Luftschlacht um England

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Luftschlacht um England
Luftschlacht um England
Teil von: Zweiter Weltkrieg
Datum je nach Quelle: Mitte 1940‚ÄďAnfang 1941
Ort Vereinigtes Königreich
Ausgang Abbruch von Deutscher Seite
Folgen Deutsche Invasion verhindert,
Briten behalten Luftherrschaft
Konfliktparteien
Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Deutsches Reich
Italien 1861Italien Italien
Vereinigtes KonigreichVereinigtes K√∂nigreich Vereinigtes K√∂nigreich und Commonwealth
Befehlshaber
Hermann Göring
Albert Kesselring
Hugo Sperrle
Hans-J√ľrgen Stumpff
Rino Corso-Fougier
Hugh Dowding
Keith Park
Trafford Leigh-Mallory
Quintin Brand
Richard Saul
Truppenstärke
(zu Beginn)
1.576 Bomber,
809 einmotorige Jäger,
300 zweimotorige Jäger
(zu Beginn)
500 Bomber,
700 einmotorige Jäger,
96 zweimotorige Jäger
Verluste
1.014 Bomber,
873 Jäger
376 Bomber,
1.023 Jäger,
148 Seeflugzeuge

Die Luftschlacht um England (Gro√übritannien) war der Versuch der deutschen Luftwaffe, im Zweiten Weltkrieg zwischen Sommer 1940 und Anfang 1941 mit Bombeneins√§tzen gegen das britische Milit√§r und Angriffen gegen britische St√§dte die Kapitulation Gro√übritanniens zu erzwingen oder wenigstens die Invasion der Insel vorzubereiten. International bekannt als Battle of Britain, war es eine Serie von Luftgefechten im britischen Luftraum, die von der deutschen Luftwaffe gegen die Royal Air Force (RAF) gef√ľhrt wurde. Britische Historiker legen den Zeitraum der Schlacht vom 10. Juli bis zum 31. Oktober 1940 fest, da ab diesem Tag die Tagangriffe in gr√∂√üerem Ausma√ü ausblieben. Manche Quellen und Statistiken beziehen sich auf einen Zeitraum bis zum Mai 1941, als die Kampfgruppen der Bombergeschwader der Luftwaffe f√ľr das Unternehmen Barbarossa abgezogen wurden.

Ziel des Oberkommandos der Wehrmacht in der Luftschlacht um England war die Erringung der Luftherrschaft √ľber den britischen Luftraum durch die Vernichtung der Kampfkraft der Royal Air Force. Dies galt als Grundvoraussetzung f√ľr eine erfolgreiche Invasion, deren Planung bereits im Dezember 1939 zwischen Hitler und Gro√üadmiral Raeder besprochen wurde (Operation Seel√∂we). Hitler hoffte jedoch sp√§ter, Gro√übritannien durch verst√§rktes Bombardement zu Friedensverhandlungen zwingen zu k√∂nnen; Ende September 1940 wurden die Invasionspl√§ne intern auf unbestimmte Zeit verschoben, also aufgegeben.

Der Begriff Luftschlacht um England (eigentlich Battle of Britain) wurde vom britischen Premierminister Winston Churchill geprägt, der am 18. Juli 1940 in einer Rede vor dem Unterhaus erklärte:

‚ÄěDie Schlacht, die General Weygand die Schlacht um Frankreich nannte, ist vorbei. Ich erwarte, da√ü jetzt die Schlacht um (Gro√ü-)britannien beginnen wird.‚Äú[1]

Inhaltsverzeichnis

Hintergrund

In den 1930er Jahren wurde die Rolle der Luftstreitkräfte in einem Krieg von Politikern ebenso wie von Militärs als entscheidend angesehen.

Diese Meinung st√ľtzte sich auf die Erfolge der im Ersten Weltkrieg von deutschen Luftschiffen und Bombern auf Gro√übritannien durchgef√ľhrte Bombenangriffe, die trotz der geringen Zahl eingesetzter Luftfahrzeuge und der kleinen abgeworfenen Bombenlasten die britische R√ľstungsproduktion sp√ľrbar gesch√§digt hatten. Der Schaden an zerst√∂rtem Ger√§t und der Ausfall der getroffenen Betriebe wurde dabei weit √ľbertroffen durch den Produktionsausfall, der dadurch verursacht wurde, dass Fabrikarbeiter aus Furcht vor weiteren Bombenangriffen nicht am Arbeitsplatz erschienen. Diese Beobachtung machte in der Planung des Luftkrieges die Moral der Bev√∂lkerung zu einem wichtigen Faktor.

Die Entwicklung der Luftfahrttechnik f√ľhrte au√üerdem dazu, dass in den 1920er und 1930er Jahren gr√∂√üere und schnellere Bomber mit schwererer Bombenlast gebaut wurden, als sie im Ersten Weltkrieg existierten. Milit√§rs und Politiker erwarteten daher, dass die Wirkung zuk√ľnftiger Bombenangriffe die im Ersten Weltkrieg beobachteten Effekte weit √ľbertreffen w√ľrde.

Durch den geringen Leistungsvorsprung der in der Zwischenkriegszeit gebauten Jagdflugzeuge gegen√ľber den Bombern und das Fehlen eines funktionsf√§higen Luftraum√ľberwachungssystems ging man davon aus, dass es den feindlichen Jagdflugzeugen selten gelingen w√ľrde, die Bomber √ľberhaupt abzufangen. Sollten die Jagdflugzeuge doch einmal in Schussposition gelangen, wurde erwartet, dass die Bomber aufgrund ihrer verbesserten Abwehrbewaffnung bei gegenseitiger Feuerunterst√ľtzung im engen Formationsflug alle Angriffe von Jagdflugzeugen abwehren k√∂nnten.

