Maginot-Linie

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Maginot-Linie
Zerstörter Bunker bei Arras im Mai 1940

Die Maginot-Linie (IPA: [ma íi'noňź], franz√∂sisch Ligne Maginot, benannt nach dem franz√∂sischen Verteidigungsminister Andr√© Maginot), war ein aus einer Linie von Bunkern bestehendes Verteidigungssystem entlang der franz√∂sischen Grenze zu Belgien, Luxemburg, Deutschland und Italien. Es wurde von 1930 bis 1940 gebaut, um Angriffe aus diesen Nachbarl√§ndern zu verhindern bzw. abzuwehren. Dar√ľber hinaus wurde die S√ľdspitze Korsikas befestigt.

Meist wird nur der Teil entlang der deutschen Grenze als Maginot-Linie bezeichnet, w√§hrend man f√ľr die H√§lfte zu Italien den Begriff Alpin-Linie gebraucht.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Planung und Bau

Karte der Maginot-Linie
Soldaten in einem Bunker der Maginot-Linie 1939
Abzeichen der Festungstruppen der Maginot-Linie mit dem Motto ‚ÄěOn Ne Passe Pas‚Äú (√ľbersetzt: ‚ÄěUnd sie kommen nicht durch‚Äú

Ein Hauptgrund f√ľr die defensive Ausrichtung Frankreichs gegen√ľber Deutschland lag in der Bev√∂lkerungsentwicklung: So fiel es Frankreich aufgrund seiner stagnierenden Bev√∂lkerungszahl bereits w√§hrend der Jahrzehnte nach 1870 zunehmend schwerer, ein gegebenenfalls auch offensiv ausgerichtetes Massenheer auf einer zahlenm√§√üigen H√∂he zu unterhalten, die es mit dem expandierenden Nachbarn aufnehmen konnte. Horrende Kriegsverluste in den Jahren 1914-1918 ‚Äď rund 1,3 Millionen Franzosen starben ‚Äď verschlechterten Frankreichs Position gegen√ľber dem Nachbarland weiter, das mit knapp 70 Millionen fast 30 Millionen mehr Einwohner z√§hlte als Frankreich. Unmittelbar nach dem Ende des Ersten Weltkrieges beauftragte die franz√∂sische Regierung den Generalstab mit einer Studie zur Verteidigung der franz√∂sischen Grenzen, um nach den Erfahrungen des Jahres 1914 gegen eine eventuelle erneute deutsche Invasion gewappnet zu sein. Die bekanntesten an der Studie Beteiligten waren die Marsch√§lle Ferdinand Foch, Philippe P√©tain und Joseph Joffre. Foch war gegen√ľber statischen Verteidigungssystemen abgeneigt, Joffre sprach sich f√ľr eine L√∂sung nach dem Vorbild der Festungen von Verdun, Toul und √Čpinal aus, P√©tain bevorzugte eine lineare und befestigte Front.

Kriegsminister Paul Painlev√© rief zwei Kommissionen ins Leben: Die Kommission zur Verteidigung der Grenzen (Commission de d√©fense des frontieres ‚Äď CDF) mit dem Auftrag, die allgemeine Linienf√ľhrung sowie Organisation zu planen und einen Kostenvoranschlag abzugeben, sowie die Kommission zur Organisation der Festigungsgebiete (Commission d'organisation des r√©gions fortifi√©es ‚Äď CORF), welche die Ergebnisse der CDF zur praktischen Umsetzung vorbereiten sollte.

Anfang 1929 wurde das Konzept der CORF vom Ministerrat angenommen. Painlev√© √ľbergab im gleichen Jahr sein Amt an seinen Nachfolger Andr√© Maginot. Maginot legte das Programm dem Parlament vor und lie√ü offen dar√ľber abstimmen. Das Projekt wurde mit √ľber 90%iger Zustimmung am 14. Januar 1930 zum Gesetz. Ausschlaggebend f√ľr die Entscheidung zum Bau der Maginot-Linie d√ľrfte die erfolgreiche Verteidigung Frankreichs am Festungsring von Verdun gewesen sein. Diesen konnten die deutschen Truppen 1916 nicht durchbrechen. Maginot starb bereits 1932 an einer Lebensmittelvergiftung.

