Marmor

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Marmor
Laokoongruppe aus Marmor in den Vatikanischen Museen
„Ehekarussell“ von JĂŒrgen Weber, Brunnen mit Marmor aus Portugal (helle Partien) und mit dunklen Bronzeskulpturen in NĂŒrnberg

Marmor (ĂŒber lat. marmor aus altgr. ÎŒÎŹÏÎŒÎ±ÏÎżÏ‚, mĂĄrmaros; vermutlich verwandt mit ÎŒÎ±ÏÎŒÎ±ÎŻÏÎ”ÎčÎœ, marmaĂ­rein, „schimmern, glĂ€nzen“) ist ein Gestein, das aus den Mineralen Calcit, Dolomit oder Aragonit besteht, also ein Carbonatgestein.

FĂŒr „Marmor“ existieren unterschiedliche Wortbedeutungen:

Eine Reihe bedeutsamer GebĂ€ude und Kunstwerke besteht aus Marmor. Marmore werden gegenwĂ€rtig vornehmlich fĂŒr Fußboden- und TreppenbelĂ€ge, Wandfliesen, Waschbecken und Fassadenplatten verwendet. Die Gewinnung von Marmor, die seit Jahrtausenden betrieben wird, ist heute noch ein mĂŒhseliger und aufwĂ€ndiger Prozess.

Inhaltsverzeichnis

BegriffserlÀuterung

PietĂ  von Michelangelo im Petersdom von Rom
Figurengruppe des Bildhauers Jean-Jacques Pradier (Musée du Louvre, Paris)

Der Begriff Marmor wird mit unterschiedlichen Bedeutungsfestlegungen verwendet.

Petrographischer Begriff

Marmore sind Metamorphite (Umwandlungsgesteine), die mindestens 50 Volumenprozent Calcit, Dolomit oder seltener Aragonit enthalten. Viele bestehen aus fast nur einem Karbonatmineral (d. h. sind monomineralisch). Marmore haben unter hohem Druck und/oder hoher Temperatur eine Metamorphose erfahren. Die Kristallkörner des Calcits sind zumeist mit dem Auge erkennbar. Viele gehören zu den Paragesteinen, das heißt sie sind aus Sedimentiten (Ablagerungsgesteinen) hervorgegangen. Eine Ausnahme bilden Marmore, die eine zweite Metamorphose durchlaufen haben und schon vorher Marmore und damit Metamorphite waren, und solche, die aus der Umwandlung von Karbonatiten entstehen. Als Karbonatit wird in der Geologie ein seltenes magmatisches Gestein bezeichnet, das mehr als 50 % Karbonatminerale enthĂ€lt. Vereinzelt kommen auch in Abfolgen karbonatischer Sedimentgesteine metamorphe Bereiche vor. Eine Klassifikation der gesamten Einheit als Marmor, Dolomit oder Kalkstein ist dadurch erschwert.

Keine Marmore im petrographischen Sinne sind die „Agglo-Marmore“ sowie Kunst- und Stuckmarmore, welche von Menschenhand hergestellt werden. Marmore sind natĂŒrliche Gesteine und können nicht kĂŒnstlich hergestellt werden.

Nichtpetrographische Definitionen

Kulturbegriff

Im deutschsprachigen Raum werden unzÀhlige Kalksteine, Kalkbrekzien, Dolomite, Travertine, Onyxmarmore und zum Teil weitere Gesteine, die kein oder nur marginal Karbonate enthalten, zum Beispiel Serpentinite, als Marmore bezeichnet. Marmor als Kulturbegriff findet sich seit Jahrhunderten in der Architektur, Innenausstattung, Kunstgewerbe, Kunstgeschichte und anderen Themenbereichen in petrographisch falscher Anwendung wieder, ohne dass dies Folgen hat.

