Maya

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Maya
Bildrelief aus Palenque (8. Jahrh.)

Die Maya sind ein indigenes Volk bzw. eine Gruppe indigener V√∂lker in Mittelamerika, die insbesondere aufgrund der von ihnen im Pr√§kolumbischen Mesoamerika gegr√ľndeten Reiche und ihrer hoch entwickelten Kultur bekannt sind.

Inhaltsverzeichnis

Hintergrund

Heutige Maya (Yucatán, México)

In ihrer Bl√ľtezeit stellten sie eine m√§chtige Hochkultur dar. Man spricht zumeist von einer Maya-Kultur; tats√§chlich gibt es auch viele Gemeinsamkeiten zwischen den verschiedenen Fundstellen aus der Vergangenheit ‚Äď doch stehen hinter dieser Kultur verschiedene V√∂lker mit miteinander mehr oder weniger eng verwandten Maya-Sprachen. Nicht nur wegen der r√§umlichen Gegebenheiten unterscheidet man traditionell zwischen Hochland- (in Chiapas und Guatemala) und Tieflandmaya (in Yucat√°n, im Pet√©n und Belize). Im Lauf der Geschichte l√§sst sich eine Verschiebung der hochkulturellen Zentren vom Hochland ins Tiefland und dann in den Norden von Yucat√°n beobachten.

Zur Zeit der Ankunft der Spanier Ende des 15. Jahrhunderts lagen die Zentren der nachklassischen Maya-Kultur im √§u√üersten Norden von Yucat√°n, w√§hrend das zentrale Tiefland nur noch d√ľnn besiedelt war. Im s√ľdwestlichen Hochland existierte zu diesem Zeitpunkt eine recht eigenst√§ndige Maya-Kultur: die Kultur der Quich√©. Im Gegensatz zu vielen anderen indigenen V√∂lkern existieren die Maya noch heute und leben auf der Yucat√°n-Halbinsel sowie in Belize, Guatemala und Honduras.

Ber√ľhmt sind die Maya f√ľr den Anbau von Mais, ihre Mathematik und f√ľr ihren hoch entwickelten Kalender, geschrieben in Maya-Schrift. Die mittlerweile weitgehend entzifferte Schrift war, obwohl auf Bildsymbolen basierend, mehr als eine reine Ideogrammschrift und war bis zur Ankunft der Spanier das einzige Schriftmedium in Amerika. Kunsthandwerk (Bearbeitung von Stein, Keramik, Holz, Textilien) und Malerei waren hoch entwickelt, Metallverarbeitung (Gold, Silber, Kupfer) spielte erst sp√§t und fast nur f√ľr rituelle Zwecke eine Rolle, nicht f√ľr die Werkzeugherstellung. In den St√§dten gab es bis zu 75 m hohe Stufenpyramiden, Pal√§ste, Observatorien und Ballspielpl√§tze.

Geographie

Traditionelles Siedlungsgebiet

Die Maya lebten in S√ľd- und S√ľdost-Mexiko (Yucat√°n) sowie in Teilen von Guatemala, Honduras und Belize. Dieses ausgedehnte Gebiet umfasste ungef√§hr 350.000 km¬≤. Im Norden des damaligen Mayalandes ragt die Halbinsel Yucat√°n weit ins Karibische Meer hinaus. Die Niederschlagsmenge in diesem Gebiet war stets extrem gering, dazu ungleich verteilt, die Region war daher weitestgehend versteppt und mit Dornb√ľschen bewachsen. Im s√ľdlichen Tiefland herrschte eine Savannenlandschaft vor, deren Bodenh√∂he kaum einmal √ľber 200 Metern liegt. Da die Gegend schon immer tektonisch sehr aktiv war, ist ihr Boden mit vielen Mineralien angereichert, wodurch sie f√ľr den Ackerbau sehr attraktiv wurde.

Geschichte

Fr√ľhe Pr√§klassik (ca. 3000‚Äď900 v. Chr.)

In der fr√ľhen Vorklassik kommt es am Ende der Archaischen Periode zu ersten dauerhaften Siedlungen und zur Entwicklung von Landwirtschaft im Mayagebiet. Erste den Maya zugerechnete arch√§ologische Funde aus Cuello (Belize) werden auf etwa 2000 v. Chr. datiert. Von diesem Ursprungsort aus wird eine Aufspaltung und Bewegung nach Norden (Golf von Mexiko) angenommen. In Cop√°n (Honduras) siedelten J√§ger um ca. 1100 v. Chr. Ebenfalls in der Fr√ľhen Vorklassik wurde Lamanai gegr√ľndet, das mit einer permanenten Besiedlungszeit von etwa 3000 Jahren zu den am l√§ngsten genutzten Mayast√§dten geh√∂rt. Ca. 1000 v. Chr. wurde Cahal Pech besiedelt und blieb es bis ca. 700 n. Chr.

Mittlere Pr√§klassik (ca. 900‚Äď400 v. Chr.)

Tikal

In der mittleren Vorklassik kommt es zur durchgehenden Besiedlung im gesamten Mayagebiet und zur Entwicklung von Handel zwischen den Städten. Etwa im 7. Jh. v. Chr. finden sich die ersten Siedlungsspuren im Gebiet von Tikal in Guatemala. Am Golf von Mexiko lassen sich etwa 500 v. Chr. erstmals Siedlungsbauten und steinerne Tempel nachweisen. Zu den ersten großen Städten der Maya gehören El Mirador mit der höchsten bekannten Maya-Pyramide (72 m) und Nakbe im heutigen Guatemala, von denen letztere ihre Glanzzeit zwischen 800 und 400 v. Chr. hatte.

Sp√§te Pr√§klassik (ca. 400 v. Chr. ‚Äď 250 n. Chr.)

In der späten Vorklassik entstehen durch starkes Bevölkerungswachstum große Mayazentren und es kommt zur Bildung von Herrschereliten.