Die wichtigsten Teile der Linie wurden bis 1936 gebaut. Mit der steigenden Bedrohung durch das Deutsche Reich wuchs die Einsicht in die Notwendigkeit des Vorhabens. Die Kosten betrugen offiziell insgesamt 5 Milliarden alte Französische Francs.

Bei den Planungen wurde die M√∂glichkeit eines massiven Panzerangriffs durch den potentiellen Gegner jedoch nicht ber√ľcksichtigt. Die Verteidigungsanlagen waren gem√§√ü der Erfahrungen aus dem vorherigen Krieg eigentlich nur zur Abwehr von Infanterieangriffen vorgesehen. Als wichtigste Angelpunkte der Maginot-Linie sollten neu entwickelte Artilleriewerke mit ausfahrbaren Gesch√ľtzt√ľrmen dienen, die, mit Kanonen des Kalibers 7,5 cm und Haubitzen des Kalibers 13,5 cm best√ľckt, im Abstand von 10 km stehen sollten. Der Zwischenraum zwischen den Artilleriewerken sollte durch leichtbewaffnete Infanteriewerke und Kasematten gesch√ľtzt werden. Insgesamt war die Verteidigungslinie mit nur 344 Gesch√ľtzen und 500 Panzerabwehrkanonen ‚Äď bezogen auf die Gesamtl√§nge ‚Äď artilleristisch eher d√ľrftig ausgestattet. Die einzelnen Anlagen sollten mit eigener Energieversorgung und L√ľftungssystem ausgestattet werden. Gr√∂√üere Artilleriewerke hatten sogar elektrisch betriebene Feldbahnen. Bis zu 20.000 Arbeiter waren Anfang der 1930er-Jahre beim Bau der Maginotlinie eingesetzt.

Bis 1940 wurden 108 Artilleriewerke gebaut, davon fast die H√§lfte an der Grenze zu Italien. Die Maginot-Linie war aber, anders als in der franz√∂sischen und deutschen Propaganda dargestellt, keine durchgehende Verteidigungslinie. Vielmehr bestand sie aus einer Vielzahl eigenst√§ndiger und isolierter Befestigungsbauwerke. Die Infanteriewerke hatten Besatzungen von etwa 100 Soldaten, kleinere Artilleriewerke hatten 150‚Äď200 Mann, w√§hrend in gr√∂√üeren bis zu 600 Mann stationiert waren.

Ein entscheidender Nachteil in der Planung der Verteidigungsanlage lag darin, dass die Maginot-Linie viel zu personalintensiv war. Eine bis zur Nordsee durchgehende Maginot-Linie h√§tte aufgrund des hohen Personalbedarfs einen Gro√üteil der franz√∂sischen Streitkr√§fte gebunden und Offensivaktionen unm√∂glich gemacht. Deshalb wurde die Verteidigungsanlage nur bis Sedan voll ausgebaut. Einzelne Abschnitte, beispielsweise an der Maas, waren wegen des Sparzwangs ganz ohne Artilleriewerke gebaut worden. Die Abschnitte zwischen Sedan und Lauterbourg waren sehr stark befestigt, auf der Rheinseite war allerdings zu Kriegsbeginn noch nicht √ľberall die Ausr√ľstung eingetroffen, so dass hier die Stellungen ungen√ľgend ausger√ľstet waren. Hinzu kam, dass die Bunkerlinie nicht √ľberall fertig wurde. Im Jura befinden sich Kasematten, deren Schalung bis heute nicht entfernt wurde. Durch die hohen Kosten der Werke im Elsass mussten andere Abschnitte vernachl√§ssigt werden. Teilweise wurden sogar eiserne Schilderh√§user aus dem Ersten Weltkrieg einbetoniert und zu Beobachtungsst√§nden umfunktioniert, wie in der Sundgau-Stellung.

