Matchpoint

Filmdaten
Deutscher Titel: Match Point
Originaltitel: Match Point
Produktionsland: Vereinigtes Königreich
Vereinigte Staaten
Erscheinungsjahr: 2005
Länge: ca. 119 Minuten
Originalsprache: Englisch
Altersfreigabe: FSK 6
Stab
Regie: Woody Allen
Drehbuch: Woody Allen
Produktion: Letty Aronson
Lucy Darwin
Stephen Tenenbaum
Gareth Wiley
Musik: Giuseppe Verdi
(La Traviata, Rigoletto)
Kamera: Remi Adefarasin
Schnitt: Alisa Lepselter
Besetzung

Match Point ist ein Spielfilm des US-amerikanischen Regisseurs Woody Allen aus dem Jahr 2005. Der Film basiert auf einem Original-Drehbuch Allens und wurde u. a. von der BBC und ihrer Tochtergesellschaft BBC Films produziert. Der Film kam am 29. Dezember 2005 in die deutschen Kinos und lockte über 820.000 Zuschauer in die Vorstellungen.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Der Film beginnt mit der Zeitlupenaufnahme eines Tennisballs, der auf der Netzkante aufschlägt und senkrecht in die Höhe abgelenkt wird, wobei unklar bleibt, in welches Feld er schließlich fallen wird.

Chris Wilton, der aus einfachen irischen Verhältnissen stammt und seine mittelmäßige Karriere als Tennisprofi aufgegeben hat, kommt nach London, um als Tennislehrer in einem exklusiven Club zu arbeiten. Dabei schließt er Bekanntschaft mit dem reichen Tom Hewett, der einer Industriellenfamilie entstammt und Mitglied der Londoner High Society ist. Beide schwärmen gleichermaßen für italienische Opernmusik – Aufnahmen u.a. mit Enrico Caruso bilden den Soundtrack – und bald wird Chris zum gerne gesehenen Gast im Haus der Familie Hewett. Den Vater beeindruckt Wilton durch ein Gespräch über Fjodor Dostojewski, außerdem verliebt sich die junge, großgewachsene und aparte Chloe Hewett nach einer Tennispartie in ihn. Sie vereinbaren ein Treffen in der Saatchi Gallery, gehen ins Kino, und nachdem Chris sie küsst, entspinnt sich zwischen ihnen eine Liebesbeziehung.

Bei den Hewetts lernt Chris außerdem die schöne, aber erfolglose US-amerikanische Schauspielerin Nola Rice kennen, die bisher lediglich einen Auftritt in einem Werbespot ergattert hat. Sie ist Toms Freundin, ihre aggressive Erotik trifft auf das Begehren des Tennisspielers, der sich jedoch zunächst zurückhalten muss. Die Beziehung zwischen Tom und Nola wird von den Eltern bestenfalls toleriert, die Mutter jedoch ergeht sich in kühlen Anspielungen auf die erfolglose Schauspielerei Nolas und rät ihr, sich eine andere Tätigkeit zu suchen.

Der soziale Aufsteiger Chris wird bald mit einer Anstellung in der Firma der Hewetts belohnt, die Chloe angeregt hat, und möchte seine neue Stellung in der finanziell sorglosen Oberschicht festigen. Er heiratet Chloe und bezieht mit ihr eine exklusive Dachgeschosswohnung am Südufer der Themse, leidenschaftliches Begehren empfindet Chris jedoch für Toms Freundin Nola. Er beginnt eine heimliche Affäre mit ihr, die sich intensiviert, nachdem sich Tom von ihr trennt, weil er sich in eine andere, gesellschaftlich passendere Frau verliebt hat. Das Verhältnis gerät jedoch in eine Schieflage, als Nola schwanger wird, während bei Chloe das sehnsüchtig erwartete Kind trotz Konsultation mehrerer Ärzte ausbleibt. Immer angestrengter versucht Chloe schwanger zu werden und verdächtigt ihren Ehemann für einen Moment lang, eine Affäre zu haben, da er sich immer öfter teilnahmslos zeigt, abwesend ist und heimliche Telefongespräche führt. Seine ehelichen Pflichten sieht Chris schon einige Zeit als Last an.