Fr√ľhe Klassik (ca. 250‚Äď600 n. Chr.)

Palenque

In Tikal findet sich die erste datierte Maya-Stele von 292 n. Chr. Im Jahr 562 kommt es zu einem gro√üen Krieg zwischen Calakmul und Tikal. Chich√©n Itz√° wurde um das Jahr 650 gegr√ľndet.

Sp√§te Klassik (ca. 600‚Äď900 n. Chr.)

Die klassische Maya-Zivilisation umfasste eine Reihe von Stadtstaaten, die jeweils einen eigenen Herrscher und ihm untergebene Verwalter hatte. Mit der Ausbreitung √ľber die ganze Yucat√°n-Halbinsel erreichte die Hochkultur der Maya ihre Bl√ľtezeit, w√§hrend deren auch Uxmal und Cob√° gegr√ľndet wurden. Weitere wichtige St√§dte waren Tikal, Calakmul, Bonampak und Quirigu√°. Viele St√§dte waren durch Dammstra√üen (Sakbe) miteinander verbunden. Die St√§dte hatten teilweise mehr als 10.000 Einwohner und waren damit gr√∂√üer als die gr√∂√üten St√§dte des damaligen Mitteleuropa.

Zu den Maya-Zentren der Klassik gehören unter anderen Bonampak, Calakmul, Caracol, Xunantunich, Lubaantun, Copán, Dos Pilas, Nakum, Naranjo, Palenque, Piedras Negras, Rio Azul, Tikal, Yaxchilán oder Yaxha. Funde aus der Spätklassik wie auch der Zeit seit der Späten Präklassik wurden in der Höhle Actun Tunichil Muknal in Belize gemacht, in der neben Skelettresten auch Keramiken und Steinzeug gefunden wurden.

Der Kollaps der Maya-Zentren im zentralen Tiefland

Vasenmalerei, Maya-F√ľrst auf Jaguarfell thronend, 700-800 n. Chr.

Bereits im 9. Jahrhundert kommt es zur Aufgabe einzelner Maya-Zentren im s√ľdlichen Tiefland und in der Folgezeit zu einem rapiden Bev√∂lkerungsverlust in der gesamten Zentralregion Yukatans. Zahlreiche St√§dte werden verlassen, die Bew√§sserungssysteme verfallen. Nach der Mitte des 10. Jahrhunderts werden im gesamten Tiefland keine monumentalen Steinstelen mehr errichtet. Der Zusammenbruch der Maya-Gesellschaft ist Gegenstand einer breiten und langanhaltenden Forschungsdiskussion. Dabei lassen sich zwei Hauptans√§tze unterscheiden: √Ėkologische und Nicht-√Ėkologische Erkl√§rungsmodelle.

Die √∂kologischen Erkl√§rungsmodelle konzentrieren sich auf das Verh√§ltnis zwischen Mensch und Umwelt. W√§hrend der sp√§ten klassischen Periode scheint sich dieses Verh√§ltnis deutlich verschlechtert zu haben; einer stark gewachsenen Bev√∂lkerung steht eine begrenzte Ackerbaufl√§che mit z. T. nur geringwertigen B√∂den gegen√ľber, die ‚Äď trotz Bew√§sserung ‚Äď offenbar haupts√§chlich im traditionellen und fl√§chenintensiven Milpa-System bearbeitet wird. Aufgrund dieser Beobachtungen formulierte O. F. Cook im Jahre 1921 seine Hypothese der Bodenverarmung.[1]
Die nicht-√∂kologischen Erkl√§rungsmodelle umfassen Erkl√§rungsans√§tze der unterschiedlichsten Art, wie Invasionen, Katastrophen, Epidemien und Klimaver√§nderungen. Arch√§ologische Belege f√ľr das Eindringen der Tolteken in Nordyukatan (Seibal) scheinen die Invasions-Hypothese zu st√ľtzen. Die Mehrzahl der Maya-Forscher bezweifelt jedoch, dass eine Eroberung als Hauptgrund f√ľr den fl√§chendeckenden gesellschaftlichen Zusammenbruch im Tiefland infrage kommt. Die Vermutung, dass Klimaschwankungen und insbesondere D√ľrren f√ľr den Untergang der Hochkultur verantwortlich gewesen seien, hat durch den Nachweis verminderter Niederschl√§ge im 9. und 10. Jh. in Venezuela unter Leitung des Geologen Gerald Haug im Jahre 2003 Auftrieb erhalten. [2] Als ein weiterer Grund f√ľr den Zusammenbruch der klassischen Maya-Gesellschaft im zentralen Tiefland wird das Ende der Metropole Teotihuac√°n in Zentralmexiko diskutiert, welches angeblich ein au√üerordentliches Machtvakuum hinterlie√ü, das sich bis nach Yucat√°n hin auswirkte und von den rivalisierenden Stadtstaaten der Maya nicht ausgef√ľllt werden konnte. Dagegen spricht jedoch, dass der Untergang Teotihuac√°ns mittlerweile eher in das 6./7. Jahrhundert datiert wird, also noch vor der kulturellen und machtpolitischen Hochbl√ľte der klassischen Maya im 8. Jahrhundert stattgefunden hat.[3] Wahrscheinlich l√§sst sich mit dem Niedergang der zentralmexikanischen Metropole eher die Schw√§chephase in der Geschichte Tikals erkl√§ren, nicht jedoch der Kollaps der Maya im 9. Jahrhundert.[4]

Nachklassische Zeit / Postklassik (ca. 900‚Äď1511)

Pyramide in Chich√©n Itz√°; deutlich ist der Stilunterschied zu den Maya-Pyramiden der klassischen Zeit zu erkennen, vgl. Bild ‚ÄěTikal‚Äú oben

In der Architektur der Maya kamen nun vermehrt toltekische Einfl√ľsse auf. Zu den Maya-Zentren der Postklassik geh√∂ren unter anderen Cob√°, Chich√©n Itz√°, Ek Balam, Mayap√°n, Tul√ļm und Uxmal.

