Ludwig IX. (Frankreich)

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Ludwig IX. (Frankreich)
Der heilige Ludwig in einer um 1235 gefertigten Miniatur.
(New York, Pierpont Morgan Library)

Ludwig IX. von Frankreich (* 25. April 1214 in Poissy, vermutlich auf der Burg Poissy; ‚Ć 25. August 1270 in Karthago), war von 1226 bis 1270 ein K√∂nig von Frankreich aus der Dynastie der Kapetinger. Alternativ wird er Ludwig der Heilige, beziehungsweise in Frankreich Saint Louis, genannt. Arabisch-muslimische Chronisten nannten ihn schlicht RaydńĀfrans.[1]

Der heilige Ludwig z√§hlt zu den bedeutenden europ√§ischen Monarchen des Mittelalters. Seine Herrschaft blieb in Frankreich als ein goldenes Zeitalter (le si√®cle d‚Äôor de St. Louis) in Erinnerung, in dem das Land einen √∂konomischen wie auch politischen H√∂hepunkt erreichte. Er war Anf√ľhrer zweier Kreuzz√ľge und wurde seit dem Tod Kaiser Friedrichs II. von Hohenstaufen unter den europ√§ischen Herrschern als primus inter pares angesehen, dessen moralische Integrit√§t ihn zu einem Schiedsrichter ihrer Streitigkeiten erhob.

Ludwig war einer tiefen christlichen Fr√∂mmigkeit (amour de Dieu) verpflichtet, nach der er sein Handeln als Mensch und K√∂nig ausrichtete. In mittelalterlichen K√∂nigslisten wurde Ludwig auch mit dem Beinamen ‚ÄěPrud'homme‚Äú genannt, in Anspielung auf seine Lebensf√ľhrung, die der sogenannten prud‚Äôhomie entsprach, wobei es sich um eine Mischung aus M√§√üigung, Vernunft, Tapferkeit und ritterlicher H√∂flichkeit handelte.[2] Von Zeitgenossen gelegentlich auch als ‚ÄěM√∂nchsk√∂nig‚Äú getadelt, gelangte er bereits zu Lebzeiten in den Ruf der Heiligkeit, der mit seiner Heiligsprechung 1297 auch von der katholischen Kirche anerkannt wurde. Seither gilt Ludwig als Idealtypus eines christlichen Herrschers. Sein Gedenktag ist zugleich sein Todestag, der 25. August.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Familie und Kindheit

Die Geburt des heiligen Ludwig. Illustration aus den Grandes Chroniques de France, 14. Jahrhundert.

Ludwig war ein Sohn des K√∂nigs Ludwig VIII. dem L√∂wen (‚Ć 1226) und dessen Gemahlin Blanka von Kastilien (‚Ć 1252). Sein √§lterer Bruder Philipp starb √ľberraschend 1219, wodurch Ludwig zum designierten Erben des Thrones aufr√ľckte. Seine j√ľngeren Geschwister waren Robert von Artois (* 1216; ‚Ć 1250), Johann Tristan (* 1219; ‚Ć 1232), Alfons von Poitiers (* 1220; ‚Ć 1271), Philipp Dagobert (* 1222; ‚Ć 1232), Isabella von Longchamp (* 1224; ‚Ć 1270) und Karl von Anjou (* 1226; ‚Ć 1285).

Ludwig wurde im Jahr der Schlacht bei Bouvines geboren, in welcher sein Gro√üvater Philipp II. August √ľber ein englisch-welfisches Heer siegte und den Aufstieg des franz√∂sischen K√∂nigtums zur vorherrschenden Macht Westeuropas begr√ľndete. Ludwigs Vater war als Prinz selber im Kampf gegen die Plantagenets engagiert und besetzte zeitweise den gr√∂√üten Teil Englands. In Asien begann zur selben Zeit Dschingis Khan den Eroberungszug der Mongolen, der bald auch China und Europa ergriff. Von 1217 bis 1221 f√ľhrten franz√∂sische Ritter unter der F√ľhrung des p√§pstlichen Legaten Pelagius einen Kreuzzug gegen √Ągypten, der allerdings nach der Einnahme der Hafenstadt Damiette scheiterte. Unter dem Eindruck eines allgemein steigenden √∂konomischen Wohlstandes im Abendland flaute allerdings die Kreuzzugsbegeisterung der Ritterschaft immer weiter ab. Dieser Wohlstand hatte auch die r√∂mische Kirche ergriffen, die sich immer tiefer in weltliche Machtk√§mpfe verstrickte. Diese Entwicklung rief die von Dominikus und Franz von Assisi angesto√üene Armutsbewegung hervor, welche die Christenheit zu einer inneren geistigen Erneuerung aufrief. Ebenfalls in dieser Zeit fand in S√ľdfrankreich der so genannte Albigenserkreuzzug statt, der die Bek√§mpfung der als h√§retisch eingestuften Sekte der Katharer und deren Unterst√ľtzer zum Ziel hatte. Nach anf√§nglichen Erfolgen gerieten dort die Kreuzfahrer nach dem Tod ihres Anf√ľhrers Simon IV. de Montfort in die Defensive. 1226 f√ľhrte Ludwigs Vater selber einen Kreuzzug in den S√ľden an, der den Anfang zur Unterwerfung dieser Region durch die franz√∂sische Krone markierte. Auf diesem Kreuzzug starb der Vater nach einer Ruhrerkrankung am 8. November 1226 in Montpensier.

Herrschaft

Die Regentschaft der Mutter

Blanche von Kastilien in einer um 1235 gefertigten Miniatur. (New York, Pierpont Morgan Library)

Ludwig wurde am 29. November 1226 in Reims durch den Bischof von Soissons, Jacques de Bazoches, zum K√∂nig gesalbt und gekr√∂nt. Auf eine traditionelle Weihe durch den Erzbischof von Reims musste verzichtet werden, da seit dem Tod des Erzbischofs Guillaume de Joinville vier Monate zuvor dieses Kirchenamt noch vakant war. Der neue K√∂nig war erst zw√∂lf Jahre alt, was das K√∂nigtum in eine kritische Situation f√ľhrte. Denn der Lehnsadel Frankreichs hatte unter der Herrschaft von Ludwigs Gro√üvater und Vater erheblich an Macht verloren, weshalb sich bereits unter seinem Vater eine breite Opposition der Vasallen gegen die Krone gebildet hatte. In der Frage der Vormund- und Regentschaft f√ľr den jungen K√∂nig versuchte nun diese Opposition, ihre Interessen und Positionen gegen√ľber der Krone zu st√§rken, indem sie die Rechtm√§√üigkeit der Regierungs√ľbernahme durch Ludwigs Mutter, als Frau und zudem Landesfremde, bestritten.

Die ma√ügeblichen K√∂pfe der Opposition waren Peter Mauclerc, Hugo X. von Lusignan und Graf Theobald IV. von Champagne, die der Kr√∂nung Ludwigs demonstrativ fernblieben und damit ihre Revolte offen begannen. K√∂nigin Blanche aber ging die Niederwerfung der Barone entschlossen an und fand dabei besonders im Klerus und dem p√§pstlichen Legaten Romano Frangipani einen R√ľckhalt. Zun√§chst schuf sie sich Verb√ľndete, indem sie den seit Bouvines gefangengehaltenen Grafen Ferrand von Flandern freilie√ü und ihn wieder in seinem Lehen einsetzte. Einen weiteren potentiellen Unruhefaktor schaltete sie in der Person des Philipp Hurepel aus, eines Halbbruders K√∂nig Ludwigs VIII. und der Kandidat der Barone auf die Regentschaft, der jedoch keinen besonders ausgepr√§gten Ehrgeiz besa√ü. Blanche stellte ihn ruhig, indem sie ihm die Nachfolge seines in k√∂niglicher Haft verstorbenen Schwiegervaters in der Grafschaft Boulogne erleichterte. Einen bedeutenden Erfolg gegen die Barone konnte Blanche bei einer Unterhandlung mit ihnen bei Cur√ßay (Januar 1227) erreichen, indem es ihr durch eine geschickte Verhandlungsf√ľhrung gelang, den Grafen Theobald von Champagne zu einem Seitenwechsel zu bewegen. Die Partei der Barone wurde dadurch so empfindlich geschw√§cht, dass sie sich im M√§rz 1227 in Vend√īme gen√∂tigt sah, sich der Regentin zu unterwerfen.

Der Kampf sollte allerdings weitergehen, nachdem Peter Mauclerc im Herbst 1227 den Versuch unternahm, sich in Montlh√©ry der Person des K√∂nigs zu bem√§chtigen. Nur ein rechtzeitiger Entsatz der Regentin konnte ihn davon abhalten. Die milit√§rischen Aktionen der Barone verlagerten sich in die Champagne, deren Graf sich als st√§rkste St√ľtze der k√∂niglichen Sache erwies. Zudem gelang es ihnen, Philipp Hurepel in ihr Lager zu ziehen. Dennoch neigte sich der Kampf zunehmend zugunsten der Krone, besonders nachdem Peter Mauclerc im Oktober 1229 dem englischen K√∂nig gehuldigt und diesen dazu eingeladen hatte, in Frankreich zu landen. Damit hatte sich Mauclerc der Felonie schuldig gemacht, worauf mehrerer seiner Anh√§nger, besonders Hugo von Lusignan, auf die Seite Ludwigs und seiner Mutter √ľbergingen. Im Fr√ľhjahr 1228 f√ľhrte Ludwig pers√∂nlich ein Heer gegen die Burg Bell√™me und zog anschlie√üend in die Champagne, wo er erfolgreich den Grafen Theobald gegen dessen Feinde unterst√ľtzte. Ludwig nahm hier trotz seiner Unm√ľndigkeit erstmals Aufgaben eines milit√§rischen F√ľhrers wahr, denn die Schwertleite hatte er schon wenige Tage vor seiner Kr√∂nung in Soissons erhalten. 1230 zog Ludwig in die Bretagne, wo er mehrere Burgen einnahm. Als sich ihm Clisson ergab, kapitulierte auch Mauclerc, womit der Aufstand der Barone sein Ende fand. Der K√∂nig von England zog sich kampflos in sein K√∂nigreich zur√ľck.

Die Regentin konnte sich gegen ihre Gegner behaupten und damit das Erbe ihres Mannes f√ľr ihren Sohn bewahren. Daneben gelang ihr mit der Aushandlung des Vertrages von Meaux-Paris 1229 auch ein bedeutender diplomatischer Erfolg, der den Albigenserkreuzzug formell beendete und die Unterwerfung des Languedoc unter die Hoheit der Krone besiegelte. Dynastisch wurde dieser Vertrag durch die Verlobung des Prinzen Alfons mit der Erbin der Grafschaft Toulouse abgesichert. Durch ihr Verhandlungsgeschick mit Papst Gregor IX. erreichte Ludwigs Mutter im Februar 1234 auch die Erteilung einer notwendigen Dispens f√ľr seine Verm√§hlung mit Margarete von der Provence (eine Cousine vierten Grades), der √§ltesten Tochter des Grafen Raimund Berengar V. von der Provence und der Beatrix von Savoyen. Die Heirat fand am 27. Mai 1234 in der Kathedrale Saint-√Čtienne in Sens statt.

Erste Regierungsjahre

Ein Jahr nach seiner Hochzeit erreichte Ludwig mit seinem einundzwanzigsten Lebensjahr die M√ľndigkeit und √ľbernahm offiziell die Regierung. Dennoch sollte seine Mutter ihm weiterhin bis zu ihrem Tod beratend zur Seite stehen. Zu den bedeutendsten Handlungen Ludwigs in dieser Zeit z√§hlen die Belehnungen seiner j√ľngeren Br√ľder mit gro√üen Apanagen, die noch von ihrem Vater testamentarisch verf√ľgt worden waren. Robert erhielt 1237 das Artois, Alfons 1241 das Poitou und Saintonge, sowie Karl 1246 das Anjou und Maine. Formell bedeutete dies den Verlust bedeutender Territorien f√ľr die Krondom√§ne, doch wurde daf√ľr gesorgt, dass wichtige k√∂nigliche Vorrechte in diesen Lehen, besonders in der Justiz- und Verwaltungshoheit, bestehen blieben.

Salbung und Krönung des heiligen Ludwig. Miniatur aus dem Krönungsordo von 1250. Es ist die älteste erhaltene Darstellung von der Krönung eines französischen Monarchen. (Paris, Bibliothèque nationale de France, Ms. lat. 1246, fol. 17)

Eine kritische Situation, welche noch einmal Ludwigs K√∂nigtum in Gefahr brachte, entstand 1242. Ihr Ansto√ü kam dieses Mal von au√üen, von K√∂nig Heinrich III. von England (Ludwigs Schwager), der den Versuch unternahm, die im Jahr 1204 konfiszierten Territorien seiner Plantagenet-Familie (Anjou, Maine, Poitou, Normandie u. a.) zur√ľckzuerobern. Diese Offensive versuchten erneut einige franz√∂sische F√ľrsten zu ihrem eigenen Vorteil zu nutzen, indem sie ein B√ľndnis mit dem englischen K√∂nig eingingen. Namentlich waren dies vor allem Hugo von Lusignan (Stiefvater Heinrichs III. von England) und Graf Raimund VII. von Toulouse (Cousin Heinrichs III. von England, Schwiegersohn Hugos von Lusignan und Schwiegervater des Prinzen Alfons). Der Konflikt hatte sich besonders an der Belehnung des Prinzen Alfons mit Territorien entz√ľndet, die ehemals den Plantagenets geh√∂rten und auf die sie immer noch einen Anspruch erhoben. Die Mutter des englischen K√∂nigs (und Ehefrau des Lusignan), Isabella von Angoul√™me, hatte auf eine Belehnung ihres Sohnes Richard von Cornwall gehofft und vermittelte anschlie√üend nach deren Ausbleiben tatkr√§ftig diese Allianz ihrer Verwandtschaft.