Der einflussreiche britische Politiker Stanley Baldwin √§u√üerte 1932: ‚ÄěDer Bomber wird immer [zum Ziel] durchkommen‚Äú und dr√ľckte die damals verbreitete Ansicht aus, ein zuk√ľnftiger Krieg w√ľrde durch Luftangriffe auf die Zivilbev√∂lkerung entschieden werden. Gem√§√ü der 1928 formulierten Trenchard-Doktrin ging man davon aus, dass Bombenangriffe auf ‚Äěalle Objekte, die wirksam zur Zerst√∂rung der gegnerischen Mittel des Angriffs beitragen und seine Entschlossenheit zum Kampf verringern‚Äú strategisch g√ľnstiger seien, als gegen feindliche Streitkr√§fte in direkter Feldschlacht vorzugehen, und begann bereits mit der Entwicklung der Stabbrandbombe, der Hauptwaffe des sp√§teren Bombenkrieges.

Als 1934 ein Krieg gegen Deutschland absehbar war, formulierte die britische Regierung einen auf f√ľnf Jahre angelegten Plan zur Erweiterung der britischen Luftstreitkr√§fte, der sowohl die Aufstellung einer starken Streitmacht von Bombern zum Angriff auf Deutschland, als auch die Schaffung eines Luftverteidigungssystems zur Abwehr deutscher Bombenangriffe vorsah. Dieser Plan wurde in wesentlichen Teilen entsprechend dem urspr√ľnglichen Entwurf umgesetzt. Der Aufbau eines Netzes von Fliegerhorsten in S√ľdengland und die Ausbildung eines Kaders von Piloten und Besatzungen hatten dabei Priorit√§t. Die Ausr√ľstung der Royal Air Force mit modernen Kampfflugzeugen konnte dagegen erst gegen Ende des Planungszeitraums stattfinden.

Das Fehlen einer einsatzbereiten Luftwaffe beeinflusste die britische Politik und wird h√§ufig als einer der Gr√ľnde f√ľr Chamberlains Appeasement-Politik angesehen. Umgekehrt war sich das Deutsche Reich der von seiner neugeschaffenen Luftwaffe ausgehenden Drohwirkung voll bewusst und nutzte sie zur Unterst√ľtzung seiner expansiven Politik.

Erst der Zweite Weltkrieg zeigte, dass die Erwartungen an die Kampfkraft von Bombern weit √ľbertrieben gewesen waren. Bereits 1939 wurde durch britische Angriffe auf deutsche Kriegsschiffe und Marinest√ľtzpunkte an der Nordsee deutlich, dass durch Suchradar gef√ľhrte Jagdflugzeuge die Bomber zum Kampf stellen und den Bomberformationen trotz ihrer Abwehrbewaffnung vernichtende Verluste zuf√ľgen konnten. Diese Erfahrung lie√ü das britische Luftverteidigungssystem als wesentlich wichtiger erscheinen, als man vor dem Krieg erwartet hatte. Gleichzeitig hatten sich die Bomber als weniger wirkungsvoll erwiesen als gedacht.

Trotzdem hielten die Briten an der Erwartung fest, dass Bombenangriffe gegen die Zivilbev√∂lkerung kriegsentscheidend sein w√ľrden. Auch die deutschen Luftangriffe w√§hrend der darauffolgenden Luftschlacht um England richteten sich in der Endphase, von der die Entscheidung erwartet wurde, gegen den Gro√üraum London und damit gegen die Zivilbev√∂lkerung Gro√übritanniens.

Siehe auch: Luftkrieg

Ausgangssituation

Die Situation in Europa 1940

Seitdem 1934 der Erweiterungsplan f√ľr die Royal Air Force (RAF) unter dem Namen Plan A verabschiedet worden war, arbeiteten die Briten systematisch am Aufbau einer modernen Luftwaffe. Die wichtigsten Schritte waren dabei der Ausbau eines Netzwerks von Fliegerhorsten, der Aufbau einer Basis von geschultem Bodenpersonal und eines Kaders von Piloten, und sp√§ter ‚Äď etwa in den zwei Jahren zwischen dem M√ľnchner Abkommen und der Luftschlacht um England ‚Äď die Ausr√ľstung der RAF mit modernen Bombern und Jagdflugzeugen.

Am 1. September 1939 hatte das Deutsche Reich Polen angegriffen. Frankreich und Großbritannien erklärten Deutschland daraufhin den Krieg, der Zweite Weltkrieg in Europa hatte begonnen.

In mehreren Blitzkriegen konnte Deutschland 1940 den Alliierten massive Verluste zuf√ľgen und w√§hrend des Westfeldzugs die Beneluxl√§nder und weite Teile Frankreichs besetzen. Die britischen Truppen auf dem Festland wurden bei D√ľnkirchen in Frankreich eingekesselt und konnten in der Operation Dynamo gerade noch vor der Vernichtung gerettet werden. Die Rettung der Expeditionsarmee (ca. 240.000 Soldaten) und von 100.000 weiteren Soldaten verb√ľndeter Staaten f√∂rderte sehr die britische Moral. Da die Soldaten bei der Evakuierung alle schweren Waffen zur√ľcklassen mussten, war die erfolgreiche Verteidigung der britischen Inseln gegen eine deutsche Invasion noch nicht sicher. Der √ľberragende Abwehrerfolg weniger Tage bildete aber die entscheidende Grundlage f√ľr Churchills kategorisches Nein, mit dem Deutschen Reich Friedensverhandlungen aufzunehmen und war der fr√ľhzeitige Anfang vom Ende von Hitlers globaler Kriegsstrategie. Hitler entschloss sich f√ľr den Angriff auf die Sowjetunion, den ideologischen Hauptgegner, ohne vorher den Gegner im Westen besiegt zu haben oder mit ihm zu einem modus vivendi gekommen zu sein.[2]

Am 22. Juni wurde zwischen der französischen Armee und der deutschen Wehrmacht ein Waffenstillstand unterzeichnet, sehr zur Enttäuschung Großbritanniens und der USA.