Chris wird von Nola dazu gedrängt, sich zwischen ihr und seiner reichen Ehefrau zu entscheiden. Schließlich droht Nola, die in einer Londoner Boutique jobbt und nebenbei Theatercastings absolviert, Chloe selbst zu informieren, wenn er nicht den Mut dazu aufbringe. Chris entscheidet sich schließlich dafür, Nola umzubringen und Chloe und seiner gesellschaftlichen Position treu zu bleiben. Tatsächlich gelingt es Chris, seinen raffinierten Mordplan in die Tat umzusetzen: Er erschießt eine Nachbarin Nolas in deren Wohnung, danach diese selbst vor ihrer Wohnungstüre und versucht das Verbrechen als Raubmord zu tarnen. Den bei der Nachbarin erbeuteten Schmuck wirft er in die Themse, und auch deren Ehering soll so enden, er schlägt jedoch – eine visuelle Parallele zum anfangs gezeigten Tennisball – am Ufergeländer auf und fällt auf die Brüstung desselben. Die ermittelnden Polizisten vermuten zunächst, Drogensüchtige hätten den Überfall begangen, um Geld zu beschaffen, und Nola sei ihnen dabei zufällig in die Quere gekommen. Allerdings verhören sie Chris, weil sie von seinem außerehelichen Abenteuer aus Nolas Tagebuch erfahren haben. Der leitende Ermittler hat eine nächtliche Eingebung und kommt auf die Idee, Chris sei der Mörder gewesen. Seine Schlussfolgerungen sind völlig richtig, allerdings fehlen ihm die Beweise. Als jedoch der vermisste Ehering der Nachbarin im Besitz eines ermordeten Junkies gefunden wird, lässt man den Verdacht gegen Chris fallen und hält den Fall für gelöst. Gegen Ende des Films tauchen in einer traumartig-irrealen Szene die beiden Mordopfer auf und ziehen Chris in einem kurzen Gespräch zur Rechenschaft über seine Tat. Chris meint, es wäre angemessen, wenn er festgenommen und bestraft würde, es wäre ein Zeichen von Gerechtigkeit oder ein Funken Hoffnung für Sinn in der Welt. In der abschließenden Szene befindet sich Chris scheinbar integriert im Familienkreis, man feiert die Niederkunft seiner Ehefrau, die endlich schwanger geworden war und einen Sohn bekommen hat. Der Film endet damit, dass Chris mit abwesender Miene aus dem Fenster nach draußen blickt, ohne sich am Gespräch der anderen zu beteiligen.

Hintergrund

Entstehungsgeschichte

Der Film entstand nach einem Original-Drehbuch Woody Allens, das sich von der Handlung her leicht an Dostojewskis Schuld und Sühne, einem Roman von Allens Lieblingsautor (zu Beginn des Films liest der Protagonist in eben diesem Roman), sowie Patricia Highsmiths Roman Der talentierte Mr. Ripley anlehnt. In der Handlungsstruktur noch enger lehnt Allen sein Drehbuch jedoch an den 1950 von George Stevens - nach dem melodramatischen Roman „An American Tragedy“ von Theodore Dreiser - gedrehten Film „A Place in the Sun“ (Darsteller: Elizabeth Taylor, Montgomery Clift) an. Der Film ist in einen Prolog, verschiedene Kapitel und einen Epilog eingeteilt.

Allen befasst sich mit der Thematik nicht zum ersten Mal: Die Handlung hat er bereits einmal fast identisch in Verbrechen und andere Kleinigkeiten verarbeitet: Dort ist es der von Martin Landau gespielte Arzt, der von seiner Affäre (Anjelica Huston) nicht lassen kann, von ihr zur Entscheidung gezwungen wird, sie dann umbringen lässt – und (auch zu seinem eigenen Erstaunen) mit dieser Schuld ausgezeichnet zurechtkommt.

Die Dreharbeiten zu Match Point begannen am 12. Juni 2004 mit vorwiegend britischen Schauspielern und einer britischen Filmcrew. Der Film wurde als erstes Werk Woody Allens komplett in London gedreht, was vor allem darauf zurückgeführt wird, dass der Regisseur in den USA für seine Filme keine Geldgeber mehr fand.

Rezeption

Match Point feierte seine Premiere am 12. Mai 2005 bei den Filmfestspielen von Cannes, wo er außerhalb des Wettbewerbs gezeigt wurde. Nach eher mittelmäßigen Werken wurde Woody Allens Film von der Kritik gefeiert und als für ihn völlig untypisch und revolutionär betitelt.

