Manfred von Richthofen

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Manfred von Richthofen
Manfred von Richthofen 1917

Manfred Albrecht Freiherr von Richthofen (* 2. Mai 1892 in Breslau; † 21. April 1918 bei Vaux-sur-Somme) war ein deutscher Jagdflieger im Ersten Weltkrieg. Er erzielte die höchste Zahl von Luftsiegen, die im Ersten Weltkrieg von einem einzelnen Piloten erreicht wurde. Den berĂŒhmten Beinamen „Der Rote Baron“ erhielt von Richthofen, der einen Großteil seiner EinsĂ€tze in mehr oder weniger rot gestrichenen Flugzeugen flog, erst nach dem Krieg. Er geht vermutlich auf ein englisches Nachkriegsbuch zurĂŒck, das seinen Titel „Freiherr“, den es im Englischen nicht gibt, mit „Baron“ ĂŒbersetzte. Im Ersten Weltkrieg wurde Richthofen auf französischer Seite « le petit rouge Â» (deutsch: „Der kleine Rote“) oder auch « Rouge diable Â» (deutsch: „Roter Teufel“) genannt. Seine gesammelten TagebĂŒcher tragen den Titel „Der rote Kampfflieger“.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Manfred Albrecht Freiherr von Richthofen wurde als zweites von vier Kindern geboren. Seine Eltern waren der Kavallerieoffizier Albrecht Freiherr von Richthofen (1859–1920) und dessen Frau Kunigunde, geb. von Schickfus und Neudorff (1868–1962). Er war ein Nachfahre des berĂŒhmten preußischen Feldmarschalls Leopold von Anhalt-Dessau. Manfreds Geschwister waren die BrĂŒder Lothar (1894–1922), und Bolko (1903–1971) sowie seine Schwester Elisabeth, genannt Ilse (1890–1963).

Im Alter von neun Jahren zog seine Familie mit ihm nach Schweidnitz. Der Junge interessierte sich sehr fĂŒr die Jagd und das Reiten. Bereits mit elf Jahren nahm er an großen Jagdgesellschaften teil. Nach dem Besuch der Kadettenanstalt Wahlstatt trat er im FrĂŒhjahr 1911 als FĂ€hnrich in das Ulanen-Regiment „Kaiser Alexander III. von Rußland“ (Westpreußisches) Nr. 1 in Militsch ein. Dort wurde er nach dem Besuch der Kriegsschule am 19. November 1912 zum Leutnant befördert und der 3. Eskadron in Ostrowo zugeteilt.

Kriegseinsatz

Richthofens Albatros D.Va nach einer Bruchlandung

Zum Beginn des Ersten Weltkriegs wurde Richthofen mit seinem Regiment zunĂ€chst an die Westfront verlegt. Von Diedenhofen aus ĂŒberschritt seine Einheit die Grenze zu Luxemburg und marschierte anschließend in Belgien ein. WĂ€hrend dieser Zeit fĂŒhrte er verstĂ€rkt Patrouillenritte zur AufklĂ€rung hinter den feindlichen Linien durch. Am 1. September 1914 erfolgte seine Versetzung als Nachrichtenoffizier bei der 4. Armee, die zu diesem Zeitpunkt vor Verdun lag. Um der Monotonie des Stellungskrieges zu entgehen, bat Richthofen am 1. Januar 1915 um seine Versetzung. Dieser wurde am 15. Januar entsprochen und Richthofen als Ordonnanzoffizier der 18. Infanterie-Brigade zugeteilt. Da diese TĂ€tigkeit sich zumeist im rĂŒckwĂ€rtigen Gebiet weit hinter der Front abspielte, hatte er genĂŒgend Zeit seiner Leidenschaft als JĂ€ger nachzugehen. Auch hier fĂŒhlte er sich unterfordert. Sein Drang nach Ruhm, Ehre und Orden veranlasste ihn schließlich sich zur Fliegertruppe versetzen zu lassen.[1] Am 30. Mai 1915 trat er seine Ausbildung als Beobachter bei einem Lehrgang in der Flieger-Abteilung 7 in Köln an. Der 30-tĂ€gige Kursus wurde durch einen anschließenden 14-tĂ€gigen Kursus in Großenhain nahe Dresden, bei dem die Praxis im Vordergrund stand, vervollstĂ€ndigt. Bereits am 21. Juni 1915 wurde Richthofen dann zur Feldflieger-Abteilung 69 abkommandiert, die an der Ostfront in der NĂ€he von Lemberg im Einsatz war und den Auftrag hatte, AufklĂ€rungsflĂŒge ĂŒber russische Truppenbewegungen in Polen und Galizien durchzufĂŒhren. Bei den AufklĂ€rungsflĂŒgen schoss Richthofen mehrfach auf russische Frontsoldaten in ihren Stellungen, was ihm ein besonderes VergnĂŒgen bereitete.[2]