Begr√ľndet durch den schnellen Sieg √ľber alle Kriegsgegner au√üer Gro√übritannien wurden Signale erwartet, die den Wunsch auf Beendigung der Kampfhandlungen seitens der Briten ausdr√ľckten. Tats√§chlich gab es politische und popul√§re Str√∂mungen, die dazu bereit waren.

Doch Arthur Neville Chamberlain, der bis dahin die Appeasement-Politik vertreten hatte, war am 10. Mai 1940 als Premierminister zur√ľckgetreten; und der energische Winston Churchill trat an seine Stelle. Er stellte am 13. Mai klar, dass der ‚ÄěKrieg gegen eine monstr√∂se Tyrannei, wie sie nie √ľbertroffen worden ist, im finsteren Katalog der Verbrechen der Menschheit‚Äú nur mit einem ‚ÄěSieg um jeden Preis‚Äú beendet werden d√ľrfe. Die Angriffe der britischen RAF auf deutsche St√§dte begannen mit dem Angriff auf M√∂nchengladbach am 11. Mai 1940 mit 35 Bombern.

Bombe mit der Aufschrift ‚ÄěExtra-Havanna f√ľr Churchill‚Äú, August 1940

Am 16. Juli 1940 gab Hitler den Befehl zur Vorbereitung des Unternehmens Seel√∂we. Um diesen Plan durchf√ľhren zu k√∂nnen, war sich der deutsche Generalstab sicher, m√ľsse man erst die Luftherrschaft √ľber England gewinnen.

Hitlers Appell an die Vernunft Englands, es k√∂nne weiteres Blutvergie√üen vermieden werden, ausgesprochen in einer Rede vor dem Reichstag am 19. Juli, f√ľhrte zu keiner Reaktion.

Aus heutiger Sicht wird der Plan zur Landung in Gro√übritannien als unrealistisch angesehen. Weder die Ausr√ľstung der Marine noch des Heeres war f√ľr dieses Vorhaben geeignet. Es fehlten Transportm√∂glichkeiten f√ľr eine Invasionsarmee. An einen Eroberungskrieg gegen Gro√übritannien hatte man in der Aufr√ľstungsphase bis 1939 nicht gedacht.

Deutscher Operationsplan

Oberbefehlshaber der Luftwaffe war Generalfeldmarschall Hermann G√∂ring. Er zeichnete sich stets durch seinen vorauseilenden Gehorsam gegen√ľber Hitler aus, der ihm am 19. Juli den eigens f√ľr ihn geschaffenen Rang Reichsmarschall des Gro√üdeutschen Reiches verlieh. Hitler sah sich nach dem siegreichen Krieg gegen Frankreich, von dem ihm der Stab des Oberkommandos der Wehrmacht eindringlich abgeraten hatte, als hervorragenden Feldherrn. Der einzig verbliebene Gegner im Westen war Gro√übritannien, und obwohl er noch Anfang 1939 versichert hatte, nie gegen England Krieg zu f√ľhren, schien ihm dies jetzt m√∂glich.

G√∂ring konnte bei der Schlacht um D√ľnkirchen seine Ank√ľndigung, das britische Expeditionskorps zu vernichten, nicht erf√ľllen. Dies erm√∂glichte den Alliierten in der Operation Dynamo die Verb√§nde in gro√üen Teilen zu retten. Gleichwohl sah G√∂ring die M√∂glichkeit, die Kampfkraft der Luftwaffe, insbesondere die Wirkung strategischer Bombardements auf der britischen Insel, beweisen zu k√∂nnen.

Die Deutsche Wehrmacht teilte ihre Luftstreitkr√§fte in insgesamt f√ľnf Luftflotten auf. Drei davon wurden f√ľr den Angriff aufgeboten: Luftflotte 2 unter Generalfeldmarschall Albert Kesselring mit dem Ziel, den S√ľdosten und London anzugreifen; Luftflotte 3 unter Generalfeldmarschall Hugo Sperrle mit dem Ziel den Westen, die Midlands und den Nordwesten anzugreifen; Luftflotte 5 unter Generaloberst Hans-J√ľrgen Stumpff war in Norwegen und D√§nemark stationiert und sollte den Norden Englands und Schottland angreifen. Gegen Ende der Luftschlacht griff auch eine Einheit der italienischen Luftwaffe, das Corpo Aereo Italiano, unter dem Kommando von Rino Corso Fougier in die K√§mpfe ein.

Einem Befehl G√∂rings zufolge sollten die britische Luftraum√ľberwachung und die k√ľstennahen St√ľtzpunkte der RAF in vier Tagen ausgeschaltet werden. In einem weiteren Schritt sollten innerhalb von vier Wochen vor allem Produktionsanlagen f√ľr J√§ger und andere Flugzeuge angegriffen werden.

Doch die britische Verteidigung war stärker als erwartet, und die Befehlshaber der Luftflotten wollten die Strategie unterschiedlich umsetzen, wurden aber auf ein einheitliches Vorgehen festgelegt. Während Kesselring vor allem direkt London bombardieren lassen wollte, beabsichtigte Sperrle, zunächst die britischen Fliegerhorste angreifen zu lassen. Sperrles Plan wurde umgesetzt.

Die Deutschen hatten kaum geheimdienstliche Informationen √ľber die britische Luftverteidigung und sch√§tzten die St√§rke der Royal Air Force konstant als zu gering ein.

Britischer Operationsplan

Britische Radar√ľberwachung; Gro√übritannien gewann die Luftschlacht um England unter anderem deshalb, weil es die gesamte K√ľste mit Radar √ľberwachen konnte.

Bis Oktober 1940 war der verantwortliche Oberbefehlshaber des Fighter Command Air Marshall Hugh Dowding. Auf ihn geht das Dowding-System ‚Äď also das britische Luftverteidigungskonzept ‚Äď zur√ľck.

