informationsmanagement, Bezirksregierung Köln, Abteilung GEObasis NRW (Hinweise)
  8. Topographisches Informationsmanagement, Bezirksregierung Köln, Abteilung GEObasis NRW (Hinweise)

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