Lippe (Land)

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Lippe (Land)

Lippe war ein deutscher Staat. Landeshauptstadt war zuletzt Detmold. Die Herrschaft der lippischen Herren wurde im 12. Jahrhundert erstmals beurkundet. 1528 wurde die Herrschaft Lippe zur Reichsgrafschaft erhoben, 1789 zum FĂŒrstentum. Lippe war bis 1806 ein Territorium im Niederrheinisch-WestfĂ€lischen Reichskreis des Heiligen Römischen Reiches, von 1806 bis 1813 Teil des Rheinbundes, von 1816 bis 1866 Teil des Deutschen Bundes, ab 1866 Mitglied im Norddeutschen Bund, ab 1871 Teil des Deutschen Kaiserreichs, nach 1919 ein demokratisch verfasster Freistaat in der Weimarer Republik. 1947/1948 musste das Land Lippe auf Betreiben der britischen Besatzungsmacht seine jahrhundertelange SelbststĂ€ndigkeit aufgeben und entschied sich fĂŒr den Beitritt zu dem 1946 gegrĂŒndeten Land Nordrhein-Westfalen.

Das Gebiet des ehemaligen Landes Lippe in seinem letzten Gebietsstand entspricht weitgehend dem heutigen Kreis Lippe im Regierungsbezirk Detmold, deren beider Verwaltungssitz Detmold ist. Der Kreis Lippe (bzw. das Lipperland) bildet neben Westfalen und dem Rheinland den dritten und weitaus kleinsten Landesteil des Landes Nordrhein-Westfalen.

Zur Abgrenzung von anderen ursprĂŒnglich im Besitz der Nebenlinien des Hauses Lippe befindlichen Territorien, insbesondere von Schaumburg-Lippe, wurde Lippe auch Lippe-Detmold genannt.

Inhaltsverzeichnis

Geographische Lage

Das hĂ€ufig als „Lipperland“ bezeichnete Staatsgebiet des Freistaats Lippe ist Teil der historischen Landschaft Westfalen. Es lag in den letzten Jahren seines Bestehens zwischen den preußischen Provinzen Westfalen (1946 in Nordrhein-Westfalen aufgegangen) im Westen und Hannover (1946 in Niedersachsen aufgegangen) im Osten. Bis 1921 grenzte es im Osten auch an eine Exklave des Landes Waldeck-Pyrmont um Pyrmont (vgl. Kreis Pyrmont und Grafschaft Pyrmont) und bis zuletzt an die kleine westfĂ€lische (zuletzt bereits nordrhein-westfĂ€lische) Exklave LĂŒgde. Heute entspricht das ehemalige Gebiet des Freistaates im Wesentlichen dem Kreis Lippe im Nordosten Nordrhein-Westfalens.

Geographisch lag der Freistaat grĂ¶ĂŸtenteils nordöstlich des Teutoburger Waldes (im östlichen Teil auch Lippischer Wald genannt) und östlich des Eggegebirges. Im Norden berĂŒhrte er die Weser. Das ĂŒberwiegend hĂŒgelige, teils auch stark durchschnittene GelĂ€nde zwischen Weser und Eggegebirge wird als Lipper Bergland bezeichnet, mit dem Köterberg als höchster Erhebung. Damit zĂ€hlte das Lipperland im Wesentlichen zum Weserbergland. Nur ein kleinerer Gebietsteil westlich des Eggegebirges und sĂŒdwestlich des Osnings um Augustdorf lag in der WestfĂ€lischen Bucht, die hier von sandiger Heidelandschaft, der Senne, geprĂ€gt ist. Die grĂ¶ĂŸten FlĂŒsse sind die Weser, die Werre, die Bega und die Emmer. Der namensgebende Fluss Lippe entspringt zwar in der NĂ€he des lippischen Staatsgebietes in der Senne, berĂŒhrte das Kernland im letzten Gebietsstand aber nicht. Jedoch stammte das Haus Lippe aus der Gegend von Lippstadt an der Lippe, wo es erste Territorien erlangen konnte. Die Stadt Lippstadt wurde von 1666 bis 1850 als Kondominium von der Grafschaft bzw. dem FĂŒrstentum Lippe und dem KurfĂŒrstentum Brandenburg bzw. Königreich Preußen gemeinsam regiert. In der Nachbarschaft von Lippstadt bestanden bis 1947 noch zwei kleine Exklaven des Landes Lippe: Cappel und Lipperode (heute Ortsteile von Lippstadt). Eine weitere Exklave war das einige Kilometer sĂŒdlich des Kernlandes gelegene Grevenhagen. Alle Exklaven waren von Westfalen umgeben.