Spanische Kolonialzeit

Conquista (1511‚Äď1697)

1511 landeten 13 spanische Schiffbr√ľchige auf Yucat√°n. Als der Konquistador Hern√°n Cort√©s 1519 auf Yucat√°n ankam, lebten nur noch zwei von ihnen. Einer der √úberlebenden, Ger√≥nimo de Aguilar, zog mit Cort√©s weiter nach Mexiko und half ihm als √úbersetzer.[5] Der andere √úberlebende, Gonzalo Guerrero, wollte weiter mit den Maya leben und k√§mpfte sp√§ter mit ihnen gegen die Spanier. 1527 zog ein Veteran von Cortes Truppen, Francisco de Montejo, mit 400 M√§nnern nach Yucat√°n, um es zu unterwerfen. Zuerst bekam er sogar Unterst√ľtzung von der indigenen Bev√∂lkerung, doch als sie seine Absichten erkannten, bek√§mpften sie ihn. Auch Krankheiten und Unterern√§hrung machten ihnen zu schaffen, teilweise pl√ľnderten sie in der Folge Felder der Maya. Schlie√ülich trat Francisco de Montejo das Kommando an einen seiner Untergebenen, Alonso Davila, ab, welcher ebenfalls ein Veteran aus Cortes Truppe war. Dieser konnte sich jedoch nicht gegen die Maya wehren und rettete sich mit den letzten √úberlebenden nach Honduras. Inzwischen versuchte sein Sohn, welcher ebenfalls Francisco de Montejo hie√ü, von Westen her Yucat√°n zu erobern. 1532 erdachte er den Plan, tief in Zentralyucat√°n eine Stadt zu errichten, welchen er auch mit der Stadt Ciudad Real umsetzte. Die angrenzenden Maya zogen jedoch einen Belagerungsring um die Stadt und die 200 Spanier mussten auf Grund von Nahrungsmangel fliehen. Die Nachricht von Francisco Pizarros Eroberung Perus und die gro√üen Goldfunde dort ereilte die Expedition, und trotz gro√üer Strafandrohung desertierten viele M√§nner nach Peru. Nun gingen die Spanier diplomatischer vor, die Provinz Mani wurde friedlich unter spanische Herrschaft gebracht, die Maya stellten sogar Hilfstruppen zur Verf√ľgung, vermutlich um auf diese Weise Rache an den Kokom zu nehmen, welche im Krieg mit ihnen lagen. Der Plan der Spanier war jetzt, 3 St√§dte in Yucat√°n zu errichten, welcher ihnen auch 1544 durch die Gr√ľndung von Merida, Valladolid und Salamanca de Bacalar gelang. Es wurde entschieden, dass das Land von Mexiko aus verwaltet werden sollte. Schlie√ülich wurden Versuche unternommen, die Maya zu christianisieren, unter anderem durch den M√∂nch Diego de Landa. Ber√ľhmtheit erlangte Diego de Landa, als er mit harter Hand gegen die Maya vorgehen lie√ü, die sich nicht zum christlichen Glauben bekehren und anstatt dessen an ihren religi√∂sen Ritualen festhalten wollten. Dies gipfelte in einem Urteil, das am 12. Juli 1561 abgehalten wurde und bei dem de Landa aufgrund seines religi√∂sen Eifers vor dem Franziskanerkloster in Mani alles in Maya Geschriebene sowie die religi√∂sen Figuren und Symbole der Mayas verbrennen lie√ü, was zur Folge hatte, dass uns heute nur noch Teile von vier Maya-Codices erhalten geblieben sind und noch heute einen kleinen Einblick in die Vergangenheit der Maya geben. In seinem Werk Relaci√≥n de las cosas de Yucat√°n schildert de Landa die Geschehnisse von Mani. Sp√§ter wurde er in Spanien daf√ľr angeklagt. Am Ende der Eroberung waren die Spanier nur mehr nominell Herrscher √ľber das Mayagebiet, in Wirklichkeit jedoch waren ganze Landstriche aufgrund von Kriegen und vor allem Seuchen entv√∂lkert.

Die Maya in Mexiko, Guatemala und Belize

Ungefährer Machtbereich der zeitweise unabhängigen Maya um 1870

Ab 1847 rebellierten die Nachkommen der Maya im so genannten Kastenkrieg gegen die Autorität des mexikanischen Staates und bauten um den 1850 errichteten Tempel des Sprechenden Kreuzes ihre Hauptstadt Chan Santa Cruz, die erst 1901 von der mexikanischen Armee erobert werden konnte.

Die Maya heute

Heute leben zirka 6,1 Millionen Maya [6] auf der Yucat√°n-Halbinsel sowie in Belize, Guatemala und Honduras. In Guatemala z√§hlen etwa 40 % der Gesamtbev√∂lkerung zu den Maya ‚Äď in Belize sind es rund 10 %. Auch heute noch leben die meisten Maya vom Maisanbau. Die heutige Mayareligion ist eine Mischung aus Christentum und alten Maya-Traditionen. Jede Maya-Gemeinde hat ihre eigenen religi√∂sen und weltlichen Oberh√§upter. Opfergaben von H√ľhnern, Gew√ľrzen oder Kerzen sind √ľblich. Die einzelnen Mayagruppen identifizieren sich √ľber besondere Elemente ihrer traditionellen Kleidung, in der sie sich jeweils von anderen Maya-Gruppen unterscheiden.