Im August 1915 folgte seine Verlegung von der Ost- an die Westfront und seine Kommandierung an die Brieftauben-Abteilung Ostende. Diese Einheit fĂŒhrte eine Tarnbezeichnung und war in Wirklichkeit das erste Kampfgeschwader der OHL, dessen Zweck darin bestand, systematische Bombenangriffe gegen England zu fliegen. Da die Reichweite der zur VerfĂŒgung stehenden Bomber vom Typ AEG G nicht ausreichend war, begnĂŒgte man sich mit EinsĂ€tzen im Kanal sowie im französischen Hinterland. Im September 1915 beantragte Richthofen seine Versetzung zur Brieftauben-Abteilung Metz. Auf der Eisenbahnfahrt nach Metz lernte er im Speisewagen Oswald Boelcke kennen.

In Metz absolvierte Richthofen in der Folgezeit seine Ausbildung zum FlugzeugfĂŒhrer, die er jedoch erst im dritten Anlauf bestand. Am 24. Dezember 1915 erhielt er das entsprechende Diplom. Als Mitglied der 8. Kampfstaffel des 2. Kampfgeschwaders war Richthofen ab 1. MĂ€rz 1916 wieder vor Verdun im Einsatz. Im September 1916 kam er schließlich zur Jagdstaffel (Jasta) 2, die unter dem Kommando von Oswald Boelcke stand. Seinen ersten Abschuss erzielte er am 17. September 1916 ĂŒber Cambrai. Zur Erinnerung an seine Feuertaufe ĂŒberreichte Boelcke jedem seiner erfolgreichen Flieger einen Ehrenbecher als Anerkennungsgeschenk. Richthofen war dies jedoch zu wenig und so belohnte er sich fĂŒr jeden Luftsieg mit einem kleinen Silberbecher. Dazu beauftragte er einen bekannten Berliner Juwelier, der ihm diese mit der jeweiligen Inschrift des Abschussdatums sowie des Flugzeugtyps lieferte.[3]

Richthofen war ein geschickter Taktiker, der die von seinem Lehrer Boelcke aufgestellten GrundsĂ€tze (Dicta Boelcke) genau beachtete und vor einem Kampf meist alle Vorteile auf seine Seite brachte. Am 23. November 1916 traf die Jasta 2 ĂŒber Le Sars auf die Staffel des bekannten britischen Fliegers Lanoe Hawker. Im Verlauf des Kampfes entwickelte sich ein Kurvenkampf zwischen Richthofen, der einen Albatros D.II-Doppeldecker flog, und Hawker in seinem Airco D.H.2. Der Westwind trieb die Gegner ĂŒber deutsches Gebiet, weshalb Hawker schließlich den Kampf abzubrechen und auf alliiertes Gebiet zurĂŒckzukehren versuchte. Von Richthofens Albatros war das schnellere Flugzeug, deshalb konnte er den im Zickzack fliehenden Gegner abschießen, wobei Hawker ums Leben kam.