Mit einem Staatsgebiet von rund 1200 kmÂČ und nur etwa 150.000 Einwohnern (1947) zĂ€hlte Lippe zu den kleineren Gliedstaaten des Deutschen Reiches. Der FlĂ€che nach war es der sechstkleinste Staat und der drittkleinste FlĂ€chenstaat des Reiches. Die grĂ¶ĂŸte lippische Stadt war mit zuletzt rund 25.000 Einwohnern die Landeshauptstadt und frĂŒhere Residenzstadt Detmold.

Geschichte

Herrschaft und Grafschaft Lippe bis 1789

→ Hauptartikel: Grafschaft Lippe

Erstmals urkundlich erwĂ€hnt wurde Lippe 1123; eine Urkunde nennt den Edelherrn Bernhard I. als Bernhardus de Lippe. Die Herrschaft Lippe lag bis zur Reformation im geistlichen Wirkungskreis des Bischofs von Paderborn. Nachfolger erwarben im SĂŒdosten große Gebiete der Grafschaft Schwalenberg und dehnten durch Erwerb von Varenholz und Langenholzhausen ihren Besitz nordwĂ€rts bis an die Weser aus. Im 14. Jahrhundert wurde die Herrschaft geteilt und von Nachbarterritorien beansprucht. So wurde die Stadt Lippstadt in ein gemeinsam mit der Grafschaft Mark verwaltetes Gebiet umgewandelt. Im 15. Jahrhundert konnte die Grafschaft Sternberg erworben werden. Allerdings ging die Grafschaft Everstein in einer Fehde mit den Herzögen von Braunschweig-LĂŒneburg verloren. Lippe beteiligte sich als Gegner des Kölner Erzbischofs an der Soester Fehde; Teile der Herrschaft gingen an die Landgrafschaft Hessen verloren und wurden danach vom lippischen Grafen als Erblehen zurĂŒckbehalten.

1528 wurde Simon V. der Titel eines Reichsgrafen verliehen; die Herrschaft Lippe wurde Grafschaft. Im Spannungsfeld zwischen dem katholischen FĂŒrstbistum Paderborn und dem lutherischen Hessen entschieden sich die Grafen, auch unter dem Einfluss der lippischen StĂ€dte, zum Protestantismus. Die LandstĂ€nde beschlossen 1538 eine evangelische Kirchenordnung fĂŒr Lippe. Lippe wurde in den Schmalkaldischen Krieg (1546–1547) hineingezogen, der fĂŒr die evangelische Seite verloren ging. In der Folge wurde Lippe zum direkten Reichslehen. Graf Simons VI. fĂŒhrte in der sogenannten zweiten Reformation das reformierte Bekenntnis ein. Lediglich Lemgo blieb lutherisch. Dynastisch war Lippe von zahlreichen Rechtsstreitigkeiten der regierenden Detmolder Linie mit jĂŒngeren Linien (insb. Lippe-Brake und Lippe-Alverdissen) geprĂ€gt. Die Alverdisser Linie begrĂŒndete 1644 mit der Regierung der Grafschaft Schaumburg das spĂ€tere FĂŒrstentum Schaumburg-Lippe. Wie die gesamte Region wurde Lippe im DreißigjĂ€hrigen Krieg stark in Mitleidenschaft gezogen. Die lippischen StĂ€dte verloren etwa zwei Drittel ihrer Bevölkerung; auf dem Land lag der Verlust bei etwa 50 Prozent. Im Zeitalter des Barocks und der AufklĂ€rung konnten die lippischen Landesherren nur bedingt ihren Herrschaftsanspruch gegen die LandstĂ€nde durchsetzen. Zu klein war das Territorium und zu groß waren die Erbstreitigkeiten mit Nebenlinien. Vor allem aber pochten die LandstĂ€nde auf starke Bewilligungsrechte im Landeshaushalt.