Die franz√∂sische Bev√∂lkerung hatte sich nach der Verabschiedung des Milliardenprojekts sicher gef√ľhlt und verlie√ü sich zu sehr auf diese von √∂ffentlicher Seite gepriesene Befestigungslinie. Initiativen anderer Politiker, offensivere Taktiken vorzubereiten, wurden daher nicht oder zu sp√§t ergriffen, weil sie zun√§chst unter Berufung auf die Un√ľberwindbarkeit der Maginot-Linie abgelehnt wurden.

Verlauf des Krieges an der Maginot-Linie

Karte der Maginot-Linie im Elsass

Die deutschen Angriffsspitzen zielten beim Angriff auf Frankreich 1940 auf die Schwachpunkte der Linie. Ein Teil der Wehrmachtsverb√§nde nahm, √§hnlich dem alten Schlieffenplan aus dem Ersten Weltkrieg, den Weg durch Belgien und umging damit die gesamte Linie, w√§hrend eine weitere Angriffsspitze die Linie an einem nur schwach ausgebauten Teilst√ľck in den Ardennen entscheidend durchstie√ü.

Die Alliierten erwarteten, dass die deutschen Angreifer aufgrund der Befestigungen gezwungenerma√üen den Weg durch Belgien nehmen w√ľrden, und verlegten einen Gro√üteil ihrer besten Verb√§nde nach Belgien. Als die franz√∂sische 1. Armee, die belgische Armee und die British Expeditionary Force dort auf die Wehrmacht trafen, best√§rkte sie das in der Ansicht, der deutsche Angriff w√ľrde wieder durch Belgien erfolgen ‚Äď w√§hrenddessen die schnellen Panzerdivisionen der Deutschen unerwartet durch die kaum verteidigten Ardennen brachen und die Maginot-Linie bei Sedan umgingen. Die Masse der alliierten Armeen, in Belgien und Nordfrankreich stehend, wurde durch diesen ‚ÄěSichelschnitt‚Äú genannten Durchbruch deutscher Panzerverb√§nde in Richtung Kanal eingeschlossen. √úber 300.000 britische und franz√∂sische Soldaten, die bereits bei D√ľnkirchen eingeschlossen waren, konnten anschlie√üend in der Operation Dynamo doch noch √ľber den Kanal nach England evakuiert werden. (sog. Wunder von D√ľnkirchen). Die Verz√∂gerung des Angriffs auf die eingeschlossenen alliierten Truppen sollte sich sp√§ter als ein entscheidender Fehler der Deutschen herausstellen. Frankreich musste jedoch kapitulieren, nachdem der Aufbau einer neuen Verteidigungslinie scheiterte: Die dem Land verbliebenen Kr√§fte waren insgesamt zu schwach.

Zerstörter Panzerturm nach der Eroberung durch die Wehrmacht im Mai 1940

Angegriffene Befestigungen hielten dem Bombenabwurf durch Stukas, dem direkten Beschuss mit 8,8-cm-Flak und dem Einsatz von Hohlladungen meist nicht lange stand. H√§ufig mussten die Besatzungen in Infanteriewerken ohne Gesch√ľtze hilflos zusehen, wie die Deutschen ihre Gesch√ľtze heranzogen und au√üer Reichweite franz√∂sischer Maschinengewehre mit dem direkten Beschuss begannen. Der Widerstand dauerte h√§ufig nicht l√§nger als 48 Stunden, da dann alle MGs und Panzerabwehrkanonen (Paks) zerst√∂rt waren und die L√ľftung ausfiel. Insbesondere die L√ľftungen stellten sich als Schwachpunkt heraus, da sie h√§ufig ausfielen. So kam etwa die 107 Mann starke Besatzung des Infanteriewerks von La Fert√© im Abschnitt Montm√©dy trotz Gasmasken durch angestaute giftige Explosionsgase um. Beide Bunker verf√ľgten √ľber keine Gesch√ľtze und konnten daher schnell von den Angreifern au√üer Gefecht gesetzt werden. Die Franzosen waren dann in tiefere Bereiche des Infanteriewerks geflohen und dort erstickt.