In Italien werden unter der Bezeichnung „marmi“ (Plural-Form) gelegentlich auch polierte Granite und Gneise verkauft, obwohl sie von ihrer Textur mit Karbonatgesteinen oft nur entfernt vergleichbar sind und eine völlig andere chemisch-mineralogische Zusammensetzung als die Marmore haben. Die Anwendung des Wortes Marmor (italienisch: marmo, französisch: marbre, englisch: marble, spanisch: mĂĄrmol, portugiesisch: mĂĄrmore, schwedisch: marmor, russisch: ĐŒŃ€ĂĄĐŒĐŸŃ€, tschechisch: mramor, polnisch: marmur, ungarisch: mĂĄrvĂĄny) als umfassender Kulturbegriff ist fast in allen LĂ€ndern verbreitet. In Frankreich wird etwas stĂ€rker differenziert, indem fĂŒr Kalksteine aller Art deutlich akzentuiert die Worte calcaire (deutsch: Kalkstein) oder nur pierre (deutsch: Stein) eingesetzt werden. Trotzdem wird in der französischen Alltagssprache auch keine exakte petrographische Unterscheidung getroffen. Einige Kalksteine bezeichnet man auch als marbre (z. B. Marbre Rose de Guillestre, Marbre de Campan oder Marbre de VĂ©rone).

Ökonomischer Begriff

Filigrane Marmorvase

WĂ€hrend die beliebige Verwendung des Marmorbegriffs im Kulturleben ohne Folgen bleibt, kann dies in der Ökonomie Konsequenzen haben. Im GeschĂ€ftsleben werden polierfĂ€hige Kalksteine wie zum Beispiel der sogenannte Jura-Marmor, ein Kalkstein, durchaus als Marmor angeboten. Dabei wird vom steinverarbeitenden Gewerbe RĂŒcksicht in VerkaufsgesprĂ€chen darauf genommen, dass die Kunden im deutschsprachigen Raum zumeist lediglich Granit, als â€žĂŒberaus hartes“ Gestein, und Marmor als vermeintlich „teures Gestein“ kennen. Bei einem Verkaufsabschluss ist ein Steinmetzbetrieb entsprechend der derzeitig geltenden Rechtsprechung angehalten, auf den Unterschied zwischen Kalksteinen und Marmoren ausdrĂŒcklich hinzuweisen.

Entstehung

Marmor entsteht durch metamorphe Umwandlung von Kalksteinen, Dolomiten und anderen carbonatreichen Gesteinen unter Einfluss von hohem Druck und hoher Temperatur infolge hoher Sedimentsauflast und/oder tektonischer Versenkung (Regionalmetamorphose) oder durch Aufheizung im Kontakt mit Gesteinsschmelze (Kontaktmetamorphose). Sind Dolomite umgewandelt worden, spricht man von einem „Dolomitmarmor“.

Bei der Kontaktmetamorphose intrudieren granitische oder andere Magmen in die obere Erdkruste. Falls sie die ErdoberflĂ€che nicht erreichen, verbleiben sie in der Erdkruste, kĂŒhlen in Magmenkammern ĂŒber Jahrtausende ab und erstarren zu Granit oder magmatischen Gesteinen Ă€hnlicher Zusammensetzung. WĂ€hrend dieser Phase der AbkĂŒhlung können sich karbonatreiche Gesteine in der Umgebung des Granitplutons zu Marmor umwandeln. Bei einer Kontaktmetamorphose herrschen DrĂŒcke bis 10 Kilobar und Temperaturen ĂŒber 400 Â°C.[1]

Bei der Regionalmetamorphose werden große Mengen an Gestein unter Druck und Hitze ohne Magmenkontakt umgewandelt. Diese Prozesse laufen sehr langsam ab. Dabei können zum Beispiel Marmore mit RichtungsgefĂŒge (spaltraue Platten gewinnbar) entstehen. Die bevorzugte Spaltrichtung liegt meist orthogonal zur Richtung der frĂŒheren Hauptspannung. Da sich Marmore ab einem bestimmten Druck- und Temperaturniveau duktil verformen, können sie Falten und FließgefĂŒge zeigen, die bei inhomogener Verteilung der Nebengemengebestandteile als Marmorierung sichtbar sind (z. B. im Saillon-Marmor von Saillon VS, Schweiz). Duktil bedeutet in der Geologie, dass sich Gesteine insbesondere der unteren kontinentalen Erdkruste unter tektonischem Stress (Hitze und Druck) nicht spröde, sondern plastisch deformieren.