Nach seinem 18. Luftsieg erhielt von Richthofen den Orden Pour le MĂ©rite, die höchste preußische Tapferkeitsauszeichnung.

Im Januar 1917 wurde Richthofen die FĂŒhrung der Jagdstaffel 11 ĂŒbertragen. Am 22. MĂ€rz 1917 wurde Richthofen zum Oberleutnant sowie bereits zwei Wochen spĂ€ter am 6. April 1917 zum Rittmeister befördert. Beide Beförderungen erfolgten frĂŒhzeitiger als sonst ĂŒblich aufgrund seiner besonderen Verdienste.

Geschwader Richthofen 1917, Manfred von Richthofen im Flugzeug

Nach dem Tod von Max Immelmann am 18. Juni 1916 und Oswald Boelcke am 28. Oktober 1916 war Manfred von Richthofen der mit Abstand erfolgreichste deutsche Jagdflieger. Es ist umstritten, ob die Briten dem Flieger, dem der Abschuss oder die Gefangennahme Richthofens gelang, das Victoria-Kreuz, eine Beförderung, ein eigenes Flugzeug als Geschenk, 5000 Pfund Sterling und einen besonderen Preis der Flugzeugfabrik, deren Flugzeug er benutzte, als Belohnung zusicherten. Es gilt weiter als unklar, ob der deutschen[4] oder britischen[5] Propaganda die Erfindung eines „Anti-Richthofen-Geschwaders“ zuzuschreiben ist, welches offiziell nie existiert hat.

In den Monaten, in denen Richthofen die Jasta 11 anfĂŒhrte, entwickelte sie sich zu einer Eliteeinheit. Er selbst schoss ĂŒber 20 britische Flugzeuge ab, und auch seine MĂ€nner erzielten sehr hohe Abschusszahlen. Diese Staffel hatte großen Anteil daran, dass die Briten den April 1917 als “bloody april” (deutsch: „Blutigen April“) bezeichnen. Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Piloten des Royal Flying Corps und des Royal Naval Air Service war von 295 Stunden auf 92 Stunden gefallen.

Im Juni 1917 wurde das Jagdgeschwader 1 aus den Jagdstaffeln 4, 6, 10 und 11 aufgestellt. Alle vier Staffeln operierten unter dem Kommando Manfred von Richthofens. Im Juli 1917 wurde er wÀhrend eines Luftkampfes schwer am Kopf verwundet und musste, kurzzeitig erblindet, notlanden. Von dieser Verwundung sollte er sich nicht mehr vollstÀndig erholen.

Die rote Albatros D.V des FĂŒhrers JG 1, Manfred von Richthofen.

Zusammen mit seinem Bruder Lothar von Richthofen wurde er am 26. Dezember 1917 als Beobachter zu den Friedensverhandlungen nach Brest-Litowsk beordert. Da die Verhandlungen vorzeitig abgebrochen wurden, erlaubte der Oberbefehlshaber Ost den BrĂŒdern die Jagd in den WĂ€ldern von Bialowieza. Dabei handelte es sich um das exklusivste Jagdrevier des ehemaligen russischen Zarenhauses. Nachdem die Verhandlungen wieder aufgenommen waren, verblieben beide bis Mitte Januar 1918 am Verhandlungsort. Manfred wurde dann nach Berlin zurĂŒckbeordert, um bei der PrĂŒfanstalt der Flugzeugmeisterei neue Prototypen zu begutachten. Im Anschluss daran nahm er an einigen Propagandaveranstaltungen in Berliner RĂŒstungsfabriken teil.