US-amerikanische Truppen erreichen die Maginot-Linie (1944)

Auf vielen Werken der Maginot-Linie wehte auch nach dem Zeitpunkt der Kapitulation noch die franz√∂sische Flagge ‚Äď seitens der Wehrmacht wurde kein Versuch unternommen, sie einzunehmen. Die deutschen Truppen begn√ľgten sich damit, die einzelnen Bunker und Werke voneinander abzuschneiden, die Besatzungen in ihren Anlagen einzuschlie√üen und damit effektiv zu neutralisieren. Wahrscheinlich h√§tten Teile der Linie noch monatelang aushalten k√∂nnen, was jedoch angesichts der Besetzung Frankreichs sinnlos gewesen w√§re. Einige der Kommandanten verschiedener Werke, darunter der des Four √† Chaux, weigerten sich dennoch ‚Äď getreu ihrem √ľberholten und dann erkennbar sinnlos gewordenem Motto: ‚ÄěUnd sie kommen nicht durch!‚Äú ‚Äď der Kapitulation Folge zu leisten und die Forts an die Wehrmacht zu √ľbergeben. In einem Tagesbefehl vom 1. Juli 1940 w√ľrdigte der Oberbefehlshaber Frankreichs, General Maxime Weygand, die 22.000 verbliebenen und somit gebundenen Verteidiger der nunmehr bedeutungslos gewordenen Maginot-Linie.

Die Maginot-Linie heute

Viele Werke (frz.: ouvrage) der Maginot-Linie kann man heute besuchen ‚Äď einige sind oder werden restauriert und beinhalten kleinere Ausstellungen. Darunter:

Ein Gegenst√ľck zur Maginot-Linie erbaute Deutschland Ende der 1930er-Jahre in Form des Westwalls. Ebenfalls nach dem Vorbild der Maginot-Linie entstand von 1935 bis 1939 der Tschechoslowakische Wall.

Organisation

Das Werk Four à Chaux, Aufseher des Dorfes Lembach im Elsass

Obwohl der Name ‚ÄěMaginot-Linie‚Äú auf einen schmalen Bereich aus Befestigungen hinweist, war das Bunkersystem de facto bis zu 25 km tief gestaffelt. Es bestand aus einem auf das Gel√§nde angepassten System aus Bunkern, Festungen und anderen milit√§rischen Einrichtungen wie Grenzposten, Kommunikationszentralen, Infanterieunterk√ľnften, Barrikaden, Depots, Beobachtungspunkten, Artillerie-, Panzerabwehr- und Maschinengewehrbefestigungen. Diese Anlagen machten das System insgesamt zu einem schwerbewaffneten, aber starren Verteidigungssystem mit eingeschr√§nkter Reichweite und Handlungsspielr√§umen.

Von der Grenze bis ins Hinterland bestand das System aus:

Grenzposten

Diese einheitlichen Blockhäuser aus Beton waren meist als normale Wohnhäuser getarnt und wenige Meter von der Grenze entfernt errichtet worden. Sie waren mit Truppen belegt, um Überraschungsangriffe bereits zu Beginn zu verlangsamen. Dazu waren bereits Barrikaden und Sprengstoffladungen gegen Panzer vorbereitet.

Au√üenposten und Unterst√ľtzungslinie

Etwa f√ľnf Kilometer hinter der Grenze war eine Reihe von Panzerabwehrbunkern errichtet worden, um Panzerangriffe verz√∂gern zu k√∂nnen. Diese Verz√∂gerung sollte erreichen, dass die dahinterliegenden Hauptverteidigungstellungen rechtzeitig bemannt werden konnten. Diese Stellungen sicherten auch die Hauptverbindungsstra√üen innerhalb der Verteidigungsstellungen und zur Grenze.