Merkmale und Mineralbestand

Marmor, HandstĂŒck

Ein metamorphes Gestein wird als Marmor bezeichnet, wenn es mindestens 50 Volumenprozent Calcit, Dolomit und/oder Aragonit enthĂ€lt,[2] wobei der hauptsĂ€chlich aus dem Mineral Dolomit CaMg [CO3]2 bestehende Dolomitmarmor eine seltene Variante ist. Noch seltener ist ein Marmor, der sich ĂŒberwiegend aus dem Hochdruckmineral Aragonit zusammensetzt.

Marmore sind in der Regel mittel- bis großkristallin, die einzelnen Calzit-Kristalle variieren wenig in der GrĂ¶ĂŸe und sind oft mit bloßem Auge zu unterscheiden. Es kommen jedoch auch extrem feinkristalline Marmore wie beispielsweise die Sorte Statuario aus Carrara vor, die bei den Bildhauern sehr begehrt ist. Das Merkmal der KristallinitĂ€t gilt auch fĂŒr Marmore, deren Ausgangsgesteine ein SedimentkorngefĂŒge besaßen, wie die Mehrzahl der Meta-Kalksteine und Meta-Mergelsteine (ein Meta-Gestein ist beispielsweise ein aus einem Sandstein entstandener Sandstein usw.). Aufgrund des kristallinen GefĂŒges ist der Porenraum des Marmors gering, was zu einer hohen FrostbestĂ€ndigkeit vieler Marmorsorten fĂŒhrt, sie ist jedoch nicht fĂŒr alle Sorten zu verallgemeinern. Ein typisches Kennzeichen des Marmors ist das Fehlen von Fossilien. Marmore erkennt man optisch auch daran, dass einzelne Kalkspatkristalle in der SpaltflĂ€che, je nach Richtung des Lichteinfalls, glitzern (siehe Abbildung).

Stoffliche Beimengungen in den Ursprungsgesteinen fĂŒhren bei vielen Marmoren zu dem typischen Dekor, zur sogenannten „Marmorisierung“. Marmor kommt in verschiedenen Farben vor – von schwarzgestreift ĂŒber gelb, grĂŒn, rosa bis zu weißem Marmor.[3] Rote bis rötliche Marmore werden durch HĂ€matit, gelbe bis braune durch Limonit, leicht blĂ€uliche und graublaue durch Graphit, kohlige Substanzen oder Bitumen und grĂŒne Marmore durch Chlorit oder Serpentinminerale eingefĂ€rbt. Mehrfarbige Marmore enthalten unterschiedliche Mineralbeimengungen und/oder verschiedene Kristallausbildungen. Einheitlich schwarz gefĂ€rbte Marmore gibt es nicht.

Der weiße Marmor, wie er unter anderem bei Carrara in den apuanischen BergtĂ€lern in Italien und im Krastal in Österreich gefunden wird, wird stark nachgefragt. In Deutschland gibt es derzeit lediglich ein „echtes“ Marmorvorkommen, das fĂŒr Naturwerkstein wirtschaftlich genutzt wird, den Wunsiedler Marmor im Fichtelgebirge. Im Erzgebirge bei Lengefeld und Oberscheibe wird Calcit- und Dolomitmarmor abgebaut, der hauptsĂ€chlich als Zuschlagstoff fĂŒr die Industrie verwendet wird. Durch die hohe Anzahl von Spalten und KlĂŒften können keine ausreichend großen Blöcke gewonnen werden, die sich fĂŒr die wirtschaftliche Nutzung in der Natursteinfertigung eignen. Eine gewisse Bedeutung als Bildhauermaterial hatte der Crottendorfer Marmor erlangt.