Im April 1242 zog Ludwig bei Chinon ein Heer zusammen, an dessen Spitze er und Alfons in die Saintonge marschierte, wo am 13. Mai der englische K√∂nig bei Royan landete. Nachdem am 16. Juni erste Unterhandlungen zwischen beiden Monarchen gescheitert waren, erkl√§rte drei Tage sp√§ter K√∂nig Heinrich seinem franz√∂sischen Schwager den Krieg. Ein Vordringen des englischen Heeres wurde aber von Sire Geoffroy de Rancon verhindert, der auf seiner Burg von Taillebourg den englischen K√∂nig durch vermeintliche B√ľndnisverhandlungen aufhielt. Dies erm√∂glichte Ludwig, das Heer seines Feindes am 21. Juli dort zu √ľberraschen und in die Flucht zu schlagen. Ein erneutes Treffen zwei Tage darauf vor Saintes konnte Ludwig ebenfalls f√ľr sich entscheiden, worauf sich ihm der aufst√§ndische Adel ergab. Heinrich III. von England floh unter Zur√ľcklassung seiner Habe in die Gascogne, von wo aus er eine Seeblockade gegen La Rochelle organisierte. Nachdem ihm aber Kaiser Friedrich II. ein B√ľndnis ausschlug, gab er den Kampf auf und zog sich nach England zur√ľck. Beide Monarchen vereinbarten einen f√ľnfj√§hrigen Waffenstillstand, der zuerst durch Ludwigs ersten Kreuzzug und anschlie√üend 1254 um weitere f√ľnf Jahre verl√§ngert wurde. Insgesamt leitete das Ende des so genannten Saintonge-Krieges eine √ľber 40 Jahre w√§hrende Friedenszeit in Frankreich ein.

Auch der Aufstand im S√ľden wurde schnell niedergeschlagen, nachdem der Graf von Toulouse angesichts zweier gro√üer k√∂niglicher Heere die Waffen niederlegte. Im Vertrag von Lorris (Fr√ľhjahr 1243) erkannten er und andere F√ľrsten des S√ľdens die Bestimmungen von Meaux-Paris erneut an und verpflichteten sich zu weiteren Zugest√§ndnissen. Der letzte milit√§rische Widerstand wurde mit der Einnahme der Ketzerfeste Monts√©gur (M√§rz 1244) gebrochen.

Kreuzzug gegen √Ągypten

Siehe Hauptartikel: Sechster Kreuzzug.
Ludwig der Heilige legt auf seinem Krankenbett ein Kreuzzugsgel√ľbde ab. (Darstellung aus der Chronica Majora des Matth√§us Paris, 13. Jahrhundert, Cambridge, Corpus Christi College)

W√§hrend seines Feldzuges in die Saintonge erlitt Ludwig erstmals eine Malariaerkrankung, die ihn 1244 erneut befiel. Die Krankheit verlief problematisch, sogar ein Tod des K√∂nigs wurde bef√ľrchtet. In seiner frommen Natur gelobte er Gott, einen Kreuzzug f√ľhren zu wollen, falls er die Krankheit √ľberleben sollte. Den Wunsch, in das Heilige Land zu ziehen, hatte Ludwig schon lange zuvor gehegt, obwohl zu seiner Zeit die Kritik am Sinn solcher Unternehmungen bereits laut ausgebrochen war. Bereits 1239 hatte er den Kreuzzug des Grafen Theobald von Champagne (Kreuzzug der Barone) finanziell unterst√ľtzt und ihm sogar k√∂nigliche W√ľrden verliehen, indem er die Erlaubnis zur Mitf√ľhrung des k√∂niglichen Lilienbanners erteilte. Dieser Kreuzzug erbrachte trotz vieler Schwierigkeiten bis 1241 erhebliche Gebietsgewinne von den im B√ľrgerkrieg befindlichen Ayyubiden. Allerdings ging ein Gro√üteil der Erwerbungen schon 1244 wieder verloren und die Niederlage in der Schlacht von La Forbie brachte die Kreuzfahrerstaaten in arge Bedr√§ngnis. Deshalb erachtete Ludwig einen Zug nach Outremer nun f√ľr seine dringlichste Pflicht.

Nach seiner doch erlangten Genesung nahm Ludwig schlie√ülich die Vorbereitungen zu einer bewaffneten Pilgerfahrt auf. Von Papst Innozenz IV. erreichte er 1245 die Best√§tigung seines Gel√ľbdes, womit der Kreuzzug auch offiziell sanktioniert wurde. Um m√∂glichst unabh√§ngig agieren zu k√∂nnen hatte er Aigues-Mortes zu einem √úberseehafen ausbauen lassen, in dem er den Gro√üteil seiner Flotte sammelte, die vornehmlich von Genua und Pisa gestellt wurden. Sein ca. 15.000 Mann starkes Kreuzfahrerheer bestand √ľberwiegend aus franz√∂sischen Rittern, lediglich aus England sollte sp√§ter ein kleineres Kontingent zu ihm sto√üen. Am 25. August 1248 stach er und mit ihm seine Br√ľder Robert und Karl (Alfons sollte sp√§ter nachfolgen) von Aigues-Mortes aus in See und erreichte am 17. September Zypern, wo das Heer √ľberwinterte. Hier wurde auch das direkte Angriffsziel √Ągypten, als die st√§rkste muslimische Bedrohung der Christen Outremers, ausgegeben.

Anfang Juni 1249 landete das Heer an der K√ľste √Ągyptens und nahm nach einem kurzen Kampf am Strand erfolgreich die Hafenstadt Damiette ein. Dieser Erfolg bewog Ludwig zu einem Vordringen in das Landesinnere. Dass inzwischen Sultan as-Salih verstorben war, wusste er nicht, da dessen Witwe die Todesnachricht geheim hielt. Der Weg der Kreuzfahrer nach Kairo wurde nur von der Stadt al-Mansura aufgehalten, wo fast drei√üig Jahre zuvor der Kreuzzug von Damiette gescheitert war. F√ľr Ludwig sollte sich dies am 8. Februar 1250 als schlechtes Omen erweisen, als sich dort sein Bruder Robert von Artois zu einem eigenm√§chtigen Vorsto√ü verleiten lie√ü. Entgegen den Befehlen Ludwigs f√ľhrte Robert mit der Vorhut des Heeres selbst√§ndig einen Angriff auf die Stadt und lief dort in eine Falle der Elitekrieger der Mameluken. Robert und nahezu die gesamte Vorhut wurden in der Stadt get√∂tet.

Zwar wurde wenige Tage sp√§ter ein Gegenangriff der Mameluken vor der Stadt zur√ľckgeschlagen, wobei Ludwig mit einem ‚Äědeutschen Schwert‚Äú k√§mpfte,[3] doch das Heer war mittlerweile nicht nur so stark personell verringert, dass eine Belagerung Mansuras aussichtslos erschien. Es wurde zudem von einer um sich greifenden Seuche geschw√§cht. Nachdem der neue Sultan ein Angebot zum Tausch von Damiette f√ľr Jerusalem ausgeschlagen hatte, sah Ludwig sich zu einem R√ľckzug gezwungen, um nicht von seiner Basis in Damiette abgeschnitten zu werden. Dabei wurde er am 6. April mit seinem engeren Gefolge bei Fariskur von den Mameluken √ľberrascht und gefangengenommen. Der Kreuzzug war damit gescheitert, denn Ludwig musste nicht nur ein enormes L√∂segeld (400.000 Besanten) f√ľr seine Freilassung und die seiner Gefolgsleute zahlen, sondern auch Damiette r√§umen. W√§hrend seiner Zeit als Gefangener wurde die in √Ągypten herrschende Ayyubiden-Dynastie nach einer blutigen Palastrevolte von den Mameluken beseitigt. Nachdem Damiette am 6. Mai 1250 den neuen Herrschern √ľbergeben wurde, lie√üen sie Ludwig frei, der sich umgehend nach Akkon begab.

Der heilige Ludwig vor al-Mansura. Miniatur aus Le livre des faits de Monseigneur Saint Louis, 15. Jahrhundert. (Paris, Bibliothèque nationale de France)

Entgegen dem Dr√§ngen seiner Mutter, die in Frankreich als Regentin zur√ľckgeblieben war, entschied sich Ludwig, so lange im heiligen Land zu bleiben, bis alle anderen Gefangenen freigekauft waren. Auch wollte er die durch die Vernichtung des Kreuzfahrerheeres von jeder Verteidigung entbl√∂√üten christlichen Besitzungen in Pal√§stina sichern. Im sogenannten K√∂nigreich Jerusalem wurde Ludwig sofort als Herrscher anerkannt, der rechtm√§√üige K√∂nig Konrad war hier nie erschienen und sein Regent Heinrich von Zypern legte keine Einspr√ľche ein. Ludwig gelang es, die Freilassung der restlichen Gefangenen zu beschleunigen, nachdem er den Mamelunken androhte, sich mit den Ayyubiden von Damaskus zu verb√ľnden, die den Mameluken den Krieg erkl√§rt hatten. Er bekam nicht nur seine gefangenen Kameraden wieder frei, sondern wurde von den Mameluken auch mit einem Elefanten und einem Zebra beschenkt. Eine Einladung des Sultans von Damaskus zu einer Pilgerfahrt nach Jerusalem schlug Ludwig aber aus, da er ‚Äď √§hnlich wie Richard L√∂wenherz 60 Jahre zuvor ‚Äď die Stadt nicht sehen wollte, ohne sie der Christenheit zur√ľck erobern zu k√∂nnen.[4] Die Bedrohung der Christen durch die Sarazenen sollte sich in den kommenden Jahren verringern, nachdem der Sultan von Damaskus sich angesichts der neuen mongolischen Bedrohung mit den Christen auf einen Waffenstillstand einigte. Ludwig k√ľmmerte sich danach um den Ausbau der Befestigungsanlagen von Akkon, Jaffa, C√§sarea, Haifa und anderer Burgen. 1252 regelte er einen Erbfolgestreit im F√ľrstentum Antiochia, trat mit den Assassinen in diplomatische Kontakte, wobei ein Bekehrungsversuch an dem ‚ÄěAlten vom Berge‚Äú scheiterte,[5] und √ľbernahm nach dem Tod K√∂nig Heinrichs von Zypern die Regierungsgesch√§fte f√ľr dessen unm√ľndigen Sohn Hugo II.

1253 erreichte Ludwig die Nachricht vom Tod seiner Mutter. Nachdem klar wurde, dass der K√∂nig von England sein Kreuzzugsgel√ľbde nicht erf√ľllen w√ľrde, verlie√ü er am 24. April 1254 das heilige Land. Obwohl er beabsichtigte direkt in Aigues-Mortes franz√∂sischen Boden zu betreten, lie√ü er sich umstimmen um am 3. Juli bei Hy√®res in der Provenvce, also auf Reichsgebiet, an Land zu gehen. Nachdem er dort einer Predigt des franziskanischen Spiritualen Hugo von Digne beiwohnte, erreichte er wenig sp√§ter bei Beaucaire sein franz√∂sisches K√∂nigreich und traf am 17. Juli 1254 in Paris ein. Sein Kreuzzug war katastrophal gescheitert. Die Befreiung Jerusalems war ebenso misslungen wie eine Schw√§chung der muslimischen M√§chte. Die christlichen Herrschaften in Outremer verdankten ihr weiteres √úberleben nur dem Auftreten der Mongolen als neuen Machtfaktor im nahen Osten. Ludwigs Gefangennahme in √Ągypten hatte in seiner Heimat zudem die Bewegung der Pastorellen ausgel√∂st.

Innenpolitik

Herrschaftsauffassung

W√§hrend seiner Herrschaft trieb Ludwig IX. die bereits von seinen Vorg√§ngern begonnene Zentralisierung der Macht auf das K√∂nigtum weiter voran. Hauptziel war die Zur√ľckdr√§ngung der politisch und wirtschaftlich privilegierten Stellung des Lehnsadels, der sich in den vorangegangenen drei Jahrhunderten k√∂nigliche Vorrechte angeeignet hatte. Schon Ludwigs Vorg√§nger auf dem Thron hatten administrative Kompetenzen auf ihr Amt vereint, doch war der Wirkungsbereich dieser Reformen, bedingt durch die Schw√§che der fr√ľhen Kapetinger-K√∂nige, auf die Krondom√§ne beschr√§nkt geblieben. Ludwigs Vater und Gro√üvater aber hatten durch die best√§ndige Erweiterung der Krondom√§ne den K√∂nig zum gr√∂√üten Landbesitzer und damit zum wirtschaftlich und milit√§risch st√§rksten Herren im K√∂nigreich gemacht. Dies brachte das K√∂nigtum somit in die Position, dem verbliebenen Lehnsadel seine privilegierte Stellung zu entziehen und eine k√∂nigliche H√∂chstgewalt aufzuerlegen.