Räumlich wurde die Luftverteidigung des britischen Luftraumes vier Gruppen zugeteilt:

  • S√ľdwestengland und Wales: 10 Fighter Group, unter dem Kommando von Sir Christopher Quentin Brand;
  • S√ľdostengland mit dem Gro√üraum London: 11 Fighter Group, unter dem Kommando von Air Vice-Marshall Keith Park;
  • Mittelengland: 12 Fighter Group, unter dem Kommando von Air Vice-Marshall Trafford Leigh-Mallory;
  • Norden: 13 Fighter Group unter dem Kommando von Air Vice-Marshall Richard Saul.

Eine weitere Aufteilung erfolgte in Sektoren, die √ľber jeweils zwei bis vier Squadrons verf√ľgten. Die Befehlszentralen wurden Sector Stations genannt.

Aufbauend auf dem im Ersten Weltkrieg zur Abwehr der strategischen deutschen Luftangriffe entwickelten Luftverteidigungssystem, hatten die Briten ein modernes System zur Identifizierung und Abwehr von Luftangriffen entwickelt, das auf einem von Radarbesatzungen und Luftraumbeobachtern mit Meldungen √ľber eigene und feindliche Flugbewegungen versorgten Informations- und Befehlsnetz beruhte.

An der britischen K√ľste befanden sich zahlreiche Radarstationen (Chain Home), deren Reichweite sich von der britischen K√ľste bis zu den Luftwaffenst√ľtzpunkten in Frankreich erstreckte. √úber dem Binnenland wurden Flugzeuge vom sogenannten Beobachter-Korps optisch verfolgt und telefonisch gemeldet.

Die so gewonnenen Informationen wurden zunächst im Hauptquartier des Fighter Command der RAF, dem Bentley Priory, einem Herrschaftshaus nahe Stanmore, gesammelt und beurteilt. Die Feindbewegungen wurden auf großen Kartentischen dargestellt und die Informationen wurden an die Operation Rooms der Sector Stations weitergeleitet. Von dort aus erfolgte die Alarmierung und Leitung der Abfangjäger.

Diese wurden dann mittels Sprechfunk-Anweisungen an den Feind herangef√ľhrt. Limitierend dabei war die Hochfrequenz-Technologie, welche die Kommunikation nur √ľber eine geringe Reichweite erm√∂glichte und deshalb ab September 1940 durch Kurzwellen ersetzt wurde.

Obwohl Deutschland bei der Erforschung und Entwicklung des Radars (unter dem Namen Funkmessung) einen technologischen Vorsprung hatte, war die einsatznahe Anwendung der vorhandenen Ausr√ľstung von der Ortung der feindlichen Flugzeuge bis hin zur Leitung der Abfangj√§ger h√∂chst effektiv.

Die Entzifferung des deutschen Enigma-Codes in Bletchley Park, als Unternehmen bekannt unter dem Kodenamen Ultra, lieferte auch wichtige Informationen √ľber die Angriffe der Deutschen.

Um dem Pilotenmangel zu begegnen, wurden Piloten aus dem Commonwealth, Frankreich, den USA, Polen und der Tschechoslowakei unter dem Befehl der Royal Air Force eingesetzt.

Kräfteverhältnis zu Beginn der Luftschlacht

Bei einer als Abnutzungsschlacht gef√ľhrten Auseinandersetzung kommt dem Zahlenverh√§ltnis eine gewisse Bedeutung zu, wenn auch nicht die alleinige. Die Anzahl der f√ľr die Schlacht zur Verf√ľgung stehenden Flugzeuge (wie in der Tabelle unten dargestellt) unterscheidet sich von den tats√§chlich einsatzbereiten Maschinen um ungef√§hr 10 bis 25 %. Der Bestand an einsatzklar gemeldeten Maschinen variierte t√§glich.

Die Produktion an einsitzigen Jagdflugzeugen betrug dank Lord Beaverbrook (Minister f√ľr Flugzeugproduktion) in den Monaten Juli bis September bei der RAF durchschnittlich 440 St√ľck. Beaverbrook hatte die Produktion von Jagdflugzeugen auf Kosten jeder anderen Flugzeugart gesteigert und wurde von der F√ľhrung der RAF teils heftig daf√ľr kritisiert, unter anderem weil die Herstellung von Schulflugzeugen f√ľr die Pilotenausbildung, die f√ľr die RAF von kritischer Bedeutung war, durch Beaverbrooks Ma√ünahmen beeintr√§chtigt wurde.

Bei der Luftwaffe war der monatliche Aussto√ü mit n√§herungsweise 230 Jagdflugzeugen durchschnittlich nur halb so gro√ü,[4] verantwortlich daf√ľr war Generalluftzeugmeister Ernst Udet. W√§hrend in Deutschland monatlich etwa 800 ausgebildete Piloten die Fliegerschulen verlie√üen, kam die RAF nur auf knapp √ľber 200.

Britischer Luftraumbeobachter auf einem Hausdach in London

Die Tabelle spart die 84 Messerschmitt Bf 109 E der Luftflotte 5 (Norwegen) aus, da sie aufgrund ihrer Reichweite keine M√∂glichkeit hatten, die britische K√ľste zu erreichen.

Es standen au√üerdem eine betr√§chtliche Anzahl von Aufkl√§rern und Verbindungsflugzeugen auf beiden Seiten zur Verf√ľgung. Die Luftwaffe verf√ľgte dar√ľber hinaus √ľber eine nennenswerte Zahl von Seenotrettungsflugzeugen, die in der Luftschlacht um England sp√§ter eine wichtige Rolle spielten. Insgesamt nannte die RAF um diese Zeit in etwa 3000 Flugzeuge ihr eigen, die Luftwaffe dagegen um 4500, auf f√ľnf Luftflotten verteilt.