Fliegender Zirkus

Aufgrund der zahlenmĂ€ĂŸigen Unterlegenheit der deutschen Fliegertruppe (VerhĂ€ltnis 1:3) entwickelte Richthofen im FrĂŒhjahr 1918 eine Kampftaktik, die von EnglĂ€ndern als “Flying Circus” (deutsch: „Wanderzirkus“) genannt, in die MilitĂ€rgeschichte einging. Dieser Aussage lagen drei Aspekte zu Grunde. Richthofens Geschwader bestand aus der Elite der Fliegertruppe. Da man sich dessen vollauf bewusst war, verzichtete man auf die sonst ĂŒbliche Tarnfarbe an den Flugzeugen und malte sie stattdessen bunt an. Aufgrund der PrĂ€zision, mit der die Flugzeuge gesteuert wurden, sahen die LuftkĂ€mpfe aus der Entfernung wie akrobatische KunststĂŒcke unter einer Zirkuskuppel aus. Außerdem war die Einheit zwischenzeitlich völlig mobil geworden und konnte daher schnell den Standort wechseln. Zu diesem Zweck wurden die Flugzeuge demontiert und zusammen mit dem benötigten Material auf Lastwagen verladen. So konnte das Geschwader Ă€hnlich einem Wanderzirkus innerhalb kĂŒrzester Zeit zu den entsprechenden Brennpunkten verlegt werden, die meistens in unmittelbarer NĂ€he zur Front lagen.

Richthofens Tod

Rekonstruktion eines Fokker Dr. I im Deutschen Museum. Die Farbgebung entspricht nicht der originalen, von Richthofen bei seinem letzten Einsatz geflogenen Maschine.
Australische Soldaten an den Resten von Richthofens Dreidecker nach der Ausschlachtung durch SouvenirjÀger

Am 21. April 1918 hob Richthofen mit einem Fokker Dr.I-Dreidecker und neun anderen Fliegern vom Flugplatz Cappy ab. An diesem Tag verwickelte sich die Gruppe in einen Luftkampf mit den Sopwith Camels der No. 209 Squadron RAF, angefĂŒhrt vom Kanadier Arthur Roy Brown. Als sich der junge Leutnant Wilfrid May vom Kampfgeschehen entfernte, jagte von Richthofen ihm nach. Brown sah, dass May in Schwierigkeiten war, setzte sich im Sturzflug hinter von Richthofen und schoss aus großer Entfernung einige FeuerstĂ¶ĂŸe, die höchstwahrscheinlich fehlgingen. WĂ€hrend von Richthofen May ĂŒber die britischen Linien verfolgte, wurde er von drei australischen MG-SchĂŒtzen beschossen. Tödlich getroffen von einer Kugel, die von rechts unten in Richthofens Oberkörper eingedrungen war, landete von Richthofen nahe der australischen Stellung. Die Stelle ist unter den Koordinaten 49° 55â€Č 51″ N, 2° 32â€Č 30″ O49.9307916666672.54165Koordinaten: 49° 55â€Č 51″ N, 2° 32â€Č 30″ O zu finden. Er verstarb kurz nach der Ankunft von australischen Soldaten. Sein kaum beschĂ€digter berĂŒhmter Dreidecker wurde von SouvenirjĂ€gern zerlegt.

Manfred von Richthofen hatte in seiner Karriere bei der Fliegertruppe 80 bestĂ€tigte Luftsiege erzielt. Der Respekt beim Gegner war so groß, dass er am 22. April mit vollen militĂ€rischen Ehren beerdigt wurde. Er war wahrscheinlich der erste Pilot, zu dessen Trauerfeier die Missing Man Formation[6] geflogen wurde.

Sein Geschwader erfuhr am 23. April 1918 vom Tod durch die Alliierten. Ein Jagdflugzeug ĂŒberflog die Basis und warf folgende Botschaft ab:

“To the German Flying Corps. Rittmeister Baron Manfred von Richthofen was killed in aerial combat on April 21st 1918. He was buried with full military honours.[7]”

„An das deutsche Fliegerkorps. Rittmeister Baron Manfred von Richthofen wurde am 21. April 1918 in einem Luftkampf getötet. Er wurde mit allen militĂ€rischen Ehren begraben.“