Mit der seit Ludwig VIII. einsetzenden R√ľckbesinnung der kapetingischen Monarchie auf die universelle Herrschaftsauffassung der Karolinger (Reditus regni Francorum ad stripem Karoli Magni) wurde der Anspruch der Krone auf eine ungeteilte Herrschaftsgewalt im K√∂nigreich begr√ľndet. 1256 schrieb der Legist Jean de Blanot dabei seine ber√ľhmt gewordene Formel nieder, in der er dem K√∂nig eine kaiserliche H√∂chstgewalt (imperium) √ľber alle Einwohner seines Reiches und allein ihm die F√§higkeit der Gesetzgebung (jurisdictio generalis) zuerkannte:

Nam rex Franciae in regno suo princeps est, nam in temporalibus superiorem non recognoscit.
(Der König Frankreichs ist in seinem Königreich Kaiser, denn er anerkennt in weltlichen Fragen keinen Oberherrn.)[6]

Dieses neue Selbstverständnis hatte das Herrscherbild der französischen Könige wie keine andere Monarchie in Europa geprägt. Das französische Königtum begann nicht nur nach innen einen wichtigen Schritt in den neuzeitlichen Absolutismus, nach außen löste es sich ideologisch von dem weltlichen Hoheitsanspruch der römisch-deutschen Kaiser.

Justiz und Finanzreform

Nach seiner R√ľckkehr aus dem heiligen Land widmete sich Ludwig dem Umbau der Verwaltungsstrukturen seines Hofes. Eine wichtige administrative Neuerung vollzog sich dabei in der allm√§hlichen Bildung zentraler Beh√∂rden wie einem Hofgericht (Parlament), Rechnungshof (Cour des comptes) und einem Staatsrat (Conseil), die aus dem k√∂niglichen Rat (Curia regis) hervorgegangen sind. Zu Ludwigs Lebzeiten hatten diese Gremien noch einen eher provisorischen Charakter und sollten erst unter seinen Nachfolgern fest etabliert werden. Auf juristischem Gebiet orientierte sich Ludwig in seinen Reformen im besonderen Ma√üe auf das r√∂mische Recht zur√ľck, das stark von der aufkommenden Scholastik jener Zeit beeinflusst war.[7] Mittels des r√∂mischen Rechts versuchte Ludwig, alte Rechtsnormen (Gewohnheitsrecht) sowie die Gerichtsbarkeit des Adels und des Klerus zugunsten einer k√∂niglichen Jurisdiktion (consuetudo generalis) zu ersetzen. In mehreren Ordonnanzen st√§rkte er die Kompetenzen k√∂niglicher Beamter (Seneschalle und Baillis) gegen√ľber dem Lehnsadel und schw√§chte dessen Gerichtsbarkeit, indem er die k√∂niglichen Appellationsgerichte f√ľr alle Untertanen zug√§nglich machte. Die im Dezember 1254 erlassene ‚Äěgro√üe Ordonnanz zur Wiederherstellung der moralischen Ordnung‚Äú (ex debito regiae potestatis) war Ludwigs umfangreichste Ma√ünahme, die in Frankreich das Rechtsprinzip einf√ľhrte, wonach niemand ohne Verfahren und Urteil seines Rechts beraubt werden darf. Auch eine Trennung zwischen Zivil- und Strafgerichtsbarkeit wurde damit erreicht. Die damit zugleich erlassenen Verbote gegen Gl√ľcksspiel (ein Verbot zur W√ľrfelherstellung), Prostitution, Gottesl√§sterung und Wucher erwiesen sich allerdings als nur bedingt durchsetzungsf√§hig, genauso wie die 1258 erfolgte Abschaffung des gerichtlichen Zweikampfes als Gottesurteil.

Der Errichtung einer k√∂niglichen Rechtshoheit diente nicht nur die Heranziehung des r√∂mischen Rechts, sondern auch die unter Ludwigs Herrschaft vorangetriebene schriftliche Fixierung nordfranz√∂sischer Gewohnheitsrechte. Die wichtigsten Werke waren dabei die Coutumes de Beauvaisis des Philippe de Beaumanoir, das Conseil √† un ami des Pierre de Fontaines, das Livre de Jostice et de Plet, die Grand Coutumier de la Normandie und die √Čtablissements de Saint Louis. Die Urteile des k√∂niglichen Parlaments wurden seit 1254 systematisch in einem Register, dem Olim, gesammelt.

Ludwigs pers√∂nlichem Engagement in diesen Reformen lag das Motiv zugrunde, das K√∂nigtum als einzige Autorit√§t der Gerechtigkeit und des Friedens im K√∂nigreich zu etablieren. Das von Joinville √ľberlieferte und idealisierte Bild Ludwigs IX. als ein Recht sprechender K√∂nig (roi justicier) unter der Eiche von Vincennes[8] sollte dabei in das nationale Ged√§chtnis der Franzosen als ein Bewahrer des Rechts und des inneren Friedens eingehen. F√ľr Montesquieu war Ludwig IX. der Vernunftherrscher, der im krassen Gegensatz zum Gewaltherrscher Ludwig XIV. stand.[9] Als konkretes Beispiel dieses Anspruches ist das Gericht zu nennen, das der K√∂nig √ľber einen Priester hielt, der drei Diebe erschlagen hatte, dem er im Urteil den Klerikerrang entzog.[10] Ludwig griff hier in die Rechtsprechung der Kirche ein, die sich gegen√ľber der k√∂niglichen zunehmend unterordnen musste. Aufsehenerregend war auch der Prozess im Jahre 1259 gegen den Sire von Coucy, der drei Edelleute, die er verd√§chtigte, in seinen W√§ldern gejagt zu haben, ohne Verhandlung h√§ngen lie√ü.[11] Das Verfahren wurde direkt vor dem K√∂nig und nicht etwa vor dem Pairsgericht gehalten, worauf der Sire in seinem Standesbewusstsein bestanden hatte. Damit schloss Ludwig die Einflussnahme der Barone, die mit dem Sire sympathisiert hatten, in der Urteilsfindung aus und brachte damit auch gegen√ľber ihnen seine richterliche Autorit√§t zur Geltung.

Der Gros tournois

Ein weiteres innenpolitisches Bet√§tigungsfeld fand Ludwig in der Errichtung einer Dominanz der Krone in Finanzen und Wirtschaft. √Ąhnlich wie in der Jurisdiktion galt es hier, die Privilegien des Lehnsadels zur√ľckzudr√§ngen. Zu diesem Zweck erlie√ü Ludwig 1263 eine Ordonnanz, wonach von nun an innerhalb der Krondom√§ne ausschlie√ülich die von der Krone gepr√§gten M√ľnzen als offizielles Zahlungsmittel anerkannt wurden. Gleiches galt auch in den Lehnsf√ľrstent√ľmern, die keine eigene M√ľnze besa√üen. Weiterhin wurde das F√§lschen von k√∂niglichen M√ľnzen in die Liste der Majest√§tsverbrechen aufgenommen. Das Ergebnis dieser Ma√ünahmen war eine schrittweise Verringerung der m√ľnzpr√§genden Herren in Frankreich von noch ca. 300 zu Ludwigs Lebzeiten auf nicht mehr als 30 bis zum Ende der Regierung Philipps des Sch√∂nen. Zu einer Vereinfachung des Zahlungsverkehrs sollte der erstmals 1266 in Tours geschlagene gro√üe Silberschilling ‚ÄěGros tournois‚Äú (grosso denarius Turnosus) beitragen, der bis zum Ende des 13. Jahrhunderts zu einer der Hauptw√§hrungsm√ľnzen in Nordeuropa avancierte. Diese Pr√§gung f√ľhrte den Schilling in Frankreich wieder als M√ľnze ein, der bis dahin seit der karolingischen Zeit nur noch als Recheneinheit verwendet wurde. Im deutschen Raum wurde diese M√ľnze um das Jahr 1270 erstmals als Groschen nachgepr√§gt. Der im selben Jahr wie der Silberschilling erstmals seit Jahrhunderten wieder geschlagene Goldtaler (√Čcu d'or) sollte hingegen keine weite Verbreitung finden. Er diente eher dem politischen Prestige, da Frankreich so in die Riege der Wirtschaftsm√§chte aufstieg, die eine Doppelw√§hrung besa√üen (u. a. Byzanz, Sizilien und die arabische Welt).

Außenpolitik

Ludwigs Au√üenpolitik war vom Anspruch gepr√§gt, gegen√ľber seinen Nachbarn als friedliebender und friedensbringender K√∂nig (rex pacificus) aufzutreten. Dabei war er besonders bestrebt, die unter seinen unmittelbaren Vorg√§ngern neu gestalteten Beziehungen und Herrschaftsverh√§ltnisse auf eine vertragliche Grundlage zu bringen.

Ausgleich mit Aragon

Die mit dem Vertrag von Meaux-Paris 1229 begr√ľndete Oberhoheit der Krone √ľber den S√ľden hatte Frankreich in direkte Gegens√§tze mit den Interessen der Krone Aragons gebracht. Ein erster Ber√ľhrungspunkt tat sich f√ľr Ludwig in der Provence auf, die seit mehreren Generationen von einem Seitenzweig des aragonesischen K√∂nigshauses regiert wurde. 1245 starb mit Graf Raimund Berengar V. der letzte Graf dieser Dynastie, Ludwig war mit der √§ltesten Tochter des Grafen verheiratet, doch galt diese nicht als Erbin ihres Vaters. Dieser hatte stattdessen seine j√ľngste Tochter Beatrix zur Erbin ernannt, deren Vormundschaft nun ihr Vetter K√∂nig Jakob I. von Aragon beanspruchte. Ludwig reagierte umgehend mit der Entsendung eines Heeres unter seinem Bruder Karl von Anjou in die Provence, um dieses Land dem aragonesischen Zugriff zu entziehen. Um den franz√∂sischen Einfluss auf die Provence endg√ľltig zu sichern, nutzte Ludwig die politische Notlage des Papstes aus, der bereitwillig eine Dispens erteilte, die eine Ehe zwischen Beatrix und ihren Schwager Karl (Januar 1246) erm√∂glichte. Aragon konnte nichts anderes tun, als diesen Verlust seines Einflusses in der Provence zu akzeptieren.

Die Provence war allerdings nur einer der Konfliktpunkte zwischen Frankreich und Aragon. Denn die Machterweiterung, welche die franz√∂sische Krone als Ergebnis der Albigenserkreuzz√ľge erringen konnte, geschah vor allem auf Kosten Aragons, da vor den Kreuzz√ľgen der K√∂nig von Aragon der nominelle Lehnsherr gr√∂√üerer Gebiete im Languedoc war, insbesondere der Besitzungen der Trencavel, die durch K√∂nig Ludwig VIII. der Krondom√§ne einverleibt und in Seneschallate eingerichtet wurden. Als rechtliche Grundlage hatte hierf√ľr einst die √úbertragung der Rechte Amalrichs von Montfort an die Krone gedient, doch war deren G√ľltigkeit stark umstritten, da sie in einer p√§pstlichen Belehnung begr√ľndet waren und nicht etwa in einer durch den K√∂nig Aragons. Der hielt seinen Anspruch auf die umstrittenen Gebiete weiter aufrecht, wohingegen die franz√∂sische Krone die Auffassung vertrat, dass Aragon nach seiner Niederlage in der Schlacht bei Muret (1213) jegliche Rechte im Languedoc verspielt habe. Diese spannungsgeladene Situation brachte unter Ludwigs Herrschaft beide K√∂nigreiche mehrmals an den Rand eines Krieges. Ludwig aber wollte den Gewinn Frankreichs in den umstrittenen Gebieten von Aragon anerkannt wissen und griff daf√ľr auf alte karolingische Rechte zur√ľck. Seit seinem Vater beanspruchte die Dynastie der Kapetinger die dynastische und damit auch rechtliche Nachfolge der Karolinger, womit zugleich ein Anspruch auf die Oberhoheit √ľber die betreffenden Gebiete, aber auch der spanischen Mark (Grafschaft Barcelona) verbunden war. K√∂nig Jakob I. von Aragon geriet damit in erhebliche Verlegenheit, bildete die spanische Mark doch die Grundlage des K√∂nigreichs Aragon, dessen Souver√§nit√§t nun in Frage gestellt war. Bedingt durch sein hohes Engagement auf See sowie die Inanspruchnahme im Kampf gegen die Mauren konnte sich der K√∂nig von Aragon aber keinen l√§ngeren Konflikt mit Frankreich leisten, womit einer diplomatischen L√∂sung des Konfliktes der Weg geebnet wurde. Unter der ma√ügeblichen Vermittlung des Sire Olivier de Termes wurde am 11. Mai 1258 der Vertrag von Corbeil geschlossen, in dem K√∂nig Jakob die neuen Machtverh√§ltnisse anerkannte und auf alte Rechte sowohl im Languedoc als auch in der Provence verzichtete. Im Gegenzug lie√ü Ludwig seinen Anspruch auf die spanische Mark fallen, was die weitere Souver√§nit√§t Aragons gew√§hrleistete. Weiterhin erkannte Ludwig die Zugeh√∂rigkeit des Roussillons und der Cerdanya zu Aragon an. Lediglich um das Besitzverh√§ltnis auf Montpellier sollte noch lange gestritten werden. Insgesamt wurde damit aber zwischen beiden K√∂nigreichen eine Grenze geschaffen, die f√ľr die kommenden vierhundert Jahre bestand haben sollte und erst in dem Pyren√§enfrieden von 1659 korrigiert wurde.