Als noch sehr traditionell lebende Gruppe wurden die Lacandon-Maya in Chiapas bekannt. Sie tragen z. T. noch die weiße Baumwollkleidung, die aus alten Abbildungen bekannt ist, und auch das Christentum hatte bei ihnen bis vor kurzem allenfalls sehr oberflächlich Einzug gehalten. Durch Tourismus und die Mission evangelikaler Gruppen ist allerdings auch die Lakandonen-Gesellschaft dabei, sich stark zu verändern. Allgemein hält trotz des Festhaltens an mancherlei Traditionen der technische und wirtschaftliche Fortschritt bei den Maya Einzug. Immer mehr von ihnen tragen moderne Kleidung, haben Strom, Radios oder auch Fernsehen und in den Maya-Dörfern gibt es bereits das eine oder andere Auto. Manche Maya leben inzwischen auch vom Tourismus, da immer mehr Besucher die Welt der Maya und die alten Bauwerke kennenlernen wollen.

Eine besondere Situation besteht bei den von den Zapatistas kontrollierten Dörfern der Maya im mexikanischen Bundesstaat Chiapas, die in den letzten Jahren eine weitgehende Autonomie gewonnen haben und sich selbst verwalten.

Religion der Maya

Hauptartikel: Götter der Maya

Gottkönigsstädte im Regenwald[7]

Auff√§llig an den Ruinenst√§tten der Maya-Kultur ist das Vorherrschen religi√∂ser Bauten. Die Religion √ľberhaupt und ihre Funktion√§re (Priester u. a.) scheinen im Leben der klassischen Maya eine herausragende Rolle gespielt zu haben. In klassischer Zeit werden die Stadtstaaten zumeist von K√∂nigen geleitet, die die h√∂chste oder doch zumindest eine sehr wichtige religi√∂se Funktion innehaben. Darstellungen zeigen allerdings, dass sich gerade auch Herrscher und F√ľhrungsschicht der Mayagesellschaft den oft grausam anmutenden religi√∂sen Ritualen unterwerfen mussten.

Zeit und Kosmos

√Ąhnlich anderen mesoamerikanischen V√∂lkern glaubten die Maya an einen zyklischen Charakter der Zeit. Die Rituale und Zeremonien waren eng mit den astronomischen und irdischen Zyklen der Natur verbunden. Immer wiederkehrende Vorg√§nge wurden systematisch beobachtet und in verschiedenen Kalendern der Maya verzeichnet. Die Aufgabe der Maya-Priester lag darin, die Zyklen zu interpretieren, was insbesondere dadurch geschah, dass verschiedene Zyklen (Kalendermessungen) aufeinander numerisch bezogen wurden.

Nach popul√§ren B√ľchern von Jos√© Arg√ľelles und Adrian Gilbert u.a. wird in esoterischen Kreisen f√ľr den 21. Dezember 2012 (oder 28. Oktober 2011 [8]) √ľber einen Bewusstseinsprung oder einen Weltuntergang z.B. durch eine riesige, alles verschlingende √úberschwemmung am Ende des Baktun Zyklus diskutiert (siehe Mayanismus). Der Baktun-Zyklus (die lange Z√§hlung) ist jedoch nur ein zyklischer Zeitraum unter mehreren. Enden die k√ľrzeren Zyklen, so springt die Z√§hlung entsprechend weiter.[9]

Die Erforschung der Mythologie der Maya kann sich nur auf die Interpretation sehr weniger Quellen st√ľtzen und ist Gegenstand anhaltender wissenschaftlicher Debatten. Gesichert scheint jedoch, dass die Maya sich den Kosmos in (mindestens) drei Ebenen gegliedert vorstellten, n√§mlich Unterwelt, Erde und Himmel.

Götter und Opfer

Wie bei anderen Kulturen Mittelamerikas spielt auch bei den Maya das menschliche Blut eine besondere Rolle. Hochgestellte Pers√∂nlichkeiten gewannen das Blut z. B., indem sie sich dornige F√§den durch Lippe oder Zunge zogen oder auch den Penis mit Seeigelstacheln anstachen. Die Schmerzhaftigkeit dieser Praxis war offenbar f√ľr ihren religi√∂sen Wert von gro√üer Bedeutung. Abbildungen aus klassischer Zeit verbinden das dargestellte Blutopfer zudem oft mit der Darstellung einer sogenannten Visionsschlange. Ob dies ein Hinweis darauf ist, dass der Blutverlust zu religi√∂sen Eingebungen f√ľhrte, ist bis heute ungekl√§rt. Aus Sicht der Maya war das Blut Sitz der Seele und Lebenskraft, die Seele selbst stellte man sich jedoch luft- oder rauchf√∂rmig vor (Atemseele). Daher fing man das gewonnene Blut durch Papierstreifen auf, die man anschlie√üend verbrannte. Die Maya-Religion war polytheistisch, wobei die G√∂tter der Maya analog den Menschen als sterbliche Wesen vorgestellt wurden. Wie bei den Azteken und anderen mittelamerikanischen Religionen auch, diente das Opfer daher auch nicht allein dazu, die G√∂tter gewogen zu machen, sondern auch, um die G√∂tter in gewisser Weise am Leben zu erhalten. So wird die durchaus √ľbliche Darstellungsweise in der Maya-Kunst verst√§ndlich, die uns K√∂nige zeigt, welche einen Gott als S√§ugling im Arm tragen. Gleichwohl wurden die G√∂tter zugleich als Wesen vorgestellt, die uralt sein konnten.