Neuere Forschungen von amerikanischen Neuropsychologen lassen vermuten, dass Richthofen aufgrund der am 6. Juli 1917 erlittenen Kopfverletzung ein posttraumatisches Syndrom erlitten habe. Gegen Ă€rztlichen Rat war er schon nach 40 Krankheitstagen wieder im Einsatz. Die SchĂ€digung des vorderen Hirnlappens habe ein „fixierendes Verhalten“ bewirkt, welches dazu gefĂŒhrt haben könnte, dass der „JĂ€ger“ entgegen seiner eigenen frĂŒheren Verhaltensregel nicht von seiner „Beute“ ließ, obwohl diese schon tief hinter die eigene Front geflohen war.

Kontroverse ĂŒber den SchĂŒtzen der tödlichen Kugel

Die tödliche Kugel war von rechts in Richthofens Oberkörper eingedrungen. Sie hatte Lunge, Leber und Herz verletzt, bis sie schließlich verdreht auf der linken Seite mit einer großen Austrittswunde ausgetreten war. Das Projektil blieb in Richthofens Fliegerweste stecken. Deswegen gilt als gesichert, dass der in niedriger Höhe fliegende Richthofen sofort notlanden musste und wenig spĂ€ter verstarb.

Die britische Luftwaffe schrieb dem kanadischen Piloten Brown den Abschuss von Richthofen zu. Da deutsche Flieger die unbeschÀdigte Maschine am Boden sahen, ging man davon aus, dass Richthofen lebend gelandet und am Boden entweder gefangengenommen oder erschossen worden sei.

Durch spĂ€ter bekannt gewordene Erkenntnisse ĂŒber die Art der Verletzung und die Ballistik der tödlichen Kugel ist als gesichert anzunehmen, dass die Kugel von einem der MG-SchĂŒtzen am Boden kurz vor der Notlandung abgefeuert wurde und nicht von einem Piloten in einem Luftkampf. Es besteht keine Sicherheit, wer die tödlichen SchĂŒsse abgegeben hat. Im allgemeinen werden in diesem Zusammenhang drei Personen genannt:

  • Sergeant Cedric Popkin hatte sich als der wahrscheinliche SchĂŒtze[8] bezeichnet und galt entsprechend jahrzehntelang als derjenige, der den Roten Baron abschoss.
  • Robert Buie und William John „Snowy“ Evans eröffneten das Feuer auf den roten Dreidecker als er ihnen direkt entgegen kam. Buie[9], sagte 1956 aus, er habe einen Treffer in seinem Visier beobachtet, worauf der Dreidecker gelandet sei.
Motor von Richthofen's Fokker Dr.1 im Imperial War Museum

Im Jahre 2001/2002 untersuchte ein Expertenteam, bestehend aus zwei Software-Entwicklern fĂŒr Flugsimulatoren, einem Ballistik-Fachmann, einem Gerichtsmediziner, einem Laser-Techniker, einem ScharfschĂŒtzen und einem Historiker, die VorgĂ€nge und kam zu dem Ergebnis, dass von den namentlich bekannten SchĂŒtzen nur der Kamerad von Buie, der schon 1925 verstorbene Snowy Evans den Schuss aus passendem Winkel abgegeben haben konnte.[10]. Eine andere Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass Buie und Evans aufgrund der Einschusswunde von rechts Richthofen nicht abgeschossen haben konnten. Da nur Cedric Popkin[11] sein MG drehte und anschließend aus passendem Winkel auf den roten Dreidecker schoss ist er wahrscheinlich der SchĂŒtze, der Richthofen abschoss.[12]

Nachfolge

Nach Richthofens Tod fĂŒhrte Wilhelm Reinhard das Geschwader bis zum Juli. Nachdem er bei einem Absturz ums Leben kam, wurde auf Befehl des Kommandierenden Generals der LuftstreitkrĂ€fte (Befehl Nr. 178654) Hermann Göring mit der FĂŒhrung des Geschwaders betraut.