Bez√ľglich der Provence wurde im Vertrag von Corbeil eine besondere L√∂sung vereinbart. Der K√∂nig von Aragon verzichtete dort auf seine Anspr√ľche zugunsten Ludwigs Ehefrau Margarethe und nicht etwa auf deren j√ľngere Schwester und Erbin Beatrix. Auf dieser Ma√ünahme hatte Ludwig bestanden, dem damit eine rechtliche Handhabe gegen seinen Bruder Karl von Anjou, dem Ehemann von Beatrix, in die Hand gegeben wurde. Karl von Anjou hatte in seinem eigenn√ľtzigen Machtstreben Ludwig schon mehrmals Sorgen bereitet, aber durch die Beg√ľnstigung seiner Frau konnte Ludwig den Ehrgeiz seines Bruders in der Provence z√ľgeln.

Frieden mit den Plantagenets

Ebenso wie gegen√ľber Aragon war Ludwig auf eine Einigung in dem lang andauernden Konflikt mit den Plantagenets bedacht. Das franz√∂sische K√∂nigtum befand sich seit ann√§hernd siebzig Jahren mit der aus dem Anjou stammenden englischen K√∂nigsfamilie in einem kriegerischen Konflikt um deren franz√∂sische Besitzungen, die einst Heinrich II. Plantagenet (‚Ć 1189) zusammengefasst hatte. Die Auseinandersetzungen waren 1204 in die entscheidende Phase geraten, nachdem Ludwigs Gro√üvater Philipp II. August den Plantagenet Johann Ohneland als seiner Lehen in Frankreich f√ľr verlustig erkl√§rt und diese in mehreren Feldz√ľgen beschlagnahmt hatte. Und trotz der entscheidenden Niederlage bei Bouvines (1214) war das damalige Plantagenetoberhaupt, K√∂nig Heinrich III. von England, nicht bereit, die Verluste seiner Familie zu akzeptieren, bis er bei dem Versuch diese zur√ľckzuerobern 1242 bei Taillebourg durch Ludwig IX. erneut schwer geschlagen wurde.

Der Elefant Ludwigs IX.
Aus der Chronica majora des Matth√§us Paris, 13. Jh.[12]

Und trotz des bald auslaufenden Waffenstillstandes mit Heinrich hatte sich die politische Lage merklich zugunsten Ludwigs gewendet, nachdem sich Heinrich in England √§hnlich wie einst sein Vater einer breiten Opposition seiner Barone gegen√ľber sah, die seit der Bewilligung der Magna Carta 1215 best√§ndig f√ľr eine Erweiterung ihrer Privilegien und Vorrechte gegen√ľber dem K√∂nig eintrat. Und eben diese Barone waren es auch, die nicht l√§nger bereit waren, f√ľr die privaten Familienangelegenheiten ihres K√∂nigs in Frankreich zu k√§mpfen. In diesem Willen kam eine Entwicklung zum Ausdruck, die mit der Zerschlagung des Plantagenet-Reiches (Angevinisches Reich) 1204 ihren Anfang nahm: n√§mlich die allm√§hliche politische wie auch kulturelle L√∂sung des aus Frankreich stammenden Adels von der Heimat ihrer Vorv√§ter und der zunehmenden Bildung einer insularen, einer englischen Identit√§t. Die Symbiose zwischen beiden K√∂nigreichen, die Wilhelm der Eroberer 1066 bei Hastings geschaffen hatte, war dabei, sich aufzul√∂sen. In Anbetracht dieser Lage zeigte sich Heinrich nun bereit, die geschaffenen Verh√§ltnisse anzuerkennen. Zu einer ersten Ann√§herung kam es bei einem eher spontanen Besuch Heinrich III. in Paris zu Weihnachten 1254, wo Ludwig bei dieser Gelegenheit dem englischen K√∂nig seinen aus Pal√§stina mitgebrachten Elefanten schenkte. Die Tatsache, dass beide K√∂nige √ľber ihre vermittelnden Ehefrauen miteinander verschw√§gert waren, erleichterte dabei eine Einigung, die am 28. Mai 1258 im Vertrag von Paris verbrieft wurde. K√∂nig Heinrich III. von England erkannte darin die Verluste seiner Familie in Frankreich zugunsten der franz√∂sischen Krone an, im Gegenzug best√§tigte Ludwig ihm den letzten gehaltenen Besitz, der sich auf die Gascogne konzentrierte. Ludwig war sogar zu territorialen Zugest√§ndnissen bereit, indem er Heinrich mit einigen Gebieten des alten Aquitanien neu belehnte, besonders mit der Saintonge, auf die Prinz Alfons verzichten musste. Der Vertrag wurde auch von den englischen Baronen ratifiziert und trat mit der Huldigung Heinrichs gegen√ľber Ludwig am 4. Dezember 1259 in Paris in Kraft.

Die vertragliche Einigung zwischen beiden Monarchen enthielt allerdings auch den Keim zuk√ľnftiger Konflikte, n√§mlich die vereinbarte Huldigung (homagium) der englischen K√∂nige als Lehensnehmer von Lehensgebieten in Frankreich gegen√ľber dem franz√∂sischen K√∂nig als Lehensgeber. Ein Unterwerfungsakt, den die Aufnahme der Plantagenets unter die Pairs von Frankreich nicht abmilderte. K√∂nig Heinrichs III. Nachkommen sollten vergeblich versuchen, dieses Lehnsverh√§ltnis zu beenden, was eine nicht geringe Ursache zum Ausbruch des Hundertj√§hrigen Krieges beisteuerte. F√ľr Ludwig selbst war der Vertrag von Paris mit verh√§ltnism√§√üig geringen politischen Konsequenzen verbunden. Gegen√ľber dem K√∂nig von England r√§umte er lediglich freie Hand f√ľr eine Plantagenet-Nachfolge im K√∂nigreich Sizilien gegen die Staufer ein, die allerdings aus demselben Grund wie das offensive Engagement Heinrichs in Frankreich scheiterte, n√§mlich mangels der erforderlichen Unterst√ľtzung durch die englischen Barone.

Verhältnis zu Kaiser und Papst

K√∂nig Ludwig IX. pflegte sowohl zu den Staufern als auch zum Papsttum ein traditionell gutes Verh√§ltnis, was sich in seiner Regierungszeit allerdings als sehr problematisch gestaltete. Kaiser Friedrich II. befand sich n√§mlich seit dem Pontifikat Papst Gregors IX. in einem erbitterten Konflikt mit der Kirche, in dem sich Ludwig weitgehend neutral verhielt. Zu Beginn seiner Herrschaft nahm er noch eher eine tendenziell prostaufische Position unter Fortf√ľhrung einer gemeinsamen Politik gegen England ein. Unter anderem lie√ü er dem Kaiser 1238 Unterst√ľtzung im Kampf gegen den Lombardenbund zukommen, weiterhin heiratete sein Bruder Robert eine Tochter des Herzogs von Brabant, die eine Cousine des Kaisers war. Als der Papst 1240 Robert die r√∂misch-deutsche Krone anbot, lehnte dieser das Angebot unter Ber√ľcksichtigung der famili√§ren Bande zu den Staufern ab. Die guten Beziehungen zu den Staufern nahmen auch keinen Abbruch, als Ludwig den franz√∂sischen Einfluss auf reichsunmittelbare Gebiete ausweitete, wie durch den Erbgang seines Bruders Karl in der Provence als auch durch seine Schiedsurteile im Bezug auf den fl√§mischen Erbstreit, der auch Reichsinteressen ber√ľhrt hatte. Ludwig konnte letztlich in diesen F√§llen von der stillschweigenden Duldung des Kaisers profitieren, der im Konflikt mit dem Papst auf ein gutes Verh√§ltnis zu Frankreich angewiesen war.

Die Kr√∂nungen von Kaiser Friedrich II. (links) und K√∂nig Ludwig IX. (rechts). Darstellung aus dem Psalter des Pierre Lombard, 15. Jahrhundert. (Paris, Biblioth√®que de la Sorbonne)

Das Einvernehmen mit dem Kaiser sah Ludwig nur dann in Frage gestellt, wenn dieser gegen√ľber dem Klerus in einer zu aggressiven Weise verfuhr, wie zum Beispiel 1241, als der Kaiser in der Seeschlacht von Giglio mehrere hohe kirchliche W√ľrdentr√§ger gefangennehmen lie√ü, die auf dem Weg zur Papstwahl nach Rom waren. Nach einer scharf formulierten Antwort Ludwigs lie√ü der Kaiser die aus Frankreich stammenden W√ľrdentr√§ger wieder frei. √úber den vermittelnden Grafen von Toulouse strengte Ludwig im Fr√ľhjahr 1244 erstmals eine Friedensinitiative zwischen Kaiser und Papst an, die aber trotz ihrer offiziellen Beeidigung nicht zum Tragen kam. Im Dezember 1244 folgte die Exilnahme des Papstes Innozenz IV. in Lyon, nicht zuletzt aufgrund dessen Schutzbed√ľrfniss vor dem Kaiser. Wenn auch Lyon zum Reich geh√∂rte, lag diese Stadt bedingt durch ihre Grenzlage im Zugriffsbereich Ludwigs, der somit zum Garant des pers√∂nlichen Schutzes der Kurie wurde. In Lyon konnte der Papst ein Konzil einberufen, das im Juli 1245 mit der Absetzung des Kaisers endete. Kaiser Friedrich II. wandte sich drauf im September des Jahres direkt an Ludwig, mit der Bitte um eine pers√∂nliche Vermittlung. Auch erkl√§rte er sich bereit, Ludwigs Urteil als Schiedsrichter in dieser Sache anzuerkennen. Im November lud Ludwig den Papst zu einer pers√∂nlichen Unterredung in Cluny ein, konnte diesem dabei allerdings kein Entgegenkommen abringen. Viel eher war es Papst Innozenz IV. gelungen, Ludwig f√ľr seine Sache neutral zu stimmen, indem er die kirchliche Dispens f√ľr die Ehe Karls von Anjou mit der Erbin der Provence gew√§hrte.

Obwohl der Papst noch vor Jahresende 1244 √ľber seine Pr√§laten die Absetzung Friedrichs als Kaiser in Frankreich √∂ffentlich propagieren lie√ü, erkannte Ludwig diesen weiterhin als solchen an und verweigerte auch seine Unterst√ľtzung zu einem f√∂rmlichen Kreuzzug gegen diesen. Vielmehr konzentrierte er sich verst√§rkt auf sein pers√∂nliches Kreuzzugsanliegen in das heilige Land. Obwohl dieses durch das Konzil in Lyon bewilligt wurde, behinderte der Papst die Kreuzzugswerbung Ludwigs in Deutschland, da dort antistaufische Kr√§fte f√ľr den Kampf gegen den Kaiser gehalten werden sollten. Trotzalledem stellte sich Ludwig sch√ľtzend vor den Papst und drohte mit einer milit√§rischen Intervention, als der Kaiser 1247 einen Angriff auf Lyon plante. Unmittelbar vor seiner Abreise im Juni 1248 machte Ludwig pers√∂nlich in Lyon halt um noch einen Vermittlungsversuch zu unternehmen, doch scheiterte dieser aufgrund der unerbittlichen Kompromisslosigkeit des Papstes. Seine Niederlage in √Ągypten (April 1250) schien Ludwig noch einmal auf die Position des Kaisers einzugehen, denn die √∂ffentliche Mehrheit sowohl im Abendland als auch bei den Christen Outremers machte vor allen den Papst daf√ľr verantwortlich, der wegen seines Konflikts mit dem Kaiser notwendige Kr√§fte f√ľr Kampf gegen die Ungl√§ubigen zur√ľckgehalten habe. Laut Matth√§us Paris habe Ludwig im August 1250 seine heimkehrenden Br√ľder aufgetragen, den Papst zu einem raschen Friedensschluss mit dem Kaiser zu dr√§ngen, damit dieser mit einem Kreuzzugsheer ins heilige Land nachr√ľcken k√∂nne. Dabei sollen Alfons und Karl auch mit dem Entzug der franz√∂sischen Schutzgarantien f√ľr Lyon gedroht haben, worauf der Papst bei Heinrich III. von England, wenn auch erfolglos, um Asyl in Bordeaux gebeten haben soll.