Cenote in Chichen Itza, neben zahlreichen Opfergaben barg man vom Grund dieses Cenotes √ľber f√ľnfzig Skelette

In der Religion der Maya waren Menschenopfer durchaus √ľblich. Die Art der rituellen Hinrichtungen reichte von K√∂pfen, Ertr√§nken (z. B. in Cenotes), Erh√§ngen, Steinigen, Vergiften, Verst√ľmmeln bis hin zu lebendig begraben. Zu den grausamsten T√∂tungsarten geh√∂rte wie bei den Azteken das Aufschlitzen des Bauches und das Herausrei√üen des noch schlagenden Herzens. Letzteres ist vor allem f√ľr die Postklassik indirekt (√ľber Kultgegenst√§nde, siehe chakmol) belegbar. Geopfert wurden sowohl Kriegsgefangene als auch Mitglieder der eigenen Gruppe, auch aus der Oberschicht. Die Bedingungen, wer wann, wie und wo geopfert wurde, werden zur Zeit noch erforscht. Sicher ‚Äď und durch Darstellungen gut belegt ‚Äď ist die T√∂tung von Kriegsgefangenen im gr√∂√üeren Ma√üstab, vielleicht aus der Oberschicht des gegnerischen Staates. Ob die Maya jedoch wie die Azteken Kriege nur zur Gewinnung von m√∂glichen Menschenopfern gef√ľhrt haben oder die K√∂nige mit der Opferung ihrer Gegner nur ihre Macht vor den Menschen und ihre Piet√§t vor den G√∂ttern belegen wollten, ist noch unklar. Zwar war die Mayakultur sehr kriegerisch, doch ist es unwahrscheinlich, dass die Maya im Umfang der Menschenopferung auch nur ann√§hernd den Azteken gleichkamen. Das fr√ľhere Bild jedoch, dass sich die Maya im Gegensatz zu den Azteken durch Friedlichkeit und nur sehr seltene Opferungen auszeichneten, wurde durch neuere Forschungsergebnisse (insbesondere seit die Schrift 1973 teilweise entziffert wurde) deutlich relativiert. Der Unterschied in der Wahrnehmung von Azteken und Maya hat historische Ursachen: Als die Spanier in Mittelamerika eintrafen, wurden sie noch Augenzeugen der aztekischen Religionsaus√ľbung, w√§hrend die klassische Maya-Kultur l√§ngst untergegangen war. In den postklassischen St√§dten im Norden Yukatans hatte sich die Kultur hingegen deutlich ver√§ndert. So l√§sst sich zum Beispiel an den Bauten der heutigen Ruinenst√§dte aus der Zeit der spanischen Eroberung gut ablesen, dass die Religion offensichtlich nicht mehr die herausragende Rolle spielte wie in der Zeit der Klassik.

Trotz der heute grausam und z. T. abstoßend wirkenden Fremdartigkeit der Maya-Religion sind doch auch viele herausragende kulturelle Leistungen eng mit der Religion der Maya verbunden. Hierzu zählen Kalenderwesen, Schrift und Bauwesen.

Politische und gesellschaftliche Situation der Maya

Die Maya waren vor allem au√üenpolitisch stark engagiert, dies war unter anderem dadurch begr√ľndet, dass die einzelnen Stadtstaaten st√§ndig untereinander rivalisierten und gleichzeitig die Handelswege zur Versorgung mit Ferng√ľtern kontrollieren mussten. Die politischen Strukturen waren je nach Region, Zeitraum, Einzelvolk und auch nach Stadt unterschiedlich. Neben erblichen K√∂nigt√ľmern unter der Herrschaft eines Ajaw (auch weibliche Herrscherinnen sind √ľberliefert), treten oligarchische und aristokratische Herrschaftsformen auf. Bei den Quich√© gab es verschiedene Adelsfamilien, die unterschiedliche Aufgaben im Staat wahrnahmen. In der Postklassik Nordyukatans scheint es St√§dteb√ľnde und kollektive Adelsherrschaften (Liga von Mayap√°n) gegeben zu haben, die in manchem an die antiken Handelsrepubliken Griechenlands erinnern. Auch demokratische Strukturen sind zumindest auf der unteren gesellschaftlichen Ebene zu beobachten: Die noch heute existierende Tradition, alle drei Jahre einen neuen B√ľrgermeister, den ‚ÄěMaya-B√ľrgermeister‚Äú, zu w√§hlen, scheint bereits lange zu existieren.

Maya-Kriegswesen

Maya-Stele (Detail)

Die Maya f√ľhrten h√§ufig untereinander Kriege. Eine Reihe von Historikern sehen darin sogar einen der Hauptfaktoren beim Untergang der klassischen Maya-Kultur. Diese These ist jedoch insofern fragw√ľrdig (und wohl z. T. auch ein Erbe einer pazifistischen Ideologie), als bei den klassischen Maya die Bedeutung des Krieges und die kulturelle Bl√ľte offenbar Jahrhunderte lang Hand in Hand gegangen waren. Beispielsweise kann auch in der klassischen griechischen Kultur die Bedeutung des Krieges kaum √ľbersch√§tzt werden. Allerdings kann eine solche Kriegstradition verheerend wirken, wenn sich die √ľbrigen Bedingungen (Klima, aber auch die Entstehung eines √ľberm√§chtigen Gegners) √§ndern. Unter diesen Umst√§nden k√∂nnen st√§ndig ausge√ľbte Kriege, zwischen im Prinzip weitgehend ‚Äěgleichen‚Äú Gegnern, den Niedergang aller drastisch beschleunigen. Tats√§chlich finden sich eine Reihe von Indizien daf√ľr, dass es in der Zeit des Niedergangs der klassischen Zentren vermehrt zu Kriegshandlungen kam.