FĂŒrstentum Lippe bis 1918

→ Hauptartikel: FĂŒrstentum Lippe
Grenzstein zwischen dem FĂŒrstenthum Lippe und dem Königreich Preußen in WĂŒsten-Pehlen

Leopold I. (1767–1802) wurde 1789 der erste FĂŒrst zur Lippe. Das FĂŒrstum ĂŒberdauerte im Rheinbund die napoleonische Zeit. Das calvinistisch geprĂ€gte FĂŒrstentum hielt sich stets eng an das protestantische Preußen und konnte auch dadurch eine, wenn auch meist nur formelle, UnabhĂ€ngigkeit bewahren. Im Deutschen Krieg von 1866 stand es auf Seiten Preußens gegen den österreichisch gefĂŒhrten Deutschen Bund. 1866 trat es dem Norddeutschen Bund bei und wurde 1871 Teil des Deutschen Reiches. In den Folgejahren konkurrierten mehrere grĂ€fliche Linien im sogenannten lippischen Erbfolgestreit. Das Reichsgericht in Leipzig entschied die Angelegenheit 1897 zugunsten von Graf Ernst zur Lippe-Biesterfeld. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde aus dem FĂŒrstentum ein demokratischer Freistaat.

Freistaat Lippe bis 1945

→ Hauptartikel: Freistaat Lippe

Nach der Novemberrevolution 1918 entstand ein demokratischer Freistaat. Die Staatsgewalt ging vom Volke aus. Eine demokratische Verfassung datierte vom 21. Dezember 1920, in der die legislative Gewalt beim lippischen Landtag lag. Dieser wĂ€hlte ein dreiköpfiges LandesprĂ€sidium, das zugleich Staatsoberhaupt und Regierung (Exekutive) des Landes war. Von 1919 bis 1933 war die SPD stĂ€rkste Partei im Landtag und fĂŒhrte das dreiköpfige LandesprĂ€sidium, zunĂ€chst unter der Leitung von Clemens Becker und von 1920 bis 1933 von Heinrich Drake. Schon frĂŒh nutzten die Nationalsozialisten Orte in Lippe als vermeintliches „germanisches Kernland“ fĂŒr ihre politischen Zwecke. Bei Nazi-AufmĂ€rschen aus dem ganzen Reich wurde eine nie vorhandene gesamtdeutsche Bedeutung Lippes hochstilisiert. Die Inszenierungen im von Weltwirtschaftskrise und hoher Arbeitslosigkeit betroffenen Lippe beeindruckten große Teile der Bevölkerung. Auch ein latenter Antisemitismus sowie die zunehmende Hetze gegenĂŒber politischen Gegnern brachten bereits Anfang der 1930er Jahre der NSDAP Erfolge besonders hohe Erfolge bei den Kommunalwahlen. Die Sozialdemokraten verloren bei den lippischen Landtagswahlen am 15. Januar 1933 den Status der stĂ€rksten Fraktion im Landtag. Die NSDAP gewann fast 40 % der Stimmen, mehr als reichsweit bei der Reichstagswahl November 1932. Die lippischen Ergebnisse hatten durch Instrumentalisierung auch Auswirkungen auf das Reichskabinett Schleichers, das schließlich am 28. Januar 1933 zurĂŒcktrat. In Lippe gelang es der NSDAP ab dem 7. Februar, zwei Mitglieder des LandesprĂ€sidiums zu stellen und Drake aus der Regierung zu drĂ€ngen. Mit der Einsetzung des Reichsstatthalters Alfred Meyer in Detmold fĂŒr Lippe und Schaumburg-Lippe ab Mai 1933 wurde die Gleichschaltung frĂŒher als in anderen Teilen des Reichs abgeschlossen.

Land Lippe bis 1947, Beitritt zu Nordrhein-Westfalen

→ Hauptartikel: Land Lippe

Lippe wurde im April 1945 von US-amerikanischen Truppen besetzt und bei der Aufteilung Deutschlands der britischen Besatzungszone zugeordnet. Die ehemaligen Freistaaten Lippe und Schaumburg-Lippe wurden unter dem gemeinsamen MinisterprĂ€sidenten Heinrich Drake vereinigt. Schon Ende 1946 wurde Schaumburg-Lippe in das neue Land Niedersachsen eingegliedert. Auch fĂŒr das verbliebene Land Lippe endete nach ĂŒber 800 Jahren der Rest staatlicher SelbststĂ€ndigkeit. Das kleine Land entschied sich fĂŒr Nordrhein-Westfalen, das weitergehende ZugestĂ€ndnisse und Anreize in den Lippischen Punktationen bot. Am 21. Januar 1947 hörte das Land durch den Erlass einer MilitĂ€rverordnung auf zu existieren. Ein zunĂ€chst geplanter Volksentscheid wurde nie durchgefĂŒhrt.