Finanzen

Der Film wurde mit einem Budget von 15 Mio. US-Dollar in Szene gesetzt. Weltweit erzielte er ein Einspielergebnis von 85,5 Mio. US-Dollar, darunter wurden 23 Mio. US-Dollar in den USA eingespielt.[1] Der Spielfilm gilt deshalb als ein finanzieller Erfolg.

Kritiken

  • „Woody Allens Blick auf Britanniens High Society ist notwendigerweise nicht der eines Insiders, sondern ein angelesener, kinogeformter. Einige Bilder wirken fast touristisch, und Allen hat in Cannes freimütig gestanden, manche Motive nur eingebaut zu haben, weil sie ihm im Vorbeifahren gefielen. Nach einer Stunde könnte man glauben, einer Leichtgewichts-Version von Robert Altmans „Gosford Park“ beizuwohnen; auch da hatte ein US-Regisseur Britanniens Upper Class unters Mikroskop gelegt.“ (Die Welt)
  • „In 'Match Point' – gedreht durchweg in London – spaziert Woody Allen in reichlich zwei Stunden durch gleich drei Genres. Der Film hebt an wie ein wunderbar federnd aktualisierter britischer Gesellschaftsroman, der vom Aufstieg eines ebenso armen wie hübschen Tennislehrers zum Upperclass-Businessman erzählt. Verwandelt sich mittendrin mit fast dokumentarischem Widerspiegelungsfuror in ein Ehebruch-Kammerspiel. Und landet ziemlich unversehens beim Polizeifilm. Ein erst aufregendes Abenteuer. Dann eine arg wacklige Zitterpartie. Aber einer wie Woody Allen kriegt immer die Kurve.“ (Tagesspiegel)
  • „Seit 'Verbrechen und andere Kleinigkeiten' hat Woody Allen keinen so kalten, herzlosen und genauen Film mehr gedreht. Damals, nach den Verspieltheiten der achtziger Jahre, wirkte der Pessimismus dieses zweistündigen Blicks in die Mördergrube wie ein reinigendes Gewitter.“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung)
  • „Woody Allens neuer Film wäre auch aus anderen Gründen als denen der repräsentativen Prominenz und des Kunstgenusses die perfekte Eröffnung dieses Festivals gewesen.“ (Berliner Zeitung)
  • „In Cannes lief Match Point außer Konkurrenz. Er hätte die Goldene Palme verdient!“ (Der Standard)[2]

Anmerkungen

  • Ursprünglich war Kate Winslet für die weibliche Hauptrolle in Match Point vorgesehen. Winslet stieg aber aus dem Filmprojekt aus, um mehr Zeit mit ihrer Familie zu verbringen.
  • Für Regisseur Woody Allen ist es der 39. Spielfilm seiner Karriere.
  • Scarlett Johansson verbindet seit diesem Film mit Woody Allen eine gute Freundschaft, so dass sie bereits zwei weitere Filme unter seiner Regie abgedreht hat: zum einen Scoop - Der Knüller (2006), zum anderen Vicky Cristina Barcelona (2008).
  • Im Gegensatz zu vielen anderen seiner Filme verzichtete Woody Allen in Match Point darauf, auch vor der Kamera zu agieren.

Auszeichnungen

Bei der Verleihung des Golden Globe am 16. Januar 2006 war der Film in vier Kategorien nominiert, u. a. bestes Filmdrama und beste Regie, sowie Scarlett Johansson als beste Nebendarstellerin. Bei der Oscar-Verleihung konnte sich der Film kaum gegen die Konkurrenz durchsetzen, und nur Regisseur Woody Allen wurde für sein Original-Drehbuch nominiert. Für Allen ist es die 21. Nominierung für den Academy Award. Bei der Verleihung des wichtigsten spanisches Filmpreises, des Goya, konnte sich Match Point u. a. gegen Fernando Meirelles Der ewige Gärtner und den deutschen Beitrag Der Untergang von Oliver Hirschbiegel durchsetzen.

Oscar 2006

  • nominiert in der Kategorie Bestes Original-Drehbuch

Golden Globe 2006

  • nominiert in den Kategorien
    • Bester Film - Drama
    • Beste Regie
    • Beste Nebendarstellerin (Scarlett Johansson)
    • Bestes Drehbuch

Weitere

Goya 2006

  • Bester europäischer Film

Online Film Critics Society Awards 2006

  • nominiert in der Kategorie Bestes Original-Drehbuch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Box office
  2. derStandard.at

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