Kriegsfunktionen

Die Kriegsaus√ľbung hatte bei den Maya vielf√§ltige Funktionen. Sie diente politischen, wirtschaftlichen und auch religi√∂sen Zwecken: H√§ufiges Ziel war die dynastische Kontrolle √ľber konkurrierende Stadtstaaten, d. h. der Krieg wurde gef√ľhrt, um eine feindliche Dynastie durch abh√§ngige Herrscher zu ersetzen. In politischer Hinsicht ebenfalls wichtig war die Reputation, die siegreiche Herrscher und teilnehmende Adlige im Krieg gewinnen konnten. In wirtschaftlicher Hinsicht war die Kontrolle des Fernhandels sowie die ‚ÄěEinwerbung‚Äú von Tributen wichtig; daneben wurden wohl auch einige Einwohner besiegter St√§dte versklavt. In religi√∂ser Hinsicht konnten durch den Krieg Menschenopfer f√ľr religi√∂se Zeremonien gewonnen werden ‚Äď ob letzteres jedoch ein eigentliches Kriegsziel oder vielmehr ein willkommener Effekt eines Krieges war, ist bisher noch nicht endg√ľltig gekl√§rt. Bemerkenswerterweise wurde Krieg in aller Regel in klassischer Zeit nicht gef√ľhrt, um eine gegnerische Stadt zu zerst√∂ren oder um ein gegnerisches Territorium dem eigenen Territorium in eigentlicher Weise einzuverleiben. Eine besiegte Stadt und ihr Gebiet wurde also nicht eigentlich dauerhaft erobert, sondern √ľber Tribute und ergebene und/oder verwandte Herrscher abh√§ngig gemacht. Folgerichtiger Weise kam es in klassischer Zeit auch nicht zur Ausbildung von territorial bestimmten gr√∂√üeren K√∂nigreichen. Vielmehr begn√ľgten sich m√§chtige Herrscher mit dem Titel eines ‚ÄěOberk√∂nigs‚Äú und abh√§ngigen K√∂nigen, die auf ihren Herrscherstelen den Hinweis verewigten ‚ÄěK√∂nig W von Y wurde eingesetzt durch K√∂nig X von Z‚Äú. Ein entscheidender Nachteil des auf pers√∂nliche Abh√§ngigkeit zielenden Herrschaftssystems der Maya war freilich, dass die Bindungen zwischen den St√§dten √§u√üerst fragil waren und so regelm√§√üig Grund f√ľr neue Kriege bestand.

Bewaffnung

Die Maya-Krieger benutzten Speerschleudern (‚Äěatlatl‚Äú), Blasrohre sowie mit Obsidian-Klingen ausgestattete Schlagwaffen wie Keulen, Speere, √Ąxte und Messer. Ebenfalls verwendet wurden Pfeil und Bogen. Diese scheinen jedoch in klassischer Zeit keine gro√üe Rolle gespielt zu haben, w√§hrend Abbildungen aus der Zeit der spanischen Eroberung zahlreiche K√§mpfe zeigen, in denen Pfeil und Bogen von (den allerdings hier verschanzten) Maya-Kriegern verwendet werden. W√§hrend Helme anscheinend wenig benutzt wurden, gebrauchten die Maya aber Schilde aus Holz und Tierhaut und auch aus gewebten Matten.

Formen des Kriegswesens

Farbiges Relief aus Bonampak: Ein König besiegt seinen Gegner. Man beachte die Kopftracht des siegreichen Königs

√úber die Formen der Kriegsaus√ľbung bei den klassischen Maya ist man auf Mutma√üungen angewiesen. Spanische Darstellungen aus der Zeit der Eroberung zeigen uns zumeist einfach gekleidete K√§mpfer im wei√üen Baumwollkost√ľm und mit dem typischen Rundschild, w√§hrend √§ltere Darstellungen aus klassischer Zeit wie die Wandgem√§lde von Bonampak auch √§u√üerst aufw√§ndig kost√ľmierte Krieger darstellen. Die aufw√§ndige Kriegstracht ‚Äď wahrscheinlich milit√§rischen F√ľhrern und Spezialisten vorbehalten und vorausgesetzt, sie diente nicht nur der Siegesdarstellung nach dem Kampf, sondern kam wie bei den sp√§teren Azteken auch zum Einsatz ‚Äď kann man sich am besten veranschaulichen, wenn man sich traditionelle s√ľdamerikanische Karnevalskost√ľme vorstellt. Der Umstand, dass es sicher schwierig war, in solcher Kost√ľmierung zu k√§mpfen, zeigt schon, dass Form und Funktion des Kampfes bei den Maya z. T. offenbar anders waren als bei vergleichbaren V√∂lkern (vor allem au√üerhalb Mittelamerikas). Bei den Maya scheint es keine Soldaten (‚Äěbezahlte Berufskrieger‚Äú) ‚Äď also kein stehendes Heer im eigentlichen Sinn ‚Äď gegeben zu haben, wahrscheinlich wurden im Kriegsfall wenige milit√§rische F√ľhrer aus dem Adel um kurzfristig ausgehobene Bauern erg√§nzt. Dieses Rekrutierungsverfahren erlaubte es in Zeiten geringer b√§uerlicher Arbeitslast, auch sehr gro√üe Kampfverb√§nde zusammenzustellen.[10] Da nicht wenige Siege √ľber K√∂nige und ganze St√§dte √ľberliefert sind, muss die milit√§rische Mobilisierung von Zeit zu Zeit betr√§chtlich gewesen sein. Andererseits sind die erhaltenen Verteidigungsanlagen (Systeme aus Gr√§ben und Palisaden) der Stadtstaaten bei weitem nicht so ausgebaut, wie man es von anderen Kulturen kennt. In der Zeit der Postklassik hingegen kommt es auch zur Anlage regelrechter Befestigungen. Besonders im s√ľdlichen Hochland, das dem Druck der Azteken ausgesetzt war, werden nun Siedlungen vermehrt auf Bergen angelegt und durch massive Steinbauten gesch√ľtzt.