RuhestÀtte

Beerdigung von Richthofen (Film)

Richthofen wurde am 22. April 1918 in Bertangles durch englische Fliegeroffiziere zu Grabe getragen und mit militĂ€rischen Ehren beerdigt. In der darauf folgenden Nacht wurde die RuhestĂ€tte von französischen Dorfbewohnern geschĂ€ndet, als sie vergeblich versuchten, den Leichnam auszugraben und verschwinden zu lassen.[13] Nachdem die Nachricht vom Tode des zum Nationalhelden stilisierten Fliegers in der Öffentlichkeit bekannt geworden war, verlas der VizeprĂ€sident des Reichstages vor der Vollversammlung die folgende ErklĂ€rung:

„Unser Fliegerkönig, Rittmeister Freiherr von Richthofen, ist von seinem letzten Kampfesflug nicht zurĂŒckgekehrt. Sie wissen alle, obgleich er erst ein Vierteljahrhundert alt, war er ein Nationalheros geworden, ein Vorbild fĂŒr seine Truppe, ein Beispiel dessen, was ein tĂŒchtiger Mann im Felde leisten kann.“

– Hermann Paasche

Die zentrale Trauerfeier fand am 2. Mai 1918 in Anwesenheit der Kaiserin Auguste Viktoria sowie höchsten MilitĂ€rs in der alten Berliner Garnisonkirche statt. FĂŒnf Jahre spĂ€ter wurde er auf Veranlassung der französischen MilitĂ€rbehörden auf den deutschen Soldatenfriedhof Fricourt umgebettet. Da die Familie die Gebeine in die Heimat zurĂŒckfĂŒhren wollte, wandte sie sich mit dieser Bitte an das Reichswehrministerium. Das Ministerium trat daraufhin in Verhandlungen mit den Franzosen und konnte die Familie schließlich ĂŒberzeugen, den Leichnam nicht auf dem Friedhof in Schweidnitz, wo bereits sein Vater und sein jĂŒngerer Bruder Lothar lagen, zu bestatten, sondern einem BegrĂ€bnis auf dem Invalidenfriedhof in Berlin zuzustimmen. Am 20. November 1925 wurde der von seinem Bruder Karl-Bolko aus Frankreich ĂŒberfĂŒhrte Leichnam fĂŒr einen Staatsakt nach Deutschland gebracht. Nach einer kurzen Feier in der Gnadenkirche unter Anwesenheit von ReichsprĂ€sident Paul von Hindenburg und zahlreichen Regierungsmitgliedern, darunter Reichskanzler Hans Luther und Reichswehrminister Otto Geßler, wurde er in einem Trauerzug in Anwesenheit tausender Berliner, hunderter Soldaten und Offiziere in einem Ehrengrab auf dem Berliner Invalidenfriedhof beigesetzt. Am 28. Oktober 1926 errichtete der Verein Ring der Flieger e.V. einen Deckstein auf dem Grab mit einer Feier zur Grabmalseinweihung.

1937 wurde die GrabstĂ€tte auf Veranlassung der Nationalsozialisten, die Richthofen fĂŒr ihre Ideologie missbrauchten, erneut ĂŒberarbeitet und reprĂ€sentativer dargestellt. Das Grab erhielt nun einen ĂŒberdimensionierten Grabstein, der lediglich den Schriftzug RICHTHOFEN trug. Als der Invalidenfriedhof von der DDR 1975 grĂ¶ĂŸtenteils eingeebnet wurde, gelang es der Familie noch rechtzeitig, die sterblichen Überreste umzubetten. Er ruht nun neben seinem Bruder Karl-Bolko und seiner Schwester Elisabeth im Familiengrab auf dem SĂŒdfriedhof in Wiesbaden. Seinen Grabstein vom Berliner Invalidenfriedhof stiftete am 12. MĂ€rz 1975 die Familie dem Jagdgeschwader 71 "Richthofen" der Luftwaffe.[14]