Luftwaffe: Luftflotten 2, 3 und 5 (20. Juli 1940) Royal Air Force (Juni 1940)
Bomber 1576, davon 316 einmotorige Ju 87 ca. 500
einmotorige Jäger 809 Bf 109 E ca. 700, davon ca. 250 Spitfires
zweimotorige Jäger 300 Bf 110 ca. 96 Bristol Blenheim IF

Verlauf der Luftschlacht

Kanalkampf: 10. Juli‚Äď11. August 1940

Obwohl bereits auch bei Tage Ziele an der englischen K√ľste angegriffen wurden, konzentrierten sich in dieser Phase die Angriffe der Luftwaffe auf Konvois im √Ąrmelkanal, in der Themsem√ľndung sowie auf Marineeinrichtungen entlang der K√ľste. Bei Nacht wurden Ziele im Landesinneren bombardiert. Sowohl die Luftwaffe als auch die RAF nahmen diese Gelegenheit wahr, ihre Taktik und Kampfkraft zu vergleichen.

Die Verluste bei den Konvois waren so hoch, dass Konvois im √Ąrmelkanal strengstens untersagt wurden.

Angriffe auf k√ľstennahe Ziele: 12. August‚Äď23. August 1940

Am 12. August kam es schlie√ülich zu einem Gro√üangriff durch die Erprobungsgruppe 210 auf vier Radarstationen bei Portland und Dover, bei dem √ľber 200 Bomber beteiligt waren. Auch einige k√ľstennahe St√ľtzpunkte der britischen Abfangj√§ger wurden von Bombern und Jagdflugzeugen angegriffen. Die Radarstationen waren jedoch sechs Stunden nach dem Angriff wieder einsatzbereit.

Formation He 111 √ľber dem √Ąrmelkanal, 1940

Mit dem 13. August, dem ‚ÄěAdlertag‚Äú, begann eine Serie von Gro√üangriffen auf die Einrichtungen der RAF, im Speziellen die St√ľtzpunkte der 11 Fighter Group unter der F√ľhrung von Luftmarschall Keith Park. Auch k√ľstennahe Radarstationen und Einrichtungen der Marine waren immer wieder das Ziel der Angriffe.

Am 15. August griff die Luftflotte 5 im Norden Englands an, da man vermutete, dass die Luftverteidigung auf den S√ľden konzentriert sei. Dies erwies sich jedoch als ein fataler Fehler, und zahlreiche Bomber wurden abgeschossen. Daher wird der Tag auf britischer Seite auch als The Greatest Day (deutsch: Der gro√üartigste Tag) bezeichnet. Ein Grund f√ľr die hohen Verluste war auch der Mangel an Begleitj√§gern mit hoher Reichweite. Die zweimotorige Messerschmitt Bf 110 (Me 110) besa√ü zwar die entsprechende Reichweite, war jedoch den einmotorigen J√§gern unterlegen und hatte selbst hohe Verluste zu verzeichnen. Die Luftflotte 5 konnte sich w√§hrend der gesamten Luftschlacht nicht mehr von den hohen Verlusten erholen.

Der 18. August wird als The Hardest Day (deutsch: Der h√§rteste Tag) bezeichnet, da beide Seiten die h√∂chsten Verluste der gesamten Schlacht hatten. Am Vortag stellte Oberst Schmidt, der f√ľr Geheimdienstaufgaben zust√§ndiger Offizier des Luftwaffenoberkommandos, folgende Einsatzst√§rke der britischen Luftverteidigung fest: 430 Hurricanes, Spitfires und Defiants. Davon seien 70 % einsatzbereit, also etwa 300. Tats√§chlich verteilten sich die Kr√§fte am 18. August wie folgt:

Bordkamera einer Spitfire zeigt Leuchtspurmunition, die eine He 111 trifft, √ľber England am 25. Sep. 1940
Einsatzbereite Kräfte am Morgen des 18. August: Luftwaffe
Luftflotten 2, 3 u. 5
RAF
(Fighter Command)
Bomber 1134, davon 276 einmotorige Ju 87  
einmotorige Jäger 780 Bf 109 E 826, davon 262 Spitfires
zweimotorige Jäger 214 Bf 110 51 Bristol Blenheim IF
Verluste bis Abend des 18. August:
Flugzeuge zerstört oder schwer beschädigt 100 136, davon 60 am Boden zerstört
Piloten gefallen oder in Gefangenschaft 62, davon 17 in Gefangenschaft 30

Unter den 60 am Boden zerst√∂rten Maschinen der RAF befanden sich Schulungs- und Verbindungsflugzeuge, Aufkl√§rer und Seerettungsflugzeuge, aber keine einzige Hurricane oder Spitfire. Diese wurden alle rechtzeitig zum Kampf in die Luft gebracht. Die Verteilung der Verluste dieses einzigen Tages ist symptomatisch f√ľr die gesamte Schlacht: Der Schwund unter den Piloten der Luftwaffe durch Verwundung, Gefangenschaft und Tod war stets deutlich h√∂her als bei der RAF. Die britischen Piloten k√§mpften in der Regel √ľber dem Heimatland und waren so nach einer Notlandung wieder einsatzbereit, w√§hrend deutsche Piloten unter √§hnlichen Umst√§nden in Gefangenschaft gingen.

Nach diesem Tag zog G√∂ring das Sturzkampfflugzeug Ju 87 Stuka weitestgehend von der Luftschlacht ab. Dieses Flugzeug stand als Symbol f√ľr den Blitzkrieg, erwies sich jedoch in der Luftschlacht um England als zu stark gef√§hrdet und die Verluste waren extrem hoch. Dadurch verlor die Luftwaffe aber ihr Potenzial an Pr√§zisionsangriffen. G√∂ring veranlasste ebenfalls, dass die Bf 110 nur dann eingesetzt werden sollte, wenn es absolut notwendig sei.

G√∂ring stoppte auch die Angriffe auf Radarstationen, da er die Angriffe als wirkungslos ansah. Dies erwies sich als strategischer Fehler, da in der Folge die britischen Verteidiger immer wussten, wann und wo sie auf die Deutschen treffen w√ľrden, eine Erleichterung f√ľr die Struktur der britischen Luftverteidigung.