Festungsabschnitt (frz. Secteur Fortifié)

In mittelstarkem Ausbau bestand ein solcher Abschnitt vor allem aus etwa 1 km voneinander entfernt gelegenen Kasematten wie etwa an der Rheinfront. Den schweren Ausbau findet man beispielsweise bei Thionville, wo eine fortlaufende Linie von Artillerie- und Infanteriewerken mit dazwischenliegenden Kasematten die Hauptkampflinie bildeten.

Sperrabschnitt (frz. Secteur Défensif)

Solche Abschnitte st√ľtzen sich meist auf schwer √ľberschreitbare Hindernisse wie Anstauungen (Saarabschnitt) oder waldreiches und bergiges Gel√§nde (Ardennen) und wurden daher zus√§tzlich nur schwach mit Kleinkampfanlagen und Blockh√§usern befestigt.

Festungstruppen

Das operative Nachkriegsdenken Frankreichs wurde von Marschall Henri Philippe P√©tain gepr√§gt, dem Generalinspekteur der franz√∂sischen Armee und sp√§teren Oberhaupt der mit den deutschen Besatzern zusammenarbeitenden franz√∂sischen Vichy-Regierung. Angesichts der schrecklichen Verluste, die Frankreich bei seinen Offensivoperationen im Ersten Weltkrieg erlitten hatte und gest√ľtzt auf pers√∂nliche Abwehrerfolge (‚ÄěHeld von Verdun‚Äú) r√§umte er der reinen Verteidigung die h√∂chste Priorit√§t ein. Dementsprechend war die franz√∂sische Armee vor allem defensiv aufgestellt. Die meisten Einheiten waren direkt in oder knapp hinter der Maginot-Linie aufgestellt, so dass relativ wenig Offensivkr√§fte zur Verf√ľgung standen. Hauptkampfkr√§fte der zw√∂lf Festungsdivisionen waren die:

RAP (frz. Régiment d'artillerie de Position) Festungsartillerie-Regimenter
RIF (frz. Régiment d'infanterie de Forteresse) Festungsinfanterie-Regimenter

Befestigungsanlagen

Typen

Munitionseingang zu einem Artilleriewerk

Artilleriewerk (frz. Gros Ouvrage)
Innerhalb der Maginot-Linie stellten diese Werke die gr√∂√üten Befestigungsanlagen dar. Immer findet sich hier die gro√üe r√§umliche Trennung zwischen Kampfblocks und Eingangsanlagen, um abseits vom Gefecht neue Mannschaften und Munition nachf√ľhren zu k√∂nnen. Zwischen 250 und 1100 Mann waren darin untergebracht und konnten dank eigener Stromversorgung, gro√üen Vorr√§ten an Lebensmitteln, Trinkwasser, Kraftstoff und Munition f√ľr l√§ngere Zeit v√∂llig selbstst√§ndig den Feuerkampf f√ľhren. Bestehend aus zwischen 4 bis 17 Kampfbl√∂cken verf√ľgten diese Anlagen je nach ihrem Auftrag √ľber eine bestimmte Anzahl von 7,5-cm-Kanonen, 13,5-cm-Haubitzen und 8,1-cm-Granatwerfern.

Beobachtungsbunker Boust

Beobachtungsbunker (frz. Observatoire)
Als die eigentlichen Augen der Maginot-Linie waren diese auf erh√∂hter Position erbauten Bunker mit etwa 3,5 m dicken Betondecken versehen, um auch st√§rkstem Artilleriebeschuss standzuhalten. Neben entsprechender Fernsprech- und zum Teil auch Funkausstattung waren Beobachtungsglocken zum Leiten des Artilleriefeuers vorhanden.