Ehrungen

Denkmal in ƚwidnica (Schweidnitz):
In diesem Haus wohnte der beste Flieger
des 1. Weltkrieges, der „Rote Baron“
geboren am 2. Mai 1892
gefallen wÀhrend des Kampfeinsatzes
am 21. April 1918
Manfred von Richthofen

Der Rote Baron erhielt in seiner Laufzeit zahlreiche Orden und Ehrenzeichen, der angesehenste darunter war der Pour le MĂ©rite. Nach seinem 70. Luftsieg beantragte General Ludendorff fĂŒr ihn das Eichenlaub zum Pour le MĂ©rite. Das MilitĂ€rkabinett lehnte eine Verleihung jedoch ab. Man berief sich darauf, dass diese hohe Auszeichnung nur fĂŒr eine gewonnene Schlacht vergeben werden konnte. Richthofen erhielt statt dessen am 2. April 1918 den Roten Adlerorden III. Klasse mit Krone und mit Schwertern. Diese Auszeichnung ist jedoch von seiner ExclusivitĂ€t höher einzustufen als das Eichenlaub zum Pour le MĂ©rite, da der Orden in dieser Kombination bis zum Ende der Monarchie lediglich sechs Mal verliehen wurde.

Göring fĂŒhrte 1935 den Ehrentag fĂŒr die deutsche Luftwaffe ein, der an Richthofens Todestag bis zum Ende des Nationalsozialismus 1945 begangen wurde. Bereits am 14. MĂ€rz 1935 hatte Hitler einen Erlass herausgegeben, der bestimmte, dass ein Jagdgeschwader mit der Bezeichnung Jagdgeschwader Richthofen aufzustellen sei. Das Jagdgeschwader 2 der Luftwaffe fĂŒhrte vom 1. Mai 1939 bis 7. Mai 1945 den Ehrennamen Richthofen.

Auch eines der Traditionsgeschwader der bundesdeutschen Luftwaffe ist seit 1961 nach Manfred von Richthofen benannt: das Jagdgeschwader 71 im ostfriesischen Wittmund, das auch eine Richthofen-Kaserne besitzt.

Im Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg, in der NĂ€he des Flughafens Tempelhof gibt es eine Straße, die nach ihm benannt ist (Manfred-von-Richthofen-Straße). Auf dem GelĂ€nde des ehemaligen Fliegerhorstes in Detmold, der bis in die 90er Jahre noch als Kaserne von den Briten genutzt wurde, gibt es ebenfalls eine Richthofenstraße, sowie in weiteren StĂ€dten darunter in Augsburg, GĂŒnzburg und Bremen. In MĂŒnster (Westfalen) befindet sich das Lufttransportkommando an der Manfred-von-Richthofen-Straße. Ebenfalls ist eine Richthofenstraße in Ingolstadt im sogenannten Fliegerviertel zu finden, in dem alle Straßen nach berĂŒhmten Piloten benannt sind. Des Weiteren war das heutige Friedrich Engels Gymnasium, in Berlin Reinickendorf, von 1939 bis 1945 nach Richthofen benannt.

Orden und Ehrenzeichen

Deutsches Reich/Bundesstaaten

Österreich-Ungarn

Bulgarien

Osmanisches Reich

Sonstiges

Die Offiziere aller fliegenden VerbĂ€nde der Luftwaffe spielen jedes Jahr zu seinen Ehren den „Red Barons Cup“ im Fußball aus.

In der Comicreihe Die Peanuts taucht der Rote Baron in der Fantasie des Hundes Snoopy als dessen Feind auf. Dabei sind jedoch weder Manfred von Richthofen noch sein Flugzeug je sichtbar im Bild. Auf dem Comic basierte auch das international erfolgreiche Lied Snoopy vs. the Red Baron (1966) von The Royal Guardsmen.