Der Tod Kaiser Friedrichs II. im Dezember 1250 beendete letztlich die zerfahrene Situation und bedeutete zugleich auch einen Einschnitt im Verh√§ltnis Ludwigs zu den Staufern. Obwohl er Konrad IV. auch weiterhin als rechtm√§√üigen K√∂nig sowohl des Reiches als auch von Sizilien anerkannte, n√§herte sich Ludwig doch zunehmend der p√§pstlichen Position an. Nach dem Tode Konrads 1254 und der 1258 folgenden Usurpation des sizilianischen Thrones durch Manfred gab Ludwig dem p√§pstlichen Dr√§ngen auf eine Beseitigung der Staufer letztlich nach und erteilte seinem Bruder Karl von Anjou sein Einverst√§ndnis zu einem Eroberungszug nach Unteritalien.

Das Ende der Staufer und das damit einsetzende Interregnum markierte einen Wendepunkt im Verh√§ltnis Frankreichs zum Reich. Bedingt durch das Erstarken der franz√∂sischen K√∂nigsmacht bei gleichzeitigem Verfall der kaiserlichen Zentralmacht begann Frankreich seit der Herrschaft Ludwigs zunehmend, seinen Einfluss offensiv auf Reichsgebiet, besonders auf den alten burgundischen und lothringischen Raum, auszudehnen. Tatkr√§ftig traten die franz√∂sischen K√∂nige nun auch vor allem in Italien auf, wo sie die Machtk√§mpfe zwischen kaisertreuen (Ghibellinen) und p√§pstlich (Guelfen) gesinnten Parteien zu ihren eigenen Vorteil nutzten. Ludwigs Sohn Philipp der K√ľhne sollte schlie√ülich auch der erste franz√∂sische Monarch werden, der f√ľr die Wahl zum r√∂mischen (deutschen) K√∂nig kandidieren sollte.

Primus inter pares

Ludwig genoss √ľber die Grenzen Frankreichs hinaus den Ruf, ein Wahrer des Friedens zu sein, der die Anwendung von Waffengewalt, mit Ausnahme des Kampfes gegen die Heiden, nur als ein Mittel der Verteidigung akzeptierte. Dieses Ansehen erhob ihn unter den anderen Herrschern des christlichen Abendlandes, mehr noch als den Kaiser, in die Position eines Schiedsrichters, dessen Schlichtung und Urteil ohne Gesichtsverlust von den streitenden Parteien gesucht wurde.

Im fl√§mischen Erbfolgestreit zwischen den Br√ľdern des Hauses Dampierre und des Hauses Avesnes um das Erbe ihrer Mutter Gr√§fin Margarethe f√§llte Ludwig 1246 in Paris einen Schiedsspruch (Dit de Paris), der den Dampierre die Grafschaft Flandern und den Avesnes die Grafschaft Hennegau zusprach. Das Besondere dabei war, dass Ludwig im Falle Hennegau in Lehnsverh√§ltnisse des Reiches eingegriffen hatte. Den Interessen des unmittelbaren Lehnsherrn des Hennegaus, dem Bischof von L√ľttich, wurde dabei keine Rechnung getragen, ebenso wie der Kaiser sich in diese Angelegenheit nicht einmischte. W√§hrend Ludwigs Abwesenheit im heiligen Land sollte der Konflikt in Flandern noch einmal ausbrechen, nicht ohne Zutun seines Bruders Karl von Anjou, der sich einen pers√∂nlichen Gewinn daraus erhoffte. Nach seiner R√ľckkehr 1254 sorgte Ludwig f√ľr ein sofortiges Ende der Kampfhandlungen und best√§tigte 1256 in P√©ronne (Dit de P√©ronne) den in Paris gef√§llten Entschluss, der zum endg√ľltigen Ende des Konfliktes f√ľhrte.

1257 musste Ludwig in seiner eigenen Familie √ľber bestehende Lehnsverh√§ltnisse hinweg schlichten. In der Provence war sein Bruder Karl mit seiner Schwiegermutter Beatrix von Savoyen in einen Streit um die Grafschaft Forcalquier geraten, den Ludwig zugunsten Karls entschied. Auch hier mussten die Hoheitsrechte des Reiches auf die Provence ignoriert werden, da es zu diesem Zeitpunkt, bedingt durch das Interregnum, keine vertretende Instanz mehr besa√ü.

1259 erschien schlie√ülich der Herr des griechischen Theben und Athen, Guido I. de la Roche, an Ludwigs Hof und erbat von ihm einen Schiedsspruch, der seinen Konflikt mit dem F√ľrsten von Achaia beenden sollte. Der F√ľrst hatte Guido I. dazu gezwungen, ihn als Lehnsherren anzuerkennen, doch die Vasallen Guidos wollten dies nicht akzeptieren, weshalb sie ihn zu Ludwig entsandten. Die Tatsache, dass ein Urteil in solch einer Frage nur dem Oberlehnsherrn des lateinischen Griechenlands, Kaiser Balduin II. von Courtenay, erlaubt war, ignorierten sie dabei. K√∂nig Ludwig entschied f√ľr die Interessen Guidos de la Roche und erkl√§rte die erzwungene Huldigung f√ľr ung√ľltig. Die Chronik von Morea berichtet, dass die Herrschaft von Athen um das Jahr 1260 durch Ludwig in die W√ľrde eines Herzogtums erhoben wurden sei und der somit dessen Ranggleichheit zum F√ľrstentum Achaia unterstrichen habe.

1264 ersuchte sogar sein Schwager K√∂nig Heinrich III. von England Ludwig um sein Urteil. In England war der K√∂nig in eine sich immer weiter vertiefende Auseinandersetzung mit seinen Baronen um Simon V. de Montfort geraten, die von ihm 1258 die Anerkennung der Provisions of Oxford erzwungen hatten, in welcher der K√∂nig den Baronen eine st√§rkere Beteiligung an der Macht zubilligen musste. 1261 erkl√§rte K√∂nig Heinrich mit R√ľckendeckung des Papstes die Provisions f√ľr ung√ľltig, und die Lage spitzte sich an den Rand eines B√ľrgerkriegs zu. Um diesen zu vermeiden, wandten sich die Parteien an K√∂nig Ludwig von Frankreich. In der Mise of Amiens erkl√§rte auch er aus Kollegialit√§t zu seinem Schwager die Provisions f√ľr nichtig im Sinne einer St√§rkung der Krone von England gegen√ľber deren Vasallen. F√ľr Ludwig war die Autorit√§t eines K√∂nigtums der Ursprung allen Rechts, gegen√ľber seinen Vasallen Souver√§n und k√∂nne dadurch in seiner Macht auch nicht von diesen beschr√§nkt werden. Dieses spezifische Herrschaftsverst√§ndnis stand allerdings den Eigenheiten und dem politischen Selbstbewusstsein der englischen Barone entgegen und sollte sich deshalb auch nicht als durchsetzungsf√§hig erweisen. In den folgenden Jahren versank England in einen lang anhaltenden B√ľrgerkrieg.

Eine im 14. Jahrhundert angefertigte Kopie des Briefes des armenischen Adligen Sempad, gerichtet an den K√∂nig von Zypern und den Herrn von Ibelin. Geschrieben in Sarmakand, datiert auf den 7. Februar 1248. (Claude Mutafian: Le Royaume Armenien de Cilicie, XIIe-XIVe si√®cle; 2002)

Die Mongolen

W√§hrend der √úberwinterung des Kreuzfahrerheers auf Zypern 1248 empfing Ludwig zwei Abgesandte des Gro√ükhans der Mongolen, Gujuk, die ihm ein gemeinsames B√ľndnis gegen die Sarazenen und eine Konversion des Gro√ükhans zum Christentum in Aussicht stellten. Ein dem Christentum wohlwollendes Entgegenkommen des Gro√ükhans hatte bereits der armenische K√∂nigsbruder Sempad w√§hrend seiner Gesandtschaftsreise in die Mongolei in einem an den K√∂nig von Zypern gerichteten Brief suggeriert, den auch Ludwig zu lesen bekam. Darauf beschloss Ludwig, eine eigene Gesandtschaft unter dem Dominikaner Andreas von Longjumeau in den Altai zu schicken, der das B√ľndnis mit Gujuk besiegeln sollte. Um die Bekehrung voranzutreiben, gab ihm Ludwig ein St√ľck vom ‚Äěwahren Kreuz‚Äú und eine rote Zeltkapelle als Geschenk f√ľr den Gro√ükhan mit auf die Reise. Longjumeau sollte allerdings ebenso scheitern wie schon wenige Jahre zuvor der p√§pstliche Gesandte Johannes de Plano Carpini, denn als er in der mongolischen Residenz eintraf, war Gujuk bereits tot, und der zusammengerufene Kuriltai wurde von seiner Witwe Ogul Qaimish beherrscht. Diese wollte von einem B√ľndnis nichts wissen und forderte im Gegenzug den K√∂nig von Frankreich dazu auf, sich zu unterwerfen und Tribut an die Mongolen zu zahlen.

Ludwig empfing Longjumeau 1251 in C√§sarea und entschloss sich trotz des Misserfolges, eine zweite Mission mit dem Franziskaner Wilhelm von Rubruk zu den Mongolen zu entsenden, denn Longjumeau wurde kurz vor seiner Abreise aus der Mongolei Zeuge der Wahl des als religi√∂s tolerant geltenden M√∂ngke, dem au√üerdem eine Verwandtschaft zum mythischen Priesterk√∂nig Johannes nachgesagt wurde, zum neuen Gro√ükhan. Rubruk sammelte auf seiner langen Reise und Aufenthalt in Karakorum reichhaltige Informationen √ľber die mongolische Gesellschaft und Kultur, doch war seine Mission politisch wie auch religi√∂s ein Fehlschlag, womit die Kontakte Ludwigs zu den Mongolen vorerst endeten.

1262 jedoch erschien in Paris eine gro√üe Gesandtschaft des Ilchan H√ľlag√ľ, der wenige Jahre zuvor das Abbasiden-Kalifat in Bagdad vernichtet hatte, mit einem B√ľndnisangebot gegen die Mameluken. Zwischen Ludwig und H√ľlag√ľ sollte es aber trotz jahrelanger Verhandlungen nie zu einem formellen B√ľndnis kommen, vor allem weil auch H√ľlag√ľ an der Forderung einer mongolischen Oberhoheit √ľber die Christen im heiligen Land festhielt.

Byzanz und die Kirchenunion

Im Sommer 1269 empfing Ludwig IX. in Paris eine Gesandtschaft des byzantinischen Kaisers Michael VIII. Palaiologos.[13] Da seit dem Tod Clemens IV. im Vorjahr das Papsttum vakant war hatte sich der Byzantiner zuerst an den franz√∂sischen K√∂nig gewandt um mit ihm √ľber ein Ende des seit √ľber zweihundert Jahren anhaltenden morgenl√§ndischen Schismas zu verhandeln. Dabei stellte der Kaiser die Anerkennung des Supremats der r√∂misch-lateinischen Kirche √ľber die Griechisch-Orthodoxe Kirche in Aussicht. Ludwig IX. erkl√§rte sich sofort bereit dieses Ansinnen zu unterst√ľtzen, verwies den Kaiser in der Frage allerdings an das Kardinalskollegium in Rom, da er nicht bereit war Funktionen der Kirche zu usurpieren und deshalb auch √ľber keine Entscheidungsgewalt in solchen Dingen besa√ü.[14]

Das letzte Jahr seines Lebens betätigte sich Ludwig IX. als engagierter Vermittler zwischen Rom und Konstantinopel, sogar auf seinem Totenbett im Feldlager vor Tunis empfing er noch eine byzantinische Gesandtschaft.[15] Sein Engagement trug dennoch zur ersten, wenn auch nur kurzlebigen, Kirchenunion zwischen West- und Ostkirche bei, die auf dem zweiten Konzil von Lyon 1274 geschlossen wurde.

Kreuzzug gegen Tunis und Tod

Siehe Hauptartikel: Siebter Kreuzzug.

Seit dem Scheitern seines Kreuzzuges nach √Ągypten war Ludwig dazu entschlossen, einen weiteren Zug gegen die Heiden durchzuf√ľhren, um die vorangegangene Schmach vergessen zu machen. Nachdem er das heilige Land 1254 verlassen hatte, schickte er regelm√§√üig Geld und Waffen nach Akkon zum Unterhalt eines st√§ndigen Regiments, welches die Basis eines neuen Unternehmens bilden sollte. Die ohnehin schwankende Existenz der restlichen Herrschaften der Christen im heiligen Land sah sich in den sechziger Jahren des 13. Jahrhunderts einer ernsthaften Bedrohung ausgesetzt, nachdem der Mamelukensultan Baibars I. die Mongolen 1260 bei Ain Djalud geschlagen und Syrien seiner Herrschaft unterworfen hatte. Nacheinander eroberte er darauf C√§sarea, Arsuf, Safed, Jaffa und vernichtete 1268 Antiochia, nur Akkon konnte sich gerade noch halten.