Blockhaus bei Auenheim

Blockhaus (frz. Blockhaus)
Als Blockhaus wurde bei der Maginot-Linie ein einst√∂ckiger Betonbunker mit geringer Wandst√§rke bezeichnet, in denen h√∂chstens ein Bereitschaftsraum neben den Kampfr√§umen vorhanden war. Die Waffen wirkten flankierend zum Schutz der Nachbarwerke. Die mit maximal 16 Mann belegten Bunker verf√ľgten nur √ľber Handl√ľfter zum Gasschutz und Petroleumleuchten.

Großunterstand Zeiterholz

Großunterstand (frz. Abri)
Bis zu 250 Mann konnten in diesen betonierten Kasernen untergebracht werden. Sie geh√∂rten zu den Intervalltruppen, die als bewegliche Einheiten zwischen den eigentlichen Festungswerken operieren sollten. In diesen Gro√übunkern, die es in einer oberirdischen (frz. abri de surface) und unterirdischen Variante (frz. abris-cavernes) gab, waren Ruhe- und Bereitschaftsr√§ume, Gasschutzfilteranlage, Stromaggregat, K√ľche und Frischwassertank vorhanden.

Infanteriewerk Bois du Four

Infanteriewerk (frz. Petit Ouvrage)
In die Infanteriewerke der Maginot-Linie waren als Artilleriewaffen nur ganz vereinzelt 8,1-cm-Granatwerfer eingebaut worden. Alle besa√üen hingegen mindestens eine MG oder 2,5-cm-Pak/MG-Turm. Insgesamt waren diese nur mit zwischen 35 und 230 Mann belegten Anlagen wesentlich schw√§cher bewaffnet als die Artilleriewerke. Manche von ihnen waren f√ľr einen sp√§teren Ausbau ausgelegt, zu dem es wegen finanziellen Schwierigkeiten jedoch nicht mehr kam. Auch diese Werke waren mit Ruher√§umen, K√ľche, eigener Stromversorgung usw. ausgestattet.

Kasematte Quatre Vents

Kasematte (frz. Casemate)
Eine Kasematte stellte innerhalb der Maginot-Linie eine selbstst√§ndige, meist zweist√∂ckige Kampfanlage dar. F√ľr die bis zu 50 Mann Besatzung waren Ruhe- und Bereitschaftsr√§ume, Gasschutzfilteranlage, Stromaggregat, K√ľche und Frischwassertank vorhanden. Die Waffen wirkten flankierend zum Schutz der Nachbarwerke.

Kleinkampfanlage bei Cattenom

Kleinkampfanlage (frz. Abri de tir)
Die verschiedenen Typen der Kleinkampfanlagen in der Maginot-Linie bestanden alle nur aus dem eigentlichen Kampfraum f√ľr MG oder Pak. Ruhe- oder Bereitschaftsr√§ume f√ľr die Mannschaften waren nicht vorgesehen. Stromanschluss oder Gasschutz fehlten ebenso.

Bezeichnungen der Kampfblöcke

Bei den gro√üen Befestigungsanlagen der Maginot-Linie, den Artilleriewerken (frz. Gros Ouvrage), unterschied man fr√ľher meist nur nach Kampfbl√∂cken (frz. blocs de combat) und den Eingangsbl√∂cken (frz. entrees). Die einen stellen das Herzst√ľck der Festung dar, aus denen der Feuerkampf gef√ľhrt wurde, die anderen sind weit davon abgesetzt zur Nachf√ľhrung von Mannschaften und Munition gedacht. In neueren Ver√∂ffentlichungen werden dagegen die Kampfbl√∂cke weiter unterteilt:

Bunkerdecke schließt bodengleich ab

Artilleriebunker
Dieser Block verf√ľgt nur √ľber Turmgesch√ľtze (7,5; 8,1 oder 13,5 cm), und die Bunkerdecke schlie√üt mit der Oberfl√§che ab ‚Äď alle weiteren Teile der Anlage (Bereitschaftsr√§ume, Munitionsvorrat usw.) sind unterirdisch angeordnet.