Typische Dolomitmarmore sind die des Raurisertals in Österreich und der Thassos-Marmor von der gleichnamigen griechischen Insel. Eine Besonderheit ist der sogenannte Cipollino (ital. Zwiebel), ein Marmor, dessen Dekor wie eine Zwiebel geschichtet ist.[4]

Die weißen Marmore sind lichtdurchlĂ€ssig. Durch eine Marmorsorte aus Paros schimmert es bis zu einer Steindicke von etwa 3,5 Zentimeter und durch die aus Carrara bis etwa 1,5 Zentimeter hindurch.

Gewinnung und Verarbeitung von Marmor

Abbau von Carrara-Marmor
Eine SeilsÀge formatiert einen Marmor-Rohblock in einem Steinbruch in den Bergen von Carrara
Eine SchrÀme mit einem 5 Meter langem Schwert, eine Art KettensÀge, schneidet Marmor-Rohblöcke aus den SteinbruchwÀnden

FrĂŒher wurde Marmor unter Ausnutzung von KlĂŒften mittels Hebestangen und unter Verwendung von Holzkeilen und Wasser gewonnen. Erst spĂ€ter kam es zum Einsatz von Keilen aus Eisen.

Marmor wird seit langem in Europa gewonnen. Auf der griechischen Insel Paros wird etwa seit dem 7. Jahrhundert v. u. Z. und in Carrara seit dem 2. Jahrhundert v. u. Z. Marmor abgebaut. Bis in die Renaissance Ă€nderte sich an der Gewinnungstechnik fĂŒr Marmore wenig. Von der Renaissance bis in die 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurde teilweise mit Sprengladungen gearbeitet, die in Bohrlöcher eingebracht wurden. Beim Einsatz von explosiven Sprengmitteln kam es zu hohem Anfall von Gesteinsschutt und das Gestein wurde durch die Sprengwirkung zum Teil erheblich geschĂ€digt.

Technische Neuerungen im großen Stil in der Marmorverarbeitung kamen aus Carrara in Italien. Um 1815 erfand ein italienischer Arbeiter, Giuseppe Perugi, die SteinsĂ€ge mit mehreren SĂ€geblĂ€ttern, die erste GattersĂ€ge fĂŒr Naturstein, die von schnelllaufenden WasserrĂ€dern angetrieben wurde. Weiter verbessert haben diese Technologie der Schweizer Carlo MĂŒller, bis 1831 der Franzose Nerier acht Eisengestelle eingefĂŒhrt hatte, die es ermöglichten, mehrere großformatige 1 cm dĂŒnne Marmor-Platten herzustellen (das Verfahren wurde 1867 bei der Weltausstellung im Paris prĂ€miert).[5] Im Jahr 1870 gab es schon 40 SĂ€gereien dieser Art in Carrara, 15 in Massa, 26 in Seravezza.[6] 1895 wurde in Italien in Carrara erstmals Spiraldraht, der von Dieselmotoren angetrieben wurde, zum HeraussĂ€gen der Steinblöcke verwendet. Zur KĂŒhlung des Drahtes wurde nicht nur Wasser genutzt, sondern die Stahlseile waren Hunderte von Metern lang und wurden ĂŒber Umlenkrollen durch die SteinbrĂŒche gefĂŒhrt, damit sie in der Schnittfuge abgekĂŒhlt waren. SpĂ€ter wurden die Dieselmotoren durch Elektromotoren ersetzt. Heute wird Marmor nicht mehr mit den sogenannten Lang-SeilsĂ€gen mit metallenen SpiraldrĂ€hten mit mehreren hundert Metern LĂ€nge, sondern mit Kurz-SeilsĂ€gen mit mehreren zehn Meter langen sogenannten Diamantseilen oder mit SchrĂ€men herausgesĂ€gt.