Ludwig der Heilige stirbt auf dem Kreuzzug vor den Mauern von Tunis. Illustration aus den Grandes Chroniques de France von Jean Fouquet, Mitte 15. Jahrhundert. (Paris, Biblioth√®que nationale de France)

Ludwig erachtete einen neuen Kreuzzug nun dringlicher denn je, obwohl seine unmittelbare Umgebung deutliche Kritik und Ablehnung an diesem Vorhaben √§u√üerte. Diese ignorierend legte er 1267 ein neues Kreuzzugsgel√ľbde ab, das vom Papst best√§tigt wurde. Der Transport des Heeres sollte erneut von Aigues-Mortes aus √ľber das Meer verlaufen. Eigens daf√ľr lie√ü Ludwig erstmals eigene Schiffe bauen, weshalb er als Begr√ľnder der franz√∂sischen Marine angesehen wird. Eine Zusage zur Teilnahme erhielt Ludwig aber von dem englischen Prinzen Eduard Plantagenet und von seinem Bruder Karl von Anjou. Letzterer war mittlerweile K√∂nig von Sizilien geworden und betrieb eine aggressive Expansionspolitik im √∂stlichen Mittelmeerraum, die gegens√§tzlicher zu der seines Bruders nicht h√§tte sein k√∂nnen. Karl schloss unbedenklich Vertr√§ge mit den Mameluken, die f√ľr Ludwig die zu bek√§mpfenden Ungl√§ubigen waren, und w√§hrend Ludwig die Kirchenunion des byzantinischen Kaisers unterst√ľtzte, r√ľstete Karl zu einem Krieg gegen Byzanz. Das Anliegen Ludwigs musste also grundlegende Interessen Karls ber√ľhren, dem die Teilnahme an dem Kreuzzug seines Bruders eher deshalb nachgesagt wurde, um auf dessen Verlauf Einfluss nehmen zu k√∂nnen. Warum sich Ludwig f√ľr einen Angriff auf den Sultan von Tunis, al-Mustansir entschied, bleibt bis heute umstritten. Angeblich erhoffte er sich dadurch, einen √úbertritt des Sultans zum Christentum beschleunigen zu k√∂nnen, den dieser gegen√ľber Ludwig und Karl auch diplomatisch verlautbaren lie√ü. Tats√§chlich aber war der Sultan aufgrund seiner Unterst√ľtzung ghibellinischer Oppositioneller und seiner Weigerung, beanspruchte Tribute zu zahlen, ein Feind Karls von Anjou. Ausgeschlossen wird heute hingegen die These, wonach Ludwig irrt√ľmlich glaubte, Tunis l√§ge in unmittelbarer Nachbarschaft zu Kairo, was ihm eine bessere Ausgangsbasis zu einem Angriff auf die Mameluken gegeben h√§tte.[16]

Obwohl bereits von Alter und Krankheit gezeichnet, landete Ludwig mit seinem Heer am 18. Juli 1270 bei Karthago, das er schnell einnahm. Der Sultan weigerte sich, seinen Glauben abzulegen, und verschanzte sich in Tunis. Bevor es aber zu einer gr√∂√üeren Schlacht kam, wurde das Kreuzfahrerheer von der Bakterienruhr befallen. Nachdem er vom Tod seines Sohnes Johann Tristan erfuhr, starb der K√∂nig am 25. August 1270 um drei Uhr nachmittags, zur selben Stunde wie Christus,[17] an der Seuche. Der Legende nach waren seine letzten Worte: ‚ÄěWir werden einziehen nach Jerusalem.‚Äú[18]

Ludwig der Heilige als Christ

Persönlichkeit

Ludwig IX. war einem tiefen christlichen Lebensstil verpflichtet, in dem ihm unter seinen Vorg√§ngern nur K√∂nig Robert II. der Fromme gleich gekommen sein soll. Gepr√§gt von Fr√∂mmigkeit und Barmherzigkeit f√ľhrte er, soweit es einem weltlichen Herrscher gestattet war, ein Leben in strengster Askese. Sein Alltag war bestimmt von Bescheidenheit, Kargheit, schlichter Kleidung und gr√∂√ütm√∂glicher Keuschheit. Laut Nangis gestatteten sich Ludwig und seine Frau den Beischlaf nur in den von der Kirche vorgeschriebenen ‚ÄěZeiten der Umarmung‚Äú.[19] Gro√üe Abscheu empfand er zu Tods√ľnden, nach einer unbedachten √Ąu√üerung Joinvilles lieber 30 Tods√ľnden zu begehen als einen Auss√§tzigen zu k√ľssen tadelte er diesen: ‚ÄěWisst Ihr denn nicht, dass es keinen so schlimmen Aussatz gibt, wie in Tods√ľnde zu sein? Denn eine Seele in Tods√ľnde gleicht dem Teufel.‚Äú[20] Den Krieg betrachtete Ludwig nur dann als Mittel zur Konfliktl√∂sung, wenn er den zwei Grundregeln des christlichen, des ‚Äěgerechten Krieges‚Äú entsprach: Gegen√ľber Ungl√§ubigen zu deren Bek√§mpfung und gegen√ľber Glaubensbr√ľdern als Mittel der Verteidigung. Ludwig hatte um 1230 die erste √úbersetzung der Bibel in das Franz√∂sische in Auftrag gegeben,[21] er selbst galt als begeisterter Leser von Heiligenviten, die er auch pers√∂nlich f√ľr sein lateinunkundiges Umfeld vorlas und √ľbersetzte.[22] Ludwig stand zudem der in seiner Zeit aufkommenden Bewegung der Bettelorden nahe, die er reich beschenkte. Sein angeblich ge√§u√üerter Wunsch, selbst eines Tages dem dritten Orden der Franziskaner beizutreten, gilt heute hingegen als blo√ües Ger√ľcht. F√ľr den Orden der Zisterzienser gr√ľndete er die Abtei von Royaumont, die er oft besuchte, um den Lesungen des Vinzenz von Beauvais beizuwohnen. Weiterhin f√∂rderte Ludwig auch die geistigen Wissenschaften, indem er die Gr√ľndung eines theologischen Kollegs an der Pariser Universit√§t durch seinen Kaplan Robert von Sorbon unterst√ľtzte. Die so entstehende Sorbonne-Universit√§t zog bald die gelehrten Autorit√§ten seiner Zeit (u. a. Bonaventura, Albertus Magnus, Roger Bacon, Thomas von Aquin) an.

die Kathedrale Saint Louis in Versailles

Bei aller ihm entgegengebrachter Bewunderung unter seinen Zeitgenossen f√ľr sein frommes, gottgerechtes Leben bot gerade diese Lebensf√ľhrung auch Anlass zur Kritik, die auch aus Ludwigs engster Umgebung ge√§u√üert wurde. F√ľr viele erschien Ludwigs Demut nicht selten als zu √ľbertrieben. Sie lenke ihn ab von seinen Verantwortungen als weltlicher Herrscher. Widerstand kam Ludwig entgegen, sobald er versuchte, seine religi√∂sen Wertvorstellungen anderen Personen oder dem ganzen K√∂nigreich aufzuzwingen. So war es vor allem der Klerus, der ein h√§rteres Vorgehen Ludwigs gegen die Prostitution verhinderte, im Wissen, dass ein Verbot der k√§uflichen Liebe gesellschaftlich nicht durchsetzbar war,[23] 1270 erlie√ü Ludwig erstmals auch Gesetze, welche die Sodomie zu einem Verbrechen erkl√§rte. Gegen seinen Willen wandten sich auch Ludwigs eigene Kinder Johann Tristan, Peter und Blanche, von denen nach seinen Vorstellungen je eines den Dominikanern, den Franziskanern und den Zisterziensern gegeben werden sollte. Doch die Kinder teilten nicht den frommen Lebenswandel ihres Vaters und konnten erst nach heftigem Widerstand und auch mit Einspruch des Papstes einem Ordensleben entgehen. Von Seiten des Klerus, besonders von den M√∂nchen, wurde Ludwig f√ľr seine Finanzpolitik kritisiert, da er die Kosten seiner Kreuzz√ľge vor allem der Kirche anlastete. √úberhaupt waren auch die Kreuzz√ľge sehr umstritten und verloren unter der franz√∂sischen Ritterschaft des 13. Jahrhunderts an ideellem Ansehen. Weiterhin war man der Auffassung, der K√∂nig w√ľrde f√ľr diese die Belange seines K√∂nigreichs vernachl√§ssigen. Diese Auffassung war auch unter dem einfachen Volk vertreten. Eine Frau namens Sarrete warf dem K√∂nig, der zu Gericht am Fu√ü der Treppe des Palais de la Cit√© sa√ü, vor, nur ein ‚ÄěK√∂nig der Minder- und Predigerbr√ľder, der Priester und der Kleriker‚Äú zu sein.[24]

Zeit seines Lebens war Ludwig ein ausgiebiger Verehrer und Sammler von Reliquien. Welche Bedeutung er ihnen zuma√ü, verdeutlicht eine Episode aus dem Jahr 1232, als in der Abtei von Saint-Denis die hochgesch√§tzte Reliquie eines heiligen Nagels verloren ging. Ludwig verfiel dar√ľber in eine tiefe Trauer und ordnete eine landesweite Suche an, die allerdings erfolglos verlief.[25] Bereits als Kind bekam er von den Franziskanern das Kopfkissen des heiligen Franz von Assisi (hl. 1228) geschenkt.[26] Die bedeutendste Erwerbung Ludwigs war aber die Dornenkrone, die Christus am Tag seiner Kreuzigung getragen hatte. Ihm kamen dabei die finanziellen N√∂te des lateinischen Kaisers von Konstantinopel Balduin II. von Courtenay zugute, der 1239 in Frankreich war.[27] Ludwig kaufte ihm die Dornenkrone ab, die einst durch die heilige Helena nach Konstantinopel gelangte, und nahm sie wenig sp√§ter in Villeneuve-l‚ÄôArchev√™que in Empfang, von wo aus er und sein Bruder Robert sie barfu√ü und im B√ľ√üergewand nach Paris trugen. Als Aufbewahrungsort f√ľr die Leidenswerkzeuge Christi lie√ü Ludwig die Sainte-Chapelle bauen, die 1248 eingeweiht wurde. Der Abt von Vaux-de-Cernay fertigte eigens f√ľr die Krone ein Officium an. Mit dem Besitz der Dornenkrone erlebte die Person Ludwigs wie auch das franz√∂sische K√∂nigtum im Allgemeinen eine Erh√∂hung seines Prestiges. Erzbischof Gautier von Sens glaubte, dass Frankreich von Christus als Nachfolger Griechenlands (Byzanz) zum Ort der Verehrung seiner siegreichen Passion auserkoren wurde. Papst Innozenz IV. bescheinigte sp√§ter, dass Ludwig von Christus mit dessen Krone gekr√∂nt worden sei und beschrieb ihn als ‚Äěallerchristlichen K√∂nig‚Äú (‚Äěrex christianissimus‚Äú), ‚ÄěAbbild Gottes‚Äú (‚Äěimago Dei‚Äú) und ‚ÄěBesch√ľtzer der Kirche‚Äú (‚Äěpatronus ecclesiae‚Äú).[28] Im Jahre 1241 kaufte Ludwig dem lateinischen Kaiser zus√§tzlich den Heiligen Schwamm (den die r√∂mischen Soldaten in Essig getr√§nkt und anschlie√üend an den Mund Christi gehalten hatten) und die Heilige Lanze des Longinus ab. Weiterhin erwarb er von der Abtei Saint-Maurice d'Agaune mehrere Reliquien von 24 M√§rtyrern der Legion des Heiligen Mauritius, f√ľr die er in Senlis eine neue Kirche bauen lie√ü.

Häretiker, Ungläubige und Juden

In seinem religi√∂sen Eifer betrachtete sich Ludwig in seiner Eigenschaft als K√∂nig auch als Bek√§mpfer der Feinde des Glaubens, womit H√§retiker, Ungl√§ubige und Juden zu verstehen waren. Als gr√∂√üte Bedrohung sah er die Katharer an, f√ľr deren Bek√§mpfung er den Aufbau der Inquisition vorantrieb. Gegen√ľber Ungl√§ubigen (Muslime, Mongolen) betrachtete Ludwig, neben dem Kreuzzug, die Bekehrung als das geeignete Mittel. W√§hrend seines Kreuzzuges in √Ągypten ordnete er beispielsweise in Damiette an, die Zivilbev√∂lkerung mit Zwangstaufen f√ľr den christlichen Glauben zu gewinnen, statt zu t√∂ten. Diese Ma√ünahmen hatten allerdings ebenso wenig Erfolg wie die Versuche, die Mongolen auf diplomatischem Weg zu bekehren.