Angriffe auf Flugpl√§tze und Flugzeugwerke in S√ľdengland: 24. August‚Äď6. September 1940

Je mehr die Ziele ins Landesinnere r√ľckten, desto schwieriger wurde die Situation f√ľr die Angreifer. Ein gro√ües Handicap der deutschen Messerschmitt Bf 109 war ihre f√ľr den Einsatz als Begleitschutzj√§ger unzureichende Eindringtiefe. Ab Erreichen der englischen K√ľste hatten die Piloten der Bf 109 noch einen Treibstoffvorrat f√ľr etwa 30 Minuten Kampfzeit. Mussten sie Bomber 15 Minuten (etwa 100 Kilometer) weit ins Landesinnere begleiten, blieb praktisch kein Treibstoff f√ľr einen Kampf gegen die britischen Jagdflugzeuge.

Do 17 und Spitfire im Luftkampf √ľber England, 1940

Die eigentlich als Langstrecken-Begleitschutz vorgesehene zweimotorige Messerschmitt Bf 110 verf√ľgte zwar √ľber die n√∂tige Eindringtiefe, erwies sich aber f√ľr diese Aufgabe als v√∂llig ungeeignet und erlitt schwere Verluste. Dennoch kamen die St√ľtzpunkte der 11 Fighter Group, zust√§ndig f√ľr die Verteidigung S√ľdenglands und London, in schwere Bedr√§ngnis.

Jedoch waren die von der Luftwaffe angenommenen Verluste auf britischer Seite fehlerhaft und von der Propaganda ver√§ndert. Viele der als Totalverlust gez√§hlten Flugzeuge der RAF waren tats√§chlich nur besch√§digt und die wichtigen Piloten konnten, sofern diese unverletzt blieben, noch am selben Tag mit neuen Flugzeugen wieder eingesetzt werden. Die deutsche Aufkl√§rung versagte und die Auffassung seitens der deutschen F√ľhrung entstand, dass die RAF de facto nicht mehr einsatzf√§hig sei. G√∂ring lie√ü verlauten, dass die RAF h√∂chstens noch √ľber 50 Spitfires verf√ľgt, tats√§chlich war der Bestand an t√§glich einsatzbereiten Jagdmaschinen zu keiner Zeit geringer als 650, Hurricanes und Spitfires zusammengenommen.

Angriffe auf London und andere Städte: ab 7. September 1940

‚Üí Hauptartikel: The Blitz

Als Reaktion auf einen Nachtangriff der RAF am 25. August auf Berlin befahl Hitler am 4. September, von nun an London anzugreifen. Als die Bombardierung der s√ľdenglischen J√§gerst√ľtzpunkte eingestellt wurde, konnte sich die britische Luftverteidigung erholen und in weiterer Folge voll gegen die unzureichend ausger√ľsteten Verb√§nde deutscher Bomber und Jagdbomber entfalten.

Zur Verteidigung Londons wurde au√üerdem nun auch die 12 Fighter Group unter F√ľhrung von Air Vice Marshall Leigh-Mallory hinzugezogen. Damit wurden erstmals zahlenm√§√üig starke Verb√§nde britischer J√§ger zum Einsatz gebracht.

W√§hrend der Angriffe diente die Londoner U-Bahn als Luftschutzbunker. In einem Stollen wurde eine Munitionsfabrik betrieben und eine Bahnstation wurde zum Teil f√ľr Kabinettssitzungen benutzt.

Am Morgen des 17. Septembers verschob Hitler die Operation Seel√∂we auf ‚Äěunbestimmte Zeit‚Äú, am 12. Oktober verlautbarte Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel:

‚ÄěDer F√ľhrer hat beschlossen, da√ü ab heute bis zum Fr√ľhjahr die Vorbereitungen f√ľr Seel√∂we (Landung in England) lediglich zu dem Zweck fortgef√ľhrt werden sollen, um Gro√übritannien politisch und milit√§risch weiterhin unter Druck zu setzen. Sollte die Landeoperation im Fr√ľhjahr oder im Fr√ľhsommer 1941 wieder in Erw√§gung gezogen werden, ergehen weitere Befehle [‚Ķ]‚Äú[5]

Ab dem 29. Oktober 1940 wurden die Gro√üangriffe auf London bei Tage eingestellt. Vereinzelte Angriffe mit Bombern und Jagdbombern wurden jedoch weiterhin geflogen. Die Nachtangriffe wurden bis Mai 1941 weitergef√ľhrt.

Um auch effektive Nachtangriffe fliegen zu k√∂nnen, wurde das Knickebein-Funknavigationssystem entwickelt, bei dem einmal aus Norddeutschland und einmal aus Nordfrankreich Radiostrahlen gesendet wurden, die sich √ľber dem Abwurfgebiet kreuzten. Die Briten nahmen die Geheimdienstberichte √ľber dieses System zun√§chst nicht ernst. Als MI6-Agent Reginald Victor Jones die Existenz der Strahlen nachweisen konnte, wurden jedoch erfolgreiche Gegenma√ünahmen eingeleitet. Dazu wurden St√∂rsignale und Strahlen gesendet, die das System unbrauchbar machten.

Notgelandete Bf 109 am √Ąrmelkanal in Frankreich, 1940

Die Angriffe auf die Stadt Coventry am 14. November 1940 und am 8. April 1941 waren die schwersten Bombenangriffe des Krieges bis dahin. Diese Angriffe pr√§gte in der deutschen Propaganda den Begriff Coventrieren, der das Vernichten einer Stadt bedeutet, um die Moral des Feindes zu brechen. Diese Formulierung war indes eine propagandistische √úbertreibung, da sich die Angriffe in erster Linie gegen milit√§rische Produktionsst√§tten richteten. Die Opfer unter der Zivilbev√∂lkerung betrugen 1236 Tote. Au√üerdem wurden viele tausend Wohnungen und zirka 75 % der Fabriken zerst√∂rt, was jedoch nicht zu nennenswerten Produktionsr√ľckg√§ngen f√ľhrte. Die Fl√§chenbombardements der Royal Air Force ab 1942, etwa gegen das Altstadtzentrum von L√ľbeck, galten anfangs als Rache f√ľr Coventry.