SeilsĂ€gen fĂŒhren je nach Bedarf entsprechend lange dicht mit „Hartmetallperlen“ besetzte Stahlseile durch die Marmorschichten im Steinbruch oder durch die Rohblöcke in den Betrieben. In den Hartmetallperlen befinden sich Industriediamanten. Ein stĂ€ndiger Wasserstrom kĂŒhlt die SĂ€geseile.

SchrĂ€men, vor allem in Italien, schneiden mit SĂ€geschwertern bis zu einer LĂ€nge von 4 bis 5 m, die eine Arbeitstiefe etwa 2–2,50 m erreichen, Lösefugen in die marmornen Gesteinsschichten. Es handelt sich bei den SchrĂ€men um fahrbare ĂŒberdimensionierte KettensĂ€gen, die ohne WasserkĂŒhlung arbeiten. Des Weiteren werden Rohblöcke unter Einsatz von DruckluftbohrhĂ€mmern und Steinspaltwerkzeugen weiter nach Bedarf formatiert.

In die Lösefugen, die die SeilsĂ€gen und SchrĂ€men herstellen, werden sogenannte Lösekissen aus Stahlblech eingelegt, die entweder mit Wasser- oder mit Luftdruck befĂŒllt werden. In diesem Arbeitsvorgang werden die Blöcke zum weiteren Transport aus der Steinwand geschoben. Im Steinbruch werden die gelösten Blöcke mit gewaltigen Radladern bewegt und anschließend auf Lastkraftwagen zum Weitertransport verladen, sofern die Steinverarbeitung nicht unmittelbar im Steinbruch erfolgt.

Die Marmor-Rohblöcke werden mittels GattersĂ€gen, die zwischen 80 bis 120 SĂ€geblĂ€tter haben, in Tranchen oder Platten gesĂ€gt, anschließend werden die Sichtseiten geschliffen und poliert. Die erforderlichen Stein-Formate der WerkstĂŒcke werden mit SteinsĂ€gen hergestellt.

Verwendung und Haltbarkeit

Ein Torso aus Marmor entsteht
Waschbecken aus Carrara-Marmor
Sitzbank (dunkelblau ist Typ Bardiglio, hell ist Carrara-Marmor C) und BaumbehÀlter auf der Piazza Alberica in Carrara

Bauwerke und Plastiken der griechischen Antike wie die Akropolis und der Pergamonaltar,[7] die Nike von Samothrake und die Venus von Milo bestehen aus griechischem Marmor. Im Römischen Reich waren Ehrenstatuen aus Marmor (so genannte áŒ€ÎłÎŹÎ»ÎŒÎ±Ï„Î± agalmata) Göttern sowie dem Kaiser und seinen Familienangehörigen vorbehalten. BĂŒrgerliche Personen wurden dagegen gemeinhin mit Statuen aus Bronze (ΔጰÎșáż¶ÎœÎ”Ï‚ eikones) geehrt. Marmorstatuen von ihnen wurden nur im privaten Raum oder an GrĂ€bern aufgestellt.[8] Viele Kunstwerke der italienischen Renaissance, etwa Michelangelos PietĂ , David und Moses bestehen aus italienischem Carrara-Marmor.

Wegen der großen kunsthistorischen Bedeutung sowie der sehr speziellen, nicht mit Sandsteinen und anderen Sedimenten vergleichbaren Materialeigenschaften ist die Konservierung von Marmor ein eigenes Forschungsfeld.[9]

Marmore sind heute im „Innenausbau“ begehrt. Sie finden Verwendung als Boden- und TreppenbelĂ€ge sowie als Fliesen. Sie sind begehrte Bildhauermaterialien, vor allem der Carrara-Marmor. Aufgrund ihrer SĂ€ureempfindlichkeit (Essig, Wein, ZitrusfrĂŒchte und starke Reinigungsmittel) sind unbehandelte Marmore nicht zur Verwendung in KĂŒchen bzw. als KĂŒchenarbeitsplatten zu empfehlen. Es kann zur Fleckenbildung kommen. Allerdings sind die Fleckschutzbehandlungen aufgrund ihrer Zusammensetzung (Silane, Siloxane) auch nicht unumstritten. Dolomitmarmor zeigt eine wesentlich höhere Resistenz gegenĂŒber AmidosulfonsĂ€ure oder FruchtsĂ€uren als der Kalzitmarmor.