Die Israeliten werden aus Hai vertrieben. Abbildung aus der Kreuzfahrerbibel deren Auftraggeber vermutlich der heilige Ludwig war. (New York, Pierpont Morgan Library)

Nahezu obsessiv war Ludwigs Haltung zu den Juden in seinem K√∂nigreich. Um diese in ihrem vermeintlichen Irrglauben zu reinigen f√ľhrte er erstmals in der Geschichte Frankreichs staatlich organisierte Ma√ünahmen durch. W√§hrend seiner gesamten Regierungszeit erlie√ü er mehrere Ordonnanzen, die gezielt gegen die Geldwechselwirtschaft gerichtet waren und damit besonders die wirtschaftlichen Lebensgrundlagen der Juden angriffen. Die Geldwirtschaft der Juden betrachtete Ludwig als Gift eines Skorpions, der sein K√∂nigreich l√§hme.[29] Ideologisch begann Ludwig die Bek√§mpfung des Judentums am 3. M√§rz 1240 mit der landesweit durchgef√ľhrten Beschlagnahmung des Buchs Talmud, als einer angeblich gottesl√§sterlichen Schrift, die gegen√ľber Jesu und der Jungfrau Maria blasphemisch sei. Trotz eines rhetorischen Sieges j√ľdischer Gelehrter bei einem am 12. M√§rz 1240 einberufenen Streitgespr√§ch, urteilte Ludwig die weitere Verbrennung des Talmuds. Mehrere Tausend Exemplare wurden 1242 in Paris bei einem Autodaf√© vernichtet. Trotz einer 1247 ergangenen Aufforderung des Papstes, die Verbrennungen einzustellen, wurde der Talmud und sein Besitz in den n√§chsten Jahren weiter verfolgt. 1252 erfolgte schlie√ülich eine Anordnung zur Verbannung aller Juden aus Frankreich. Der √úbertritt (Konversion) zum Christentum sollte ihnen dabei als einzige M√∂glichkeit gelassen werden, der Ausweisung zu entgehen. Dieses Dekret wurde wenige Jahre sp√§ter um die M√∂glichkeit erg√§nzt, sich durch eine Zuwendung an den k√∂niglichen Schatz von dieser Verbannung freizukaufen. So eine Ma√ünahme wurde allerdings erst unter Ludwigs Enkel, Philipp dem Sch√∂nen, erstmals erfolgreich durchgef√ľhrt. Deshalb wurden Juden 1269 dazu verpflichtet, sich durch ihre Kleidung kenntlich zu machen ‚Äď in Anwendung einer Empfehlung des Vierten Laterankonzils von 1215. F√ľr die M√§nner war dies eine kreisf√∂rmige Scheibe, die Rouelle, die auf der Brust befestigt werden musste, f√ľr die Frauen eine besondere Haube. In der islamischen Welt wurde zu dieser Zeit eine derartige Markierung ebenfalls praktiziert. Dazu ist allerdings anzumerken, dass Ludwig die Anwendung von Gewalt zur Durchsetzung seiner Ma√ünahmen ablehnte. Nachdem es zum Beispiel im Anjou zu Pogromen gegen die Juden durch die lokale Bev√∂lkerung kam, lie√ü Ludwig die Verantwortlichen verurteilen und hinrichten.[30] Dennoch bleibt festzuhalten, dass Ludwigs Vorgehen den Beginn einer √∂ffentlichen Denunziation der Juden und eines staatlich gef√∂rderten Antijudaismus in Europa markiert.

Der Heilige

Heiligsprechung

Bereits nach Ludwigs Tod beauftragte Papst Gregor X. den k√∂niglichen Beichtvater Geoffroy de Beaulieu mit dem Sammeln von Informationen, die als Grundlage f√ľr ein Kanonisierungsverfahren dienen sollten. In der zusammengestellten Vita gelangte Beaulieu zu der Auffassung, dass Ludwig als Heiliger anerkannt werden sollte. Er erkannte in dem K√∂nig einen neuen Josia, der den Tempel instandsetzen lie√ü, die Dirnen verbannte, das Gesetzbuch Mose (Deuteronomium) wiederentdeckt und damit den Bund zu Gott erneuert habe. Weiterhin wies er darauf hin, dass Ludwig, wie einst Josia gegen den Pharao bei Megiddo, im Kampf gegen die Feinde des Glaubens das Martyrium erreicht habe.[31] Unabh√§ngig davon beauftragte der Papst den Kardinal Simon de Brie, der ein Kanzler Ludwigs gewesen war, mit weiteren Ermittlungen in Frankreich.

Nach dem Tod Gregors X. wurde der Prozess bedingt durch darauffolgende kurze Pontifikate unterbrochen. Erst nachdem Simon de Brie 1281 als Martin IV. selber zum Papst gew√§hlt wurde, kam es zum entscheidenden Durchbruch. Er lie√ü von 1282 bis 1283 mehr als dreihundert Zeugen, darunter Philipp III., Karl von Anjou und Joinville, befragen und lie√ü mehrere durch den K√∂nig bewirkte Wunder recherchieren, von denen sechzig aktenkundig gemacht wurden. Der Tod Martins IV. brachte das Verfahren jedoch erneut ins Stocken, doch erreichte Philipp der Sch√∂ne bei Papst Bonifatius VIII. die Wiederaufnahme. Mit der Ver√∂ffentlichung der Bulle ‚ÄěGloria Laus‚Äú am 11. August 1297 in Orvieto wurde Ludwig heiliggesprochen. Dieser Akt stellte ein diplomatisches Entgegenkommen des Papstes zu Philipp dem Sch√∂nen dar, nachdem sich beide im Jahr zuvor zerstritten hatten.

Verehrung

Ludwig wurde schon zu Lebzeiten von seinen Zeitgenossen als Heiliger verehrt, was sich nach seiner offiziellen Kanonisation noch verst√§rkte. Dem Prestige der kapetinischen Dynastie verhalf er zu zus√§tzlichem Ansehen und festigte ihre Legitimation als Nachfolger der Karolinger. Insgesamt avancierte Ludwig zu einem franz√∂sischen Nationalheiligen, dem nach ihm nur noch Jeanne d‚ÄôArc an Bedeutung gleich kam. Besonders stark war Ludwigs Verehrung unter dem Haus der Bourbonen, die sich direkt auf ihn beriefen und dies unter anderem in ihrer Namensgebung, dem Bau der Kathedrale Saint-Louis in Versailles oder in den Stiftungen des Ordre royal et militaire de Saint-Louis und des St. Ludwigsorden verdeutlichten. Unter ihrer Regierung wurden in Frankreich und seinen Kolonien mehrere Ortschaften nach Ludwig benannt, die bekannteste ist dabei St. Louis im US-Bundesstaat Missouri. W√§hrend der Restauration wurde die Guillotinierung Ludwigs XVI. 1793 als Reinkarnation des Martyriums Ludwigs IX. betrachtet.

Heute gilt der heilige Ludwig, neben dem heiligen Franz von Assisi und der heiligen Elisabeth von Th√ľringen als Patron der Franziskaner. Ebenso gilt er als Patron mehrerer St√§dte wie Paris, Poissy, Berlin, M√ľnchen oder Saarlouis. Zusammen mit seinem Cousin, K√∂nig Ferdinand III. von Kastilien (‚Ć 1252, hl. 1671), ist Ludwig der letzte heiliggesprochene K√∂nig.

Reliquien

Reliquien des heiligen Ludwig in San Domenico, Bologna

Bereits unmittelbar nach Ludwigs Tod bei Tunis geriet dessen Bruder Karl von Anjou mit Philipp III. in einen Streit um den Ort der Beisetzung des k√∂niglichen Leichnams. Man erzielte schlie√ülich den Kompromiss, dass das Fleisch durch ein Bad in einer Wein-Essig-L√∂sung von den Knochen gel√∂st werden und Karl die Organe seines Bruders erhalten, w√§hrend Philipp III. die Knochen mit nach Frankreich nehmen sollte. W√§hrend des Trauerzugs durch Italien, √ľber den Mont Cenis bis nach Paris wurden die ersten drei Wunder festgehalten ‚Äď allerdings starben auf dieser Reise auch Ludwigs Bruder Alfons und dessen Frau sowie die Tochter Isabella und deren Ehemann Theobald II. von Navarra.

Nach der Ankunft in Paris wurden die Gebeine am 22. Mai 1271 in der Abtei von Saint-Denis bestattet. Anl√§sslich der Erhebung Ludwigs zum Heiligen wurden sie am 25. August 1298 feierlich aus dem Grab gehoben und fortan in einem Schrein hinter dem Hochaltar der Abtei gelagert. 1306 wurde mit der Erlaubnis Papst Clemens V. und unter Protest der M√∂nche von Saint-Denis der Sch√§del in die Sainte-Chapelle √ľbergef√ľhrt und in einem eigenen Schrein neben der Dornenkrone aufbewahrt. Eine Rippe wurde der Kathedrale von Notre Dame gegeben. K√∂nig Philipp der Sch√∂ne schenkte der Basilika San Domenico in Bologna ein Reliquiar seines Gro√üvaters, K√∂nig Haakon V. von Norwegen erwarb mehrere Finger f√ľr eine neue Kirche in Tysnes. K√∂nigin Blanche von Schweden erhielt Reliquien f√ľr eine der heiligen Birgitta geweihten Kirche in Vadstena, ebenso wie 1378 Kaiser Karl IV. f√ľr den Veitsdom in Prag. 1430 bekam der bayrische Herzog Ludwig VII. der B√§rtige einige Reliquien geschenkt f√ľr seine Residenz Ingolstadt. W√§hrend der franz√∂sischen Revolution wurden die Ludwigsschreine in Saint-Denis und Sainte-Chapelle zerst√∂rt, und ihr Inhalt ging verloren, somit ist Notre-Dame die einzige Kirche, die noch √ľber eine Reliquienquelle verf√ľgt. 1926 wurde ein St√ľck an Montreal vergeben und nach dem Zweiten Weltkrieg schenkte der Erzbischof von Paris, Maurice Feltin, der Sankt-Ludwigs-Kirche in Berlin-Wilmersdorf (geweiht 1897) eine Reliquie.

Die Organe Ludwigs wurden von Karl von Anjou auf Sizilien in der Kathedrale von Monreale bestattet, der f√ľr den Ort zwei Wunder beanspruchte, die aber nicht anerkannt wurden. Unklar ist, wo das Herz Ludwigs verblieb, da keine Aufzeichnungen √ľber dessen Verbleib erhalten sind.[32] Die Organe blieben mehrere Jahrhunderte in Monreale, bevor sie der letzte Bourbonenk√∂nig von Sizilien, Franz II., auf der Flucht vor den Truppen Garibaldis 1860 zuerst mit nach Gaeta und Rom und anschlie√üend mit in sein Exil nach Garatshausen nahm. Dort stiftete Kaiser Franz Joseph den Reliquien einen Schrein, doch K√∂nig Franz vermachte sie testamentarisch dem Kardinal Lavigerie. Der brachte sie nach Karthago, dem Sterbeort Ludwigs, wo sie in der 1890 geweihten Kathedrale St. Louis einen neuen Aufbewahrungsort bekamen. Nach der Unabh√§ngigkeit Tunesiens 1956 wurden sie in die Sainte-Chapelle √ľbergef√ľhrt.

Familiäres

Vorfahren

 
 
Ludwig VII. der J√ľngere
(1120‚Äď1180)
 
Adele von Champagne
(1140‚Äď1206)
 
Balduin V. von Hennegau
(1150‚Äď1195)
 
Margarete I. von Flandern
(1145‚Äď1194)
 
Sancho III. von Kastilien
(1133‚Äď1158)
 
Blanka von Navarra
(?‚Äď1157)
 
Heinrich II. Plantagenet
(1133‚Äď1189)
 
Eleonore von Aquitanien
(1122‚Äď1204)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Philipp II. August
(1165‚Äď1223)
 
 
 
 
 
Isabelle von Hennegau
(1170‚Äď1190)
 
 
 
 
 
Alfons VIII. von Kastilien
(1155‚Äď1214)
 
 
 
 
 
Eleonore Plantagenet
(1161‚Äď1214)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Ludwig VIII. der L√∂we
(1187‚Äď1226)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Blanka von Kastilien
(1188‚Äď1252)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Ludwig IX. der Heilige
(1214‚Äď1270)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


Nachfahren

Denkmal f√ľr den heiligen Ludwig und seine Frau Margarete am Ludwigkirchplatz in Berlin-Wilmersdorf

Die Kinder von Ludwig IX. und Margarete der Provence sind:

Die Chronisten und Enseignements

  • Jean de Joinville: Adliger Amtstr√§ger am Hofe Ludwigs des Heiligen. Berichtet ausf√ľhrlich in Le Livre des saintes paroles et des bons faits de nostre saint roi Louis (heute unter dem Titel Vie de Saint Louis bekannt) √ľber das Leben des K√∂nigs. Er war der erste Laie der eine Biographie √ľber einen Heiligen schrieb.
  • Geoffroy de Beaulieu: Dominikaner und Beichtvater des K√∂nigs. Seine Vita et sancta conversatio piae memoriae Ludovici quondam regis Francorum gab den Ansto√ü zur Heiligsprechung Ludwigs.
  • Guillaume de Chartres: Dominikaner und Kapelan des K√∂nigs w√§hrend des Kreuzzuges nach √Ągypten. Blieb im Umfeld des Hofes und nahm am Kreuzzug gegen Tunis teil. Schrieb ein Libellus √ľber den K√∂nig und erg√§nzte das Werk Beaulieus.
  • Guillaume de Saint-Pathus: Franziskaner, war Beichtvater der K√∂nigin Margarete und nach ihrem Tod der ihrer Tochter Blanche. In sein La Vie et les Miracles de Monseigneur Saint Louis beschreibt er besonders Ludwigs Alltagsleben und dokumentiert einige Wunder.
  • Guillaume de Nangis: Archivar in Saint-Denis. Schrieb eine Weltchronik (Chronicon) in der er sich besonders Ludwig dem Heiligen widmete (Vita Sancti Ludovici IX).