Lippe als Landesteil von Nordrhein-Westfalen

Karte Kreis Lippe.png

Lippe gilt neben dem nördlichen Rheinland und Westfalen als der dritte Landesteil von Nordrhein-Westfalen. Mit Verabschiedung des Landesgesetzes am 10. MĂ€rz 1953 ĂŒber die Landesfarben, -flagge und -wappen wurde die Lippische Rose Teil des NRW-Wappens, was diesen Sachverhalt unterstreicht. Der heutige Landesteil bildet seit der Kreisgebietsreform 1973 durch GrĂŒndung des Kreises Lippe verwaltungstechnisch und politisch eine territoriale Einheit, die in der Tradition des alten Landes Lippe steht. Die ehemaligen lippischen Exklaven Cappel und Lipperode bei Lippstadt wurden 1949 dem Kreis Lippstadt, Grevenhagen 1970 dem Kreis Höxter (im Gebietstausch mit der westfĂ€lischen Exklave LĂŒgde) zugeordnet.

Die Eingliederung des Landes Lippe in das Land Nordrhein-Westfalen wurde auf Basis der bereits erwĂ€hnten Lippischen Punktationen, die zwischen den Landesregierungen von Lippe und Nordrhein-Westfalen verhandelt worden waren, vollzogen. Hierbei entstand 1948 u. a. auch die ungewöhnliche Körperschaft des Landesverbandes Lippe als Rechtsnachfolger fĂŒr das ehemalige lippische Landesvermögen. Lippe blieb somit im Besitz seiner Staats- und HeilbĂ€der, Staatsfluren und -forsten sowie sonstiger KulturstĂ€tten wie beispielsweise des Landestheaters Detmold und des Hermannsdenkmals. Weiter wurde in den Protokollen zu den Punktationen vereinbart, dass Detmold anstelle des ostwestfĂ€lischen Minden der neue Sitz der Bezirksregierung werden sollte. Der neue Regierungsbezirk Minden-Lippe (spĂ€ter Regierungsbezirk Detmold) umfasste die lippischen Territorien und die Gebiete des ehemals preußischen Regierungsbezirks Minden. Erster RegierungsprĂ€sident wurde am 1. April 1947 der letzte lippische MinisterprĂ€sident Heinrich Drake.

Lippe entsendet drei Landtagsabgeordnete (Wahlkreise Lippe I–III, drei Direktmandate) in den DĂŒsseldorfer Landtag. Eine zwischenzeitliche Zusammenlegung des Wahlkreises Lippe III mit Teilen des westfĂ€lischen Hochstiftskreises Höxter wurde im Rahmen der Wahlkreisreform von 2002 rĂŒckgĂ€ngig gemacht.

Die Lippische Landeskirche ist als eigenstÀndige Gliedkirche der Evangelischen Kirche in Deutschland bis heute selbststÀndig.

Weitere Entwicklung der Verwaltungsgliederung nach 1947

→ Hauptartikel: Liste der Gemeinden in Lippe

Zum 1. Oktober 1949 wurden die Exklaven Cappel und Lipperode vom Kreis Detmold in den Kreis Lippstadt umgegliedert.

1969 und 1970 wurden die Gemeinden der Kreise Lemgo (Lemgo-Gesetz) und Detmold (Detmold-Gesetz) neu gegliedert. Die bis dahin 168 selbstĂ€ndigen Gemeinden wurden zu 16 Gemeinden zusammengefasst. Die Stadt LĂŒgde und die Gemeinden Harzberg und Kempen-Feldrom aus dem Kreis Höxter fielen dem Kreis Detmold zu, wĂ€hrend die lippische Exklave Grevenhagen aus dem Kreis Detmold in den Kreis Höxter umgegliedert wurde. 1973 bestimmte das Bielefeld-Gesetz die Bildung des neuen Kreises Lippe aus den bisherigen Kreisen Lemgo und Detmold. Die Kreisverwaltung nahm ihren Sitz in Detmold.

Wappen und Flagge

Grenzstein mit Lippischer Rose. Die RĂŒckseite zeigt den preußischen Adler

Das Wappen des Freistaates Lippe zeigte zuletzt die Lippische Rose im silbernen Schild. Die Landesflagge war gelb-rot. Beide Staatssymbole wurden vom Haus Lippe ĂŒbernommen.