Seit Mitte der 1960er Jahre werden Fassadenplatten aus Naturstein mit einer Dicke von 30 bis 40 mm und einer Luftschicht von mindestens 2 cm vor der dahinterliegenden WĂ€rmedĂ€mmung verankert. An einer Reihe befestigter Marmor-Platten an Fassaden sind erhebliche Verbiegungen (sogenannte SchĂŒsselungen) festgestellt worden, die zu statischen Problemen an bekannten marmorverkleideten GebĂ€uden, wie beispielsweise der Finlandia Hall in Helsinki, dem Grande Arche de la DĂ©fense in Paris und dem Aon Center in Chicago fĂŒhrten. Die Verbiegungen resultieren vor allem aus der Feuchtigkeit der Platten an der Vorder- und RĂŒckseite sowie im Tag-Nachtwechsel und Verwitterungsprozessen an den OberflĂ€chen mit Auswirkungen an den Befestigungspunkten.[10] Die SchĂŒsselung des Marmors hat zu einem kostspieligen Austausch ganzer Fassaden und zu einem Imageproblem gefĂŒhrt, das sich in stark gesunkenen Produktionsraten der Marmorindustrie niederschlug. Es gibt durchaus Unterschiede bei den jeweiligen Marmorsorten, die in Fachplanungen zu berĂŒcksichtigen sind. Marmoraußenfassaden, die extrem bewittert werden, erscheinen nördlich der Alpen wenig zweckmĂ€ĂŸig.

In Gegensatz zum deutschsprachigen Raum werden in MittelmeerlĂ€ndern und in Frankreich Marmore und Kalksteine ganz selbstverstĂ€ndlich fĂŒr KĂŒchenarbeitsplatten, Waschbecken und andere GebrauchsgegenstĂ€nde im Wohnbereich, aber auch im Außenbereich (z.B. als Bordsteinkanten, SitzbĂ€nke oder BehĂ€lter fĂŒr junge BĂ€ume) verwendet. Die Akzeptanz von Abnutzungserscheinungen an jedem Material ist eine Frage der Haltung von Personen zu allgegenwĂ€rtigen Gebrauchsspuren. Beim Einbau von polierten Marmorfußböden können sich je nach Nutzung relativ schnell matte Laufzonen abzeichnen. Dieses PhĂ€nomen gilt fĂŒr alle polierten Fußböden aus Gesteinen, die aus Karbonatmineralen bestehen. Im Einzelfall kann sich dies bei Graniten ebenfalls einstellen.

Die oft störend empfundene SaugfÀhigkeit der Marmore und Kalksteine ist eine Frage der Materialauswahl. Sie ist stets von der PorositÀt des jeweiligen Natursteins abhÀngig. Es gibt Marmore und Kalksteine, die eine PorositÀt unter 1 Prozent besitzen. Empfindlich sind alle Marmore gegen sauren Regen und SÀuren. Einzelne Granite und Gneise weisen auch eine spezifische SÀureempfindlichkeit auf.

Gerundete Marmorsteine werden zur Herstellung von Steinteppichen verwendet.

Weitere Verwendung findet Marmor in feinster Pulverform als Scheuermittel in Zahnpasta und als FĂŒllstoff bzw. Streichfarbe von hochwertigen Papieren oder in Grundierungen der Tafelmalerei, auch als Weißpigment oder Weißmineral in Putzen und Wandfarben (siehe auch Calciumcarbonat). Die Belieferung dieser Industriezweige wird durch eigens hierfĂŒr ausgewĂ€hlte SteinbrĂŒche erfĂŒllt.