Weitere zeitgen√∂ssische Chronisten, die √ľber Ludwig berichteten, waren unter anderem Salimbene von Parma, Matth√§us Paris, Primat von Saint-Denis und der anonyme M√©nestrel von Reims.

Ludwig selbst verfasste zwei Fassungen eines F√ľrstenspiegels, die Enseignements, welche er seinen Kindern Philipp III. und Isabella hinterlie√ü. Die sehr intim gehaltene Sprache dieser Texte lassen darauf schlie√üen, dass Ludwig sie pers√∂nlich niedergeschrieben hatte, vermutlich unmittelbar vor dem Aufbruch zu seinem letzten Kreuzzug. Darin mahnt er seine Kinder zu einem gottgef√§lligen Lebens- und Herrschaftswandel an. Philipp solle in seinem Handeln als K√∂nig die Liebe seines Volkes gewinnen, da nur dies einen guten K√∂nig ausmache. Ludwig wolle lieber den Thron in der Hand eines ‚ÄěSchotten aus Schottland‚Äú wissen, als das Philipp das Land schlecht regiere. An seinem Sohn gerichtet f√ľgte Ludwig au√üerdem eine Morallehre des Krieges an, in der er den Krieg grunds√§tzlich als schlecht erachte, da dessen Opfer vor allem die armen Menschen seien. Ein K√∂nig solle sich vor der Erkl√§rung eines Krieges stetts gut und langte beraten lassen und abw√§gen ob √ľberhaupt triftige Kriegsgr√ľnde vorliegen. Seiner Tochter empfahl Ludwig eine Bescheidenheit an Kleidung und Schmuck und ermahnte sie zum Gehorsam gegen√ľber ihrem Mann und ihren Eltern. Beiden Kindern aber gab er als h√∂chste Tugend die Liebe und Dankbarkeit zu Gott an, welche sich in einem Leben ohne S√ľnde √§u√üern und die allem anderen √ľbergeordnet sein sollten. Dabei hob er die Pflichten zur Fr√∂mmigkeit und Barmherzigkeit hervor und empfahl eine regelm√§√üige Beichte, die Teilnahme an der Messe, das Gebet und eine Freigiebigkeit an Almosen f√ľr die Armen.

Die Enseignements wurden erstmals 1912 herausgegeben von Henri-Fran√ßois Delaborde.[33] Viele der oben genannten Chronisten haben Texte aus den Enseignements in ihren Werken einflie√üen lassen. Sie wurden aus den mehrheitlich lateinischen Urtexten von David O'Connell rekronstruiert.[34] Die Enseignements Ludwigs des Heiligen bilden den zweiten √ľberhaupt von einem K√∂nig verfassten F√ľrstenspiegel nach dem des K√∂nigs Stephan I. den Heiligen von Ungarn, mit dem sie oft verglichen werden.

Anmerkungen

  1. ‚ÜĎ RaydńĀfrans ist von Roi de France abgeleitet. Die ‚ÄěAfrans‚Äú waren nach Ibn WńĀŠĻ£il ein Volk der Franken und der ‚ÄěRayd‚Äú war ihr K√∂nig. (Ibn WńĀŠĻ£il, Mufarrij al-kurŇęb fńę akhbńĀr banńę AyyŇęb in: Biblioth√®que Nationale, Paris, ms. arabe 1703, fol. 62v)
  2. ‚ÜĎ Dieser Beiname wurde zum Beispiel in der Chronik eines Spielmannes, der dem Prinzen Alfons von Poitiers gedient hatte, verwendet. Ein Fragment dieser Chronik ist in den Recueil des Historiens des Gaules et de la France (Bd. XXIII, S. 146) enthalten. Biblioth√®que nationale de France, Paris.
  3. ‚ÜĎ Joinville, II, ¬ß10; hrsg. von Ethel Wedgwood (1906)
  4. ‚ÜĎ Joinville, III, ¬ß3, hrsg. von Ethel Wedgwood (1906)
  5. ‚ÜĎ Joinville, III, ¬ß4, hrsg. von Ethel Wedgwood (1906)
  6. ‚ÜĎ M. Boulet-Sautel: Jean de Blanot et la conception du pouvoir royal au temps de Louis IX. (1976)
  7. ‚ÜĎ Papst Honorius III. verbat 1218 der Universit√§t von Paris, das r√∂mische Recht zu lehren, Papst Gregor IX. gestattete es jedoch 1235 der Universit√§t von Orl√©ans.
  8. ‚ÜĎ Joinville, I, ¬ß11, hrsg. von Ethel Wedgwood (1906) - Die heute in Vincennes zu sehende Eiche wurde erst im 20. Jahrhundert gepflanzt, gilt aber in der allgemeinen Vorstellung immer noch als die Eiche des heiligen Ludwig.
  9. ‚ÜĎ Montesquieu: Vom Geist der Gesetze, XXVIII 38
  10. ‚ÜĎ Joinville, II, ¬ß4, hrsg. von Ethel Wedgwood (1906)
  11. ‚ÜĎ Nangis: Chronicon, S. 399‚Äď401
  12. ‚ÜĎ Parker Library (Corpus Christi College, Cambridge), MS 16, fol. 4r
  13. ‚ÜĎ Kenneth Meyer Setton: The Papacy and the Levant, 1204-1571, In: Memoirs of the American Philosophical Society (1976)
  14. ‚ÜĎ Ludwig IX. unterrichtete das Kardinalskollegium im Fr√ľhjahr 1270 √ľber die Unionspl√§ne Kaiser Michaels VIII. Palaiologos. Siehe dazu den Brief des Kollegiums datiert auf den 15. Mai 1270 an den apostolischen Legaten in Frankreich, Raoul de Grosparmy. datum Viterbii idibus Maii, A.D. MCCLXX, Apostolica Sede vacante, In: Luke Wadding, Annales Minorum, IV (ed. Quaracchi, 1931)
  15. ‚ÜĎ Louis Br√©hier: Une Ambassade byzantine au camp de Saint-Louis devant Tunis (ao√Ľt 1270), In: M√©langes offerts √† M. Nicolas Jorga (Paris, 1933)
  16. ‚ÜĎ M. Mollat: Le passage de Saint Louis √† Tunis. Sa place dans l'histoire des croisades, in Revue d'histoire √©conomique et sociale (1972)
  17. ‚ÜĎ Joinville, IV, ¬ß4, hrsg. von Ethel Wedgwood (1906)
  18. ‚ÜĎ J. LeGoff: Ludwig der Heilige, Teil I, Kapitel 4 - Guillaume de Saint-Pathus best√§tigte diese Legende in seiner Vita
  19. ‚ÜĎ Jean-Louis Flandrin: Un temps pour embrasser, 3. Teil, Kap. 6
  20. ‚ÜĎ Beaulieu: Vita et sancta conversatio piae memoriae Ludovici quondam regis Francorum, S. 10
  21. ‚ÜĎ Vermutlich war auch seine Mutter die Auftraggeberin.
  22. ‚ÜĎ Saint-Pathus: La Vie et les Miracles de Monseigneur Saint Louis
  23. ‚ÜĎ J. LeGoff: Ludwig der Heilige, Teil III, Kapitel 8, S. 719
  24. ‚ÜĎ Saint-Pathus: La Vie et les Miracles de Monseigneur Saint Louis, S. 118
  25. ‚ÜĎ Nangis: S. 320 bis 326
  26. ‚ÜĎ L. Wadding: Annales Minorum (Band II, 1931)
  27. ‚ÜĎ W√§hrend der Abwesenheit Kaiser Balduins II. in Frankreich hatten dessen Barone die Dornenkrone bereits an Venedig verkauft. Um diplomatische Schwierigkeiten mit Frankreich zu vermeiden, erkannte Venedig aber ein Vorverkaufsrecht an Ludwig IX. an. Die Krone wurde auf den Seeweg nach Venedig gebracht, wo sie einige Tage f√ľr die Bev√∂lkerung zur Besichtigung freigegeben wurde. Danach wurde sie auf dem Land unter dem Schutz eines Geleites, das Kaiser Friedrich II. gestellt hatte, nach Frankreich gebracht.
  28. ‚ÜĎ siehe dazu Robert Branner: St. Louis and the Court Style in Gothic Architecture (Zwemmer, 1986)
  29. ‚ÜĎ L. Aurigemma: Le Signe zodiacal du scorpion dans les traditions occidentales de l‚ÄôAntiquit√© gr√©co-latine √† la Renaissance (Paris, 1976)
  30. ‚ÜĎ G. Nahon: Les ordonnances de Saint Louis, S. 23
  31. ‚ÜĎ Die offizielle Anerkennung als M√§rtyrer wurde Ludwig IX. allerdings verwehrt
  32. ‚ÜĎ Le Goff: Ludwig der Heilige, Teil I, Seite 272. 1843 wurden bei Restaurierungsarbeiten in der Sainte-Chapelle neben dem Altar Fragmente eines Herzens gefunden. Die Frage, ob es sich um das Herz Ludwigs IX. handelt, wird kontrovers diskutiert.
  33. ‚ÜĎ Henri-Fran√ßois Delaborde: Le texte primitif des enseignements de Saint Louis √† son fils (Paris, 1912)
  34. ‚ÜĎ David O'Connell: The teachings of Saint Louis (Chapel Hill, 1972); franz√∂sische Herausgabe Les propos de Saint Louis (1974)

Literatur

  • Louis-S√©bastien Le Nain de Tillemont: La Vie de Saint Louis, roi de France. Hrsg. von J. de Gaulle in 6 B√§nden, Paris 1847-1851.
  • William Chester Jordan: Louis IX and the challenge of the crusade. A study in rulership. Princeton 1979.
  • Antoine F. de L√©vis-Mirepoix: Saint Louis, roi de France. Paris 1970.
  • R√©gine Pernoud: Le si√®cle de Saint Louis. Paris 1970.
  • Gerard Siv√©ry: Saint Louis et son si√®cle. Paris 1983.
  • Alain Saint-Denis: Le si√®cle de Saint Louis. Paris 1994.
  • Jacques Le Goff: Ludwig der Heilige. Klett-Cotta, Stuttgart 2000, ISBN 3-608-91834-5.
  • Dirk Reitz: Die Kreuzz√ľge Ludwigs IX. von Frankreich 1248/1270. Lit, M√ľnster 2005, ISBN 3-8258-7068-5 (zugleich Dissertation, TU Darmstadt 2004).
  • Sindy Schmiegel: Gerechtigkeitspflege und herrscherliche Sakralit√§t unter Friedrich II. und Ludwig IX. Herrschaftsauffassungen des 13. Jahrhunderts im Vergleich. Dissertation, Universit√§t Passau 2007 (Volltext)
  • Anja Rathmann-Lutz: ‚ÄěImages‚Äú Ludwigs des Heiligen im Kontext dynastischer Konflikte des 14. und 15. Jahrhunderts. Berlin 2010, ISBN 978-3-05-004660-0.

Weblinks

 Commons: Ludwig IX. (Frankreich) ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorgänger Amt Nachfolger
Ludwig VIII. der L√∂we K√∂nig von Frankreich
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1226‚Äď1270
Philipp III. der K√ľhne

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  • Ludwig XIII. (Frankreich) ‚ÄĒ Ludwig XIII., gemalt von Philippe de Champaigne Ludwig XIII. (* 27. September 1601 in Fontainebleau; ‚Ć 14. Mai 1643 in Saint Germain en Laye) war von 1610 bis 1643 K√∂nig von Frankreich und Navarra ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Ludwig II. (Frankreich) ‚ÄĒ Ludwig II. (Bildmitte) auf einer Miniatur in den Grandes Chroniques de France Ludwig II., genannt der Stammler (franz√∂sisch Louis le B√®gue; * 1. November 846; ‚Ć 10. April 879 in Co ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Ludwig Philipp (Frankreich) ‚ÄĒ K√∂nig Ludwig Philipp I. Ludwig Philipp I. (Louis Philippe I; * 6. Oktober 1773 in Paris; ‚Ć 26. August 1850 in Claremont House s√ľdlich von Esher, Grafschaft Surrey), auch Roi Citoyen (‚ÄěB√ľrgerk√∂nig‚Äú) genannt, war 1830 bis 1848 (die so genannte… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Ludwig VII. (Frankreich) ‚ÄĒ K√∂nig Ludwig VII. von Frankreich Ludwig VII., genannt der J√ľngere (franz.: Louis VII le Jeune; * 1120; ‚Ć 18. September 1180 in Paris) aus der Dynastie der Kapetinger, war von 1131 ‚Äď ab 1137 Alleinherrscher ‚Äď bis 1180 ein K√∂nig von Frankreich.… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Ludwig XVIII. (Frankreich) ‚ÄĒ K√∂nig Ludwig XVIII. Ludwig XVIII. (Louis XVIII Stanislas Xavier) (* 17. November 1755 in Versailles; ‚Ć 16. September 1824 in Paris) war von 1814 bis 1824 K√∂nig von Frankreich. Er war Graf von Provence (1755), Herzog von Anjou ‚Ķ   Deutsch Wikipedia


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