Ausl√§ndische Unterst√ľtzung

Großbritannien

In der Royal Air Force flogen auch freiwillige Piloten fremder Nationen. Neben den freiwilligen Piloten stellten auch die Regierungen, die vor den deutschen Truppen nach Gro√übritannien geflohen waren, eigene Flugeinheiten auf, die unter dem Kommando der RAF an den K√§mpfen teilnahmen. Besonders die tschechoslowakischen und polnischen Piloten erwiesen sich als effektiv. So hatten die polnischen Piloten (5 %) etwa 12 % der Absch√ľsse zu verzeichnen. Polnischen Angaben zufolge soll der Anteil der Polen in der RAF ein F√ľnftel, der auf sie zur√ľckgehenden Absch√ľsse sogar ein Drittel betragen haben.

Deutsches Reich

Die deutsche Luftwaffe wurde gegen Ende der Luftschlacht von einem italienischen Geschwader, dem Corpo Aereo Italiano, unterst√ľtzt. Angeblich einer Bitte Benito Mussolinis folgend, wurden 80 Fiat BR.20 Bomber, unterst√ľtzt durch eine unbestimmte Zahl von Fiat G.50 und Fiat CR.42 Jagdflugzeugen, in Belgien stationiert.

Bei geringem eigenen Erfolg wurden dem Verband am 11. November durch Hurricanes der RAF schwere Verluste zugef√ľgt.

Ergebnis

Opfer unter der englischen Zivilbevölkerung bis April 1941: 27.450 Tote, 32.138 Verletzte.

Verluste der RAF zwischen 10. Juli und 31. Oktober 1940: 544 Piloten gefallen, 1547 Flugzeuge zerstört, davon 915 im Luftkampf abgeschossen.[6]

Verluste der deutschen Luftwaffe im Luftkrieg gegen Großbritannien bis Mai 1941: 2000 Luftwaffenangehörige gefallen, 2600 Luftwaffenangehörige vermisst oder in Gefangenschaft, 2200 Flugzeuge zerstört, davon 1733 im Zeitraum vom 10. Juli bis 31. Oktober im Luftkampf abgeschossen.[7]

Die Luftschlacht um England f√ľhrte zu einer deutlichen Niederlage der deutschen Luftwaffe. Die Ursachen lagen unter anderem in verfehlten deutschen Vorstellungen √ľber die M√∂glichkeiten eines strategischen Luftkrieges, schlechter Einsatztaktik des deutschen Oberkommandos, Fehlen strategischer Bomber und Langstreckenbegleitj√§ger, mangelhafter Geheimdienstarbeit sowie im leistungsf√§higen, radargest√ľtzten britischen J√§gerleitsystem.

Au√üerdem erlitt die deutsche Luftwaffe in der als Abnutzungskrieg gef√ľhrten Luftschlacht gr√∂√üere Verluste, w√§hrend die Briten ihre Verluste durch eine gesteigerte Produktion von Jagdflugzeugen, eine beschleunigte Pilotenausbildung und das Anwerben von Piloten aus fremden Nationen wettmachen konnten.

Winston Churchill bemerkte √ľber die Bedeutung der Schlacht: ‚ÄěNie zuvor in der Geschichte des kriegerischen Konflikts verdankten so viele so wenigen so viel‚Äú. Damit war der legend√§re Ausdruck The Few (Deutsch: die Wenigen) als Synonym f√ľr die Piloten der Royal Air Force gepr√§gt. Er spielte damit auch auf die zu Beginn der Operation wahrgenommene Unterlegenheit in Hinsicht auf die Anzahl der einsatzbereiten Kampfflugzeuge an.

Die britische √Ėffentlichkeit hatte √ľber den Zeitraum von Herbst 1940 bis Fr√ľhjahr 1941 keine klare Wahrnehmung √ľber das Ende der Schlacht und √ľber ihren eigenen Sieg. Die Bedrohung aus der Luft war aufrechterhalten durch die Nachtangriffe, und die Bedrohung durch deutsche U-Boote, die verst√§rkt gegen Versorgungskonvois vorgingen, war alarmierend. Erst nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Sieg in der (Luft)Schlacht um England bei einer gro√üen Zeremonie in London gefeiert. Im Herbst 1940 kam es als Folge der Big-Wing-Kontroverse zur Abl√∂sung Dowdings durch Charles Portal. Auch Keith Park wurde durch Trafford Leigh-Mallory abgel√∂st, der dann w√§hrend der Invasion 1944 die gesamten alliierten Luftstreitkr√§fte leiten sollte.

Hitler versuchte noch im Oktober 1940, mit Franco (Spanien) und P√©tain (Vichy-Frankreich) neue Verb√ľndete im Kampf gegen Gro√übritannien zu gewinnen, scheiterte aber auch in diesem Ansinnen. Sogar mit der Sowjetunion wurden Verhandlungen √ľber eine Anti-England-Koalition begonnen, die aber ebenfalls scheiterten.

Die deutschen Jägerpiloten wurden in der Folge von ihrem Oberkommandeur Hermann Göring der Feigheit bezichtigt. Göring erneuerte diesen Vorwurf im weiteren Verlauf des Krieges verschiedene Male, um Niederlagen der Luftwaffe zu erklären und von seinem eigenen Versagen als Befehlshaber abzulenken.