Marmorsorten

Marmore können in vielen Farben und Texturen auftreten. Die unten stehenden Abbildungen zeigen eine Auswahl von Marmorsorten.

→:Hauptartikel: Liste der Marmore

Kulturgeschichtlich bedeutende Marmore

AusgewĂ€hlte grĂ¶ĂŸere Marmorabbauregionen

Europa

  • Frankreich: Region Pas de Calais
  • Griechenland: Drama, Kavala, Thasos
  • Italien: Massa-Carrara, Laas (SĂŒdtirol)
  • Portugal: Estremoz-Borba-Vila Viçosa

Asien

  • TĂŒrkei: Regionen Muğla, Afyon, Sivas und Amasya

Amerika

  • USA: Bundesstaaten Georgia und Vermont
  • Kanada: Provinz Quebec

Literatur

  • Karlfried Fuchs: Natursteine aus aller Welt, entdecken, bestimmen, anwenden. Callwey, MĂŒnchen 1997.
  • Jacques Dubarry de Lassale: Marmor. Vorkommen, Bestimmung, Verarbeitung. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart/MĂŒnchen 2002. ISBN 3-421-03409-5.
  • Luciana und Tiziano Mannoni: Marmor, Material und Kultur. MĂŒnchen 1980, ISBN 3-7667-0505-9.
  • Friedrich MĂŒller: Gesteinskunde, Lehrbuch und Nachschlagewerk ĂŒber Gesteine fĂŒr Hochbau, Innenarchitektur, Kunst und Restaurierung. 6. Aufl., kompl. ĂŒberarbeitet, Ebner, Ulm 2001, ISBN 3-87188-122-8.
  • Dietmar Reinsch: Gesteinskunde. Hrsg. v. Bildungszentrum fĂŒr das Steinmetz- und Bildhauerhandwerk. In: Steinmetzpraxis, Das Handbuch fĂŒr die tĂ€gliche Arbeit mit Naturstein. 2. ĂŒberarbeitete Auflage, Ulm 1994, ISBN 3-87188-138-4.
  • Gunter Steinbach (Hrsg.): Gesteine, 113 Gesteinsgruppen mit zahlreichen VarietĂ€ten. Neue bearbeitete Sonderausgabe, Mosaik, MĂŒnchen 1996, S. 204.

Siehe auch

Weblinks

Musée du Marbre et de la Pierre Bleue in Bellignies (Frankreich)
 Commons: Marmor â€“ Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Marmor â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Karlfried Fuchs: Natursteine, Seite XII, siehe Lit.
  2. ↑ Gunter Steinbach: Gesteine, Seite 204, siehe Lit.
  3. ↑ Friedrich MĂŒller: Gesteinskunde, Seite 173 ff., siehe Lit.
  4. ↑ Dietmar Reinsch: Gesteinskunde, Seite 259, siehe Lit.
  5. ↑ Luciana und Tiziano Mannoni: Marmor, S. 208, siehe Lit.
  6. ↑ SĂ€gen von Marmor
  7. ↑ Der Marmor des Pergamonaltars wurde auf der heute tĂŒrkischen Insel Marmara unweit der Dardanellen gebrochen
  8. ↑ Götz Lahusen, Römische Bildnisse. Auftraggeber - Funktionen - Standorte, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2010, S. 68
  9. ↑ Marmor-Konservierung.Themenheft [Special issue: Preservation of Marbles.] Eds.: Siegesmund, Siegfried; Snethlage, Rolf; Vollbrecht, Axel; Weiss, Thomas. 1999. 213 S., 130 Abb., 23 Tabellen, 4 Tafeln, 0.1 x 0. cm (Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft, Band 150 Heft 2). ISBN 978-3-510-66017-9.
  10. ↑ Studie zur SchĂŒsselung von Fassadenplatten aus Marmor (PDF)
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  • mĂĄrmor — (Del lat. marmor, Əris). m. desus. mĂĄrmol 
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