Siehe auch

Literatur

  • Manfred Freiherr von Richthofen: Der rote Kampfflieger. Ullstein, Berlin 1917 (Neuauflage 1933, mit Einleitung und ErgĂ€nzungen seines Bruders Bolko und einem Vorwort des damaligen Reichsministers Hermann Göring). Reprint, Bremen 2010, ISBN 978-3-86741-209-4.
  • Manfred Freiherr von Richthofen: Ein Heldenleben. Ullstein, Berlin 1920 (Erweiterter Nachdruck von „Der rote Kampfflieger“).
  • Manfred Freiherr von Richthofen: Der rote Baron. Voltmedia, Paderborn 2006, ISBN 3-938478-17-9 (Inhaltlich mit der Autobiographie „Der rote Kampfflieger“ identisch, aber ErgĂ€nzungen von seinem Bruder Lothar und dem Kanadier Brown).
  • Joachim Castan: Der Rote Baron: Die ganze Geschichte des Manfred von Richthofen. 3 Auflage. Klett-Cotta, Stuttgart 2008, ISBN 3-608-94461-3.
  • Norman L. R. Franks und Alan Bennett: Der Rote Baron: Sein letzter Flug. Heel, Königswinter 2007 (Originaltitel: The Red Baron's last flight. A mystery investigated), ISBN 3-89880-842-4.
  • „Der rote Kampfflieger“ Manfred von Richthofen - Die persönlichen Aufzeichnungen des Roten Barons, mit dem "Reglement fĂŒr Kampfflieger", Germa Press, Hamburg 1990, ISBN 3-924865-19-1.
  • Der Rote Baron von Manfred von Richthofen, Filmographie-Biographie-Autobiographie, Books on Demand, Norderstedt 2008, ISBN 3-8370-1930-6.

Weblinks

 Commons: Manfred von Richthofen â€“ Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Joachim Castan: Der Rote Baron – Die ganze Geschichte des Manfred von Richthofen, Klett-Cotta, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-608-94461-7, S.55
  2. ↑ Joachim Castan: Der Rote Baron – Die ganze Geschichte des Manfred von Richthofen, Klett-Cotta, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-608-94461-7, S.62
  3. ↑ Joachim Castan: Der Rote Baron – Die ganze Geschichte des Manfred von Richthofen, Klett-Cotta, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-608-94461-7, S.88
  4. ↑ Tagesspiegel vom 6. April 2008
  5. ↑ Luftfahrtgeschichte.com Juni 2007
  6. ↑ Geschichte der Missing Man Formation
  7. ↑ Mitteilung von Richthofens Tod
  8. ↑ net.lib.byu.edu vom 16. September 2001
  9. ↑ http://www.pbs.org/wgbh/nova/redbaron/theories.html
  10. ↑ Der Wahrheit auf der Spur: der Rote Baron, Fernsehdokumentation. Original: Who killed the Red Baron? - http://www.pbs.org/wgbh/nova/redbaron/
  11. ↑ net.lib.byu.edu vom 16. September 2001
  12. ↑ , Fernsehdokumentation auf arte: Dogfight. Wie starb der Rote Baron? - http://videos.arte.tv/de/videos/dogfight_wie_starb_der_rote_baron_-4112438.html
  13. ↑ a b c Joachim Castan: Der Rote Baron – Die ganze Geschichte des Manfred von Richthofen, Klett-Cotta, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-608-94461-7, S.259
  14. ↑ http://www.bundesarchiv.de/oeffentlichkeitsarbeit/bilder_dokumente/01055/index-33.html.de
  15. ↑ Joachim Castan: Der Rote Baron – Die ganze Geschichte des Manfred von Richthofen, Klett-Cotta, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-608-94461-7, S.93
  16. ↑ Joachim Castan: Der Rote Baron – Die ganze Geschichte des Manfred von Richthofen, Klett-Cotta, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-608-94461-7, S.49
  17. ↑ Joachim Castan: Der Rote Baron – Die ganze Geschichte des Manfred von Richthofen, Klett-Cotta, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-608-94461-7, S.149

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