3 √ó 7,5-cm-Kasemattengesch√ľtze

Artilleriekasematte
Bei einem solchen Block befindet sich der Kampfraum vollst√§ndig √ľber der Erde. Seine Artilleriewaffen (7,5; 8,1 oder 13,5 cm) wirken nur flankierend zum Schutz der Nachbarwerke. Da sie so dem direkten Beschuss entzogen sind, ragen sie st√§ndig aus der Betonscharte heraus. Oftmals sind hier drei 7,5-cm-Kanonen nebeneinander angeordnet.

Panzerglocke auf einem Infanteriebunker

Infanteriebunker
Diese Blocks verf√ľgt nur √ľber Panzerglocken. Die Bunkerdecke schlie√üt mit der Oberfl√§che ab ‚Äď alle weiteren Teile der Anlage (Bereitschaftsr√§ume, Munitionsvorrat usw.) sind unterirdisch angeordnet. Solche Bunker waren nur mit leichten Maschinengewehren bewaffnet.

Kasematte f√ľr Pak und MG

Infanteriekasematte
Ein solcher Block war mit Panzerabwehrkanonen und schweren Zwillingsmaschinengewehren, die flankierend zum Schutz der Nachbarwerke wirkten, ausgestattet. In einigen waren zusätzlich MG- oder 2,5-cm-Pak/MG-Turm eingebaut. Auf diesen Kasematten befanden sich mehrere Panzerglocken mit Maschinengewehren.

Bewaffnung und Optik

Turm- und Kasemattengesch√ľtze Manoeuvre tourelle.gif
  Aus- und Einfahren des Turms
√úbersicht der Turm- und Kasemattengesch√ľtze
Bezeichnung Waffentyp Reichweite[1] Turmgewicht Kadenz Beispiele
7,5-cm-Turm oder -Kasematte Kanone 9,5‚Äď12 km 189‚Äď265 t 13 S/min Metrich B8 75.jpg Billig B5 75.jpg
Turm Kasematte
8,1-cm-Turm oder -Kasematte Granatwerfer 3,5 km 125 t 15 S/min Coume Sud B3 81.jpg LigneMaginot81CasInt.jpg
Kasematte Außen Kasematte Innen
13,5-cm-Turm oder -Kasematte Haubitze 5,6 km 163 t 6 S/min Anzeling B5 135.jpg
MG-Turm MAC-31 3 km 96 t 450 S/min Po-oberheide-2004-05-21.jpg
2,5-cm-Pak/MG-Turm 2,5-cm-Pak und MAC-31 3 km / 450 m 135 t 20 / 450 S/min AMTurret.JPG
3,7/4,7-cm-Pak Panzerabwehrkanone 3 km   15 S/min Schoenenbourg 1 4.jpg
4,7-cm-Pak / 1 √ó ZMG Die Pak war an einer Laufschiene an der Decke befestigt und konnte zur√ľckgezogen werden, anschlie√üend wurde das Zwillings-MG in die Scharte eingeklappt. Marckolsheim-Sud ZMG.jpg

Glocken oder Kuppeln

Die Stahlpanzerung wies eine St√§rke von 20 bis 30 cm auf, das Gewicht lag zwischen 11 und 35 t.

√úbersicht der Panzerglocken
Bezeichnung französisch Bemerkung Beispiele
AM-Glocke Arme mixte In diese Glocke war eine sogenannte Kombinationswaffe mit 2,5-cm-Panzerabwehrkanone (Pak) und einem Maschinengewehr eingebaut. Cloche am.jpg
GFM-Glocke Guetteur fusil mitrailleur In die Scharten dieser Glocke konnten wahlweise eine Optik zum Beobachten, ein leichtes Maschinengewehr (MAC-24/29 oder ein leichter 5-cm-Granatwerfer eingesetzt werden. Hackenberg B9.jpg
JM-Glocke Jumelage mitrailleuse In diese Glocke war ein schweres Zwillingsmaschinengewehr (MAC-31) fest eingebaut. Cloche jm.jpg
LG-Glocke Lance-grenade Diese Glocke waren f√ľr die 5-cm- und 6-cm-Granatwerfer vorgesehen, doch wurden diese Waffen nicht mehr rechtzeitig ausgeliefert. Cloche lg.jpg
VDP-Glocke Vision directe et periscopique Aus dieser Glocke konnte direkt aus einem schmalen Sehschlitz mit entsprechender Optik oder mit einem ausfahrbaren Periskop beobachtet werden. Laudrefang B5.jpg