Propaganda

Die Zensur der privaten Post im Juni 1940 f√ľhrte zu der Erkenntnis, dass unter der britischen Bev√∂lkerung der Krieg nicht sehr ‚Äěpopul√§r‚Äú sei. Sozial schw√§chere Schichten hielten den Krieg f√ľr eine Unterst√ľtzung der Interessen der Privilegierten. Die pl√∂tzliche Erkenntnis, dass Gro√übritannien ab dem Waffenstillstand Frankreichs ‚Äěalleine gegen Hitler‚Äú k√§mpfte, und die energischen Reden Churchills vor dem britischen Unterhaus (‚Äě[‚Ķ] verspreche ich euch Blut, Schwei√ü und Tr√§nen [‚Ķ]‚Äú) √§nderten die Stimmung.

Als die Bomben massive Opfer der Zivilbev√∂lkerung forderten, er√ľbrigte sich jede Propaganda zur Erzeugung eines Feindbildes. Nun war Durchhalten gefragt, weswegen die Abschusszahlen deutscher Flugzeuge bewusst √ľberh√∂ht angegeben wurden, und zwar bis zu einem Vierfachen der tats√§chlichen deutschen Verluste. Filmmaterial wurde ganz im Gegensatz zu Deutschland nicht in gro√üem Ma√üstab verbreitet. Plakate warnten vor gef√§hrlicher Geschw√§tzigkeit und ermutigten zur Mitwirkung an Kriegsaktivit√§ten.

Zum Schutz gegen die verheerenden n√§chtlichen Bombenangriffe wurde die baldige Einsatzreife von Geheimwaffen verk√ľndet. Damit waren Luftminenfelder, mit Pr√§zisionsradar ausger√ľstete Nachtj√§ger und zielsuchende Boden-Luft-Raketen gemeint. Keines dieser Projekte erreichte w√§hrend des Krieges Einsatzreife.

Auf deutscher Seite konzentrierte man sich darauf, die Bev√∂lkerung weiter auf die Person Adolf Hitlers einzuschw√∂ren. Die schnellen milit√§rischen Erfolge im Westen, in Bild und Ton verbreitet durch ‚ÄěDie Deutsche Wochenschau‚Äú, dienten dazu hervorragend. Die regelm√§√üige und spektakul√§re Darbietung von Filmmaterial von der Front zeigte Wirkung bei allen Altersgruppen. Der deutschen Bev√∂lkerung war das Kriegsgeschehen am √Ąrmelkanal jedoch zu weit entfernt, um daf√ľr eine besondere Leidenschaft zu entwickeln. Die zunehmenden Nachtangriffe durch britische Bomber wurden allerdings verwertet, um die Briten und vor allem Winston Churchill als Feindbild aufzubauen. W√§hrend Englands Propaganda die deutschen Verluste doppelt so hoch als in der Wirklichkeit angab, hat ihr deutsches Pendant diese Zahlen halbiert. Bis zum Angriff auf die Sowjetunion 1941 wurde die Invasionsdrohung gegen√ľber Gro√übritannien aufrechterhalten, um von den Vorbereitungen bez√ľglich Unternehmen Barbarossa abzulenken.

Flugzeugtypen

Die wichtigsten eingesetzten Flugzeugtypen werden im Folgenden aufgelistet.

Luftwaffe

Royal Air Force

Literatur

  • Stephen Bungay: The Most Dangerous Enemy: a History of the Battle of Britain. Aurum Press, London 2001. ISBN 1-85410-801-8.
  • John Colville: Downing Street Tageb√ľcher 1939‚Äď1945. Goldmann, M√ľnchen 1991. ISBN 3-442-12811-0.
  • Len Deighton: Luftschlacht √ľber England. 2. Aufl. Heyne, M√ľnchen 1985. ISBN 3-453-01447-2.
  • Alfred Price: The Hardest Day, The Battle of Britain, 18 August 1940. Cassell, London 1998. ISBN 0-304-35081-8.
  • Percy E. Schramm (Herausgeber): Kriegstagebuch des OKW (Oberkommando der Wehrmacht). Eine Dokumentation. Weltbild, Augsburg 2005. ISBN 3-8289-0525-0.
  • Edward H. Sims: Jagdflieger ‚Äď Die Gro√üen Gegner von Einst. 11. Aufl., Motorbuch, Stuttgart 1985. ISBN 3-87943-115-9.
  • Theo Weber: Die Luftschlacht um England. Flugwelt-Verlag, Wiesbaden 1956.
  • Richard Collier: Adlertag ‚Äď Die Luftschlacht um England. Heyne, M√ľnchen 1978. ISBN 3-453-00189-3.

Filme

Weblinks

 Commons: Luftschlacht um England ‚Äď Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Walter Anger: Das Dritte Reich in Dokumenten. Sammlung Res publica. Band 7. Europ. Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 1957. S. 135.
  2. ‚ÜĎ Vgl. Ian Kershaw: Wendepunkte. Schl√ľsselentscheidungen im Zweiten Weltkrieg 1940/41. DVA, M√ľnchen 2. Aufl. 2008, ISBN 978-3-421-05806-5, S. 25 - 76: London, Fr√ľhjahr 1940. Gro√übritannien beschlie√üt, weiterzuk√§mpfen.
  3. ‚ÜĎ Ulf Balke: Der Luftkrieg in Europa 1939‚Äď1941, Bechterm√ľnz Verlag, ISBN 3-86047-591-6 S. 408‚Äď413
  4. ‚ÜĎ Rolf-Dieter M√ľller: Gebhardt, Handbuch der deutschen Geschichte. 10. Auflage, Band 21: Der Zweite Weltkrieg, 1939‚Äď1945. Herausgegeben von Wolfgang Benz, Klett-Cotta, Stuttgart 2004. ISBN 3-608-60021-3. S. 88. (M√ľller schreibt genau genommen von einer doppelt so gro√üen britischen Produktionsf√§higkeit mit 470 J√§gern pro Monat.)
  5. ‚ÜĎ Walter Anger: Das Dritte Reich in Dokumenten. Sammlung Res publica. Band 7. Europ. Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 1957. S. 138.
  6. ‚ÜĎ Battle of Britain Historical Society: Battle of Britain.
  7. ‚ÜĎ ZDF: Battle of Britain Historical Society.
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