Krieg wurde offenbar nicht in Formation gef√ľhrt, sondern es wurde anscheinend (wie weit die spanischen √úberlieferungen auch f√ľr die klassische Zeit gelten, bleibt zu hinterfragen) ohne ersichtliche Taktik aufeinander gest√ľrmt, um sich gegenseitig zu t√∂ten. Dieses Kampfprinzip setzt auf Geschwindigkeit, wer alleine √ľberleben wollte, musste schneller und st√§rker als sein Gegner sein. Am Ende jeden Krieges, die offenbar fast immer f√ľr die Gegner verlustreich waren, wurden die K√∂pfe der toten Besiegten als Troph√§en aufgespie√üt. Auch √ľberfallartige Kriege wurden anscheinend in der Zeit der Klassik ausgetragen. Dabei entf√ľhrte man zuerst den feindlichen K√∂nig und opferte diesen, um im Anschluss die v√∂llig verwirrten B√ľrger zu attackieren.

Architektur der Maya

Der Gouverneurspalast in Uxmal. Dass die Maya-Architektur keine weit√ľberspannten Innenr√§ume kannte, l√§sst sich gut an diesem repr√§sentativen Geb√§ude veranschaulichen. An die Stelle der fehlenden Tiefe des Geb√§udes tritt das Prinzip der horizontalen Reihung der in ihrer Funktion historisch nicht endg√ľltig gesicherten Geb√§udeteile.

Viele Bauwerke der Maya haben den Kollaps ihrer Kultur als Ruinen √ľberdauert und z√§hlen zu den reichhaltigsten Zeugnissen der pr√§kolumbischen V√∂lker Amerikas. Die heute sichtbaren √úberreste bestehen ausschlie√ülich aus Steingeb√§uden, Bauwerke aus Holz oder Lehm sind aufgrund der Witterung Mittelamerikas im Laufe der Jahrhunderte verrottet und allenfalls als Fundamentspuren erhalten.

Von den Bauten der Maya haben sich vor allem zwei unterschiedliche Grundtypen erhalten: Die in vertikaler Ausrichtung errichteten Pyramiden und die in vorwiegend horizontaler Ausrichtung erbauten Palastanlagen. Die Pyramidenbauten dienten, anders als die Pyramiden der √Ągypter, nur selten als Grabm√§ler, sondern fanden vor allem als Opferst√§tten eine kultische Verwendung. Auf ihrer Spitze befand sich in der Regel eine Art Plattform, auf der die Opferzeremonien durchgef√ľhrt wurden. Die genaue Verwendung der sogenannten Pal√§ste ist dagegen unklarer und nicht vollst√§ndig erforscht, ob sie dem Stadtadel oder der religi√∂sen Kaste als Wohnst√§tten; oder ob sie den Pyramiden gleich rituellen Zwecken dienten, ist nicht gesichert.[11] Neben den Pal√§sten und Pyramiden gab es Mischformen aus beiden Geb√§udetypen, zu den weiteren bedeutenden Bauwerken geh√∂ren unter anderem Triumphb√∂gen, die steinernen Einfassungen der Ballspielfelder und die Observatorien.

Die Maya erfanden eine Form des Betons und entwickelten einen Schalenbau, in dem doppelte Mauern aus behauenem Stein ausgegossen und verf√ľllt wurden.[12] Als Baustoff diente vor allem gestampfte Erde, der reichlich vorhandene Naturstein und auch eine Form von Stuck. Der f√ľr den Maya-Beton und -Stuck notwendige Kalk wurde in einfachen Schicht√∂fen gebrannt.[13] Die althergebrachte Stroh- und Lehmh√ľtte bildete in ihren Ausma√üen und ihrer historischen Zweckm√§√üigkeit den Ausgangspunkt der steinernen Bauwerke.[14] Kennzeichnend f√ľr die Maya-Architektur ist das v√∂llige Fehlen von B√∂gen und echten Gew√∂lben.[12] Diese waren den Maya unbekannt und der Stil ihrer Baukunst ist somit sehr von horizontalen, vertikalen und gewinkelten Linien gepr√§gt. Aus der Verwendung von Kraggew√∂lben ergab sich, dass Innenr√§ume nicht besonders weit √ľberspannt werden konnten und somit relativ klein und eng ‚Äď ihren H√ľtten gleich ‚Äď blieben. Anstelle weniger gro√üer R√§ume entwickelten die Maya stattdessen h√§ufig eine Reihenfolge zahlreicher kleinerer R√§ume, die zu sogenannten Kammerpal√§sten mit ornamentalen Grundriss f√ľhrten.[11] Da die Maya zudem so gut wie keine Fenster nutzten und Licht lediglich durch die T√ľr√∂ffnungen einfiel, entwickelten sie keine bedeutende Innenarchitektur. Ihre Bauten waren vor allem auf die Au√üenwirkung konzipiert und die vorwiegend liturgischen Zwecken dienenden R√§ume waren allenfalls mit Wandteppichen geschm√ľckt, selten wurden auch Spuren von Malereien gefunden.

Pyramide in Palenque mit Hahnenkamm auf dem Dach

Ein weiteres Merkmal der Maya-Architektur ist, dass √§ltere oder zu klein gewordene Bauten in der Regel nicht abgerissen, sondern bei Bedarf vergr√∂√üert und √ľberbaut wurden.[15] So sind im Inneren der Baumasse von vielen Tempeln und Pyramiden die Vorg√§ngerbauten verborgen. Dies gibt der heutigen Wissenschaft die M√∂glichkeit, die bautechnische Entwicklung der Maya zu entschl√ľsseln. Stilistisch wiederkehrende Formen sind die m√§chtigen verzierten Dachgesimse, welche mit ihrem Eigengewicht die Kraggew√∂lbe hielten oder die von den Spaniern so genannten cresteria (‚ÄěHahnenk√§mme‚Äú), Aufbauten aus komplizierten Steinornamenten zur Bekr√∂nung der D√§cher. Vielerorts wurden die Fassaden der Geb√§ude mit Masken und Tiermotiven dekoriert. Die Maya entwickelten in verschiedenen Regionen des von ihnen bewohnten Gebiets unterschiedliche Baustile und nahmen auch stilistische Einfl√ľsse benachbarter V√∂lker wie den Tolteken auf.[16]

Bemerkenswert ist, dass den Maya, ebenso wie den √ľbrigen V√∂lkern Amerikas (mit Ausnahme der Inkas, die in geringem Umfang Lamas nutzten), keine Lasttiere zur Verf√ľgung standen, und dass das Rad (obwohl prinzipiell bekannt) als mechanisches Hilfsmittel nicht verwendet wurde. Die gro√üen Mengen Baumaterial wurden daher ausschlie√ülich durch Menschenkraft bewegt.