Legenden

Der rasche Zusammenbruch des Jahres 1940 besch√§digte den Ruf der zuvor hoch eingesch√§tzten franz√∂sischen Streitkr√§fte nachhaltig. Spott, Geringsch√§tzung und Unterstellungen waren die Folge, auch von Seiten der anglo-amerikanischen Verb√ľndeten. So h√§lt sich bis heute die Legende, beim Bau der Maginot-Linie seien Gesch√ľtzforts wegen Fehlplanungen

  • falsch herum, also mit Schussrichtung ins franz√∂sische Hinterland, oder
  • mit begrenztem Richtbereich, so dass die deutschen Truppen, die die Linie nach Umgehung von hinten angingen, nicht beschossen werden konnten,

oder

  • mit r√ľckseitig offenen Eingangsbereichen gebaut worden

Zuletzt wurde dies in dem Buch ‚ÄěDude, Where's My Country?‚Äú (Volle Deckung, Mr. Bush) von Michael Moore verbreitet.

Hierzu ist festzustellen, dass die Maginot-Linie, damals auf dem h√∂chsten Stand der technischen M√∂glichkeiten, aber nicht der klassischen Fortifikationskunst, nat√ľrlich auch ins Hinterland ausgerichtete Forts hatte, um andere Werke decken zu k√∂nnen. Dass die Linie falsch herum gebaut worden w√§re oder ihre Gesch√ľtze nur unzureichend h√§tten rotieren k√∂nnen, ist falsch ‚Äď dennoch konnte die Linie als ganzer gedachter Funktionstr√§ger letztlich fast nichts zur Verteidigung Frankreichs beitragen, was unter anderem jene Legenden weiterhin existieren l√§sst.

Literatur

  • Klaus-J√ľrgen Bremm: Die Maginot-Linie 1930‚Äď1940. In: Milit√§r & Geschichte. 46, 2009, ZDB-ID 2088896-X, S. 20‚Äď25.
  • Jean-Yves Mary: La Ligne Maginot. Ce qu'elle √©tait, ce qu'il en reste. R√©√©dition. Sercap, Paris 1985, ISBN 2-7321-0220-2.
  • Oberkommando des Heeres, Abteilung Auswertung Fremder Landesbefestigungen (Hrsg.): Denkschrift √ľber die franz√∂sische Landesbefestigung. (Nur f√ľr den Dienstgebrauch). Berlin 1942.
  • Philippe Truttmann: La muraille de France ou la ligne Maginot. Nouvelle √Čdition, revue et corrig√©e. G. Klopp, Thionville 1988.
  • Libor Vitez: On ne passe pas! Und sie kommen nicht durch! Ruhm und Fall der Maginot-Linie. 1942 (Reprint: F√∂rderkreis f√ľr Deutsche Geschichte, Emmelshausen 2005, ISBN 3-936946-16-7)
  • Jean-Bernard Wahl: Damals und heute ‚Äď Die Maginotlinie. Nordfrankreich ‚Äď Lothringen ‚Äď Elsass. Geschichte und Reisef√ľhrer. Mittler, Hamburg u. a. 2000, ISBN 3-8132-0685-8.

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Zahlenangaben nach Truttmann, S. 587, 595‚Äď596.

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Weblinks

 Commons: Maginot Line ‚Äď Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

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