Die frĂŒhesten Wappen des Hauses Lippe zeigten bereits die Lippische Rose – allerdings ohne KelchblĂ€tter. Dieses Wappenbild fĂŒhrte Lippe in Variationen bis 1947. 1528 wurde der Stern der Grafschaft Schwalenberg – auf einem goldenen (gelben) achtstrahligen Stern eine natĂŒrliche Schwalbe – zum Wappen hinzugefĂŒgt. Das frĂŒhe grĂ€fliche Wappen bildete Rose und Stern jeweils zwei Mal im viergeteilten Schild ab. 1687 wurden das aus vier Feldern bestehende Wappen der durch Heirat erworbenen (und 1725 aus Geldnot wieder verkauften), in den heutigen Niederlanden gelegenen Herrschaft Vianen und Ameide ins lippische Wappen aufgenommen. Das aufgenommene Wappen zeigte jeweils zweimal zum Einen drei in Silber stehende – spĂ€ter als MĂŒhleisenkreuze ausgelegte – schwarze SĂ€ulen (Wappen der Herren von Vianen), zum Anderen eine fĂŒnffach von Feh und Rot geteilte SchildflĂ€che, was wiederum das Wappen der von den Herren von Vianen um 1350 erheirateten Burggrafschaft Utrecht war. Das Feh wurde im lippischen Wappen auch als EisenhĂŒtlein gedeutet. SpĂ€ter kam auch der Stern der Grafschaft Sternberg zweimal hinzu. Im Zentrum des nun neunfeldigen Wappens rĂŒckte die nun nur noch einmal, aber im eigenen Schild herausgehoben, abgebildete lippische Rose als Stammwappen des Hauses Lippe. Das Schild trĂ€gt fĂŒnf Helme. Gehalten wird es von zwei Engeln. Den FĂŒrstenrang symbolisiert der FĂŒrstenhut, der einen das Wappen umgebenden Wappenmantel krönt.

FĂŒr den „Behördenbetrieb“ (Stempel, Siegel etc.) wurde ein vereinfachtes Wappen verwendet. Meist beschrĂ€nkte man sich auf das Stammwappen mit der Rose im Schild unter einem FĂŒrstenhut. Teilweise wurde auch nur die Rose ohne Schild dargestellt. Der Trend zur Vereinfachung und zur alleinigen Darstellung der Lippischen Rose war beispielsweise auch im MĂŒnzwesen und auch auf den eingemeißelten Wappen auf den Grenzsteinen zu beobachten.

→ siehe auch: Wappen und Flagge 1919 bis 1947

Siehe auch: Liste der Wappen im Kreis Lippe

Bevölkerung

Das FĂŒrstentum (1887: 1.215,20 kmÂČ) bzw. der Freistaat (1925: 1.215,16 kmÂČ) zĂ€hlte

  • 1871: 111.135 Einwohner
  • 1881: 112.452 Einwohner
  • 1885: 123.212 Einwohner
  • 1905: 145.610 Einwohner
  • 1910: 150.937 Einwohner
  • 1933: 175.538 Einwohner
  • 1939: 187.220 Einwohner

Zum Vergleich: Der heutige, 1.246,29 kmÂČ große Landesteil von Nordrhein-Westfalen zĂ€hlt

  • 2008: 355.178 Einwohner

Religion

Unter dem Einfluss Hessens schloss sich das Land 1538 der Reformation an und ging 1605 zum Calvinismus ĂŒber. Bis heute besteht in Lippe die Lippische Landeskirche, eine von zwei reformierten Landeskirchen innerhalb der EKD. Die vorwiegend in den grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten bestehenden lutherischen Gemeinden bilden einen eigenen Kirchenkreis („Klasse“) und sind ebenfalls Teil der Lippischen Landeskirche.

Wirtschaft

Neben einer Textilindustrie, die sich auf den Anbau von Flachs und die Verarbeitung zu Leinen stĂŒtzte, verfĂŒgte das FĂŒrstentum ĂŒber eine berĂŒhmte Meerschaumindustrie in Lemgo, eine Saline in Salzuflen (1878: 24.800 Zentner Kochsalz) und eine noch heute existierende Holzindustrie mit zahlreichen SĂ€gemĂŒhlen, deren Rohstoff aus den ausgedehnten WĂ€ldern des Landes stammte. Besondere Bedeutung erlangte wie im benachbarten Preußen auch die Zigarrenindustrie, die wie auch zunĂ€chst die Textilindustrie in teils protoindustrialistischer Arbeitsteilung im Verlagssystem organisiert war. Daneben gab es Bierbrauereien (u. a. Strate und Falkenkrug), Ziegeleien, eine Zuckerfabrik in Lage und ÖlmĂŒhlen. GrĂ¶ĂŸtes Industrieunternehmen waren wohl Hoffmann’s StĂ€rkefabriken.