Maya-Forscher

Ber√ľhmte Maya

Siehe auch

Literatur

  • Raimund Allebrand (Hrsg.): Die Erben der Maya: indianischer Aufbruch in Guatemala. Horlemann, Unkel (Rhein)/Bad Honnef 1997, ISBN 3-89502-063-X.
  • Gerard W. van Bussel: Der Ball von Xibalba. Das mesoamerikanische Ballspiel. Kunsthistorisches Museum mit Museum f√ľr V√∂lkerkunde und √Ėsterreichisches Theatermuseum, Wien 2002, ISBN 3-85497-037-4.
  • Michael D. Coe: Das Geheimnis der Maya-Schrift: ein Code wird entschl√ľsselt. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1997, ISBN 3-499-60346-2.
  • Arthur Demarest: Ancient Maya. The Rise and Fall of a Rainforest Civilization. Cambridge University Press, Cambridge 2005, ISBN 0-521-53390-2.
  • Jared Diamond: Kollaps. Warum Gesellschaften √ľberleben oder untergehen. Fischer, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-10-013904-6.
  • Nikolai Grube (Hrsg.): Maya, Gottk√∂nige im Regenwald. K√∂nemann, K√∂ln 2000, ISBN 3-8290-1564-X.
  • Klaus Helfrich: Menschenopfer und T√∂tungsrituale im Kult der Maya. Mann, Berlin 1973, ISBN 3-7861-3013-2.
  • Diego de Landa: Bericht aus Yucatan. √úbersetzt aus dem Spanischen von Ulrich Kunzmann. Reclam, Stuttgart 2007, ISBN 3-15-020528-X.
  • Timothy Laughton: Die Lebenswelt der Maya. Bechterm√ľnz, Augsburg 1999, ISBN 3-8289-0719-9.
  • Victor Montejo: Voices from Exile: Violence and Survival in Modern Maya History. University of Oklahoma Press, Norman 1999, ISBN 0-8061-3171-3.
  • Berthold Riese: Die Maya: Geschichte, Kultur, Religion. 6., durchges. Aufl., Beck, M√ľnchen 2006, ISBN 3-406-46264-2.
  • Jens Rothark & Mario Krygier: Don Eric und die Maya ‚Äď 23. Dezember 2012 ‚Äď Werden die G√∂tter wiederkommen? docupoint, Magdeburg 2006, ISBN 3-938142-72-3.
  • Linda Schele & David Freidel: Die unbekannte Welt der Maya: das Geheimnis ihrer Kultur entschl√ľsselt. Weltbild-Verl., Augsburg 1995, ISBN 3-89350-737-X.
  • √Čric Taladoire & Jean-Pierre Courau: Die Maya. Primus, Darmstadt 2006, ISBN 3-89678-278-9.
  • Henri Stierlin (Hrsg.): Maya: Guatemala, Honduras, Yukatan. Taschen, K√∂ln 1994, ISBN 3-8228-9528-8.

Filme

Weblinks

 Commons: Maya ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ O. F. Cook: Milpa agriculture, a primitive tropical system. In: Annual Report of the Board of Regents of the Smithsonian Institution = Annual report, 1919. Washington, D.C., 1921: S. 307‚Äď326.
  2. ‚ÜĎ Gerald Haug et al.: ‚ÄěClimate and the Collapse of Maya Civilization‚Äú, in: Science 299, 2003, S. 1731-1735. doi:10.1126/science.1080444
  3. ‚ÜĎ Nikolai Grube: Maya, Gottk√∂nige im Regenwald. K√∂nemann, K√∂ln 2000, S. 103.
  4. ‚ÜĎ Simon Martin/Nikolai Grube: Chronicle of the Maya Kings and Queens: Deciphering the Dynasties of the Ancient Maya. Thames & Hudson, London 2000, S. 40.
  5. ‚ÜĎ Cort√©s, Hern√°n: Die Eroberung Mexicos. Drei Berichte an Kaiser Karl V. S. 38
  6. ‚ÜĎ Ethnologue.com
  7. ‚ÜĎ Vgl. zur √úberschrift den Titel des Buches von N. Grube ‚ÄěGottk√∂nige im Regenwald‚Äú, Grube 2000
  8. ‚ÜĎ Carl Johan Calleman: Why the Creation Cycles do not end December 21 2012, but October 28, 2011
  9. ‚ÜĎ Eine detaillierte Auseinandersetzung mit den verschiedenen Zyklen und dem Problem der Zeitrechnung(en) findet sich z.B. bei Alexander W. Vo√ü: Astronomie und Mathematik, In: Grube 2000, 131-143, besonders 136ff.
  10. ‚ÜĎ Vgl. zu beiden Aussagen Simon Martin: Unter einem t√∂dlichen Stern. Krieg bei den klassischen Maya. In: Grube 2000, S. 175-185, hier 185
  11. ‚ÜĎ a b Henri Stierlin: Maya, Seite 100
  12. ‚ÜĎ a b Henri Stierlin: Maya, Seite 96
  13. ‚ÜĎ Henri Stierlin: Maya, Seite 133
  14. ‚ÜĎ Henri Stierlin: Maya, Seite 94, 95
  15. ‚ÜĎ Henri Stierlin: Maya, Seite 174
  16. ‚ÜĎ Henri Stierlin: Maya, Seite 59

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