FĂŒr die Industrie war der Bau der Lippischen Bahn (1880) sowie der Lippischen Nebenbahn (1895) bedeutsam, die beide den Anschluss an die Stammstrecken der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft sicherstellten. Wirtschaftliche Bedeutung erlangten auch die lippischen StaatsbĂ€der in Bad Meinberg und Bad Salzuflen bzw. die Saline in Bad Salzuflen. Insgesamt war Lippe aber immer ein agrarisch geprĂ€gter Staat, der zu den wirtschaftlich schwĂ€cheren LĂ€ndern des Reiches zĂ€hlte. Industrie existierte (beispielsweise relativ zum nördlich gelegenen Ravensberger Land, das durch preußische UnterstĂŒtzung bedeutende Leinen-, Textil-, Tabak und Maschinenbauindustrien entwickelte) nur in geringem Umfang und basierte wie die Textil- und Holzindustrie direkt auf den land- oder forstwirtschaftlichen Ressourcen des Landes.

Dies war u.a. eine Folge des großen stĂ€ndischen Einflusses und der zu Beginn der Industrialisierung wenig wirtschaftsfreundlichen Haltung des Monarchen. Seine wirtschaftliche Interessen lagen vor allem in der Sicherung der eigenen wirtschaftlichen Macht, die sich bis zuletzt weniger aus Steuern denn aus dem direkten Einkommen der fĂŒrstlichen DomĂ€nen, Forste, Salinen und StaatsbĂ€der ergab. Die lippischen Wanderarbeiter (→ siehe auch Lippische Ziegler) waren eine Folge dieser wirtschaftlichen SchwĂ€che. Sogar in der Lippischen Punktation (1947) wird im Punkt 15 noch dieses soziale Problem erwĂ€hnt. Die nordrhein-westfĂ€lische Landesregierung förderte Lippe daher unter anderem durch den Ostwestfalenplan. Die lössbedeckten Bördelandschaften im Werre und Begatal ermöglichten immerhin eine auskömmliche Landwirtschaft. In der wenig fruchtbaren Sandlandschaft Senne dagegen war intensive Landwirtschaft kaum möglich. Bedeutung erlangte hier vor allem die Haltung von Weidetieren und die Zucht der Senner Pferde beim fĂŒrstlichen Jagdschloss Lopshorn.[1]

WĂ€hrung

Lippischer Taler, 1528

→ Hauptartikel: Lippische MĂŒnzgeschichte

Das FĂŒrstentum Lippe hatte nach der Konvention von 1752 als WĂ€hrung den Taler. 1 Taler = 36 Mariengroschen = 288 Pfennig = 576 Heller. Den Batzen und den Kreuzer gab es im Gegensatz zu anderen Gebieten als WĂ€hrung im FĂŒrstentum Lippe nicht.[2]

Literatur

  • Erich Kittel: Geschichte des Landes Lippe. Heimatchronik der Kreise Detmold und Lippe. Archiv fĂŒr Deutsche Heimatpflege, Köln 1957 (Heimatchroniken der StĂ€dte und Kreise des Bundesgebietes 18, ZDB-ID 749758-1).
  • Margarete Hamer, Prinzessin zur Lippe-Weißenfeld: 275 Jahre Lippe-Weißenfeld. Band 1: Wanderung vom Land Lippe in die Lausitz. Auf der Grundlage familienhistorischer Quellen. Sollermann, Leer/Ostfriesland 2009, ISBN 978-3-938897-30-0, S. 360.
  • Wolfgang J. Neumann: Der lippische Staat. Woher er kam – wohin er ging. Neumann, Lemgo 2008, ISBN 978-3-9811814-7-0.

Weblinks

 Commons: Lippe (Land) â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Lippe â€“ Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. ↑ Meyers Konversationslexikon. Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig / Wien, 4. Aufl., 1885–1892.
  2. ↑ www.woiste.de: Die MĂŒnzen im FĂŒrstentum Lippe
51.9361828.877962

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